Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XIV. Band. Der Reichstag zu Nürnberg 1543 bearbeitet von Silvia Schweinzer-Burian, mit Vorarbeiten von Friedrich Edelmayer
Weimar HStA, EGA, Reg. H pag. 421–434, Nr. 154/3, fol. 156r–159v (Kop.); DV fol. 159v: Vortzeichnus, was den wirttennbergischen rethen zu antwort [zu] geben der underhandlung halben der jungen Hn. von Braunschweig. 1543 Montag nach Reminiscere, den 19. Februarij.
Der vorschlege halben, so die wirttennbergischen rethe Hg. Heinrichs von Braunschwig sohne halben, auf was mittel und wege dieselben widerumb zum furstenthumb Braunschweig solten gelassen werden, den gesanten dieser stende gethan1, ist bedacht, das sich die gesanten darauf vernemen lassen sollten2:
Sie hetten solche beschehene furschlege im pesten vermarckt, weren auch von wegen irer herrn und obern gantz gewilligt, sich darauf mit antwort vernemen zu lassen. Es were aber an deme, das die chur- und fursten Sachssen und Hessen als oberhauptleut der verein in der antwordt, so ire chur- und fstl. Gnn. den baierischen gesanten zu Braunschwig3 gegeben, und dan auch in einer missiven sich erbotten, Hg. Wilhelm und Hg. Ludwigen zu Baiern etc. gutliche und unvergreifliche handlung in dieser sachen zu gewarten [= pflegen] lassen, wie sich dann hochgedachter fursten rethe, solche handlung alhie furzunemen, albereit erbotten. Derhalben die gesanten der stende fuglichen dartzu nicht kommen konnten, ehe und zuvorn dieselbige baierische vorstehende underhandlung iren ort bekompt, sich auf die wirtennbergische ansuchung mit entlicher antwort vernehmen zu lassen, dartzu sie doch alsdan, und so die baierische handlung ane frucht zergieng, des sich doch die gesanten nicht versehen, willig wolten befunden werden. Dan es hetten die gesanten zu irem gnedigen herrn Hg. Ulrichen sonderlich diese underthenige zutreu, das seine fstl. Gn., als die dieser cristlichen verain zugethan, in alle wege geneigt, diese stende in diesem handel in erwegung alle gelegenheit und herrurung desselben der pillicheit nach, auch freuntlichen und gnediglichen wurde bedencken.
Und so dan, wie oben gemelt, die baierischen rethe sich zu behandlung dieser sach erbieten, so wird weiter fur gut angesehen, das die gesanten4 etzlich aus irem mittel, solcher handlung abtzuwarten, verordenen, die sich mit den beierischen zeit und stell zu solcher underhandlung vergleichen und dann erstlich under anderm diß antzeigen werden: Sie hetten bericht, wes sich die oberhauptleut dieser verain dieser gutlichen underhandlung halben erboten. Darauf hetten auch ire herrn und obern in bevelh gethan, solcher underhandlung von hochgedachten fursten oder aber inen, den rethen, zu gewarten. Wusten die gesanten vor allen dingen inen diß unangetzeigt nicht zu lassen, das die sachen itzo in dem stande nicht weren, wie die zur zeit, alß sich hochgedachte chur- und fursten zu dieser underhandlung erboten, gewest, sondern sich etwas geandert: Dann Hg. Heinrich hette sich understanden, diese stende irer notwendigen defension halben vor den verdechtigen und inen, den stenden, auß hievor oftmals erhoreten ursachen zu richtern unleidlichen chammergerichtspersonnen auf peen und achten furnemlich zu beclagen. Do auch in solchen sachen zu heuffelung derselbigen chammergerichtspersonnen verdechtigkeit geschwinder und mit merer eil dann sonst, auch solchs falhs an bemeltem gericht breuchlich, procedirt wurde, wiewol alles nichtiger und unpundiger weis, allein darumb, damit diese stende under dem schein solcher nichtigen processen thetlich beschwert und molestirt werden möchten.Hg. Heinrich ging mehrmals tätlich gegen einzelne Mitglieder des Schmalkaldischen Bundes vor, wie seine Schreiben an verschiedene Reichsstände und an die Bergmeister auf dem Zellerfeld 5und an die Schulmeister seiner Söhne beweisen, die derwegen und umb ires verdachts willen gefanglich enthalten wurden.
Sollten Hg. Heinrich während gütlicher Verhandlungen in der Causa Braunschweig versuchen, gegen einzelne Mitglieder des Schmalkaldischen Bundes mit der Acht vorzugehen und sie weiter mit tätlichen Übergriffen zu belästigen, so sollten sich die Gesandten auf diese Verhandlungen nicht einlassen. Also das die stende der verain des Hg. von Braunschwigs verursachen halb wolh ursachen hetten, die Hgg. von Baiern oder aber sie, derselbigen rethe, mit dieser underhandlung gentzlichen zu verschonnen.
Dieweil aber diese stende sich zu hochgedachten fursten alles freuntlichen, guten und gnedigen willens versehen, so wolten die gesanten solche underhandlung nicht abschlagen und ire, der rethe, furschlege anhören und sich hinwiderumb darauf vernemen lassen. Doch so konnten sie, die beierischen rethe, wolh erachten, do Hg. Heinrich mit seinen nichtigen processen am chammergericht wolte verfharen oder sich einichs tetlichen furhabens wider diese stende mitlerweil understeen, daß alßdan diese gutliche handlung nicht allein unerheblich, sondern daß sy derselbigen nicht abwarten mochten und ire notturft dargegen wurden bedencken mussen.