Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XIV. Band. Der Reichstag zu Nürnberg 1543 bearbeitet von Silvia Schweinzer-Burian, mit Vorarbeiten von Friedrich Edelmayer

A Wien HHStA, MEA RTA 8/Konv. 1, fol. 408r–411r, fol. 412r–413v (Kop. mit Beilage); AS fol. 408r: Des Bf. zue Münsters gesandten1 entschuldigung. AV fol. 413v: Lectum in consilio statuum 12. Martij anno etc. 43.

B München HStA, KBÄA 3159, fol. 169r–172v, 173rv (Kop. mit Beilage); AS fol. 169r: Bf. von Munster entschuldigung. ÜS fol. 171r: Excusation deß Bf. zu Munster gesanten.

C Amberg StA, Reichssachen 100, Prod. 42, unfol. (Kop. mit Beilage); ÜS wie AS in A.

Franz. Kurzregest, 1543 März 26: Wien HHStA, Belgien PA 37/3, fol. 352r: Les estats de Munster s’excusent envers les estats non estre culpables de la practicque [de] Martin von Rosshem ne avoir fait lighe avec les ennemis de l’Empire, nonobstant les lettres de Serrant que avoient esté publicquement récitées par devant les estats. Et pour leur justification exhibent une lettre de la royne en date du 16e de novembre 1542 par laquelle sa Mté accepte l’excuse de l’évesque et la leur pour bonne.

Beilage: Kgn. Maria von Ungarn an Bf. und Hochstift Münster, dat. Brüssel, 1542 Nov. 16/ lectum in consilio imperiali Nürnberg, 1543 März 12 (Kop.).

Die Gesandten Kgn. Marias übergaben am 31. Jan. 1543 einen schriftlichen Bericht über den Überfall des Marschalls Martin van Rossem und seiner Verbündeten auf Brabant; darin erwähnten und veröffentlichten sie zwei von Kgn. Maria abgefangene Schreiben des französischen Gesandten in Kleve, Magdalen de Brie, Sr de Serrant, an den Kg. von Frankreich, welche den Bf. von Münster schwer belasten (Nr. 202, Beilagen 1 und 2). Sie enthalten den Vorwurf eines Bündnisses von Bf. und Hochstift Münster mit Hg. Wilhelm von Jülich-Kleve zum Nutzen Frankreichs und zum Schaden der ksl. Erblande. Auf Grund dieses Bündnisses sollen dem Bf. von Münster 4000 Kronen Pension vom französischen König zustehen. Über diese Anschuldigungen der Burgunder erstatteten die münsterischen Gesandten dem Bischof Bericht.

Bereits am 2. Nov. 1542, bald nach dem Angriff auf Brabant, entkräftete Bf. Franz in einem Schreiben an Kgn. Maria alle Vorwürfe der unerlaubten Kooperation mit Frankreich. In ihrem Antwortschreiben vom 16. Nov. 1542, welches die münsterischen Gesandten als Beilage zu ihrer Eingabe überreichen, teilte die niederländische Regentin dem Bischof mit, dass sie seine Rechtfertigung für ausreichend erachte und dieser mehr Glauben schenke als den Schreiben des französischen Gesandten Magdalen de Brie, Sr de Serrant.

Zweifelsohne wird Bf. Franz auch gegenüber Kg. Ferdinand, den ksl. Kommissaren und den Reichsständen die Behauptungen Serrants als unwahr widerlegen, nicht weniger dieweil wyr bey uns erwegen und bedengken, das solchs des Sarranten anzeig bey vilen glauben gegeben werde. Der Verdacht des Bündnisses mit dem Kg. von Frankreich lasse den Bischof und das Hochstift vor den Reichsständen in einem ungünstigen Licht erscheinen; deshalb erwarten die Gesandten täglich und stündlich die Stellungnahme des Bischofs zum Beweis seiner Unschuld2.

Von Anfang seiner Regierung an war der Bf. von Münster um gut nachbarschaftliche Beziehungen zu den ksl. Erblanden bemüht und habe sich weder mit Frankreich noch einem anderen Feind des Kaisers in ein Bündnis eingelassen oder das auch nur im Sinn gehabt. Dartzu auch sein fstl. Gn. wider [= weder] umb des Frantzosen handlung oder wohin sie das volck geprauchen wurden noch auch von des Sarranten schreiben kein ainigs wissen gehapt. Szo ist an euer röm. kgl. Mt., ksl. commissarien, kfl., fstl. Gnn., Gnn. und Gg. anstat hochgemelts unsers gnedigen fursten und herren unser unthertenigste, underthenig und dienstlich pitt, die wollen angeregten eingefurten des Sarranten ungegegrunten, unwarhaften schreiben in dißem falh, sovil des von unserm gnedigen herren melden thut, keynen glauben geben, sonder sein fstl. Gn. fur einen gehorsamen und standhaftigen fursten des Reichs betrachten und für entschuldigt halten.

Schlussformel.

[US:] Euer röm. kgl. Mt., ksl. commissarien, kfl. und fstl. Gnn., Gnn. und Gg. underthenigsten, underthenigen und willigen des Bf. zu Munster, Osenbrug und Minden gesandten.

Anmerkungen

1
Den RAb unterzeichneten im Namen des Bf. von Münter die Gesandten Franz von Doy und Anton von Laer. In verschiedenen Protokollen zum 12. März 1543 (Bf. von Hildesheim: Nr. 80, fol. 432v; Pfalz-Neuburg: Nr. 82, fol. 16r; RT-Protokoll Lambs: Nr. 86a, fol. 278r) ist nur von einem münsterischen Gesandten die Rede, der die bischöfliche Rechtfertigung übergab, wahrscheinlich Franz von Doy.
2
Rechtfertigungsschreiben Bf. Franz’ von Münster an Kg. Ferdinand (mutatis mutandis auch an die ksl. Kommissare und an die Reichsstände), dat. Iburg, 1543 März 23, in: LAV NRW W Münster, Fürstbistum Münster Landesarchiv, Reichssachen D 476,4, fol. 32rv, fol. 35rv (Ausf.). In diesem Schreiben leugnete der Bischof den Abschluss eines gegen das Haus Habsburg gerichteten Bündnisses und den Erhalt von 4000 Kronen vom Kg. von Frankreich.