Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Weiterreise des Ks. von Frankfurt a. M. nach Aschaffenburg; Ankunft der Kff. Albrecht von Mainz und Joachim von Brandenburg; [2.] Seine Teilnahme an der ersten Reichstagssitzung zusammen mit Johann Brenner von Löwenstein; [3.] Sessionskonflikt mit den mgfl.-ansbachischen Gesandten; [4.] Bitte um weitere Begleitung durch Johann Brenner; [5.] Erwartete Ankunft der Kff. Ludwig von der Pfalz, Hermann von Köln und Richard von Trier; [6.] Unzuverlässige Informationslage; [7.] Mutmaßliche Anhörung Franz von Sickingens durch die Kff.; Ankunft Kf. Ludwigs.

München, HStA, Kasten blau 103/2c/3, fol. 190, 192, Orig. Pap. m. S.

[1.] /190a/ Gruß. Gn. H., ich fuge uwern ftl. Gn. wissen, wie daz ksl. Mt. uf nest sondag vergangen [21.6.17] von Frankfort gen Aschaffenburg geritten, also daz man syner zukonft zu Menz nit eygentlich wyße. Und ist myn H. [EB Albrecht] von Menz und myn H. Mgf. Joachym [von Brandenburg], Kff., uf genanten sondag von ksl. Mt. gescheyden, gen Menz komen.

[2.] Also haben dieselben, was von des Richs geschickten [anwesend ist], tun berufen, uf nest mondag [29.6.] uf daz rathuse zu 12 uwern zu erschyn. Daruf hab ich myn gn. H. Hg. Friderich [von Pfalz-Simmern] ratz gefragt, nachdem ich nie in keyner zession gewest, weß ich mich halten [soll] etc. Also ist Johan Brenner von Lewenstein1 eyn dag oder zwen by mym gn. H. Hg. Friderich gewest. Hait syn Gn. vor gut angesehen, so Johan von Lewenstein on daz da sy, daz ich in mit mir von uwern Gn. wegen ufs rathuse neme, diewile er vor zum dicker male zu den richsdagen gewest, nachdem alwegen irunge der session halber gewest, damit uwern ftl. Gn. nichtz nachteylig [geschieht]. Uf solichs sich genanter Johan erboten und mit mir uf dem rathus erschienen by andern vom Rich, dagewest.

[3.] Also hait myn H. von Menz mitsampt Mgf. Jochym, Kff., etc., die stende nacheynander durch myn H. [Gf. Eberhard] von Konigstein mit eynem verlesen zettel heysen sitzen, und indem wir erfordert zu sitzen, haben sich Mgf. Kasmerus [von Ansbach-Kulmbach] botschaft [Wolfgang von Bibra, Karl von Heßberg] vor uns in den seß getrückt. Also syn wir bliben sten. Haben beide Hh. obgemelt den von Konigstein zu uns geschickt, in der geheym mit uns geret, sie sehen wol, daz /190b/ wir uns irten der session halber. Damit kein verhinderung den dag gesche, betten sie, diesmale zu fiegen. Daruf wir antwort geben, wir werden nit setzen, man setz uns dan, wie sich nach herkomen des hus von Beyern gebürt. Uf solchs haben sie uns noch einmal gebeten, wo wir aber je daruf beharren wollten, daz wir dan dismal abtreten. Daz wir also getan, uwern ftl. Gn. nit wollen verhalten.

[4.] Nuwe, als uwer ftl. Gn. weyß, ich die hohen ding nit erfare und diewile Johan von Lewenstein noch on daz eyn dag oder vierehe zu Menz verharen will und in myns H. herberg lyt, wo is dann uwern Gn. gefallen wolt, daz uwer ftl. Gn. im woll tun schreiben, wo ir witer erfordert, daz er von uwer Gn. wegen mit mir erschien bis uf uwer ftl. Gn. zukunft oder daz uwer Gn. jemand ander, uwer Gn. ret eynen, her verordent hette.

[5.] Weyß sonst uwer ftl. Gn. nit witers zu schreiben, dan man noch nit wissen kan, wes us dem richsdag werde, dan ich noch nit mehr Ff. oder fürstenret vernomen zu disem richsdag, dan wie ich uwer Gn. vor geschriben habe [Nr.959 [1.]], wiewol die gemeyn sage ist, daz [Kf. Ludwig von der] Phalz,[EB Hermann von] Koln und [EB Richard von] Trier uf wege syn, gen Menz zu komen. Hg. Wilhelm von Beyern und Mgf. Kasimirus synt mit ksl. Mt.

[6.] Ich solt uwern ftl. Gn. etwas nuwer mer schreiben, lügt man so sere, das ich uwern Gn. nit sunders schreiben weyß, die mir alzit hat tun zu gebieten. Geben uf dinstag nach St. Albansdag Ao. 1517.

[7.] /192a/ [Zettel:] Auch, gn. H., hab ich verstanden disen morgen von Johan von Lewenstein, der by myns H. [Bf. Georg] von Spyrs botschaft erkant, wie ksl. Mt. Franciscus von Sigkingen verdagt het gen Menz. Den dag ich nit eygentlich weyß, soll doch in ach[t] tagen ungeverlich geschehen, und soll myn H. Pfalzgf., myn H. von Menz, myn H. Mgf. Jochym, die dry Kff., comissarien in der sachen syn. Zu verhöre deß sollen die dry Kff. iene mit syner ret eynen vergleyten bis gen Meinz. Hab ich uwern Gn. vor nuwe mere nit wollen verhalten. Und wirt myn H. Pfalzgf. heut [23.6.17] her gen Menz komen. Datum ut [in] litteris.

Anmerkungen

1
 Zu seiner Person vgl. Fouquet, Speyerer Domkapitel, S. 356–360.