Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Auftrag zur Anmeldung beim Reichserbmarschall Ulrich von Pappenheim mit Übergabe der Vollmacht; [2.] Weisungen für die richtige Sitzordnung Englmairs gegenüber EB Ernst von Magdeburg; [3.] Übergabe eines Dankbriefes an EB Uriel von Mainz; [4.] Weigerung der Salzburger Landstände zur Erlegung des Gemeinen Pfennigs unter Verweis auf andere Reichsstände; [5.] Damit zusammenhängendes Problem der Aufbringung der Kölner Eilenden Hilfe; [6.] Stornierung des Solds der beiden Salzburger Reisigen für die Bamberger Hilfe; [7.] Seine Belastung durch weitere Abgaben; Weisung zur Berichterstattung über das Verhalten der Reichsstände in Sachen Gemeiner Pfennig.

Salzburg, LandesA, Hofrat Catenichl 5, fol. 41a–43a, Konz. (Überschrift von anderer Hand: Instruction auf den reichstag gein Wormbs. Actum pfintztag trium regum 1513).

/41a/ Leonhart von Gots gnaden EB zu Salzburg

Instruction der handlung, so unser ratea Eberhart Englmair auf den reichstag zu Wormbs, der sich epiphanie Ao. etc. 1513 [6.1.13] anfahet, ausrichten sol

[1.] Er sol auf demselben reichstag dem marschal des Reichs [Ulrich von Pappenheim] sich für unser botschaft anzaigen, auch den gewaltsbrief [liegt nicht vor], so er von uns hat, wo der von ime ervodert wirdet, uberantworten.

[2.] Ime hat auch derselb marschal die session zu geben, die er nemen sol, nemlich also: Nachdem sich zwischen unser und des EB [Ernst] zu Maidburg solher session halb lang zeit her irrung gehalten hat1, sofer derselb von Maidburg in der versamlung der stende in aigner person sitzt, so hat unser botschaft nach im die negst stat und vor allen Bff. zu sitzen. Sitzt aber des von Maidburg botschaft, so sol unser botschaft nit hinnach sitzen, sonder wirdet es also gehalten, dazb die zwo botschaft zu sitzen abwechslen und yr ainen tag ain botschaft sitzt und di ander hiraussen bleibt alternatis viribus. Wo aber ksl. Mt. als Ehg. von Osterreich ir botschaft auch do haben wird, die dann vor uns und Maidburg zu sitzen vermaint, das wir aber nit zuegeben, so geschicht solhs abwechselnd, also daz albeg den dritten tag ain botschaft aus den dreyn sitzt, und wo anders an unser botschaft vermugt wurde, so sol die unser session nit begeben, sonder die session, wie ytz vermelt, alternatis viribus begeren, und wo die nit erlangt mocht werden, gar ausbleiben. /41b/ Wo auch ksl. Mt. als Ehg. in Osterreich oder der von Maidburg solher session halb umb entschid anhalten lassen wurden, so sol unser botschaft darein nit bewilligen und sagen, die sey zu solher sach nit verfasst noch von uns mit ainichem bevelh abgefertigt, wir sein auch, der irrung halben uns zu verhoren, nit ervordert.

[3.] Er sol auch den dankbrief [liegt nicht vor] von uns, an unsern H. und freund, den EB [Uriel] zu Mainz, lautend, antworten und sich von unsern wegen gegen seiner lieb mit worten und danksagung von zimlichen dingen erbieten. Wo ime auch ainich beswerung oder irrsal furfiel, darin er von unser wegen rats notdurftig sein wurde, sol er sein lieb als canzler des Reichs anlangen und von unser wegen umb rat bitten, als wir auch seiner lieb hiemit laut der copy schreiben und bitten, unser botschaft in bevelh zu haben.

[4.] Er sol auf dem reichstag sein fleissig erfarung haben, ob die Kff., Ff. und stende des Reichs und welhe aus inen den anslag [= Gemeiner Pfennig], zu Coln gemacht, ksl. Mt. erlegt und ausgericht haben. Und soferr er vernymbt, daz die maisten aus den steenden cund nemlich die Ff., an uns stossend, als [Hg. Wilhelm von] Baiern,[Bf. Lorenz von] Wirzburg etc.–c irn anslag nit bezalt haben oder beswären, daz ir undertan den gemainen pfennig nit geben wolten, so sol er von unsern wegen ksl. Mt., auch den steenden sagen, daz unser undertanen solhen gemainen pfennig, alldieweil die landschaft des Ft. Baiern nit bewilligt noch den geben hat, auch nit bewilligen noch geben werden. So wär uns swär,/42a/ den anslag, nemlich aintausentsibenhundert und vierundsechzig fl. rh., auf uns geslagen2, fur ain darlehen auszurichten, so wir solh darlehen aus dem gemainen pfennig von unsern undertanen nit einbringen mochten. Wir haben auch die stende unser landschaft deshalben auf St. Antonientag [17.1.13] ervordert, mit inen von solhs gemainen pfennigs wegen zu handlen, aber ganz zu besorgen, die werden sich darein nit begeben, sy sehen dann vor, was ander landscheft der Ftt. tun und besliessen. Darauf haben wir billich mit dem anslag zu bezalen auch zu waigern, so zumal derselb von andern Kff. und Ff. noch nit geantwort worden ist.

[5.] Und wiewol wir jungst ksl. Mt. auf ir ervordern des anslags geschriben und uns erboten haben, solhen anslag hie zu Salzburg irer Mt. gegen notdurftig quittung auszurichten, so haben wir uns doch dazumal versehen, unser landschaft würde in dem gemainen pfennig kainen aufschub machen. So aber dieselb vernymbt, daz der an andern orten nit geben wirdet, werden sich unser undertanen, den zu geben, auch sperren.d

[6.] /42b/ So ist uns auf dem reichstag zu Coln ain hilf zwayer geraisigen, zu Bamberg zu halten, auferlegt.3 Darauf wir ain monat lang dieselben zwey geraisig gehalten und den monetsold fur solh zwen geraisig des Reichs haubtman der enden, nemlich LX rh. fl., bezalt haben.4 Ist uns nit gemaint, uber solh monet dieselb zwen geraisig lenger zu halten noch zu versolden, und sol unser botschaft solhs den stenden zu wissen tun e, auch dem haubtman des Reichs [Fh. Gangolf von Hohengeroldseck], so gen Bamberg verordent ist, unser schreiben zuestellen oder zueschikhen, damit er solh geraisig auf unser costen nit weiter helt–e, wann wir gleublich bericht sein, daz die andern steend des Reichs wenig getan haben, auch die anzal der verordenten hilf nye gar beyeinander gewesen ist.

[7.] So sein wir sust mit manigfeltiger bürde und ausgab von wegen des Reichs beswert, nemlich ytz mit dem anslag, auch mit der contribution auf das camergericht, und sust von unsern renten und gulten, so wir in ksl. Mt. erblanden haben, den zehenten pfennig geben müssen. /43a/ Wo aber etlich aus den maisten steenden iren anslag bezalt hieten, das sol uns unser botschaft und wie sich die steende allenthalben in die bezalung geschikht haben, mit dem negsten wissen lassen, damit wir uns darnach haben zu richten.

Anmerkungen

a
 Korrigiert aus: gesandter.
1
 Zu diesem Konflikt vgl. Willich, Rangstreit.
b
 Folgt gestrichen: ains yeden tags.
c
–c Am Rand hinzugefügt.
2
 Gemeint ist die auf dem Kölner Reichstag 1512 beschlossene Eilende Hilfe für den Krieg Ks. Maximilians gegen Hg. Karl von Geldern. Vgl. die beiden ksl. Mandate an Reichsstände, Köln, 1. Oktober 1512. Seyboth, Reichstagsakten 11, Nr. 1849, 1850.
d
 Folgt gestrichen: Darauf sol er ksl. Mt. underteniglich bitten, daz ir Mt. ain gn. geduld tragen und umb solhen anslag nit schikhen wolle, bis solang der aus andern Ftt. gegeben und der gemain pfennig von den undertanen zu geben bewilligt wird. Wir haben ksl. Mt. zu gevallen vorlengst VIm fl. auf kunftigen anslag des Reichs dargelihen und uns ytz den anslag an solher summe des darlehens inhalt ksl. Mt. verschreibung, so wir haben, abgeen solt. Deshalben mit uns billich ytz nit angefangen werden sol, wiewol wir in ansehung ksl. Mt. notdurft den an der schuld ytz nit abziehen, sonder zu geben uns erboten haben, soferr wir des mugen von dem gemainen pfennig wider bezalt werden.
3
 Gemeint ist die Reiterhilfe, die der Kölner Reichstag 1512 in Reaktion auf den Überfall auf einen Kaufmannszug im Geleit Bf. Georgs von Bamberg beschlossen hatte. Vgl. Seyboth, Reichstagsakten 11, Abschnitt IV.19.2.
4
 EB Leonhard von Salzburg an Bf. Georg von Bamberg, Schloss Golling, 27. Oktober 1512. Ebd., Nr.1879.
e
–e Am Rand hinzugefügt.