Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XIV. Band. Der Reichstag zu Nürnberg 1543 bearbeitet von Silvia Schweinzer-Burian, mit Vorarbeiten von Friedrich Edelmayer

Augsburg StadtA, Lit. 1543, unfol. (Ausf.); DV: Der herrn gesandten schreiben uß Nuremberg 19. Martij 1543.

Aus den letzten Berichten weiß der Rat über die Vorkommnisse in Nürnberg Bescheid. In der Zwischenzeit brachten die Gesandten des Hg. von Jülich wieder ihr Anliegen in der Reichsversammlung vor [Nr. 208]. Danach verließen die Gesandten der Schmalkaldener die Versammlung.

Also habendt sich die gulchischen alsbald bey den einigungsverwandten stenden angesagt und seindt des andern tags, ist gestern vor dato diß [1543 März 18], nachmittag verhort und auf heut dato von der sachen geredt worden, wie volgt. Die gulchischen haben wider erholet die beschwarden ires herren und ain ansuchen, so ir fstl. Gn. gesanten uff dem tag zu Schweinfurt jungstgehalten [1542 Nov. 15] gethan, und die stend daselben versamblet sich erbotten, ires gnedigen fursten und herren sachen alhie auf disem reichstag auf das beste zu furdern etc. So hetten auch die stend angehort, in was beschwarden und großem obligen ir gnediger furst und herr were, und dann diß zimblich, rechtmessig und wie daruber ir fstl. Gn. zu dem allerhochsten bedrangt und die sachen khein verzug leiden möchten, mit freuntlicher bitt, wir wollten uns, wie bißher beschehen, in der sachen hinfuran von den gemeinen stenden des Reichs nit sondern, sonder damit irem gnedigen hern verholfen und furdersam sein, das iren fstl. Gn. als einem fursten des Reichs mochte zu recht und der billichkeit geholfen werden etc.

Darauf haben Sachssen, Hessen, Lunenburg, Pommern, die stett Straspurg, Frannckfurt, Eßlingen, Hall, Haylprunn, Memmingen und Linndauw und dann die sachsischen stett ausserthalben Braunschweick ainhelligklich geschlossen: Dieweyl unser ubergebne suplication [Nr. 152] dahin verlautet, das man sich in nichten konndt einlassen onerledigt der puncten rechtens und fridens, als one die man zu statlicher beratschlagung und hilf wider die Turcken nit khonndt kommen, und aber auch eben dise sachen den friden teutscher nation zum hochsten belangen thet, dieweyl durch dise kriegsrustung das haus Burgundi und Gulch und dann garnach [= beinahe] das halb theyl teutscher nation aufgehalten und zue der gemeinen hilf verhindert wurden, das man dann angesehen unser ubergeben suplication zu gemeiner handlung mit den andern stenden wol mochte kommen etc. Und was aber zu handlen sein sollte, haben sich etlich dahin vernemen lassen, das man die kgl. Mt. und ksl. commissarien bitten sollt, bey der ksl. Mt. zue handlen, damit gemeiner wolfart teutscher nation zuguet dise tatlichen handlungen abgestellt, der vierjarig anstandt bewilligt und der Hg. von Gulch bey seinem erbietten der guete und rechtens auf gemaine standt gelassen wurdt etc.

Wirtenberg redt, er hette bevelch, sich von gemeinen reichsstenden, so die hievon handlen wollten, nit abzusondern und das seines genedigen herrn bedencken stuendt, das die ksl. Mt. durch ain traffenliche [!] bottschaft sollte umb diser sachen willen zu ersuechen sein und wie vorsteet zu bitten etc. Wir aber und die gesanten der stat Ulm zeigten an, unser bevelch stuendt gestrack dahin, uns in kheinen reichssachen einzulassen onerledigt der artickel rechtens und fridens, wisten auch one vorwissen unserer herrn nit zu willigen, demnach man sich in den andern sachen allen bißher gesondert, an denen unwidersprechlich gemeyner teutscher nation trefflich hoch und vil gelegen. Wir hetten auch nit wenig fursorg, wafur es die kgl. Mt. und die commissarien versteen wurden, das die stendt in diser sachen, so zuwider der ksl. Mt. verstanden werden mocht, sich vereinigen und in handlung begeben und sonst in allem handlungen waigerten. Das aber unangesehen, so ist doch durch das merer furgevaren und dem außschus bevolhen zu beratschlagen, ob es besser sey, das die ainigungsverwanten standt jede in dem rhat, darin sie gehorendt, die sachen anbringen und, was ir bedencken, handlen, oder ob man das gemeinlich in aller einigungsverwanten standt namen anbringen und alle stendt fur ein man steen sollen, wie wir woll etlich gesinndt sein vermercken, und die sich vernemen lassen, das alle hilf wider den Turcken unmugklich zu erhalten, es mues vor mit Gulch und Denmarck friden sein.

Nun seindt wir als oben auf unser antwurt verharret und die sachen an euer Ft. gelangen zu lassen uns beruempt. Darauf werden euer Ft. sich irem hohen verstandt nach haben zu entschliessen und uns bevelhen wissen, was wir thuen oder lassen. Und in derselben beratschlagung dennocht ingedenck sein, was sich eben in diser handlung hievor zu Regenspurg zugetragen und mit was grossen ungnaden die ksl. Mt. der gemeinen reichsstandt, so merertheyls in eigner person gegenwurtig, furbitt1 verstanden und mit außgedenckten worten ernstlich vermelden lassen, das ir Mt. sich versehen, die stendt sollten den Hg. von Gulch zu der billicheit vermogt und nit bey ir Mt. angehalten haben, zudem das ir Mt. das ir vorgehalten, still und in ruwe zu steen etc. Nun seindt die sachen sider nit besser, sonder böser worden.

Am andern, so hat die ksl. Mt. wider Gulch hilf durch den H. von Granwella begert [Nr. 197], das haben die stendt nit beratschlagen wollen one erledigt fridens und rechtens. Sollte man nun jetzo auf das gulchisch anbringen sich in gemeine rhatschleg begeben, das sich dann ir Mt. nit allain der ungleicheit und diß zu beclagen hett, das dem hertzogen sollte gedeyen, das ir Mt. geweigert seie, sonder auch das [!] preiudicii. Dann in dem, das ir Mt. gebetten wurd, den krieg in Gulch abzustellen und des rechtens vor den ständen zu gewarten etc., wurde ir Mt. gethan begern dardurch stillschweigendt abgeschlagen etc.

Am dritten, ob in diser sachen mit dem bith fur Gulch sich befinden wurd, das etliche under gemeinen stenden nit bitten wollten, ob euer Ft. denselben oder dem merern anhangen woll.

Und am vierten, ob euer Ft. mit den andern bitten und handlen wollten, ob nit dernhalben ain sondere entschuldigung bey dem H. von Granwella oder den commissarien zu thuen sein sollt.

Das demnach alle Kff., Ff. und stendt sich gemeinlich entschlussen, des Hg. von Gulchs halben und was zu hinlegung derselben kriegsrustung dienlich sein mocht, in gemein rhatschlagen und handlen, das sich dann Augspurg ainig davon nit absondern und den unwillen bey dem hertzogen nit allain auf sich laden konndten, dann ire burger das furstenthumb Gulch mit wandern [= Handel] nicht entraten [= missen] mogen. So stuende es auch nichtdestominder zu ir Mt. gelegenheit, was sy thuen wurdt. Und ob sich Augspurg schon gesondert hett, so were doch der ksl. Mt. wenig damit geholfen, aber wol ungnaden halben des hertzogen und der andern standt zum hochsten gefarlich.

Was und wie nun hierin zu handlen, des seindt wir bevelch und furderlicher antwurt gewartig. Haben wir euer Ft. dienstlichen nit verhalten wollen.

Zwei beiliegende Zettel.

Anmerkungen

1
Siehe die Supplikation der Reichsstände an den Kaiser wegen des Konflikts um Geldern, Regensburg, (1541 Juli 21), in: RTA JR Bd. XI, Nr. 233.