Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Forderung nach eidlicher Zusicherung der Ritterschaft, keine Friedbrecher zu unterstützen; Bestrafung von Verstößen; [2.] Zustimmung zu einer eventuellen Änderung der bestehenden Burgfrieden durch den Ks.; [3.] Akzeptanz einer neubelebten reformierten Turniergesellschaft; [4.] Geplante Aufrichtung eines neuen Ritterrechts.

Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei Nr. 9, fol. 118a–119a, Kop.

/118a/ Dits sein die drey artikel, so die ksl. haubtleut und commissarii den erforderten vom adl, so erscheynen werden, furhalten sollen

[1.] Am ersten sollen sie sweren, das sie hinfur keinen offenwaren echter wider das hl. Reich noch desselben gehorsamen steend und untertanen, auch keinen landfridbrecher, strassenrauber noch heckenreuter keinerley hilf, rate, tat, furschub noch unterschleif tun noch geben und das sie alle, die von ksl. Mt. und iren nachkomen am Reich durch irer Mt. offen brif in acht und aberacht erclert und verkundt werden, fur echter und aberechter halten und darin irer Mt. macht und oberkeit nit anfechten noch disputiren, desgleichen, das auch nu hinfur ewiglichen alle die vom adel, so 18 jare ihres alters erreicht haben, den obberurten artikel auch sweren und welch den nit tun wollen oder sich verhielten oder den getanen eid verbrechen wurden, desgleichen diejenen, so denselben daruber einichen furschub, hilf oder enthalt teten, dieselben alle sollen darumb swerlich gestraft werden.

[2.] Zum andern sollen sie den ksl. haubtleuten und commissarien itzo glaubwirdig copey aller brif, so sie uber die sloss- und burkfriden haben, uberantworten, und wo die ksl. Mt. in denselben brifen und burkfriden etwas befinde, das dem adel nit wol anstünde oder ine nit billich zugehort und wider ere und erberkeit were und dasselb endern und dem adelichen wesen und aller erberkeit gemeß und leydenlich stellen wurd, das alsdann dieselben vom adel solch irer Mt. enderung, ordenung und gesetz derselben burgfriden also annemen, sweren und ewiglichen halten wellen.

[3.] /118b/ Zum dritten, nachdem die ksl. Mt. zu eren und wolfart des fromen, loblichen adels, zu vermeydung lasters und ubeltat im hl. Reich hievor furgenomen haben, die loblichen geselschaft des turners2, so vor zeiten im hl. Reich umb aller geborner leut, mann und frauen, ere und zucht willen in ubung gewest und aus hinlessigkeit und andern ursachen ein gute zeit here nit gebraucht worden ist, doch mit etlichen geburlichen verenderung[en] aufzurichten und deshalben die alten turnersgeselschaft ongeverlich uf vaßnacht [16.2.18] zusammenzubeschreiben und die alten und neuen geselschaft und artikel miteinander zu vergleichen, denselben turner sollen die vom adel itzo auch annemen und bewilligen.

[4.] Nota, damit sich der adel des langwirigen rechten halben nit mer zu beclagen hab und sich mit dem schweren und annemen der obgerurten dreyer articel nit ausreden mogen, so will die ksl. Mt. dem freyen adel ein neus rittersrecht aufrichten, wie hernachvolgt: [Folgt Nr.774 [6.]].

Anmerkungen

1
 In einem Schreiben von diesem Tag an die Ritterschaft am unteren Neckar, am unteren Kocher, im Odenwald, an der Jagst und im Wasgau (Gau) erklärte Ks. Maximilian, er habe sie bereits vor einiger Zeit auf einen Tag nach Mergentheim und an andere Orte geladen und seine Kommissare beauftragt, mit ihnen gemäß einer (nicht vorliegenden) Instruktion über unser und des hl. Reichs notturften, die auch euch zu eren und wolfart reichen, zu verhandeln. Die Kommissare hätten jedoch berichtet, dass niemand auf diesen Versammlungen erschienen sei. Dies befremde und missfalle ihm, weil er dahinter Ungehorsam und Missachtung vermute. Er habe deshalb seine Kommissare und Hauptleute nach Wimpfen geschickt mit Weisungen für Verhandlungen mit den Rittern. Diese sollten auf Ersuchen der Kommissare und Hauptleute unverzüglich an den von diesen benannten Ort kommen und in die Verhandlungen eintreten. Wer sich weiterhin ungehorsam zeige, gegen den werde mit der Tat vorgegangen. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei Nr. 9, fol. 117a u. b, Kop. (a.m.d.i.p. ). Über die vom Ks. erwähnte Einberufung von Tagen in Mergentheim und andernorts liegt kein Nachweis vor.
2
 Zu den zahlreichen spätmittelalterlichen Turnier- oder Adelsgesellschaften vgl. Kruse/Paravicini/Ranft, Ritterorden.