Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « ŠQuellen
    I. Kapitel
    Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages »

    « Š1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz »

    «Nr. 1 Ausschreiben Ks. Maximilians an Reichsstände, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Kaufbeuren, 14. März 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 8–8’ (Or. mit Vermm. prps./amdcp., Gegenz. G. Vogt).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 936, S. 745.

    Teilt mit, dass er zu Verhandlungen über dringliche Angelegenheiten von Ks. und Reich mit ihnen und anderen Reichsständen wie auch mit dem Schwäbischen Bund angereist ist. Befiehlt ihnen, unverzüglich Mitglieder des Rates nach Oberwesel abzuordnen, die am 9. April (sonntag judica)zuverlässig dort eintreffen sollen. Im gleichen Sinne hat er auch an Kff., Ff. und andere Städte geschrieben. Er wird zum genannten Termin Räte mit Instruktion und Vollmacht dorthin schicken. Die Verhandlungen werden nicht mehr als zwei Tage beanspruchen, sodass ihre Gesandten zur hl.[Oster-]Zeit wieder zurück sein werden. Sie sollen den Verhandlungen keinesfalls fernbleiben.1

    «Nr. 2 Bericht Kaspar Nützels an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg – Ulm, 1. April 1508 »

    Verhandlungen des Schwäbischen Bundestages.

    ŠNürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 4, Nr. 8, fol. 10’–13 (Konz., sambstag zu mitag vor letare).

    [Teilnehmer des Bundestages; Verhandlungen über Streitigkeiten zwischen Brandenburg-Ansbach und Nürnberg; Rittertag zu Schweinfurt; Bildung eines Ausschusses für die Verhandlungen mit Ks. Maximilian].

    [Beiliegende Mitteilung Nützels für die Hh.Älteren:] Er ist am Abend des 29. März (mitwoch)in Ulm eingetroffen. Die ksl. Gesandten hatten bereits am Vortag eine Bundeshilfe beantragt. Die Verhandlungen wurden jedoch bis zum Eintreffen weiterer Bundesstände vertagt. Am 31. März (freitag)wurde auf dessen Antrag ein Ausschuss für die Verhandlungen mit dem Ks. gebildet – bestehend aus Mgf.[Friedrich] von Brandenburg, Hg.[Ulrich] von Württemberg, Bf.[Heinrich] von Augsburg, den drei Bundeshauptleuten [Wilhelm Güss von Güssenberg, Adam von Frundsberg und Matthäus Neithart], Hans von Seckendorff und Dr.[Gregor] Lamparter als Vertretern der Ff., Gf. Wolfgang von Oettingen und Konrad von Schellenberg für die Gff., Hh. und Prälaten sowie Ulrich Artzt und ihm, Nützel, als städtischen Verordneten. Bf.[Matthäus Lang] von Gurk trug den Deputierten am gleichen Tag in Anwesenheit des Ks. und seiner geheimsten Räte eine lange Rede vor, in der er sich entsprechend dem Ausschreiben [Nr. 5, Anm. 2] über Frankreich, Venedig und die Eidgenossen äußerte und eröffnete, dass der ungarische Gesandte Gf. Peter von [St. Georgen und] Bösing eindringlich um die Hilfe von Ks. und Reich für einen Kreuzzug gegen die von den Persern bedrängten Türken geworben habe. Der in Ehingen weilende Kardinal von St. Crucis [Bernardino López de Carvajal] habe den Auftrag, einen Frieden zwischen Frankreich, Venedig und dem Ks. als Voraussetzung für einen Türkenzug zu vermitteln. Der Ks. allerdings beabsichtige, für bald nach Ostern einen Reichstag nach Straßburg auszuschreiben. Der Tagungsort solle vorläufig allerdings geheim bleiben, damit seine Feinde nicht gewarnt und in irm furnemen gesterkt werden, das sie wissen trugen, wa sein Mt. auf ein solche zeit sein wurden. Auf dem Reichstag solle beraten werden, wie und welcher gestalt Frankreich, Venedigern und den ungehorschamen Eigenossen zu begegnen, dadurch sein Mt. den romzug frey volpringen mag, aber solchs nit kont oder mocht sein, in welcher gestalt und mit was hilf der Durk zu bekriegen wer und in mitler zeit das krigsfolk an den passen und grenizen zu verharn pis auf gemelten reichstag. Und solch kopey [= Entwurf] des ausschreibens wurd nachfolgend pey zweien pogen vol lang verlesen.1Der Ks. beantrage, über dieses Schriftstück zu beraten, eventuell Änderungen daran vorzunehmen und eine Antwort der Bundesversammlung darauf zu beschließen. Er selbst werde zum Kardinal reisen und bereits in wenigen Tagen zurückzukehren. – Er, Nützel, glaubt, dass der Ks. Frieden mit Frankreich und Venedig schließen wird. Wer seine Truppen [aus dem Romzugsheer] abziehen will, kann dies vermutlich durch eine Geldzahlung erreichen. Möglicherweise irrt er sich hierin aber auch. […].

    ŠDer Ks. ist heute zum Kardinal nach Ehingen abgereist. Er wird in wenigen Tagen zurückerwartet. Die Bundesstände sollen einstweilen beraten. Der ungarische Gesandte Gf. Peter hält sich noch am ksl. Hof auf. Er bedrängt den Ks. hartnäckig um Hilfe gegen die Türken. Er, Nützel, glaubt, dass es zu einer Einigung zwischen dem Ks., Frankreich und Venedig kommen wird, um die sich auch der Kardinal bemüht. So ist ein Reichs tag auf der pan. Weiss aber noch nit grüntz2, wahin. Doch soll er kurzlich furgenomen werden.Kündigt weitere Berichterstattung an.

    «Nr. 3 Ks. Maximilian an Paul von Liechtenstein [und Zyprian von Serntein] – Ehingen, 3. April 1508 »

    Politische und militärische Planungen gegen Frankreich und Venedig.

    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 9406, fol. 13–22’ (Or., Vermm. prps./cdcp., Gegenz. M. Lang).

    […]. Uri, Schwyz und Unterwalden haben laut Bericht Hans Schads 8000 Mann für die Eroberung des Hm. Mailand bewilligt, wenn ihnen dafür im Gegenzug 1500 Reiter zur Verfügung gestellt werden.1Er ist zuversichtlich, beim Schwäbischen Bund – er wird morgen nach Ulm reisen, um eine Bundeshilfe oder eine Anleihe zu beantragen –, bei dem Gf.[Eitelfriedrich] von Zollern und anderweitig zusammen mit dem Geld aus England2die Reiter für zwei Monate finanzieren zu können. Auch geht er davon aus, Frankreich und Venedig trennen zu können. Die Franzosen werden ihre Truppen für die Verteidigung Mailands benötigen. Venedig allein ist den ksl. Truppen nicht gewachsen. Gesandte Hg. Renés von Lothringen halten sich in Ulm auf, um die Heirats- und andere Verhandlungen abzuschließen.3Er wird mit ihnen über die Aufstellung eines Heeres gegen die Champagne verhandeln, um die Eidgenossen im Kampf gegen Mailand zu entlasten. Er hat die am Rhein ansässigen Kff. und Ff. für den 9. April nach Oberwesel geladen. Er selbst wird sich zu Ostern in Mainz aufhalten und diese Ff. entweder dorthin bescheiden oder – falls sie nicht kommen wollen – selbst nach Oberwesel reisen und alda ainen clainen reichstag halten und mit inen dermassen vleissiglichen handln, dardurch wir verhoffen, nit allain die erstreckung des ŠReichs hilf, so bey euch zu Trient ist4, sonder ain merere und austregliche tapfere hilf zu erlangen.[Militärische Planungen und Finanzierungsprojekte]. Er wird den Kardinal von S. Croce [Bernardino Carvajal] und den spanischen Gesandten5, die beide in wenigen Tagen bei ihm eintreffen werden, gemeinsam mit [Niccolò] Frisio (Fries)zum frz. Kg. schicken6, um für den Fall, dass die geplanten Unternehmungen misslingen sollten, über einen Friedensvertrag oder einen Waffenstillstand zu verhandeln. Außerdem will er mit dem spanischen Kg. zur Beilegung ihrer Differenzen einen Vertrag schließen und ihn zum Angriff auf Venedig drängen. […]. Er hofft, dass das Kriegsglück auf seiner Seite ist, damit er nicht zugleich mit Frankreich und Venedig einen Waffenstillstand schließen muss. […].

    «Nr. 4 Bürgermeister und Rat der Stadt Köln an ksl. Rätea – Köln, 6. April 1508 »

    Köln, HAStd, K+R 36/2, fol. 1–1’ (Or. m. Siegelspuren, donnersdach nach dem sontage letare Jherusalem) = Textvorlage A. Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 61’–62 (undat. Kop.) = B.

    Der Ks. hat sie schriftlich aufgefordert, ihre Gesandten zum 9. April (sondach judica)nach Oberwesel abzuordnen, um am dorthin anberaumten Tag teilzunehmen. Bevollmächtigen hiermit Bürgermeister Gerhard von Wesel, Rentmeister Konrad von Schürenfeltz, Stimmmeister Johann von Reide, ihren Rat und Pastor zu St. Laurentius, Dietrich Meinertzhagen, sowie den städtischen Protonotar Georg Goldberg. Bitten, sich diesen gegenüber wohlwollend zu erzeigen.1

    «Nr. Š5 Schwäbischer Bundesabschied – Ulm, 8./9. April 1508 »

    Verhandlungen über den Antrag Ks. Maximilians auf eine Bundeshilfe.

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 145’–149 (Kop.1, Datumverm.: Auf oculi [26.3.] anno etc. octavo gein Ulm furgenomen.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol. (Kop.) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol. (Kop.). Darmstadt, StA, E 1 A, Bd. 17/4, fol. 276–277’ (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). München, HStA, KÄA 2013, fol. 234–237 (Kop.). Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 97–98’ (Kop.). Straßburg, AV, AA 343, fol. 7–8’ (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 75 (Kop.).

    Regest: Klüpfel, Urkunden II, S. 19–21 (mit den fünf nicht als separate Aktenstücke gekennzeichneten Erklärungen der Bundesversammlung).

    Der Ks. beantragte [am 28.3.] durch seine Räte entsprechend den früher ausgegangenen ksl. Mandaten und Schreiben2eine Bundeshilfe. Die Bundesversammlung nahm dazu in einer ersten Antwort Stellung.3Der Ks. machte in der von seinen Räten vorgetragenen Erwiderung die bestehende Notlage und die Dringlichkeit der Angelegenheit geltend. Daraufhin übergab die Bundesversammlung eine zweite Erklärung.4Der Ks. ersuchte im Gegenzug, ungeachtet der Überzeugung, als Ehg. Švon Österreich ein Anrecht auf die Bundeshilfe zu haben, um eine Hilfe ausserhalb der eynung.5Die dritte Erklärung der Bundesversammlung enthielt ein Angebot der anwesenden Ff., Prälaten und Gff.6

    Der Ks. trat daraufhin persönlich vor die Bundesversammlung7und erklärte, dass er nur wegen der Erlangung der Kaiserkrone, wie dies der Konstanzer Reichstag beschlossen habe, in diesen Krieg geraten sei. Dabei sei eine erhebliche Zahl von Eidgenossen den Venezianern und Franzosen gegen die dem Schwäbischen Bund angehörende Gft. Tirol zu Hilfe geeilt. Er könne diesen drei Mächten allein mit den erbländischen Truppen keinen Widerstand leisten. Wenn ihm keine Hilfe Šbewilligt würde, wäre die Kaiserkrone für alle Zeit verloren und der Aufwand so vieler Jahre vergeblich. So würde das Heylig Reich, auch der Pund zertrent. Die italienischen und eidgenössischen Verbündeten des Ks. wie auch die Erblande Österreich und Burgund als Schilde des Reiches gegen Frankreich und andere Feinde müssten verzweifeln. Nach dem Verlust der ksl. Grenzlande würden in der Folge zweifellos weitere Bundesstände angegriffen. Er, der Ks., müsste erklären, dass der Bund ihn wegen Verweigerung seiner Hilfe um die Kaiserkrone gebracht hätte. Der Krieg lasse keine Zeit für den von der Versammlung vorgeschlagenen Reichstag. Er bitte deshalb nachdrücklich um eine unverzügliche Hilfe. Jetzt könne mit wenig Aufwand mehr erreicht werden als später mit einer größeren Hilfe. Falls die in Kaufbeuren getroffenen Vereinbarungen8nicht eingehalten würden, würden die bislang befreundeten Eidgenossen und andere Mächte zu Feinden werden.

    Daraufhin erfolgten die vierte und fünfte Erklärung der Bundesstände.9Nach weiteren Verhandlungen beantragten die ksl. Räte [am 8.4.], 50 000–51 000 [!] fl. Šfür den Unterhalt der eidgenössischen Knechte zu bewilligen, wobei die einzelnen Beiträge mit der nächsten Reichshilfe verrechnet werden sollten. Jeder Bundesstand sollte seinen Anteil zum künftigen Bundestag mitbringen, damit alßdan dester fruchtbarlicher gehandelt mog werden. Die Bundesstände verabschiedeten daraufhin den Beschluss, dass sy di sachen inhalt yrer gegeben antwurt hinder sich bringen und auf den tag quasimodogeniti [30.4.] schirist widerumb zu Ulm erscheinen wellen, ungezweivelt, ire herrn und frund werden sich darauf geburlich und unverweislich halten.10 [aBrandenburg-Ansbach gegen Nürnberg; Gefangene Heinz Baums–a].

    «Nr. 6 Ks. Maximilian an Bf. Lorenz von Würzburg – Ulm, 10. April 1508 »

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 114 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein).

    Kündigt seine bevorstehende Abreise vom Schwäbischen Bundestag in Ulm nach Speyer an, wo er die Osterfeiertage verbringen wird. Er hat etliche Kff. und Ff. sowie weitere Reichsstände dorthin zu sich beschieden, die ihm auch ihr Erscheinen Šzugesagt haben. Einige Ff. begleiten ihn nach Speyer. Dort soll über dringende Angelegenheiten von Ks. und Reich beraten werden. Befiehlt ihm, unverzüglich ebenfalls dorthin aufzubrechen. Er kann auf dem Main bis Frankfurt reisen und dann [auf dem Landweg] weiter nach Speyer, wo er rechtzeitig zu den Feiertagen eintreffen soll.1

    «Nr. 7 Ks. Maximilian an Paul von Liechtenstein und Zyprian von Serntein – Ulm, 11. April 1508 »

    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 9406, fol. 24–29’ (Or., Vermm. prps./cdcp., Gegenz. M. Lang; Postverm.: Cito, cito.).

    Bekundet seine Freude über die gemeldeten militärischen Erfolge. Gibt Anweisungen, die Truppen zu schonen, da bislang weder mit Frankreich noch Venedig ein Waffenstillstand geschlossen werden konnte und die beiden Mächte bisher auch nicht voneinander zu trennen waren. Er hofft nach wie vor, die Eidgenossen gegen Venedig einsetzen zu können und das dafür benötigte Geld noch zu bekommen. Sie sollen weiterhin mit Venedig über einen Waffenstillstand verhandeln.1[Planungen für den Angriff auf Mailand]. Er beabsichtigt, mit den Truppen, die wir auf dem yetzkunftigen reichstag bewegen mugen, sowie mit den Kontingenten aus Burgund die Champagne anzugreifen. Sie sollen versuchen, Florenz zum Eintritt in den Krieg gegen Venedig zu bewegen.2

    « Nr. Š8 Stadt Köln an Rentmeister Konrad von Schürenfeltz und Stimmmeister Johann von Reide – Köln, 24. April 1508 »

    Teilnahme am Mainzer Tag, Bevollmächtigung der Gesandten Georg Goldberg und Ludwig Sachs, Verhandlungen mit Ebf. Hermann von Köln über das städtische Stapelprivileg.

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 74–74’ (Kop., Datumverm.: Datum per Ailbertum [Potgießer]1 under unßerm secrete up maendach nae pasce.).

    Bestätigen den Eingang ihres Berichts2, wonach sie ungeachtet der für sie damit verbundenen Unannehmlichkeiten die hl.[Oster-]Zeit über auf dem ksl. Tag ausharren wollen. Wie sie ihnen geschrieben haben, sollten sie lediglich dann in Mainz bleiben, wenn ihre eigenen Umstände dies auch erlauben; sie haben ihnen auch bereits ihre Ablösung durch den Protonotar [Georg Goldberg] und den Lic.[Ludwig Sachs] angekündigt.3Diese sind schon auf dem Weg. Aver denselven luyde urer schrift unser gemoede zo eroeffenen odir yn sust eyniche vorder gewalt, dann vurhyn van uns geschiet ist, zo verlehenen, angesien irer ksl. Mt. vurgheven ind gesynnen, ouch wes die herren kurfursten, fursten, herren ind stende des Rychs syner Mt. darvur antwort geven, sliessen off [= oder] verdragen werden, gheyn wissen haven, fynden wir nyet in unserem raide, so wir ouch buysß [= ohne, außerhalb] alle reede und XLIIIIgen, as uch wail kundich ist, oever duysent gulden nyemandtz zo geven adir zo verschenken bewilligen moegen etc.4

    Die Bürgermeister Gerhard von Wesel und Gerhard vam Wasservasse haben heute im ebfl. Hof in der Trankgasse mit dem Ebf.über die Konfirmation des städtischen Stapelprivilegs5verhandelt, sind jedoch zu keinem Ergebnis gelangt. Für morgen hat der Ebf. weitere Verhandlungen im Kapitelhaus anberaumt. Sie werden sie bzw. ihre Ablösung darüber informieren. Umgekehrt sollen sie nach ihrer Rückkehr über die ŠErgebnisse ihrer diesbezüglichen Verhandlungen mit den Kff. von Mainz, Trier und Pfalz berichten.6

    «Nr. 9 Ks. Maximilian an Bf. Lorenz von Würzburg – St. Wendel, 26. April 1508 »

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 114’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. N. Ziegler).

    Erinnert daran, dass er ihn zu sich beschieden hat. Fordert ihn auf, sich unverzüglich zu den in Frankfurt oder Mainz versammelten Kff. zu begeben, um dort gemeinsam mit ihm und den Kff.über Angelegenheiten des Reiches zu beraten.1

    «Nr. 10 Erste Instruktion Ks. Maximilians für Gesandte zum Kurfürsten- und Fürstentag in Mainz – St. Wendel, 30. April 15081 »

    [1.] Erklärung für die Abreise Ks. Maximilians aus Mainz und Speyer; [2.] Widerstand Venedigs gegen den ksl. Romzug; [3.] Antrag Ks. Maximilians auf eine Hilfe des Schwäbischen Bundes gegen Venedig; [4.] Einberufung der Mainzer Versammlung zu Beratungen über eine Kriegshilfe gegen Venedig; [5.] Beitrag der habsburgischen Erblande zur Verteidigung gegen Venedig und dessen Verbündete; [6.] Notwendigkeit zur Anwerbung eidgenössischer ŠSöldner; [7.] kritische militärische Lage; [8.] Beratungen über eine Reichshilfe gegen Venedig außerhalb eines Reichstages; [9.] Bitte um Mitwirkung der Kff. bei Verhandlungen mit Hg. Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel über seine Teilnahme am Krieg.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 298–303’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A.2 Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 13–16’ (Kop., wie A)3 = B. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 115’–118 (wie A) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 468–472’ (Kop.).

    [1.] /298/ Maximilian, von Gottes gnaden e[rwählter] romischer keyser etc.

    Instruction, was der erwirdig Mathias bischof zu Gurk, unser furst, und die wolgeboren, ersamen, gelerten, unser andechtigen und lieben getreuen Adolf graf zu Nassau, /298’/ her zu Wiesbaden, Erasam Toppler, brobst zu sant Sebolt zu Nurnberg, und doctor Ulrich von Schellenberg, unser rete, mit unsern lieben neven und oheymen, den churfursten, die wir gein Meinz beschrieben haben, von unsern wegen handeln sollen.

    Anfenglich sollen sie iren liebden sagen unsern gnedigen und fruntlichen willen.

    Und darnach erzelen, wiewol wir genzlich der meynung gewesen, irer zukunft zu Speyer oder Meinz zu erwarten und mit inen des Reichs und teutscher nacion obliegenden sachen und notturften personlichen zu handeln, so sei uns doch dazwuschen glauplich kuntschaft und warnung zukomen, das der konig von Frankenreich, auch der von Arburg [Robert von der Marck] als anhenger desselben im anzug seyen, unser Nyederland zu uberziehen, zu verbronnen und zu verderben, auch die lande und Geldern haben einnemen wollen.4

    Auß den und anderen merglichen ursachen sein wir bewegt, nur einen ritt in die nahende /299/ der ende, da solicher inzug bescheen solt, zu tun, damit ob wir solichen inzug und schaden verhuten mochten. Als wir aber hieher komen sein, erfinden wir, das sich der konig von Engelland, der unser partei ist, bei den Franzosen und Arburgischen so vil gehandelt, das sie wiederumb gewendt haben.5 Es ist auch ir versamlung nit so gross gewesen, als uns angezeigt worden ist, deshalben wir uns dem Rein auch wieder nehenen.

    Š[2.] Nu wissen sie ungezwyfelt, das wir uf die hielf, so uns uf dem nechstgehalten Reichs tag zu Costenz von inen, auch fursten und stenden des Heiligen Reichs zu unserm romzug zugesagt ist6, denselben romzug von Tryent us durch der Venediger land, wie unser vorfaren am Reich getan, zu tun furgenommen. Daneben sein sie bericht, das wir einen freyen durchzug mit unser und des Reichs volk und rustung an die Venediger begert, den sie uns geweygert und abgeschlagen und sich des nit benugen /299’/ lassen, sonder, als wir den paß zu dem durchzuge irenthalb in ander wege unbeschedigt nemen wollen, unser land und leut mit hereßcraft angegriffen7, deshalben wir hinwiederumb gegen inen in offen vede und krieg zu kommen geursacht und getrungen worden sein.

    [3.] Nu ist der Venediger macht mit hielf und zuschub des konigs von Frankreich an gelt und leuten so groß und des Reichs hielf, sovil uns der zukomen, der nit uber zwytusent mann zu ross und fuss ist, mitsampt unserer fromen landleut darstrecken, die wir lang zeit her von des Reichs und der Teutschen ere und nutz wegen ganz ußgemergelt, so clein, das wir derselben veind macht keinen widerstand tun mogen. Und haben uns darumb ilends heruß zu der versamlung unsers punds zu Swaben gein Ulm gefugt und dieselben als unser pundsverwandten von wegen der grafschaft Tirol, die umb des Reichs willen itzo gegen den veinden in swerem last steet, ersucht /300/ und angelangt, uns mit einer somme gelts zu versoldung und underhaltung achttusent Eydgenossen, die wir mit swerem costen us grosser practica, muhe und arbeit dem konig von Frankenreich als helfer und anhenger der Venediger und als eins irrers und verhynderers der entpfahung unserer keyserlichen cron wider die sechstusent Eydgenossen, so ime zugezogen und noch bei ime sein, abgewendt und ganz uf unser seyten und partei bracht, zu hielf zu komen, darin wir guten trost von den bundischen entpfangen und gute hoffnung haben, das sie uns in demselben nit verlassen werden.8 Darin wir uns auch in sonderheit als Šein furst zu Swaben mit unsern swebischen landen begeben haben, deshalben unser grafschaft Tirol als die nechsten an den veynden, desgleichen unser erblich landschaften und auch die vom Pund als mithelfer in diesem last uberflussig [= mehr als genug] beladen und gesattelt [= belastet] sein.

    [4.] /300’/ Aber des alles ist noch vil zu wenig gegen einer solichen grossen macht der veind, wie obsteet. Darumb, auch dieweil diese sachen nyemand dan das Heilig Reich und teutsch nacion zu rettung irer ere und wirde berurt, so haben wir wyter bedacht, das not und gut sei, bei den churfursten als den, daruf das Reich gegrundfest ist, von des Reichs wegen in solichem auch rat und hielf zu suchen und daruf unser lieben neven und oheymen, die churfursten von Meinz, Coln, Tryer und Sachsen in eygener person, auch brandenburgischs botschaft, dieweil der dem handel zu ferr ist, gein Meinz zu komen bescheyden9 und in demselben des konigs von Beheym, der sich gegen dem Reich keiner gehorsam bekennet, desgleichen Pfalz, nachdem die in irsal steet10, geswiegen, alles der meynung, allenthalben so vil wege, rat und hielf zu suchen, damit frund und veind unseren moglichen fleiss, soweit sich unser leib und gut streckt, spur und nochmals wege gefunden, dardurch das Reich und teutsche nacion von welischen gezung, das doch, solang teutsche /301/ geret worden, uf dieselb Šteutsch nacion sorge und ufsehen gehapt, errettet und behalten und nit so elendlich zurstort, getrent und ganz in der welischen gehorsam und regirung, die allein uf tyrannei gegrundt ist, gebracht werden.

    [5.] Und nemlich ist abzunemen, das wir hirin weder leib noch gut nit sparen bei dem. Wir haben uf diesen tag als ein erzherzog zu Ostereich in unserm sold und zu velde wider die Venediger ob zweinzigtusent mann zu ross und zu fuß. Darzu haben wir von stund nach ende des Reichs tags zu Costenz bißher bei achthundert gerusten pferden us dem land zu Swaben, auch so vil gereysiger pferde us Burgundi und darzu etwavil tusent fussknecht an den grenizen gegen Frankreich und den Eydgenossen uf unsern eygen costen gehapt, da sie auch noch liegen, ob Frankreich oder Eydgenossen uns in unserm abwesen /301’/ uf den rucken, es were in Swaben, Burgundi oder das Elsaß, fallen wolten, das inen widerstand bescheen mocht.

    [6.] Aber wo wir mit hielf des Punds die achttusent Eydgenossen bezalen und underhalten, wie obsteet, so hoffen wir dardurch die sechstusent Eydgenossen von Frankreich zu bringen. Damit wer Swaben und Elsass und sonderlich unser land Tirol gegen den Eydgenossen versichert. Hirwiederumb, wo das nit beschee und das daruber die Eydgenossen den Franzosen und Venedigern zuziehen, so wurde sich derselben beiderteils kriegsvolk, darin wir Meyland auch rechen, wider das Reich biß in funfzigtusent mann strecken.

    [7.] Wie groß gegen einer solichen uberswenglichen macht des Reichs hielf ist, mogen sie selbs gedenken, die nu auch ein ende hat und im /302/ abzuge ist. Nichtsdestomynder pleiben wir mit unsern erblanden im krieg allein mit dem landvolk, das zum krieg nit geschickt ist, dardurch dasselb landvolk ubereylet und uberwunden wurd, darumb wir teglichs on underlass land und leut verlieren.

    Deshalber solicher obliegender last und verlust unserer erbland keinen Reichs tag erlyden mag, dan dazwuschen der merer teil unserer land verloren und dieselben durch einen verzug ustreglicher hielf in unlust fallen und getrungen wurden, uns und inen selbs mit einer rachtigung ein ewig smach anzulegen, die zu erstorung des Heiligen Reichs gedeyen wurde.

    Unsere rete sollen iren liebden auch anzeygen, das die veind unsere leut ganz ubereylet, nemlich das sie unversehener ding ein teyl kriegsvolks mit des konigs von Frankenreichs und irem geschutz zu wasser /302’/ und lande uf unser schloß und steet in Virgul [= Friaul], Isterrich [= Istrien], Karst und Crain geschickt, dardurch zu besorgen ist, das sie den merer teil derselben erobern werden, nachdem der meyst haufen unsers kriegsvolks zu und umb Trient pleiben mussen uß sorgen gegen den veinden und Eydgenossen.

    [8.] Dem allem nach ist unser hoch begeren an die gemelten unsere lieben neven und churfursten, das sie uns iren getreuen rat anzeygen, wie wir ein dapfere, ustregliche, werende hielf usserhalb des Swebischen Bunds, dieweil der mit bezalung der Eydgenossen, wie vorsteet, belestigt ist, auch sonder oder on Šeinen Reichs tag von dem Heiligen Reich wieder die gemelten unsere veind erlangen und ufbringen mogen.

    Und nemlich wer unser beger und gutbedunken, das dieselben unsere /303/ oheymen, die churfursten, von stund einen platz am Rein furnemen und uns den bei diesem boten anzeygen und sie gestracks daselbst hinziehen. So wollen wir uns befleissigen, personlich auch dahin zu komen, damit uf itzt angezeigt meynung das nutzest und best gehandelt moge werden. Und nemlich gefiel uns die stat Frankfurt.

    [9.] Ferner ist unser beger, das unsere oheymen, die churfursten, mit und neben unserm rat, doctor Ulrichen von Schellenberg, zu unserm oheym herzog Heinrichen von Brunsweig, den elteren, schicken und an inen begeren lassen, das er mit seiner rustung von stund an zu uns anziehe uf die abrede, so wir mit ime gemacht haben.11 Und das daruf dieselben churfursten neben uns schreiben und handeln, wie wir inen das kurzlich durch unser rete anzeygen werden.

    /303’/ Und was unsern reten darin bege[g]net, das sollen sie uns alwegen uf der post, so wir itzt zu inen legen werden, berichten. Geben zu sant Wendel, am lezsten tag Aprilis anno etc. octavo, unsers Reichs im dreiundzwenzigsten jar.

    «Nr. 11 Die „Kleine Schickung“ der Stadt Köln an den städtischen Protonotar Georg Goldberg und Ludwig Sachs – Köln, 2. Mai 1508 »

    [1.] Teilnahme Kölns am Mainzer Tag, Verhandlungen mit dem Ks. wegen der Romzughilfe; [2.] Verhandlungen mit den rheinischen Kff.über die Bestätigung des Kölner Stapelprivilegs.

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 77–78’ (Kop., dynxstach na quasimodogeniti).

    [1.] Die Ratsgesandten Rentmeister Konrad von Schürenfeltz und Stimmmeister Johann von Reide sind am 29. April (saterßdach)zurückgekehrt und haben am 1. Mai (maendach nae quasimodogeniti)über ihre Mission Bericht erstattet. Am heutigen Dienstag ging außerdem ihr Schreiben1ein, worin sie die Antwort Gf. Adolfs von Nassau bezüglich der Abhaltung des Mainzer Tages referieren. Schürenfeltz und Reide haben unter anderem mitgeteilt, dass die Adressaten auf dem Weg nach Speyer umgekehrt und erst später von Mainz aus dorthin gereist sind, den Ks. dort jedoch nicht angetroffen haben. Sie, die Absender, hätten es begrüßt, wenn sie sich dem Ks. als Gesandte des Kölner Rates hätten vorstellen können. Die beiden Gesandten berichteten weiter, dass sie sie, die Adressaten, nach ihrer Rückkehr nach Mainz angewiesen haben, dort die Eröffnung des ksl. Tages Šabzuwarten. Falls über den Romzug verhandelt wird, sollen sie sich wie schon eine frühere Ratsgesandtschaft beim Ks. darum bemühen, dass die Stadt nicht weiter damit belastet wird. Sollte der Ks. wider Erwarten darauf nicht eingehen, sollen sie für weitere Anweisungen unverzüglich schriftlichen Bericht erstatten. Befehlen ihnen stellvertretend für den Rat, für die Dauer des ksl. Tages in Mainz zu bleiben, damit der Ks. den Magistrat nicht als ungehorsam ansieht. Sollte er jedoch die Versammlung absagen oder würden die Kff., Ff. und Stände fernbleiben, können auch sie nach Hause zurückkehren. Bekunden ihr Vertrauen, dass sie ihren Auftrag zuverlässig erfüllen werden.

    [2.] Schürenfeltz und Reide haben weiter berichtet, dass sie sie über die Ergebnisse ihrer Verhandlungen mit den Kff. von Mainz und Trier wegen des Kölner Stapelprivileges unterrichtet haben. Sie sollen, falls sie ihn antreffen, mit dem pfälzischen Kf. entsprechend deren Anweisungen verhandeln. Untersagen ihnen jedoch weitere Bemühungen beim Ebf. von Köln, von dem bislang keine verbindliche Stellungnahme zu erhalten war. Nur wenn alle vier [rheinischen] Kff. von Mainz, Trier, Köln und Pfalz persönlich auf dem Tag in Mainz anwesend sind, sollen sie unter Berufung auf die in Oberwesel gemachte Zusage eine gemeinsame Erklärung einfordern. Sollte sich einer der Kf. gegen den Kölner Stapel aussprechen, können sie dies durch den Kurmainzer Hofmeister [Thomas Rüdt von Collenberg], den Kurtrierer Kammermeister [Thomas] Kratz oder durch Hartmann [von Windeck] vertraulich in Erfahrung bringen. Im Übrigen sollen sie sich bei den Kff. selbst oder ggf. ihren Räten nachdrücklich um die Konfirmation des Stapelprivilegs bemühen.

    «Nr. 12 Weisung der Stadt Köln an ihre Gesandten in Mainz, Georg Goldberg und Ludwig Sachs – Köln, 5. Mai 1508 »

    Gefangensetzung von Kölner Bürgern durch Götz von Berlichingen.

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 78’–80 (Kop., Datumverm.: Datum per Ailbertum [Potgießer] under unserm secrete up frydach, quinta Maii.).

    [1.] Ihnen ging ein Bericht zu, wonach ein Adliger namens Götz von Berlichingen (Bernheym)nahe dem Städtchen Steinau ungeachtet des Geleits des Gf.[Reinhard] von Hanau und der Hh. von Hutten (Hoetten)den Kölner Bürger Contz Heyme und seinen Sohn Contz zusammen mit einigen Aachener Bürgern gefangengenommen hat.1Die Aachener wurden noch am gleichen Abend wieder freigelassen. Wo die beiden Kölner Bürger festgehalten werden, ist nicht bekannt. Weisen sie an, sich um diese Information zu bemühen. Sie sollen unter Vorlage der beigefügten Kredenzbriefe im Namen der Stadt den Reichsstatthalter Kf. Friedrich von Sachsen, Šdie Kff. von Mainz2und Trier, den Bf. von Würzburg, den Abt von Fulda3und weitere ihnen geeignet erscheinende Persönlichkeiten allgemein um Rat und Hilfe, konkret um Fürschreiben an Berlichingen (Bernheym), den Gf. von Hanau und die Hh. von Hutten als Geleitsherren bitten, um die unentgeltliche Freilassung der beiden Kölner Bürger zu erreichen.4Falls erforderlich, sollen sie darauf hinweisen, dass die von Berlichingen erhobene Forderung völlig unberechtigt ist, die Stadt Köln ihm aber dennoch ein rechtliches Verfahren vor dem Ks. oder dem Kf. von Sachsen bzw. dessen Räten anbietet. Sie, die Gesandten, sollen in dieser Angelegenheit keine Kosten scheuen.

    [PS] Aufgrund eines Schreibens an die Ehefrau Contz Heymes [Mettel] ist zu vermuten, dass ihr Sohn in dem eine Meile von Hammelburg entfernten Schloss Reußenburg (Ruschenberg)festgehalten wird. Hammelburg gehört dem Abt von Fulda, weshalb sie auch bei diesem wegen der Freilassung der beiden Bürger vorstellig werden sollen.5Ein weiterer Kredenzbrief ist an den bfl. Würzburger Hofmeister Sigmund von Thüngen adressiert, den sie ebenfalls um Hilfe bitten sollen.6

    «Nr. 13 Stellungnahme Kf. Friedrichs von Sachsen zur ksl. Instruktion – [act. Mainz, 5. Mai 1508 oder kurz danach] »

    [1.] Frage der Bevollmächtigung der anwesenden kfl. Gesandten hinsichtlich des ksl. Hilfsantrags; [2.] Leistung der auf dem Konstanzer Reichstag beschlossenen Romzughilfe durch Kursachsen; [3.] Verweigerung von Beratungen über eine Reichshilfe außerhalb eines Reichstages; [4.] Empfehlung der Schwäbischen Bundesversammlung in Ulm zur Einberufung eines Reichstages; [5.] Empfehlung Kf. Friedrichs zur Einberufung eines Reichstages; [6.] Möglichkeit des Ks. zur Entsendung von Stellvertretern zum Reichstag; [7.] Bereitschaft zur Entgegennahme anderer Vorschläge, Ablehnung einer Verlegung der Versammlung nach Frankfurt.

    ŠWeimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 51–53’ (Kop., Überschr.: Unsers gnedigsten herrn, herzog Fridrichs zu Sachsen, curfursten etc., ratschlag und bewegen uf vermelte werbung.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 17–19, 36 (Konz., Überschr. wie A) = B.

    [1.] /51/ Wan der beschliess der instruction [Nr. 10, Pkt. 8], darinnen ksl. Mt. begert, ir treuen rat anzuzaigen, wie ain tapfere, außtregliche und werende hilf ausserhalb des Schwebischen Punds und besonder an ainen Reichs tag von dem Reich erlangen moge etc., erneuet und repetirt ist, so sol meins gnedi[g]sten herrn bedenkens zu fragen sein, ob dy geschickten botschaften gewalt haben etc.

    [2.] Und nach undertenigem annemen des genedigen zuentbietens solt erstlich zu sagen sein, das ksl. Mt. angezaigte beswerde und widerwertigkaiten begegen, mein gnedigster herr nit gern gehort. Das auch dem abschid zu Costenz nit gelebt, versehen sich sein ftl. Gn., ksl. Mt. werd das seinen furstlichen gnaden nit auflegen. Dan wo sein ftl. Gn. nit mer dan sein gnad zugesagt, so hat sein gnad ye nit minder getan.1

    [3.] Darnach anzuzaigen, das aus obvermeltem ksl. Mt. begern wol abzunemen, das irer Mt. obligen swer /51’/ und gros vor augen. Zu derselben abwendung mein gnedigister herr treulich zu raten fast geneygt und hochbegirig. Erkennt sich auch des schuldig. Dweyl aber sein ftl. Gn. sehen so ain wenige anzal der stende des Reichs, sey seiner ftl. Gn. ermessens inen allen hoch zu bewegen, welle sein gnadena auch gar nit gezimen, in so dapfern sachen, daran nit allain ksl. Mt. und iren erblanden, sonder auch dem Heyligen Reich und teutzscher nacion vil und gros gelegen, hinter den andren stenden des Reichs sich einigs ratschlags zu unterfahen.

    Und ob sein ftl. Gn. der unbedacht- oder vermessenhait sein wolt, an die andren stend des Reichs und ausserhalb des Schwebischen Punds solchs merklichen handels zu unterwinden, so wurden dy andern stende nit darein gehelen [= einwilligen]. Und mocht wider seiner ftl. Gn. rat noch hilf ksl. Mt. zu nichte austreglichem erspriessen.

    [4.] Mein gnedigister herr ist auch zweivels an, das der Swebisch Pund gegen ksl. Mt. aller gebure /52/ und zimligkait wol werde wissen zu halten. Aber sein ftl. Gn. welle sich zu desselben verwonten, die nit der weniger tayl des Reichs sein, gar nit dafur achten, das sy sich hirinnen von andren des Reichs stenden absondren werden. Dan sein ftl. Gn. nit anders wissen, dan das [die Bundesstände] ksl. Mt. geraten und gebeten haben, diser sach ain Šreichstag anzusetzen. bDan solch treffentlich sach ausserhalb des Reichs stende zu handlen sy auch beschwerlich angesehen haben–b.2

    [5.] Solt aber solch absondrung bescheen und ksl. Mt. uf yrer meynung und beger beharrn, so were ye seiner ftl. Gn. bewegnus grosse notturft, das den stenden, die hie sein, ir bedenken mit den andren stenden des Reichs, dem Pund nit verwant, sich statlich zu underreden nachgelassen wurde. Sein ftl. Gn. wuste auch auf begeren ksl. Mt. bey den pflichten, domit sy ir Mt. und dem Reich verwant, dieweyl ir Mt. ain tapfere, außtregliche und werende hilf tut synnen, cdy sein ftl. Gn. nach gstalten sachen auch nit vor unnotturftig /52’/ ansehen–c, nit anders zu raten, dan das diser treffenlicher handel an alle des Reichs stende aufs furderlichist gelanget, nach aller seiner dapferkait und umbstenden notturftiglich zu betrachten.d

    Und ruhet seiner ftl. Gn. gmuet entlichs besließ eben daruf, furtreglicher sein, an alles verziehen von ksl. Mt. ain reichstag an gelegen end anzusetzen und außzuschreiben und dise swere und nachtaylig ksl. Mt. und des Heyligen Reichs obligen ganz tapferlich zu beratschlagen und zu bewegen, wie dan solchs ym Heiligen Reich alzeit loblich geubt, gebraucht und herbracht ist, domit dy andern abwesende des Reichs stende den gegenwertigen nichts auflegen oder zumessen, das sy irs abwesens etwas gehandelt, das inen ander gestalt geburt und zugestanden het und, so dise ding anders dan wol, das der Almechtig gnediglich verhute, endent[e]n und erfolgeten, inen ichts verweyslichs zuwenden mochten.

    /53/ eDweyl dan eur ftl. Gnn. weniger anzal hie sein, bewegt sein ftl. Gn., was–e an ainer solchn großwichtigen sachen fausserhalb der andern stende zu tun sein welle–f. Dan zu Costenz fast vil der stende des Reichs beyeinander versamelt; wie aber dem beschliess desselben reichstags gelebt, hat ksl. Mt. hivor und ytzo anzaign lassen.

    [6.] Wurd ksl. Mt. yrer gescheft halben den reichstag zu besuchen nit gelegen sein, so hat sy doch den statlich zu beschicken, domit und wo solcher reichstag furgengig, was dan von den stenden des Reichs ksl. Mt. und demselben Reich zu gut und aufnemen fur das best bewogen und angesehen, des wil sich mein gn. herr sambt seiner ftl. Gn. bruder [Hg. Johann], wie dan alzeit von irn ftl. ŠGnn. bescheen, der untertenigkait und wilferigs gehorsams halten und erzeign, das ksl. Mt. von billigkait kain ungfallen haben sollg.

    [7.] /53’/ Und wiewol mein gnedigster herr das obvermelte bey seiner gnaden pflichten hat anzaigen lassen, wu aber von eurn gnaden und den geschickten andere weg, domit ksl. Mt. in yrm begern zu raten und wilfarn werden mag, angezaigt werd, sol bey sein gnaden treuer rat und hilf mitzutaylen auf dise stund nit unterlassen bleyben. Aber den tag gein Frankfurt zu verrucken, sehe sein ftl. Gn. fur unnotturftig an. Dan was durch sein gnad zu Frankfurt mag geraten werden, das mag alhie auch bescheen. Und ist sein ftl. Gn. urbutig, alles das helfen zu tun, das ksl. Mt. und dem Heyligen Reich zugutkomen mag. An dem sol, ob Got wil, von wegen seiner gnaden und meins gnedigen herrn, herzog Johansen, seiner gnaden bruder, kain mangel gespurt [werden]. Dan mag es funden werden, ytzunder alhie statlich zu helfen und zu raten, so wil sein ftl. Gn. kain weyter ufziehen darinnen machen, dweil sein gnad wais, das irer Mt. und dem Heyligen Reich merklichs daran gelegen.

    «Nr. 14 Mandat Ks. Maximilians an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Andernach, 6. Mai 1508 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 3, fol. 16–17’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Erinnert daran, dass er ihm bereits mehrmals befohlen hat, Gf. Eberhard von Königstein die Schlösser Eppstein und Schwalbach zurückzugeben. Dies ist bislang aber unterblieben. Der Gf. hat ihm außerdem mitgeteilt, dass er, der Lgf., darüber hinaus ohne jeden Anlass einige seiner Dörfer besetzt hat, während er in Angelegenheiten von Ks. und Reich unterwegs war. Falls die Vorwürfe zutreffen, liegt damit ein Verstoß gegen den ksl. und Reichslandfrieden vor, was er keinesfalls tolerieren kann. Befiehlt ihm unter Androhung der Ungnade von Ks. und Reich sowie der in den früheren Mandaten vorgesehenen Strafen die unverzügliche Restitution der gfl. Besitzungen. Falls er glaubt, begründete Einwände dagegen vorbringen zu können, soll er unverzüglich seine Räte nach Mainz schicken, die seine Sache vor den dort versammelten Kff., Ff. und ksl. Räten vertreten sollen. Diese werden auch den bereits dorthin beschiedenen Gf. anhören. Er selbst wird anschließend eine angemessene Entscheidung treffen.1

    «Nr. Š15 Zweite Instruktion Ks. Maximilians für Gesandte zum Mainzer Tag – Linz/Rhein, 7. Mai 1508 »

    [1.] Bevorstehender Abzug der Reichskontingente aus Italien, Überforderung der österreichischen Erblande; [2.] Finanzierung der benötigten Truppen durch Anleihen bei Lgf. Wilhelm II. von Hessen und Bf. Lorenz von Würzburg sowie [3.] durch eine Anleihe bei den Handelsgesellschaften in den Hansestädten; [4.] Beitrag Ks. Maximilians; [5.] Begründung für das Fernbleiben Ks. Maximilians vom Mainzer Tag, Aufforderung zur Benennung eines Tagungsortes für weitere Beratungen, Fortsetzung der Verhandlungen bis zur Bewilligung der Anleihe.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 282–284’ (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 22–25 (Kop.) = B. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 122–124 (Kop.) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 481–486 (Kop.).

    [1.] /282/ Maximilian, von Gottes gnaden e[rwählter] romischer kayser.

    Instruction, waz der erwirdig Matheus bischof zu Gurk, unser furst, und die wolgebornen, ersamen, andechtig und gelert und unser lieb, getreuw Adolf grave zu Nassauw, her zu Wiesbaden, doctor Erasme Dopler, probst zu sant Sebolt zu Nuremberg, Balthasar Wolff von Wolfstal, unser camermeister und des Richs pfleger zu Werd und Wyssenburg, und doctor Ulrich von Schellenberg, unser rete, mit unsern lieben neven und oheimen, den churfursten, fursten und stenden des Heiligen Richs, so ytzo zu Meynz versamelt sint, handeln und außrichten sollen.

    Am ersten sollen sie iren liebden zu erkennen geben, daz uns ytzo unser rete, die den krieg in unser graveschaft Tyrol gegen den Venedigern handeln, mit außgetruckten worten geschrieben und angezeigt haben1, dwil die zwen monat, die des Richs geraisigen und fußknecht, so bij inen sin, noch zu dienen gehabt2, in kurzen tagen außgen und verschynen, so werden sie ab und herauß ziehen. Dan sie vermogen dieselben noch die, so sie daneben in unserm sold haben, solchs wyter nit zu underhalten, nachdem alle monat ob vierzigtausent gulden auf sie laufen. Und wo solicher abzüg beschee, so müssen, wollen und werden sich unser lantleut der graveschaft Tyrol von stund darauf an die Franzosen und Venediger wider daz Heilig Rich auß eynem unwillen, daz sie also vom Rich und den Teutschen verlassen wurden, in ewig zit setzen und ergeben. Dan wiewol dieselben lantleut auf iren eigen costen und solde zehentausent mann gegen den Venedigern und Franzosen halten, on die, so sunst mit iren lyben an den grenizen teglichs gegen den fynden in gegenwere sin, daz sich auch auf etlich tausent man streckt, so sij doch daz alles zu wenig gegen der grossen heresmacht, so die fynt hinder iren clausen und befestigung gegen inen ligen haben, deßhalben solicher ir widerstant alleyn nichts erspriessen mög.

    / Š282’/ Neben den werden wir abermals wol so vil volks und soldner haben auß unsern nidernosterrychischen landen bij unserm oheim herzog Erichen von Braunswig wider die Venediger, so mit herescraft in unsern furstentumen Crain, Ysterrich [= Istrien] und Carst ligen, darin sie uns all schloß und stett abgewonnen haben, daz auch alles auf [unsere] und unserer landleuta costen get. Wo nun dieselben auch verlassen, wurden sie sich glicherwise wie die graveschaft Tyrol clagen und sich an die Franzosen und Venediger setzen und geben.

    [2.] Nun wolten wir understen, tragen auch des keynen zwivel, wo wir ytzo denselben unsern beiden heeren uber und neben des Schwebischen Punds hilf, die wir by demselben zu underhaltung der Eidgenossen ersucht haben [Nrr. 5; 10, Anm. 8], mit hunderttausent gulden helfen mogen, daz wir sie und des Richs volk noch zwen monat im velde und an den grenizen behalten wolten, so lang, biß inen wyter hilf beschee oder ein lydeliche rachtigung gemacht wurd.

    Nun ist ye diser zit solich summa gelts aufzupringen allein in unserm vermogen nit, dann wir bißher von des Richs wegen unser land und leut den merern teil aufs hochst versetzt, verpfent und außgemergelt haben.

    Und dwil ir lieb ungezwivelt wissen, daz wylend unser lieber her und vater, der romisch keyser, loblicher gedechtnuß, und nachmals wir unserm fursten, dem bischof zu Wurzburg, und sinem stift mit dem gulden zoll3, der bißher ob zweymal hunderttausent gulden rinsch ertragen hat, deßglichen wir auf dem nestgehalten richstag zu Coln unserm fursten, dem lantgraven zu Hessen, mit eynem nuwen zoll4, der jerlichen vil tausent gulden /283/ ertregt, bund darzu mit belehenung der graveschaft Katzenelnpogen, die wir ime, wiewol er darzu nit ein lehenserbe in abstygender lini ist, geliehen5–b, die auch etlich hunderttausentc gulden wert ist, auch sin abwexelte und ubergestellte regalia von sinem vettern [Lgf. Wilhelm d. J.], dem letsten, der on erben abgangen ist6, und davon er uns die annata zu bezaln schuldig gewesen were, die wir ime auch auß gnaden nachgelassen haben: Bedunkt uns ye pillich sin, daz sie uns und Šdem Rich ein sundern dinst darumb tun und zuvor ytzt in des Richs noten, die demselben diser zit obligen, mer dan ye gehort ist.

    Und wir haben deßhalben furgenomen, von beiden unsern fursten von Wirzburg und Hessen, nemlich ir yedem funfundzwenzigtausent gulden rinsch zu entlehen, in der gestalt, daz sie uns solich funfzigtausent gulden von stund par lyhen auf die versicherung, zu wissen, daz wir mitsampt den kurfursten, fursten und stenden, auch iren botschaften, so ytzt zu Meynz sin, inen versprechen und des gnugsam verschrybung geben, daz wir inen solich anlehen von der hilf oder den anschlegen, so am nesten im Rich bescheen, widerumb bezalen wollen.

    Und sollen daruf unser rete an die gemelten kurfursten, fursten und stende mit allem flys und ernst begern, daz von stund yeder kurfurst und, welicher personlich nit da ist, desselben potschaft eynen von iren und der andern fursten und stende wegen mit dem obgenannten doctor Ulrichen von Schellenberg zu den angezeigten unsern fursten von Wirzburg und Hessen schicken, mit bevelhe, daz sie mit und neben denselben unsern reten daz berurt anlehen an ir lieb ernstlich begern, mit erzelung der ursachen, so sie darzu bewegen sollen, wie vorstet. /283’/ Und daz sich auch ir lieben durch dieselben ir geschickten anbieten und bewilligen, daz sie neben uns inen die verschrybungd auf des Richs nestkunftig hilf außrichten und widerumb zu irer bezalung verhelfen wollen.

    So wollen wir uns darauf gegen denselben kurfursten und iren botschaften, auch andern des Richs stenden zu Meynz gnugsamlich verschryben, daz wir von der nechsten Rychs hilf solich anlehen widerumb bezalen und verfolgen lassen wollen.

    Wo aber unser furst von Wirzburg itzt zu Meynz wer, soll diße meynung daselbst mit ime gehandelt werden.7

    Wo aber ir beider lieb diser zit nit so vil pars gelts hetten, soll von uns, auch den kurfursten, fursten und stenden an sie begert werden, etwaz in iren landen zu versetzen, damit sie uns daz gemelt anlehen tün mogen. Und soll alßdan unser aller verschrybung darauf gestellt werden, daz wir inen solich ir verpfendung von der berurten Rychs hilf widerumb on schaden ledigen und losen wellen.

    Unser rete sollen auch unsern fursten von Wirzburg und Hessen ire byligend brief von unserm neven, dem erzbischove zu Coln, des anlehens halben an sie außgangen8, uberantworten.

    Š[3.] Ferner, nachdem uns etlich kaufleutgeselschaften im Schwebischen Pund ein anlehen getan haben9, sollen unser rete an kurfursten, fursten und stende begern, daz sie neben uns den geselschaften, so in den see- oder han- /284/ stetten sin, ernstlich schryben, uns funfundzweinzigtausent gulden rinsch darzulyhen auf der stett Coln, Frankfort, Lubeck, Spyer und Worms verschrybung und versicherung, und daz dieselben kurfursten, fursten und stende solichs mitsampt unsern reten itzt zu Meynz mit den geschickten, so von derselben stett wegen daselbst sin, handeln, darein zu verwilligen. So wollen wir daz bij den andern stetten, die ir botschaften nit zu Meinz haben, glicherwise tun, doch daz uns die versamlung ir brief an dieselben stett mitsampt den briefen, an die geselschaften lauten, furderlichen zuschicken und daneben verschrybung aufrichten, daz sie mitsampt uns dieselben funf stett solicher irer purgschaft oder verschrybung von der nesten hilf, so im Rich angesehen wirt, on allen schaden ledigen sollen.

    So wollen wir den kurfursten, fursten und stenden abermals verschribung geben, daz wir solich bezahlung von derselben hilf tun und verfolgen lassen wollen.

    [4.] Und damit die hunderttausent gulden gar aufbracht werden, so wollen wir noch ein oder zwey stuck in unsern erblanden versetzen umb funfundzwenzigtausent gulden und die auch zu den vorgemelten XXVMe gulden verorden, also daz mit solichen hunderttausent gulden des Richs, auch unser eigen soldner und darzu unser landschaften der graveschaft Tyrol und niderosterrichischen land im velde und an den grenizen gegen den fynden, wie vorstet, noch zwen oder dry monat underhalten und der vorangezeigt schwer, unuberwindlich abfall verhüet, so lang, biß der itzt nestkunftig Richs tag gehalten und beratschlagt und beschlossen werden mag, ob wir die kayserlich cron und Ytalien unser leptag verlassen oder wie wir und daz Rich den krieg wyter furen sollen.

    [5.] /284’/ Ferrer sollen uns unser rete abermals gegen den kurfursten, fursten und stenden entschuldigen, daz wir itzt nit gein Meynz zu inen komen, sunder herabgeruckt sin, auß den ursachen, wie wir inen nest durch unser rete haben erzeln lassen, und sunderlich, daz wir uns unsern Niderlanden der Franzosen und Arburgischen emborung10, deßglichen unserm oheim [Hg. Wilhelm] von ŠJulch des lands Geldern halben nehern müssen. Und darauf an sie begern, daz sie uns ylends berichten, weliche malstat inen gefalle, am oder by dem Rin in ein ander stat, da des Richs noitturften gehandelt werden sollen. So wollen wir uns mitsampt unserm neven, dem erzbischof zu Coln, auch daselbst hin zu inen fugen; und daz sie zu Meynz oder Frankfurt byeinander verharren so lang, biß daz gemelt anlehen gehandelt ist allein von den zweyen fursten und sich erst nachmals an daz ort, so sie uns itzgemeltermaßen anzaigen werden, fugen und in allweg zuvor zu Meynz oder Frankfurt nit verrugken.

    Und waz unsern reten herinnen begeget, daz sollen sie uns bij tag und nacht berichten und ye so vil handeln, damit die kurfursten, fursten und stende nit verrugken, biß wir inen auf derselben unser rete unterricht wytern bescheit gegeben haben, daz wir auch alßdan von stund tun und sie nit lang aufhalten wollen. Geben zu Lyns, am siebenden tag des monats May Ao. etc. XVC und im achten, unsers Richs, des Romischen im XXIII. jarn.

    «Nr. 16 Antwort der Kff. und Ff. an die ksl. Gesandten – [Mainz, 8. Mai 1508]1 »

    Empfehlung zur Einberufung eines Reichstages.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 296–297 (Kop., Überschr.: Antwort der churfursten, fursten und geschickten botschaften auf die werbung, so keyserliche Mt. durch ire botschaft an sie zu Meinz hat bringen lassen.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 29–29’ (Kop., Überschr. wie A)2 = B. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 118–120’ (Kop., Überschr. wie A) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 473–474 (Kop., Überschr. wie A).

    /296/ Erstlich haben ire furstlichen gnaden und die botschaften die werbung, von wegen keyserlicher mayestat durch irer Mt. botschaft gescheen [Nr. 10], in undertenigkeit gehort und vernomen. Sagen irer Mt. zuforderst irer gnedigen zuerpietung undertenigen dank mit erpietung irer schuldigen und gehorsamen dinst.

    Und als ir Mt. hat tun anzeygen, wes irer Mt. zu verhinderung irs loblichen furgenomen romzugs von dem konig von Frankreich und den Venedigern begegnet, das haben sie nit gern gehort und tragen des mit irer Mt. treulichs mitleyden.

    Als aber keyserlich Mt. uß ursachen, in der berurten werbung angezeigt, irer gnaden getreuen rate, wie ir Mt. ein dapfer, ustreglich, werende hielf gegen gemelte ire veind aufbringen moge und derhalb diese malstat zu verrucken begert etc., haben sich ire gnaden sampt den geschickten botschaften bedacht. Und weren als treu churfursten und fursten des Heiligen Reichs und die botschaften von irer gnedigsten und gnedigen herrn wegen irs vermogens, keyserlicher mayestat alles das zu raten, das irer Mt. und dem Romischen Reich Šzu ere, /296’/ nutz und gutem dienen und reichen mocht, ganz urputig und willig. Ire gnaden und die geschickten botschaften bewegen aber diesen handel wichtig, dapfer und dermassen gestalt, das in irer gnaden, die dannoch itzo alhie in geringer anzal sein, vermogen nit ist, fruchtbarlichen darin, als ire gnaden und die geschicktena doch gern teten, zu raten oder zu handeln, sonder das von noten sey, aller stende des Heiligen Romischen Reichs, die es auch mitbetriefft, rat in solichem mit zu gebruchen. Darumb so ist irer gnaden gutbedunken, das keyserlich Mt. einen Reichs tag an ein gelegene malstat furderlich usschreiben, alle stende des Reichs erforderen und von solichen sachen nach notturft uf solichem tag handeln und ratschlagen lasse. Daselbst wollen sie auch erscheinen und sambt anderen stenden des Heiligen Reichs, was in solichem zu tun nutz und gut sein will, irs vermogens und besten verstentnuß auch treulich raten und sich dermassen dan halten, darab ir Mt. irenthalb keinen mangel, sonder ire gnaden als treu churfursten und fursten, wie sich ire gnaden des bisher /297/ auch gefliessen haben, spuren und erkennen soll.

    Und ist daruf irer furstlichen gnaden und der geschickten botschaften von wegen irer gn. Hh. undertenig bit, das keyserlich Mt. solich ire anzeygen und gutbedunken, das sie aus treuem gemute tun, gnediglich annemen wolle. Dann wo ire gnaden etwas bessers und furtregenlichers nach gestalt und grosse dieser sachen dißmals hetten bedenken oder raten mogen, das wolten ire gnaden und die geschicktenb keyserlicher Mt. in aller undertenigkeit auch unangezeigt und uneroffnet nit gelassen haben, sich keyserlicher mayestat hiemit als irem allergnedigsten hern underteniglich bevelhend.3

    «Nr. 17 Aufzeichnung über die Replik der ksl. Gesandten an die versammelten Kff. und Ff. und deren Antwort darauf – [Mainz, 8. Mai 1508 oder kurz danach] »

    [1.] Ankündigung der ksl. Gesandten zur Übersendung der ständischen Antwort an Ks. Maximilian; [2.] Zusage der Kff. und Ff. zur Verlängerung des Tages; [3.] Wiederholung ihrer Ankündigung durch die ksl. Gesandten.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 30–30’ (Kop.) = Textvorlage A.1 Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 474’–475 (Kop.) = B.

    Š[1.] Am 8. Mai (montag nach dem sontag misericordia Domini)übergaben die Stände ihre Antwort [Nr. 16] an die ksl. Gesandten, worauf diese nach deren Verlesung und erfolgter Beratung ihre Erwiderung vorlegten:

    Sie hetten die schrieftlich antwort besichtiget und bewogen und darin befunden, das sie sich nach gestalt und gelegenheit der sachen derselben antwort nit versehen gehabt hetten. Dieweil aber kayserlicher Mt. bevelh stunde, das sie die antwort horen und die irer Mt. furderlich zuschicken solten, demselben kayserlichen bevelhe gepure inen nachzukommen. Wolten also solich antwort irer Mt. zusenden und, was inen daruf begegent, unseren gnst. und gnedigen herrn nit verhalten. Bittend, das ir gnaden ein clein zeit gedult und herin kein verdrieß haben wolten, biß solichs geschee, damit nichts versaumpt und unrate, so ksl. Mt. en[t]steen mocht, verhute[t] pleybe. Das hetten sie unsern gnst. und gn. Hh. fur ire persone unentdeckt nit lassen wollen. Dardurch sie vermerken mochten, das sie nit anders, dan das inen ire bevelh uflegt und sie pflichtig weren, handeln wolten.

    [2.] Uf solichs haben unsere gnst. und gnedigen herrn und der fursten botschaften antworten lassen, sie hetten ire, der keyserlichen Mt. geschickten rete, begern gehort, das sich uf lenger pleibens erstreckt. Darauf geben sie ine guter meynung zu erkennen, das inen lenger alhie zu verharren vast [= sehr] ungelegen were. Aber doch kayserlicher Mt. zu eren und gefallen wolten sie biß uf frytag [12.5.] oder sambstag [13.5.] alhie verharren. Aber lenger zu pleyben sey ir gelegenheit nit.

    [3.] Darauf haben der kayserlichen Mt. geschickten rete gesagt, sie hetten die antwort entpfangen. Wolten also dieselben kayserlicher Mt. zusenden, konten dißmals nit wyter.

    aUnd sein also abgetreten und von der zeit, in der fursten antwort angezeigt, kein meldung getan. Dabey ist es auch dißmals bestanden–a.

    «Nr. 18 Weisung Ks. Maximilians an seine Gesandten auf dem Mainzer Tag – Siegburg, 10. Mai 1508 »

    [1.] Empfehlung der Mainzer Versammlung zur Einberufung eines Reichstages; [2.] Verweis auf die kritische militärische Situation; [3.] Vorschlag zur unverzüglichen Abhaltung eines Reichstages; [4.] Aufforderung zur Einigung über einen Tagungsort und zum Zusammenbleiben der Teilnehmer; [5.] Mitteilung an Kf. Friedrich von Sachsen wegen des weiteren Vorgehens im niederbayerischen Erbfolgestreit.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 290–292’ (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 31–34’ (Kop.)1 = B. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 475’–478’ (Kop.) = C.

    Š[1.] /290/ Maximilian, von Gots gnaden e[rwählter] romischer keyser etc.

    Erwirdiger furst, wolgebornen, ersamen, andechtigen, lieben getreuen. Bestätigt den Eingang ihres Schreibens2samt der schriftlichen Antwort der Kff., Ff. und Stände. [Teils sinngemäße, teils wörtliche Wiedergabe von Nr. 16].

    /290’/ Wiewol wir uns nun anderer und pesser antwort, die dem Heiligen Rich und dutscher nacion derselben noitturften und obligen nach zu furderlicher hilf und trost gereicht, zu inen versehen hetten, yedoch, so sie zu solicher meynung entschlossen sin, ungezwifelt irem erpieten nach getruwes gemuts, so mogen wir sie daruber nit hoer anstrengen und lassen uns also solicher irer antwort, anzeigens und erpietens gnediglich be[g]nugen.

    [2.] Doch der gestalt, nachdem sie auß unser werbung, durch uch an sie bescheen, und sust in manig weg offentlich wissen, sehen und teglichs vernemen unser und des Heiligen Richs grosse noit und obligen, auch der Franzosen, Venediger und irer anhenger trefflichen macht, anfechtung, kriegsubung und bosen fursatz, die wir inen bißher vil und oft angezeigt haben, sich auch von tag zu tag ye lenger, ye grober erschynen, daz wir inen die nit gnug erzelen mogen, sunder inen selbs /291/ wyslich zu betrachten befelhen.

    [3.] In ansehen und bedacht desselben, auch der zit, so nun am gelegensten und besten vorhanden ist, und darzu dannocht der rustung, darin etlich stend des Richs, auch unser erpliche lande im felde sint, dieselben leger bijeinander zu behalten und fura unlust und abzüg zu verhuten, und sust gestalt und gelegenheit nach aller sachen, so ist unmoglich, unfruchtpar und ganz versumlich, eynen gemeynen Rychs tag zu beschryben und zu versammeln.

    bAber zu furderung, austrag und gutem solicher unser und des Richs, auch dutscher nacion noitturft und obligen sint wir willig und geneigt, mit den kurfursten, fursten und stenden, uf ytzigem tag zu Meynz versammelt, und noch mit dem meisten teil, so wir in der nehe und furderlich erfordern und zusamenbringen mogen und wollen, die alle unsers bedunkens ausserthalb der ferren die gegenwirtig des Heiligen Richs und dutscher nacion obligen und noitturften zu bedenken, zu schliessen und zu fursehen wol macht und fug haben, ein Rychß tag zu halten, doch denselben uf keynen gesetzten tag, sunder on allen verzug und von stund an–b.

    /291’/ Dabij geben wir uch zu erkennen, daz uns solicher tag und besamlung am liebsten zu Trier wer. Wo daz aber nit statt hett, alß wir dan der proviand halben sorg tragen, so lassen wir uns gefallen zu Collen, da wir dan unser burgondisch sachen und noitturften daneben außrichten mogen. Wo daz aber zu Coln auch nit gelegen wer, so mogen wir lyden, ob inen geliebt, zu Spyer.

    [4.] Demnach ist auch noit und unser ernstlich ermanen und meynung, daz die kurfursten, fursten und stende von disem tag keinswegs anheim verrucken, Šsunder sich der dryer malstat eyner, die inen am gelegensten ist, verglychen und uns dieselben verkunden. So wollen wir unser furnemen und handelung mit unserm oheim [Hg. Wilhelm] von Julch und in ander weg furdern, in hoffnung, in acht tagen bereit zu werden und alßdan uf den tag, wohin sie sich des entschliessen, personlich zu inen komen, auch darauf andere mere fursten und stend des Richs, sovil wir in der nehe und am furderlichisten erlangen und gehaben mogen, ylends beschryben und erfordern, darzu unsern lieben oheimc [Ebf. Hermann] von Coln, den wir dermassen geneigt und willig wissen, uf welichen tag wir ime schriben, daz er sich darauf von stund an erheben und an die malstat, wie sie sich der verglychen und uns berichten, /292/ ziehen wirt. Und daz sie sich daruf keinswegs zertrennen. Dan wo daz beschee, hetten wir sorg, sie und andere so pald nit mer zu erlangen und dadurch alle sachen versumpt und verwarlost zu sin, sunder herinnen, nachdem sie sich ye erpieten, uf einen Richß tag, den wir außschryben solten, zu erschynen, ytzo so lieb alß hernach, so es nit mer helfen, auch wir mit unser person unser sweren kriegßleuf halben, darin wir an allen enden sin, nit erschynen mochten, zu furderung aller sachen grosser noitturft nach gutwillig, gehorsam, mitlydig und furderlich erschynen, als wir uns zu inen genzlich versehen und wol getrösten; daz auch zusampt schuldiger pflicht in aller fruntschaft und gnaden gegen inen erkennen wollen.

    Daz haben wir uch ylends uwerm begern und der noitturft nach unverkunt nit lassen wollen, ernstlichsd flis bevelhend, daz ir solichs alles den kurfursten, fursten und stenden zu Meinz von unsern wegen eigentlich mit besten fugen und worten, so uch zu willfarn unser meynung und begerns furtreglich und gut ansehen, furhaltet. Und was uch zu antwort begegent, uns mit uwerm rat und gutbedunken /292’/ ylends unde widerumb berichtet, uns aller ding darnach haben zu richten. Daran dut ir unser ernstlich meynung und gefallen.

    Wir mogen keinswegs lyden, daz der kurfursten, fursten und stende keyner verryt, dan wir den tag und besammelung von stund an halten wollen.

    [5.] Dan unsers lieben oheims und kurfursten, herzog Friderichs von Sachsen halben, der bedarf sich die beyerisch tax und daz sin lieb den partyen gein Nurnberg tag angesetzt hat3, nit bekommern noch irren lassen. Dan wir haben furgenomen, solich sach uf dem Richß tag, itzt vor augen, handeln zu lassen, damit wir auch dabij sin mochten, und dadurch kunftig irrung in demselben handel, wie sich itzt zulest schier ein nuwer span erhaben hett, vermitten Špliben. Wir haben auch solichs den partyen verkunt und sie zu Nurnberg abgeschriben.4 Soliche meynungen wollent siner lieb mit pestem glimpfen auch zu erkennen geben. Geben zu Sigburg, am zehenden tag Mey anno etc. im achten, unser Richs, des Romischen im XXIIIten.

    «Nr. 19 Ks. Maximilian an Bf. Lorenz von Würzburg – Siegburg, 10. Mai 1508 »

    Aufforderung zur Unterstützung der ksl. Anliegen auf dem Mainzer Tag und zur Bewilligung einer Anleihe.

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 125 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A.

    Bestätigt den Erhalt seines Schreibens aus Mainz [Nr. 9, Anm. 1]. Er hat seinen Gesandten eine Erwiderung an die Kff., ihn, Bf. Lorenz, und die übrigen dort versammelten Stände auf ihre Antwort befohlen [Nr. 18]. So begern wir mit sunderm ernst und flis an dein andacht, dwil unser und des Richs sachen und noitturften vil an diner andacht gelegen sin, du wollest dieselben mit getruwem flis wie bißher furdern und zu willfarn unsers noitturftigen, zimlichen begerns daz pest raten und helfen, auch daneben in sunderheit in dem anlehen, wie wir din andacht hievor angesucht haben, darauf uns gestalt der leuf nach verlust unser graveschaft Tyrol und lands zu Crain steet, so flyssig und furderlich erscheynen und also in alle weg uns und dem Reich zugut daz best tun, als wir dir gnediglich getruwen. [Schlussfloskel, Datum].

    «Nr. 20 HM Friedrich von Sachsen an den Ordensmeister in Livland, Wolter von Plettenberg – [Dresden], 10. Mai 1508 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 101 (Auszug, mitwoch nach misericordias Domini).

    Druck: Liv-, Est- und Kurländisches UrkundenbuchII/3, Nr. 369, S. 269.

    Beabsichtigt, den Ks. in Mainz oder Speyer zu treffen, um ihm und anderen Freunden des Ordens ihrer beider Angelegenheiten1 vorzubrin Šgen.2Falls der Ks. nicht dort sein sollte, wird er, wie bereits angekündigt, ohne weiteren Verzug Gesandte zu ihm abordnen.3

    «Nr. 21 Stellungnahme Kf. Friedrichs III. von Sachsen – [Mainz, vermutlich 13. Mai 1508] »

    [1.] Beteuerung der Redlichkeit seiner Verhandlungsposition; [2.] Ablehnung des ksl. Vorschlags zur unverzüglichen Abhaltung eines Reichstages; [3.] Wunsch Kf. Friedrichs nach Abreise; [4.] Erneuerung der Empfehlung zur Einberufung eines Reichstages; [5.] Bereitschaft zur Anhörung von Vorschlägen zur Verteidigung gegen Venedig.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 61–62 (Kop., Überschr.: Unsers gnedigisten herrn, herzog Fridrichs, curfursten etc., ratschlag und bedenken auf ksl. Mt. geschickten replica [Nr. 18].) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 42–44’ (Konz., Überschr. entsprechend A) = B.

    [1.] Das ksl. Mt. sich ainer anderen und bessern antwurt versehen etc. [Nr. 18, Pkt. 1, fol. 290’], darzu sagt mein gnedigister herr, sein gnad hab hivor sich horen lassen, das er bey seinen pflichten kain pessers hab wissen zu finden [Nr. Š13, Pkt. 7]. Des bedenkens ist sein gnad noch. Und wer es einigerley weis in seiner ftl. Gn. vornehmen oder versten, das disen swern notturften und obligen ksl. Mt. und des Heyligen Reichs furtreglicher geraten werden mocht, so wolten es sein ftl. Gn. ye nit unterlassen.

    [2.] Dy bewilligung ksl. Mt. des tags durch dy fursten und botschaften, so ytzo hie sein, mit dem meysten tail der, die in der nehe, von stund an zu halten1, kan mein gnst. herr bey yme nit ermessen, das solcher tag ksl. Mt., wie sy bedenkt, weder nutzlich noch furtreglich sein, vil weniger, das euer aller gnaden, so ytzo hie sein, mit den nehern ausserhalb der andern curfursten, fursten und stenden in disen des Heyligen Reichs beswerlichen wider[wär]tigkaiten ichts zu schliessen, zu versehen macht [oder] fug haben aund fur ander stende des Reichs zu willigen, ir leut wider dy feind zu underhalten, das ye in seiner ftl. Gn. macht nit ist–a, sonder vilmer den wyderfal. Dan wie wolten es euer aller gnaden gein den andren stenden des Heyligen Reichs verantwurten, in so grossen und dapfern sachen euch von inen zu sondern und hinter ynen was schlieslichs zu handlen? Und ob euer aller gnaden und di botschaften gleich furnemen, so wer es doch alles unbundig und von uncreften, auch wider alten, loblichen gebrauch im Heyligen Reich, alzeit geubt und lang herbracht.

    [3.] Von disem tag nit zu verruken [Nr. 18, Pkt. 4], ist meinem gnedigist[en] herrn gar nit gelegen und seiner ftl. Gn. bewegen an alle frucht. Dan so ksl. Mt. kein gemeinen reichstag willigen wil und der ander tag, den sein Mt. willigt, weder seiner Mt. noch dem Heyligen Reich zu ichte gedeilichem erspriessen, so kan sein ftl. Gn. nit abnemen, warumb sein Gn. hie nit verrucken sol; bund von ainer malstat zu reden an not–b. Das aber der bischof von Trier Collen vor gelegen ansihet, dafur achts sein gnad nit.

    [4.] Und bestet mein gnedigister herr auf voriger seiner ftl. Gn. gegeben und itzt etlicher maß verneuter antwurt und meynung, das sein ftl. Gn. ksl. Mt. bei irn pflichten und hochstem verstentnus und vernemen nutzlichers, furtreglichers noch bessers nit wisse zu raten, dan das sein Mt. ainen gemeinen reichstag an gelegen end und aufs furderlichist ausschreiben und ansetzen lasse. Und ob alle fursten personlich nit erscheinen mochten, ir treffentlichist rete mit vollen gwalt schickten, domit [für] dy swern und geschwinden leuften rat funden werden mocht, so wil sein ftl. Gn. auch gern alles tun und raten helfen, das fur gut angesehen wirdet.

    [5.] Das Trier gesagt, es solten weg zu finden sein, wie den Venedigern widerstant zu tun sey etc., dy wel mein gnedigister herr gern horen und also Šdarzu reden, das ksl. Mt. des kain ungfallen haben und an seinen furstlichen gnaden dy billigkait nit erwinden solle.

    «Nr. 22 Bericht Dr. Dietrichs von Plieningen an Hg. Wolfgang von Bayern – Mainz, 13. Mai 1508 »

    [1.] Unterredung mit Kf. Friedrich von Sachsen wegen des Landshuter Erbfolgestreits; [2.] Aufforderung an Ks. Maximilian zum Erscheinen auf dem Mainzer Tag; [3.] Initiative Kf. Friedrichs zu einem Vermittlungsversuch zwischen Hg. Wilhelm von Bayern und Pfgf. Friedrich, Absicht Ks. Maximilians zur Entscheidung über den Erbfolgestreit auf einem künftigen Reichstag; [4.] Angelegenheit Hgin. Kunigundes von Bayern beim Ks.; [5.] Abreise des Ks. vor Eintreffen der Kff.

    München, HStA, KÄA 1241, fol. 117–120’, 121–121’ (Or., sambstag vor suntags jubilate).

    [1.] Er ist am 4. Mai (pfintztag vor dem suntag misericordia Domini)in Mainz eingetroffen. Am folgenden Tag konnte er seinen Vortrag wegen des Erbfolgestreits in Anwesenheit Dr. Johann Mogenhofers (Propst zu Wittenberg) vor Kf. Friedrich von Sachsen halten und anschließend Unterlagen zu den Verhandlungen in Augsburg1übergeben und vorlesen. Der Kf. versprach deren Studium und kündigte seine baldige Abreise nach Nürnberg an, um dort die auf die Woche nach Jubilate [= nach dem 14. Mai] ausgeschriebenen Vermittlungsverhandlungen [Nr. 18, Anm. 3] zu leiten. Er forderte ihn, Plieningen, auf, ihn dorthin zu begleiten.

    [2.] Am 9. Mai (erichtag)unterrichtete ihn Mogenhofer über die gemeinsame schriftliche Aufforderung Kf. Friedrichs, der Ebff. von Mainz und Trier sowie des Bf. von Würzburg an den Ks., so rasch wie möglich nach Mainz zu kommen. Diese war verbunden mit der Ankündigung, wieder abzureisen, falls er nicht bis zum heutigen Tag hier eintreffen oder wenigstens auf der direkten Anreise hierher befindlich sein sollte.2Mogenhofer bat ihn, noch einige Tage zu warten. Sollten inzwischen Gründe eintreten, die die Abreise der Kff. und Ff. verhindern sollten, würde er unverzüglich darüber informiert.

    [3.] Am gestrigen Freitag [12.5.] wurde er erneut bei Kf. Friedrich vorstellig. Dieser berichtete ihm, dass der Ks.des beruerten pairischn handels halb mit ainer neuen practikn und finanz umbgeenund planen solle, den Fall an seinen Hof zu ziehen, um nach eigenem Gutdünken zu verfahren. Er zeigte auch ein ksl. ŠSchreiben3an den Kf. vor, laut dem der Ks. Ernst von Welden4zu sich berufen hat, der deshalb nicht am Nürnberger Tag teilnehmen kann. Der Ks. forderte den Kf. weiter auf, in dieser Angelegenheit für drei bis vier Wochen nichts zu unternehmen. Er wolle sich mit dem Kf. und den anderen beiden Kommissaren [Ludwig Vergenhans und Welden] besprechen, bevor er selbst tätig werde. Kf. Friedrich unterrichtete den vorgestern [11.5.] in Mainz zusammen mit Georg von Wispeck, Adam von Törring und Ulrich Albersdorfer eingetroffenen Pfgf. Friedrich über diese Entwicklung, der in einen Schiedsversuch durch den Kf. einwilligte, ohne allerdings – im Falle eines Scheiterns – auf die Alternative der vom Ks. eingesetzten Kommission zu verzichten. Der Kf. unterrichtete ihn, Plieningen, weiter, dass sich Hg. Wilhelm und die Vormundschaftsräte gegenüber seinem Gesandten Dr.[Johann von] Staupitz in Bezug auf ein gütliches Verfahren zustimmend geäußert hätten. Er kündigte an, am Montag [15.5.] nach Nürnberg abzureisen und sich dort um eine rasche Einigung zu bemühen, damit der Fall nicht an den ksl. Hof gezogen werde.

    Am Abend informierte ihn der Kf.über ein weiteres ksl. Schreiben an die Kff.[Nr. 18, Pkt. 5], worin es hieß, dass Kf. Friedrich wegen des niederbayerischen Erbfolgestreits nicht aus Mainz abzureisen brauche, da der Ks. den Fall an seinen Hof gezogen habe, in der Absicht, selbst darüber auf dem künftigen Reichstag in Köln, Trier oder Speyer zu entscheiden. Die anwesenden Kff. und Ff. rieten dem Kf. jedoch nach Einweihung in seine Pläne für ein Schiedsverfahren, er solle ungeachtet des ksl. Schreibens so bald wie möglich nach Nürnberg abreisen und das Verfahren zum Abschluss bringen. Der Kf. ist entschlossen, am Montag [15.5.] nach Nürnberg aufzubrechen. Er informierte Pfgf. Friedrich darüber und ersuchte ihn um eine Stellungnahme, da sein Vorgehen geeignet sei, den Unwillen des Ks. gegen ihn zu beschwören, und er Gefahr laufe, bei einem Scheitern des Schiedsverfahrens an seiner Reputation Schaden zu nehmen. Außerdem sei dann zu befürchten, dass der Streit an den ksl. Hof gezogen würde und man noch vil mer muehe und unrate gewarten muesse. Der Pfgf. beteuerte daraufhin erneut seine Kompromissbereitschaft.

    Er, Plieningen, hat inzwischen Dr. Lupfdich schriftlich aufgefordert, sich zu ihm und dem bereits informierten Dr. Eisenreich nach Nürnberg zu begeben. Er rät, sich wie die Gegenpartei in das Schiedsverfahren einzulassen und kompromissbereit zu sein, in ansehung der geschwinden grif und handlungen, die an ksl. hofe vor augen und uns wol begegnet sind.5

    Š[4.] [PS] Er hat den Ks. auf seiner Reise nicht angetroffen und konnte deshalb die Angelegenheit der Hgin.[Kunigunde] nicht persönlich vorbringen.6Bf.[Matthäus Lang] von Gurk hat aber hier in Mainz zugesagt, sich darum zu kümmern.

    [5.] Der Ks. hat die Kff. und Ff. zuerst nach Speyer und dann hierher nach Mainz geladen, aber irer an kainem der enden noch in der nahet darumb erwartet.Stattdessen ist er nach Metz, Saarwerden (Sallwerdt), Zweibrücken und St. Wendel, von dort weiter nach Andernach und Köln und schließlich nach Aachen gereist. Derzeit soll sich der Ks. in Linz bei Köln aufhalten. Bittet um Anweisung von Geld für die Verhandlungen in Nürnberg.

    «Nr. 23 Resolution der versammelten Kff. und Ff. an die ksl. Gesandten – Mainz, 13. Mai 1508 »

    [1.] Vorschlag Ks. Maximilians zur unverzüglichen Abhaltung eines Reichstages; [2.] Nutzlosigkeit einer solchen Versammlung; [3.] Bekräftigung der ersten Resolution.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 35–35’ (Kop., Datumverm.: Bescheen am sambstag nach misericordia Domini anno XVCVIIIvo.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 121–121’ (Kop.) = B. München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 286–287 (Reinkonz.1, Datumverm.: Beslossen am sambstag nach m[isericord]ia Domini anno XVCVIIIvo.) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 479–480’ (Kop., Datumverm.: Uf sambstag nach dem sontag misericordia Domini anno etc. octavo zu Menz uf dem rathuß.).

    [1.] Curfursten, fursten und die potschaften, aso auf ksl. Mt. beschreiben ytzo zu Menz sein–a, haben irer Mt. widerschrift [Nr. 18], irer Mt. reten uf derselben curfursten, fursten und potschaften jungst gegeben antwort [Nr. 16] uberschickt, in undertenigkait gehort. [Zusammenfassung von Nr. 18, Pkt. 2–4].

    [2.] Darauf geben dieselben curfursten, fursten und geschickten potschaft yrer ksl. Mt. in aller undertenigkait dise antwort: Wes ire ftl. Gnn. und die Šbotschafte[n] irer Mt. jungst uf ir begeren eroffent, dz haben sie groß und swere halben ditzs handels treuer und guter meynung getan und des bey inen nit besser finden mogen.

    Ire ftl. Gnn. und die potschaften bewegen auch nachmals, ob sie sich schon an der angezeigten end eins verruckten, so mocht dannochtb durch yre gnaden und die, so yre Mt. in der nehe zu ir erfordern wirdet, uf dz ir Mt. begeren nichts fruchtparlichs und dz ir Mt. und dem Hailigen Reich zustaten kommen mocht, gehandelt werden. Dann wu ire gnaden und die botschaften des vertrauens oder zuvorsicht weren, dz an der benenten end ainem ichts fruchtparlichs cin solchen tapfern und grosen sachen hinder den andern stenden, die der merer teil sein, zu erlangung einer außtreglichen hilf irer Mt. begern nach–c gehandelt werden mocht, so wolten sie es als gern hie tun und vil lieber nhermals [= beim letzten Mal, jüngst] getan haben.

    Aber yr gnaden und die botschaften bewegen auch, wu sie sich in ksl. Mt. begeren dermasen begeben, dz solchs yrn gnaden und der geschickten botschaften herrn bey andern stenden des Reichs widerwillen, nachrede und unfreuntschaft geberen, zusambt dem, dz es ksl. Mt. zuvorderst unersprißlich sein wurde, angesehen, dz sie sich der andern abwese[n]den stend nit zu mechtigen hetten.

    [3.] Demnach, so ist nachmals irer ftl. Gnn. und der geschickten potschaften von wegen irer gn. Hh. undertenig bit, dz ksl. Mt. solch yre forige und ytzig anzeigen und gutbedenken, dz sie auß treuen gemute getan und ytzo tun, gnediglich annemen wol. Dann wo ire gnaden etwas bessers und furtreglichers nach gestelt und grose diser sachen vormals und ytzo hetten bedenken oder raten mogen, dz wolten ire gnaden und die geschickten ksl. Mt. in aller undertenigkait auch unangezeigt und unerofnet nit gelassen haben. Habend sich irer Mt. hiemit als yrem allergnst. herrn abermals underteniglich bevolhene.

    «Nr. 24 Stadt Köln an ihre Gesandten in Mainz, den städtischen Protonotar Georg Goldberg und Ludwig Sachs – Köln, 13. Mai 1508 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 87’–88 (Kop.).

    Übersenden ihnen in Form kollationierter Kopien die gewünschten Unterlagen über den Romzug.1Sie haben es bislang unterlassen, auf ihre Berichte zu reagieren, da der Ks. sich unweit von Köln aufgehalten hat. Gestern Abend ist er hier eingetroffen. Sie sollen dies aber nicht bekannt machen. Weisen sie an, sie unverzüglich zu informieren, falls die Ff. aufbrechen und hierher ziehen sollten und ob der Tag in ŠMainz abgehalten oder an einen anderen Tagungsort verlegt wird. Erinnern sie an ihre Weisung wegen Contz Heymes [Nr. 12].

    «Nr. 25 Stellungnahme Kf. Friedrichs III. von Sachsen – [Mainz, nach dem 13. Mai 1508] »

    [1.] Wunsch Kf. Friedrichs nach Abreise; [2.] Festhalten an der Empfehlung zu einem Reichstag; [3.] Bürgschaft für die Reichsanleihen.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 72–73 (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 44–44’ (Konz.) = B.

    [1.] Auf den artikel, von hynnen anhaym nit zu verrucken etc., zu sagen: Mein gnedigister herr waiß sich zu erinnern, das hivor erstmals ain instruction [Nr. 10] von der ksl. Mt. reten ubergeben, darauf auch euer und sein ftl. Gn. antwurt getan und den reten in schriften [Nr. 16] behendet haben. Und das auf ansynnen der rete, von hynnen, ehr ksl. Mt. meynung gehort, nit zu verrugken [Nr. 17, Pkt. 1], des doch ir instruction nicht vermocht, e. und sein ftl. Gn. sambt den botschaften des, biß auf sonnabent negst verschinen [13.5.] alhie abzuwarten, gewilligt [Nr. 17, Pkt. 2]. Dweyl dan nun ksl. Mt. von irer meynung, als aus ir widerschrift, an ir rete getan [Nr. 18], zu vermerken, nit abstehn und kain gemeinen reichstag machn wellen und sein ftl. Gn. den ersten rat und gutbedunken auch nachmals nit wissen zu verbessern oder zu verendern, aso wais sein gnad ir obligen halb hie nit lenger zu verziehen–a.

    Item zu erzelen, wie sein gnad ehr den negstn haimziehens und volgent, so sein gnad von ksl. Mt. gein Ulm, Speyer und zuletzt gein Menz beschriben und erfordert, ksl. Mt. zu antwurt geben, das sein ftl. Gn. sich nit kont aufhalten lassen, sein Mt. auch sein gnaden zugeschriben, das sy yne gar nit aufhalten wolt und von disen hendel, so hie furfallen, mit kainem wort kain meldung getan.1 ŠSo gedenken sich sein ftl. Gn. irer Mt. schreybens und notturft seiner obligen zu halten.

    [2.] Item geht der reichstag fur sich, so hat sein gnad berait sich horen lassen, das sein gnad als der gehorsam sich erzaigen wellen [Nrr. 13, Pkt. 7; 21, Pkt. 4]. Wird nichts darauß, so ist auch sein gnad on not, hie zu verziehen, dan sein gnad hinter den andern ste[nden] nichts schliessen mag noch will.

    [3.] Des anlehen der hunderttausent gulden halben [Nr. 15, Pkt. 3] ist mein gnedigister herr urbutig, zu seiner gnad antail burg zu werden und sich zu verschreyben, sofern sein ftl. Gn. notturftiglich versicherung und bestelt2 gemacht werde, domit er des an schaden und das sein gewislich wisse wider zu bekomen. Aber auf dy kunftig steuer wiß sein gnad mit seinem bruder [Hg. Johann] nichts zu tun.

    «Nr. 26 Antwort der Kff. und kfl. Gesandten an die ksl. Gesandten – [Mainz, 14./15. Mai 1508] »

    [1.] Verhandlungen über eine Reichsanleihe mit Bf. Lorenz von Würzburg und mit [2.] Lgf. Wilhelm II. von Hessen; [3.] Sicherstellung der beiden Anleihen; [4.] Anleihe bei den Handelsgesellschaften in den Hansestädten; [5.] Schreiben Ebf. Hermanns von Köln an Würzburg und Hessen wegen der Anleihe; [6.] Verlängerung des Mainzer Tages.

    ŠMünchen, HStA, K.blau 103/4a, fol. 278–279’ (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 26–28 (Kop.)1 = B. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 126–127 (Kop.) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 487–489’ (Kop.).

    [1.] /278/ [Zusammenfassung der ksl. Instruktion bezüglich der Anleihen bei Würzburg, Hessen und den Handelsgesellschaften in den Hansestädten; Nr. 15, Pkt. 2f.]. Darauf geben die kurfurstena, nemlich Meinz, Trier und Sachsen, und des marggraven von Brandenburg, kurfursten etc., botschaft ksl. Mt. underteniglich zu erkennen, daz sie anfenglich mit gedachtem hern Lorenzen, bischofen zu Wirzburg, in eigner person solichs anlehens halben gehandelt und von ime laut hiebijgelegter schrift antwort entpfangen haben. Und wollen nochmal, wo ksl. Mt. rete solichs uber die obgemelt gegeben antwort fur nutz, noit und furtreglich ansiecht, neben inen, den reten, gedachten herrn von Wirzburg bitten mit anzeigung irer, der kurfurstenb, /278’/ hernachvolgend erpieten, die vergewissung belangend.[Wiedergabe der Antwort Bf. Lorenz’ von Würzburg an die Kff.; Nr. 15, Anm. 7].

    [2.] Ferner, der schickung halben zu dem lantgraven zu Hessen, sint gedachten kurfursten und botschaften von irs hern wegen urbutig und willig, soliche schickung neben irer Mt. botschaft zu tun und in dem des ansuchens halben an inen kein mangel erwinden zu lassen, doch uf die vergewissung, wie hernach volgt.

    [3.] Und als ksl. Mt. ferrer in ir instruction dut melden, daz irer Mt. begern sij, daz sich die kurfursten durch ir geschickten gegen dem bischof zu Wirzburg und lantgraven zu Hessen anbieten und willigen wollen /279/ dermassen, daz ksl. Mt. solich anlehen von der nesten richßhilf widerumb bezalen und verfolgen lassen soll etc. Daruf ist der kurfursten antwort, ir maiestat kann auß hoer begabter vernonft wol ermessen, dwil diß kein Richß tag ist, daz inen hinder gemeyn stenden und ausserthalb eyner gemeynen versamlung des Richs solichs zuzusagen oder zu verschriben nit geburen will.

    Aber ausserthalb der vergewissung uf die hilf des Richs sint sie, die kurfursten, willig, ksl. Mt. zu undertenigem gefallen und damit ir Mt. ye vermerken mog, daz sie, die kurfursten, obgemelt irer Mt. wolfart gern sehen wolten, fur sich selbs als burgen, sofer sie des zuvor von ksl. Mt. gnugsam versorgt und vergewisst wirden, zu verschryben. Und wiewol die geistlichen kurfursten hinder iren capiteln ichts dermaß zuzusagen oder sich als burgen zu verschriben nit macht haben und die burgschaft ausserthalb irer capitel verwilligung auch uncreftig wer, so sint sie doch der zuversicht, wo inen die vergewissung von ksl. Mt., wie obgemelt, geschee, daz sie, die capitel, solich burgschaft zu bewilligen sich nit weigern wurden.

    ŠDie marggravisch botschaft will auch solichs an den marggraven zu Brandenburg, kurfursten etc., furderlich gelangen lassen, ungezwivelt, er werd sich des mit andern sinen mitkurfursten verglichen und gegen ksl. Mt. in undertenigkeit erzeigen.

    [4.] Witer, der schrift halben an die geselschaften in den see- und hanstetten eins anlehens halben zu tun etc., geben gemelte kurfursten und botschaften ksl. Mt. zu antwort, so inen ein concept, wie und welichermaß ir Mt. dieselben schrift gestalt haben, ubergeben, die wolten sie besichtigen und sich darnach mit geburlicher und zimlicher antwort vernemen lassen.

    [5.] /279’/ Und als ksl. Mt. rete sich haben horen lassen, wie und welichermaß der erzbischof zu Coln dem bischof zu Wirzburg und lantgraven zu Hessen der obgemelten sachen halben geschriben haben, darauf ist desselben erzbischofs von Coln botschaften antwort, daz sie dieselben antwort, der sie kein wissen haben, nit andern mogen, sunder lassen es bij derselben geschrift und meynung beruwen.

    [6.] Und nachdem durch alle kurfursten, fursten und derselben botschaften bewogen ist, daz ir lenger verziehen und verharren, dwil sie nit als gemein stend des Richs alhie versammelt sint und auß den ursachen, so sie hievor zu zweyen maln ksl. Mt. underteniglich zu erkennen geben haben [Nrr. 16, 23], fur unfruchtpar und unverfenglich achten und halten, darumb und auß denselben ursachen so werden herzog Fridrich von Sachsen, kurfurst etc., und der bischof von Wirzburg von hinnen verrucken. Aber dwil die andern kurfursten und botschaften zum teil alhie anheim sint und zum teil nit ferr anheim zu komen haben, so wollen sie doch, wiewol sie es auch unerschießlich ansehen, auß keynem andern dan ksl. Mt. zu undertenigem gefallen uf ir Mt. antwort, die sie auch inen zum furderlichisten zuzuschicken underteniglich bitten, alhie verziehen.

    «Nr. 27 Vortrag der ksl. Gesandten an Kff. und kfl. Gesandte – Mainz, 15. Mai 1508 »

    [1.] Anleihen für den ksl. Italienzug; [2.] Verlängerung des Mainzer Tages; [3.] Bitte der ksl. Vertreter um eine Stellungnahme zu einem am Vortag vorgelegten Schriftstück; [4.] Bitte Ks. Maximilians um Mitwirkung an den Verhandlungen mit Hg. Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel über seine Teilnahme am Krieg gegen Venedig.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 272–273 (Kop., Datumverm.: Montags nach jubilate) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 127’–128 (Kop., Überschr.: Von ksl. Mt. reten montags nach jubilate gegeben.) = B.

    [1.] /272/ Zum ersten, die schrift, die e. Gnn. und andere haben uberantworten lassen [Nr. 26], sint wir ksl. Mt. dise antwort zuzuschicken [erbietig]. Verhoffen, antwort darauf zu bekomen. Dan sin maiestat daz bevolhen. Sie hetten sich eyner bessern und andern antwort vertrost, in sunder des anlehens halben. Aber dwil eynetrechtlich gefallen, wollen sie die auch ksl. Mt. zuschicken.

    ŠDer versicherung halben etc., haben sie dafur gehalten, daz die verwysung aufs Richs hilf nit unzimlich gewesen, nachdem ksl. Mt. dieselb hilf begert in anligen des Richs. Begern zu versten zu geben, waz versorgniß sie von ksl. Mt. haben wollen, dan sie kein moglichs und zimlichs nit weigern werde.

    [2.] Dan am ende der schrift, daz etlich hie bliben wollen, desselben blibens sagen die rete dank. Wollen auch nit verhalten, daz nechthin schrift zukomen, darin verkunt sin Mt., allen flis furzukeren, daz keyner verruck [Nr. 18, Pkt. 4]. Lat sich sin Mt. merken, sie wolt oder werde irer sachen sich in Geldern tun, sunder sie wollen disen Richß tag, wan sie weiß, wohin die stende verrucken, dahin zu komen. Ist nit mynder, wirt gemelt, daz Sachsen und Wurzburg verrucken /272’/ wollen, mag Wurzburg halb ursach haben wollen, deß stuckß halben ein artikel1 lesen lassen.

    Sachsen halben konnen sie auß keynem ksl. schriben vermerken, daz siner Mt. meynung sij, daz der verrucken soll. Waz daz geberen werd, sij zu bedenken. Wo sie byeinander pliben, wurd bij fynden und frunden vermerkt, daz ir euch des Richs sachen wolt lassen zu herzen gen. Sollt nun eyner oder mer verrucken, gebe den fynden ein frolichs, den frunden ein traurigs herz und solt dem Rich unwiderpringlicher schade zugefugt werden.

    Auß den und vil andern ursachen begern sie an herzog Friderichen, er woll dise swere sach beherzigen und in kein [weg] verrucken, [sondern] bij den andern bliben und daz best helfen raten und handeln.

    Begern auch an die andern fursten und botschaften, daz sie bij Sachsen flis furwenden, daz er nit verruck, den trefflichen schaden, der dem Rich davon entsten mocht, zu verhuten.2

    Sie achten auch, wo sie Sachsen vermogen, daz ksl. Mt. daz zu gefallen annemen werde.

    [3.] /273/ Sie haben auch den fordern tag ein zettel3 verlesen lassen. Bitten auf dieselb auch antwort.

    Š[4.] Ksl. Mt. hat kurzvergangen tag schrift getan, betreffen herzog Heinrichen von Brunswig [Nr. 10, Pkt. 9]. Die bitten sie zu horen.

    «Nr. 28 Die „Kleine Schickung“ der Stadt Köln an die Gesandten in Mainz, den städtischen Protonotar Georg Goldberg und Ludwig Sachs – Köln, 19. Mai 1508 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 90–90’ (Kop.).

    Sie haben in ihrem letzten Schreiben1berichtet, dass die Ff. aus Mainz abreisen und ihre Räte nach Köln bzw. zum Aufenthaltsort des Ks. schicken, und deshalb um Genehmigung zur Heimkehr gebeten. Weisen sie an, erst nach der Abreise aller Ff. und übrigen Gesandtschaften aufzubrechen, damit Köln beim Ks. und bei den Reichsständen nicht als ungehorsam angesehen wird. Falls der Ks. den Mainzer Tag an einen anderen Ort verlegen sollte, bitten sie um Mitteilung darüber. Bezüglich der noch ausstehenden Konfirmationsbriefe der Kff.[über das Kölner Stapelprivileg] und wegen der Angelegenheit mit Götz von Berlichingen (Berlingen)werden ihnen in Kürze Anweisungen zugehen.2

    «Nr. 29 Weisung Ks. Maximilians an seine Gesandten auf dem Mainzer Tag – [act. Mainz, 22. Mai 1508]1 »

    [1.] Einberufung eines Reichstages; [2.] Anleihe bei Bf. Lorenz von Würzburg; [3.] Anleihe bei Lgf. Wilhelm II. von Hessen, Sicherstellung der beiden Anleihen; [4.] Anleihe bei den Handelsgesellschaften in den Hansestädten; [5.] Rückerstattung der Anleihen aus der nächsten Reichshilfe.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 311–312’ (Kop., Verm.: Cesaree maiestatis nomine articuli suprascripti per reverendissimum dominum Gurcensem princiŠpibus presentibus et absentium oratoribus Moguntie, lune XXII. Maii, propositi fuere.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 38–39’ (Kop.) = B. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 132–133’ (Kop., Aufschr.: Uf montag nach dem sontag cantate, als myn gnediger her von Wirzburg etc. mit mynem gnedigisten hern, herzogen Friderichen von Sachsen, kurfursten etc., von Meynz hinweggeritten waren, haben ksl. Mt. rete zu Meynz die andern kurfursten und anderer kurfursten und fursten rete, so noch zu Meynz waren, uf das huß bescheiden und inen furgehalten die hernachgeschribene instruction. Verm. am Textende wie A) = C. Duisburg, NRW LA, JB II, Nr. 2268, fol. 490–492 (Kop.).

    [1.] /311/ Von erst, berurend den Reichs tag: Nachdem die churfursten, fursten und stende auf irer vor gegeben antwort, nemlich das inen außerhalb eins gemeinen Reichs tag ichts zu handeln oder zu schliessen beswarlich und nit gemeint sein will, beharren.2 Darbey mussen wir es pleiben lassen. Sein darauf willens, wiewol das unsern und des Reichs furnemen zu vil verhinderung und versaumbnus raichen, ein Reichs tag, so furderlich es gesein mag, auszuschryben. Und ist deßhalb unser bevelh, das ir solichs den churfursten, fursten und stenden anzaiget und sie besprechet, damit sie doch auf demselben Reichs tag, awie sie ervordert werden–a, gehorsam und furderlich erscheinen und darauf das best tun wollen.3

    [2.] Das die churfursten mit dem [Bf. Lorenz] von Wurzburg gehandelt haben, er sich auch heimgefugt hat, der meynung, sich solichs anlehens halben zu bewerben und sein antwort den churfursten oder unserm neven [Ebf. Jakob] von Meinz in ir aller namen zu geben [Nr. 26, Pkt. 1], lassen wir uns wole gefallen. Emphelhen euch darauf, das ir by den churfursten oder Mainz in sonderheit bestellet, so solich antwort kumme, uns derselben zu berichten.

    [3.] Dan, als sich die churfursten auch willig erbieten, neben unser zu dem lantgraven [Wilhelm von Hessen] zu schicken und ine seins anlehens halber bewerben zu lassen [Nr. 26, Pkt. 2], beswern sich aber, gegen ime, auch [Bf. Lorenz von] Wirzburg anzubieten und zu willigen, das solich anlehen von der nehesten des /311’/ Reichs hilf widerumb bezalt werden soll, und sein doch darneben urbutig, sich fur sich selbs als burgen, soferre sie des zuvor von uns gnugsam versorgt und vergewyst werden, zu verschreiben [Nr. 26, Pkt. 3].

    Darauf geben wir euch zu erkennen, das wir sie anders nit mogen noch wissen zu versorgen dan die glaubiger, als lantgrave, Wurzburg und die geselschaften, mit unsern gnugsamen obligacion, sie in jarsfrist zu bezalen, und sie, die Šchurfursten, als burgen mit einer gnugsamen verschreibung oder schadlosebrief auf unsern guten glauben, sie in der berurten zeit der burgschaft zu entheben und one schaden zu halten. Dan das wir inen gern vil pfands einsetzten, so haben wir unser erbe und chamerguet dem Reich zugut des merern teils verkomert. In hoffnung, sie sollen in ansehung unser und des Reichs notturft an solichen verschreibungen auf guten glauben von uns zufrieden und benue[g]ig sein. Demnach ist unser bevelh, das ir solichs den churfursten von unsern wegen mit guten vleys furhaltet und sie darauf ernstlich ansuchet und bittet, sich des benugen zu lassen, die burgschaft also einzugeen, und nemlich die geistlichen solichs mit gutem vleys an ire capitel zu bringen und sie darzu zu vermogen, auch der abwesenden botschaften deßgleichen an ire herrn gelangen zu lassen /312/ und iren willen dergestalt zu erlangen allen vleys furzukeren. Dan solich anlehen uns und des Reichs furnemen hoch furdern, wo uns aber das verzigen werden solt, grossen nachteil und gebrechen geberen mag. So wollen wir inen guten kaufmansglauben halten, in hoffnung, sie werden dasselbig meher wan einiche verschrybung oder pfandschaft ansehen.

    [4.] Der schrieften halben von den churfursten an die geselschaften in den see- und hanstedten, der ist nit meher not. Aber unser meynung were, das die churfursten mit den dryen stedten Frankfort, Worms und Spyer ytzo ernstlich handelten, deßgleichen wir auch hie mit Collen und Lubeck in ubung sein, das sich dieselben dry obern steet zusampt Collen und Lubegk der burgschaft auf das anlehen der funfundzwenzigtausent gulden gegen den geselschaften in sehe- und hanstetten underfingen, auch auf unser obligacion und darzu auf unser und der churfursten mit uns schadloßbrief. So wolten wir die churfursten desselben auch one schaden halten und des under anderm uns gegen inen verschreiben.

    [5.] Daneben were auch unser begern und notturft, so sich je die churfursten beswern, sich zu verschreiben, /312’/ das diese anlehen von des Reichs nehesten hilf widerumb bezalt werden sollen, das sie uns doch ein verschreibung und bekantnus geben, das sie auf nehestkunftigem Reichs tag vleys furkeren wollen, sovil inen gebure und muglich sein werde, dardurch solich anlehen, funfundsiebenzigtausent gulden und darzu noch funfundzwenzigtausent gulden, so wir aber von unserm chamerguet darstrecken und darumb wyter unser erbe versetzen wollen, das sich alles hunderttausent gulden leuft, von derselben Reichs hilf bezalt werden mogen.

    Solich mainung wollet auch mit besten fugen an die churfursten bringen und die also zu erlangen allen vleys und ernst ankeren.

    «Nr. 30 Antwort der Kff. und Ff. an die ksl. Gesandten – Mainz, 22. Mai 1508 »

    [1.] Einberufung eines Reichstages; [2.] Anleihen bei Bf. Lorenz von Würzburg und Lgf. Wilhelm II. von Hessen, Bürgschaften der Kff.

    ŠWürzburg, StA, WRTA 5, fol. 133’–134 (Kop., Aufschr.: Uf solich instruction [Nr. 29] haben die kurfursten und anderer kurfursten und fursten rete, uf den obgemelten tag gegenwurtig waren, ksl. Mt. reten antwort gegeben, wie hernach volgt, der meynung, den rychßtag berurn.Verm. am Textende: Uf soliche antwort von stund an ist [durch] den bischof von Gurk von wegen ksl. Mt. gnediglichs heymziehens erlaubt kurfursten und andern kurfursten und fursten botschaften, diße ding getruwlich an ire hern zu bringen etc. Daz auch mit grossem dank angenomen worden.) = Textvorlage A.

    [1.] Wo der rychßtag durch keyserlich maiestat an bequemer stat furgenomen wurde, wo sie irer lybe halben komen konten oder mochten, wolten sie uf berufung ksl. Mt. sich gehorsamlich halten, als sie auch bißher getan hetten.

    [2.] Und uf die burgschaft und obligacion, zu tun fur ksl. Mt. nach inhalt der instruction, konten sie, die kurfursten, itzunt nit endlich antwort geben. Dan sie wißten noch nit, wie Wirzburg und Hessen die burgschaft von inen haben wolten. Darumb, so müß dasselbig vorgen. So hetten auch der andern kurfursten botschaft derhalben von iren hern kein bevelhe zu handeln. Diße meynung wolten sie ksl. Mt. reten, unserm allergnedigisten herrn, dem romischen keyser, von wegen der kurfursten und anderer kurfursten und fursten reten mit aller untertenigkeit zu erkennen geben etc.

    «Nr. 31 Bf. Lorenz von Würzburg an Ks. Maximilian – Würzburg, 22. Mai 15081 »

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 128–129’ (Kop., montags nach dem sontag cantate; Überschr.: Hernach volgt, wie myn gnediger her von Wirzburg etc. keyserlicher maiestat selbs schriftlich antwort geben hat uber die beger, XXVM gulden zu lyhen etc.) = Textvorlage A. München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 275–277 (Konz.) = B.

    Die Kff. und kfl. Gesandten in Mainz, wohin er sich aufgrund einer ksl. Aufforderung verfügt hatte, wurden bei ihm gemäß einer ksl. Instruktion [Nr. 15] vorstellig; zugleich übergaben ihm ksl. Räte ein Schriftstück bezüglich einer Anleihe von 25 000 fl.2Verweist auf seinen erwiesenen Gehorsam gegenüber dem Ks.– wofür dieser ihm auch gedankt hat –, auf seine persönliche Teilnahme an allen Reichstagen, auf die Erfüllung weiterer ksl. Anforderungen an ihn und auf die Leistung der Reichshilfen über den ihm auferlegten Anteil hinaus. Sein Kontingent [für den ksl. Romzug] befindet sich immer noch im ksl. Heer. Er bekundet seinen Willen, sich auch künftig dem Ks. gehorsam zu erzeigen. Dies alles geschah unter erheblichen Aufwendungen. Dazu musste er in diesem Jahr den Hh. von Guttenstein mit großen Kosten ein bei Würzburg gelegenes Städtchen abkaufen3, nur um zukunftigen Šunrate afür ihn und das Hochstift–azu verhüten, und dafür Geld aufnehmen. bEs ist ihm deshalb derzeit unmöglich, die Anleihe aufzubringen–b. Es ist auch ausgeschlossen, Besitzungen des Hochstifts zu verkaufen oder zu verpfänden. Bis zu diesem Tag wurden bereits wichtige Güter im Gesamtwert von über 200 000 fl. versetzt. Hätte er Geld, müsste er zuerst diese Besitzungen auslösen. Bittet, dies alles zu bedenken und ihm seine abschlägige Antwort nicht zu verübeln.

    [PS] Auf Bitten der ksl. Räte ließ er bei seiner Abreise den Würzburger Domherrn Lorenz Truchseß [von Pommersfelden] bei den Kff. und kfl. Gesandten in Mainz zurück.

    «Nr. 32 Bericht des Würzburger Domherrn Lorenz Truchseß von Pommersfelden an Bf. Lorenz von Würzburg – Mainz, 25. Mai 1508 »

    [1.] Antwort der Kff. an den päpstlichen Legaten Bernardino Lopez de Carvajal; [2.] Vortrag einer ksl. und einer ständischen Resolution am 22. Mai; [3.] Stellungnahme des bfl. Würzburger Gesandten, Äußerung Ebf. Jakobs von Trier; [4.] Erwiderung der ksl. Gesandten auf die ständische Resolution vom 22. Mai; [5.] Beendigung des Mainzer Tages.

    München, HStA, K.blau 103/4a, fol. 308–308’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias fideliter.) = Textvorlage A.

    [1.] Hochwirdigister furst, gnediger herr. E. ftl. Gn. sein mein ganz willig, unterdenig und gehorsam dinst allezeyt mit vleis zuvor. Gnediger herr, wes nach e. ftl. Gn. abscheidung hie zu Meinz gehandelt ist worden, wollen e. ftl. Gn. von mir in gnaden vernemen etc. Gnediger furst und her, nachdem e. ftl. Gn. uf dinstag nach dem sontag jubilate [16.5.] von Meinz abgeschyden sein, haben die churfursten Meinz und Trier ander churfursten und fursten ret, die uf itzund gehalten tag zu Meinz gewesen sein, uf nechst frytag darnach [19.5.] uf das rathaus erfordert, sie zu entschliessen der antwort, dem cardinal und legaten [Bernardino López de Carvajal] etc. uf sein furtragen, uf sontag jubilate [14.5.] geschehen, zu geben. Das auch also geschehen ist und im ein gemein antwort uf obbestympten freytag nach mittag durch den meinzischen canzler [Johann von Dalheim] (latino sermone) in beywesen der zweyer churfursten und andern churfursten und fursten rede geben worden ist, der meynung, das sie, die churfursten und andere churfursten und fursten rede, seiner gnaden inkunft hoch erfreyt sein und seiner gnaden gros erbitung, zu ere und lobe dem Heyligen Romischen Reych und deutscher nacion geschehen, gros dank haben und sagen, in hoffnung, woe ein reychstag furgenomen werde, alsdan Šwerden seiner gnaden furgebrachten artikel, die cron des keysertumbs zu ere deutscher nacion betreffend, auch ausreutung der bohemischen secten und der erstorung und verfolgung der Durken berurn, weyter betracht werde[n] zu ere Got, dem Almechtigen, und erhohung cristlichens glaubens, dan itzund durch sie, die churfursten und andere churfursten und fursten rede, betracht konnt oder mocht werden. Das auch der cardinal angenomen hat und sie, die churfursten, gebeten, ernstlich vleis in sachen anzukeren zugut deutscher nacion und zu merung cristlichs glaubens.

    [2.] Gnediger furst und her, uf montag nach dem sontag cantate [22.5.] haben ksl. Mt. rede churfursten und andere churfursten und fursten rede uf das haus bescheiden, ksl. Mt. meynung zu vernemen. Und darnach anstat und von wegen ksl. Mt. diese meynung furgetragen haben nach inhalt dieser ingeschlossen instruction copien [Nr. 29], e. ftl. Gn. hie uberschigkt. Haben die gegenwertigen churfursten und andere churfursten und fursten rede uf denselbigen tag ksl. Mt. rede antwort geben: [Wiedergabe von Nr. 30].

    [3.] Gnediger herr, in unterreden sagt ich, betreffend leyhung der XXV-tausent fl. geburt mir nit zu antworten. Hab darvon auch kein bevelh, ongezweyfelt, e. ftl. Gn. westen sich wol zu halten, darumb ich den artikel, e. ftl. Gn. betreffend, beruen liss. Auch die andere artikel, ausgenomen den reychstag betreffend, wie die in der instruction stunden, berürten allein die churfursten und e. ftl. Gn. nit. Were darumb nit not, mir wyter darvon zu reden. Desgleichen sagt Hessen1 und Gulch. Aber den reychstag betreffend, gnediger her, hab ich zu antwort [gegeben], e. ftl. Gn. hetten sich bisher gegen dem Heyligen Romischen Reych gehalten als ein loblicher und gehorsamer furst. Were auch der (ongezweyfelt) zuversicht, e. ftl. Gn. wurden sich uf itzund furgenomen reichstag auch halten als ein loblicher und gehorsamer furst des Heyligen Romischen Reichs. Weyter redt ich, gnediger her, es stund in der instruction, das die churfursten und fursten uf den Reichs tag komen solten (wie sie erfordert wurden). Dasselbig „wie sie erfordert wurden“ verstun ich nit, dan e. ftl. Gn. mocht dermoss erfordert werden, das e. ftl. Gn. unmuglichen wer, zu komen uf zukunftigen reichstag – mit unterdeniger bit, mich desselbigen Šzu unterrichten, domit ich e. ftl. Gn. als meinem gnedigen hern schriftlich oder muntlich der handelung gruntliche relation tun kont. Von stund an fyel mir zu Gulch und Hessen. Do hub mein gnedigster her von Trier an, ob ich mandat het, darein zu reden. Sagt der meinzisch hofmeister [Thomas Rüdt von Collenberg] lachende: Mein her von Wurzburg hat mir gesagt, er hab Lorenz Druchses bevelh getun.2 Domit kam ein anderer, red also, das des mandats geschwigen wurd und nit weyter gedacht. Auch, gnediger her, lyss sich mein gnediger her von Trier horen im unterreden, die obligation zu tun von den churfursten etc., er wolt vor nymant kein burgschaft oder obligation ton; er vermocht syhe auch nit, und solt er auch wissen, das in ksl. Mt. in turn legen solt. Wan er wolt nit mere verschreiben, dan er kont halten. Er wolt auch, das er ein schenkel entzwey gefallen het, do er in vergangem jare gen Costenz in eygner person komen were. Dan er sehe wol, das diejenigen, die gegenwertig weren, den undank allein verdinten. In was meynung mein gnedigster her von Trier geredt hat, gib ich e. ftl. Gn. zu ermessen. Ich verstehe der sprach nit.

    [4.] Es wurd auch, gnediger her, das wort (wie sie erfordert werden etc.) in der antwort [Nr. 30] geschwigen und die antwort in gemein reden geben, wie vor geschriben stet. Und do ksl. Mt. geschigkte botschaft, bischove von Gurk, Nassau, Dobler etc., solche obgeschriben antwort entpfangen hetten, gingen sie nach gewonheit ab. Uber ein weyl schigkten sie den probst von Nurmberg, doctor Dopler, zu den churfursten und andern churfursten und fursten rede, der iren gnaden diese meynung furhilt: Sie, die geschigkten ksl. Mt. rede, hetten vernomen irer gnaden antwort uf anbringen, von wegen ksl. Mt. geschehen. Konten sie, ksl. Mt. rede, nit befinden oder vermerken, das solche antwort der instruction gemess were. Begerten an sie, die churfursten, ein andere, gleichmessige antwort.

    [5.] Aber kein ander antwort wurd gegeben, lyssen es beruen bey begebner antwort. Uf solch antwort von stund an durch den bischof von Gurk von wegen ksl. Mt. (die itzund zu Coln sein solle) gnediglichs heymzyhens erlaubt ward churfursten und andern churfursten und fursten botschaften, diese ding getreulich an iren herren zu brengen etc. Das auch mit grossem dank angenomen ward. Und uf mitwochen darnoch [24.5.], als gestern, ist der bischof von Gurk mit schiffung gen Coln gefaren. Desgleichen der cardinal und legat etc., auch mein gnedigster her von Trier uf heut datum [25.5.] abgescheiden sein zu wasser gen Coln. [Schlussfloskel, Datum, Unterschrift].

    « Nr. Š33 Ks. Maximilian an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Köln, 27. Mai 1508 »

    [1.] Ksl. Antrag an die in Mainz versammelten Kff. wegen einer Reichsanleihe; [2.] Leistung der Konstanzer Romzughilfe; [3.] Aufforderung zur persönlichen Teilnahme am künftigen Reichstag.

    Berlin, GStA, 1. HA, Repos. 1, Nr. 4, fol. 6–6’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. M. Lang).

    [1.] Er ist zweifellos darüber unterrichtet, dass er, der Ks., für die Angelegenheiten von Ks. und Reich Lgf. Wilhelm von Hessen und den Bf. von Würzburg um eine Anleihe von je 25 000 fl. und die in den Hansestädten ansässigen Handelsgesellschaften um weitere 25 000 fl. ersucht hat. Aus seinen eigenen Erbgütern will er ebenfalls 25 000 fl. aufbringen. Er hat die auf dem Mainzer Tag versammelten Kff. aufgefordert, die Bürgschaft für diese Anleihen zu übernehmen, wohingegen er ihnen durch Schadlosbriefe zusichern wollte, sie binnen Jahresfrist zu entlasten. Die Gläubiger sollten Schuldbriefe erhalten, dass die Anleihe innerhalb eines Jahres zurückgezahlt würde. Die Kff. sollten im Gegenzug eine Verschreibung ausstellen, dass sie sich auf dem nächsten Reichstag dafür einsetzen würden, die Anleihe von insgesamt 100 000 fl. aus der Reichshilfe zurückzuzahlen. Jedoch lehnten die geistlichen Kff. eine Bewilligung ohne vorherige Zustimmung ihrer Domkapitel ab, die Gesandten der weltlichen Kff. verwiesen auf die Notwendigkeit zur Berichterstattung an ihre Dienstherren. Er erwartet nun die Stellungnahmen der einzelnen Kff. Zwar lädt er ihn mit beiliegendem Schreiben [Nr. 36] zum Reichstag, doch könnte eine so lange Verzögerung der Anleihe den Angelegenheiten von Ks. und Reich schaden. Bittet ihn deshalb um eine unverzügliche Stellungnahme bezüglich der Anleihe und um Bevollmächtigung ihres gemeinsamen Rates Eitelwolf vom Stein zum Abschluss der Verhandlungen.

    [2.] Fordert ihn außerdem auf, gemäß seinem früheren Anschreiben1die noch ausstehenden 2000 fl. aus der auf dem Konstanzer Reichstag beschlossenen Reichshilfe zu bezahlen. Das Geld wird für die Angelegenheiten des Reiches benötigt. Auch ist Eitelwolf vom Stein mit seinen Reitern für die zusätzlichen zwei Monate über die bewilligten sechs Monate hinaus, wie dann gemainlich alle stend getan haben,zu unterhalten. Stein soll ein entsprechender Bescheid zugehen, damit er im Dienst von Ks. und Reich bleiben kann und nicht abziehen muss.

    [3.] Er, der Kf., soll persönlich auf dem ausgeschriebenen Reichstag in Worms erscheinen und keinesfalls fernbleiben.2

    «Nr. Š34 Ebf. Hermann von Köln an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Poppelsdorf, 27. Mai 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 40–40’ (Or., Postverm.: In seiner liebe selbs hend.).

    Er hat den bei ihm vorstellig gewordenen kursächsischen Räten [Friedrich von Thun und Degenhart Pfeffinger] eine Weisung an seinen Marschall Paul von Breitbach mitgegeben, sie über die Verhandlungen auf dem Mainzer Tag nach seiner, Kf. Friedrichs, Abreise zu informieren. Die beiden Gesandten haben Breitbach jedoch weder in Mainz noch unterwegs angetroffen. Er übersendet ihm deshalb die von Breitbach bislang geschickten Unterlagen. Weitere Verhandlungen fanden nach dessen Aussage nicht mehr statt.

    «Nr. 35 Antwortschreiben Kf. Friedrichs III. von Sachsen an Ebf. Hermann von Köln – Nürnberg, 5. Juni 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 55, fol. 41–41’ (Konz., montag nach dem sontag exaudi).

    Bedankt sich für die zugesandten Unterlagen des Mainzer Tages. Er erwartet, dass ein Reichstag ausgeschrieben wird und sie beide sich dort persönlich treffen können. Andernfalls will er ihn, soweit dies seine Gesundheit zulässt, besuchen. Ein Schreiben des Kg. von Ungarn und Böhmen1ist bei ihm eingetroffen. Zwar geht er davon aus, dass ihm ebenfalls ein solches Schreiben zugegangen ist, dennoch übersendet er ihm eine Abschrift davon, verbunden mit der Bitte, ihm seine Meinung dazu zu eröffnen. Er hat erfahren, dass auch der frz. Kg. ein Schreiben an die in Mainz versammelten Kff. gerichtet hat.2Ihm selbst ging nur eine Abschrift zu, die er ihm zur Verfügung stellen wollte. Doch hat er, Ebf. Hermann, das Schreiben seiner Kenntnis nach bereits erhalten.

    « Š2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages  »

    «Nr. 36 Erstes Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 31. Mai 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den kgl. Romzug, Abwehrkampf Tirols; [2.] Absichten Frankreichs gegen das Hl. Reich; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Verschiebung des Termins.

    Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 103, fol. 355–355’ (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt, Anrede, Grußformel und Tagungsort handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 9–9’ (wie A, Siegelrest auf der Rückseite, handschriftliche Ergänzung am Textende; präs. Frankfurt durch Friedrich von Alzey am 22.6.1508) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423 (wie A; Adressat: Gf. Johann von Nassau-Dillenburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A, besch. S.; handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen). Hagenau, AM, AA 118, unfol. (wie A, Siegelrest, Präsentatverm.: Uberantwurt herr Hans Flemyngen, stetmeister, uf zinstag noch trinitatis [20.6.] Ao. VIIIo durch Gabrielen N., der ksl. Mt. boten.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 10–10’ (wie A, Siegelrest; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg; Präsentatverm.: Dusser brief ist meynem gnedigen hern durch keiserlicher Mt. botschaft zu Czell uberantwort ahm abend Jacobi [24.7.] anno etc. octavo.). Koblenz, LHA, Best. 29A, Nr. 948 (wie A; Adressaten: Gff. Dietrich und Johann von Manderscheid). Ludwigsburg, StA, B 113 I, Bü. 62, unfol. (wie A; Adressaten: Friedrich Schenk von Limpurg und seine Brüder [Georg und Gottfried]). Meiningen, StA, GHA II, Nr. 9, fol. 3–3’ (wie A; Adressat: Gf. Wilhelm von Henneberg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27 [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, erchtags Udalrici [4.7.]). München, HStA, KU Regensburg/Niedermünster, 1508.V.31 (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Äbtissin [Agnes Nothafft] von Niedermünster). Nordhausen, StdA, I. Abt., Nr. D 22a (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen). Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (wie A; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg; präs. 24.6.1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 1–1’ (wie A; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg).1

    ŠKurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 940, S. 746 (Adressat: Frankfurt); Linke, Urkundenbuch I, Nr. 84, S. 42 (Adressat: Nordhausen); Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 460, S. 411 (Adressat: Gf. Wolfgang von Fürstenberg).

    [1.] WJr, Maximilian, von gots gnaden Erwelter Romischer Kaiser, zu allen tzeyten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kunig, Ertzhertzog zu Osterreich, Hertzog zu Burgundi, zu Brabant vnd Phallenntzgraue etc., Embieten adem hochgebornen Fridrichen, marggrafen zu Brandenburg, zu Stettin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggrafen zu Nurmberg und fursten zu Rugen, unserm lieben oheim, fursten und rat unser gnad und alles guet. Hochgeborner, lieber oheim, furst und rate–a. Auf vnnsern vnd der Churfursten, Fursten vnd Stennde des heiligen Reichs abschid vnd besluss von dem negsten Reichstag zu Costenntz haben wir vns mit derselben hilf, die vns wol in clainer antzal ankumen ist, Doch dartzu ainem treffenlichen vnnserm selbs kriegsvolck des Romtzugs zu erlangen Kaiserlich Cron vndterstanden, die Granitzen vnd Pass der Venediger, als not gewesen ist, angetzogen. Vnd als Sy vns die vber manigfaltig vnser guetlich ansuechen, Auch vil gnadig verschonen, Dess wir vns lang her vmb ditz durchzugs willen gegen Jnen beflissen, hochmuetigclich versagt vnd abgeslagen, Sein wir geursacht, ob wir anderst gedachtem Abschid vnd besluss zu Costenntz gnug tuen wollen, die Pass mit gewalt zu suechen. Aber wider solich vnser vnd des Reichs furnemen vnd dasselb zu Jrren, zu wennden vnd abzustellen, haben sich die Venediger mit hilf vnd beystand des kunigs zu Franckreich zusambt ainer grossen antzal Aidgnossen, die Er aufbracht vnd Sy damit gesterckt hat, gwaltigclich emport Vnd also mit dreyerlay macht vnnsern furnemen dermassen begegnet, das vns mit vnserm vnd des Reichs klainem volck, als menigclich zu erkennen, in vnsern furnemen zu uollfarn zu uil wagklich, auch unmuglich vnd on nutz gewest ist Vnd der notturft nach geursacht vnd bewegt sein, Mit vnser Person in eyl herauszutziehen, dem Reich, auch vnserm Pundt zu Swaben solich Jrrung, verhindrung vnd anfechtung der Venediger vnd Frantzosen mit hilf ŠJrer zuegeloffen Aidgnossen anzuzaigen Vnd darauf merer hilf vnd Rat bey Jnen zu suechen.2 Haben auch mitler zeit vnsers abwesens vnnser Grafschaft Tirol vnd ander vnnsere Erbliche Lannd, an den Veinden gelegen, in mercklich empoͤrung vnd unsaglichen Costen bewegt und vermugt, dardurch die Veind aufzuhalten, Sich selbs vor verlurst [!] vnd nachfollgend das heilig Reich vor vberfall zu uerhueten. Als vns aber bishere so eylennd, als not vnd guet gewest war, kain weiter hilf gedeyhen mugen Vnd die veind dess wargenomen, haben Sy sich noch machtiger gesterckt, in Jren furnemen dermassen geubbt, das Sy vns vnsere Erblannd hart belestiget, beswart Vnd vns etlich befestigungen an den Granitzen Mer durch gross vngeuell vnnd verwarlosung dann aus kriegs gewalt abgedrungen. Damit vnnser lannd vnd leut, die nu lanng vnschuldigclich von des Reichs wegen gekriegt, So mued gemacht, das Sy die gegenwer hart [= kaum] mer vermugen; zu besorgen, So die Veind, als wol zu gedencken ist, in Jrem sig vnnd glugk verharren, Sy werden Sich durch Jr gros macht vnd Anhenng von tag zu tag weiter eindringen.3

    [2.] Nun geswigen vnd hindangesetzt vnnserer lannd vnd leut obligen vnd not, Sonnder mer zu bedencken die Jrrung vnd verhindrung vnnser vnd des Reichs furnemen des loblichen Romtzugs Vnd darbey zu ermessen vnd zu erkennen den grundt vnd vrsprung solicher Jrrung, widerwertigkait vnd anfechtung Aus anlayttung, zueschub, hilf vnd trost des kunigs zu Frannckreich, Wie Er sich nu vil Jar her wider vnns, das heilig Reich vnd Teutsche Nacion gevbt hat Vnd yetz in disem spil, souil Er mag, ausserhalb seinem zuesatz bey den Venedigern in seiner mercklichen rustigung still zuesicht, des enndtlichen fursatz, So wir vbermugt vnd von vnnsern furnemen des Romtzugs abgetriben warn, Alsdann die Babstlich heiligkeit zusambt Jtalien, So doch dem heiligen Reich on mittel zuegehort Vnnd Er durch seinen swaren gwalt vor zum tail erlanngt hat, ganntz zu seinem willen zu bringen, Darauf die kaiserlich Cron gewaltigclich zu nemen Vnd vns, auch Tewtsche Nacion derselben zu enntsetzen, Vngetzweifelt dess nit benuegen zu haben, Sonder nachvolgend Šzu Practicieren vnd zu vndtersteen, Teutsche Nacion vnd vnns all, dar Jnnen begriffen, vnnder sein gehorsam zu dringen. Dem auch, wo Jm so weyt stat geben Vnd nitt yetzo bey zeit mit mererm ernnst vnd tapferkeit dartzu getan, hinfur vorzusein vnd furzukumen hart mer muglich sein wurd.

    Dweil wir nu nit allain der Venediger Jrrung vnd anfechtung sehen vnd empfinden, Sonder gleich so wol der Frantzosen gemuet vnd maynung beruerter gestalt wissen vnnd erkennen, das wir ainem yeden bey glawben antzaigen mugen, der Almechtig vnd wir all woͤllen verhueten, Das wir voltzug solicher Jrer maynung vnd gemuet nit erfarn; dann zu wass smach vnd spot das vns allen Tewtschen von andern Nacion gemessen, Wass vntraglicher, vnleidenlicher Purd vnd beswerung auch vns allen Vnd, so wir nit warn, vnnser aller kinden vnd kinds kinden dardurch aufgelegt, die vns ellendigclich vnnd vbel darumb nachreden vnnd -rueffen wurden, Jst diser zeit vnermesslich. Beuelhen das ainem yeden verstendigen selbs zu betrachten.

    [3.] So wir dann die Teutschen von gnaden des almachtigen, wo Sy mit trew vnd vleis zusamensetzen, Jr Eer, loblich herkumen vnd vilfaltig woltat bedencken Vnd sich selbs nit verwarlosen wollen, in solicher tapfern Mannschaft, vermugen, Redlichait vnd rustung erkennen, Das wir verhoffen, des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen, noͤten vnd sorgen guet Rat vnd hilff zu beschehen noch wol muglich. Darzu wir dann vnnser leib vnd guet darzustrecken willig vnd begirig sein: Welche hilff vnd Rat aber ausserhalb ainer Besamblung der Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs nit aufbracht noch hindangericht werden mag, So haben wir ainen eylenden Reichstag furgenomen vnd angesetzt, Nemlich gen Wormbsb am Rein auf Sonntag Sanndt Eustachius, das ist der Sechtzehent tag des Monats July nechstkunfftig. Vnd Ermanen dichc demnach in Ansehung vnnd bedacht oberzellter vrsachen vnser vnd des heiligen Reichs, auch Teutscher Nacion obligen, notturften vnd sorgfeltigkaiten aus Romischer kaiserlicher macht mit ernnst gebietend, das du personndlich vnuerhindert aller annderer henndel vnd sachen, kaine ddann allain dein vnuermugen aus gottes gewalt–d ausgenomen, eauf demselben tag Erscheinest. Vnd wa du das personndlich allain aus soͤlicher vrsach nit vermochtest, Doch Jemand von deinen wegen schickest, Darbey deins vnuermugens glawbwirdig antzaigen thuest–e, Mit volkomnem gewalt, Mit vnnser person, Soverr wir mit den kriegslewffen derselben zeit nit zu harrt beladen sein wurden, Wo das Šaber war, doch mit vnsern treffennlichen Raten, auch anndern Churfursten, Fursten vnd Stenden des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen vnnd notturften furtzunemen, zu hanndeln Vnnd on hindersichbringen zu sliessen, Wass gestalt denselben weiter gnuegsam vnd austraglich hilf, Rat vnd trost Vnd den Veinden tapfer, ernnstlich gegenwer vnd abbruch beschehen soͤll vnd mug, Dardurch die kaiserlich Cron behalten vnd gehanndthabbt Vnnd nit in vnnser aller Erbfeind henndt vnd gwalt so Jamerlich vnd weerloss verlassen, Auch wir all vnnd vnnser nachkumen vor zuekunfftigen sorgen, smach, beswarden vnnd verderben verhuet werden.

    Vnd hierauf (vnns, dem heiligen Reich vn[d] Teutscher Nacion zu nachteil vnd verwarlosung) kains wegs vngehorsam noch sewmig Erscheinest, Auch auf annder nit harrest noch aufsehest. Des wollen wir vns zu dir verlassen, vnd du thuest daran zusambbt schuldiger phlicht vnnser Ernnstliche mainung. Dann du erscheinest beruerter gestalt oder nit, Nichts destminder, was durch annder Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs gehanndelt, beslossen vnd angeslagen, Wirdet dir auch, souil sich geburt, unablaslich aufgelegt. Wir woͤllen vnns auch befleissen, wenig zeit vnnd Costen auf solhem tag zu uerlieren, Sonnder die hanndlung, so furderlich das gesein mag, zu ennden, Als solichs die notturft in all weg eruordert. Wollen wir dir, damit du doch vmb kain sach aussennbleibest, nit verhalten. Geben in vnnser vnnd des heiligen Reichs Stat Coln am letsten tag des Monats Maii Nach Cristi geburd funftzehenhundert vnd im Achtennden, Vnserer Reiche, des Romischen im dreyundzweintzigisten Vnnd des hungrischen im Achtzehenden Jaren.

    [4.] [fWir verkunden euch, als wir dise brief abgefertigt, haben wir kundschaft gehabt, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halbn ain anstand auf ain zeit gemacht ist.4 Deshalbn wir den beruerten reichstag, damit ir und ander stende dest pass geschickt und gefasst, auch gewislich darauf erscheinen mugen, umb zwen monet, das ist auf sand Laurenzn tag [10.8.] nechstkunftig, hiemit erstrecken, ernstlich ermanend, das ir in craft beruerter unserer ausschreibn auf denselbn tag erscheinet und, was von standen des Reichs an euch gelangen oder die ir erlangen mugt, denselben solhs zu erkennen gebet. Dann wir nit stat mugn haben, das so eylends in die gemain zu verkunden. Das mainen wir ernstlichn–f.]

    «Nr. Š37 Ks. Maximilian an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Siegburg, 6. Juni 1508 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 10 (besch. Or., ca. linkes Viertel des Schreibens fehlt; Vermm. prps./amdip., Gegenz. M. Lang).

    Er hat mit seinem Gesandten [Eitelwolf vom Stein] über seine, Kf. Joachims, Bestallung mit einer Anzahl Reitern für den [Romzu]g und anschließend für den Einsatz gegen die Ungläubigen verhandelt, wie ihm zweifellos [berichtet wurde]. Wegen wichtiger [Angelegenheiten] von Ks., Reich und auch der deutschen Nation, die ihm sicherlich bekannt sind und deshalb hier nicht wiederholt zu werden brauchen, beruft er mit dem beiliegenden Ausschreiben [Nr. 36] eine Versammlung der Kff., Ff.[und Stände des Hl. R]eiches für den 16. Juli (sant Eustachius)nach Worms ein. Da der Tagungsort für ihn weit entfernt liegt und der Termin kurzfristig ist, jedoch aus gravierenden Gründen [nicht später] angesetzt werden konnte, wollte er ihn früher als andere darüber informieren. Fordert ihn auf, [rechtzeitig] aufzubrechen und persönlich am Wormser Tag teilzunehmen, um mit ihm, dem Ks., und anderen Ständen zu beraten, wie die Bewahrung der Kaiserkrone für das Reich [und die deutsche Na]tion zu bewerkstelligen ist, und andere Angelegenheiten des Reiches zu regeln. Er wird dann auch die Verhandlungen über seine Bestallung zu einem ihm genehmen Abschluss bringen.

    «Nr. 38 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Oberwesel, 15. Juni 1508 »

    [1.] Vorläufiger Verzicht Ks. Maximilians auf die Dienste Mgf. Friedrichs; [2.] Ankündigung eines Reichstages.

    Nürnberg, StA, Ansbacher Kriegsakten, Nr. 3, fol. 44–44’, 45’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    [1.] Der ksl. Rat und Kammermeister Balthasar Wolf von Wolfsthal hat ihn schriftlich über seine Antwort auf dessen Vortrag informiert. Aus seiner Einwilligung, ungeachtet des Widerspruches seiner Räte aufzubrechen und ihm, dem Ks., und seinen Erblanden zu Hilfe zu eilen, vermerkt er seine Treue gegen ihn und das Haus Österreich, wofür er ihm seinen Dank ausspricht. Als er selbst auf dem Weg in die Erblande war, erreichte ihn in Kreuznach die Nachricht von einem dreijährigen Waffenstillstand zwischen ihm, Venedig und Frankreich. Derzeit sind seine Dienste deshalb nicht vonnöten, er wird sie jedoch zu gegebener Zeit in Anspruch nehmen.

    [2.] Wir werden aber auf des Heiligen Reichs und teutscher nation grosse nottdurft nach gestalt der gegenwurtigen leuf und sachen bewegt, einen gemain Reichs tag auszuschreiben, darauf du ungezweifelt gehorsam erscheinen wirdest. Dort wird er ihn über die Angelegenheiten des Reiches und der ksl. Erblande informieren und auch auf sein vom Kammermeister übermitteltes Anliegen eine Antwort geben, die ihn zweifellos zufriedenstellen wird.

    «Nr. Š39 Ausschreiben des Schwäbischen Bundeshauptmanns Dr. Matthäus Neithart an die Bundesstädte, hier an den Nürnberger Bürgermeister Hieronymus Holzschuher – [Ulm], 17. Juni 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 3), fol. 30–30’ (Or. m. S., sambstags nach Viti; Registraturverm.: Jheronimus Ebner, trinitatis [18.6.]1508.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol. (Or. m. S.; Adressat: BM Ulrich Artzt) = B. Straßburg, AV, AA 353, fol. 19–19’ (Or. m. Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg) = C.

    Seinen Mithauptleuten [Adam von Frundsberg und Wilhelm Güss von Güssenberg] und ihm selbst gingen vom 11. Juni aus Boppard datierende, aus Zeitgründen nicht kopierte Schreiben des Ks.1zu, unter anderem mit der Aufforderung an die Schwäbischen Bundesstände, ihrer Bündnispflicht gegenüber der Gft. Tirol mit einer unverzüglichen und beträchtlichen Hilfeleistung nachzukommen. Gleichgültig, ob sie diese bewilligen oder ablehnen, sollten sie eine gemeinsame Gesandtschaft zu dem Reichstag abordnen, den der Ks. zum 16. Juli nach Worms ausschreiben lasse. Wegen der Hilfeleistung für Tirol solle kurzfristig ein Bundestag nach Ulm einberufen und dem Ks.über dessen Beschluss berichtet werden.

    Aufgrund der Aufforderung durch den Ks. sind die drei Bundeshauptleute übereingekommen, einen Schwäbischen Bundestag nach Ulm auszuschreiben. Die Gesandten sollen sich dort am Abend des 9. Juli (sonntag nach St. Ulrichs tag)in ihren Herbergen einfinden.2[Konflikt zwischen Abt Peter von Irsee und Konrad von Rietheim].

    «Nr. 40 Ks. Maximilian an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Oberwesel, 20. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Waffenstillstands mit Venedig.

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, unfol. (Or. Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    ŠEr hat ihn und andere Reichsstände zum 16. Juli auf den Reichstag nach Worms eingeladen. Daruf verkunden wir deiner lieb hiemit, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halben ein anstand auf ein zeit gemacht ist, deßhalben wir den berurten reichstag, damit du und ander stende dest bas geschickt und gefasst, auch gewißlich darauf kommen mogen, umb zwen monat, das ist auf sant Lorenzen tag nechstkunftig [10.8.], hiemit erstrecken. Er soll sich gemäß dem ksl. Ausschreiben zu diesem Termin einfinden und auch andere Stände informieren, da er selbst die Vertagung in der Eile nicht allgemein verkünden kann.

    «Nr. 41 Abschied zwischen den ksl. Gesandten Ulrich von Hohensax, Hans von Landau und Dr. Hans Schad und den in St. Gallen versammelten Vertretern der Orte Uri, Schwyz und Unterwalden – act. St. Gallen, 24. Juni 1508 »

    [1.] Einberufung eines neuen Reichstages, Romzughilfe; [2.] Einung zwischen Österreich und den drei eidgenössischen Urkantonen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 19–20 (Kop.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/296 (2. Teil), unfol. (Kop.) = B.

    Kurzregest: Gagliardi, Anteil, S. 748 Anm. 179.

    Die eidgenössischen Vertreter nahmen den folgenden Vortrag der ksl. Gesandten zur Berichterstattung an und sagten für den 1. August eine verbindliche Antwort zu.

    [1.] Die ksl. Vertreter bedankten sich für die dem Ks. und der Gft. Tirol zugesagte Hilfe. Der Ks. hat erneut einen Reichstag ausschreiben lassen, als von yetz montag uber vierzehen tag, alda ir Mt. den Ff. und den stenden des Reichs zu erkennen geben, was ir Mt. an solichem irem furgenomen romzug verhindert hab, ungezweyfelt, sy werden den handl notturftiglich, was dem Reich, auch ganzer teutzscher nacion daran gelegen und wo der romzug nit statlich beschehen sollt, das furter ainem yedem teutzschen kayser die kaysercron zu erlangen beschwerlich sein wurd, zu grosser verachtung, gespot, schand und nachtail aller Teutschen, [bedenken,] darum sich ir Mt. gewislich verhafft ainer tapfern hielf von fursten und stenden des Hl. Reichs. Darauf ir Mt. ermanung, bit und beger ist als angelider des Hl. Röm. Reichs, das die dreu lender auf irem zusagen, den romzug zu verhelfen, so ir Mt. den wider furnemen wurde, wollen verharren und sich vor [!] ir Mt. niemants lassen abwenden, als sich ksl. Mt. zu inen in alweg wil versehen und das allezit in allen gnaden gegen inen erkennen.1

    Š[2.] Der Ks. hatte eine Einung der Eidgenossen mit ihm und den Kindern Kg. Philipps vorgeschlagen und dafür eine jährliche Zahlung von 1500 fl. an jeden Ort in Aussicht gestellt.2Die drei Orte haben inzwischen das bestehende Bündnis mit dem frz. Kg. aufgekündigt. Der Ks. bietet ihnen erneut eine Einung mit einer jährlichen Zahlung von 1500 fl. an. Die Entscheidung über die Dauer des Bündnisses – zehn Jahre oder länger – überlässt er ihnen. Falls sich auch andere Orte anschließen wollen, wird er sich sicherlich mit ihnen einigen. Für ihr Wohlwollen will er den drei Orten jeweils 300 fl. bezahlen.3

    «Nr. 42 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Boppard, 26. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 10–10’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; präs. Frankfurt, in VIa Petri et Pauli [29.6.]1508) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 104, fol. 356–356’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. G. Vogt) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; Ausstellungsdatum fehlt). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie B). München, HStA, Gemeiners Nachlass 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie B).1 Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 4), fol. 29 (wie B).2

    ŠRegest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 941, S. 746.

    Teilt allen Reichsständen mit, dass er den auf den 16. Juli (Eustachi)anberaumten und im Postskript des Ausschreibens auf den 10. August (Laurency)verschobenen Wormser Reichstag unser merklichen hendl und sachen, derhalben uns bestimbter Reichs tag abermals zu kurz fallen will,erneut zurückgestellt hat, so lang, bis wir unser und des Reichs notdurft weiter bedenken. Er schreibt ihnen dies, damit sie erst nach Eingang eines weiteren Ausschreibens zum Reichstag aufbrechen. Befiehlt, auch andere Stände darüber in Kenntnis zu setzen, dann wir nit stat haben, das ainem yeden in sonderhait zu verkünden.3

    «Nr. 43 Die Nürnberger Hh.Älteren Anton Tucher und Anton Tetzel an Kf. Friedrich von Sachsen – Nürnberg 8. Juli 1508 »

    [1.] Treffen des Ks. mit Lgf. Wilhelm von Hessen; beabsichtigte Einberufung eines neuen Reichstages; [2.] außenpolitische Planungen des Ks.; [3.] Verzicht des Ks. auf die Zwangsanleihe bei Bf. Lorenz von Würzburg; Ausgleich Hessens mit Gf. Ludwig von Löwenstein.

    Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 61, fol. 238’–240 (Kop., samstag nach Udalrici).

    Druck: Westphal, Korrespondenz, Nr. 103, S. 312f.

    [1.] […]. Lgf. Wilhelm von Hessen war beim Kg.(koniglicher majestet)in Boppard. Dieser veranstaltete dort für den Lgf. und seine Gemahlin [Lgfin. Anna] am 3. Juli ein dreistündiges Bankett, nachdem er ihnen von seiner Unterkunft aus bis zu ihrem Schiff entgegengezogen war. Eine vertrauliche Unterredung fand nicht statt. Nach dem Bankett hielt der Bf. von Gurk in Gegenwart des Ebf. von Trier sowie ksl. und hessischer Räte eine Rede: Der Ks. habe die Ankunft des Lgf. mit Freude erwartet, um ihre alte Freundschaft und guten Beziehungen zu erneuern. Der Ks. habe zwar den anberaumten Reichstag wegen des Waffenstillstands mit Frankreich und Venedig abgekündigt, wolle jedoch einen neuen Reichstag ausschreiben und wünsche die persönliche Teilnahme des Lgf. daran. Dieser ließ durch seinen Kanzler ŠDr. Engellender antworten, dass er dem nachkommen wolle, sofern sein gesundheitlicher Zustand es erlaube.

    [2.] Der Ks. hält sich noch in Boppard auf, wird aber in acht oder vierzehn Tagen zur Eroberung Gelderns ausziehen. Anschließend will er noch einmal mit dem englischen Kg. verhandeln. Hat er England auf seiner Seite, hofft der Ks., als nächster Erbe zu gegebener Zeit auch das Kgr. Neapel zu bekommen. Item sein majestet wirdet sich auch im ende mit dem konig von Frankreich in verainigung und vertrag geben, dem ytzo soll ein maß gesetzt sein, wiewol noch unvolzogen. Und die churfursten und fursten willigen darin oder nit, so ir kaiserliche majestet inen uf kunftigem reichstag solchs furhalten wirdet, nichtzit destermynder sol es dannocht zum ende raichen. Wo aber nit, alßdann vermaint sein majestat, die hilf des konigreichs von Engelland wider Frankreich und die Venediger oder, wo Frankreich mit irer majestet in vertrag kompt, allein wider Venedig zu geprauchen. Der Kardinal ist zu Ehgin. Margarethe in die Niederlande gereist. Angeblich hat sie nach anfänglicher Weigerung die Entscheidung über die Annahme der Heiratswerbung des englischen Kg. dem Ks.überlassen.

    [3.] Der Ks. hat dem Bf. von Würzburg die Anleihe über 25 000 fl. erlassen. Stattdessen lässt er mit ihm über ein einjähriges Darlehen in Höhe von 5000 fl. oder wenigstens 3000 fl. verhandeln. Lgf. Wilhelm hat Gf. Ludwig von Löwenstein mit dessen [im Landshuter Erbfolgekrieg] eroberten Besitzungen belehnt. Der Gf. ist inzwischen einer der wichtigsten hessischen Räte.1Mit Unterstützung des Lgf. hat er auch mit dem Hg. von Württemberg über die Rückgabe seiner Verluste verhandelt. Dieser ist für seine Person zu dessen vollständiger Restitution bereit, was jedoch von den Landständen abgelehnt wird.2

    «Nr. 44 Zweites Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 14. Juli 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den ksl. Romzug; [2.] Abwehrkampf Tirols, Verweigerung von Hilfe durch den Schwäbischen Bund und die in Mainz versammelten Reichsfürsten; [3.] Auflösung der ksl. Partei in Italien; [4.] Ausschreiben eines Reichstages nach Worms; [5.] Abschluss eines Waffenstillstands mit Venedig; [6.] Notwendigkeit von Beratungen über Krieg und Frieden; [7.] Verschiebung des Termins für den Reichstag; [8.] Aufforderung zur Teilnahme daran zu Beratungen über Krieg und Frieden; [9.] Ankündigung eines ksl. Feldzugs in Geldern; [10.] französische Unterstützung für Karl von Egmond, Bedrohung der burgundischen Erblande.

    ŠDresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 1 (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt; Anrede, Ausstellungsort und Monatstag des Ausstellungsdatums handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 141, Nr. 45, unfol. (wie A; Verm.: P[raese]nt[atum] durch ain jungen ksl. edelman am samstag Sebaldi, 19. Augusti 1508.) = B. München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 100–100’ (wie A; Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 11–11’ (wie A, besch. S. auf der Rückseite; Präsentatverm.: Durch kayserlicher Mt. boten eingebracht am donerstag noch assumpcionis Marie [17.8.] anno etc. XVC octavo; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Bf. N. [= Dietrich] von Lebus). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 10 (wie A; Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A). Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 11–11’, Nr. 4 (wie A; Präsentatverm.: Praesentatum per Hansen, Adam Lowers eidem von Menz, uf mentag nach Sixti [7.8.] anno XVCachten. Sagt, im habs ein ksl. bot zu Menz geben.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 11–11’ (wie A, Siegelspuren; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, montags nach assumcionis Marie [21.8.]). München, HStA, Hst. Freising, K. blau 221/6, unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Bf. Philipp von Freising. Präsentatverm.: Presentate in absencia r[everendissim]i in Haydelberg, 14. Augusti 1508.). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 661e, fol. 1–1’ (wie A; Präsentatverm.: Freitag nach Steffani pape[4.8.]1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 2–2’ (wie A; Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg). Stuttgart, HStA, B 515 III, fol. 355–355’ (wie A, beschädigtes S.; Adressat: Abt N. [= Hartmann] von Weingarten). Wiesbaden, HStA, Abt. 131 Nassau-Usingen Akten, IV a, Nr. 21a (wie A, Siegelrest; Adressat: Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken; Präsentatverm.: Donnerstags nach decollacionis Johannis [31.8.]).1

    Druck: Datt, Volumen, S. 571f., 574–576.

    Kurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 942, S. 746.

    [1.] WJr, Maximilian, von gottes gnaden Erwelter Roͤmischer kayser, zuͦ allen zeyten merer des Reichs, in Germanien, zuͦ Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Künig, Ertzhertzog zuͦ Osterreich, Hertzog zuͦ Burgundi, zuͦ Brabant etc. vnd pfaltzgraue etc. Empieten adem hohgebornen Jorigen, herzogen zu Sachsen, Šlandgrafen in Duringen und margrafen in Meyssen, unserm lieben oheim und fursten und ewigen gubernator der Friesland unser gnad und alles gut. Hohgeborner, lieber oheim und furst–a, Wir haben dirb und andern Stenden des heiligen Reichs hieuor zum tayl erzelt [Nr. 36], zusampt dem sunst meniglich wissen mag die gewaltig, hohmüetig widerwertigkait, anfechtung vnd jrrung, so vns vnd dem heiligen Reich von den Venedigern mit hilff vnd beystandt der Frantzosen, auch ainer anzal Aydgenossen, die jnen derselben zeyt zuͦgezogen, an vnsern fürnemen des Romtzugs zu erlangen kaiserlich croͤnung auff den abschidt zuͦ Costentz begegnet sein. Vnd des zuͦ merer vnderricht geben wir dir zu erkennen: Als wir vns soͤlchs Romtzugs vnderstanden, haben wir denselben dannocht dergestalt fürnemen woͤllen, das wir, auch Churfürsten, Fürsten, Grauen, Herren, die vom Adel vnd ander treffenlich leüt zuͦ Roß vnd fuͦeß, dero vil mit vnns gezogen, für vnser personen gesichert wern, jn bedacht, wo die Venediger vnd Frantzosen als vnser aller natürlich veind vnns vnd vnnser geselschaft vntrewlich gemaynt vnd begriffen, das sy dardurch alle teütsche nacion zuͦsampt Jtalien zuͦ jrem willen vnd gehorsam erlangen vnd dringen mügen hetten. Wiewol wir nu von den Venedigern, als wir gen Triendt kommen, souil getroͤst sein, wann sy vnsern ernst, die Kayserlich cron zu erlangen, [ge]sehen, das sy sich gepürlich gegen vns halten wollten: So haben sy vnns doch, alspald vnnser vnnd des Reichs kriegsuolck im antzug gen Triendt geweßt ist, all ir Clawsen vnnd pass gespert vnd vnns die, über das wir vnns gegen jnen erpotten, nit mer dann mit zwaytausent pferden vnd viertausenten zuͦ fuͦess sampt ainem streytgeschütz, als ungeferlich zwoͤlff schlangen, fridlich durchzuziehen, gewaltiglich vnd hochmüetigklich vorgehalten. Darauff wir bedacht haben, jre Clawsen zuͦ vmbgeen, die gepirg angetzogen, des willens, vnsern zug darüber zuͦ nemen; derselben auch etliche erlangt, die gepirgleüt gehuldigt, doch nit zuͦ vnnser ewigen gehorsam, sonder allayn in ayner gstalt, das wir vnd die vnsern zuͦ vnserm durchzug gegen jnen gesichert wern, mit vorbehalt den Venedigern alle ir gerechtigkeit. Das sy aber auch nit gedulden woͤllen, die vnsern an aynem ort des gepirgs, genant in kodober, mit heeres crafft überfallen2, darnach vnser erbliche Lannd an zwayen orten angegriffen vnd also ain gewaltigen krieg angefangen. Jn dem sich der Frantzosen hauptleüt mit ainer treffenlichen anzal zuͦ Ross vnd den obgedachten Aydgenossen zuͦ jnen gethan, damit sich ir macht, als vnser kundtschafft gelaut, von fünfftzig- biß in Šsechtzigtausent sold zuͦ besetzung irer Land vnnd zuͦ dem angriff überal geloffen hat.

    [2.] Als wir nuͦn soͤlch der Venediger, Frantzosen vnnd irer helffer macht vnd anfechtung so mercklich vnnd groß vernomen vnnd dagegen vnnser vnd des Reichs kriegßvolck so in klayner anzal gesehen, haben wir vnns herauß von vnnserer Grafschafft Tirol gethan, der maynung vnd hoffnung, die stennd des heiligen Reichs vnd vnnsers loͤblichen pundts zuͦ Swaben zuͦ merer vnnd ernstlicher hilff zu bewegen. Daneben auch des gemüets, vnnsern lieben oͤheim vnnd Fürsten [Rudolf] von anhalt mit andern vnnsern dienstleüten, die wir bißher gegen vnserm Lannd von Gheldern ligen gehabt, abtzuͦnemen, doch die Ghelderischen nicht destmynder in ander weg zu besetzen vnd anzufechten, vnns darzuͦ mit merer hilff zu stercken vnd dem künig zuͦ Franckreich sein practica, so er gegen den Lendern vnd Stetten Lüttich, Vtricht vnd Trier, vnns vnd dem hailigen Reych zuͦ abpruch vnd nachteyl vnnd den Ghelderischen zuͦ sterckung vnd hilff fürgenomen het, zuͦ brechen vnd zuͦ wenden.

    Aber über vil vnser hoh ansuͦchen vnd ermanen haben wir die Stend des reichs noch vnsers pundts zuͦ Swaben so pald nit auffpringen mügen, dann das jr ain tail soͤlch vnser ansuͦchen auff ainen gemaynen Reichs tag gewegert.3 Dess vnser grafschafft Tirol vnd andere vnser erbliche Land, an den veinden gelegen, bißher seer entgelten müessen.4 Welche vnsere Land wir doch anfengklich gegen der Venediger vnd Frantzosen, auch irer helffer anfechtung vnd irrung von des Reichs wegen in den krieg bewegt vnnd vermügt, die sich auch also nit allayn von irn wegen, sich vor den veinden zuͦ entschütten vnd zuͦ behalten, sonder auch für das Reich vnd teütsche nacion, die nach jnen vor überfall vnnd beschwerung zuͦ uerhüten, mit der gegenwer an leib vnd guͦt jrem vermügen nach tapffer vnnd Erlich angegriffen vnnd gemüet, wyewol soͤlch jr weer, müe vnd darlegen gegen den zwayerlay gewalten Venedig vnd Frantzosen mit jrn helffern, als wol abzuͦnemen ist, wenig erschiessen noch fürtragen mügen haben, dann das sy mitsampt vns in vnleidenlichen costen gefüert vnd gewachsen, vns auch etwevil güeter befestigung vnnd stück vnserer Land abgedrungen sein.

    [3.] Wir hetten auch auff vnsern abschidt zuͦ Costentz vnsern vnd des Reichs fürnemen zuͦ guͦt den maysten tayl aller Fürsten vnd Comun in Jtalien durch vnser fleissig vbung vnnd handlung dermassen beworben, das wir vnns grosser irer hilff vnd fürderung an Leüten vnd gelt versehen vnd darauff so vil vnd mer als auff vnser vnd des Reichs macht, damit wir gefaßt geweßt sein, gehofft Vnd deßhalben zuͦ vnsern fürnemen des Romtzugs dest leichter vnd trostlicher gegriffen. Als sy aber gemerckt haben, vnns von dem Reich so mit klayner macht Šfürsehen, dartzuͦ in eyl, als not gewest wer, nyendert merer hilff zu erlangen vnd vnsere Land vnd leüt also allain in beschwerden verlassen5, auch die veind, so in grosser rüstigung vnd glück gegen jnen sein, alle menschen in Jtalien an vns geergert, die Roͤmer wider vnns gezogen, deßgleichen die Dalmacianer, die doch solchs vnbillich thuͦen, in ansehung, das all jr hail vnd auffenthalt gegen den Türcken auff aynem Roͤmischen kayser vnd den teütschen steet, Auch über das sy vnser als ayns künigs zuͦ hungern recht, natürlich vndersessen sein. Daneben sich doch die Krabaten eerlich vnd wol gehalten, das wir vnd das Reich jnen zuͦ eren vnd danck billich nit vergessen soͤllen. Damit vns gar nach nyemand in gantz Jtalien sein zuͦsagen vnd vertroͤsten gehalten. Soͤlchs alles vns den maysten schaden gethan hat, mer dann der Venediger geporn kriegßuolck, das ausserhalb der stat Venedig auch dem Reich verwandt ist; doch damit nit gemaynt, die in Venedig gesessen sein vnd on vnderlaß alayn jrer hoffart vnnd handtwerchen außwarten.

    [4.] Auff das alles haben wir hieuor den Stenden des heiligen Reichs mit ertzelung mer des Reichs vnd teütscher nacion notturfft vnd sorgfeltigkait dann vnserer erbland obligen vnd beschwerung ainen eylenden Reichs tag auff sant Eustachius, den sechtzehenden tag Julii, yetzkünfftig gen Wormbs außgeschriben [Nr. 36], in hoffnung, hilff, Rat vnd trost bey jnen zu erlangen. Dess aber vnsere erbland vnd leüt aus stedter, gewaltiger kriegs übung der veind vnd jrer clainen macht nit erwarten noch den schweren, unseglichen costen vnd last, so sy lang gelitten, fürter ertragen mügen haben in sorgen merer verlursst [!] vnd abfal. Vnd wo sy gleich in jrer gegenwer verhart, das sy doch in die leng nit besteen, dardurch die veind mit jrm schwern gewalt weytern eyntzug vnd porten6 des heyligen Reichs vnnd teütscher nacion erlangen vnd gewynnen mügen hetten; wie hart sy nachmaln widerumb dauon zu treiben gewesst vnd was sorgen dem heiligen Reich vnd Teütscher nacion darauff gestanden wer, ist wol zuͦ ermessen.

    [5.] Darumb dann not geweßt, vnserer fürnemen von des reichs wegen vnd der veind anfechtung vnd kriegs vbung halben Treügam oder ayn Bestandt eintzuͦgeen. Der auch gemacht vnd auff drew jar gestelt7, wiewol sich dannocht nit gantz darauff zuͦ uerlassen, sonder zu bedencken vnd auffzusehen ist, die gemelten walhen als vnser vnd des Reichs ewig veind, die vns teütschen alweg gott vnd vnser Eer, der wir vns gebrauchen, beuor geben vnd vndersteen vns dannocht mit jrem gold zu überlissten oder zuͦ uerraten, moͤchten den bestandt zuͦ jrem vortayl über kurtz oder lang prechen, wie von vil jarn her jr gewonheit wewesst [!] vnd noch ist.

    Š[6.] Darauff nu vnser vnd des heiligen Reichs notturft, Eer vnd wolfart erfordert, zuͦ bedencken, zu erwegen vnd zuͦ entschliessen, was vns yetzo mitler zeyt des bestands zuͦ einer erlichen Rachtigung oder nach ausgang des bestands vnd, wo die veind den prechen würden, in zeyt desselben zuͦ weyterm krieg zuͦ handlen vnd fürzuͦnemen, wess sich auch in all weg gegen den veinden zuͦ uersehen vnd wie vnns allen einzuͦsehen sey, damit wir vnd Teütsche nacion nit so gewalt[i]gklich, hohmüetigklich vnd boͤßlich an vnsern eeren vnd wirden kayserlicher cron, die doch vnser vorfordern vor vil jaren mit schwerer not vnd müe Ritterlich vnd strenngklich erobert vnd bis auff dise vnser zeit loblich herbracht haben, gehindert, dauon getriben vnd zuͦletst derselben gar entsetzt werden, vnns allen vnd vnsern nachkommen zuͦ ewiger schmach, nachred, auch vnleydenlicher beschwerung, seruitut vnd trübsal.

    Dann zu besorgen vnd sich gewiss zuͦ uersehen ist, wo die keyserlich cron (darvnder auch ytalien zuͦ uersteen) verloren, das darnach der krieg vnd parthey in tütsche nacion wachßen würd, wie bey zeyten weylendt vnsers Schwehers hertzog Karls von Burgundi durch den krieg vor Newss (als noch in menschen gedechtnüß ist) schier beschehen wer, welches Hertzog Karls macht doch nit den zehenden tayl geweßt, als die macht der Venediger, Frantzosen vnd aller walhen, auch aydgenossen vnserer widerparthey yetzo ist, die jnen das hailig Reich zuͦ incorporiern vndersteen; aus was vrsachen, sein on not hierynn weyter zuͦ melden. Wir haben soͤllichs vor offt wol auff syben Reichßtagen ertzelt, wiewol das layder nyemand zuͦ hertzen geen will.

    [7.] Dieweil wir dann ermessen, das soͤlchs also notturftigklich vnd mit guͦtem Rat zuͦ bedencken vnd fürzuͦnemen ayner zeyt bedürffen, Deßhalben vns der vor angezaygt Reichßtag zuͦ kurtz fallen will, So erstrecken vnnd erlengern wir denselben Reichßtag, setzen vnnd bestymmen den von newem hiemit auff Allerheyligen, das ist der Erst tag des monats Nouembris, nechstkünfftig gen Wormbs an Reyn; und stellen den so lanng aus der vrsach, Mittler zeyt durch die vnnsern zuͦ erkunden, was vnserer veind maynung auff den sig, so sy diß jars gegen vnns vnd den vnsern gehabt haben, seyn Vnd wie sy weyter fürnemen werden, sonderlich gegen den, die vnnser parthey sein vnd vnnser kayserlich croͤnung jm hertzen gern gesehen hetten, Sich aber mit jrer hilff vor der veind grossen macht nit mercken lassen türren8; dann wir guͦet wissen haben, was nu vnser vnd des Reichs veind an dieselben vnserer parthey begern, das sy soͤlchs füran on widerred thuͦn werden müessen.

    [8.] Dem allem nach Ermanen wir dich aus notturfften vnd obligen des Heiligen Reichs vnd teütscher nacion bey den pflichten, damit du vns vnd dem Reich verwandt bist, aus Roͤmischer kayserlicher macht ernstlich gepietend vnd woͤllen, das du soͤlch obangetzaygt des hailigen Reichs vnd Teütscher nacion obligen vnd notturfft getrewlich für dich nemest, aygentlich erwegest Švnd betrachtest Vnd darauff wolbedacht vnd gefaßt selbs Persondlichc auf dem bestymbten Reichßtag Allerheilgen tag zuͦ Wormbs erscheynest vnd dich daran [durch] kainerlay aygen sachen jrren noch verhindern, sonder dir des heiligen Reichs vnd teütscher Nacion notturfften als den gemeynen nutz für das genoͤttigist getrewlich bevolhen sein lassest dvnnd also mit kayner vrsach dann alleyn aus vnuermügen von gotts gewalt aussen pleybest.9 Vnd ob du derselben vnd sunst kayner andern jrrung halben ye nit erscheynen moͤchtest, Alßdann yemand von deinen wegen schickest, darbey deins vnuermügens glauplich anzaygen thüest–d, Mit volkomner gewaltsam, mit vns oder, wo wir kriegß halben, darynn wir yetz mit den ghelderischen seyn, jm anfang nit erscheynen moͤchten, doch mit vnsern treffenlichen Reten vnnd andern Stenden vnnser vnd des heiligen Reichs vnnd Teütscher nacion notturfft vnnd obligen, darzuͦ künfftig sorgfaltigkeyt vnnd beschwerung vnd sonderlich, wie vnns zuͦ ayner Rachtigung oder weyterm krieg auff obangezeygt maynung zuͦ greyffen vnd fürzuͦnemen sey, zuͦ Ratschlagen, zuͦ hanndlen vnd on hinder sich pringen entlich zuͦ schliessen, Damit doch die kayserlich Cron mitsampt Jtalien darzuͦgehoͤrend erlangt vnd behalten vnd nit also schmechlich vnd weerloß verlassen. Wir auch (für das mynnßt) der stück vnd befestigungen, so vnns von des heiligen Reichs wegen entzogen seyn (geschwigen des mercklichen costen, den wir vnsers Camerguͦets mitsampt vnsern Erblanden datzwischen gelitten haben), von den veinden habhafft vnd ergoͤtzt vnd dieselben dem heiligen Reich vnd teütscher Nacion zuͦ merer behuͦt gegen vnsern veinden, Cristen vnd vnglaubigen, widerumb in vnnser gehorsam gepracht werden. Auch hierynn auff ander nit wegerest noch vertziehest, sonder dich so gehorsam, guͦtwillig vnnd fürderlich beweisest, damit wir all zuͦ gleichermassen ankumen, die handlung aynhellig anfahen vnd also loblich vnd getrewlich schliessen vnd volennden mügen. Darauff woͤllen wir vns verlassen. Vnnd du thuͦest daran zuͦsampt schuldiger pflicht vnnser ernnstliche maynung vnnd gefallen; dann du erscheynest also oder nit, nicht destmynder, was durch ander gegenwürtig Churfürsten, Fürsten vnnd Stennd gehandelt vnnd beschlossen wirdet, Sol durch dich vnd ander Abwesend zuͦ voltziehen vnd außzuͦrichten auch geholffen werden.

    [9.] So nu vnnser fürnemen des Romzugs auff dißmal aus obberürten jrrungen vnnd vrsachen über vnsern getrewen fleyß, willen, auch darstrecken vnd verkümbern vnserer Land, Leyb vnd güeter ye nit vonstatt geen noch volzug Šhaben mag, So seind wir willens, damit wir doch mitler zeyt des Bestands vnd bis auff den Reichßtag nit feyrn, vns vmb das landt Gheldern als des heilgen Reichs aygenthumbe vnd vnnser recht Erblehen anzuͦnemen, jn hoffnung, dasselb (als yetzo mer dann vor ye müglich geweßt ist) zuͦ erobern. Dardurch vnser Nyderburgundische land, die dann gegen den ghelderischen (nachdem sy der künig zuͦ Franckreich on vnderlaß mit hilff an leüten vnnd gelt vnderhelt) in steten kriegen, beschwerden vnd vncosten steen müssen, in ruͦe vnd frid zu setzen, auff das, ob vnnser vnnd des Reichs fürnemen auff berürtem Reichßtag nit zuͦ Rachtigung, sonder zuͦ weyterm krieg raichen würden, das alßdann vnser Niderburgundische lannd vnnsers beywesens geraten, dest rüewiger vnd fridlicher sitzen vnd vnns zuͦ vnsern vnd des Reichs fürnemen souil dest tapfferer hilff vnnd fürdrung thuͦn mügen. Als wir auch, wo sy des ghelderischen kriegs enthebt vnnd ledig, verhoffen vnd von jnen wol getroͤst seyn. Das alles wolten wir dir auch nit verhalten. Geben in vnnser vnd des heiligen Reichß statt Collene, am vierzehendenf tag des Monats Julii Anno domini etc. fünfftzehenhundert vnd jm achten, vnserer Reiche, des Roͤmischen jm drewundzwayntzigisten vnd des Hungerischen jm Newntzehenden jarn.

    [10.] Als wir disen druck vertigen lassen, sein wir warlich bericht, das der künig von Franckreich den Basthart von Gheldern10 mit ainer grossen antzal Cronen Karln von Egmond, der sich nennet hertzog zuͦ Gheldern, zuͦ behelff geschickt hat, Damit nu derselb von Egmond vnd die Ghelderischen die Landßknecht, dero yetz nach dem Bestand des kriegs oben vil herabreysen, bestellen vnd an sich kauffen, zuͦsambt den, die vor daniden auff Holand kriegen vnd durch den hochgepornen Ruͦedolffen, Fürsten zuͦ Anhalt, Grauen zu Ascanien, vnsern lieben oͤheim, fürsten vnd Rat, behawrt11 vnd belegert sein, in hoffnung, Sy zuͦ gewinnen vnd zuͦ straffen. Dartzu schickt der künig von Franckreich Drey seiner oͤbristen Hauptleüt aus Franckreich herdißhalb des gepirgs mit vil tausenten zuͦ ross vnd fuͦess den Ghelderischen zuͦ hilff, Mit beuelch, vnnser vnd vnnserer iungen Enicklen Niderburgundische erblannd, nemlich die dem heiligen Reich vnd teütscher nacion auch verwandt sein, vnd sonderlich die Landtschafft, die jüngst der Frantzosen tausent pferd in Šdergleichen irn vnpillichen fürnemen geschlagen vnd nidergelegt haben12, anzuͦgreiffen, dieselben drey Frantzoͤsischen haubtleüt Sich auch yetzo besamblt haben vnd mit püxen, Laytern, wagen vnd anderm gezewg, so zum krieg dient, wider die gedachte vnnsere lannd vnd leüt offenpar rüssten. Darauff wir vnns mit vnnser person erheben vnnd ziehen bemeltem vnserm Fürsten von Anhalt vnnd vnsern Lannden vnd leüten zuͦ trost vnd hilf. Jtalia ist nu, wie du wissen magst. So steet es vmb oͤsterreich, wie du siechst. Yetz geet es an vnnser vnd vnserer Enicklen hawß Burgundi. Wellen du vnd ander Sich darab nit exempln13; was eüch daraus zuͦ gewarten vnd zuͦ sorgen ist, geben wir eüch zuͦ ermessen. Soͤlchs verkünden wir dir darumb, das du von dem tag zuͦ Wormbs nit aussen pleibest, Sunder denselben, zuͦ schetzen, als peremptorie14 suechest. Dann wir gedencken, wir mit allen den vnnsern, die aller teütschen Eer zuͦ retten vndersteen werden, derselben zeit in grossen beschwerden sein.

    «Nr. 45 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände (Beilage zum Reichstagsausschreiben) – Köln, 15. Juli 1508 »

    Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 346, fol. 41 (Or. Druck, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 12–12’ (wie A; Präsentatumverm.: Per Hansen Adam, Lowers Adam eiden von Menz, montag nach Sixti [7.8.] anno XVC acht. Und sagt, ime hab die eyn ksl. bot zu Me[nz] geben.) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 12–12’ (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 2411, fol. 1–1’ (wie A, S. auf der Rückseite). Duisburg, NRW LA, Kleve-Mark, Akten, Nr. 4479, fol. 2 (wie A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A) München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, unfol. (wie A). Wertheim, StA, G-Rep. 19/XII, Nr. 138 (wie A).1

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 943, S. 746f.

    [1.] Nach Ausfertigung des Ausschreibens [Nr. 44] wurden bei einem frz. Boten Briefe seines Kg. an die zur Unterstützung Gelderns gegen Niederburgund ausgeŠsandten Hauptleute2gefunden. Darin informiert er sie über den Waffenstillstand mit ihm, dem Ks., der aber nicht die niederburgundischen Lande einschließe. Er sei deshalb entschlossen, Karl von Geldern Hilfe zu leisten. Der frz. Kg. begründet dies mit ihrem freundschaftlichen Verhältnis und ignoriert gleichzeitig die ungleich engere Verbundenheit mit ihm, dem Ks., und seinen Enkeln ebenso wie die Rechte des Hl. Reiches und des Hauses Habsburg am Hm. Geldern, mit dem seinerzeit sein Vater Ks. Friedrich seinen Schwiegervater Hg. Karl von Burgund belehnt hatte.3Der frz. Kg. verschweigt auch, dass der Waffenstillstand für ihn, den Ks., und seine Enkel mit allen ihren Untertanen gilt. Er bemäntelt dies mit dem Argument, dass es bei den Verhandlungen nicht seine Absicht gewesen sei, Niederburgund mit einzubeziehen. Vielmehr sei er durch die Venezianer dazu genötigt worden und deshalb nicht verpflichtet, den Waffenstillstand einzuhalten.

    Die frz. Hauptleute und Truppen bereiten sich unter Missachtung des Waffenstillstands vor, nicht nur die Geldrer zu unterstützen, sondern darüber hinaus Niederburgund anzugreifen und entweder zu verwüsten oder zu unterwerfen. Er wird versuchen, sich diesen Plänen entgegenzustellen und das Land zu retten. Er ist somit genötigt, den Waffenstillstand zu verletzen. Da die Franzosen diesen so leichtfertig brechen, muss er seinerseits Widerstand leisten.

    «Nr. 46 Instruktion Ks. Maximilians für den Hauptmann des niederösterreichischen Regiments, Wolfgang von Polheim, sowie für seine Räte Gf. Nikolaus von Salm, Sigmund von Liechtenstein, Dr. Johann Schneitpeck und Dr. Wilhelm von Reichenbach als Gesandte zu den niederösterreichischen Landständen, hier zum unterderennsischen Landtag in Krems – Den Haag, 27. August 1508 »

    [1.] Rechtfertigung des Venezianerkrieges; [2.] Begründung für die Abwesenheit Ks. Maximilians von den österreichischen Erblanden; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Vorkehrungen für einen künftigen Krieg mit Venedig; [5.] Teilnahme der niederösterreichischen Landstände am Wormser Reichstag; [6.] weitere Beratungspunkte für den Landtag.

    St. Pölten, NÖLA, Landtagshandlungen, Kart. 1, Fasz. mit der Aufschr.: Landtag der niederösterr. vier Stände zu Krems, den 29.9.1508, fol. 6’–16’ (besch. Kop. mit imit. Vermm. prps./cdip. und Gegenz. G. Vogt.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 21–36’ (spätere Kop.) = B.1

    Š[1.] Nach Übergabe ihres Kredenzbriefs2sollen die Gesandten die Stände an frühere Darlegungen über den Krieg gegen die Venezianer und ihre Verbündeten, Franzosen, Eidgenossen und andere Nationen, erinnern, die Kürze der Zeit halber nicht noch einmal wiederholt werden sollen. Doch ist zum besseren Verständnis seines Anliegens auf Folgendes hinzuweisen: Den Ständen ist sicherlich bekannt, dass die auf dem Konstanzer Reichstag versammelten Reichsstände zwar eine Hilfe für den Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde bewilligt haben, jedoch nur ein kleiner Teil davon geleistet wurde. Um von seiner Seite nichts zu versäumen, hat er dennoch mit diesen geringen Mitteln den Romzug angetreten. Somit könnten ihm die Reichsstände nicht vorhalten, er hätte ihre Hilfe für eigene Zwecke verwendet und die Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse unterlassen. Die Schuld für das Scheitern, die wir yetzo mit grunt auf die stend des Reichs legen mugen, wäre sonst ihm angelastet worden. In Erwägung dieser und anderer Umstände, keineswegs aus Leichtfertigkeit, musste er sich in den für ihn unerwarteten Krieg mit Venezianern, Franzosen und Eidgenossen einlassen, die unter dem ohnehin unbilligen Vorwand, seinen Romzug zu verhindern, nichts weniger als die Unterwerfung seiner Erblande beabsichtigen. Die daraus entstandene Kriegslast für die Erblande und insbesondere für das Karst, für Istrien (Ysterreich), Friaul, Krain und Kärnten und die erlittenen Verluste bedauert er und versichert, dass es zu keinem Zeitpunkt seine Absicht war, die Erblande leichtfertig in einen Krieg zu führen. Er ist vielmehr bestrebt, für sie den Frieden zu bewahren und ihren Wohlstand zu fördern. Doch wie es sprichwörtlich heißt, kann man nur so lange in Frieden leben, wie der Nachbar dies zulässt. Manchmal ist Krieg unvermeidlich. In diesem Fall verhielt es sich jedoch so, dass er und seine Erblande ohne eigenes Verschulden wegen des Reiches in diesen Krieg geraten sind. Bedankt sich für ihre Entscheidung, für andere ksl. Länder ins Feld zu ziehen, und für ihre Solidarität mit ihm und seinen Ländern Krain und Kärnten angesichts ihrer Verluste. Nun gilt es gemeinsam zu beraten, wie die verlorengegangenen Gebiete zurückerobert und künftige Einbußen vermieden werden können.

    [2.] Er hat die Stände teilweise früher schon darauf hingewiesen, dass er angesichts der Stärke der Feinde, der geringen Hilfe des Reiches, dem Ausbleiben anderweitig erhoffter Unterstützung und der Unmöglichkeit, den Krieg allein auf die Erblande gestützt fortzusetzen, im Reich und beim Schwäbischen Bund um Hilfe geworben hat, die uns doch so eylend, als die notdurft erfordert, nicht gedeihen hat mugen. Hingegen konnte er die gegen das Reich und die burgundischen Erblande seiner Enkel gerichteten feindseligen Absichten des frz. Kg. durch seine Anwesenheit dort unterlaufen. Gestützt auf Geldzusagen Englands und der burgundischen Erblande sowie in Erwartung der Hilfe des Reiches und des Schwäbischen Bundes Šplante er, die österreichischen Länder bei Fortdauer des Krieges mit Truppen und Geld zu unterstützen und gleichzeitig, nicht zuletzt auch zu ihrer Entlastung, ein Heer gegen Frankreich aufzustellen. Nichtsdestotrotz hätte er sich nach erfolgter Stabilisierung der Lage in den burgundischen Erblanden auch persönlich in die österreichischen Erblande begeben und sie keinesfalls im Stich gelassen. Wäre er sofort nach den Absagen des Reiches und des Schwäbischen Bundes nach Österreich zurückgekehrt, hätte er dort wenig ausrichten können und doch zugleich auf das hier in Aussicht gestellte Geld verzichten müssen, überdies die burgundischen Erblande in großer Sorge zurückgelassen. Dennoch hatte er sich angesichts ihrer Notlage auf den Weg gemacht und war bereits im Begriff, Truppen anzuwerben. Doch sahen sich die österreichischen Erblande und insbesondere die Gft. Tirol veranlasst, mit dem Feind einen Waffenstillstand zu schließen. Als er davon erfuhr, hielt er seine Anwesenheit dort nicht länger für erforderlich, sondern wandte sich wieder den burgundischen Erblanden zu, um sich dort der Zahlungen Englands und der Stände zu versichern. Da er die Zeit des Waffenstillstands nutzen wollte und einen leichten Sieg erwartete, beschloss er, das ihm als Erblehen zustehende Land Geldern zu erobern und somit die Gefährdung seiner Erblande durch diesen Unruheherd wie auch durch die Franzosen zu beenden. Dies wäre die Voraussetzung, um nach dem Auslaufen des Waffenstillstands oder im Falle seines Bruches durch die Gegenseite die Unterstützung der Niederlande zur Rückgewinnung der Verluste und vielleicht sogar zu weiteren Eroberungen zu erhalten. Er ist deshalb außerstande, persönlich auf dem Landtag zu erscheinen, und bittet, seine Gesandten wie ihn selbst aufzunehmen.

    [3.] Er hat außerdem nicht nur im Interesse des Reiches, sondern auch der Erblande auf Allerheiligen [1.11.] einen Reichstag nach Worms ausgeschrieben und ist zuversichtlich, dass die Reichsstände vollzählig daran teilnehmen werden. Die Situation der Häuser Österreich und Burgund ist derzeit so, dass sie auf sich gestellt wenig vermögen. Zugleich erwartet er auch vom Reich wenig, wenn es diese nicht ernsthafter unterstützen will als bisher. Seine ganze Hoffnung ruht auf seinen Erblanden. Dann wo sy u[ns] absteen, also das sy sich nicht mit tapferkait und ernst umb die sachn annemen, wurden die stend des Reichs darab geursacht, auch dest leichtfertiger und slechter darzuzutun, und herwiderumben, wo sy unsere landschaftn ernstlich und getreu und vleis ansehen und merkn, werdn sy auch zu dester trostlicher, grosser hilf bewegt. Außerdem gilt es zu bedenken, dass er selbst und seine Häuser Österreich und Burgund unablässig von verschiedenen Nationen bedrängt werden und dass er und seine Erblande alleine die Grenzen nicht gegen alle Erbfeinde des Hl. Reiches und der deutschen Nation – Franzosen, Venezianer, Eidgenossen und auch die Ungläubigen – verteidigen können. Er nimmt zum Schutz der Christenheit für das Reich und die deutsche Nation große Belastungen auf sich, doch werden er und seine Erblande diesen vier Feinden auf Dauer nicht standhalten können. Wenn nicht mehr Hilfe geleistet wird, könnte er sich gezwungen sehen, auf andere Weise Frieden zu erreichen und zugleich seinen Besitzstand zu bewahren. Es scheint ihm, als würden sich die Reichsstände um diese ŠNotlage, als wären nicht sie selbst, sondern nur wir als ihre Nachbarn betroffen, nicht bekümmern.

    [4.] Angesichts der Haltung des Reiches auf der einen und der Erblande auf der anderen Seite während des von Frankreich, Venedig und ihren Verbündeten geführten Krieges gegen ihn und seine Länder ist es im Interesse von Ks. und Reich, der Häuser Österreich und Burgund wie auch der Erblande, über die notwendigen Maßnahmen für das Bevorstehende zu beraten. Erforderlich ist eine Übereinkunft zwischen ihnen hinsichtlich der gegenseitigen Hilfe 1. für die Zeit nach Auslaufen des Waffenstillstandes bzw. für den Fall seines Bruches durch Venedig, 2. für die Rückeroberung der im vergangenen Krieg erlittenen Verluste, sobald einer dieser Fälle eintritt, und 3. für alle anderen Notsituationen des Kaisers und der Erblande, um im Falle eines Angriffs auf die Erblande nicht jeweils zuerst ihn einschalten zu müssen, sondern sich unmittelbar gegenseitig Hilfe leisten zu können.

    [5.] Er hält es deshalb für erforderlich, dass die österreichischen und burgundischen Stände Gesandte zu den auf dem Reichstag versammelten Ständen schicken, um durch dieselbn erzelen zu lassen aller unsere erblichn land notdurft, oblign und beswerd, darvon sy allzeit als die, so die grenzen und confyn innehaltn, gegn des Reichs und teutscher nacion veinten und durchachtern stehen, und sonderlich den costen und verlust, so sy in dem vergangn venedischn krieg3 von des Reichs wegen, irthalben unverschult, getragn habn, desgleichn sy hinfur allzeit vor andern in sorgen und geferlikait stehen mussen, darvon sy doch von meniglich verlassn, gar wenig oder kain hilf noch trost bisher empfunden habn, dergleich auch kunftiglich nicht wissn, darumbn inen an irn leibn und gutern swer. Und wo sy dieselben gleich nach allem vermugen, als sy zu tun begirig weren, darstreckn, doch sorglich sey, ob sy solhe purd, last und beswerung ferrer an treffnlich hilf des Heilign Reichs und teutscher nacion ertragn mugen. Und demnach die stend des Reichs aufs hochst zu ermanen, unsern heusern Ostereich und Burgundi mit grunt zu versteen zu gebn, ob das Reich und teutsche nacion dieselbn unser heuser und unser erbliche land und leut, darzu gehorig, als die, so die confyn und grenzn gegen alln veinten innehaben, lenger bey inen behaltn, hanthaben und mit was treffenlicher hilf und trost sy inen in irn notn und oblig[en] erscheinen und erschiessen, oder ob sich das Reich und teutsche nacion derselben unser erbland ent[schlagen], verzeihen und die verlassen welle etc., mit mer [schick]licher und gegrunter mainung und werbung, w[ie die zu] begreifn sein mag.

    aDafür ist ein vorbereitender allgemeiner Landtag erforderlich. Die Ausschüsse der einzelnen Länder sollen von dort die Gesandten mit ihrer InstrukŠtion zum Reichstag abfertigen. Dieser Landtag soll in Bruck an der Mur stattfinden–a,b.

    [6.] Die ksl. Gesandten sollen die Landstände auffordern, über eine gemeinsame Defensionsordnung der nieder- und oberösterreichischen Länder sowie Burgunds, dessen Gesandte ebenfalls in Worms anwesend sein werden, zu beraten, außerdem über Maßnahmen für die Rückeroberung der im Krieg an Venedig verlorenen Gebiete nach dem Auslaufen des Waffenstillstands bzw. im Fall seines Bruches durch die Feinde; und darzu die stend des Reichs auf dem Reichs tag obberurter mainung anzusuchen und zu vernemen. Ihre diesbezüglichen Beschlüsse sollen sie unverzüglich dem Hauptmann der niederösterreichischen Regierung, Wolfgang von Polheim, übermitteln, der sie an ihn weiterleiten wird. Die Stände sollen jeweils bevollmächtigte Ausschüsse von zwei Personen mit ihren Beschlüssen bezüglich dieser drei und der folgenden Artikel zum Landtag nach Bruck entsenden, um dort gemeinsame Beschlüsse zu fassen und auf dieser Grundlage ihre Gesandten nach Worms abzuordnen. Dabei sollen sie Sorge dafür tragen, dass diese bereits einige Tage vor Eröffnung des Reichstages dort eintreffen.

    [a) Defensionsordnung der niederösterreichischen Erblande; b) Fragen der ksl. Regierung und Verwaltung; Zusage, ohne Informierung und Beratung der Landstände keinen sie betreffenden Krieg zu eröffnen; c) Forderung nach Auszahlung der bereits bewilligten Landeshilfe, verbunden mit der Zusage einer ksl. Truppenhilfe für die Erbländer im Notfall; d) Beschwerden und Anliegen der Länder und einzelner Personen]. Wegen des letzten Artikels soll jedoch nicht mit der Entsendung der Ausschüsse nach Bruck gewartet werden, sondern von dort eilends die Gesandtschaft mit Instruktion und Vollmacht zum Reichstag nach Worms abgeordnet werden. […].4

    «Nr. 47 Ks. Maximilian an den Reichsstatthalter Kf. Friedrich III. von Sachsen – Tervuren, 5. September 1508 »

    [1.] Einladung zur persönlichen Teilnahme am Wormser Reichstag; [2.] Geldernkrieg; [3.] persönliche Befindlichkeit Ks. Maximilians.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 5–5’ (Or.Fewr, Verm. prps., Gegenz. J. Renner).

    [1.] Teilt mit, dass er in den Niederlanden gut empfangen wurde. Er geht davon aus, einen Waffenstillstand oder Friedensvertrag mit dem Kg. von Frankreich zu erreichen und einen Krieg zu vermeiden. Er wird hier in den Erblanden die Regierungsangelegenheiten regeln und will dann persönlich zum ausgeschriebenen ŠReichstag kommen. Fordert ihn auf, sich ebenfalls persönlich dort einzufinden und sein Bestes zu den Verhandlungen über die bewussten Materien beizutragen. Er wird ihm auf dem Reichstag auch in seinen eigenen Anliegen einen Bescheid geben, der ihn zweifellos zufriedenstellen wird.1

    [2.] [PS] Er führt weiterhin Krieg im Hm. Geldern. Doch schickt der frz. Kg. dem Hg.[Karl von Egmond] viel Geld. Dieser kann damit so viele Truppen unterhalten, dass wohl keine Gebietsgewinne möglich sind.

    [3.] [Eigh. PPS] Wier haben noch hie kain harnasch gefuert2, und geet uns ganz wol auf der waedenschaft [= Waidwerk] und gar ubl auf der puelschaft3. Per manum propriam.

    «Nr. 48 Der ksl. Kanzler Zyprian von Serntein an Gf. Wolfgang von Fürstenberg – [Antwerpen], 15. Dezember 1508 »

    Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 471, S. 417f.

    [Aufforderung zur Teilnahme an dem für den 8. Januar nach Bozen einberufenen Tiroler Landtag]. Nach seinem Dafürhalten wird der Landtag nicht lange dauern und er bald wieder heimkommen. Da der Ks. noch eine Zeit lang in den Niederlanden (hernyden)bleibt, wird sich die Reise nach Worms verzögern, sodass er, Fürstenberg, rechtzeitig auf dem Reichstag eintreffen wird. Denn der Ks. wird – nach erfolgtem Abschluss des Friedens von Cambrai (Cameregg)– zuerst die niederländischen Stände einberufen, das Regiment neu ordnen1und die Finanzkammer einrichten, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Über den Frieden weiß der Ks. noch nichts, da Ehgin. Margarethe und die sie begleitenden Räte noch nicht Šzurückgekehrt sind. Er selbst geht davon aus, dass der Ks. seine Tochter in Mecheln erwarten wird. […].

    «Nr. 49 Erasmus Topler an die Nürnberger Hh.Älteren – Antwerpen, 16. Dezember 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, D-Laden Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 25, unfol. (eigh. Or. m. S.).

    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 25, S. 159f.

    […]. Er behält ihren Boten Peter Leupold noch eine Zeitlang bei sich, da der Ks. ein neues Ausschreiben zur Verschiebung des Wormser Reichstages bis vierzehn Tage nach Ostern hat aufsetzen lassen1. Es ist jedoch noch nicht ausgegangen, weil der Ks. am 13. Dezember eine Nachricht seiner Tochter Margarethe aus Cambrai (Camerach)erhalten hat: Am 10. Dezember sei ein Frieden mit dem frz. Kg. geschlossen worden, der ganz im Einklang mit den ksl. Wünschen stehe. Sie wolle dem Ks. die außerordentlich guten Neuigkeiten persönlich überbringen und reise zu diesem Zweck am 12. Dezember nach Brüssel ab. – Er, Topler, geht davon aus, dass der Ks. die hl. Zeit dort verbringen wird. Falls die Nachrichten so gut sind, wie behauptet, wird der Reichstag wohl früher stattfinden. Er wird sie darüber informieren. Denn der Ks. wird dort mit seiner Tochter alle notwendigen Entscheidungen treffen. Über die einzelnen Bestimmungen des Friedens weiß er noch nichts. Es heißt aber, dass der Ks. von Frankreich und England große Geldsummen erhalten wird.2 […].

    «Nr. 50 Ausschreiben Ks. Maximilian an die Reichsstände – Mecheln, 26. Dezember 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Friedens mit Frankreich.

    I. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 20–20’ (Adressat: Kf. Friedrich von Sachsen) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 7–7’ (Adressat: Hg. Georg von Sachsen) Š= B. Köln, HAStd, K+R 36/2, fol. 10–10’ (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln) = C. Frankfurt, ISG, RTA 25, fol. 6–6’ (präs. Frankfurt, 13.1.1509). München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/10, unfol. (beschädigt, z.T. stark verblasst; Adressat: Bf. Philipp von Freising). München, HStA, KÄA 3136, fol. 361–361’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Bayern).

    II. (Or. Druck mit handschriftlich inserierter Anrede, Vermm. prps. (Stempel) und amdip., Gegenz. Serntein): München, HStA, KÄA 3137, fol. 158–158’ (Adressat: Hg. Wolfgang von Bayern) = D. Marburg, StA, Urk. 95, Nr. 496 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Reichskammer und Stadt Hagenau; Präsentatvermerk: Dem Stettmeister Diepold von Heilbronn am 22.1.1509 (montag nach Sebastiani)durch Jörg, Amtsknecht der Landvogtei, übergeben.) = E. Aurich, StA, Rep. 4 B I a, Nr. 5 (beschädigt; Adressat: Gff. von Ostfriesland). Bückeburg, StA, L 1 (Schaumburger Samtarchiv), Nr. 24 (stark beschädigt; Adressat: Gff. zu Schaumburg-Gemen). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 14–14’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 99–99’ (Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg). Sigmaringen, StA, Dep. 30/12 T 3, Nr. 4 (Adressat: Abt [Simon] von Marchtal). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 157/13, fol. 213–213’ (beschädigt; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Speyer). Stuttgart, HStA, A 486, Bü. 1457 (Adressat: Abt N. [= Konrad Ehrmann] von Rot (Munichrode)). Wertheim, StA, G-Rep. 47, Nr. 11, unfol. (Adressat: Gff. Michael und Asmus von Wertheim; Präsentatvermerk: Conversionis Pauli [25.1.1509]).

    III. (Kop.): Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt Ks. Maximilian I., Fasz. 1, fol. 156–157 (imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Worms; inhaltlich mit C übereinstimmend).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 949, S. 748–750.

    Kurzregest: Diederichs, Kaiser, Nr. 59, S. 112; Rauch, Urkundenbuch III, Nr. 2180, S. 253.

    Zwar wurden zwischen ihm, dem Ks., und Kg. Ludwig von Frankreich über längere Zeit Verhandlungen in Angelegenheiten des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund geführt, doch entstanden dabei immer wieder Streitigkeiten, sodass er vor Kurzem noch nicht an einen Frieden geglaubt hat. Deshalb wollte er auf dem nach Worms ausgeschriebenen Reichstag erscheinen. Seine Tochter Ehgin. Margarethe und Gesandte der Kgg. von England1und Aragon2haben die Verhandlungen indessen weiter betrieben und Šdrängten ihn in Erwartung eines Friedensschlusses, in den Niederlanden zu bleiben. Es wurde ein Treffen in der Reichsstadt Cambrai (Camerigk)anberaumt. Deshalb hat er sich so lange in den Niederlanden aufgehalten. Er hat es auch unterlassen, seine Räte zum Reichstag zu schicken, da er sie in diesen wichtigen Angelegenheiten nicht entbehren konnte und außerdem nicht wusste, ob der frz. Kg. an dieser Zusammenkunft teilnehmen würde. Auf diesem Tag haben nun seine Tochter, die Gesandten der Kgg. von England und Aragon sowie der Kardinal von Rouen [George d’Amboise] als Bevollmächtigter des frz. Kg. einen Friedensvertrag zwischen dem frz. Kg. und ihm, dem Ks., geschlossen, in der Hoffnung, dass dieser zur Ehre und zum Nutzen des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der ganzen Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund gereichen wird. Er wird darüber mündlich Bericht erstatten und ist zuversichtlich, die Zustimmung des Empfängers zu erhalten. aFür den Vollzug des Friedens ist noch kurze Zeit seine Anwesenheit hier erforderlich.3Er wird sich jedoch beeilen und den Reichstag sicherlich abhalten. Er wird am 21. Februar, dem sant Peters tag Kathedra[= 22.2.!], in Worms eintreffen. Befiehlt dem Empfänger, sich zum genannten Termin mit kleinem Gefolge dort einzufinden–a, um an den Verhandlungen über die Angelegenheiten des Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit teilzunehmen. Er soll keinesfalls ausbleiben und auch nicht auf andere Stände warten.4

    «Nr. Š51 Bf. Matthäus Lang von Gurk und Zyprian von Serntein an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Mecheln, 28. Dezember 1508 »

    Ankündigung des ksl. Gesandten Erasmus Topler.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 22–22’ (eigh. Unterz. Langs und Sernteins).

    Der Ks. hat den Propst zu St. Sebald/Nürnberg, Dr. Erasmus Topler, beauftragt, mit ihm über verschiedene, darunter auch einige geheime Angelegenheiten zu sprechen.1Bitten ihn, den Gesandten anzuhören. Er möge auch bedenken, dass sie beide ihm gerne dienen wollen und es begrüßen würden, wenn zwischen dem Ks. und ihm ein vertrauensvolles Verhältnis bestünde. Wenn er auf die Vorschläge des Gesandten eingeht, wird er in ihnen beiden getreue Sachwalter seiner Angelegenheiten beim Ks. finden. Sie erwarten, dass er sich von niemandem zu etwas bewegen lässt, dardurch guete werk und fürnemen nit liederlichen zerstört werden. Dann wir hoffen zu Got dem allmechtigen, das keiserlicher maiestat sachen also gestalt sein und werden, das eur furstlich gnad bey irer maiestat mit grossen eren und nutz, mer dann bisher, nicht allain als ein churfurst, sonder als irer maiestat gesippter freund in gutem ansehen sein sol. Der Propst wird dies ausführlicher darlegen.2

    «Nr. 52 Ausschreiben Ks. Maximilians – Mecheln, 5. Januar 1509 »

    Mitteilung über den Inhalt des Bündnisses gegen Venedig.

    Lat. Druck: Lünig, Codex Italiae I, Nr. XXIX, Sp. 141–144; Lünig, Reichsarchiv VI (part. spec. cont. I), Nr. LVIII, S. 132–134.

    Papst Julius hat ihn und Kg. Ludwig von Frankreich sowie weitere christliche Fürsten aufgefordert, ihm für die Verteidigung der Christenheit gegen die Türken und die Bewahrung der Rechte und Besitzungen des Hl. Stuhls mit ihrer gesamten Macht beizustehen, um die seit vielen Jahren von Venedig unrechtmäßig besetzten Gebiete des Patrimoniums Petri zurückzugewinnen. Aus Gehorsam gegenüber dem Hl. Stuhl, als Protektor der Kirche und in Erwägung der schweren Vergehen nicht nur am Hl. Stuhl, sondern auch am Hl. Reich, dem Haus Österreich, den Hgg. von Mailand, den Kgg. von Neapel und vielen anderen gewaltsam um ihre Besitzungen gebrachten Fürsten hält er es für erforderlich, der Aggression Venedigs entgegenzutreten und die usurpierten Besitzungen an die Eigentümer zurückzugeben. Deshalb hat er vor kurzem seine Tochter Ehgin. Margarethe nach Cambrai (Cameracensem)entsandt, die als seine bevollmächtigte Vertreterin nach erfolgtem ŠAbschluss eines allgemeinen Friedensvertrags mit dem frz. Kg.1außerdem mit dem frz. Gesandten George d’Amboise, Kardinal von Rouen, und dem aragonesischen Emissär Jaime d’Albión einen Bündnisvertrag folgenden Inhalts gegen die Ungläubigen und gegen Venedig ausgehandelt und geschlossen hat: Vertragspartner sind der Ks., der frz. Kg., der Papst und der Kg. von Aragon. Binnen vier Monaten können diese weitere Teilnehmer am Bündnis benennen. Venedig hält unrechtmäßig Gebiete des Hl. Stuhls, des Hl. Röm. Reiches, des Hauses Österreich, des frz. Kg. im Hm. Mailand und des Kg. von Aragon im Kgr. Neapel besetzt. Es ist deshalb von diesem Vertrag ausgeschlossen, der die Restitution aller Verluste vorsieht. Zu diesem Zweck wurde vereinbart, dass der Papst sowie die Kgg. von Frankreich und Aragon zum 1. April mit den dafür erforderlichen Kräften das venezianische Territorium angreifen werden. Der Feldzug wird erst beendet, wenn der Hl. Stuhl Ravenna, Cervia, Faenza und Rimini sowie Imola und Cesena mit allen übrigen von den Venezianern unrechtmäßig besetzten Gebieten der Kirche zurückerhalten hat. Der röm. Ks. wird Rovereto, Verona, Padua, Vicenza, Treviso und Friaul (Forum Iulium), das Patriarchat von Aquileia sowie alle übrigen von Venedig im letzten Krieg eroberten österreichischen Gebiete, der frz. Kg. Brescia (Brixiam), Bergamo, Crema, Cremona, Gera d’Adda mit allen Zugehörungen, insgesamt alle früher zum Hm. Mailand gehörigen Besitzungen zurückerhalten. Dem Kg. von Aragon stehen alle von Venedig besetzt gehaltenen Teile des Kgr. Neapel zu, namentlich Trani, Brindisi, Otranto und Gallipoli. Den Hgg. von Savoyen und Ferrara sowie dem Mgf. von Mantua steht es frei, sich dem Bündnis anzuschließen, um ebenfalls ihre Verluste von den Venezianern zurückzugewinnen. Ebenso steht dem Kg. von England der Beitritt zu dieser Liga offen.2

    «Nr. Š53 Aufzeichnung über die Antwort Ks. Maximilians an den hessischen Gesandten Balthasar von Schrautenbach (Rentmeister zu Gießen) – [act. Mecheln, zwischen dem 18. und 20. Januar 15091»

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 31–32’, hier 32–32’ (Kop.).

    [Streit zwischen Kurmainz und Hessen; Nr. 92; Konflikt zwischen Königstein und Eppstein; Nr. 166]. Der Ks. steht wegen der Landvogteien Hagenau und Ortenau in Verhandlungen mit Kf. Ludwig von der Pfalz und Pfgf. Friedrich. Er kann dem Lgf.[Wilhelm] diesbezüglich noch keine Antwort geben.

    Er bedankt sich beim Lgf. für den gegebenen ratschlag.2Er ist bereits im Begriff, ihn umzusetzen. Wenn er, der Ks., jetzt nach Worms kommt, wird er weiter mit ihm darüber beraten und ihm auch persönlich dafür danken.

    Der Ks. bittet den Lgf., sich persönlich zu ihm auf den Wormser Reichstag zu verfügen. Er versichert ihn seiner Freundschaft und Gnade.

    «Nr. 54 Ettore Gonzaga an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Augsburg, 16. Februar 1509 »

    Initiative zu einem ksl. Bündnis mit Venedig.

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 9–13’ (unzuverlässige dt.Übersetzung).

    [1.] Er kann ihn, anders als vom Bf. von Mantua befohlen, wegen einer Erkrankung und der schlechten Sicherheitslage nicht persönlich aufsuchen, sondern übermittelt ihm seine Aufträge schriftlich unter Übersendung des ihm mitgegebenen Kredenzbriefes, worin sich der Bf. samt den Söhnen seines Bruders [Gianfrancesco], Ludovico, Federico und Pirro (Prerus), freundlich gegen ihn erbietet1: Betont deren enge verwandtschaftliche Beziehungen, auch über die verstorbene Mgfin. Barbara2, Šmit dem Mgf. vor allen anderen italienischen Ff. und dessen daraus resultierende Verpflichtung zu deren Schutz – insbesondere angesichts der Gefährdung ihres Standes und ihrer Hftt. durch den frz. Kg. und den Mgf.[Francesco] von Mantua, deren Feindschaft sich seine Hh. auch wegen der Aufnahme von 1000 ksl. Knechten im vergangenen Jahr zugezogen haben. Eine Möglichkeit hierzu wäre, den Ks. von einem Zusammengehen mit Venedig zu überzeugen, das ihm mehr Vorteile und Ehre einbringen würde als sein derzeitiges Bündnis mit Frankreich. Darüber wird Ludovico, den der Ks. auf den Tag nach Worms beschieden hat, ausführlich mit diesem sprechen. Bittet ihn, seinen Sohn Mgf. Kasimir zu veranlassen, bei dessen Vortrag anwesend zu sein und sich für ihn zu verwenden, falls er, Mgf. Friedrich, nicht selbst zu dem angesetzten Tag kommen kann. Sollte Mgf. Kasimir sich derzeit nicht beim Ks. aufhalten, bittet er ihn, stattdessen einen seiner geheimen Räte zu entsenden, der helfen soll, die Sache zu einem guten Ende zu bringen. Auch bitten seine Hh., den Kf.[Joachim] von Brandenburg (marggrafen von der Marck)schriftlich zu kontaktieren und ihn dafür zu gewinnen, sich ebenfalls für das Bündnis nicht nur mit Venedig, sondern auch mit dessen Verbündeten und weiteren Freunden des Ks. einzusetzen. Im gleichen Sinne möge er sich auch an andere geeignete Persönlichkeiten wenden. Der Bf. bürgt dafür, dass Venedig ihn, Mgf. Friedrich, und die übrigen Fürsprecher nicht unbelohnt lassen wird; er hat von den Venezianern entsprechende Vollmacht. Falls er Kontaktpersonen am Kaiserhof kennt, die sich für ein solches Bündnis verwenden würden, bittet er, ihm diese zu benennen.

    [2.] Dies auszurichten ist sein Auftrag, wofür er als Beleg den bfl. Kredenzbrief beilegt. Es geht bei dieser Sache um die Interessen von Ks. und Reich. Die folgenden Darlegungen dazu bittet er vertraulich zu behandeln. Was den oben angesprochenen Nutzen für den Ks. und seine Ehre angeht: Der Ks. würde bei seinem Italienzug mehr Ehre einlegen, wenn er als Beschützer käme und nicht als Verbündeter des frz. Kg. Wenn die Lombardei und die venezianischen Hftt. so aufgeteilt würden, wie dies der Vertrag [von Cambrai] besagt, so hätte Frankreich mit Mailand, Cremona, der Gera d’Adda (Caram Ade [!]), Genua und allen mailändischen Hftt. den größeren Anteil an Italien; der Ks. dagegen hätte nur drei oder vier unbedeutende Länder gewonnen.3Der Ks. wäre an der Seite des frz. Kg. nur ein weiterer Verbündeter neben Florenz, dem Papst, Pisa, Mgf.[Francesco] von Mantua und Hg.[Alfonso] von Ferrara. Diese haben bereits die vom frz. Kg. dem Ks. versprochenen italienischen Gelder für sich selbst eingezogen. Sobald die französische Position in Italien ausreichend gefestigt ist, könnte der frz. Kg. sich zum Ks. erheben. Für diese Absicht spricht auch, dass er, wie es heißt, hartnäckig bestrebt ist, dem Kardinal von Rouen (Roan)die Papstwürde zu verschaffen. Die derzeitige Konstellation dient also ausschließlich dem frz. Kg. Im Bündnis mit Venedig hingegen könnte der Ks. als ŠBeschützer nach Italien kommen und würde dabei, wovon er fest überzeugt ist, von Venedig mit Geld und Truppen unterstützt. Er könnte Friaul und andere verlorene Gebiete ohne Blutvergießen zurückerhalten. Vielleicht würde Venedig sogar beim Rückgewinn Mailands helfen. Ludovico [Gonzaga] wird dies dem Ks. ausführlich darlegen. Im Bündnis mit Venedig wäre für den Ks. somit mehr Nutzen und Ehre zu erwarten als an der Seite Frankreichs.

    [3.] Wenn er, der Mgf., dagegen das dem Ks. von Venedig zugefügte Unrecht anführen möchte, so verweist er, Gonzaga, auf dessen Rechtfertigung: Zum einen war Venedig dazu aus Bündnistreue zum frz. Kg. genötigt, zum anderen wurde es im Cadoretal (Chadober)zuerst angegriffen. Selbst wenn Venedig ein Unrecht begangen hätte, so wäre doch zu fragen, ob der frz. Kg. sich gegenüber dem Ks. nicht viel mehr Schuld aufgeladen hat und wer wohl mehr Vertrauen verdient. Darumb, dieweil die Venediger sich selbst erbieten und weyß, scheinbar bapir herraichen, so ist zu erachten, dass dies dem Ks., den Reichsstädten (frey lendern)4und allen deutschen Ff. zum Vorteil und zur Ehre gereichen wird. Weitere Argumente möchte er dem mgfl. Gesandten, der einer seiner geheimen Räte und des Lateinischen mächtig sein sollte, auseinandersetzen. Dieser soll ihm seinerseits die mgfl. Position eröffnen, die er dann dem Bf. mitteilen will. Dessen Wunsch ist es, dass er, Mgf. Friedrich, sich in seinem Sinne einsetzt. Wie bereits gesagt, wird sich Ludovico [Gonzaga] auf dem Wormser Tag weiter dazu äußern.

    «Nr. 55 Heinrich von Schleinitz an Hg. Georg von Sachsen – Brüssel, 17. Februar 1509 »

    Bevorstehender Krieg gegen Venedig.

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8498/1, fol. 323–324’, hier 323’–324 (Or., sonnabends vor faßnacht).

    [Angelegenheiten Hg. Georgs; Nr. 152]. Vermutlich hat ihn bereits Wolf von Schleinitz darüber informiert, dass der Ks. mit dem Papst und Frankreich ein gegen Venedig gerichtetes Kriegsbündnis geschlossen hat. Demnach sollen diese den Krieg 50 Tage vor dem Ks. eröffnen.1Es heißt, dass der frz. Kg. große Truppenkontingente nach Italien schickt, um seinen Teil der Vereinbarungen zu erfüllen. Angeblich hat Venedig bereits die Abtretung aller ehemals zum Hm. Mailand gehörigen Gebiete sowie eine jährliche Tributzahlung von 100 000 Dukaten auf Lebenszeit Šangeboten. Der Kg. soll dieses Angebot ausgeschlagen haben. Ich versehe mich, nicht in arger meynung, findt, er werd seiner zusag mit anfang des kriges genug getun. So wird es uf unser seyte nach alder gewonheit geschen: Was heut irgehen soll, irvolget uber ein jar nicht. Damit wird der Francoß dem kaiser nichthaltung uflegen, auß dem contract treten, mit den Venedigern seinem bestin nach eynung annemen, den kopf außzihen, die schling dem kaiser an halß werfen. Got gebe, das es besser gerate. Dan das der keiser seiner zusag genug tue, des stugks ist nach gar kein schigklichkeit verhanden. [Verhandlungen mit England].

    «Nr. 56 Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach an Ettore Gonzaga – s.l., 20. Februar 1509 »

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 14 (Konz.; dinstag nach esto michi).

    Bestätigt den Eingang seines Schreibens [Nr. 54] und sagt zu, den Ks. zu informieren.1Wenn er, Gonzaga, selbst beim Ks. vorstellig wird, wird er auf dem Wormser Reichstag neben anderen Kff. und Ff. pflichtgemäß zur bestmöglichen Lösung beitragen. Er kann ihn derzeit nicht zu sich einladen, obwohl er es gerne tun würde. Auf Bitten Kg. Wladislaws von Ungarn und Böhmen steht er im Begriff, gemeinsam mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] zur böhmischen Königskrönung Prinz Ludwigs aufzubrechen. Wenn er aber damit einverstanden ist, nach seiner Rückkehr gemeinsam nach Worms zu reisen, will er ihn zum Reichstag mitnehmen und sein Anliegen nach Kräften unterstützen.

    «Nr. 57 Dr. Erasmus Topler an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Nürnberg, 9. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 6–6’, 7’ (eigh. Or. mit ex.-Verm.).

    Er hat seine vom 16. Februar datierende Antwort auf seinen von Schmalkalden aus abgeschickten Bericht1an Bf.[Matthäus Lang] von Gurk und ihn am Vortag [8.3.] erhalten. Er hat daraus vernommen, dass seine Verhandlungen mit den Ff.2die Zustimmung des Ks. finden – zweifellos nicht zuletzt aufgrund ihrer Unterstützung, wofür er sich bedankt. Es wäre gut, wenn der Ks., wie von ihm, Serntein, angekündigt, an Mittfasten [18.3.] nach Worms käme. Denn hier geht das Gerücht, dass der frz. Kg. mit einem gewaltigen Heer nach Mailand zieht. Erinnert daran, dass er ihn durch einen Nürnberger Boten über ein Schreiben Venedigs an die ŠStadt Nürnberg3unterrichtet hat. Er hofft, seine Meinung dazu zu erfahren, wenn der Ks. nach Worms kommt. Sowie er erfährt, dass der Ks. auf dem Weg dorthin ist, wird er ebenfalls aufbrechen. Ohne entsprechenden ksl. Befehl wäre es nutzlos, schon jetzt dorthin zu reisen. Bittet ihn, wegen der Lehen Wilhelms Hallers bis zu ihrer persönlichen Zusammenkunft nichts zu unternehmen. Der Kg. von Ungarn ist mit seinem Sohn [Ludwig] ganz zierlichin Prag (Brage)eingezogen. Er will ihn dort zum böhmischen Kg. krönen lassen. Mgf. Friedrich [von Brandenburg] ist mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] und ihren Kindern bereits auf dem Weg dorthin.

    «Nr. 58 Nachschrift zu einem Bericht Eitelwolfs vom Stein an Kf. Joachim I. von Brandenburg – [wohl erste Aprilhälfte 1509] »

    Vorbereitungen Ks. Maximilians für den Krieg gegen Venedig, Skepsis Steins hinsichtlich der Folgen.

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11246, unfol. (eigh. Or. m. S.; Postverm.: In seiner ftl. Gn. selbs hand.).

    Gnedigster herr, als ich e. ftl. Gn. brief geslossen hab, ist ksl. Mt. reten einer auß der Steyrmark komen. Der hat den [Gf. Hoyer] von Mansfelt und mich bericht, wie ir Mt. ostereichisch erbland sich einhelliglich entslossen und bewillig[t], von hundert gulden durchauß ein zu roß und II zu fus zu halten1, als ir Mt. der notturftig. Et unum in secreto: Ir Mt. wipil [= wil[l]] nopen [= non] plupucepes [= plus] qua[m] sepex [= sex] mipilliprapa [= milia] hopomipiniepes [= homines] vom Reipich [= Reich] fopordepern [= fordern]. Beb[st]liche hailikait erfordert und ruft an ksl. Mt. umb hulf wider die Venedigern als ein vogt der kirchen. Der konig von Frankreich hat XXVIIIM zu roß und fuß wider die Venediger und sol uf unser seyten sein. Got geb, das wol gerat. Ich besorg, wo wir zu lang auf sein, der Franzoß werd sein ding schafen mit eroberung welscher land; und den [= wenn] der babst von uns verlassen, darauß ursach nemen, den Franzosen zu cronen. Das hab ich e. ftl. Gn., die ich bit, solichs in gehaim Šzu halten, nit wissen zu versweigen. Wo sein die churfursten? E. Gn. hats wol bedenkens zu geben, wie die merers teyl[s] geschickt. Gnst. herr, in e. ftl. Gn. sachen, sobald ichs ymmer stat haben mag, will ich nit feyern. Ich wer ye auch [gern] einmal heym und auß dem platzregen. Bevilch mich e. Gn. Datum ut in aliis. E. v. Stein, ritter.2

    «Nr. 59 Paul von Liechtenstein an Ks. Maximilian – Innsbruck, 7. April 1509 »

    Umsetzung des Vertrags von Cambrai durch den Ks., Verhandlungen mit österreichischen Landständen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 23–26’ (Or., Postverm.: Ad ma[nus proprias].).

    Druck: Chmel, Urkunden Maximilians I., Nr. CCXXXIII, S. 314–317.

    Er, der Ks., hat ihm kürzlich schriftlich seine Absichten im Zusammenhang mit Frankreich und insbesondere mit Hinblick auf den gegen Venedig gerichteten Geheimvertrag [von Cambrai] dargelegt. Der Vertrag ist für den Ks. und seine Erblande von großer Bedeutung. Für eine begründete Stellungnahme von seiner Seite hat er mit einigen Regimentsräten über diejenigen Artikel beraten, die Tirol und die übrigen Erblande betreffen: Er, der Ks., beabsichtigt, für den 15. oder 22. April (sontag quasimodogeniti/sontag misericordia Domini)einen Tiroler Landtag nach Brixen einzuberufen, um dort eine viermonatige Hilfe von 200 Reitern und 6000 Fußsoldaten zu beantragen. Dies erscheint angesichts der hohen Belastung des Landes im letzten Krieg nicht ratsam. Sollten die Landstände den Eindruck gewinnen, dass der Ks. den Krieg nur mit erbländischen Truppen und seinem eigenen Gefolge führen will, werden sie seinen Antrag zweifellos zurückweisen. Denn angesichts der unmittelbaren Nachbarschaft zu Venedig wären große Schäden zu befürchten. Falls jedoch der Wormser Reichstag ihm eine Reichshilfe bewilligt, der frz. Kg. die Venezianer angreift und auch der Kg. von Aragon und der Papst gegen sie vorgehen, wenn außerdem das vom Ks. angekündigte päpstliche Breve und der Bannbrief gegen Venedig ausgehen, werden die Landstände zweifellos zur Vergeltung für das Vorgehen der Venezianer im letzten Krieg und für die Ehre und Wohlfahrt des Ks. und der Erblande eine Hilfe bewilliŠgen.1[Überlegungen bezüglich der Finanzierung und Anwerbung eidgenössischer Söldner sowie einer Reitertruppe]. Die für den 15. April (sontag quasimodogeniti)zum vorderösterreichischen Landtag nach Ensisheim beorderten Räte konnten wegen des kurzfristigen Termins vorher nicht über Ostern zu ihm nach Worms reisen.2Übersendet seinen Entwurf für ihre Instruktion3zu Verhandlungen über eine Kriegshilfe. Sie sollte den Räten so rasch wie möglich nach Ensisheim nachgeschickt werden, damit sie ihnen spätestens in vierzehn Tagen für die Verhandlungen zur Verfügung steht.

    «Nr. 60 Ks. Maximilian an Costantino Arianiti (Auszüge) – Rüdesheim, 20. April 1509  »

    [1.] Anreise Ks. Maximilians zum Wormser Reichstag; [2.] Absicht zur Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig.

    Wien, HHStA, Maximiliana 42, Fasz. IV/4, fol. 100–103, hier 102’, 103 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    [1.] [Päpstliche Anleihe für den ksl. Italienzug]. /102’/ Nos iam huc ex partibus nostris inferioribus pervenimus, Deo dante crastina die [21.4.] Wormatiam ingrediemur et nobiscum tres principes electores ecclesiastici et quartus comes pallatinus [Kf. Ludwig] cum aliquibus aliis principibus. Comperiemus etiam ibidem complures alios principes et status Imperii, ubi ad summum morabimur non nisi ad paucissimos dies. Et dato principio et forma rerum ibidem in dieta gerendarum, mox Tirolim petemus freti spe tue bone pollicitationis, quas nobis per litteras tuas fecisti, et aproximabimus nos finibus Italie. [...].

    [2.] /103/ Wormatiam cras [21.4.] ingrediemur nec nisi ad triduum morabimur ibidem, quia solum proponemus principibus detrahendo auxilio ab ipsis. Nec expectabimus aliam eorum resolutionem, sed progrediemur, quia non dubitamus ipsos nobis satisfacturos. [...].

    «Nr. Š61 Instruktion Ks. Maximilians für Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Dr. Erasmus Topler als Gesandte zu Kf. Friedrich III. von Sachsen – Ulm, 4. Mai 1509 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu den Beratungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 49–50’ (Or. m. Siegelspuren, Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44/6, fol. 40–40’, 42–42’, 41–41’ (Konz.) = B.

    [1.] Die Gesandten1sollen dem Kf. nach der Entbietung von Grüßen Folgendes anzeigen: Der Kf. ist gut informiert über die Gründe für die Einberufung des Reichstages und den in Cambrai (Camerick)geschlossenen Vertrag mit dem Kg. von Frankreich. Der Propst zu St. Sebald [Erasmus Topler] hatte ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Er, der Ks., ist daraufhin von den Niederlanden aus nach Worms gezogen und hat den dort versammelten Reichsständen sein Anliegen eröffnet, wie er dies der beiliegenden Abschrift [Nr. 264] entnehmen kann. Diese haben darauf jedoch nicht geantwortet, sondern erklärt, erst die Ankunft Kf. Friedrichs und anderer Ff. abwarten zu wollen [Nr. 260, Pkt. 4]. Er konnte indessen nicht länger in Worms bleiben, asondern ist in die Gft. Tirol abgereist, da er zum einen seinen Verbündeten, dem Papst sowie den Kgg. von Frankreich und Aragon, versprochen hat, sich persönlich an die Grenze Venedigs zu begeben–a. Zum anderen erhielt er glaubwürdige Nachrichten über starke Rüstungen der Venezianer und ihre Absicht, noch vor Eröffnung seines Angriffs die Erblande zu überfallen.2Deren Šmilitärische Vorbereitungen sind hingegen noch nicht abgeschlossen. bEr wird dann in Erfüllung seiner Bündnispflichten weiter nach Italien ziehen und so zugleich den venezianischen Präventivangriff unterbinden–b. Er, der Kf., sollte dies erfahren, damit er über die Gründe für seine eilige Abreise aus Worms informiert ist.

    [2.] Die Verhandlungen in Worms werden vor seiner Ankunft nicht beginnen. Ihm, dem Ks., dem Reich und der deutschen Nation ist jedoch viel daran gelegen. Er bittet ihn deshalb, unverzüglich nach Worms aufzubrechen und dort dazu beizutragen, dass ihm gemäß seinem Antrag eine beträchtliche Eilende Hilfe bewilligt und nachgeschickt wird.

    [3.] Er, der Ks., hätte sich gerne mit ihm als unserm nechsten gesippten frundpersönlich über die ihm obliegenden Angelegenheiten beraten und über seinen Wunsch gesprochen, ihn während des bevorstehenden Feldzuges bei sich zu haben und ihn zum obersten Feldhauptmann von Ks. und Reich zu ernennen. Bittet ihn, dieses Amt zu übernehmenc, nachdem solich unser furnemen loblich und dunser und seiner lieb gluck und wolfart daraus erwachsen mocht–d. Falls er dieses Amt wider Erwarten nicht annehmen sollte, soll er weiterhin ksl. und Reichsstatthalter bleiben. Er hat seinen Namen in dem Vortrag an die Reichsstände [Nr. 264bzw. 266, Pkt. 5, mit App. n-n] nicht erwähnt. So haben wir doch inen die ere geben, uns hierinne zu raten. Dann wir wissen, das sy auf kein ander raten noch fallen werden dann allein auf sein lieb.

    [4.] Die Erblande sind für den bevorstehenden Feldzug noch nicht ausreichend mit Reitern gerüstet. Bittet ihn deshalb erneut, ihm egegen einen vom Innsbrucker Regiment ausgestellten Bestallungsbrief–e für den Grenzschutz 50fReisige zur Verfügung zu stelleng.

    ŠDie Gesandten sollen mit allem Nachdruck verhandeln und ihm über die Antwort Kf. Friedrichs berichten.

    «Nr. 62 Antwort Kf. Friedrichs III. von Sachsen an die ksl. Gesandten – [act. Marburg, wahrscheinlich 16. Mai 1509]1 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu Verhandlungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 53–55’ (undat. Konz.) = Textvorlage A.

    [1.] Die Erklärung für die rasche Abreise des Ks. aus Worms war unnötig, denn er weiß um die Wichtigkeit seiner Angelegenheiten und dass es ihm nicht immer möglich ist, lange an einem Ort zu bleiben.

    [2.] Was den ksl. Eröffnungsvortrag auf dem Reichstag [Nr. 264] – dessen Abschrift sie, anders als vorgesehen, nicht mitgebracht haben – und die Antwort der Reichsstände [Nr. 260, Pkt. 4], die ksl. Erklärung über seine Zusagen an seine Verbündeten und die Notwendigkeit seines Aufenthalts in Tirol, verbunden mit der Aufforderung an ihn zum unverzüglichen Erscheinen auf dem Reichstag, angeht: Die Verzögerung der Verhandlungen bis zu seinem Eintreffen war unnötig, da er Gf. Philipp [von Solms] mit Vollmacht nach Worms abgeordnet hatte. Seine weitere Verspätung erklärt sich durch die Ankündigung des Ks., vor seiner Ankunft in Worms eine Gesandtschaft zu ihm abzuordnen [Nr. 243]. Dies hat er dem Ks. auch geschrieben [Nr. 253]. Nachdem sie ihn aber jetzt hier in Marburg angetroffen und die ksl. Anliegen vorgetragen haben, wird er rasch weiter nach Worms reisen. Er ist zwar willens, den Wunsch des Ks. nach einer beträchtlichen Eilenden Hilfe zu unterstützen, da sie aber keine Abschrift des ksl. Vortrags vorlegen konnten, hat er keine Kenntnis davon, was im Einzelnen beantragt wurde. Er will sich in dieser Sache so verhalten, dass, ob Got wil, kaiserlich Mt. des von uns kein misfallen haben sol.

    [3.] Er bedankt sich für das Angebot zur Betrauung mit der Feldhauptmannschaft. Er erachtet sich dazu jedoch als ungeeignet. Würde er das Amt annehmen, so vermochten wir doch das auß blodickait und swachait unsers leibs nit. Der Ks. wird sicherlich einen geeigneteren Kandidaten kennen. Was den ksl. Wunsch nach Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft und dessen Antrag an die Reichsstände anbelangt: Da der Ks. den Ständen gegenüber niemanden benannt hat, weiß er Šnicht, wen sie vorschlagen werden. Falls sie auf ihn verfallen sollten, wird er eine angemessene Antwort geben.2

    [4.] Hinsichtlich der Stellung von 50 Pferden fehlen ihm ebenfalls die notwendigen Informationen, da sie, die Gesandten, auch keine Abschrift vom Bestallungsbrief des Innsbrucker Regiments mitführten. Sobald ihm dieses Schriftstück vorliegt, wird er eine Erklärung abgeben, die dem Ks., ab Got wil, nit misfellig sein wird. Er ist zu allem geneigt, was dem Ks. gefällt.

    Er hätte den Ks. vor seiner Abreise gern persönlich getroffen und ihm für sein Unternehmen viel Erfolg gewünscht.

    « Š3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts  »

    «Nr. 63 Der Kammergerichtsadvokat Dr. Johann Rehlinger an den Augsburger Stadtschreiber Dr. Konrad Peutinger – Regensburg, 9. Dezember 15081 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez., unfol. (Or. m. Siegelspuren, samstag nach concepcionis Marie; Unterz.R[ehlinger]).

    […]. Kürzlich traf die ksl. Ratifikation der Beschlüsse des gemäß dem Konstanzer Reichsabschied2 durch die Gesandten der beiden Fürsten [Ebf. Jakob von Mainz und Hg. Wilhelm von Bayern] abgehaltenen Visitationstages3 ein. Wie er schon angekündigt hatte, wurde Dr. Moeller als ksl. Fiskal zugelassen.4 Der beschlossene Anschlag für das zweite Jahr wird jetzt durch Monitoriale5 ausgeschrieben. Der Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau und das Gericht werden noch bis zum 23. April (Georgi)hier bleiben. Darnach helf uns Got nur weiter. Aber mein sorg ist, Georgii werde es nit haben, das es lenger gehalten wird.[Drohende Reichsacht gegen Venedig; Nr. 66, Anm. 1].

    «Nr. 64 Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau an Ks. Maximilian – [Regensburg, wohl 3. Februar 1509] »

    Ablösung Bf. Wiguläus’ durch einen neuen Kammerrichter.

    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Stadt, unfol. (undat. Kop.).

    Nachdem seine Gesandtschaft wegen der Mängel und Anliegen des ksl. Kammergerichts bei ihm vorstellig geworden war, hat er einen ksl. Befehl erhalten, wonach er sein Amt als Kammerrichter noch bis zum 23. April (Georgii)wahrnehmen solle. Bis dahin werde er, der Ks., einen anderen Kammerrichter ernennen.1 Welichen Šbevelh (wiewol mit mins armen und betrubten stifts, auch meiner selbs person nachteil und unvermugen) e. ksl. Mt. zu undertäniger gehorsam und wilfarung ich also angenomen und mich des bemeltn camerrichterampts understanden, in willen, solichm bis auf ernante zeit Georii und nit lenger wie bisher mit möglichm vleiss vorzusein, undertäniglich bittend, e. Mt. wolle mich soliches ampts nach ernanter zeit entladen haben und damit nit besweren, dann ich des furter zu verwaltn weder an leib noch gut vermochte. Dieweil auch, allergnedigister herr, die zeit Georgii nahent und damit alsdan stilstand oder zeruttung berurts camergerichts verhuet pleibe, ist unser aller gutbedunkn und undertänig bit, das sich euer ksl. Mt., dieweil die priesterschaft und stat zu Worms, als wir aus euer ksl. Mt. schreiben vereinigt sein vernemen, ob sy ir camergericht laut des abschids zu Costenz2 daselbs oder wohin das legn, auch wen sy zu camerrichter verordnen, entliche entsynnen und uns das auch zeitlich entdeckn wolte, damit wir und all ander camergerichtspersonen und -verwanten uns darnach wisten zu richten. Dann wo vor Georgii mit dem camerrichter kain wissen eins andern camerrichters zukomen oder verkundt, wem ich e. Mt. sigel ubergeben solte, wurde ich euer maiestat dasselbes furderlich zu schicken geursacht.[Klage der Hh. von der Leiter gegen Venedig; Nr. 73].

    «Nr. 65 Notiz über die Verlegung des Reichskammergerichts nach Worms – Regensburg, 27. April 1509 »

    Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. (Kop.).

    Item auf freitag nach sant Georgen tag [27.4.] ist das camergericht aufgehept und in stilstand geschlagen und beschaiden, das solich camergericht auf montag [nach] ascensionis Domini, nemlich den XXI. tag Maii, widerumb zu Wurms gehalten werden soll. Und ist der gerichtsstab am selben obgenanten freytag von meinem gnedigen herren von Passau, keyserlichen camerrichter, graf Adam von Beichlingen uberantwort und zugestelt worden.1

    « Š4. Angelegenheiten der Reichsstände  »

    «4.1. Augsburg, Nürnberg, Grafschaft Tirol und Schwäbischer Bund: drohende Reichsacht gegen Venedig »

    «Nr. 66 Der Schwäbische Bundeshauptmann Matthäus Neithart an Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg – [Ulm], 2. Januar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Januar, unfol. (Or. m. Siegelspuren, aftermontags nach dem hailigen neuen jars tag).

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 664, S. 369.

    Bedankt sich für ihr Schreiben in der Angelegenheit zwischen den Hh. von Verona (Bern)[Johann d. Ä. und Johann d. J. von der Leiter] und dem Dogen von Venedig [Leonardo Loredan].1Er wird den Ulmer Magistrat darüber informieren. Da die Angelegenheit auch für andere Städte wichtig ist, empfiehlt er Beratungen darüber auf dem bevorstehenden Bundestag.2

    « Nr. Š67 Schwäbische Bundesversammlung an Kammerrichter und Beisitzer des Reichskammergerichts – Augsburg, 10. Januar 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 23–23’ (Kop., mitwoch nach trium regum) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Januar 1509, unfol. (Kop.) = B.

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 665, S. 369f.

    Wie ihnen mitgeteilt wurde, ließ das Reichskammergericht auf Antrag der Hh. von Verona (Bern)dem Dogen von Venedig am 8. oder 10. Oktober 1508 ein Zitationsmandat zustellen1, wonach er oder sein Rechtsvertreter innerhalb von zwei Monaten vor dem Gericht in Regensburg erscheinen und beweisen sollte, dass die mit einer Achtandrohung versehenen Exekutorialmandate und das zugunsten der Hh. von Verona ergangene Urteil umgesetzt wurden – andernfalls würde er der Acht verfallen –, oder Gründe geltend zu machen, warum er diese Erklärung nicht leisten muss.

    Zweifellos ist das Gericht ordnungsgemäß verfahren. Doch weisen sie darauf hin, dass nicht nur im Schwäbischen Bund, sondern im ganzen Reich viele Kaufleute und Händler beheimatet sind, die sich mit ihren Gütern im venezianischen Herrschaftsbereich aufhalten und so rasch nicht in das Reich zurückkehren können. In dieser Angelegenheit droht also nur dem Reich und seinen Untertanen Schaden, die Venezianer hingegen hätten davon großen Nutzen.

    Bitten deshalb, aufgrund der ausgegangenen Ladung nicht weiter vorzugehen, sondern dem Dogen vorbehaltlich des Rechtsanspruches der Hh. von Verona einen Aufschub zu gewähren. Inzwischen wird der Ks. voraussichtlich aus den Niederlanden zurückkehren und kann auf dem bevorstehenden Reichstag mit den Ständen über diese Angelegenheit beraten.2

    « Nr. Š68 Weisung der Nürnberger Hh.Älteren an Erasmus Topler – Nürnberg, 10. Januar 1509 »

    Verhandlungen mit Ks. Maximilian über die drohende Reichsacht gegen Venedig.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 47–50’, 50’–54 (mitwoch nach Erhardi).

    Teilabdruck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 666, S. 370–372.

    […]. [Wie Nr. 67 – Wie ihnen … leisten muss.]. Weiter wurde ihnen gegenüber die Vermutung geäußert, dass Venedig in Anbetracht seines bisherigen Ungehorsams voraussichtlich auch dieses Mandat ignorieren werde. Falls es sich so verhält und das Kammergericht das Verfahren nach Verstreichen der Frist, was in ungefähr dreizehn Tagen sein wird, auf Antrag der Hh. von Verona (Bern)[Johann d. Ä. und Johann d. J. von der Leiter] fortsetzt, wird es nicht lange dauern, bis allen Reichsuntertanen der Umgang mit den Venezianern untersagt wird. Dies hätte angesichts seiner intensiven Handelsbeziehungen für das ohnehin von seinen Feinden bedrohte Nürnberg mehr als für das übrige Reich erhebliche negative Konsequenzen. Es bestünde die Gefahr, dass die Kaufleute in Venedig sich selbst und ihre Waren nicht mehr rechtzeitig vor der Verkündigung der Acht in Sicherheit bringen und ihre Schuldforderungen eintreiben könnten und darüber hinaus wegen ihres Umgangs mit den Venezianern durch die Hh. von Verona und ihre Helfer geschädigt würden. Die Hh. von Verona verfolgen anscheinend ohnehin die Absicht, sich weniger an den Venezianern selbst als vor allem an deren Handelspartnern schadlos zu halten. Ihnen, den Hh.Älteren, obliegt es, die Nürnberger vor Schaden zu bewahren, doch sind sie in dieser auch viele andere Reichsstände und -städte betreffenden Angelegenheit unschlüssig. Die Ratskonsulenten empfehlen Verhandlungen mit dem Ks., die aber möglicherweise wenig bewirken werden. Dessen Einschaltung könnte als Verstoß gegen die Reichsordnung aufgefasst werden, wonach der Ks. verpflichtet ist, nicht in Verfahren des Kammergerichts einzugreifen.1Nach ihrem Dafürhalten ist der Ks. in dieser wichtigen, das ganze Reich betreffenden Angelegenheit allerdings sehr wohl berechtigt einzuschreiten. Die Sache ist eilig, wenngleich sie hoffen, dass Šder Kammerrichter den Prozess nicht sofort fortsetzen, sondern eine gewisse Zeit für die Beratungen beanspruchen wird. Inzwischen könnte beim Ks. die Sistierung des Achtverfahrens erlangt werden, um den Kaufleuten Gelegenheit zu geben, ihre Angelegenheiten in Venedig abzuschließen.

    Bitten ihn, sich zu unverzüglich zum Ks. zu verfügen, diesen über den Stand der Dinge zu informieren und ihm ausführlich die voraussichtlichen Konsequenzen für sie und andere Reichsuntertanen und insbesondere auch für die ksl. Erblande und die Gft. Tirol aufgrund der zu erwartenden Verluste bei den ksl. Maut- und Zolleinnahmen auseinanderzusetzen, verbunden mit der Bitte, Schaden zu verhüten. Falls der Ks. der Auffassung sein sollte, dass den Hh. von Verona aufgrund ihres Rechtsanspruchs und angesichts des Ungehorsams der Venezianer Gerechtigkeit widerfahren muss und das Verfahren fortgesetzt werden soll, so könnte er dennoch wenigstens ein Moratorium veranlassen oder eine Verfügung zum Schutz der Kaufleute erlassen. Der Ks. könnte zu diesem Zweck ein Mandat folgenden Inhalts an das Kammergericht ergehen lassen: [Entsprechend Nr. 75 (ohne Termine oder Erwähnung des Reichstages)].

    «Nr. 69 Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg an den Kammergerichtsadvokaten Dr. Johann Rehlinger – Augsburg, 11. Januar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Von der Leiter, unfol. (Konz. Hd. K. Peutinger, donirstag nach epiphania Domini).

    Bestätigen den Empfang seines Gutachtens [Nr. 66, Anm. 2]. Während des Bundestages hier in Augsburg wollen sie mit Gesandten anderer Bundesstädte beraten und gemeinsame Anstrengungen unternehmen, damit niemand aufgrund der Acht geschädigt wird. Zur Zeit ihres letzten Schreibens an ihn [Nr. 66, Anm. 2] haben sie auch Paul von Liechtenstein über das Verfahren gegen Venedig informiert [Nr. 75, Anm. 2], der wie das gesamte Innsbrucker Regiment ab der handlung gar kein gefallen tregt. Dessen durch Eilboten überbrachtes Schreiben an das Kammergericht [Nr. 75, Anm. 2] liegt in Abschrift bei. Sie selbst wollen sich darum bemühen, dass sich die Gesandten sämtlicher Bundesstände im gleichen Sinne an das Gericht wenden. aDie Bundesstände haben sich auf ein solches Schreiben geeinigt [Nr. 67], es soll durch den Überbringer dieses Schreibens zugestellt werden–a. Kammerrichter und Beisitzer sollen veranlasst werden, mit der Verhängung der Reichsacht bis zum Wormser Reichstag zu warten. Bitten ihn, sich in diesem Sinne beim Gericht einzusetzen oder es wenigstens davon zu überzeugen, dass das Verfahren eine Zeit lang suspendiert werden muss, um den vielen Venedighändlern Gelegenheit zu geben, sich und ihre Waren in Sicherheit zu bringen. Ansonsten hätten diese Kaufleute den Schaden, während die Venezianer von den deutschen Waren profitieren würden. Außerdem sind die Bedrohung und weitere negative Konsequenzen für die benachbarten ksl. Erblande zu bedenken. Fordern ihn auf, über die Ergebnisse seiner ŠVerhandlungen zu berichten und sie in der Angelegenheit weiterhin zu beraten. […].

    [PS] Matthäus Neithart und der Augsburger Altbürgermeister [Ulrich Artzt] haben Anweisung, gelegentlich der Trauerfeierlichkeiten für Hg. Albrecht von Bayern in München bei den Vormündern Hg. Wilhelms vorstellig zu werden, um das Einverständnis der Hh. von der Leiter zu einem Aufschub zu erlangen.

    [PPS Konrad Peutingers] Die Entscheidung, ob das Schreiben der Bundesstände direkt dem Kammerrichter übergeben oder wie im Falle seiner Abwesenheit damit verfahren werden soll, bleibt ihm, Rehlinger, überlassen. […].

    «Nr. 70 Dr. Johann Rehlinger an Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg – Regensburg, 18. Januar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Januar, unfol. (Or. m. S., donrstag vor Sebastiani).

    Bestätigt den Empfang ihres Schreibens [Nr. 69]. Um nichts zu versäumen, hat der Augsburger Bote, ungeachtet der Abwesenheit des Kammerrichters Bf. Wiguläus in Passau und anschließend bei den Trauerfeierlichkeiten für Hg. Albrecht von Bayern in München, das Schreiben des Schwäbischen Bundes [Nr. 67] an dessen Stellvertreter Gf. Adam von Beichlingen und die Beisitzer übergeben und darauf die ebenfalls beigefügte vorläufige Antwort [Nr. 67, Anm. 2] erhalten. Das avisierte Schreiben des Innsbrucker Regiments [Nr. 75, Anm. 2] ist seines Wissens noch nicht hier eingetroffen. Sowie dies geschehen ist, wird er sie über die Reaktion des Kammerrichters und der Beisitzer informieren. Einstweilen wird er sich, insbesondere nach der Ankunft des Kammerrichters, mit Unterstützung der vom Kaiser und anderer Seite zu erwartenden Schreiben weiterhin um eine Verzögerung des Achtverfahrens bemühen.

    Ihm ist bekannt, dass der Konstanzer Reichsanschlag und die Kanzleigefälle nicht ausgereicht haben, um dem Kammerrichter und den Beisitzern ihren Sold für das erste Jahr vollständig zu bezahlen. Diese bezweifeln auch, dass der Anschlag für das zweite Jahr1dafür ausreichen wird, nachdem viele Ff., Gff. und Hh. bereits die Zahlung des ersten Anschlags verweigert haben. Er wird das Gericht darauf hinweisen, dass es hauptsächlich von den Städten und Schwäbischen Bundesständen finanziert wird. Sollte das Kammergericht deren triftigen Gründe für einen Aufschub der Acht ignorieren, sondern wegen der Hh. von Verona (Bern)gegen die Interessen der deutschen Nation und zum Vorteil der Venezianer entscheiden, könnte dies ein Anlass sein, künftig den Anschlag zu verweigern. Außerdem sollten die Richter bedenken, wem dann voraussichtlich die Schuld für den Stillstand des Gerichts angelastet werden wird. Er ist zuversichtlich, dass schon ihr Eigeninteresse Kammerrichter und Beisitzer zur Verzögerung des Achtverfahrens veranlassen wird. ŠFalls es ihm selbst nicht gelingen sollte, einen Aufschub oder die Einstellung des Verfahrens bis zum Reichstag zu erwirken, könnten sich der Schwäbische Bund oder einzelne Persönlichkeiten mit diesen Argumenten an das Gericht wenden. Doch stellt er ihnen die Entscheidung darüber anheim. Über weitere Schritte der Hh. von Verona (Bern)und seine Verhandlungen wird er auch künftig Bericht erstatten.

    «Nr. 71 Johann d. Ä. von der Leiter an [Hgg. Wolfgang und Wilhelm von Bayern sowie die übrigen Vormundschaftsräte] – [München, 1. Februar 1509 oder kurz davor] »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Von der Leiter, unfol. (undat. Kop.).1

    Die Schwäbischen Bundesstädte haben gebeten, das Achtverfahren gegen Venedig eine Zeitlang zu suspendieren, damit ihre dorthin handelnden Kaufleute gewarnt werden können. Sie, die Hgg., haben ihn gebeten, dies zu bewilligen. Ein Aufschub birgt für ihn die Gefahr großer Nachteile. Ihm und seinem Bruder [Johann d. J. von der Leiter] sind durch das Verfahren am ksl. Kammergericht große Kosten entstanden. Falls das Gericht nach Verstreichen der erbetenen Frist nicht mehr zusammentreten sollte oder andere unvorhersehbare Hindernisse auftreten sollten, hätten sie davon den Schaden. Doch will er auch vermeiden, dass der Ks. und die Städte durch das Verfahren geschädigt werden. So wird sein Anwalt [Dr. Peter Kirsser] zwar zum nächsten Gerichtstermin den Prozess ordnungsgemäß fortsetzen, doch werden Kammerrichter und Beisitzer daraufhin zweifellos Zeit für ihre Beratungen in Anspruch nehmen. Er und sein Anwalt werden bis zum 15. April (sontag quasimodogeniti)darauf verzichten, die Eröffnung des Urteils zu beantragen. Nach diesem Termin gilt diese Zusage jedoch nicht mehr. Er geht davon aus, dass die Kaufleute bis dahin gewarnt werden und sich und ihre Waren in Sicherheit bringen können. Die Schwäbischen Bundesstände sollen sich danach auch nicht mehr um einen weiteren Aufschub bemühen, sondern vielmehr die Exekution gegen Venedig unterstützen. Zugleich soll sich das Kammergericht verpflichten, das Verfahren im Zeitraum zwischen dem 15. und 23. April (sant Jorigen tag) abzuschließen.2

    «Nr. 72 Der Schwäbische Bundeshauptmann Dr. Matthäus Neithart an Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg – [Ulm], 2. Februar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Februar, unfol. (unser lieben Frouen liechtmess tag).

    ŠDruck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 668, S. 373f.

    Bestätigt den Eingang ihres Schreibens bezüglich der Acht gegen Venedig.1Der [Kammerrichter] Bf.[Wiguläus] von Passau hat ihm und seinen Mithauptleuten [Wilhelm Güss von Güssenberg und Adam von Frundsberg] gegenüber erklärt, dass ungeachtet eines Antrags der Hh. von Verona (Bern)das Achtverfahren bis zum 15. April (quasimodogeniti)ruhen werde. Er hat deshalb den Rechnungstag [des Schwäbischen Bundes] zum frühest möglichen Termin, dem 1. März (donrstag nach invocavit), einberufen.2In Anbetracht der Wichtigkeit der Sache bittet er darum, ihm ein vom Augsburger Bürgermeister Ulrich Artzt zu siegelndes Schreiben aufzusetzen, das den Ks. in seinem Namen und im Namen der übrigen städtischen Bundesräte ausführlich informiert. Außerdem sollte Augsburg den Bf. von Gurk [Matthäus Lang] und Serntein sowie andere geeignete Persönlichkeiten bitten, sich für ein Mandat an die Hh. von Verona einzusetzen, das ihnen weitere Schritte untersagt, bis der Ks. sich persönlich um die Angelegenheit kümmern kann.3Er selbst wird sich durch Eilboten an verschiedene Personen am Kaiserhof wenden und hofft, damit ebenso viel erreichen zu können wie durch eine Gesandtschaft, die wegen der Entfernung und der Unsicherheit der Straßen zwangsläufig langsamer wäre. Außerdem sollten sie Paul4von Liechtenstein bitten, im Namen des [Innsbrucker] Regiments an den Ks. zu schreiben. Ungeachtet dieser Schritte soll auch auf dem bevorstehenden Rechnungstag über diese Angelegenheit beraten werden.

    «Nr. Š73 Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau an Ks. Maximilian – [Regensburg, wahrscheinlich 3. Februar 1509] »

    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Stadt, unfol. (undat. Kop.).

    [Ablösung Bf. Wiguläus’ als Kammerrichter; Nr. 64]. In dem seit langer Zeit anhängigen Verfahren zwischen den Hh. von der Leiter und der Republik (herschaft)Venedig droht der beklagten Partei nach ergangenem Urteil und Ausfolgung der entsprechenden Mandate aufgrund ihres Ungehorsams gemäß der Sachlage und der Reichskammergerichtsordnung1die Reichsacht. Die in Augsburg versammelten Schwäbischen Bundesstände haben sich deshalb gemäß beiliegender Abschrift an das Kammergericht gewandt [Nr. 67], Vertreter des Bundes und anderer Parteien verhandelten mit den Klägern über einen Aufschub. Hg. Wolfgang von Bayern hat ihm die ebenfalls in Abschrift beiliegende Antwort der Hh. von der Leiter [Nr. 71] übermittelt. Die Angelegenheit will wohlerwogen sein. Der Auftrag des Gerichts lautet, jedermann Recht angedeihen zu lassen. Um in diesem schwierigen Fall zu gewährleisten, dass ordnungsgemäß verfahren und zugleich großer Schaden verhütet wird, bittet er um seine Stellungnahme.

    «Nr. 74 Hauptmann [Matthäus Neithart] und Räte der Schwäbischen Bundesstädte an Ks. Maximilian – [Ulm], 8. Februar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Februar, Stück-Nr. 21 (Reinkonz. mit Nachweis über die Siegelung des Or. durch M. Neithart und U. Artzt1).

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 669, S. 374–376.

    [1.] Ihm ist vermutlich bekannt, dass die Hh. von der Leiter wegen des Vikariats und der Städte Verona (Beren)und Vicenza am ksl. Kammergericht eine Klage gegen den Dogen von Venedig anhängig gemacht und aufgrund seines Ungehorsams gegenüber der Vorladung ein Endurteil und ein mit der Androhung der Reichsacht versehenes Exekutorialmandat erlangt haben. Der Anwalt der Kläger [Dr. Peter Kirsser] machte am 19. Januar (freytag vor conversionis Pauli)vor Gericht geltend, dass der Doge das Mandat missachtet habe und auch nicht innerhalb der gesetzten Frist vor Gericht erschienen sei, weshalb er in die Reichsacht erklärt werden müsse.2Das Gericht berät noch über den Antrag.

    Š[2.] Die Sache ist von großer Bedeutung. Bereits vor dem Antrag der Kläger hatte das Innsbrucker Regiment das Kammergericht um einen Aufschub bis zur Beratung und Beschlussfassung über die Angelegenheit auf dem bevorstehenden Reichstag ersucht [Nr. 75, Anm. 2]. Im gleichen Sinne haben sich auch Hauptmann und Räte der Schwäbischen Bundesstädte an das Kammergericht gewandt [Nr. 67]. Doch lehnten es die Beisitzer in Abwesenheit des an der Leichenfeier für Hg. Albrecht von Bayern in München teilnehmenden Kammerrichters [Bf. Wiguläus von Passau] ab, einen Aufschub zu gewähren. Dieser wiederum soll lediglich erklärt haben, dass der Antrag der Kläger erst am 15. April (sonntag quasimodogeniti)beschieden werden solle. Diese Frist ist allerdings sehr kurz.

    [3.] Er, der Ks. weiß, dass Kaufleute nicht nur aus den Bundesstädten, sondern aus der ganzen deutschen Nation, aus den Städten der Erblande und denen anderer Ff. seit Menschengedenken Handel mit Venedig treiben. Sollte die Reichsacht zu dem angegebenen Termin erklärt werden, würden den Kaufleuten, denen das Kammergericht bislang keinerlei Warnung zukommen ließ, zum Vorteil Venedigs große Verluste an Waren und Ausständen entstehen. Die Möglichkeit zu Hilfen und Diensten für Ks. und Reich wäre beeinträchtigt oder ganz in Frage gestellt. Selbst wenn es den Kaufleuten wider Erwarten gestattet würde, ihre Güter aus Venedig abzuziehen, wäre dies nur unter beträchtlichen Verlusten möglich. Sollte die Reichsacht zum genannten Termin und ohne eine Entscheidung von Ks. und Reichsständen ergehen und Venedig daraufhin angegriffen werden, stünde zu befürchten, dass dieser Angriff nicht nur für die Kaufleute, sondern auch für die benachbarten Territorien und andere Betroffene mit schwerwiegenden Folgen verbunden wäre. Diese Aspekte hat auch das Innsbrucker Regiment gegenüber dem Kammergericht geltend gemacht.

    [4.] Die Schwäbischen Bundesstädte haben dem Ks. oft und treu gedient. Bitten ihn, wie auch bisher die Interessen der Kaufleute und somit des Hl. Reiches deutscher Nation zu bedenken und entsprechend dem Schreiben des Innsbrucker Regiments das ksl. Kammergericht dazu zu veranlassen, die Erklärung der Reichsacht gegen Venedig mit einer Klausel über deren Aussetzung für ein Jahr zu versehen, damit den deutschen Kaufleute Zeit bleibt, ihre Waren in Venedig zu veräußern und ihre Ausstände einzutreiben. Diese werden auch keine weiteren Waren mehr nach Venedig liefern.

    «Nr. 75 Inhibitionsmandat Ks. Maximilians an Kammerrichter und Beisitzer des Reichskammergerichts in Regensburg – Gent, 1. März 15091 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 3), fol. 60’–61’ (Kop.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt ŠKs. Maximilian I., Fasz. 1. fol. 140–141 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; irrtümlich datiert auf den 3.3.) = B. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 1–2 (Konz.) = C. Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. März, Stück-Nr. 25 (Kop.). Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ. 492, fol. 403’–405 (Kop., um 1530; irrtümlich datiert auf den 3.3.). Straßburg, AV, AA 353, fol. 44–45’ (Kop.).

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 671, S. 377f.

    Er hat glaubwürdige Nachricht erhalten, dass sie ungeachtet der Bitte des Innsbrucker Regiments2das Verfahren zur Exekution des von den Hh. von Verona (Bern)[Johann d. Ä. und Johann d. J. von der Leiter] erlangten Urteils gegen Venedig fortgesetzt haben. Inzwischen haben die Städte des Schwäbischen Bundes ihn darauf hingewiesen [Nr. 74], dass viele ihrer Bürger Handelsvertreter mit Waren und anderen Gütern wie auch ausstehende Forderungen in Venedig selbst und im übrigen venezianischen Herrschaftsbereich hätten. Derzeit sei eine Evakuierung unmöglich. Falls Venedig in die Reichsacht erklärt und daraufhin angegriffen würde, wären diese Güter unzweifelhaft verloren, woraus ihm als Ks. und der deutschen Nation großer Spott und den Städten nicht wiedergutzumachender Schaden entstünde. Die Verhandlungen auf dem bevorstehenden Wormser Reichstag über die Obliegenheiten von Ks. und Reich könnten deutlich erschwert und insbesondere der bestehende Waffenstillstand mit Venedig gefährdet werden, falls das Reichskammergericht auf der Exekution des Urteils beharrt.

    Fordert sie deshalb auf, in Erwägung dieser Aspekte bezüglich der Erklärung der Acht und deren Exekution bis zum 24. Juni (St. Johanns tag zu sunnwenden)nichts zu unternehmen und seine Entscheidung in dieser Angelegenheit abzuwarten. Er wird auf dem Reichstag mit den Ständen darüber verhandeln und dem Kammergericht anschließend seinen Entschluss mitteilen. aEr hätte im Übrigen erwartet, über einen so wichtigen Vorgang, der für seine an die Hft. Venedig grenzenden ŠErblande und das Reich Aufruhr und Krieg zur Folge haben kann, vorab informiert zu werden–a.3

    «Nr. 76 Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau und Beisitzer des Reichskammergerichts an Ks. Maximilian – Regensburg, 19. März 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. März, Stück-Nr. 29 (Kop.) = Textvorlage A. Straßburg, AV, AA 353, fol. 46–46’ (Kop.) = B. UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 492, fol. 474–474’ (Abschrift, um 1530).

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 672, S. 379.

    Bestätigen den Empfang seines Mandats [Nr. 75] am 19. März. Weisen darauf hin, dass sie ihn schon vor geraumer Zeit, auch bereits vor Eintreffen des Schreibens des Innsbrucker Regiments schriftlich um Rat in dieser Angelegenheit gebeten [Nr. 73] und seither nichts mehr unternommen hätten. Bekunden ihre Bereitschaft zum Gehorsam. Empfehlen jedoch und bitten ihn jedoch unter Hinweis auf die in Konstanz erneuerte Wormser Ordnung, wonach in den Betrieb des Kammergerichts nicht eingegriffen werden darf1, stattdessen die Hh. von Verona (Bern)zur vorläufigen Einstellung des Prozesses zu veranlassen. Bitten ihn, ihr bisheriges Vorgehen gnädig zu vermerken.

    «Nr. 77 Paul von Liechtenstein an Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg – Rattenberg, 20. März 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. März, Stück-Nr. 30 (Or. m. Siegelspuren).

    Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 673, S. 379f.

    ŠBestätigt den Eingang einer ksl. Weisung sowie ihres Schreibens an ihn1wegen der Acht gegen Venedig. Teilt ihnen vertraulich mit, dass der Ks. die Achterklärung wegen der Hh. von der Leiter (Bern)nicht lange verzögern kann – aus der ursach und dieweil sich die leuf ytz sonst allenthalben sorglich und seltzam erzaigen. Warnt sie davor, derzeit weitere Güter nach Venedig zu liefern. Dort bereits befindliche Waren sollten so rasch wie möglich verkauft und die Ausstände eingetrieben zu werden. Regt an, andere Bundesstädte ebenfalls insgeheim zu warnen.2

    «4.2. Rheinische Kurfürsten »

    «Nr. 78 Kf. Uriel von Mainz an Kf. Jakob von Trier – Aschaffenburg, 14. April 1509 »

    Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 11018, pag. 297–298 (Or., sambstag nach dem heiligen ostertag).

    Wie ihm zweifellos bekannt ist, zeitigten die Verhandlungen der letzten Probations- und Kapiteltage über Fragen, das Münzwesen und den Rhein betreffend, wegen der jeweiligen Abwesenheit der Kff. nur wenige Ergebnisse. Eine Beschlussfassung über die aktuellen Probleme wurde wiederholt bis zu einer persönlichen Zusammenkunft der Kff. aufgeschoben, wodurch sich die Erledigung dieser Angelegenheiten verzögerte. In Kürze soll in Bonn ein Probationstag stattfinden. Es steht zu befürchten, dass ohne die persönliche Mitwirkung aller vier [rheinischen] Kff. erneut wenig erreicht wird. Er erachtet es deshalb für ratsam, den Probationstag auf den Reichstag nach Worms zu verlegen, wo sie voraussichtlich alle persönlich anwesend sein werden. Er hat ihren Mitkurfürsten in gleicher Weise geschrieben und geht davon aus, dass sie sich seinem Vorschlag anschließen und dem Bonner Probationstag fernbleiben werden. Der pfälzische Kf. hat dies bereits schriftlich erklärt. Bittet, seinem Vorschlag ebenfalls zuzustimmen.1

    « Š4.3. Schwäbischer Bund »

    «Nr. 79 Ausschreiben des Schwäbischen Bundeshauptmanns und Ulmer Bürgermeisters Dr. Matthäus Neithart an die Schwäbischen Bundesstädte – [Ulm], 29. September 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 4), fol. 74–74’ (Or. m. S., sant Michelstag) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157, Fasz. 47, unfol. (Or. m. S.; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = C.

    Dem Ulmer Magistrat ging, wie zweifellos ihnen und andern Städten auch, das gedruckte ksl. Ausschreiben [Nr. 44] zum Reichstag in Worms zu. Auf der Grundlage mehrerer diesbezüglicher Beschlüsse der Bundesstädte und aufgrund der erfolgten Aufforderung an ihn beruft er einen Bundesstädtetag ein. Die Gesandten sollen sich am Abend des 20. Oktober (freytag nach sant Gallen tag)hier in Ulm einfinden. Fordert sie in seiner Eigenschaft als Bundeshauptmann auf, zu beraten, ob und mit welcher Vollmacht und Weisung Gesandte der Bundesstädte am Reichstag teilnehmen sollen und wer dafür in Frage kommt, schließlich, welche Anliegen die Bundesstädte vertreten sollen, falls, wie zu erwarten, angesichts der auf dem Konstanzer Reichstag vorgefallenen Beschwerden gemäß dem letzten Speyerer Städteabschied1Beratungen der Frei- und Reichsstädte stattfinden werden. Sie sollen ihre Gesandtschaft entsprechend instruieren und mit Vollmacht zur Beratung und Beschlussfassung über diese Punkte abordnen. Sie sollen sich hierin nicht säumig zeigen und auch nicht versuchen, die Angelegenheit lediglich schriftlich zu behandeln.

    «Nr. 80 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte – Ulm, nach dem 20. Oktober 15081 »

    [1.] Instruierung der bundesstädtischen Reichstagsgesandten: Reichshilfe, Geleitrecht; [2.] Beratungen der in Worms versammelten Reichsstädte über ihre Benachteiligung auf dem Konstanzer Reichstag; [3.] Nominierung der gemeinsamen Reichstagsgesandten; [4.] Kostenersparnis durch Verzögerung ihrer Anreise zum Reichstag.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 95–96’ (Kop., auf freytag nach sand Gallen tag anno etc. octavo gen Ulm fürgenommen.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157, Fasz. 47, unfol. Š(wie A; Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol. (wie A) = C. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 80 (Kop.).

    Regest: Klüpfel, Urkunden II, S. 25f. (irrtümliche Datierung auf den 19.10.).

    [1.] Der Hauptmann [Matthäus Neithart] hat die Bundesstädte wegen des vom Ks. auf Allerheiligen [1.11.] nach Worms ausgeschriebenen Reichstages nach Ulm einberufen [Nr. 79]. Die anwesenden Gesandten haben nach Erwägung der Umstände beschlossen, mit drei Vertretern am Reichstag teilzunehmen. Diese sollen dafür Sorge tragen, dass der stet merklich, verderplich beschwerd, so inen und den iren täglich begegnen, auch die unvermuglichait und abnemen, darein etlich stett durch die manigfaltigen anschleg und auflegungen, uf sy beschehen, kommen und gefallen sein, angesehen und gemain stett des Bunds auf dem Reichs tag zu Wurmbs, so myndst sein könd und mug, angeschlagen und beschwerdt werden.2

    Und ob inen in solichem so merklich und groß beschwerlichait begegnete, das sy bedächte, den stetten ganz unerleidlich und unträglich sein, sollen sy sich nit anders vernemen lassen, dann das sy von den stetten nit endlichen gewalt haben, und allen fleis prauchen, deßhalben ain hyndersichbringen zu erlangen; und alsdann die stett des Bunds furderlich zusamen beschreiben und deshalben ratschlagen lassen, wie der stett notturft erfordert. Sover sy aber die zeit des hyndersichbringens in kainen weg erlangen mugen, söllen sy sich zum getreulichisten und fleissigisten in die sach schicken, wie sy der stett halben zum nutzlichisten und pesten ansehen wurd.

    Item sy sollen auch allen fleis ankeren, so es zu ainem anschlag ainer hilf kommen wurd, das kain hilf mit gelt furgenomen, sonder allain mit leuten getan werd.

    Item, nachdem den stetten und den iren merkliche und unleidenliche beschwerden begegnen und tägliche ye lenger, ye mer erwachsen wollen mit hinfurung, beraubung und schatzung der iren und in ander weg, uber das sy zu zeiten glait haben etc., söllen die obgemelten potschaften auf dem tag zu Wurmbs bei ksl. Mt., churfürsten, fursten und wa sy not und gut bedunkt, solicher sachen halb handlung und fleis tun, das in kraft des landfriden der pillichait nach in die sachen gesehen, damit solich mutwillig beschwerlicheit Šgestraft und furkommen, auch die glait allenthalben frei und gestracks gegeben und also, wie sich gepurt, volzogen werden.

    [2.] Diejenigen vier Städte, denen dies gemäß dem Speyerer Städteabschied3obliegt, sollen die in ihren Bezirken gelegenen Frei- und Reichsstädte schriftlich zu einem Befehl an ihre Reichstagsgesandten auffordern, sich in Worms wegen der auf dem Konstanzer Reichstag den Städten widerfahrenen Beschwerden und in den anderen Angelegenheiten mit den übrigen städtischen Vertretern zu beraten und gemeinsam zu agieren.

    [3.] Zu Reichstagsgesandten der Schwäbischen Bundesstädte wurden ernannt: der Städtehauptmann und Ulmer Bürgermeister Dr. Matthäus Neithart, der Augsburger Bürgermeister Ulrich Artzt und der Nürnberger Bürgermeister Hieronymus Holzschuher.

    [4.] Doch sollen die obgemelten potschaften nit zeitlich zu dem Reichs tag anreyten, sonder ir aufsehen durch die von Wurmbs und in ander weg uf churfursten, fursten und ander stend des Reichs haben, damit uberflussiger cost der stett des Punds erspart werdea.4

    «Nr. 81 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte – Ulm, 19. April 1509 »

    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop., Datumverm.: donrstags nach quasimodogeniti anno etc. nono gen Ulm furgenomen.) = Textvorlage A. Straßburg, AV, AA 353, fol. 49–50 (wie A) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. April, unfol. (wie A).

    ŠRegest: Klüpfel, Urkunden II, S. 28.

    Die Teilnehmer haben sich gemäß dem Ausschreiben1zu Verhandlungen über den Vortrag Dr. Hans Schads als Gesandten des Innsbrucker Regiments hier in Ulm versammelt und nach ausführlicher Beratung folgenden Beschluss gefasst: In dem Vorschlag für eine Einung zwischen Oberösterreich und den Bundesstädten2wurde deren Nutzen für die Wahrung von Frieden und Recht allgemein und die Sicherheit der Straßen insbesondere hervorgehoben. Die Städte wollen sich in dieser Angelegenheit gegenüber dem Ks. gehorsam und dem Regiment gefällig erzeigen. Doch haben sie ihre Gesandten bereits zum bevorstehenden Wormser Reichstag abgeordnet. Bitten um eine Vertagung bis zu deren Rückkehr.

    Schad erwiderte, dass er diese Antwort referieren werde. Er gehe davon aus, dass auch Räte des Innsbrucker Regiments zum Reichstag nach Worms kommen würden. Der Städtehauptmann [Matthäus Neithart] solle den nächsten Verhandlungstermin rechtzeitig ankündigen.3[Streit zwischen dem Bf. von Augsburg und Gf. Haug von Montfort]. Teilnehmer: Straßburg, Augsburg, Ulm, Esslingen, Überlingen, Schwäbisch Gmünd, Memmingen, Biberach, Kempten, Kaufbeuren, Wangen, Isny, Leutkirch, Donauwörth, Weil der Stadt, Giengen, Aalen.

    «Nr. 82 Ulrich Artzt an die Augsburger Bürgermeister Jörg Langenmantel und Ludwig Hoser – Ulm, 20. April 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. April, unfol. (Or. m. S., freitags nach dem suntag quasimodogeniti).

    Teilt mit, dass er am vergangenen Mittwoch [18.4.] hier in Ulm eingetroffen ist. Bereits am Donnerstag [19.4.] fassten die Bundesstädte nach nur eintägiger Beratung einhellig den beiliegenden Beschluss [Nr. 81]. […]. Er hat [Hans] Baumgartner bereits schriftlich unterrichtet, dass laut Auskunft Bartholomäus Strälers der Hauptmann [Matthäus Neithart] einen Fußboten nach Worms geschickt hat. Er hat heute Šmit dem Hauptmann darüber gesprochen. Demnach wurde der Bote angewiesen, bis nach Mainz zu laufen. Sie haben sich darauf geeinigt, noch heute einen berittenen Boten auf den Weg zu schicken, der sie in Esslingen wieder treffen soll. Falls der Ks. sich bereits in Worms oder Umgebung aufhält, werden sie den Esslinger Bundestag verlassen und dorthin reiten. Er wird morgen trotz seines schlimmen Beines nach Esslingen aufbrechen.

    «Nr. 83 Abschied des Schwäbischen Bundes – Esslingen, [27. April 1509]1 »

    [1.] Fehde Heinz Baums gegen Nürnberg, Ulm und Isny; [2.] Konflikt des Augsburger Domkapitels, Abt Johanns von Elchingen und der Stadt Ulm mit dem Kirchberger Pfleger Philipp vom Stein; [3.] Streit Abt Hartmanns von Weingarten mit dem ksl. Landvogt Jakob von Landau; [4.] Bedrohung bfl. Augsburger Untertanen durch die Gff. von Montfort; [5.] Bitte der Marschälle von Pappenheim um Hilfe gegen die Hh. von Rothenstein; [6.] Streit zwischen Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach und Gf. Wolfgang von Oettingen; [7.] Einschaltung Neithards von Thüngen in einen Streit zwischen Franz und Hans Hefelin.

    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 8, fol. 2–6’, 7’ (Kop., Überschr.: Abschid des gemainen Punds versamlungtags, so auf sanct Jörgen des heiligen ritters tag [23.4.] anno etc. nono gen Eßlingen furgenomen worden ist.2) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2013, fol. 262–267 (wie A) = B. Augsburg, StdA Lit. 1509, Fasz. April, unfol. (wie A) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 913, Stück-Nr. I.2 (wie A). Bamberg, StA, A 85, Lade 329, Nr. 190 (wie A). Straßburg, AV, AA 353, fol. 57–61’ (wie A).

    [1.] Wegen des Konflikts der Städte Nürnberg, Ulm und Isny (Eyßin)mit Heinz Baum wurde gemäß dem letzten Augsburger Bundesabschied3und aufgrund der ŠBeratungen der bei der Seelenmesse für Hg. Albrecht von Bayern in München anwesenden Bundesstände dieser Bundestag nach Esslingen anberaumt. Außerdem war [in Augsburg] beschlossen worden, beim Ks. um Hilfe zur Bestrafung der Übeltäter vorstellig zu werden sowie den Kg. von Böhmen, Kf. Ludwig von der Pfalz, Pfgf. Friedrich und die böhmischen Stände über das geplante Vorgehen des Bundes gegen Baum und seine Helfer als offene Landfriedensbrecher zu informieren und ihre um Unterstützung zu bitten. Bei den Beratungen des Bundestages über eine Supplikation der drei Städte um Festsetzung der bereits zuerkannten Bundeshilfe wurde erneut festgestellt, dass die Angelegenheit für den Bund und alle seine Mitglieder große Bedeutung hat und eine Eskalation zu befürchten ist. Es wäre deshalb ratsam und obliegt dem Bund auch gemäß seiner Ordnung, in dieser Sache mit Nachdruck zu verfahren. Wegen des vom Ks. nach Worms ausgeschriebenen Reichstages konnten die dem Bund angehörigen Kff. und Ff. jedoch nicht persönlich am Bundestag teilnehmen. Ebenso sind die geplanten Anfragen bislang unterblieben. Es wurde deshalb beschlossen, den Ks. jetzt auf dem Reichstag zu Worms durch die dort anwesenden und vertretenen Bundesstände über die Umstände dieser Angelegenheit und deren Bedeutung für den Bund zu unterrichten und ihn als liebhaber der gerechtigkeit, handhaber und volstrecker des landfridenqua röm. Ks., Ehg. von Österreich und Bundesstand um eine Stellungnahme zu ersuchen, wie gegen Baum und seine Unterstützer vorzugehen sei. Anschließend soll nach Lage der Dinge und aufgrund des ksl. Bedenkens weiter verfahren werden, entweder indem man bei den genannten Adressaten vorstellig wird oder in anderer Weise.

    Es heißt, der Ks. werde sich auf seiner Weiterreise voraussichtlich auch kurz in Augsburg aufhalten. Zur Beförderung der Angelegenheit wurde für gut befunden, dort oder an einem anderen geeigneten Ort durch Gesandte in der beschriebenen Weise vorstellig zu werden. Dessen ungeachtet sollen auch die Bundesstände auf dem Reichstag in Worms die Sache betreiben. Die Gesandten zum Ks. sind gehalten, diese schriftlich über das Ergebnis ihrer Mission zu informieren. In Worms soll dann nach Lage der Dinge und gemäß dem Bundesabschied vorgegangen werden. Zu Gesandten zum Ks. wurden bestimmt: für die Kff. und Ff. Hauptmann Wilhelm Güss von Güssenberg, für die Prälaten, die Gff. und den übrigen Adel Hauptmann Adam von Frundsberg und für die Städte der Esslinger Bürgermeister Hans Ungelter.

    [2.] aDas Augsburger Domkapitel, Abt [Johann] von Elchingen und die Stadt Ulm haben gegen den Pfleger zu Kirchberg, Philipp vom Stein, Klage erhoben, weil er ihre Untertanen in Niederhausen mit Reissteuern4 belegt.5 Es wurde beschlossen, ŠStein als Bundesangehörigen zur Rücknahme dieser Neuerung aufzufordern und ihm einen rechtlichen Austrag anzubieten. Um dem Schreiben mehr Nachdruck zu verleihen, soll Adam von Frundsberg außerdem im Namen des Bundes mit ihm verhandeln. Des weiteren sollen die auf dem Wormser Reichstag anwesenden Bundesstände den Ks. informieren und ihn ersuchen, das Vorgehen Steins abzustellen oder unparteiische Kommissare mit einer Entscheidung zu beauftragen. Der Bundesrichter [Heinrich Winckelhofer] wurde angewiesen, das Verfahren ungeachtet der Berufung Steins auf den Ks. und etwaiger ksl. Mandate fortzusetzen–a.

    [3.] Abt [Hartmann] von Weingarten ließ auf dem Bundestag durch Dr.[Johann] Lupfdich und den Propst von Hofen [Jos Neukomm] seine Beschwerden gegen den ksl. Landvogt Jakob von Landau vortragen. Es wurde beschlossen, den Ks. durch die auf dem Wormser Reichstag anwesenden Bundesstände um Abstellung der Beschwerden oder die Bewilligung eines rechtlichen Austrags zu bitten. Dem Abt wird empfohlen, die Bundesstände in Worms durch eigene Gesandte über den Vorgang zu unterrichten.6

    [4.] Der Bf. von Augsburg erhielt eine glaubwürdige Warnung vor einem bevorstehenden Überfall der Gff. von Montfort-Rothenfels auf seine Untertanen im Allgäu. Der Bund wird dem Bf. satzungsgemäß beistehen, falls die Gff. von Montfort oder andere Feinde ihn angreifen sollten. Entsprechend dem Antrag des Bf. werden alle benachbarten Bundesstände aufgefordert, ihn im Verteidigungsfall zu unterstützen.

    Š[5.] Auf das Schreiben der Marschälle von Pappenheim an die Bundesversammlung hin wurde beschlossen, dass die angeschriebenen Bundesstände auch ihnen im Ernstfall [gegen die Hh. von Rothenstein] zu Hilfe eilen sollen.

    [6.] Im Streit zwischen Mgf. Friedrich von Brandenburg und Gf. Wolfgang von Oettingen wegen gefangen genommener mgfl. Untertanen und anderer Punkte wurde gemäß dem letzten Augsburger Bundesabschied [vom 10. Januar] in Verhandlungen mit den brandenburgischen Vertretern Sigmund von Lentersheim und Dr. Lupfdich sowie mit Gf. Wolfgang erreicht, dass das Verfahren vor dem Bundesgericht ausgesetzt wird und auf dem nächsten Bundestag Schiedsverhandlungen stattfinden sollen. Sollten diese scheitern, werden unverzüglich Beschlüsse über das weitere Vorgehen gefasst.

    [7.] Wegen des Schreiben Neithards von Thüngen an die Stadt Nördlingen als Fürsprechers in Sachen Franz Hefelin gegen seinen Bruder Hans Hefelin wird der Bund gemäß den vorliegenden Entwürfen an den Bf. von Würzburg und Thüngen schreiben.

    [bAbrechnung des Bundeshauptmanns Wilhelm Güss von Güssenberg und Veranschlagung der Ff. zur Finanzierung der Bundesausgaben–b].

    «4.4. Reichsstädte »

    «Nr. 84 Stadt Nürnberg an Städte Straßburg, Frankfurt und Augsburg – Nürnberg, 28. Juni 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 61, fol. 221–222 (Kop., mitwoch St. Peter und Paulus abend).

    Erinnern daran, dass die Frei- und Reichsstädte auf verschiedenen Reichstagen und insbesondere auf dem letzten Reichstag in Konstanz bei den Verhandlungen über die Angelegenheiten des Reiches benachteiligt wurden, worüber die teilnehmenden reichsstädtischen Gesandten ausführlich berichtet und ein Verzeichnis als Beratungsgrundlage für die einzelnen Magistrate erstellt haben.1Daraufhin wurde ein Städtetag nach Speyer einberufen, um über Gegenmaßnahmen zu beraten. Unter anderem wurde dort beschlossen, dass die vier ausschreibenden Städte die übrigen Reichsstädte zu weiteren Beratungen nach Speyer zusammenberufen sollten, sobald der Ks. einen neuen Reichstag ausschreiben oder anderweitig Mandate ausgehen lassen würde.2

    ŠDer Ks. hat die Stadt Nürnberg durch ein offenes, besiegeltes Mandat aufgefordert, durch Gesandte an dem auf den 16. Juli nach Worms anberaumten Reichstag teilzunehmen [Nr. 36]. Sie halten es zwar für erforderlich, den Speyerer Abschied zu vollziehen und demnach einen Städtetag zu Beratungen über die Abwehr weiterer Benachteiligungen auf dem Reichstag zu Worms einzuberufen. Doch ist die Zeit dafür ihres Erachtens zu kurz. Sie überlassen jedoch ihnen die Entscheidung, ob dessen ungeachtet ein Städtetag abgehalten werden soll oder die teilnehmenden Städte schriftlich aufgefordert werden können, ihre Gesandten mit Befehl zu Verhandlungen über diesen Punkt nach Worms abzufertigen. Bitten um Mitteilung ihrer Meinung dazu.3

    «Nr. 85 Schwäbische Bundesstädte an die ausschreibenden Reichsstädte, hier an Frankfurt – Ulm, 23. Oktober 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 16–16’ (Or., Unterz.: Gemainer stett des punds im land zu Schwaben hauptman [Matthäus Neithart] und ratsbotschaften, yetz zu Ulm versamelt. Präsentatvermerk: Frankfurt, in die omnium sanctorum [1.11.]) = Textvorlage A. Straßburg, AV, AA 353, fol. 30–30’ (Or., Unterz. wie A) = B.

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 945, S. 747f.

    Erinnern an die Beratungen des letzten Städtetages in Speyer wegen der den reichsstädtischen Gesandten auf dem Konstanzer Reichstag widerfahrenen Beschwerden. Für den Fall der Einberufung eines Reichstages durch den Ks. wurde dort beschlossen, einen weiteren Städtetag in Speyer abzuhalten. Der Termin des Wormser Reichstages naht, die Sache ist für die Städte wichtig. Bitten sie, die Frei- und Reichsstädte in ihrem Bezirk dazu aufzufordern, ihre Gesandten dahingehend zu instruieren und zu bevollmächtigen, in Worms mit anderen Städten über diese Beschwerden zu beraten und zu ihrem gemeinsamen Besten zu handeln. Auch sollen sie ihre eigene Gesandtschaft in gleicher Weise abfertigen. Die anderen ausschreibenden Städte [Straßburg, Augsburg und Nürnberg] erhalten eine gleichlautende Aufforderung. Auch haben sie, die Absender, ihre eigenen Gesandten zum Wormser Reichstag entsprechend instruiert.

    «Nr. 86 Reichsstadt Nürnberg an die Reichsstädte Schweinfurt, Rothenburg und Weißenburg/Franken – Nürnberg, 30. Oktober 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 62, fol. 182’ (Kop., secunda post Simonis et Jude).

    Erinnern an ihre Mitteilung über die Beratungen des Speyerer Städtetages wegen der Benachteiligung der Städte auf dem Konstanzer Reichstag und über den Beschluss Šzur Einberufung eines weiteren Städtetages vor einem künftigen Reichstag.1Der Ks. hat einen Reichstag auf den 1. November (allerhailigen tag)nach Worms ausgeschrieben, der nun kurz bevorsteht. Den Städten ist viel an der Sache gelegen. Ersuchen sie, ihren Gesandten Vollmacht und Anweisung zu geben, in Worms gemeinsam mit den anderen reichsstädtischen Gesandten über diese Beschwerden zu beraten.

    «Nr. 87 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an die in Ulm versammelten Hauptleute und Räte der Schwäbischen Bundesstädte – Frankfurt, 2. November 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 20 (Konz., dornstag in die animarum).

    Bestätigen den Empfang ihres Schreibens [Nr. 85]. Sie wollen ihrem Wunsch willfahren, wenngleich die Abschiede von Speyer und Konstanz1ihres Erachtens allgemein bekannt sind.

    «Nr. 88 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an die Städte Lübeck, Goslar, Nordhausen, Mühlhausen, Wetzlar, Köln und Aachen – Frankfurt, 2. November 1508 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 222 (Konz., dornstags in die animarum).

    Erinnern gemäß dem in Abschrift beiliegenden Schreiben der Schwäbischen Bundesstädte [Nr. 85] an die Abschiede von Konstanz und Speyer und bitten sie, sich über die den Städten auf den letzten Reichstagen widerfahrenen Beschwerden zu beraten und ihre Ergebnisse ihren Gesandten zum Reichstag mündlich zu eröffnen, oder, falls diese bereits auf dem Weg befindlich sind, schriftlich mitzuteilen.1

    «Nr. 89 Meister und Rat der Stadt Weißenburg/Elsass an die in Straßburg versammelten Gesandten der elsässischen Reichsstädte – Weißenburg, 8. November 1508 »

    Hagenau, AM, AA 154, unfol. (Or. m. Siegelspuren, mitwoch nach Leonhardi).

    Meister und Rat der Stadt Hagenau haben aufgrund der dem Ausschreiben beigelegten Schreiben des Schwäbischen Bundes [Nr. 85] und der Stadt Straßburg1für den kommenden Montag [13.11.] eine Versammlung nach Straßburg zu Beratungen Šüber den bevorstehenden Reichstag einberufen. Erinnern daran, dass sich Weißenburg aufgrund ausgebliebener Unterstützung in früheren Kriegen veranlasst sah, dem Schwäbischen Bund beizutreten2, der wie bei anderen Reichstagen auch auf der bevorstehenden Reichsversammlung die anteilig zu bestreitende Vertretung der Stadt durch eine gemeinsame Gesandtschaft wahrnehmen wird. Für Weißenburg besteht kein Grund, zwei Gesandtschaften mitzufinanzieren. Dies haben ihnen bei früheren Gelegenheiten schon mehrfach ihre Gesandten und jüngst aufgrund ihres Schreibens die Vertreter Hagenaus mitgeteilt. Bitten deshalb, sie jetzt und künftig in dieser Sache für entschuldigt zu halten.

    «Nr. 90 Beschlüsse des Frankfurter Rates – Frankfurt, 10. November 1508/23. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, Ratschlagungsprotokolle 1a, fol. 118 (feria sexta in vigilia sancti Martini episcopi), 122 (feria secunda in die Georii militis).

    [10.11.1508] Item dwyl den stettboten uf dem nehstgehalten Reichs tag vil nachteil, spott und hone zugemessen sein, derhalb sie zu verachtunge und von irem altem herkomen gedrungen werden: Ist geratschlagt, allen fleiß anzukeren, das die stette widerumb in die ratschlagunge gelassen werden.

    [23.4.1509] Als das ksl. mandat1 gelesen ist. [Beschluss:] Den frunden befelen, das best zu tun und, was sie anlanget, hinder sich schriben. Item uf dem tag anregen, das die stet eyn doctor oder dry an das camergericht zu setzen hetten. Item furbrengen, das die stet mit den fursten in ratslagung genommen wurden.

    «Nr. 91 Meister und Rat der Stadt Colmar an Meister und Rat der Stadt Schlettstadt – Colmar, 4. Februar 1509 »

    Hagenau, AM, AA 154, unfol. (Or. m. Siegelspuren, sonntag noch sant Blasyen tag).

    Die von ihnen zugesandten Schriftstücke bezüglich des nach Worms ausgeschriebenen Reichstages und der Teilnahme daran haben sie, wie von ihnen gewünscht und üblich, an Kaysersberg, Münster im Gregoriental und Türkheim (Dhurnigheim)weitergeleitet. Kaysersberg und Münster haben gemäß den beiliegenden Schreiben1 Šgeantwortet. Sie selbst stimmen ebenfalls zu, dass es bei dem Beschluss zur gemeinschaftlichen Teilnahme am Reichstag durch die Gesandtschaft Hagenaus bleiben soll. Bitten, diese Entscheidung den übrigen Städten mitzuteilen, damit Hagenau sich danach richten kann.

    «4.5. Erzbischof Uriel von Mainz gegen Landgraf Wilhelm II. von Hessen »

    «Nr. 92 Aufzeichnung über die Antwort Ks. Maximilians an den hessischen Gesandten Balthasar von Schrautenbach (Rentmeister zu Gießen) – [act. Mecheln, zwischen dem 18. und 20. Januar 15091»

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 31–32’, hier 31–31’ (Kop.).

    Balthasar von Schrautenbach hat als Gesandter Lgf. Wilhelms von Hessen gebeten, die wegen des Streits zwischen Kurmainz und Hessen um Kostheim2Bf.[Philipp] von Speyer und Gf. Adolf von Nassau erteilte ksl. Kommission aufzuheben und die Freilassung [Gottfrieds von] Eppstein zu veranlassen.

    Der Ks. erwiderte, dass es ihm aus schwerwiegenden Gründen derzeit nicht möglich sei, die Kommission aufzuheben. Falls er es täte, sei eine Eskalation des Streits zwischen den jeweils von mächtigen Parteigängern unterstützten Kontrahenten zu befürchten, und ire[r] Mt. deshalb an der handlung des furgenommen rychstags zu Wurms, daran irer ksl. Mt., dem Heiligen Reich und teutscher nacion merklichs und gros gelegen ist, zu verhinderung reichen mecht. Er fordert den Lgf. deshalb auf, diesen Streit ihm anheimzustellen. Er würde die Parteien auf dem Wormser Reichstag anhören und eine gütliche oder rechtliche Entscheidung treffen. Oder, wo das nit volg haben welt, alsdann mit rat curfursten, fursten und der stend, uf demselben rychstag versamelt, verner nach pilligheit darin zu handeln. Er wird sich um eine entsprechende Einwilligung des Ebf. von Mainz bemühen. [Konflikt zwischen Königstein und Eppstein sowie weitere Punkte; Nrr. 166, 53].

    «Nr. 93 Ks. Maximilian an Bf. Philipp von Speyer und Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden – Brüssel, 20. Januar 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 34–34’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Lgf. Wilhelm von Hessen hat sich über die ihnen auf Bitte Ebf. Uriels von Mainz erteilte Kommission beschwert. Er, der Ks., befürchtet deshalb eine Ausweitung des Konflikts, zumal beide Parteien auf einen großen Anhang zählen können. ŠDadurch könnten die Verhandlungen des bevorstehenden Wormser Reichstages über Angelegenheiten, an denen der ganzen Christenheit, dem Hl. Reich, der deutschen Nation und ihm als Ks. viel gelegen ist, gefährdet werden. Er hat deshalb beide Seiten aufgefordert, ihm die Entscheidung über den Streit zu überlassen und Verhandlungen darüber auf dem Reichstag angekündigt. Befiehlt ihnen, das aufgrund der Kommission geführte Verfahren bis auf weiteren Bescheid einzustellen.

    «Nr. 94 Ks. Maximilian an Ebf. Uriel von Mainz – Grave, 29. März 1509 »

    Würzburg, StA, Mainzer Regierungsarchiv, Hessen-Darmstadt K 371/120, fol. 117–117’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 130–130’ (Konz. mit ex.-Verm.) = B.

    Er, der Ebf., hat sich über seine letzte Mitteilung bezüglich seines Konflikts mit Lgf. Wilhelm von Hessen beschwert und beantragt, den Kommissaren die Fortsetzung des Verfahrens zu befehlen.1Versichert ihm, dass sein Vorgehen zum Vorteil beider Seiten und zur Förderung des Verfahrens gedacht war. Er wird ihn darüber auf dem Wormser Reichstag, wohin aufzubrechen er im Begriff ist, ausführlicher informieren. Da die Rechtsprechung während der hl.[Oster-]Zeit ohnehin ruht, bittet er ihn um Geduld, bis er, der Ks., in Worms eintrifft. Er wird dann in dieser Sache zu seiner Zufriedenheit verfahren

    «Nr. 95 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Bf. Lorenz von Würzburg – Wittenberg, 8. April 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 91 (Mundum mit Korrekturen, am hl. ostertag; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]).

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens mit der in Abschrift beigelegten Einwilligung des Ebf. von Mainz in eine Vermittlung Kursachsens und Würzburgs zwischen dem Ebf. und dem Lgf. von Hessen.1Er wird darüber den hier anwesenden hessischen Räten Mitteilung machen. Seines Erachtens ist auch der Lgf. an einer raschen Beilegung des Streits interessiert, wozu er selbst nach Möglichkeit beitragen will. Wir bedenken aber, awiewol der Reichs tag gein Wurmbs außgeschriben, Šdas doch noch nicht aigentlich wissent, wann der furgang haben werd. Solt nu in diser sachen tag angesatzt werden und villeicht zu ungelegenheit desselben des Reichs tag furgang nemen, so haben e. L. wol zu bedenken, daz er must abkundet [werden]. Weyl dann unsers versehens bald offenbar werden sol, wie es mit dem Reichs tag bleiben werd, soll er, der Bf., den Ebf. um Verständnis für die Verzögerung bitten; er seinerseits wird dies gegenüber dem Lgf. tun und sich dafür einsetzen, dass dessen Gesandte zum Reichstag auch für diese Angelegenheit bevollmächtigt werden. Sollte sich der Reichstag jedoch weiterhin verzögern, wird er sich mit ihm über einen Termin für die Vermittlungsverhandlungen verständigen–a.

    «Nr. 96 Lgf. Wilhelm II. von Hessen an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Kassel, 18. April 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 92–92’ (Or., mitwochens nach dem sonntage quasimodogeniti; Gegenz. Antonius Alberti) = Textvorlage A. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 296, Fasz. 18, fol. 184 (Konz.) = B.

    Seine inzwischen zurückgekehrten Räte haben ihn darüber informiert, dass er es ihm freistellt, ob der Vermittlungstag zwischen Kurmainz und Hessen vor, auf oder nach dem Wormser Reichstag oder an einem anderen Ort stattfinden soll. Er hat ihm die Entscheidung über diese Angelegenheit bereits anheimgestellt und überlässt ihm deshalb auch die Festsetzung des Termins, sei es auf dem Reichstag oder anderswo.1

    «4.6. Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz »

    «Nr. 97 Kf. Ludwig V. von der Pfalz an Wendel von Adelsheim und Ulrich d. Ä. von Albersdorf – Heidelberg, 28. März 1509 »

    Vorrangigkeit der Reise zum Ks. und zum Reichstag vor Erfordernissen der böhmischen Belehnung.

    München, HStA, K.schwarz 16217, unfol. (Or. m. S., mitwochs nach dem sontag judica).

    ŠBestätigt den Empfang ihres Schreibens1mit der Empfehlung, dass Pfgf. Friedrich persönlich zu den Verhandlungen über die böhmische Belehnung2zu Kg. Wladislaw nach Prag reisen sollte. Er und sein Bruder würden es selbst begrüßen, wenn dieser die Reise unternehmen könnte. Es ist aber dieser zeit weder unserm bruder noch uns selbs zu tun moglich in ansehung des angesetzten reichstags, der yetzt vor augen ist, uf dem wir zu der lehenempfengnus mit insonder viel sachen, auch der entwerten flecken3 und anders halben, daran uns merglich gelegen, bey röm. keyserlicher Mt., auch den churfursten und andern zu handeln haben. Abe dem, wo wir es verseumpten, uns, unserm brueder, auch landen und leuten verderplicher und onwiderbringenlicher schade zugetrochen [= zugetragen] werden mag. […]. Darumb und dieweil die beyde stuck zu einer zeit zu reyßen sich sampt, doch durch unser einen personlich nit usrichten lassen wollen, haben wir bedacht und uns furgenommen, das ein und beswerlichst obligend, das seint die hendel, bey romischer keyserlicher Mt. und des Reichs stenden zu handeln sein, zum fordersten an die hand zu nehmen und nachvolgend, ob es gleich mit kosten und beswernis zugeen wirt, das ander uszurichten. Er muss den einen Schaden akzeptieren, um größeren zu verhüten. Sie sollen dies dem Kg. und den böhmischen Ständen so darlegen. Er hat den ungarischen Gesandten zum Ks., Johann von Meseritsch, zu sich gebeten und mit ihm darüber gesprochen. Meseritsch hat zugesagt, sich für die Belehnung Pfgf. Friedrichs einzusetzen.

    «4.7. Kurfürst Friedrich III. von Sachsen »

    «Nr. 98 Vortrag des bfl. Naumburger Gesandten Fabian von Feilitzsch (Hauptmann zu Zeitz) an kursächsische Räte – act. Torgau, 19. Oktober 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. B, Nr. 831, fol. 10–12, hier fol. 10’–11 (Kop., dornstags nach St. Luce evangeliste).

    [...]. Der Bf. von Naumburg hat die ihm auf den Reichstagen in Köln und Konstanz auferlegten Reichshilfen von insgesamt beinahe 1100 fl. gemäß ksl. Befehl an den Kf. von Sachsen übergeben. Er wurde jetzt vom Ks. aufgefordert, am 1. November (aller heiligen tag)auf dem Reichstag in Worms zu erscheinen, wie dies aus dem vorgelegten ksl. Mandat [Nr. 44] hervorgeht. Der Bf. bittet, ihn dises Reichs tags alder gewonheit nach gnediglichen zu benemen.1 [...].

    «Nr. Š99 Antwortschreiben Kf. Friedrichs III. von Sachsen an Ks. Maximilian – Wittenberg, 22. Oktober 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 11–11’ (Kop., sontag nach der XIM junkfrauen tag).

    [1.] Bestätigt den Empfang seines Schreibens [Nr. 185]. In den ksl. Ausschreiben hatte es geheißen, dass er sich durch nichts außer durch unvermugen auß Gots gewaltvon der Teilnahme am Reichstag abhalten lassen solle, notfalls jedoch auch Gesandte dorthin abordnen könne [Nrr. 36, Pkt. 3; 44, Pkt. 8]. Da er mit plodigkeyt meins leibs beladenund deshalb unter Umständen nicht zu reisen imstande ist, hatte er die Absicht, Gesandte zum Reichstag zu schicken. Angesichts der erneuten Aufforderung und obwohl er sich genug ungeschickt befinde, will er sich doch als gehorsamer Fürst, sofern sein körperlicher Zustand dies zulässt, persönlich bei ihm und den anderen Kff. und Ff. einfinden, um die Angelegenheiten von Ks. und Reich fördern zu helfen.1

    [2.] [PS] Er hat ihm durch seinen Herold Tirol Mandate an einige Stände zur Aushändigung des [Konstanzer] Anschlags an ihn2zugeschickt. Das auf den Mandaten angegebene Datum, der 27. Juli, liegt nun schon einige Zeit zurück. Aufgrund seiner bisherigen Verhandlungen mit den bewussten Ständen erwartet er nicht, viel zu erreichen. Da der Termin des Reichstages näher rückt, will er diese Angelegenheit auf sich beruhen lassen, bis sie persönlich darüber sprechen können. Er bittet, dies zu akzeptieren.

    «Nr. 100 Instruktion Kf. Friedrichs III. von Sachsen für Gf. Hoyer von Mansfeld und Johann Rennera als Gesandte zu Ks. Maximilian – Wittenberg, 22. Oktober 1508 »

    [1.] Teilnahme Kf. Friedrichs am Wormser Reichstag; [2.] Eintreibung der Konstanzer Romzughilfe; [3.] Verstimmung Ks. Maximilians wegen der Haltung Kf. Friedrichs auf dem Mainzer Kurfürstentag.

    ŠWeimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 13–15’, 16’ (Konz., sontag nach der eylftausent junkfrauen tag).

    [1.] Der Ks. hat ihn erneut zur persönlichen Teilnahme am Reichstag aufgefordert [Nr. 185], ihm daneben auch einige Mandate übersandt und die Eintreibung der [auf dem Konstanzer Reichstag bewilligten] Reichshilfe bei einigen Ständen befohlen. Seine Antwort [Nr. 99] können sie der beiliegenden Abschrift entnehmen. Darüber hinaus sollen sie beim Ks. Folgendes vorbringen:

    Was seine persönliche Teilnahme am Reichstag angeht, kann er zutreffend behaupten, dass er seit seiner Rückkehr aus Nürnberg keine zwei Tage gesund war. Es war ihm unmöglich zu reisen. bDie Ärzte hatten es ihm ohnhin verboten, weshalb er Gesandte zum Reichstag schicken wollte–a. Angesichts der erneuten Aufforderung durch den Ks. will er jedoch persönlich zu ihm und den übrigen Kff. und Ff. kommen, wenn dies gesundheitlich irgend möglich ist. Falls er nicht reiten kann, wird er sich fahren lassen. Was wolt uns aber yre Mt. zeyhen, so yre Mt., ander curfursten und furstenc nit aldo sein oder langsam komen wurden, das wir aldo zu spatd [= Spott] ligen solten, das man sagen mocht, wir wolten der furnemest sein, das uns schympflich were. Dies sollen sie dem Ks. gegenüber erklären.

    Ihm kamen Gerüchte zu Ohren, wonach der Tag entweder bis zum 30. November (St. Andreas tag)verschoben werden oder ganz ausfallen soll. Sie sollen ihm über die Absichten des Ks. in Bezug auf den Reichstag berichten.

    [2.] Er konnte aufgrund der früheren ksl. Mandate1nur die Beiträge der Bff. von Meißen und Naumburg sowie der Gff. von Barby zur [Romzug-]Hilfe einbringen2, das doch nit vil uber das, so wir von uns gereicht haben. Solten wir nu die ytzigen mandat auch außgeschickt haben, die doch am datum lang verschinen, so mocht es dafur angesehen werden, als teten wir die notigung zu unserm nutz und besten. Und weyl der außgeschriben Reichs tag nahe, mocht sich mit demselben beholfen und abslag gesucht werden, das kaiserlich Mt. und uns zu vercleynung reichte. Er hat deshalb nichts unternommen. Sie, die Gesandten, sollen ihn entschuldigen und den Ks. bitten, keine weiteren Schritte zu unternehmen, bis er ihn selbst darüber unterrichten kann.3

    Š[3.] Er hat erfahren, dass er gegenüber dem Ks. unter anderem beschuldigt wurde, er hätte die Verhandlungen auf dem Mainzer Tag blockiert und die Versammlung durch seine Abreise scheitern lassen. Damit geschieht ihm Unrecht, denn er hat sich, soweit dies in seiner Macht stand, immer um die Ehre und den Nutzen von Ks. und Reich bemüht. Sie sollen den Ks. bitten, diesen Anschuldigungen keinen Glauben zu schenken, sondern ihnemit den Verantwortlichen zu konfrontieren. Er wird sich dann zur vollen Zufriedenheit des Ks. rechtfertigen. Er würde dies gerne vor den damaligen ksl. Gesandten Bf.[Matthäus Lang] von Gurk, Gf. Adolf von Nassau, dem Kammermeister [Balthasar Wolf von Wolfsthal], Dr.[Erasmus] Topler und [Ulrich von] Schellenberg tun, die über seine Haltung auf dem Mainzer Tag Bescheid wissen. fAuch auf die diesbezügliche Erklärung seiner Gesandten in Köln hatte der Ks. versichert, an seinem Vorgehen in Mainz kein Missfallen zu tragen–e. Sie sollen dies alles dem Ks. vortragen und über dessen Antwort schriftlich berichten.

    «Nr. 101 Ks. Maximilian an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Antwerpen, 18. November 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 18–19’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. J. Renner).

    [1.] Er hat den Vortrag seiner Beauftragten, des ksl. Stallmeisters Gf. Hoyer von Mansfeld und des ksl. Sekretärs Johann Renner [Nr. 100], vernommen. Bekundet seine Anteilnahme an seiner Erkrankung. Was sein Angebot zur persönlichen Teilnahme am Reichstag angeht, so besteht derzeit keine Notwendigkeit aufzubrechen. Er soll bis auf weiteren Bescheid zu Hause bleiben, jedoch bereit sein, dann unverzüglich abzureisen und persönlich zu ihm nach Worms zu kommen, damit er nicht vergeblich warten muss und seine eigenen Angelegenheiten unerledigt bleiben. Sobald hier alles geregelt ist, wird er unverzüglich aufbrechen und so schnell wie möglich nach Worms reisen.

    [2.] Versichert ihm, dass weder die ksl. Gesandten zum Mainzer Tag noch sonst jemand sich in einer Weise über ihn geäußert haben, die sein Missfallen ihm gegenüber hätte erwecken können. Vielmehr findet sein Verhalten in Mainz seine Zustimmung. Wir setzen auch unser vertrauen in dein lieb und halten dich fur unsern lieben oheim und angebornen frund und den, der uns in unsern obligenden nöten und gescheften nit verlasset, sonder fur ander hilflich, retlich und beystendig ist. Er bittet also, solchen Behauptungen [über die angeblichen Verleumdungen] keinen Glauben zu schenken.

    «Nr. Š102 Weisung Kf. Friedrichs III. an Gf. Hoyer von Mansfeld und Johann Renner – Torgau, 10. Januar 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 23–24’ (Konz., mitwoch nach der heiligen dreu konig tag).

    [1.] Ihm ging ein im Namen des Ks. ausgestelltes kammergerichtliches Mandat zur Zahlung des auf dem Konstanzer Reichstag beschlossenen und [durch die Visitationskommission von 1508] verlängerten Anschlags zur Finanzierung des Kammergerichts zu. Demnach sollte er die Summe binnen vier Wochen an den Rat der Stadt Nürnberg schicken oder hätte sich im Falle seiner Weigerung binnen 30 Tagen vor dem Kammergericht zu rechtfertigen.1

    Sie sollen beim Ks. seine Besteuerung durch Kammerrichter und Beisitzer, was so bislang im Reich nicht üblich war, beanstanden. Gleichlautende Mandate wurden auch den Bff. [Johann] von Meißen und [Johann] von Naumburg zugestellt. Er, Renner, ist über seine Beschwerden gegen eine von Kursachsen getrennte Besteuerung der Bff. und anderer Stände informiert. Bisher wurden diese Stände mit Kursachsen gemeinsam veranschlagt. Sie sollen den Ks. deshalb bitten, das Kammergericht von weiteren Schritten gegen ihn und die beiden Bff. abzuhalten. An künftige Beschlüsse von Ks. und Ständen auf dem bevorstehenden Reichstag bezüglich des Kammergerichts will er sich halten. Doch soll ihm hinsichtlich der [von Kursachsen eximierten] Bff. und Gff., wie vom röm. Kg. in Konstanz zugesagt, ein Reversbrief über den Vorbehalt seiner Freiheiten und Rechte ausgestellt werden. Über die Antwort des Ks. darauf sollen sie Bericht erstatten.

    [2.] Der ksl. Harnischmeister Hans Schwerer (Swerer)hat ihm auf ksl. Befehl hin vor kurzem ein part2 zu dem pund3 geschickt und dabey angezeigt, dz irer Mt. begern sey, uns darnach zu richten, damit wir schirst fur dem frauenzymmer zu Wormbs der perlendeck, davon ksl. Mt. uns zu Costenz gesagt, dz neu abnemen etc.Sie sollen sich in seinem Namen beim Ks. für die Sendung und den freundlichen Gruß bedanken und erklären, wiewol wir als ein alter haußwirt gedacht, ruhe zu haben, so wolten wir doch, alsvil an uns, ksl. Mt. als der gehorsam, auch dem frauenzymmer zu eren gern zu gefallen werden.

    «Nr. 103 Weisung Kf. Friedrichs III. von Sachsen an Gf. Hoyer von Mansfeld und Johann Renner – Torgau, 18. April 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 29–29’ (Konz., mitwoch nach dem sontag quasimodogeniti).

    ŠErinnert an seine Weisung, den Ks. wegen des Fiskalmandats an die bisher in den kursächsischen Anschlag einbezogenen Gff. zu einer Weisung an den Fiskal zu veranlassen, in dieser Angelegenheit nichts weiter zu unternehmen. Er hat unter dem Vorbehalt seiner Rechte in das Kammergericht eingewilligt. Sein Rat Gf. Sigmund von Gleichen hat ihm indessen jetzt die beiliegende Abschrift eines ksl. Mandats zugesandt, wonach dieser binnen zweier Wochen den Kammerzieler erlegen oder sich innerhalb weiterer zwölf Tage vor dem Kammergericht verantworten soll. Erneuert deshalb den Auftrag, sich beim Ks. mit allem Nachdruck dafür einzusetzen, dass Gleichen und die übrigen Gff., die in früheren Anschlägen zu Kursachsen gerechnet wurden, in diesem Status verbleiben und nicht weiter behelligt werden.

    «4.8. Kurfürst Joachim I. von Brandenburg »

    «Nr. 104 Ks. Maximilian an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Köln, 31. Mai 1508 »

    Berlin, GStA, 1. HA, Repos. 1, Nr. 4, fol. 8–8’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. M. Lang).

    [1.] Ihr gemeinsamer Rat Eitelwolf vom Stein hat angeregt, ihm, dem Kf., zur Tilgung ksl. Schulden das in Lübeck angefallene Jubelablassgeld zukommen zu lassen. Er wird darüber eine Entscheidung treffen und ihm, da er dieses Geld in Kürze einfordern will, dann einen Bescheid geben, der sicherlich zu seiner Zufriedenheit ausfallen wird.

    [2.] Stein wurde auch wegen der Niederlagen zu Frankfurt [a. d. Oder] und Breslau1 bei ihm vorstellig. Mit der Angelegenheit ist der ksl. Kanzler Zyprian von Serntein betraut, der nun schon seit geraumer Zeit abwesend ist. Ohnehin hätte er selbst wegen wichtiger Angelegenheiten und den Erfordernissen des Krieges keine Gelegenheit gefunden, sich damit zu befassen. Dieweyl aber dein lieb ungezweyvelt auf nehsten reichstag gen Wormbs kumen wierdet, wellen wir deiner lieb desselben artikels halben auch geburlich abfertigung tun.

    «Nr. 105 Weisung Kf. Joachims I. von Brandenburg an Eitelwolf vom Stein – [wahrscheinlich Cölln/Spree, 25. Juni 1508] »

    [1.] Fernbleiben Kf. Joachims vom Reichstag; [2.] Verhandlungsanweisungen für Stein; [3.] kammergerichtliches Zahlungsmandat an Kf. Joachim; [4.] Bürgschaft für die vom Ks. geforderte Reichsanleihe, Verweisung ksl. Schulden auf die Jubelablassgelder in Lübeck und Hamburg, Bestätigung des Niederlagsprivilegs für Frankfurt/Oder und Breslau; [5.] Verhandlungen mit Ebf. Hermann von Köln für Mgf. Albrecht; [6.] Bestallung Kf. Joachims für den ksl. Romzug.

    ŠBerlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 13–14 (undat. Konz.).

    [1.] Bestätigt für den 24. Juni (Johannis baptiste)den Eingang eines ksl. Mandats [Nr. 36] und weiterer Schreiben [Nrr. 33, 37, 104] sowie eines Berichts Steins1. Er kann indessen aus mehreren triftigen Gründen nicht persönlich am Wormser Tag teilnehmen und schickt ihm deshalb eine Vollmacht. Befiehlt ihm, sein Ausbleiben gegenüber dem Ks. mit einer durch einen Sturz bedingten Verletzung am Fuß zu begründen, weswegen ihm vom Reiten abgeraten wurde. Außerdem hat er Warnungen erhalten, dass sich seine Feinde sammeln, um mit der Unterstützung polnischer Adliger seinem Land und seinen Untertanen Schaden zuzufügen. Er kann deshalb sein Kfm. nicht gefahrlos verlassen.

    [2.] Was aber ander kurfursten, fursten und stende des Reichs im besten furnehmen und volzihen, das wissen wir uns auch nicht zu weygern, wie dann unser mandat mitbringt. Ir wist aber, das wir allzeit in volzihung der zugesagten hilf gemeinlich mit den ersten sein, aber ander, als wir versteen kurfursten und fursten, seumig und noch an der hulf, zu Costanz ufgelegt, nichts ußgericht.

    [3.] Uns ist auch ein ksl. mandat bei grossen penen zukomen, hundert und XX gulden zu erhaltung des camergerichts gein Regensburg zu schicken.2 Nu wist ir, wie es umb die gulden steet euer handlung nach, das doctor [Anton von] Emerßhoven uns der benehmen sol. In dem wellet uns bei ksl. Mt. entschuldigen und verfugen, das der doctor uns benehme, wie er sich verwilligt, damit wir des one anfechtung bleiben.3

    [4.] Was die Bürgschaft angeht, bleibt es bei seinem vorigen Schreiben4: Er wird sich den anderen weltlichen Kff. anschließen. Dies soll er dem Ks. so bald wie möglich eröffnen und dabei auch ein Angebot wegen der Jubelablassgelder in Lübeck und Hamburg unterbreiten. Er soll sich bei [Niklas] Ziegler darum bemühen, dass dies ebenso wie die Bestätigung des Niederlagsprivilegs [für Frankfurt/Oder und Breslau] bewilligt wird. Falls er das ihm mitgegebene Siegel nicht benötigt, soll er es zerschlagen lassen und die Teile zurückschicken.

    Š[5.] Übersendet ihm einen an den Komtur zu Koblenz [Ludwig von Seinsheim] adressierten Kredenzbrief. Er soll diesen bitten, für seinen Bruder [Mgf. Albrecht] mit dem Ebf. von Köln zu verhandeln.5

    [6.] Falls die Kff. oder sonst jemand ihn wegen seiner, Kf. Joachims, Bestallung ansprechen, soll er in nichts einwilligen, sondern ihm darüber berichten.

    «Nr. 106 Inhibitionsmandat Ks. Maximilians an das ksl. Kammergericht – Tournai, 31. August 1508 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 17, Nr. 4d, Fasz. 1, fol. 3–3’ (Kop.1).

    [1.] Kf. Joachim hat gegen das auf Antrag des ksl. Fiskalprokurators [Hieronymus von Croaria] ausgegangene, mit einer Vorladung verbundene kammergerichtliche Mandat an Bf.[Hieronymus] von Brandenburg2zur Zahlung seines Beitrags von 12 fl. zum Kammerzieler Beschwerde erhoben.3Seinen Einwand gegenüber dem ŠKammergericht, die Bff. von Brandenburg, Lebus und Havelberg unterstünden dem Kfm. Brandenburg und seien bislang niemals vom Reich besteuert worden, und die damit verbundene Bitte um Respektierung geltenden Rechts hätten sie lediglich mit der Ankündigung beschieden, beim Fiskal einen Aufschub bis zum 10. August (Laurency)erwirken zu wollen.4Befiehlt, gegen den Bf. von Brandenburg oder andere Stände, deren Zugehörigkeit zum Kfm. Brandenburg geltend gemacht wird, bis zum nächsten Reichstag nichts zu unternehmen. Er wird ihnen dann Bescheid geben, wie künftig in solchen Fällen zu verfahren ist.

    «Nr. 107 Kf. Joachim I. von Brandenburg an Ks. Maximilian – Cölln/Spree, 1. Oktober 1508 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 95–95’ (Or., sonntag nach Michaelis).

    Eitelwolf vom Stein hat Befehl anzuzeigen, dass er, Kf. Joachim, wie andere Kff. gemäß der Goldenen Bulle von der Appellation [an fremde Gerichte] befreit ist. Im Prozess zwischen Veit von Schlieben (Sliben)und dem Brandenburger Bürger Anton Sichter1wurde dennoch an das ksl. Kammergericht appelliert. Er hat das Kammergericht schriftlich um Remission des Verfahrens ersucht. Bittet um eine entsprechende Weisung an das Gericht.

    «Nr. 108 Instruktion Kf. Joachims I. von Brandenburg für seinen Anwalt [Dr. Johann Rehlinger] am ksl. Kammergericht – [Cölln/Spree, 25. Januar 1509] »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 18, Nr. 30a, Fasz. 1, fol. 3–5 (undat. Konz.)1 = Textvorlage A. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 18, Nr. 25, Fasz. 1, fol. 146–147 (zugrundeliegendes Memorial, undat. Konz.; im Wortbestand, jedoch nicht inhaltlich abweichend) = B.

    Š[1.] Der Anwalt soll am ksl. Kammergericht folgende deklinatorische Einrede2vorbringen: Wie alle Kff. ist auch er gemäß Kap. XI der Goldenen Bulle von der Appellation befreit.3Laut Wormser Ordnung wurde das Kammergericht nur für die Dauer von sechs Jahren bewilligt4, der Konstanzer Reichstag beschloss eine Verlängerung um weitere sechs Jahre5, doch uf beyden reichstagen mit der maß und bedingnus und nicht anders, dann der freiheit seiner kurfurstlichen gnaden der obbemelten Gulden Bullen unbegeben, sunder dieselben seinen kurfurstlichen gnaden vorbehalten.6Seine Amtsvorgänger nahmen dieses Privileg unangefochten in Anspruch, das Kammergericht ließ bislang keine solchen Appellationen zu. Der Anwalt soll beantragen, die kfl. Gerichtsfreiheit zu respektieren und etwaige Appellationen an den Kf. zu remittieren. Außerdem soll er seinen Protest erklären, durch diese Einrede keinesfalls den Gerichtszwang des Kammergerichts anzuerkennen.

    [2.] An die Bff. von Brandenburg, Havelberg und Lebus sowie an die Gff.ain der Mark–a gingen Mandate und Ladungen aus, die mit folgenden Argumenten anzufechten sind: Diese Stände wurden bei Leistungen für Kss. oder Kgg. bislang bekanntlich nicht vom Reich veranschlagt, sondern dem Kf. von Brandenburg und seinem Territorium zugerechnet. Die drei Hochstifte wurden hauptsächlich aus dem Gebiet der Mark Brandenburg gestiftet und ausgestattet. Die genannten Bff. und Gff. haben keine Regalien vom Reich, sondern gehören unmittelbar zum Kfm. Brandenburg. Der Anwalt soll beantragen, die Mandate zu kassieren und weder ihn noch die genannten Bff. und Gff. weiterhin mit derartigen Neuerungen zu behelligen.

    Falls die Einsprüche bezüglich der Appellation oder der Exemtionen abgewiesen werden sollten, wird die Stilllegung der Verfahren bis zu einer Entscheidung auf dem bevorstehenden Reichstag beantragt. Gegebenenfalls ist ein diesbezüglicher Protest einzulegen.

    «Nr. Š109 Eitelwolf vom Stein an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Mainz, 11. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 12–12’ (Or. mit Siegelspuren, oculi; Postverm.: In sein hand.).

    [1.] [Erledigung eines ksl. Befehls beim Gf. von Nassau; Nr. 217]. Bekundet seine Verwunderung, dass Serntein die ihm gemachten Zusagen in seinen eigenen Anliegen und in den Angelegenheiten Kf. Joachims offenbar vergessen hat. Der Kf. und er selbst setzen dennoch weiterhin ihr Vertrauen in ihn. Ihm gehen ständig Schreiben zu, worin der Kf. die Verletzung seiner Privilegien seitens des ksl. Kammergerichts entweder durch Annahme von Appellationen oder durch dessen Vorgehen gegen die kfl. Prälaten [= Bff. von Brandenburg, Havelberg und Lebus] beklagt. Er, Stein, hatte ihn, Serntein, bereits darüber informiert.

    [2.] Beschwert sich darüber, dass er immer noch keinen Bescheid wegen des Niederlagsprivilegs erlangt hat. Bittet, den Kf. und ihn besser zu bedenken.1Er wartet hier in Mainz weiterhin den anberaumten Termin2und die Ankunft des Ks. ab. Bittet, ihn gegebenenfalls über weitere Verzögerungen zu informieren.

    «Nr. 110 Kf. Joachim I. von Brandenburg an Bf. Dietrich von Lebus [entsprechend an Bf. Hieronymus von Brandenburg und Bf. Johann von Havelberg] – Cölln/Spree, 1. April 1509 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 18, Nr. 30a, Fasz, 1, fol. 9 (Kop., suntag palmarum).

    Ihm, dem Bf. von Lebus, den Bff. von Havelberg und Brandenburg sowie den Gff. von Ruppin1gingen vom ksl. Fiskalprokurator beantragte kammergerichtliche Mandate zur Bezahlung des ausstehenden Kammerzielers zu. Er, Kf. Joachim, hat daraufhin an den Ks. geschrieben [Nr. 106, Anm. 3] und auch durch Eitelwolf von Stein um die Kassation dieser Mandate gebeten. Ebenso hat er Dr. Valentin von Sunthausen zu Verhandlungen mit dem Kammerrichter [Bf. Wiguläus von Passau] und dem Fiskalprokurator [Dr. Christoph Moeller] beauftragt. Dessen ŠBericht2samt einem Gutachten3, wie man dieser Beschwerde enthoben werden und die Angelegenheit vor den Ks. und die bevorstehende Reichsversammlung bringen kann, liegt in Abschrift bei. Für die Verhandlungen benötigt der kfl. Prokurator am ksl. Kammergericht, Johann Rehlinger, seine Vollmacht.4Diese soll er ihm, Kf. Joachim, unverzüglich zusenden, damit nicht aus Säumigkeit weitere Beschwerden entstehen. Denn die Bff. von Lebus sind bislang niemals vom Reich veranschlagt worden, sondern wurden immer in den Kurbrandenburger Anschlag miteinbezogen. Die zu Brandenburg gehörenden Bff. und Gff. haben keine Reichslehen inne. Der Prokurator soll, falls der Ks. die Mandate wider Erwarten nicht kassiert, unter Geltendmachung der genannten Gründe wie auch der kfl. Gerichtsfreiheit beantragen, die Mandate zurückzuziehen oder die Angelegenheit an den Ks. und die bevorstehende Reichsversammlung zu verweisen.

    «Nr. 111 Weisung Kf. Joachims I. von Brandenburg an Dr. Johann Rehlinger – s.l., 15. April 1509 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 18, Nr. 30a, Fasz, 1, fol. 10–11 (Konz., suntag quasimodogeniti).

    [1.] Bestätigt den Eingang seines Berichts1. Er soll sich wegen der Bff. von Lebus, Havelberg und Brandenburg sowie wegen der Gff.[von Ruppin und Honstein] in kein Verfahren [am Kammergericht] einlassen, sondern erklären, dass diese bislang keinerlei Reichshilfen geleistet hätten, auch keine Lehen oder Regalien vom Reich besäßen und bislang in dieser Weise [mit Zahlungsmandaten und Vorladungen] Šnicht gegen sie vorgegangen worden sei. Sie seien in keinem Reichsregister aufgeführt, sondern hätten sich immer als zum Kfm. Brandenburg gehörig verstanden und seien in dessen Anschlag einbezogen gewesen. In Anbetracht der Leistungen der Kff. von Brandenburg für das Reich müssen diese Tatsachen respektiert werden. Gegebenenfalls kann er darauf hinweisen, dass der Gf. von Honstein nur ein von seinem Großvater [Albrecht Achilles] an dessen Vater [Gf. Johann von Honstein] verliehenes Erbschloss innehat.2 [...]3. [Deshalb ist zu beantragen, die ausgegangenen Mandate zu kassieren oder die Angelegenheit] an den Ks. und die Reichsversammlung [zu verweisen]4. Die Ausstellung eigener Verhandlungsvollmachten für ihn, Rehlinger, durch die Bff. und Gff. erscheint unnötig, da ihm ohnehin deren Vertretung obliegt.

    [2.] Hinsichtlich der Appellationen [an das Kammergericht] besteht er auf seiner kfl. Gerichtsfreiheit. Er hat gemeinsam mit Kf.[Friedrich] von Sachsen unter Berufung auf die Goldene Bulle nur unter diesem Vorbehalt in die Eröffnung des Kammergerichts eingewilligt.5Trotz seiner Prozessvollmachten von [Heinrich] Krewitz und [Anton] Sichter sollte er, Rehlinger, sich in kein Verfahren einlassen, sondern die kfl. Freiheiten schützen und jeweils Remission beantragen. Falls dem nicht stattgegeben wird, sollen der Ks. und die auf dem bevorstehenden Reichstag versammelten Stände angerufen werden. Der mögliche Einwand, dass seine Gerichtsfreiheit ausschließlich für die kfl. Untertanen gilt, was auf Merten Richter nicht zutrifft6, ist unerheblich. Richter hat Krewitz an einem brandenburgischen Gericht verklagt und sich somit seinem kfl. Gerichtszwang unterworfen. Die Auslegung der kfl. Gerichtsfreiheit steht keinesfalls dem Kammergericht zu, sondern ist dem Ks. vorbehalten, dessen Amtsvorgänger dieses Privileg gewährt hat. Deshalb verweigert er auch die Übersendung der Prozessakten.

    «Nr. 112 Kf. Joachim I. von Brandenburg an Dr. Valentin von Sunthausen – [wahrscheinlich 15. April 1509] »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 17, Nr. 1b, fol. 1–1’ (Konz.; auf fol. 2 der wahrscheinlich auf dieses Stück bezügliche Datumvermerk: suntags quasimodogeniti.).

    [1.] Bestätigt den Eingang seines Schreibens [Nr. 110, Anm. 2] und bedankt sich für seinen Rat. Das daraufhin an Dr. Johann Rehlinger ausgegangene Schreiben [Nr. 111] liegt in Abschrift bei. Wie bereits erklärt, haben die Bff. [von Brandenberg, ŠHavelberg und Lebus] sowie die Gff. von Ruppin und Honstein dem Reich seit Menschengedenken keine Hilfe geleistet. Im Unterschied zu den in Meißen und Thüringen ansässigen Bff. und Gff. verfügen sie über keine Lehen oder Regalien vom Reich. Ihre Besitzungen gehören zum Kfm.[Brandenburg] und wurden ihnen von den Kff.übereignet. Dafür leisten sie ihnen, wie die Ritterschaft auch, Dienste in ihren Kriegen und sonstigen Angelegenheiten. Die Bff. und Gff. wenden sich deshalb auch schriftlich an den Kammerrichter und an den ksl. Fiskalprokurator1, wie er, Sunthausen, erfahren wird. Er selbst hat seinem Rat Eitelwolf vom Stein befohlen, mit dem Ks.über die Abstellung dieser Beschwerden zu verhandeln. Er wird in keine Reichshilfe einwilligen, solange nicht der Schutz seiner Rechte garantiert ist.

    [2.] Bezüglich Dr.[Antons von] Emershofen teilt er seine Meinung. Aber das wer uns beswerlich, das wir einen beisitzer im camergericht nach ordnung des Reichs ordenen solten und nicht macht haben, den abzufordern und einen andern auß unser lantart an sein stat zu setzen.Er will indessen die Entscheidung des Kammerrichters abwarten2und den Fall dann ggf. vor den Ks. bringen. Bittet ihn, sich weiterhin um seine Angelegenheiten zu kümmern. Übersendet ihm Geld für Rehlinger.

    «4.9. Bischof Georg von Bamberg gegen Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach »

    «Nr. 113 Spruchbrief Gf. Eitelfriedrichs von Zollern – Windsheim, 25. Oktober 1508 »

    Bamberg, StA, A 85, Lade 346, Nr. 1543 (Or. m. S., mittwochen nach der aylftausent junckfrowen tag) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2017, fol. 434–434’ (Kop.) = B. Wolfenbüttel, HAB, Cod. Guelf. 32.9 Aug. 2o, fol. 302–302’ (wie A) = C.

    ŠReferiert bei: Looshorn, Geschichte IV, S. 488f.

    Er hat aufgrund der Bewilligungen Bf. Georgs von Bamberg und Mgf. Friedrichs von Brandenburg beide Parteien wegen ihres Streits um das Schloss Streitberg1angehört. Beide Seiten haben erhebliche Gründe vorgebracht, warum sie diesem Schiedstag nicht bis zu seinem Abschluss beiwohnen konnten. Es wurde vereinbart, dass die Kontrahenten jeweils über die jetzigen Verhandlungen beraten sollen und er auf dem zum 1. November (allerheiligen tag)nach Worms einberufenen Reichstag unter Hinziehung von je zwei Räten beider Parteien erneut einen Vermittlungsversuch unternehmen wird. Mgf. Friedrich hat außerdem die Stundung seiner Forderungen [in Höhe von 100 fl.]2an die Einwohner von Gasseldorf und [in Höhe von 120 fl.] an Untertanen des Klosters Langheim bis zum 2. Februar (unser lieben Frowen tag liechtmess)zugestanden. Dieser Abschied erfolgt vorbehaltlich der Rechte beider Seiten.3

    «Nr. 114 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Brüssel, 25. Januar 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 40–40’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Er hatte ihm im Streit mit dem Bf. von Bamberg um das Schloss Streitberg und um die ihm, Mgf. Friedrich, auf seinen Antrag genehmigte dortige Halsgerichtsbarkeit befohlen, die gefangengesetzten bfl. Untertanen unentgeltlich freizulassen, in dieser Angelegenheit vor ihm, dem Ks., auf dem Wormser Reichstag zu erscheinen, bis dahin nichts zu unternehmen und auch von der Gerichtsfreiheit keinen Gebrauch zu machen.1Doch unterblieb laut Mitteilung des Bf.2die Umsetzung des Mandats. ŠDie Gefangenen sind nach wie vor in Haft, auch wurde ein neuer Galgen bei Streitberg aufgerichtet. Diese Angelegenheit könnte eskalieren und die Reichstagsverhandlungen, aan denen ihm als Ks., dem Hl. Reich und der deutschen Nation viel gelegen ist–a, stören. Der Bf. hat erneut einen rechtlichen Austrag angeboten. Er befiehlt ihm, in dieser Angelegenheit nichts weiter zu unternehmen, auf die Anwendung der Halsgerichtsbarkeit zu verzichten, auch nicht gegen den Bf., das Hst. Bamberg oder dessen Untertanen vorzugehen, sondern die Verhandlungen in dieser Sache auf dem Reichstag abzuwarten bund inzwischen die Gefangenen freizulassen–b.3

    «4.10. Bischof Georg von Bamberg gegen Reichstadt Nürnberg  »

    «Nr. 115 Gutachten von Nürnberger Ratskonsulenten – [Nürnberg, wohl kurz vor dem 23. Februar 1509]1 »

    [1.] Durchführung eines Schiedsverfahrens; [2.1.] Beschwerden des Bf. von Bamberg gegen die Stadt Nürnberg: Streitigkeiten insbesondere um die Hochgerichtsbarkeit in der Hofmark Fürth, [2.2.] Übergriffe Nürnbergs, [2.3.] strittige Steuerrechte und [2.4.] strittige Gerichtsbarkeit im Landgericht Bamberg, [2.5.] strittige Ansprüche auf das Kloster Weißenohe; [3.1.] Beschwerden Nürnbergs gegen den Bf. von Bamberg: strittige Ansprüche auf Lonnerstadt, [3.2.] Anspruch Nürnbergs auf die Hochgerichtsbarkeit über Veldenstein, [3.3.] strittiger Wildbann in Velden, [3.4.] strittige Holznutzungsrechte Veldens und Betzensteins.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratschlagbücher, Nr. 1, fol. 4–7 (Kop.).

    [1.] Nach Auffassung der Ratskonsulenten ist noch unsicher, ob und in welcher Weise die beiden Unterhändler2in Worms tätig werden wollen. Doch gilt es hinsichtlich Šder Instruierung der Gesandtschaft zu berücksichtigen, dass auf jeden Fall in gütlicher Form verhandelt werden wird.

    [2.1.] Was die Bamberger Beschwerden, wie sie in der Abrede [vom 17.11.1508] fixiert wurden, und insbesondere die Hochgerichtsbarkeit in der Hofmark Fürth angeht, ist der den Nürnberger Vertretern in Schmalkalden unterbreitete Vorschlag in einigen Punkten unannehmbar.3

    Ein möglicher Vermittlungsvorschlag könnte jedoch folgendermaßen lauten: Der Bf. von Bamberg verzichtet zugunsten Nürnbergs auf die Ausübung der Hochgerichtsbarkeit in Fürth (Furt)und in der Hofmark. Der Bf. wird jeweils dem vom Nürnberger Rat gewählten Richter den Blutbann leihen, der diesen dann gemäß dem Gemeinen Recht in der Hofmark ausübt. Eine Ausnahme sollen Totschlagsdelikte bilden, bei denen mit dem Nehmen des Freispfands4gemäß dem Landesgebrauch verfahren werden soll. Unter die Hochgerichtsbarkeit und die Freisstrafen fallen dabei alle Delikte, die mit Strafen an Leib und Leben zu ahnden sind. Die Ausübung der Hochgerichtsbarkeit soll der Bamberger Dompropstei an ihren übrigen Rechten nichts benehmen. Doch soll es mit dem Frevel, d. h. Taten, die nicht an Leib und Leben zu strafen sind, gemäß dem Herkommen gehalten werden: Den auf frischer Tat ertappten Verbrecher urteilt die für den Tatort zuständige Obrigkeit ab, andernfalls ist der Gerichtsort des Klägers maßgeblich. – Durch diese für Nürnberg vorteilhafte Regelung würden sich überdies weitere in Schmalkalden von der Gegenseite eingebrachte [im folgenden aufgelistete] Artikel bezüglich der Freis erledigen.

    Eine zweite Möglichkeit wäre, dass Nürnberg die Hofmark samt allem Zubehör mit Ausnahme des Zehnten gegen andere, für Bamberg günstig gelegene Besitzungen, z. B. Sambach (Sanpach), eintauscht. Drittens könnte versucht werden, die Hofmark zu kaufen.

    Die Nürnberger Vertreter sind gehalten, diese Vorschläge ausserhalb deß verzaichenten mittels nit anzeregen, die wurden dann selbs durch die Bambergischen angeregt. Dann es wurd ains das ander verhindern. Ist sich auch nit zu vermuten, das derhalben was werd angezaigt, zuvor dweil die hofmark mit irn gutern nit dem bischof, sonder tumbpropst zusteet.

    [2.2.] Hinsichtlich der Beschwerde Bambergs wegen des Nürnberger Vorgehens in Weisendorf sowie in der Gegend zwischen Pretzfeld (Bretfeld)und Kirchehrenbach Š(Erenbach)sollen die Gesandten die Vermittler ersuchen, diesen Punkt bis zur Erledigung des zentralen Streitpunkts, der dieses Vorgehen veranlasst hat, zurückzustellen, und sich dann um eine Aufrechnung mit Übergriffen [der Gegenseite] bemühen.

    [2.3.] Bezüglich Steuer und Heeresfolge ist der in Schmalkalden gemachte Vermittlungsvorschlag bei Berücksichtigung der von den Nürnberger Vertretern vorgeschlagenen Ergänzung akzeptabel: Bamberg nimmt die Steuer an denjenigen Orten ein, wo es dies auch bisher getan hat, ungeachtet, ob Nürnberger Bürger dort begütert sind. Nürnberg hingegen darf diese Besitzungen nicht mit Abgaben belegen. Die im Landgericht gelegenen und bislang nicht von Bamberg besteuerten Nürnberger Güter sind der Stadt steuerpflichtig. Umgekehrt darf Nürnberg an Angehörige des Hochstifts veräußerte Güter weiterhin besteuern, sofern es auch bislang dazu berechtigt war.

    [2.4.] Bezüglich der Gerichtsbarkeit über diese Güter haben die Nürnberger Vertreter [in Schmalkalden]5einen Vorschlag unterbreitet, der von der Gegenseite billigerweise angenommen werden muss, da es in allen Landgerichten so gehalten wird und der Artikel auch mit der Bamberger Landgerichtsordnung [vom 26.6.1503] in Einklang steht. Der Vorschlag lautete, wie folgt: Ob die von Nurnberg guter erkauft hetten oder hienach erkaufen wurden, die doch im bambergischen landgericht gelegen seind, und die armen derselben gutere von andern umb sachen, personlich spruch betreffend, an solch landgericht gezogen werden, so soll der landrichter uf begern und anrufen irer aigenherrn die armen fur sie, ire aigenherrn, als ir ordenliche richter solher sachen zu recht weisen. Aber umb ander sachen ausserhalb personlicher spruch söll es mit den armen sölcher nurmbergischen gütere gehalten werden wie mit der edelleut gutern und armen, im landgricht deß stifts Bamberg gelegen, und auch also, das ainem yeden aigenherrn soll vorbehalten sein, seine erbleut umb verfallen zins und gult on vorgeende rechtfertigung zu yedem mal zu pfenden. – Eine andere Regelung wäre für den Nürnberger Rat nicht akzeptabel.

    [2.5.] Bezüglich Weißenohes (Weissenach)kann die Lösung nur darin bestehen, dass es im Besitz Nürnbergs bleibt. Die Nürnberger Vertreter sollen sich auch in keine Erörterung über die kgl. Begnadung6einlassen, sondern lediglich erklären, dass die Stadt, wie vordem die Hgg. von Bayern, das Schutz- und Schirmrecht samt anderen weltlichen obrigkeitlichen Rechten über das Kloster legal und für geraume Zeit auch unwidersprochen innehatte und -hat.

    Š[3.1.] Was die Beschwerdepunkte Nürnbergs angeht, so ist hinsichtlich Lonnerstadts wohl keine Verständigung möglich, da Bamberg Nürnberg keinesfalls die dortige Hochgerichtsbarkeit überlassen wird. Dennoch sollte die Frage der Rechte des Rates und der Bürger in Lonnerstadt zur Sprache kommen. Im Rat wurde folgender Kompromiss erörtert: Wo ain rate yemand als ain ubelteter betret, das er sy daselbst zu Lonerstatt in dem schloß und dem kirchhof underschlaifen und nachmaln hereinfurn, aber im dorf dem stift sonst die fraiß zusteen. Darauf könnte man sich bei den Verhandlungen einlassen.

    [3.2.] Die Anspruch Nürnbergs auf die Hochgerichtsbarkeit über Veldenstein ist unbestreitbar, die Gegenseite hat selbst die Unsicherheit ihrer diesbezüglichen Position eingeräumt. Und darumb mocht es derhalb also gemacht [werden], das mit dem hohen gericht im schloß und markt Veldenstain die fraiß in [der] hofmark Furt vergleicht wurd, aber nit nachzugeben die herren und hofe, die auch die bambergischen haben begert.

    [3.3.] Der Wildbann zu Velden könnte so geregelt werden, dass der Pfleger in Veldenstein den von Nürnberg eingesetzten Richter jeweils um Genehmigung für das niedere Waidwerk bittet und dem dann um guter Nachbarschaft willen, jedoch nicht aufgrund eines etwaigen Rechtsanspruches stattgegeben wird. So wurde es auch bislang gehalten.

    [3.4.] Über die strittigen Holznutzungsrechte der Einwohner von Velden und Betzenstein muss eine Kommission vor Ort befinden.7

    «4.11. Bischof Wilhelm von Straßburg gegen Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz »

    «Nr. 116 Kf. Ludwig V. von der Pfalz an Bf. Wilhelm von Straßburg – Heidelberg, 9. April 1509 »

    Straßburg, AD, G 599, unfol. (Or. m. Siegelrest, montaig in den heiligen osterfeyertagen).

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens bezüglich der Verhandlungen seines Kanzlers [Johannes Sigrist] mit ihm, Kf. Ludwig, wegen einer angeblichen Geldschuld und diverser Konflikte in den Ämtern.1Er geht davon aus, dass er, Bf. Wilhelm, zum Šksl. Tag nach Worms kommen wird. Er selbst wird dort seinen in der Begleitung des Ks. befindlichen Bruder Pfgf. Friedrich, den die Angelegenheit ebenfalls angeht, treffen, sich mit ihm beraten und ihm danach seine Meinung eröffnen. Außerdem wird er Erkundigungen über das kritisierte Vorgehen seines Zöllners [zu Einhartshausen] gegenüber einem Bürger aus Zabern anstellen und ihm die Ergebnisse anschließend mitteilen. Versichert ihn seines Wunsches nach einem gutnachbarlichen Verhältnis.

    «4.12. Bischof Christoph von Brixen  »

    «Nr. 117 Bf. Christoph von Brixen an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Steinach, 25. April 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 29–29’ (Or. m. S., sand Marx tag, ex.-Verm., Postverm.: Zu aigner ha[nd]).

    [1.] Bittet ihn um Mitteilung, ob der Ks. sich noch einige Tage in Worms aufhalten und dort die drei Kff.[von Mainz, Köln und Pfalz] sowie Hg. Wilhelm von Bayern belehnen wird oder nicht. Er will sich wegen wichtiger Angelegenheiten ebenfalls zum Ks. nach Worms verfügen und dort, wie von ihm empfohlen, seine Regalien empfangen. Er wird jetzt nach Innsbruck aufbrechen, um dort seine Antwort abzuwarten, sofern sein Schwager Paul von Liechtenstein ihm keinen anderen Rat geben sollte.

    [2.] Erinnert an sein letztes Schreiben aus Innsbruck wegen der Trienter Dompropstei.1Der Ks. hat seinem Schwager [Paul von Liechtenstein] geschrieben, dass Šer die Propstei dem St.-Georgs-Orden inkorporieren wolle. Der Augsburger Domdekan [Wolfgang von Zülnhart] legte indessen eine einen Tag früher ausgestellte ksl. Weisung vor, die Propstei an ihn zu übergeben. Er konnte [Sigmund] von Thun überzeugen, den Georgsorden anzunehmen, falls ihm der Ks. die Propstei bewilligen würde. Der Domdekan verwies auf einen dem Ks.übergebenen Reversbrief, worin er für einen solchen Fall seinen Verzicht erklärt hatte. Indessen will er als noch nicht konsekrierter Bf. im Interesse des Ks. und der Propstei diese vorläufig selbst behalten. Bittet ihn, sich beim Ks. dafür zu verwenden, dass er niemand anderen einsetzt. Sobald er mit dem Ks. zusammentrifft, will er mit ihm darüber sprechen.

    «Nr. 118 Bf. Christoph von Brixen an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Innsbruck, 27. April 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 31–31’ (Or. m. Siegelrest, ex.-Verm.).

    Erinnert an seine Anfrage aus Steinach bezüglich der Reichsbelehnungen [Nr. 117]. Er beabsichtigt, seinem Rat zu folgen und ebenfalls die Regalien zu empfangen, darmit wir nicht mynder geacht werden dan unser frund, der von Trient, so zu Costenz seine regalia auch erlichen empfangen hat.1 Er will sich ohnehin wegen eigener Anliegen und Angelegenheiten des Hochstifts mit dem Ks. treffen und beabsichtigt, am Montag [30.4.] nach Worms aufzubrechen. Für den Fall, dass er nicht rechtzeitig zur Belehnung eintreffen würde, bittet er ihn, eine entsprechende Mitteilung eilends auf dem Postweg nach Ulm zu Händen des Bürgermeisters Dr. Neithart oder im Falle seiner Abwesenheit des Pfarrers2zu schicken, damit er eine so weite und gefährliche Reise nicht vergebens auf sich nimmt. Er würde in diesem Fall zu seinem Schwager Paul von Liechtenstein nach Augsburg reiten und dort die Ankunft des Ks. erwarten. Inzwischen könnte er mit den Fuggern und anderen Personen in den Angelegenheiten des Stifts verhandeln.

    «Nr. 119 Bf. Christoph von Brixen an den Paul von Liechtenstein und Zyprian von Serntein – Augsburg, 7. Mai 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 35–35’ (Or. m. Siegelspuren, ex.-Verm.).

    Š[1.] Wie er hier in Augsburg erfahren hat, behauptet der Domdekan [Wolfgang von Zülnhart], dass die Abtretung der Trienter Dompropstei an ihn eine ausgemachte Sache sei. Dieser ist inzwischen gemeinsam mit dem Bf. von Gurk zum Ks. gereist, um die entsprechenden Urkunden und Schreiben zu erwirken. Er selbst vertritt unverändert die Position, die Propstei nicht abzutreten, solange er nicht die [Priester- und Bischofs-]Weihe empfangen hat. Seine Haltung wird in einer mündlichen Unterredung mit dem Ks. sicher dessen Zustimmung finden. Bittet sie, dafür Sorge zu tragen, dass der Bf. von Gurk nicht die Ausfertigung weiterer Schriftstücke veranlasst und der Ks. ihn, Bf. Christoph, zum einen in dieser Sache anhört und es ihm zum anderen nicht verdenkt, wenn er den Dekan weiterhin mit unverbindlichen Antworten abfertigt.

    [2.] Die von ihm, Serntein, angekündigte Nachricht, ob er hier die Ankunft des Ks. abwarten oder sich nach Mindelheim verfügen soll, ist noch nicht eingetroffen. Bittet, ihm durch den Überbringer dieses Schreibens diesbezüglich Aufschluss zu geben.1

    [3.] Jakob Fugger informierte ihn über einige Vorgänge, die es ratsam erscheinen lassen, Gesandte nach Rom und zum Wormser Reichstag abzuordnen. Fugger will ihn, Liechtenstein, ins Bild setzen, sobald er herkommt.2Er selbst ging davon aus, dass der Ks. und Liechtenstein nach Augsburg kommen würden, nachdem er keine Aufforderung erhalten hat, sich zu ihnen zu verfügen.

    «4.13. Bischof Hugo von Konstanz »

    «Nr. 120 Ks. Maximilian (ksl. Kanzlei) an Bf. Hugo von Konstanz – Kaufbeuren, 20. Mai 15091 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 142 (Konz. mit ex.-Verm.).

    Erinnert ihn an die Ladung zum Wormser Reichstag, worüber sie auch kürzlich bei ihrem Treffen in Ulm2gesprochen haben. Er hat den ksl. Räten in Worms inzwischen Šihre Instruktion und Weisungen für die Verhandlungen mit den Reichsständen [Nrr. 266f.] zugeschickt. Fordert ihn auf, seine zur Teilnahme an den Verhandlungen und zu deren Abschluss zu bevollmächtigenden Räte ohne weitere Verzögerung nach Worms abzufertigen. Er soll seinen Gesandten auch alle erforderlichen Unterlagen zum Kloster Reichenau mitgeben und sie zum Vortrag vor den Ständen, die er mit der Anhörung beauftragt hat [Nr. 271, Pkt. 1], bevollmächtigen.3

    «Nr. 121 Ks. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz – Siegburg, 12. April 1509 »

    Karlsruhe, GLA, 96/1128, unfol. (Or. m. Siegelspuren, Vermm. prps./amdip., Gegenz. N. Ziegler).

    Bestätigt den Empfang ihres Schreibens, das Kloster Reichenau betreffend.1Er wird sich auf dem Wormser Reichstag zu ihrer Zufriedenheit um diese Angelegenheit kümmern.2

    «Nr. Š122 Beschluss Bf. Hugos von Konstanz und seines Domkapitels – s.l., 27. April 1509 »

    Eventueller Abzug von Bf. und Domkapitel aus Konstanz.

    Karlsruhe, GLA, Abt. 5, Konv. 301, Nr. 7323 (Or. Perg. m. 2 anh. Ss., frytag nach sanct Marx tag; eigh. Unterschrift der Aussteller: Bf. Hugo von Konstanz; anwesende Vertreter des Domkapitels: Dekan Johann Bletz von Rotenstein, Johann von Randegg, Kustos Johannes Zwick, Gf. Heinrich von Montfort, Kantor Johann Konrad von Bodman, Roland Göldlin, Jakob von Klingenberg, Matthäus von Bubenhofen, Peter von Hertenstein, Gf. Johann von Lupfen, Melchior zu Rhein (Ryn), Wolfgang von Hewen, Hieronymus Schenk von Limpurg, Dr. Georg Vergenhans und Heinrich von Sax. In der Intitulatio nicht aufgeführter Mitunterzeichner: Dr. Joachim Schada.) = Textvorlage A. Karlsruhe, GLA, Abt. 5, Konv. 301, Nr. 7324 (Or. Perg. m. 2 anh. Ss. und eigh. Unterschrift der Aussteller) = B.

    Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz verletzen – insbesondere durch Missachtung der Zuständigkeit des bfl. geistlichen Gerichts und seines Ammanngerichts – seit langer Zeit und vielfach die Privilegien und Freiheiten von Bf., Hochstift und Domkapitel.1Ihre wiederholten Bemühungen um eine einvernehmliche Regelung Šoder einen rechtlichen Austrag waren bislang vergeblich. Die Stadt setzte ihre Rechtsverletzungen fort. Sie sind hingegen gemäß dem Gebot Gottes und der christlichen Kirche sowie vor ihrem Gewissen und zu ihrer Ehre verpflichtet, ihre Privilegien und Freiheiten zu schützen. Sie verpflichten sich deshalb und mit der gestalt, ob es sich begäb, das uf jetz nächst angesehen kayserlichen Rychs tag zu Wurms uns weder in gutlichait noch sunst zu endlichem ußtrag erlidenlich entschaid verfolgen möcht, alsdann söllen und wöllen wir, Hugo, bischove, und ain gemain capitel samentlich und jeder insonder mit unserm gaistlichen chorgericht und andern unsern verwandten, ouch wir, thumbdechan und gemain capitel obgenant, uns mit unsern residenzen und wonungen von und uß der statt Costanz bis uf den hailigen wyhenecht tag [25.12.] aller nächstkunftig verendern und ziehen2 und dazwuschen, so erst wir, Hugo, bischove, von egemeltem Rychs tag kommen, unverzegenlich uns mitainandern verainen und endlichen entschliessen, solich sachen und recht sampt andern anhangenden und notwendigen dingen, wie und in was gestalt anzeheben, furzenemen und ze versehen und zu volstrecken syend; und also aller und jeder obvermelter spenn, yngriff, irrungen, beschwärden und sachen halb, gaistlicher und weltlicher, so wir, bischove und capitel, mit berurter statt Costanz und irn verwaltern, burgermaister und rat oder die statt mit uns zu baidersyt gemainlich oder sonderlich ze tun haben oder gewunnen, mitainandern getruwlich und ainhelliglich zusamensetzen und halten, byainandern onabtailig verharren und bliben, guts und ubels lyden, ainandern nach allem vermögen hilflich, rätlich und bystendig syn, ouch unser jeder tail on des andern tails willen und wissen mit unserm bischoflichen hof, gaistlichen gericht, residenz, hußhaltung oder verwandten nit widerumb gen Costanz ziehen noch uns mit vorbemelter statt vertragen, verainen noch richten lassen, weder wenig noch vil, bis zu endlichem ußtrag aller unser bischofs und capitels spenn und sachen, und besonder alles das mitainandern tun, handlen und furnemen sollen und wollen, das zu handhabung egerurter gerechtigkaiten, fryhaiten, gnaden, oberkaiten, ehaften, gewonhaiten und alten herkumen unser, unsers stiftz und capitels dient oder dienen mag.Dies haben sie sich gegenseitig zugesagt. Bekunden hiermit, sich an diese Übereinkunft halten zu wollen.3

    « Š4.14. Bischof Philipp von Speyer gegen die Stadt Landau »

    «Nr. 123 Mandat Ks. Maximilians an Bf. Philipp von Speyer – Dordrecht, 15. August 1508 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 68 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip.).

    Zwischen ihm, dem Bf., und der Stadt Landau bestehen Differenzen wegen des Kellerers Hans Erwin.1Um eine Ausweitung des Streits zu verhindern, will er in dieser Angelegenheit persönlich verhandeln. Daran hindern ihn derzeit aber seine vielen Regierungsgeschäfte und die Angelegenheiten des Krieges. Er befiehlt ihm deshalb, bis zum Wormser Reichstag in dieser Sache nichts gegen Landau zu unternehmen. Dort wird er beide Parteien anhören und zwischen ihnen vermitteln. Er, der Bf., soll außerdem dafür Sorge tragen, dass der Kellerer bis dahin der Stadt fernbleibt. Ein entsprechendes Mandat geht der Stadt Landau zu.

    «4.15. Deutscher Orden »

    «Nr. 124 HM Friedrich von Sachsen an den Komtur zu Koblenz [Ludwig von Seinsheim] – s.l., 17. Juni 1508 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 108 (Kop., sonnabent nach phingsten).

    Bestätigt den Eingang seines Berichts aus Köln vom 24. Mai (mitwoch nach cantate)unter anderem über die beim Ks. ausgerichteten Aufträge.1Er hat es unterlassen, ihm seine Instruktion zuzuschicken, da er ohnehin die Absicht zu einem persönlichen Treffen mit dem Ks. hat, wenn dieser sich in der Rheingegend aufhält. Er, Seinsheim, geht in seinem Bericht davon aus, dass ein neuer Reichstag einberufen wird. Bittet, ihm durch den Überbringer dieses Schreibens mitzuteilen, ob dieser Reichstag tatsächlich stattfindet, wo der Tagungsort sein und wann der Ks. dorthin reisen wird. Wenn es möglich ist, soll er außerdem in Erfahrung bringen, wo der Ks. sich um den 10. August (sanct Laurentien tag)herum voraussichtlich aufhalten wird. Auf Bitte des Deutschmeisters [Hartmann von Stockheim] hat er den Termin für ihre Zusammenkunft auf den 13. August (suntag Šnach Laurenti)nach Marburg verlegt. Wenn möglich, will er zuvor den Ks. aufsuchen. Er, Seinsheim, soll vorläufig in Koblenz bleiben und sich dann, wie Georg von Eltz auch, zu den Beratungen in Marburg einfinden.2

    «Nr. 125 HM Friedrich von Sachsen an den Ordensmeister in Livland, Wolter von Plettenberg – [Rochlitz], 6. November 1508 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 135 (Kop.).

    Druck: Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 472, S. 339f.

    [...]. Er beabsichtigt, an dem vom Ks. ausgeschriebenen Reichstag teilzunehmen, falls dieser persönlich dorthin kommt; wenn nicht, wird er Gesandte schicken. Dort will er, wie schon früher angekündigt [Nr. 20], auch die Angelegenheiten des Ordensmeisters zur Sprache bringen.1 [...].

    «Nr. 126 HM Friedrich von Sachsen an den Gesandten des Ordens an der Kurie, Dr. Johann von Kitzscher – s.l., 3. Januar 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 142 (Kop., mitwochen nach des neuen jars tag).

    Š[…]. Die Situation des Ordens ist unverändert, abgesehen davon, dass der polnische Kg. einen Frieden mit dem Großfürsten von Moskau geschlossen hat und ohne jeden Grund beabsichtigen soll, die Ordenslande anzugreifen. Den ksl. Reichstag konnte er bislang noch nicht besuchen, da er immer wieder verschoben wird. Der Ks. hält sich weiterhin in den Niederlanden auf. Es heißt, dass er nicht vor März abreisen wird. Er hat sich deshalb entschieden, unverzüglich eine Gesandtschaft zum Ks. abzuordnen. […].

    «Nr. 127 Instruktion HM Friedrichs von Sachsen für den Spittler von Königsberg, Georg Truchseß von Wetzhausen, als Gesandten zu den Regenten in Preußen – [Meißen], kurz nach dem 18. Januar 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 30, pag. 53–56 (undat. Kop.).

    [1.] Georg Truchseß kam am 18. Januar (donerstag nach Anthoni)zu ihm nach Meißen, wo er mit seinem Bruder Hg. Georg über die Situation des Ordens beraten hat. Die von diesem mitgeteilten Neuigkeiten waren ihm bereits bekannt. Er wird den Gesandten [Hans] von Köckritz zum polnischen Kg. mit dem Auftrag zurückschicken, für den 18. März (letare)eine Antwort durch eine eigene Gesandtschaft nach Posen (Pozenau)anzukündigen. Hg. Georg wird ebenfalls Gesandte dorthin abordnen. Welche Antwort er geben wird, hat er noch nicht entschieden; er wird den polnischen Kg. jedenfalls auf das fruntlichste wellen ansuchen. Einen eventuellen Vorschlag zu gütlichen Verhandlungen wird er akzeptieren. Er geht auch davon aus, dass sich noch vor diesem Termin der Papst oder der ungarische Kg. in die Angelegenheit einschalten werden.

    [2.] Unabhängig davon will er, da sich der Reichstag verzögert, einen Gesandten zum Ks. schicken. Sobald der Reichstag beginnt, wird er sich, was er schon länger beabsichigt, dorthin begeben. Auch lässt er die Freunde des Ordens unter den Kff. und Ff. aufsuchen, was er bisher aus den ihnen bekannten Gründen aufgeschoben hat. […].

    «Nr. 128 HM Friedrich von Sachsen an den Komtur zu Koblenz, Ludwig von Seinsheim – s.l., 22. Januar 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 150–152 (Kop., montag nach Sebastiani).

    [1.] […]. Der Gesandte der preußischen Regenten, Georg Truchseß (Spittler von Königsberg), teilte ihm vor zwei Tagen mit, dass der polnische Kg. einen Frieden mit dem Großfürsten von Moskau geschlossen hat. Der Kg. wolle ihn, den Hochmeister, durch Hans von Köckritz erneut auffordern, sich zu Mittfasten [18.3.] bei ihm in Posen (Pozenau)einzufinden und den [Thorner] Vertrag zu vollziehen. In diesem Sinne werde sich der Kg. auch an die Regenten, Gebietiger und Untertanen des ŠOrdens wenden. Falls er, der Hochmeister, sich weiterhin verweigere, werde der Kg. Preußen mit Krieg überziehen.1

    [2.] Er hatte nicht erwartet, dass sich der ksl. Reichstag so lange verzögern würde. Für den Fall, dass der Ks. daran teilnehmen würde, wollte er sich ebenfalls persönlich dort einfinden. Da weitere Verzögerungen der Sache des Ordens schaden, ersucht er ihn, gemäß beiliegender Instruktion2beim Ks. vorstellig zu werden und dann für längere Zeit als Sachwalter des Ordens am ksl. Hof zu bleiben. Er seinerseits wird jetzt Gesandte zu den Freunden des Ordens unter den Kff. und Ff. sowie zum fränkischen Adel schicken. Über die Ergebnisse wird er ihn informieren.

    [3.] Laut Bericht [Johann] Kitzschers hat der Kardinal von San Giorgio [Raffaele Riario] das Amt eines Protektors des Deutschen Ordens übernommen; auch der Papst hat sich freundlich geäußert. Er übersendet ihm an die Ebff. von Mainz, Köln und Trier adressierte Kredenzbriefe und eine Instruktion. Da sie nicht weit von ihm entfernt sind, soll er sie ebenfalls aufsuchen. Über die Ergebnisse seiner Mission und die weitere Entwicklung bezüglich des Reichstages soll er Bericht erstatten.

    «Nr. 129 Instruktion HM Friedrichs von Sachsen für Georg von Eltz als Gesandten zum Ordensmeister in Livland, Wolter von Plettenberg – [ca. 25. Januar 1509] »

    [1.] Rechtfertigung für die Unterlassung von Hilfsbitten an Ks. und Reich nach dem Scheitern des Tages von Breslau, Absicht zur Teilnahme am Wormser Reichstag; [2.] Absicht zur Teilnahme an einem Tag zu Posen, Informierung möglicher Unterstützer.

    Berlin, GStA, OBA, Nr. 19255, fol. 1–3’ (undat. Kop.).

    Druck: Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 528, S. 375f.

    [1.] Der Hochmeister hatte sich während seines Aufenthalts in Sachsen mit dem Rat seiner Brüder [Hgg. Georg und Heinrich von Sachsen] unablässig darum bemüht und auch erwartet, dass auf dem vom Ks. für den 2. April (vorgangen vasten)ausgeschriebenen Tag zu Breslau1gütliche Verhandlungen über die Angelegenheiten Šdes Ordens stattfinden. Warum der Tag nicht zustande kam, hat der Hochmeister ihm schon früher eröffnet. Er wollte den Ks., die Kff. und Ff. oder auch den Adel bislang nicht um Hilfe bitten, da der Ks. selbst in schweren Kämpfen gegen Venedig und den Hg. von Geldern [Karl von Egmond] stand, wofür er die Reichsstände in Anspruch nahm. Auch führte der Ks. Verhandlungen mit Kg.[Wladislaw] von Ungarn, die durch ein solches Ersuchen möglicherweise gefährdet worden wären. Zudem ging der Hochmeister davon aus, mit dem Ks. auf dem nach Worms ausgeschriebenen Reichstag zusammenzutreffen. Der Reichstag wurde jedoch wegen wichtiger Angelegenheiten des Ks. mehrmals verschoben: Dieser führte Verhandlungen über ein Bündnis mit den Kgg. von Frankreich, England und Ungarn sowie mit Hg. Karl von Burgund. Wie dem Hochmeister berichtet wurde, wurde das Bündnis inzwischen zum Zweck der gegenseitigen Hilfe gegen jedwede Feinde geschlossen. Man erwartet deshalb, dass der Reichstag, wie vom Ks. ausgeschrieben [Nr. 50], zur bevorstehenden Fastenzeit stattfinden wird. Der Hochmeister wird daran teilnehmen.

    [2.] Dieser hat außerdem vor kurzem erfahren, dass der polnische Kg. einen Frieden mit dem Großfürsten [Wassili] von Moskau geschlossen hat2, ohne gemäß dem bestehenden Bündnis3den Ordensmeister [Wolter von Plettenberg] mit einzuschließen. Außerdem soll er beabsichtigen, ihn für den 18. März (mitfasten)zu einem Tag nach Posen (Pozenau)zu laden.4Der Hochmeister hat beschlossen, ebenfalls Gesandte zum Kg. zu schicken, wenn er dazu aufgefordert wird. Gleiches wird sein Bruder Hg. Georg von Sachsen tun. Falls ihm unter akzeptablen Bedingungen gütliche Verhandlungen angeboten werden, wird er diese nicht abschlagen. Der Hochmeister erwartet auch, dass sich der ungarische Kg. einschalten wird. Für alle Fälle hat er Gesandte zum Ks., zu Kff. und Ff. und auch an den Adel ausgesandt5sowie dem Ordensprotektor in Rom geschrieŠben.6Über deren Reaktionen wird der Hochmeister den Ordensmeister informieren. Versichert Plettenberg, dass er gegenüber dem Ks. auch seine Angelegenheiten vorbringen wird. [...].7

    «Nr. 130 HM Friedrich von Sachsen an den Komtur zu Koblenz, Ludwig von Seinsheim – s.l., 1. März 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 165–166 (Kop., eodem die [= dornstag nach invocavit]).

    [1.] Bestätigt den Eingang seines Schreibens1mit der Entschuldigung, warum er den Ks. und die Kff. von Mainz, Trier und Köln nicht aufsuchen konnte. Er selbst beabsichtigt nach wie vor, am Reichstag teilzunehmen, wenn der Ks. nach Worms kommt. Die dem Orden nahestehenden Kff. und Ff. wurden inzwischen durch Gesandte über dessen Lage informiert. Es ist deshalb unerlässlich, auch die drei genannten Kff. aufzusuchen. Falls sein schlechter Gesundheitszustand dies nicht erlaubt, soll er ihnen wenigstens die Kredenzbriefe und seine Instruktion zuschicken und sein Ausbleiben schriftlich entschuldigen. Sollte sich der Reichstag weiter verzögern und er nicht zum Ks. reisen können, soll er ihn darüber informieren, damit er ihn durch einen anderen Gesandten ersetzen kann. Falls der Reichstag stattfindet, hat der Bote Befehl, auf seine, Seinsheims, Weisung in Worms eine Herberge zu bestellen.2Er soll sich ebenfalls zum Reichstag verfügen.

    «Nr. 131 HM Friedrich von Sachsen an den Ordensmeister in Livland, Wolter von Plettenberg – s.l., 28. März 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 170–171 (Kop., mitwochen nach judica).

    Druck: Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 585, S. 430f.

    Š[1.] [...]. Er hat in seiner Angelegenheit die Freunde des Ordens, darunter auch die Ritterschaft in Franken kontaktiert. Deren einhelliger Rat lautet, an dem vom Ks. ausgeschriebenen, bislang jedoch verschobenen Reichstag teilzunehmen – was er schon längst gern getan hätte. Daselbst wollen sie unser und unsers ordens sache treulich helfen furdern, das wir von gemeynen stenden des Heiligen Reichs mit trostlicher furderung und hulf nit sollen verlasen werden.1

    [2.] Der Kg. von Ungarn und Böhmen ließ durch Bf. Hiob von Pomesanien (Riesenburg), der sich anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für dessen Sohn [Kg. Ludwig] in Prag aufhielt, bestellen, dass er Gesandte zum polnischen Kg. schicken werde, um dessen Zustimmung zu gütlichen Unterhandlungen zwischen dem Deutschen Orden und Polen zu erlangen. Falls er erfolgreich sei, werde er bald nach der Osterzeit einen Termin anberaumen. Er selbst wird sich inzwischen weiterhin darum bemühen, den Konflikt mit Polen durch gütliche oder rechtliche Verhandlungen zu beenden. Falls es unterdessen zu einem polnischen Angriff kommen sollte, hat er seinen Ratschlägen folgend die Schlösser und Städte des Ordens in Abwehrbereitschaft versetzt. [...].2

    «Nr. Š132 Antwort HM Friedrichs von Sachsen an Gesandte des Deutschmeisters [Hartmann von Stockheim] – [Rochlitz, 19. April 1509 oder kurz danach] »

    [1.] Ordenstag in Frankfurt; [2.] Rechtfertigung seiner Politik gegenüber Polen; [3.] Teilnahme am Wormser Reichstag, Vermittlungsverhandlungen mit Polen; [4.] Ansprüche Sebastian Stiebars von Buttenheim an den Deutschen Orden.

    Berlin, GStA, OBA 19239, fol. 3–4’ (undat. Kop.).

    [1.] Er hat ihrem Vortrag1entnommen, dass der Deutschmeister in Kürze in Frankfurt einen Kapiteltag abhalten wird. Sie, die Gesandten, sollen zweifellos ebenfalls daran teilnehmen. Damit er sie nicht daran hindert, gibt er ihnen folgende Antwort auf ihren Vortrag.

    [2.] Der Deutschmeister hat sicherlich seine bisherigen Schreiben gelesen. Daraus konnte er entnehmen, dass er, der Hochmeister, und der Orden nicht leichtfertig in diese gefährliche Situation geraten sind. Vielmehr haben der vorige und der jetzige poln. Kg.[Alexander und Sigismund] sämtliche Vermittlungsangebote zurückgewiesen. Zuletzt trachtete man ihm sogar nach dem Leben. Er ist deshalb, wie auch vom Ordensmeister in Livland [Wolter von Plettenberg] geraten, in seine Heimat zurückgekehrt. Seither bemüht er sich unablässig um eine friedliche Beilegung des Konflikts. Hätte er anders gehandelt und, wie vom Deutschmeister empfohlen, die Politik seiner Amtsvorgänger fortgesetzt, hätte er das Ordensland schließlich an den polnischen Kg. ausliefern müssen.

    [3.] Er, der Hochmeister, hat bereits vor ihrer Ankunft von dem ausgeschriebenen Kapiteltag erfahren und deshalb den Landkomtur von Thüringen [Klaus von Uttenrode] mit folgendem Vortrag an den Deutschmeister beauftragt: Er gedenkt, jetzt den ksl. Reichstag in Worms zu besuchen und auch eine Gesandtschaft zu den bei der Heiltumsweisung in Bamberg [am 6. Mai] versammelten fränkischen ŠRitterschaft zu schicken.2Falls der Deutschmeister nicht persönlich am Reichstag teilnehmen wird, bittet er ihn, ebenfalls Gesandte dorthin abzuordnen und sich auch an der Gesandtschaft nach Bamberg3zu beteiligen. Dort will er jeweils die Beschwerden des Ordens vorbringen und, nachdem dieselbigen das Heilig Reich und ganze teutsche nacion am meisten belangend, zu bitten und gutlich zu begern, sein gnaden beretig zu sein, was seiner Gn. furder in dieser beschwerung furzunemen sei ader nicht, nachdem es in seiner Gn. und ordens macht nicht sey, sich allein der gewalt des konigs zu Polan aufzuhalten. Und was sein ftl. Gn. daselbst eintrechtiglich geraten in beyweßen meins gn. H., des meisters, ader seiner geschickten, da wollen sich sein Gn. dem orden zu eren und nutz gepurlich ynnen finden lasen. Kg.[Wladislaw] von Ungarn-Böhmen bemüht sich ebenfalls bei seinem Bruder, dem polnischen Kg., um eine Vermittlung. Den Ausgang dieser Initiative will er noch abwarten. Sollte die Vermittlung wie schon zuvor abgeschlagen werden, soll der Deutschmeister auf dem bevorstehenden Kapiteltag einen Beschluss herbeiführen, dem Hochmeister und dem Orden mit allen Kräften die ihnen zustehende Hilfe zu leisten. Das Schicksal des Ordens in Preußen hat auch Rückwirkungen auf den Orden im Reich. Sollte sich eine neue Situation ergeben, würde er, der Hochmeister, ebenfalls eine Gesandtschaft zum Kapiteltag abordnen.

    [4.] Der Hochmeister hat [Sebastian] Stiebar zu seinem Vorgehen4keinerlei Veranlassung gegeben, sondern im Gegenteil mehr zugestanden, als notwendig gewesen wäre. Mit Bedauern nimmt er zur Kenntnis, dass der Deutschmeister und der Orden bei den Ganerben [zu Rothenberg] und dem fränkischen Adel nicht mehr Ansehen genießen. Da der von den Ganerben verabschiedete Schiedsgerichtsvertrag einige bedenkliche Artikel enthält, wird er sich über die Angelegenheit noch einmal beraten und ihn, den Deutschmeister, dann über seine Entscheidung unterrichten. Auch wird er sich an befreundete Stände wenden, um das mutwillige Vorgehen Stiebars zu beenden.

    « Nr. Š133 HM Friedrich von Sachsen an den Ordensmeister in Livland, Wolter von Plettenberg – [Weißensee], 30. April 1509 »

    Bevorstehende Reise zum Wormser Reichstag zu Verhandlungen über die Angelegenheiten des Deutschen Ordens.

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 184–185 (Kop., montag nach dem suntag jubilate).

    Druck: Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 599, S. 441f.

    [...]. Nachdem wir auch vernemen, das die ksl. Mt., unser allergn. herr, sich gen Wurms auf den Reichs tag begeben, haben wir nach rat unser hern und freunde, der churfursten und fursten, dahin zu ziehen unsern weg angenomen, da wir euer sach, wie wir euch vormals oft geschriben [Nrr. 20, 125], nicht vergessen wellen. Und was uns da allenthalben begegnet und unserm orden guts erlangen, wollen wir euch bey derselbigen unser botschoft nicht verhalten. Gutlich begern, ir wellet euch unser regenten, orden, land und leut in unserm abweßen bevolhen haben. Das wellen wir etc.

    [PS] Uns ist auch euer schrift, darinnen ir uns die handlung, so ir durch botschaft mit kgl. W. zu Polan gehabt etc., zu erkennen geben1, behendet worden. Die wellen wir auf dem Reichs tag auch beratschlagen loßen und alsdann euch auch weiter unser gutdunken darinnen vermelden.2

    «Nr. 134 HM Friedrich von Sachsen an Kf. Friedrich III. von Sachsen – [Weißensee], 3. Mai 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 185 (Auszug, donerstags, am tag invencionis crucis).

    Er hat sich nach Weißensee begeben, um von hier aus zum ksl. Reichstag nach Worms zu reisen. Dort will er mit seiner, Kf. Friedrichs, Unterstützung und der anderer Freunde des Ordens den Ks. um Schutz und Unterstützung zur Bewältigung ihrer schwierigen Situation bitten. Ein Bote sollte ihn über die Ankunft des Ks. in Worms informieren, ist aber noch nicht zurückgekehrt. Zweifellos ist er, der Kf., gut über den Reichstag informiert. Er bittet ihn deshalb um Mitteilung durch den Überbringer dieses Schreibens, ob der Ks. bereits in Worms eingetroffen ist und wie lange er sich Šseinen Informationen zufolge dort aufhalten wird, schließlich, ob er selbst persönlich am ksl. Tag teilnehmen wird oder nicht.

    «4.16. Niederösterreichische Ländergruppe »

    «Nr. 135 Instruktion der in Linz versammelten Landstände Österreichs ob der Enns für Verhandlungen mit den Vertretern der übrigen niederösterreichischen Länder – Linz, 4. Oktober 1508 »

    Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 51–53’ (Kop.).

    Wie der Ks. in seiner vorgelegten Instruktion [Nr. 46] selbst erklärt hat, wurde der Krieg gegen Venedig wegen des Reiches eröffnet. Er soll deshalb die Reichsstände um Hilfe bei der Rückeroberung der erlittenen Verluste ersuchen. Da diese zuvor den Ks. in dieser Angelegenheit beraten haben, werden sie diese Hilfe zweifellos auch bewilligen. Was die obderennsischen Stände dann gemeinsam mit anderen Erbländern leisten können, werden sie tun. Der Ks. kann selbst ermessen, dass die Hilfe der Erblande ohne die Unterstützung des Reiches wenig bewirken würde. Seiner Aufforderung zum Besuch des Wormser Reichstag wollen sie Folge leisten, wenn dies die anderen Erbländer ebenfalls tun, doch alweg dem haus Osterreich und gemainer landschaft an iren freihaiten und altem herkomen unvergriffen und on schaden. […].1

    «Nr. 136 Entwurf der niederösterreichischen Landstände für ein Schreiben an Ks. Maximilian – s.l., vor dem 10. November 1508 »

    Zusammenstellung von Argumenten für die Reichshilfeverhandlungen mit den auf dem Reichstag versammelten Ständen.

    Graz, StLA, Landschaftliches Archiv, Antiquum III, K. 165, H. 540, unfol. (undat. Konz.; (3) Vermerke am Textende: Ordinanz im Reich. Unser hilf wider die Turken auf gelt jarlich zu begeren. Den Krabaten ire potschaft auf den reichstag ze schicken.).

    Der Ks. hat gemäß einem Artikel seiner Instruktion [Nr. 46] auf den niederösterreichischen Landtagen gefordert, wie Tirol und Burgund Gesandte zu den auf dem Reichstag in Worms versammelten Reichsständen zu schicken, um dort Šihre Beschwerden und Anliegen als Verteidiger der Grenze gegen die Feinde des Reiches und der deutschen Nation vorzubringen. Insbesondere sollten sie ihre im Venezianerkrieg für das Reich getragenen Kosten und erlittenen Verluste schildern und Hilfe fordern. Ihre Ratschläge für die bevorstehenden Verhandlungen mit den Reichsständen sollten schriftlich dem obersten Hauptmann des [niederösterreichischen] Regiments, Wolfgang von Polheim, übermittelt werden.

    Sie sind der Meinung, dass in diesem Artikel e. Mt. und des loblichen haus Osterreich lande wolfart und behaltungawohlbedacht ist. Sie wissen daran bezüglich der Verhandlungen mit den Reichsständen zwar nichts zu verbessern, wollen aber dennoch ihre Stellungnahme dazu abgeben: Nach den ksl. Plänen sollen die österreichischen und burgundischen Stände bei den Reichsständen mit der Bitte um Unterstützung vorstellig werden. Sie sind jedoch der Meinung, dass sie dem Ks. als ihrem Landesherrn nicht vorgreifen können und Verhandlungen mit den Reichsständen ohne ihn nutzlos sein werden. Angemessener und aussichtsreicher wäre es, wenn stattdessen der Ks. als Landesfürst ihr Anliegen vorbringt. Indessen hoffen sie, dass die Reichsstände am leichtesten zu einer Hilfsbewilligung zu bewegen sind, wenn ihnen zusätzlich zu den ksl. Argumenten geschildert würde, was diesen Ländern von Ungläubigen und Christen zugefügt wurde: Der Ks. hat schon wegen der Türkengefahr gute Gründe, Hilfe von den Reichsständen zu fordern. [Im Folgenden mit geringfügigen inhaltlichen Abweichungen entsprechend Nr. 137, Pkt. 3 Insbesondere ist zu bedenken … zur Seite stehen. Der Grund für den Krieg … beträchtliche Hilfe leisten.]. Da die Erbländer auch dem Reich zugehören und der Ks. durch sie nit der wenigist, sunder der maisten einer im Heiligen Röm. Reich ist, dürfen sie in ihrer schweren Not nicht im Stich gelassen werden.

    Der Ks. kann auch darauf hinweisen, dass Venedig im letzten Krieg vier wichtige Seehäfen1eingenommen hat. Nur über diese Häfen konnten vor einigen Jahren rechtzeitig deutsche Landsknechte nach Neapel verschifft werden, sodass der spanische Kg. das Kgr. mit deren Hilfe vom französischen Kg. erobern konnte.2Wenn künftig das Haus Habsburg dort regiert3, besteht Hoffnung, dass ganz Italien wieder dem Hl. Reich unterworfen werden kann. Hingegen erleichtert der Besitz dieser Häfen und der Gft. Görz als einem schlussl des landes Crainden Venezianern wirkungsvolle Angriffe auf die ksl. Erblande. Die Reichsstände sollten dem Ks. deshalb bei der Rückeroberung helfen, zumal dieser Verlust wegen des Reiches unter hohen Kosten für den Ks. und die eigentlich unbeteiligten Erblande erlitten wurde. Wenn die Venezianer im Besitz dieser Häfen bleiben, gefährdet dies das ganze Reich. ŠAuch verfügen die Reichsfürsten und die deutsche Nation an diesem Meer über keine anderen Häfen mehr.

    Wir erwegen auch, das jetz das loblich haus Osterreich allein an e[uer] Mt. perschon stet und nach derselben abfall, da Got lang vor sey, wenig trost haben, das dise lande durch eins hern von Osterreich perschon wesenlich mocht regiert werden. Wo es sich durch Gots gewalt zutrueg, das e. Mt. abgieng, das Got lang nit einvil, dyeweil e. Mt. enklen als naturlich erben unerzogen sich selbs zu disen landen nit tun mochten, deßhalb zu besorgen, dise land mer dan von einem ort anfall haben wurden. Dyeweil aber dise land auch gelyder des Reichs sein, ob dise land nach e. Mt. abfall von den anstossern anfall hetten, sein die stand des Reichs schuldig, e. Mt. erben und uns hilf ze tun, damit wir von e. Mt. erben und dem Heiligen Reich mitsambt e. Mt. erblanden nit gedrungen werden. Wenn sich der Ks. schon vorab zu einem Beitrag für den Kampf gegen Ungläubige und Feinde bereiterklären würde, würde dies die Aussicht auf Gewährung der Hilfe sicherlich vergrößern. Es wäre auch ratsam, sich mit Frankreich und anderen Feinden des Ks. zu verständigen, damit die Reichsstände umso mehr geneigt sind, gegen die Ungläubigen und die Venezianer eine beträchtliche Hilfe zu leisten. Falls der Ks. wünscht, dass sie diese Argumente an seiner Seite den Reichsständen vortragen, sind sie dazu bereit.

    «Nr. 137 Instruktion der niederösterreichischen Ausschüsse zu Verhandlungen mit Ks. Maximilian, den Reichsständen sowie Vertretern der obererösterreichischen Stände und Burgunds auf dem Wormser Reichstag (Mürzzuschlager Libell) – Mürzzuschlag, 10. November 1508 »

    [1.] Rückeroberung der im Krieg gegen Venedig verlorenen Gebiete; [2.] Beistandsabkommen aller habsburgischen Erblande, Reformvorschläge und Hilfsbewilligung der niederösterreichischen Landstände; [3.] Argumente für die Verhandlungen über eine Reichshilfe; [4.] Befestigung der Landesgrenzen, Mitspracherecht der Landstände bei Entscheidungen über Krieg und Frieden, Beschwerden und Anliegen der niederösterreichischen Länder; [5.] Vollzug der Wormser Verhandlungsergebnisse.

    St. Pölten, NÖLA, Landtagshandlungen, Kart. 1, Fasz. mit der Aufschr.: Ausschüsse der fünf niederösterr. Erblande; Vergleich zu Mürzzuschlag, 10.11.1508, fol. 1–8’, 9’–13’ (Or. m. Spuren von 35 Ss.) = Textvorlage A. Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 16–47’ (Kop.) = B. St. Pölten, NÖLA, HS 27/17, fol. 44’–51’ (spätere Kop., Überschr.: Handlung und furnemen, von den funf niderosterreichischn landen zu Mertzurschlag beslossen anno XVC und im achten.) = C.

    [1.] Der Ks. hat auf den jüngst abgehaltenen Landtagen um den 29. September (Michaelis)eine Instruktion [Nr. 46] vorlegen lassen und [für den 16. Oktober] zu weiteren gemeinsamen Beratungen der niederösterreichischen Stände darüber Šnach Bruck a. d. Mur1geladen. Bezüglich der unter anderem darin enthaltenen acht Artikel wurden folgende Beschlüsse gefasst: 1. [Defensionsordnung der niederösterreichischen Erblande]. 2. Hinsichtlich der Rückeroberung der im letzten Krieg erlittenen Verluste an Venedig können sie nur dazu raten, bei den Ständen des Hl. Reiches, derhalb ir Mt. in solich verlust komen,eine ausreichend große Hilfe zu beantragen, mit dem Papst, den Kgg. von Frankreich, Spanien, England und Ungarn-Böhmen sowie mit anderen Herrschaftsträgern und den italienischen Republiken ein friedliches und freundschaftliches Verhältnis herzustellen und durch ein Bündnis oder wenigstens die Herstellung eines einvernehmlichen Verhältnisses die Eidgenossen für den ksl. Dienst zu gewinnen. Unter diesen Voraussetzungen sind die Erblande zweifellos gerne bereit, Hilfe zu leisten. Sollten die eroberten Besitzungen bei Venedig verbleiben und weiter befestigt werden, wären Kärnten und Krain gezwungen, diese unleidliche Nachbarschaft zu akzeptieren. Für den Fall jedoch, dass sich die Reichsstände zur Unterstützung bei der Rückeroberung verpflichten, sind die Gesandten2bevollmächtigt, gemeinsam mit den Vertretern Oberösterreichs und Burgunds eine angemessene Hilfe zu bewilligen.

    Š[2.] 3. Über die gemeinsame Defensionsordnung Niederösterreichs, Oberösterreichs und Burgunds werden die Gesandten der einzelnen Länder zweifellos auf dem Reichstag gemeinsam beraten und weisungsgemäß einen Beschluss fassen. 4. Der Ks. hat in seiner Instruktion zugestanden, sich Kritik an seiner Person oder an seiner Regierung stellen zu wollen. […]. Die Gesandten sollen dem Ks. auf dem Reichstag in Worms oder wo sie ihn sonst antreffen werden, auf die sinkenden Einkünfte aus seinen Kammergütern und die wirtschaftliche Erschöpfung Niederösterreichs aufmerksam machen. [Vorschläge für eine Reform der niederösterr. Zentralregierung etc.]. Auch wenn den Gesandten darüber keine Einigung mit dem Ks. gelingt, haben die Landstände dennoch für den Kriegsfall einhellig eine bis Ostern befristete gegenseitige Hilfe von einem Reisigen und zwei Fußknechten je 200 Pfd. Herrengülte3beschlossen.

    [3.] 5. Der Ks. hat die niederösterreichischen Länder aufgefordert, Gesandte zum Reichstag nach Worms zu schicken, um den Reichsständen dort ihre Anliegen und Beschwerden vorzutragen und um Hilfe zu bitten. Sie sind davon überzeugt, dass der Ks. als ihr Landesfürst dies besser als sie zu tun weiß, wollen ihn aber dennoch auf einige zu berücksichtigende Aspekte hinweisen: Der Grund für den Krieg gegen Venedig und die damit verbundenen schweren Verluste für die ksl. Erblande war die im Interesse des Reiches erstrebte Kaiserkrönung. Die Reichsstände sind deshalb verpflichtet, dem Ks. bei der Rückeroberung der verlorenen Gebiete zu helfen. Der jetzige Ks. wie auch sein Vater Ks. Friedrich sind viele Jahre lang wegen des Reiches in Kriege und vielfältige Gefahren geraten, mit schwerwiegenden Folgen für ihre eigene Liquidität und die Finanzen der Erblande. Die Kriegshilfen, die Steuern für den Ks. und die Belastung durch feindliche Nachbarn haben zu ihrem Niedergang geführt. Es steht zu befürchten, dass die Erblande aufgrund ihrer Schwäche in diesen unruhigen Zeiten für das Haus Österreich verlorengehen oder aufgeteilt werden, falls Ks. und Reich ihnen nicht eine beträchtliche Hilfe leisten. Sie sind allerdings zuversichtlich, dass diese gewährt wird.

    Insbesondere ist zu bedenken, dass die Türken in a-den letzten 54–a Jahren4zahlreiche christliche Reiche unterjocht haben. Inzwischen können sie Krain und Teile der Steiermark binnen zweier Tage erreichen. Zwar fungiert das Kgr. Kroatien (Krabaten)als Puffer, den die Türken mit einer nur kleinen Heeresmacht nicht überwinden können. Doch wurde Kroatien in den vergangenen Jahren häufig von ihnen angegriffen. Es erlitt dabei erhebliche Verluste an Menschen und Gebieten und ist inzwischen zum Teil auch tributpflichtig. Das Land erhielt keinerlei Unterstützung und ist inzwischen zu sehr geschwächt, um auf sich gestellt weiterhin erfolgreich Widerstand leisten zu können. Auch die niederösterreichischen Länder, insbesondere Krain, wurden in den vergangenen vierzig Jahren siebenundzwanzig ŠMal von osmanischen Verwüstungszügen heimgesucht. bSie zogen ihrerseits zweimal mit einem großen Heer gegen die Türken zu Felde, waren aber jeweils weit unterlegen und erlitten beträchtliche Verluste–b. Insgesamt wurden im genannten Zeitraum über 200 000 Menschen5getötet oder als Gefangene abgeführt. Neben den Türkensteuern brachten in den letzten Jahren die Kriege gegen Ungarn und Venedig starke Belastungen mit sich. cSie können deshalb weder den Kroaten zu Hilfe kommen noch sich selbst erfolgreich gegen die Türken verteidigen–c. Nach ihrem Fall wären die deutsche Nation und die ganze Christenheit von Überfällen und Unterdrückung bedroht. Der Ks. weiß besser als sie die erforderlichen Gegenmaßnahmen zu bedenken und die Hilfe der Reichsstände dafür zu beantragen. dFalls er es wünscht, werden ihm die Gesandten dabei zur Seite stehen–d.

    [4.] 6. Der Ks. hat sich bereit erklärt, nach Bewilligung einer Hilfe die Befestigung der Landesgrenzen zu übernehmen. Wie bereits dargelegt und von den Gesandten weiter auszuführen ist, haben die Länder diese Hilfe bewilligt. Sie fordern den Ks. deshalb auf, seine Zusage zu erfüllen, 7. ebenso seine Ankündigung, künftig keinen sie betreffenden Krieg ohne ihren Rat und ihre Zustimmung zu beginnen. [8. Beschwerden und Anliegen der Länder und einzelner Personen, unter anderem Mitteilung von Beschlüssen über Vorkehrungen für den Fall des Todes Ks. Maximilians vor Rückkehr der Gesandten aus Worms zur Sicherung der Nachfolge seiner Enkel in Niederösterreich].

    [5.] Nach ihrer Rückkehr aus Worms sollen die Gesandten einen Termin zur Berichterstattung und Beratung über ihre Verhandlungen mit dem Ks., der Reichsversammlung sowie den anwesenden Vertretern Oberösterreichs anberaumen. Die dort getroffenen Beschlüsse sollen den übrigen Landständen eröffnet und anschließend vollzogen werden. Die beteiligten Landschaftsausschüsse garantieren aufgrund ihrer Vollmachten für die Verbindlichkeit der in dieser Instruktion niedergelegten Entscheidungen. Von diesem Schriftstück wurden sechs übereinstimmende Abschriften angefertigt und je ein Exemplar an die Ausschüsse und die Gesandten ausgehändigt.6

    «Nr. Š138 Beschwerden der Landstände des Fm. Krain zum Vortrag an den Ks.– Mürzzuschlag, ca. 10. November 1508 »

    Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 69–78’, hier 75’–76 (undat. Kop.).

    […]. Die Landstände haben den Ks. kürzlich ersucht, Lienz, das er der Gft. Tirol zugeschlagen hat1, sowie Hft. und Stadt Gmünd, die der Ebf. von Salzburg abtrennen will2, obwohl Lienz und Gmünd on mittel im gezirk des erzherzogtumbs liegen, bei Kärnten zu belassen. Der Ks. hat daraufhin Verhandlungen über Lienz nach seiner Ankunft in den Erblanden zugesagt. Wegen Gmünds hat er den Ebf. und die Landstände zur einer Anhörung vor Kff. und Reichsständen nach Worms zitiert.3 […].

    «Nr. 139 Instruktion Ks. Maximilians für Gesandte zum österreichischen Ausschusslandtag in Salzburg – Brüssel, 1. Februar 1509 »

    [1.] Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Friedens mit Frankreich; [2.] Sicherung der habsburgischen Nachfolge in den österreichischen Erblanden; [3.] Sicherung der Erblande gegen Venedig und Rückgewinn der Kriegsverluste; [4.] Beschwerden und Anliegen der niederösterreichischen Länder.

    Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 81–90’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./cdiic. und Gegenz. Serntein).

    [1.] Fordert die Vertreter der Landstände auf, seinen Gesandten1die Verhandlungen und Beschlüsse des Ausschusslandtags in Mürzzuschlag zu eröffnen. Er hatte sie Šseinerseits auf den niederösterreichischen Landtagen über wichtige, ihn selbst, seine Enkel sowie die Häuser Österreich und Burgund betreffende Anliegen informieren lassen. Seine Gesandten hatten sie daraufhin aufgefordert, Bevollmächtigte zu dem für den 1. November (aller heyligen tag) einberufenen Reichstag zu schicken. Dort hätten sich auch Vertreter Oberösterreichs und Burgunds einfinden sollen, wie dies aus der [Ende September 1508] vorgelegten Instruktion [Nr. 46] hervorgeht.

    Die Landstände haben immer für einen Frieden mit dem frz. Kg. plädiert. Tatsächlich wurde zur Zeit der erwähnten Landtage zu diesem Zweck ein Tag nach Cambrai (Cameregk)anberaumt. Er hat sich entschieden, den Ausgang der Verhandlungen abzuwarten und den Reichstag zu verschieben [Nr. 50]. Da der Zeitpunkt seiner Ankunft in Worms unsicher war, hat er die dorthin geladenen Vertreter der Landschaft vorläufig nach Hause geschickt, um unnötige Kosten zu vermeiden. Sie wurden aber angehalten, sich auf seine Aufforderung hin unverzüglich wieder einzufinden. Inzwischen haben Egin. Margarethe und die sie begleitenden geheime Räte zum Nutzen des Ks., seiner Enkel sowie der Häuser Österreich und Burgund einen Friedensvertrag mit dem frz. Kg. ausgehandelt. Er hielt es aus diesem und anderen Gründen für geraten, die Landschaftsausschüsse Nieder- und Oberösterreichs nach Salzburg zu berufen.

    [2.] Seine Kommissare sind beauftragt, den Vertrag vorzulesen und dessen Bestimmungen zu erläutern. Außerdem sollen sie folgende Erklärung abgeben: Er hat nach dem Tod Kg. Philipps die Vormundschaft über dessen sechs minderjährige Kinder2und die Regierung über dessen Länder übernommen, die er nach Möglichkeit bis zu deren Volljährigkeit behalten will. Sie wissen, dass wir nu mit redlichm alter beladen und das leben der menschn zu dem willen des almechtign Gots steet, auch nichts gwissers ist als der tod und nichts ungewissers, dan die stund desselben tods. Die frz. Kgg., die Eidgenossen und andere Feinde zwangen ihm und den Häusern Österreich und Burgund in der Vergangenheit große Kriege auf, die er unter Einsatz seines Lebens und Gutes angenommen hat. Sofern er persönlich beteiligt war, musste er nicht Verluste hinnehmen, sondern hat seine Länder noch vergrößert. Die Bestreben der Feinde geht dahin, die Häuser Österreich und Burgund mit ihren Kgrr., Fmm. und Städten nicht weiter erstarken zu lassen, um deren beabsichtigte Unterwerfung nicht zu erschweren. Und aber unser hogst bedunken und begern nicht anders steet, das was wir die zeit unsers lebens und regierung des bestimbtn unser und unser eenikel baide heuser Osterreich und Burgundi in fride, rue und ainigkait behaltn und dermassen handlen mochtn, damit dieselbn nach Šunsrem tod, den Got der almechtig lang verhuetn, nicht zertrennet werden, sonder beyeinander beleibn, die wir auch mit Got, eern und dem, so beurtn heusern zuestet, merern und grossern, so lang, bis unser jung enikel erwachsen und selbst zu der regierung kumen. Alsdan hoffen wir, dieselben dermassen zu ziehen und zu underweisen, das sy mit der hilf Gots die vorbestimbtn heuser auch in gutem wesen unzertrent beyeinander behalten sullen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist Einigkeit und Freundschaft zwischen den beiden Häusern, deren Landschaften sich als seine und seiner Enkel Untertanen ins Einvernehmen setzen sollen. Deshalb hat er für den 2. Februar (unser lieben Frauen tag irer liechtmess)diesen Ausschusslandtag nach Salzburg einberufen.

    [3.] Sie wurden bereits auf den vergangenen Landtagen über die Verluste von für die Häuser Österreich und Burgund wichtigen Besitzungen an Venedig in Friaul, Istrien (Ysterreich)und Innerkrain (Karst)informiert. Er beabsichtigt nicht, dies zu akzeptieren. Nicht nur Kärnten und Krain, sondern auch die übrigen Erblande wären für unabsehbare Zeit bedroht. Er selbst kann keinesfalls weiterhin den Spott der Venezianer hinnehmen. Mit den Ständen soll deshalb über folgende Punkte beraten werden: 1. gegenseitige Hilfe der Erbländer im Falle eines feindlichen Angriffes, langfristige Rüstungen gegen die Ungläubigen und andere Feinde der Häuser Österreich und Burgund, Sicherung der Grenzen, Pflege guter Beziehungen zu benachbarten Ländern bis zur Herstellung der Verteidigungsfähigkeit; 2. Möglichkeiten zur Rückeroberung der Verluste von den Venezianern, Hilfe der Erblande im Falle eines Bruches des Waffenstillstands durch Venedig oder falls sich ander zufelle gegen inen zutrugen werden.Sofern die Ausschüsse selbst bezüglich dieser Punkte nicht zur Beschlussfassung bevollmächtigt sein sollten, sollen sie über die dafür erforderlichen Schritte beraten.

    [4.] Anschließend können die Ausschüsse der Gft. Tirol und Vorderösterreichs sowie die ksl. Räte und Kommissare abreisen, die Mitglieder des niederösterreichischen Regiments und die niederösterreichischen Ausschüsse hingegen sollen die Ankunft der noch an seinem Hof befindlichen Bf. Christoph von Laibach und Gf. Heinrich [Prüschenk] von Hardegg abwarten, die beauftragt sind, über die Anliegen und Beschwerden der Landschaft zu verhandeln. Michael von Wolkenstein und Paul von Liechtenstein werden ihm auf dem Wormser Tag über die Ergebnisse der Verhandlungen berichten. Die Gesandten sollen den österreichischen Ausschüssen außerdem eröffnen, dass er im gleichen Sinne Verhandlungen mit den burgundischen Ländern geführt hat, des sy dann genzlich zu tun genaigt sein. Kündigt an, die an seinem Hof anwesenden burgundischen Gesandten zu Verhandlungen nach Nieder- und Oberösterreich zu schicken.

    « Nr. Š140 Antwort Ks. Maximilians an den Salzburger Ausschusslandtag – Gent, 1. März 1509 »

    Verzicht auf die Teilnahme niederösterreichischer Gesandter am Reichstag, Verhandlungen in Worms über die Rückgewinnung der an Venedig verloren gegangenen Gebiete.

    Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 92–104’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./cdip. und Gegenz. Serntein).

    […]. Erlässt ihnen die Gesandtschaft zum Wormser Reichstag, angesehn, das solhs nicht mer not ist und sonderlichen, dieweil ir Mt. mit dem kunig von Frankreich entlich vertragn und von gnadn des almechtigen Gotes yetzo gut verstendnuß zwischen inen und sich kains kriegs oder aufrurs zu versehn ist. Dan der venedigischn handlung halben von wegen der abgedrungn lande bey den stenden des Reichs ichts zu handln not, so werden etwovil treffenlicher von irer Mt. ober- und niderosterreichischn landn bey irer Mt. auf den reichstag sein. Durch dieselbn, sover not sey, welle ir Mt. des Reichs stende ersuechn lassen, doch nit anders dan mit anzaigung der verluest der obgedachtn abgedrungn lande und was deshalbn zu biten oder zu ersuechn not sey. Doch nichtsdestmynder well sy gut bedunkn, umb merer underrichtung willen ainen oder zwen von obgedachter lande wegen auf den reichstag zu schicken, das stell die ksl. Mt. auch zu irem wolgevallen. […]. Bedankt sich für ihre Mitteilung.1Er wird den Reichsständen bei Verhandlungen darüber diese und andere Aspekte anzeigen.

    «Nr. 141 Aufzeichnung über Verhandlungen Pauls von Liechtenstein mit den niederösterreichischen Landtagsausschüssen – act. Salzburg, 6. März 1509 »

    [1.] Mitteilung des Bündnisvertrags von Cambrai und Antrag auf eine Kriegshilfe; [2.] Verhandlungen des Landtags mit Liechtenstein über die Venedighilfe und andere Punkte.

    Klagenfurt, KLA, Ständisches Archiv I, Akten, Sch. 651, Fasz. 4, fol. 106–117 (undat. Kop.).

    Druck: Verbič, Deželnozborski I, Nr. 24, S. 22–27.

    [1.] Paul von Liechtenstein legte, auch stellvertretend für Michael von Wolkenstein, den niederösterreichischen Ausschüssen einen Kredenzbrief vor und bat um Eröffnung der Beschlüsse bzw. Instruktion von Mürzzuschlag [Nr. 137], was daraufhin geschah. Liechtenstein informierte die Ausschüsse anschließend vertraulich über das ksl. Bündnis mit dem Papst sowie den Kgg. von Frankreich und Spanien und ihre Šgegen Venedig gerichteten Pläne. Er forderte im Namen des Ks. eine sechsmonatige Hilfe von einem Reisigen und vier Fußsoldaten auf je 100 fl. Gülterträge, [um damit die vom Ks. angestrebten 6000 Mann zusammenzubekommen1]. Die Truppen sollten bis spätestens 12. Mai an der Grenze bereitstehen. Der Ks. werde mit Truppen aus Burgund, Oberösterreich und sovil er im Reich aufbringen mag, von Norden kommend gegen Venedig ziehen und den Krieg eröffnen. Dann sollten auch die niederösterreichischen Kontingente in die Kampfhandlungen eintreten. Der Ks. werde ihre Kriegsvorbereitung aus seinen niederösterreichischen Kammergütern mitfinanzieren, außerdem die Artillerie und weitere 30 000 fl. bereitstellen.

    [2.] Die Ausschüsse verweigerten die geforderte Hilfe unter Hinweis auf die wirtschaftliche Lage Niederösterreichs und schlugen stattdessen vor, über ihre in Mürzzuschlag erstellte Instruktion zu verhandeln. Liechtenstein ging daraufhin auf deren erste vier Artikel ein (Defensionsordnung der niederösterreichischen Länder, Rückeroberung der Verluste an Venedig, gegenseitige Hilfe der nieder-, oberösterreichischen und burgundischen Länder, Beschwerden gegen das ksl. Regiment). Bevor die Ausschüsse dazu Stellung nehmen konnten, traf die ksl. Antwort auf die Instruktion der Stände ein [Nr. 140]. Diese widersprach in allen wichtigen Punkten den Beschlüssen von Mürzzuschlag. Die Gesandten erklärten deshalb, sie mangels Vollmacht weder akzeptieren noch auf deren Grundlage Beschlüsse fassen zu können. Liechtenstein schlug vor, ihre Einwände schriftlich niederzulegen, um den Ks. darüber informieren zu können. Die weiteren Beratungen sollten auf den für den 25. März (judica)einberufenen Landtagen stattfinden. Die Gesandten erklärten sich damit einverstanden und eröffneten ihre Antwort zu den ersten vier Artikeln der Instruktion: 1. Es soll bei der [in Mürzzuschlag] verabredeten Einigung der niederösterreichischen Länder über eine gegenseitige Hilfe2bleiben. 2. Für die Rückeroberung der Verluste und aufgrund des Antrags Liechtensteins bewilligen sie eine viermonatige Hilfe von einem Reiter und zwei Fußsoldaten auf je 200 fl. Gülterträge. [Details der Landeshilfe]. Der Ks. soll seine Zusagen hinsichtlich seines eigenen Beitrags einlösen. Diese Bewilligung erfolgt, sover die ksl. Mt. der landscheften diemuetig bitten nach vermugen gemelter instruction auch gnediglich halt.3[…]. Bezüglich der Gesandtschaft zum Wormser Reichstag lassen sie es auf der ŠAntwort des Ks. beruhen. Bitten allerdings, dabei die notwendige Unterstützung für die Türkenabwehr nicht zu vergessen.4 […].5

    «4.17. Herzog Wilhelm IV. von Bayern »

    «Nr. 142 Bericht Kaspars von Winzer an die bayerische Vormundschaftsregierung1 – Mecheln, 10. März 1509 »

    Verhandlungen Winzers über rückständige Reichshilfen, die Veranschlagung Hg. Wolfgangs durch den Konstanzer Reichstag, ein Lehnsindult für Hg. Wilhelm und die weitere Ausübung des Blutbanns durch die bayerische Vormundschaftsregierung.

    München, HStA, KÄA 1969, fol. 28–30’ (eigh. Or., sambstag vor oculi) = Textvorlage A. Ebd. fol. 38–39’ (Kop.)2.

    Druck: Krenner, Landtagshandlungen XVII, S. 215–220.

    ŠDer Ks. gewährte ihm nach seiner Ankunft in Gent auf sein Drängen noch am gleichen Tag eine Audienz.3Bevor er mit seinem Vortrag beginnen konnte, erklärte der sehr ungehaltene Ks., dass die Vormünder ihm durch die Missachtung ihrer offenkundigen Zahlungsverpflichtung Kosten und Spott verursachen würden. Er habe mehrmals seine Räte zu ihnen geschickt4, was sonst bei keinem Fürsten im Reich notwendig gewesen sei. Erst danach konnte er selbst seine Anliegen in Anwesenheit Sernteins und Johann Renners vortragen. Der Ks. versprach, sich darüber zu bedenken und ihm dann eine Antwort zu geben. Er hat es auch nicht versäumt, die Regentschaftsregierung nach bestem Wissen gegen alle Nachreden zu verteidigen.

    Serntein und Renner forderten bei den Verhandlungen über die Restanten die Zahlung von 10 000 fl. Im Gegenzug würde der Ks. sich gegenüber Hg. Wolfgang entgegenkommend zeigen, das Verfahren am Kammergericht kassieren und Hg. Wilhelm ein einjähriges Lehnsindult gewähren sowie die Genehmigung zur Ausübung des Blutbanns um den gleichen Zeitraum verlängern. Er erwiderte, dass er keine Weisung für eine Zahlung oder deren Zusage habe. Die beiden ksl. Räte erklärten die Verhandlungen daraufhin für gescheitert. Er konnte jedoch während einer Beizjagd mit dem Ks. sprechen und ihm die schwierige finanzielle Situation des jungen Hg. und seiner Vormünder auseinandersetzen. Bei hohem Schuldenstand würde für das anstehende Treffen Hg. Wilhelms mit dem Ks. Bargeld benötigt und müsste gegebenenfalls außerdem die vom bevorstehenden Wormser Reichstag bewilligte Reichshilfe bestritten werden. Der Ks. hat schließlich entschieden, dass ihm unverzüglich für die Auslösung der Ksin. benötigte 3000 fl.5in bar zu bezahlen seien und außerdem eine am 25. Juli (Jacobi)fällige Obligation über weitere 4000 fl. ausgestellt werden solle. Er hat den Ks. nachdrücklich gebeten, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken; er könne und wolle dies nicht an die Regenten schreiben. Der Ks. hat ihn schließlich beschieden, die Regenten vorläufig über die Forderung von 3000 fl. zu informieren; über alles Weitere werde er ihm in den nächsten Tagen einen definitiven Bescheid geben. Er, Winzer, hofft, die Forderung Šauf 2000 fl. zu reduzieren.6Ein besseres Verhandlungsergebnis war nicht möglich. Hätte er vorab von den Verleumdungen gegen sie und von der Ungehaltenheit des Ks. gewusst, hätte er gebeten, ihm diese Mission zu erlassen und fähigere Gesandte zu schicken.

    Er hat den Ks. auch um ein Lehnsindult und die Verlängerung des Blutbanns bis zum Ende der Vormundschaft gebeten. Die entsprechenden Urkunden7 werden ausgestellt.

    Der Ks. will sich auf dem bevorstehenden Reichstag darum bemühen, dass der Reichsanschlag nur noch Hg. Wilhelm allein und in Höhe eines kfl. Anschlags auferlegt wird. Er, Winzer, wird um die Ausstellung der Urkunden und einer Quittung über sämtliche noch ausstehenden Reichssteuern nachsuchen.8Falls sie mit den Verhandlungsergebnissen nicht zufrieden sind, sollen sie ihn unverzüglich durch einen Boten darüber informieren. Andernfalls wird er so bald wie möglich zurückkehren. Sollten sie inzwischen zur Zahlung der 3000 fl. aufgefordert werden, empfiehlt er, seine Rückkehr abzuwarten, damit sie die Quittung und die übrigen Schriftstücke zuvor studieren können.

    Der Ks. wird jetzt zum Reichstag ziehen. Er geht davon aus, dass er sich noch heute auf den Weg macht, in den nächsten acht Tagen wegen der vielen Angelegenheiten am Hof allerdings noch langsam reisen wird.

    «Nr. 143 Hg. Wilhelm IV. von Bayern und ihn begleitende Vormünder an Hg. Wolfgang von Bayern – [Straubing], 24. April 1509 »

    München, HStA, KÄA 1969, fol. 41–41’ (Or., eritags [nach] sand Georgen tag).

    Kaspar von Winzer hat ihm heute die ksl. Aufforderung übermittelt, sich so rasch wie möglich zum Ks. und auf den Reichstag nach Worms zu verfügen. Der Ks. werde ihm erlauben, nach Ende des Reichstages wieder heimzureisen. Ihrer Auffassung Šnach ist es aus schwerwiegenden, ihm noch mitzuteilenden Gründen unumgänglich, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Im Übrigen beabsichtigt der Ks., nicht lange in Worms zu bleiben. Zuvor sind Beratungen mit allen Regenten, insbesondere ihm als vornehmsten Vormund, über die beim Ks. vorzubringenden Angelegenheiten notwendig. Bitten ihn um Mitteilung durch den Überbringer dieses Schreibens bis zum Donnerstag [26.4.], ob er, wie bereits angekündigt, nach Straubing kommen wird oder das Treffen in München stattfinden soll.1

    «Nr. 144 Instruktion der bayerischen Vormundschaftsregierung für Reichstagsgesandte – [München, vor dem 28. April 1509] »

    [1.] Anmeldung der bayerischen Reichstagsgesandtschaft beim Ks.; [2.] Reise Hg. Wilhelms an den Kaiserhof; [3.] Supplikation an den Ks. wegen des Klosters Niederaltaich; [4.] Lehnsindult für Hg. Wilhelm, Belehnung der Vormünder mit dem Blutbann; [5.] Befreiung Hg. Wolfgangs von Reichssteuern.

    München, HStA, KÄA 3136, fol. 433, 434–438 (Kop., Aufschr.: Instruction gen Wurmbs anno etc. 9no. Überschr.: Was und wie von unser, herzog Wolfgangs und anderer unser mitvormunder wegen anstat unsers pflegsons herzog Wilhelms etc. bey der ksl. Mt. anzebringen und zu erlangen sein wil etc.).

    [1.] Dem Ks. soll nach Vorlage des Kredenzbriefs [Nr. 191] Glück für seine Unternehmungen gewünscht und er des Gehorsams der Vormünder und Hg. Wilhelms versichert werden. Dessen Fernbleiben vom Reichstag soll entschuldigt werden. Weiterhin ist anzuzeigen, dass er, Dr. Plieningen, vorausgeschickt worden sei; drei weitere Gesandte, die so rasch nicht aufbrechen hätten können, würden in Kürze nachkommen, um ebenfalls am Reichstag teilzunehmen.1Plieningen werde bis Šdahin an den Beratungen über die Reichssachen mitwirken. Anschließend soll, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, dem Ks. eine Supplikation wegen des Klosters Niederaltaich vorgetragen werden.

    [2.] Falls der Ks. nachfragt, ob und wann Hg. Wilhelm zu ihm kommen wird2, soll darauf verwiesen werden, dass Kaspar von Winzer ihn darüber unterrichten werde. Dieser sei deshalb zum Hg. und zu den bei ihm weilenden Vormündern gereist3, die sich derzeit nicht in München, sondern in Straubing aufhielten. Er, Plieningen, hingegen sei kurz nach dem Eintreffen Winzers von München aus nach Worms aufgebrochen und könne dazu keine Auskunft geben.4

    [3.] Erinnern an die Verhandlungen zwischen dem Ks. und Hg. Albrecht wegen des Reichsklosters Niederaltaich5sowie die ksl. Mandate an Pfgf. Friedrich zur Übergabe des gewaltsam eingenommenen Klosters an den ksl. Kommissar Christoph Jörger.6Der Pfgf. hat diese Aufforderung bislang ignoriert. Er hält das Kloster zu dessen großen Schaden wie auch zum Nachteil der geflohenen kaisertreuen Konventualen und des Abtes [Kilian Weybeck] bis zum heutigen Tag besetzt. Darüber hinaus hat der Pfgf. gemeinsam mit den verbliebenen kaiserfeindlichen Mönchen unter falschen Angaben eine päpstliche Kommission gegen den Abt und seine Mitbrüder erwirkt. Kraft dieser Kommission, jedoch in einem unrechtmäßigen Verfahren verhängte der Propst zu Spalt, Johann [von der] Capell, ein Anhänger des Pfgf. und Feind des Ks. wie auch des Abtes, den Bann über die geflohenen Konventualen. Es heißt, er plane auch die weltliche Gewalt einzuschalten, um den Abt und seine Mitbrüder zur Rückkehr zu zwingen und das Kloster zum Nachteil von Ks. und Reich der Herrschaft Pfgf. Friedrichs zu unterwerfen. Im Übrigen werden dem Abt und seinen Mitbrüdern die ihnen zustehenden Einkünfte entzogen. ŠAufgrund einer in Rom vorgebrachten Appellation wurde der Bann zwar wieder aufgehoben, die Gegenpartei legte indessen eine Gegenappellation ein und erwirkte eine Vorladung an den Abt und seine Anhänger. Diese benötigen dringend die Hilfe des Ks.

    Das Kloster Niederaltaich untersteht unmittelbar Ks. und Reich, wovon der Ks. sich anhand der auf dem Konstanzer Reichstag vorgelegten Urkunden7selbst überzeugen konnte. Daraufhin ergingen die erwähnten ksl. Mandate an Pfgf. Friedrich. Bitten ihn, Pfgf. Friedrich und seine Anhänger dazu zu veranlassen, vom geistlichen Prozess zurücktreten und ihre Ansprüche vor dem Ks. und dem ksl. Kammergericht als den zuständigen Instanzen zu vertreten.8Dort soll der Pfgf. beweisen, dass das Kloster tatsächlich seiner weltlichen Obrigkeit und nicht der des Reiches untersteht und er es somit nicht etwa mithilfe des geistlichen Prozesses unzulässigerweise dem Reich entzieht. Sollte sich herausstellen, dass das Kloster dem Pfgf. untersteht, wäre das Vorgehen gegen den Abt und seine Mitbrüder ohnehin unnötig. Denn diese würden freiwillig in das Kloster zurückkehren, da es ihnen ausschließlich darum geht, im Gehorsam gegen den Ks. die Rechte und Reichsfreiheit des Klosters gegen die Usurpation des Pfgf. zu verteidigen. Dem Ks. obliegt der Schutz des Klosters, des Abtes und seiner Anhänger. Er sollte den Papst auffordern, den Prozess an der Rota einzustellen oder wenigstens zu sistieren. Er könnte damit argumentieren, dass er sich als Vogt der Kirche des Falles annehmen wolle, um die Rechte des Reiches und die Freiheiten und Interessen des Klosters zu schützen.

    Der Ks. wäre, falls er nicht selbst gegen den Pfgf. vorgehen will, berechtigt, ihn durch seinen Fiskal an das ksl. Kammergericht vorladen und dort die Reichsunmittelbarkeit des Klosters feststellen zu lassen. Anschließend könnte er es – gemäß der seinerzeit Hg. Albrecht gemachten und vom Tiroler Marschall Paul von Liechtenstein aufbewahrten schriftlichen Zusage – der Schirmherrschaft Hg. Wilhelms bzw. seiner Vormünder unterstellen. Diese von ihnen favorisierte Vorgehensweise wäre durch die Konstanzer Deklaration9 gedeckt. Alternativ könnte der Ks. den von Liechtenstein verwahrten Schutzbrief und beglaubigte Abschriften der ksl. Mandate an Pfgf. Friedrich zur Übergabe des Klosters an die Vormundschaftsregierung aushändigen, die den Fall dann selbst vor das Kammergericht bringen könnte. Daneben sollte der Ks. allerdings Pfgf. Friedrich und seine Parteigänger unter den Mönchen auffordern, für die einstweilige Aufhebung des Banns zu sorgen. Die betrübliche Lage des Abtes Šund seiner Mitbrüder geht aus deren Schreiben an Hg. Wilhelm10 hervor, das dem Ks. vorgetragen werden soll.

    [4.] Die Gesandten sollen, sowie ihnen die Gelegenheit günstig erscheint, den Ks. um einen Aufschub für den Empfang der Reichslehen seines Neffen Hg. Wilhelm bis zum Erreichen der Volljährigkeit sowie um eine entsprechend verlängerte Genehmigung für die Vormünder zur Ausübung des Blutbanns ersuchen.11

    [5.] Die Gesandten sollen außerdem verhindern, dass Hg. Wolfgang separat zu einer Reichshilfe herangezogen wird. Dem Fm. Bayern darf darüber hinaus keine höhere Steuer als den Kff. auferlegt werden. Die Begründung hierfür ist der Abschrift eines Schreibens an den Ks.12zu entnehmen. Plieningen führt Abschriften der Konstanzer Reichsanschläge und des Reichsabschieds13mit sich, falls diese für die Verhandlungen benötigt werden sollten. Über den Verlauf der Verhandlungen sollen die Gesandten nach eigenem Ermessen berichten.

    «Nr. 145 Bericht der bayerischen Vormundschaftsregierung über den Konflikt mit Regensburg – [nach dem 29. April 15091»

    Konflikt mit Regensburg wegen der Verhaftung Christoph Gießers.

    München, HStA, KÄA 1575, fol. 99–111’ (Kop., Überschr.: Instruction und darzu underricht und herkomen ergangner sachen und handlung zwischen unseren gnedigen herrn, den vormundern unsers gnedigen jungen herrn, herzog Wilhelms etc., ains- und der stat Regenspurg anderstails, antreffend den gefangen Cristoffen Giesser, darauf der vormundschaft und irs vorgenannten pflegsons potschaft und gesant rete auf dem reichstag zu Wurms, vor und ee unser obgenannter gnediger herr, herzog Wilhelm, zu ine kumbt, bey unserm allergnedigisten herrn, dem romischen kaiser, und vor den standen des Heiligen Reichs oder seiner ksl. Mt. camergericht und hofraten, oder wohin die sach zu verhor geschoben oder anzubringen not sein wirdet, handeln sollen.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 119–131’ (Konz.) = B.

    ŠDie Gesandten sollen dem Ks. aufgrund einer knappen Zusammenfassung des folgenden Berichts die Position der Vormundschaftsregierung in diesem Konflikt darlegen, um damit seiner Beeinflussung durch die Stadt Regensburg vorzubeugen: Der hgl. Diener und bayerische Landsasse Christoph Gießer wurde am 8. März (pfintztag nach reminiscere)vom Straubinger Rentmeister Christoph Süß wegen der Reparatur eines Weges in Stadtamhof nach Regensburg geschickt. Der Regensburger Magistrat ließ ihn, als er auf dem Weg zur Messe im Dom war, auf der Steinernen Brücke verhaften und in das Gefängnis unter dem Rathaus verbringen, wo er unverzüglich peinlich befragt wurde. Süß und der Mautner Wolfgang Trainer bemühten sich beim Regensburger Rat vergeblich um die Freilassung Gießers oder wenigstens die Mitteilung der Gründe für seine Verhaftung. Damit verstieß die Stadt gegen den ksl. Reichslandfrieden. Am 10. März bat Anna, die Ehefrau Christoph Gießers, die Vormundschaftsregierung um Hilfe.2Die Vormünder wandten sich unter Übersendung ihrer Supplikation an den Regensburger Magistrat.3Am 17. März (sambstag vor letare)ging die Antwort ein, worin ungegrundt, weitleuftig und unlauter ursachnfür die Verhaftung Gießers geltend gemacht wurden.4Daraufhin wurde die Vormundschaftsregierung durch den Ingolstädter Oberrichter Heinrich Muggenthaler erneut vorstellig.5Dessen Instruktion enthielt eine ausdrückliche Warnung vor ernsten Konsequenzen, falls Regensburg ihre Forderung6weiterhin abschlägig bescheiden würde. Der Gesandte erhielt jedoch laut dessen Bericht lediglich zur Antwort, dass die Stadt gegen Gießer gemäß dem Reichsrecht verfahren würde und die bayerische Regierung noch informiert werden sollte. Der von Muggenthaler weisungsgemäß ebenfalls kontaktierte ksl. Stadthauptmann und bayerische Rat Sigmund von Rorbach nannte vertraulich einige allgemeine und Šunbewiesene, vor allem im Zusammenhang mit dem Schultheiß Hans Schmaller erhobene Beschuldigungen als Grund für die erfolgte Verhaftung.

    Die Vormünder vermuteten aufgrund des Berichts Muggenthalers, dass Gießer wegen einer sonder gehaim und merklich mishandlungverhaftet worden sei, die man gegenüber ihrem Gesandten möglicherweise nicht habe eröffnen wollen. Deshalb warteten sie um guter Nachbarschaft willen drei Wochen lang auf eine Gegengesandtschaft oder ein vertrauliches Schreiben aus Regensburg. Anna Gießer beklagte sich in dieser Zeit mehrmals, dass ihr Mann gefoltert werde und sein Leben bedroht sei.7Dennoch haben die Regenten in der Hoffnung auf eine zufriedenstellende Erklärung Regensburgs vorläufig nichts unternehmen wollen. Da diese ausblieb, die Vormünder aufgrund ihres Eides den Übergriff der Stadt nicht länger untätig hinnehmen konnten und Gefahr für das Leben Gießers bestand, erteilten sie der Straubinger Regierung Befehl, im Hm. Bayern befindliche Regensburger Bürger gefangen zu nehmen.8In Straubing und Umgebung wurden daraufhin am 10. April (eritag in der osterwochen)ca. fünfzig Bürger und Einwohner Regensburgs festgenommen, drei davon auf das Schloss verbracht und die übrigen Gefangenen mit der Auflage zur Wiedereinstellung freigelassen.9 Der Regensburger Magistrat bat daraufhin um Geleit für seine Gesandtschaft, das bewilligt wurde.10

    Am 20. April (freitag vor sand Georgen tag)trat die Gesandtschaft, bestehend aus dem ksl. Hauptmann Sigmund von Rorbach, Lic. Ludwig Sachs, Hans Schwäbel, Michael Steyrer und Erhard Aunkofer11, in Abwesenheit Hg. Wolfgangs, jedoch in Gegenwart der meisten Regenten sowie einiger Räte vor Hg. Wilhelm. Die Gesandten kritisierten die Gefangensetzung ihrer Mitbürger scharf als Verletzung Šdes Landfriedens und forderten deren sofortige unentgeltliche Freilassung.12 Die Vormünder rechtfertigten diesen Schritt mit der starren Haltung Regensburgs im Fall Gießer. Sie schlugen erneut vor, entweder Gießer auf freien Fuß zu setzen oder Beweise für ein von ihm begangenes Verbrechen vorzulegen. Dann würde man sich bezüglich ihres Anliegens entgegenkommend zeigen. Ludwig Sachs erklärte, dass der Rat über den hgl. Auftrag für Gießer nicht informiert gewesen sei, als er dessen Verhaftung befohlen habe. Dem Rentmeister habe man wegen der Vielzahl von Geschäften an diesem Tag keine Antwort geben können. Als die Vormundschaftsregierung aufgrund der Supplikation der Ehefrau Gießers an die Stadt geschrieben habe, habe der Rat darauf eine angemessene Antwort erteilt [Beilage C]. Sachs gab für die Gefangensetzung Gießers keine weitere Begründung ab, sondern bekundete, dass man nach der erfolgten schriftlichen Erklärung nicht mit weiteren Schritten Bayerns gerechnet habe. Der Gesandte Muggenthaler habe seinen Vortrag so ernstlich nit geton, wie dies in seiner Instruktion vorgesehen gewesen sei, und keinesfalls mit ernsten Gegenmaßnahmen gedroht. Wohl habe er Konsequenzen angedeutet, woraufhin der Magistrat den Gesandten durch Sigmund von Rorbach über die Vergehen Gießers informiert, deren schriftliche Fixierung jedoch aus triftigen Gründen abgelehnt habe. Wäre die Reaktion der Vormundschaftsregierung absehbar gewesen, hätte man schon früher Gesandte geschickt.

    Nach Aufforderung durch die Vormünder trug Sigmund von Rorbach im kleinen Kreis die Gründe für die Verhaftung Gießers vor: Der Magistrat habe bereits früher von Taten Gießers gegen die Stadt erfahren, aber mit Rücksicht auf Hg. Albrecht nichts unternommen. Während der Fastenzeit habe der frühere Schultheiß Hans Schmaller von Behauptungen Gießers über das angebliche Geständnis eines gewissen Findich berichtet, wonach Schmaller ihm im Namen der Stadt Nürnberg 20 fl.rh. für die Ermordung [Heinrichs von] Guttenstein und Heinz Baums angeboten habe. Gießer habe seine Aussage vor dem Magistrat bestätigt. Dieser habe nach Rücksprache mit ihm, Rorbach, beschlossen, sich an Albrecht von Wirsberg, einen Verwandten des damals bei Kg. Wladislaw in Prag weilenden Guttenstein, zu wenden. (Dessen Antwortschreiben13wurde von den Regensburger Gesandten in Abschrift vorgelegt und verlesen.). Doch habe der Rat ungeachtet eines Antrags des verleumdeten Schmaller in dieser Sache nichts gegen Gießer unternommen. Dieser sei vielmehr wegen früherer Übeltaten verhaftet worden. Tatsächlich habe er on schware martergestanden, gemeinsam mit dem damaligen Viztum in Landshut, Bernhardin von Stauff, und Ulrich14Liebhard einen Anschlag geplant zu haben, den Liebhard zusammen mit Gießers Knecht Künzlin (Conzlin)dann auch ausgeführt habe. Der Regensburger Bürger [Hans] Portner sei gefangengenommen Šund um über 2000 fl. geschädigt worden. Der Regensburger Magistrat habe dies seinerzeit Hg. Albrecht angezeigt, der Stauff zur Rede gestellt und sein Missfallen an dem Vorgang bekundet habe. Für diese Missetat müsse Gießer gemäß dem Reichsrecht bestraft werden. Man habe diesen Vorgang aus Rücksicht auf die Söhne Stauffs15nicht publik machen wollen. Dies alles habe Gießer freiwillig, ohne Anwendung der Folter gestanden. Er sei allerdings im Zusammenhang mit einem im Hm. Bayern bei Stadtamhof (am hof)verübten Mord peinlich befragt worden. Gießer habe auch einige angeblich beteiligte Personen benannt, seine Aussage später jedoch widerrufen. Die Stadt bitte, sie und die jungen Hh. von Stauff zu verschonen, die Ungnade gegen sie und die gefangenen Bürger fallen zu lassen, zu bedenken, dass Regensburg als Reichsstadt unmittelbar dem Ks. unterworfen sei, und die Bürger unentgeltlich freizulassen bzw. aus dem Eid zu lösen. Andernfalls müsse sich die bayerische Regierung wegen dieser Angelegenheit vor dem Ks. verantworten.

    Die Vormünder erwiderten, dass Regensburg trotz alledem nicht das Recht gehabt habe, einen hgl. Diener und Edelmann zu verhaften. Gemäß der Reichslandfriedensordnung hätte man Gießer vor seiner zuständigen Obrigkeit belangen müssen. Es sei auch wenig glaubwürdig, dass der Regensburger Magistrat von dem hgl. Auftrag für Gießer nichts gewusst habe. Dieser habe die Steinerne Brücke gemeinsam mit dem Rentmeister [Christoph Süß] zuerst unbehelligt passieren können. Als er eine halbe Stunde später dort allein unterwegs gewesen sei, habe man ihn verhaftet. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum der Rentmeister auf seine Fürsprache keine Antwort erhalten habe. Die schriftliche Antwort Regensburgs an die Vormünder sei unklar gehalten gewesen. Man hätte sie dahingehend deuten können, dass die Verhaftung eher von Neid und Hass veranlasst worden sei. Aus der Instruktion wie auch aus dem Kredenzbrief Muggenthalers habe Regensburg die Androhung von Gegenmaßnahmen unmissverständlich entnehmen können. Dieser habe nach seiner Rückkehr auch glaubhaft berichtet, seinen Auftrag weisungsgemäß durchgeführt zu haben. Auch die vom ksl. Hauptmann [Sigmund von Rorbach] gegenüber Muggenthaler geltend gemachten Gründe seien für eine Verhaftung nicht ausreichend gewesen. In der Angelegenheit mit Hans Schmaller hätte Regensburg den Kläger gemäß Reichsrecht und Landesgebrauch an die zuständige Gerichtsbarkeit verweisen müssen. Nur wenn Schmaller Gießer einer Straftat bezichtigt hätte, wäre die Stadt zu dessen Verhaftung berechtigt gewesen. Gießer habe in der Befragung seine als Warnung an den Schultheissen verstandene Aussage keineswegs geleugnet. Laut der Erklärung Rorbachs sei die Affäre Portner der eigentliche Grund für die Verhaftung Gießers gewesen. Außerdem habe man ihn wegen eines während seiner Amtszeit als Richter in Stadtamhof verübten Mordes peinlich befragt. Letzteres sei nach Auffassung der Vormünder unrechtmäßig. Es habe keinen Kläger gegeben, der Gießer dieses Mordes bezichtigt hätte. Auch habe für die Stadt keine Veranlassung bestanden, in dieser Sache tätig zu werden, da die ermordete Frau keine Regensburgerin gewesen Šund die Tat nicht im städtischen Gerichtsbezirk, sondern im Hm. Bayern geschehen sei. Die Stadt habe durch ihr hartes Vorgehen gegen einen ehrbaren Adligen ein Unrecht an Gießer verübt. Ausschlaggebend für ihr Vorgehen seien offenkundig niedere Beweggründe gewesen.

    Bitten den Ks., die Stadt Regensburg zum Schadenersatz für Hg. Wilhelm gemäß dem Landfrieden wegen Verletzung seiner obrigkeitlichen Rechte und für Gießer wegen der unrechtmäßig erlittenen Folterung und Ehrabschneidung zu verurteilen.16

    Was die Affäre Portner angeht, hat der verstorbene Bernhardin von Stauff niemals eine Beteiligung daran eingeräumt. Laut Aussage seines Bruders Hieronymus existiert noch ein eigenhändig verfasstes Dokument, worin er seine Unschuld beteuert. Eine gemeinsame Verschwörung mit Gießer ist deshalb unglaubwürdig. Die beiden Beschuldigten hatten nach der Tat weiterhin freien Zugang zur Stadt. Gießer wurde zu Lebzeiten Bernhardins von Stauff niemals vom Regensburger Magistrat wegen dieser Angelegenheit behelligt. Stattdessen ernannte ihn Hg. Albrecht zum Richter in Stadtamhof. Selbst wenn Stauff den Anschlag gegen Regensburg in Auftrag gegeben hätte, so wäre Gießer zu diesem Zeitpunkt zwar sein Knecht, an der Tat jedoch nicht unmittelbar beteiligt gewesen. Dafür liegen weder Beweise noch ein Geständnis des Beschuldigten vor. Gäbe es ein solches Geständnis, hätte die Stadt Hg. Wilhelm und seine Vormünder unverzüglich unterrichten müssen. Künzlin (Conzl), der Helfer Liebhards, war zum Zeitpunkt der Tat längst aus dem Dienst bei Gießer ausgeschieden. Selbst wenn Gießer bei dem Anschlag anwesend gewesen wäre, was keinesfalls eingeräumt wird, wäre er nicht verpflichtet gewesen, Regensburg zum möglichen Nachteil seines Herrn Bernhardin zum Stauff zu warnen. Die Affäre Portner war also mangels Beweisen keinesfalls ausreichend für die Verhaftung Gießers. Auch nach der Tat gegen Portner unterhielt die Stadt weiterhin gute Beziehungen zu Gießer als Richter in Stadtamhof. Er war häufiger Gast in der Stadt. Der ksl. Stadthauptmann hat ihn wiederholt zu Gerichts- und Schiedsverfahren herangezogen. Dieses Verhalten erscheint mit den später erhobenen Vorwürfen unvereinbar. Keinesfalls war die Stadt befugt, Gießer wegen der Affäre Portner zu verhaften. Stattdessen hätte sie sich gemäß der in Worms, Freiburg und Augsburg verabschiedeten Reichsordnung17an Hg. Wilhelm als für Gießer zuständigen Richter oder an das in Regensburg residierende ksl. Kammergericht wenden und dem Beschuldigen Gelegenheit zu dem im Reich, in Bayern und in den Reichsstädten üblichen Reinigungseid geben müssen.

    Die Vormünder hoffen auf einen Entscheid des Ks. und der Reichsstände bzw. des Kammergerichts, dass die Stadt Regensburg gegen die Reichsordnung und den ŠLandfrieden verstoßen, Rechte des jungen Hg. und der Vormundschaftsregierung verletzt, ihren Diener unrechtmäßiger Weise gefangengenommen und gefoltert hat und somit der im Landfrieden vorgesehenen Strafe verfallen ist. Sie beantragen, dem Hg. bzw. seinen Vormündern und Gießer Schadenersatz zuzusprechen.

    «Nr. 146 Memorial der bayerischen Vormundschaftsregierung für die Verhandlungen Hg. Wilhelms und der deputierten Vormünder mit Ks. Maximilian – [Straubing/München, Ende April/Anfang Mai 1509]. »

    [1.] Ausstände an den Reichshilfen aus der Zeit Hg. Albrechts IV., Besteuerung der Besitzungen Hg. Wolfgangs durch das Reich; [2.] Lehnsindult für Hg. Wilhelm; [3.] Vertretung Bayerns auf dem Reichstag durch eine Gesandtschaft; [4.] Streit mit Pfgf. Friedrich um das Kloster Niederaltaich; [5.] Rückkaufrecht an Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg; [6.] Heiratsprojekte für Prinzessin Sibylle von Bayern; [7.] Fortsetzung der Vormundschaft für Hg. Wilhelm; [8.] Taxationsverhandlungen im Landshuter Erbfolgestreit; [9.] Änderung des ksl.„Interessebriefes“ in Bezug auf Merching; [10.] Ankauf von seltenen Erden durch Heinrich Barth; [11.] Rückgabe des Schlosses Partenheim an Kuno von Wallbrunn.

    München, HStA, KÄA 3137, fol. 132–136’ (Konz.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 3137, fol. 117–118 [Pkt. 1 – Falls der Ks.… Anschlag gleichkommt.], 129 [Pkt. 2], 130 [Pkt. 3] (unvollständiges Or.) = B.

    [1.] Der Ks. hat von Hg. Wilhelm und seinen Vormündern mehrfach – durch Hans von Landau und Albrecht von Wolfstein1, kürzlich durch Kaspar von Winzer Š[Nr. 142] und in diesen Tagen durch eine schriftliche Aufforderung Pauls von Liechtenstein2– nachdrücklich die Begleichung der ausstehenden Reichssteuern Hg. Albrechts eingefordert. Winzer hatte deshalb bereits Verhandlungen mit dem Ks. geführt. Er informierte sie über die danach durch Wolfstein und Liechtenstein erneuerte Forderung, in Abschlag der Schuld unverzüglich 3000–4000 fl. an Jakob Fugger in Augsburg zu bezahlen, um mit dem Geld die Kaiserin in Konstanz auslösen zu können. Die Zahlung wurde nicht etwa aus Ungehorsam verzögert, sondern mit Hinblick auf das bevorstehende Treffen Hg. Wilhelms mit dem Ks. aufgeschoben. Bei dieser Gelegenheit soll der Hg. auf seine große finanzielle Notlage wegen der hohen Verschuldung infolge des [Landshuter Erbfolge-]Krieges hinweisen. Die Vormünder müssen täglich Güter verpfänden und verkaufen, um diese Schulden bedienen zu können. Der Ks. hat mit dem Hg. als seinem Neffen und als einem jungen Fürsten sicherlich Mitgefühl. Dieser bittet, seine Notlage zu bedenken und von der Forderung zurückzutreten. Falls der Ks. dazu trotz aller Bemühungen nicht bereit ist, soll über einen Vertrag verhandelt werden, der eine Barzahlung von 2000–4000 fl. gegen Rücktritt von der Gesamtforderung vorsieht – wenngleich das Geld nur unter großen Schwierigkeiten aufgebracht werden kann.3Im Gegenzug soll der Šauf dem Konstanzer Reichstag von Hg. Wolfgang erhobene Anschlag in Erwägung der bereits schriftlich geltend gemachten Gründe4gestrichen werden.

    Da der Ks. wegen seiner Angelegenheiten möglicherweise nicht selbst auf dem Wormser Reichstag anwesend sein wird, soll er aum einen Befehl an seine Stellvertreter–a gebeten werden, sich bei der Reichsversammlung dafür einzusetzen, dass die Besitzungen Hg. Wolfgangs nicht mehr separat veranschlagt werden. Gemäß dem vom Ks. bestätigten Vertrag über die Regierung5sind Hg. Wilhelm und die Vormundschaftsregierung verpflichtet, Hg. Wolfgang gegenüber Ks. und Reich zu vertreten. Dieser hat seine Besitzungen nur als Leibgedinge inne und nicht als Regalien oder Lehen vom Reich empfangen. Als Lehnsnehmer tritt gegenüber dem Reich allein der regierende Landesfürst Hg. Wilhelm auf. Diesem obliegt die Vertretung des gesamten Fm. gegenüber dem Reich. bWenn die Besitzungen Hg. Wolfgangs an Hg. Wilhelm zurückfallen, müsste dieser auch dessen Anschlag mitbestreiten und somit mehr leisten als die Kff., was zu Zeiten Hg. Georgs [von Bayern-Landshut] nie der Fall war. Überdies wird Hg. Wilhelm auch nach dem Heimfall der Gebiete seines Onkels über kein größeres Territorium verfügen als seinerzeit Hg. Georg. Von solcher Belastung möge der Ks. seinen Neffen verschonen und Vorsorge treffen, dass Hg. Wolfgang auf künftigen Reichstagen nicht mehr veranschlagt wird–b.

    Wenn die Verständigung über eine Zahlung mit dem Ks. gelungen ist, soll dieser für sich und seine Nachfolger eine Verzichtserklärung über die Gesamtforderung ausstellen und eine Erklärung, dass die Besitzungen Hg. Wolfgangs künftig nicht mehr vom Reich besteuert werden; stattdessen sind diese in den Reichsanschlag Hg. Wilhelms mit einzubeziehen, cder ohnehin einem kfl. Anschlag gleichkommt–c.6

    [2.] Der Ks. hat ein zweijähriges Indult für den Empfang der Lehen und Regalien genehmigt und Winzer eine entsprechende Urkunde7ausgehändigt. Hg. Wilhelm Šbenötigt jedoch einen längeren Aufschub bis zu seiner Volljährigkeit. Der Ks. soll gebeten werden, die Urkunde entsprechend dem erstellten Entwurf zu ändern.8

    [3.] Falls der Ks. Hg. Wilhelm in Augsburgdauffordern sollte, persönlich am Wormser Reichstag teilzunehmen, soll er gebeten werden, dies dem Hg. in Anbetracht seiner Jugend und Unmündigkeit zu erlassen und sich mit einer Gesandtschaft zu begnügen, die von den Vormündern Vollmacht erhält, neben den anderen Reichsständen zum Besten von Ks. und Reich zu handeln. Der Ks. möge auch berücksichtigen, dass die persönliche Teilnahme am Reichstag dem verschuldeten Hg. erhebliche Kosten verursachen würde. Falls eine Reichshilfe für den Ks. beschlossen wird, würden die Aufenthaltskosten seine Fähigkeit beeinträchtigen, diese zu leisten. Die Vormünder wissen in Wahrheit nicht, wie sie die Schulden bedienen und gleichzeitig den hgl. Hof unterhalten sollen.

    [4.] Über das Kloster Niederaltaich soll mit dem Ks. entsprechend der Plieningen mitgegebenen Instruktion [Nr. 144] verhandelt werden.

    [5.] Hg. Wilhelm soll den Ks. bei einer günstigen Gelegenheit in einem vertraulichen Gespräch darum bitten, ihm und seinen Erben das Rückkaufrecht an Rattenberg, Kufstein und Kitzbühel einzuräumene. Der Ks. könnte dem Hg. eine entsprechende geheimefVerschreibung mit einer Klausel ausstellen, wonach der Kauf erst nach seinem Tod erfolgen soll. Hg. Wilhelm soll gegenüber dem Ks. erklären, dass er in ihm nicht nur einen Onkel, sondern einen Vater sehe und dass er und seine Brüder [= Hgg. Ludwig und Ernst], abgesehen von dessen Enkeln, seine nächsten männlichen Erben seien. Er würde ihm damit eine besondere Gnade erweisen, die er vergelten wolle.

    [6.] Zu einem geeigneten Zeitpunkt soll der Hg. den Ks. auch an dessen Überlegungen bezüglich des Heiratsprojekts mit dem Kg. von England erinnern: Der Ks. stand bereits in Verhandlungen über eine Vermählung der ältesten Schwester Hg. Wilhelms [Sibylle] mit dem Kg. und hat deshalb auch an die Vormünder geschrieben.9Der Hg. soll sich über den Stand des Projekts informieren. Falls es scheitert, könnten mit ksl. Hilfe andere Kontakte für die Prinzessin geknüpft werden.

    Š[7.] Falls der Ks. den Hg. auf die Übernahme der Regierung und Entlassung seiner Vormünder vor Vollendung des 18. Lebensjahres drängen sollte, soll er auf die [Primogenitur-]Ordnung seines Vaters verweisen. Diese könne er ohne die Mitwirkung Hg. Wolfgangs und der Landstände, die darauf die Erbhuldigung geleistet hätten, nicht ändern. Auf Wunsch des Ks. werde er jedoch mit seinem Onkel und den bayerischen Ständen darüber beraten.

    [8.] Falls der Ks. den Hg. wegen des Unterpfands im Niederland (vorm wald)ansprechen sollte, das mit Hinblick auf die bevorstehenden Taxationsverhandlungen an Kf. Friedrich von Sachsen übergeben wurde10, soll dieser bitten, für einen raschen Abschluss des Verfahrens Sorge zu tragen, damit er das Unterpfand zurückerhält. Denn es sei davon auszugehen, dass Pfgf. Friedrich bei Fortsetzung der Taxation größere jährliche Einkünfte als die zugesprochenen 24 000 fl.11 erhalten werde. Dieses Thema soll jedoch nur dann angesprochen werden, wenn der Ks. dazu Anlass gibt.

    [9.] Der Ks. hat während der Fastenzeit durch Albrecht von Wolfstein darauf hingewiesen, dass das zum ksl.„Interesse“12 gehörige, bei Augsburg im Gericht Mering (Moring)gelegene Dorf Merching (Manching [!]) im Interessebrief irrtümlich als „Mentzing“ geschrieben worden sei.13 Dem Gesandten war eine Antwort durch einen eigenen Boten angekündigt worden.14 Falls der Ks. diesen Punkt erneut Šanspricht, soll darauf hingewiesen werden, dass sich das ksl. Interesse aus ehemaligen Gebieten Hg. Georgs zusammensetze, Merching (Menching) aber im Gebiet Hg. Albrechts gelegen und gemäß der vom Ks. konfirmierten Primogeniturordnung (bruderlichen vertrags)auf Lebenszeit an Hg. Wolfgang übergegangen sei. Der Ks. möge Hg. Wilhelm in dieser Angelegenheit nicht weiter behelligen. Auch auf diesen Punkt soll nur eingegangen werden, wenn zuvor die Initiative vom Ks. ausgegangen ist.

    [10.] Der Ks. hat schon mehrfach wegen der von Hg. Albrecht an Heinrich Barth verliehenen und die von diesem und seinen Partnern von Grundherren und Klöstern angekauften Sande und Erden an die Vormünder geschrieben.15 Nach Kenntnis der Stellungnahme Barths wird der Ks. sich vermutlich damit begnügen und zu dem Ergebnis gelangen, dass der Vorgang von Leuten, die eigene Interessen vertreten, falsch dargestellt wurde. Ohnehin wäre es nicht rechtens, die Barth ausgestellte Urkunde16 zu missachten.

    [11.] Der Hauptmann von Burghausen, Kuno von Wallbrunn, bekleidete während des Bayerischen Krieges die Stelle eines hgl. Hauptmanns vor dem Wald. Sein in der Pfalz gelegenes Schloss [Partenheim] und die dazugehörigen Güter wurden im Krieg eingenommen und an Hans Landschad übergeben. Laut Kölner Spruch sollen alle Eroberungen zurückgegeben werden, doch ist dies trotz seiner wiederholten Bitten an den Ks. bislang nicht geschehen. Er bittet um entsprechende Mandate an den pfälzischen Kf. und Hans Landschad, außerdem um Weisung an die ksl. Reichstagskommissare in Worms, den Kf. und Landschad zur Rückgabe der Güter zu veranlassen.

    «Nr. 147 Der Hauptmann zu Burghausen, Kuno von Wallbrunn, an Hg. Wilhelm IV. von Bayern – [Burghausen], 1. Mai 1509 »

    München, HStA, KÄA 1242, fol. 21–21’ (Or., am tag Philippi et Jacobi).

    Er hatte gehofft, dass er, Hg. Wilhelm, auf seiner Reise auch hierher nach Burghausen gekommen wäre. Nun hat er aber erfahren, dass der Ks. ihn, den Hg., zu sich auf den Reichstag nach Worms geladen hat. Bittet unter Berufung auf gemachte Zusagen, ihm im Rahmen der Ausgleichsverhandlungen zwischen Bayern und Pfalz wieder zu seinem Besitz zu verhelfen.1Er selbst hat jüngst in Kreuznach (Kreichenach)den Ks. in Gegenwart pfälzischer Vertreter gebeten, aufgrund des ŠKölner Spruches2und eines an Hans Landschad als derzeitigem Besitzer übergebenen Mandats für die unentgeltliche Rückgabe zu sorgen. Der Ks. hat ihn daraufhin zum Reichstag nach Worms beschieden, wo er zwischen der Pfalz und Hg. Wilhelm vermitteln wolle, um den Streit endlich beizulegen; dann werde er auch seine Angelegenheit regeln. Falls aber kein Vertrag zustandekomme, würden seine Anträge und die für ihn eingelegten Fürsprachen berücksichtigt und nach Billigkeit verfahren. Bittet, ihm zur Rückerstattung seines Besitzes zu verhelfen. Seine Interessen würden es erfordern, seine Mitnahme zum Reichstag zu erbitten, damit er dort auf sein Anliegen aufmerksam machen kann. Er verzichtet aber darauf angesichts seiner dienstlichen Verpflichtungen. Deshalb befiehlt er seine Sache ihm als seinem Landesherrn.

    «Nr. 148 Ks. Maximilian an Hg. Wilhelm IV. von Bayern – Mindelheim, 8. Mai 1509 »

    Treffen in Kaufbeuren, Verhandlungen über den Konflikt mit Regensburg.

    München, HStA, KÄA 1575, fol. 88–88’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein).

    Fordert ihn auf, unverzüglich zu ihm nach Kaufbeuren aufzubrechen und einige seiner vornehmsten Räte mitzunehmen. Und dich darnach richten, furter auf unsern reichstag gen Wormbs zu andern unsern curfursten, fursten und ständen des Heiligen Reichs, die in treffenlicher anzal daselbs sein werden, persondlichen zu ziehen. Er erwartet ihn in Kaufbeuren zu Verhandlungen über diese und andere Angelegenheiten.

    Hg. Wolfgang und andere Vormünder haben ihm berichtet, dass Regensburg Christoph Gießer festgenommen und peinlich befragt habe. Im Gegenzug hätten sie die Gefangennahme von Regensburger Bürgern veranlasst. Die Vormünder haben gebeten, in dieser Angelegenheit keine Entscheidung zu treffen, ohne ihn, Hg. Wilhelm, vorher angehört zu haben.1Er hat veranlasst, Gießer in sein Gewahrsam zu überstellen. Er wird nach seiner Ankunft mit ihm darüber verhandeln.

    «Nr. 149 Aufzeichnung über eine Erklärung Ks. Maximilians gegenüber bayerischen Vormundschaftsräten – [Kaufbeuren, um den 14. Mai 1509] »

    [1.] Ausstehende Reichshilfen Bayerns; [2.] Teilnahme Hg. Wilhelms am Wormser Reichstag; [3.] Anwerbung von 50 Reitern für den ksl. Italienzug; [4.] Gefangennahme eines ksl. Dieners.

    München, HStA, KÄA 3137, fol. 120 (Konz.).

    Š[1.] Der Ks. will jetzt eine Barzahlung von 4000 fl. annehmen und von den verbleibenden 6000 fl. 1000 fl. erlassen. Für 2000 fl. wünscht er die Lieferung von für den Krieg notwendigem Getreide aus nahe bei den ksl. Erblanden gelegenen Kästen. Dafür wird er über die gesamten Ausstände an den Reichshilfen quittieren.

    [2.] Der Ks. wünscht, dass Hg. Wilhelm sich umgehend persönlich zum Wormser Reichstag begibt. Wenn ihm dies nicht möglich ist, genügt auch die Entsendung von Räten, doch das die treflich, geschickt und abgevertigt werden und macht haben, in den anslag, so herzog Wilhelm von seinem furstentumb auferlegt werden, ze willigen, nämlich allain raisig und kein fuesvolk ze schicken.

    [3.] a) Hg. Wilhelm soll umgehend 50 gerüstete Reiter zum Ks. schicken, der diese wie andere ksl. Dienstleute für einen monatlichen Sold von 10 fl. in sein Heer aufnehmen wird. Wenn der Hg. die Reiter schickt, die ihmaauferlegt werden, so sollen die 50 Reiter dem bayerischen Kontingent zugerechnet werden. b) Den jungen Hg. selbst befreit er davon, während der Sommerhitze nach Italien (welsche land)zu ziehen. c) Ein Drittel der ihm auferlegten Reichshilfe soll Hg. Wilhelm unverzüglich für den Krieg abordnen und dem Kommando des Reichshauptmanns unterstellen. d) Ein weiteres Viertel der Reisigen verbleibt beim Hg., bis der Ks. ihn nach Abflauen der Sommerhitze zu sich berufen wird; dann soll er diese Truppe mitbringen. Da sich die Vormünder wegen der drei Punkte [b-d] voraussichtlich mit ihren Mitregenten beraten müssen, will der Ks. eine Gesandtschaft nach München schicken.

    [4.] Der Ks. beschwert sich über die Gefangensetzung eines seiner Diener bei Weilheim durch Hg. Wolfgang.

    «4.18. Herzog Georg von Sachsen »

    «Nr. 150 Ks. Maximilian an Hg. Georg von Sachsen – Mecheln, 28. Dezember 1508 »

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 361–361’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein).

    Er, Hg. Georg, ließ durch den ksl. Rat Sigmund Pflug über Friesland verhandeln1, welche handlung aber vor unserm abschid aus disen unsern Nyderlanden Šaus vil ursachen zu end zu bringen not ist und wir uns dann auf unsern ausgeschribnen Reichs tag gen Wormbs in kurz verfuegen werden. Fordert ihn deshalb auf, den sächsischen Obermarschall Heinrich von Schleinitz mit Vollmacht zu Verhandlungen über Friesland sowie über die auf Linz und Engelhartszell verwiesenen2und weitere von sächsischer Seite geltend gemachte ksl. Schulden zu ihm in die Niederlande zu schicken. Er ist zuversichtlich, mit Schleinitz zu einem Abschluss zu kommen. Er wird diesen dann zum Reichstag nach Worms mitnehmen, wohin er, Hg. Georg, gemäß beiliegendem ksl. Schreiben [Nr. 50] auch kommen soll, und alda mit dir furter, was not wurdet, handlen. Er soll sich mit der Abfertigung Schleinitz’ beeilen.

    «Nr. Š151 Heinrich von Schleinitz an Hg. Georg von Sachsen – Brüssel, 3. Februar 1509 »

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 306–307’, hier 307 (eigh. Or., sonnabent nach purificacionis Marie virginis glo[riosissi]me).

    [...]. Was sein [durch Wolf von Schleinitz überbrachtes] eigenhändiges Schreiben an Caesar [Pflug] und ihn wie auch die beiden früheren hgl. Weisungen1an ihn angeht, konnten sie deshalb noch nicht beim Ks. vorstellig werden. Somit weiß er auch noch nicht, ob er, Hg. Georg, persönlich am Reichstag teilnehmen soll oder nicht. Falls der Ks. gegenüber den sächsischen Anliegen nicht mehr Entgegenkommen zeigt, wäre es besser, zu Hause zu bleiben. Der Ks. wird den im Ausschreiben [Nr. 50] angegebenen Termin [21.2.] wahrscheinlich selbst nicht einhalten können.2Die diesbezüglichen Informationen werden ihm, dem Hg., also noch rechtzeitig zugehen. Wolf von Schleinitz wird über diese und andere Angelegenheiten berichten. Sowie Caesar Pflug und er selbst Antwort wegen des Reichskammergerichts erhalten, werden sie ihm diese mitteilen. [...].

    «Nr. 152 Heinrich von Schleinitz an Hg. Georg von Sachsen – Brüssel, 17. Februar 1509 »

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8498/1, fol. 323–324’, hier 323–323’ (Or., sonnabends vor faßnacht).

    Bestätigt den Eingang eines hgl. Schreibens.1Er hat mit Caesar Pflug über den vom Hg. angesprochenen Artikel beraten. Hinsichtlich ihrer beim Ks. auszurichtenden Aufträge hegen sie wenig Hoffnung. Sie halten sich seit drei Wochen hier in Brüssel (Broßla)auf. Lediglich zweimal konnten sie mit den ksl. Räten verhandeln, allerdings ergebnislos. Er hat den Eindruck, dass er, der Hg., und sein Besitz hier als Eigentum des Ks. angesehen werden und keineswegs die Bereitschaft besteht, ihm etwas Gutes zu tun. Vielmehr will man ihm noch weitere Lasten auferlegen. Pflug und er vertreten die Ansicht, dass man andere Wege gehen sollte. Hier am Kaiserhof wird man kaum etwas erreichen. Falls er, Hg. Georg, nach Prag [zur Königskrönung Ludwigs (II.)] eingeladen wird, sollte er sich nicht verweigern; es könnte zu seinem Vorteil sein. Er glaubt auch nicht, dass hier ein Bescheid zu erlangen ist, der einen Besuch des Reichstages für den Hg. empfehlenswert erscheinen ließe. Falls doch, wären beide Reisen ohne weiteres miteinander vereinbar. Für den Besuch in Prag wäre ein angemessenes Auftreten notwendig. Seine Begleitung sollte deshalb mindestens 500 Pferde umfassen. Pflug und er haben die feste Zusage, dass sie noch heute eine verbindliche Antwort [des Ks.] erhalten werden. Sie erwarten davon wenig Gutes, wollen aber nichts unversucht lassen. Er geht davon aus, dass der Ks. in ŠKürze nach Worms aufbrechen wird. Spätestens dann ist ihre Mission, erfolgreich oder nicht, beendet. Ich habe warlich bey guten ganzen tagen vil verdißlicher zeit allein der unartigen hendel halbin, die hie haufig vorhanden sein, daran ein itzlich tugentsam mensch vil unlust befindet.Auch sind die Aufenthaltskosten sehr hoch. [Bevorstehender Krieg gegen Venedig; Nr. 55].

    «Nr. 153 Hg. Georg von Sachsen an Bf. Thilo von Merseburg – s.l., 24. März 1509 »

    Dresden, HStA, Kopialbücher, Nr. 111, fol. 9’ (Auszug, sonnabent nach letare).

    Der ksl. Fiskal hat am Kammergericht ein an ihn, den Bf., gerichtetes, mit einer Vorladung verbundenes Mandat zur Bezahlung von 25 fl. erwirkt.1Er wird, wie zuvor auch, auf seine Bitte hin als Hg. von Sachsen diese Zahlung für ihn leisten. Derglichen die besuchung des reichstags, gein Wurms berombt, durch seiner gnaden [Hg. Georg] selbs person oder aber, so sein ftl. Gn. in eigner person denselben nicht besuchen wurde, das seiner ftl. Gn. geschickten reten zu bevelhen, gemeltem bischof solchs zu benemen und auch hinder sein ftl. Gn. zu zihen, wie vor alters gescheen.

    «Nr. 154 Instruktion Hg. Georgs für Sachsen für Hermann von Pack zum Visitationstag in Regensburg – s.l., 27. März 1509 »

    [1.] Missachtung der von Hg. Georg auf dem Konstanzer Reichstag formulierten Bedingungen für die Reaktivierung des Reichskammergerichts; [2./4.] Belastung der von Sachsen eximierten Gff. und Hh. mit dem Kammerzieler; [3./4.] Streit um den Anteil Hg. Heinrichs von Sachsen am Kammerzieler; [5.] Bedingungen für die Mitwirkung Packs als sächsischem Gesandten am Visitationstag.

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8233/1, fol. 24–28 (Kop., dinstag nach judica).

    [1.] Hermann von Pack [sächs. Rat, Amtmann zu Sachsenburg und Weißensee1] hat den Auftrag, nach Regensburg zu reisen und dort neben den Gesandten Ebf. Jakobs von Trier und anderen Verordneten mit Bf. Wiguläus von Passau über die Angelegenheiten des Kammergerichts zu beraten. Er soll dabei folgende Punkte zur Sprache bringen: Nach Vorlage seines Kredenzbriefes soll er dem Bf. gegenüber erklären, dass er aufgrund dessen schriftlicher Aufforderung zur Entsendung von Räten [zum Visitationstag] abgeordnet wurde, obwohl wir wol merglicher weise wieder billikeit des camergerichts beswert werden, darumb uns des zu mussigen nicht unbillichgewesen wäre. Falls Pack auf diese Beschwerden angesprochen wird, soll er erklären, dass es nicht nötig sei, sofort darauf einzugehen; dies würde sich im Laufe Šder bevorstehenden Verhandlungen ohnehin ergeben. Wenn bei den Beratungen die Missstände am Kammergericht, wie diese im Schreiben des Bf. dargelegt wurden2, und dessen weitere Finanzierung zur Sprache kommen, soll Pack auf seine, Hg. Georgs, Erklärung während der Verhandlungen über das Kammergericht auf dem Konstanzer Reichstag verweisen: Abwol uns oder den unsern, als die [an das] vorgemelt camergericht aus alt herkomender freiheit nicht gehoren, unnot, so es aber vor gut angesehen, haben wir uns doch das camergericht zu bestellen gefallen lassenund wie andere Reichsstände der Umsetzung der beschlossenen Ordnung zugestimmt. Doch hat er hinsichtlich des geistlichen Zwanges3wie andere Ff. erklärt, diesem nicht mehr als bisher, nämlich gemäß dem Gemeinen Recht, zu unterliegen. Auch war die Finanzierung des Gerichts ursprünglich auf ein Jahr befristet. Er hat für sich und die von ihm eximierten Stände den Anteil am Kammerzieler bezahlt, verbunden mit der Erwartung, dass das Kammergericht ihn und andere in ihren Rechten schützen würde. Er musste jedoch inzwischen feststellen, dass er und die eximierten Stände durch die Forderung nach einer nochmaligen Zahlung4 über den bewilligten Zeitraum von einem Jahr hinaus belastet werden sollen.5 ŠDie erste Tranche hatte er auch für sich und Bf. Thilo von Merseburg6als seinem Schutzverwandten bezahlt.

    [2.] Das Kammergericht forderte auch zu Sachsen gehörende Gff. und Hh.7zur Zahlung auf und ging mit rechtlichen Mitteln gegen sie vor. Indessen wurden sie als sächsische Lehnsleute von alters her in allen Reichsangelegenheiten den Hgg. von Sachsen zugerechnet. Das Kammergericht ist für sie aufgrund der bestehenden Freiheiten auch nicht zuständig. Zugleich liegt ein Verstoß gegen die in Konstanz verabschiedete Bestimmung über die fortwährende Exemtion vom Reichsdienst vor.8Sein Einspruch blieb jedoch wirkungslos. Stattdessen wird gegen die sächsischen Gff. und Hh. prozessiert. Das Kammergericht schützt anders als erwartet nicht seine Rechte, sondern verletzt sie. Er hatte in Konstanz unter Protest erklärt, dass dieses Gericht keinen geistlichen Zwang ausüben dürfe. Dennoch wurde davon Gebrauch gemacht, indem diese Sachsen zugehörigen Stände mit Acht und Bann bedroht werden. Dies ist für ihn inakzeptabel. Derwegen, weile wir wieder ufgerichte ordnung und unser bewilligung dermassen beschwert, wir derselben beschwerung kein anderung befunden, gedenken wir, ins camergericht nicht ferner, dann wir schuldig, zu bewilligen ader auch ichten forder lon [= Leistung, Zahlung] darbey zu tun.Falls seinen Beschwerden allerdings abgeholfen wird, wird er wie andere Stände auch zum Unterhalt des Gerichts beitragen. In diesem Fall soll Pack einen Beschluss zu dessen weiterer Finanzierung mittragen.

    [3.] Der Kammerrichter, Bf. von Passau, beschuldigte ihn, Hg. Georg, gegenüber dem sächsischen Prokurator [Christoph Hitzhofer], seinen Anteil am Kammerzieler nicht vollständig bezahlt zu haben. Dieser Vorwurf besteht zu Unrecht. Ihm und seinem Bruder [Hg. Heinrich] wurden zusammen 100 fl. auferlegt. Da dieser über ein Viertel des gesamten Einkommens aus dem Hm. Sachsen verfügt, obliegt ihm auch die Zahlung eines entsprechenden Anteils. Er hat dies dem Kammerrichter mitgeteilt und dementsprechend 75 fl. bezahlt. Die Zahlungsverweigerung seines Bruders ließ er auf sich beruhen; die Einforderung dieser Gelder ist Sache des Bf. von Passau.

    [4.] Möglicherweise wird dagegen eingewandt, dass Kammerrichter und Beisitzer nur die bestehende Ordnung vollzogen und die laut Verzeichnis als Zahler ausgewiesenen Stände gemahnt hätten; auch sei man davon ausgegangen, dass die dem ŠKammergericht zugesandte Ordnung auf dem Beschluss der Stände beruhe. Darauf ist zu erwidern, dass für ihn, Hg. Georg, nur verbindlich sei, was er auch bewilligt habe. Was gegen Gemeines Recht und altes Herkommen verstoße, sei ohne seine vorherige Einwilligung für ihn nicht bindend. Auch wenn sächsische Gff. und Hh. in dem an das Kammergericht übersandten Verzeichnis aufgeführt seien, so sei dies angesichts des zitierten Artikels [des Konstanzer Reichsabschieds] und gegenüber dem Herkommen unerheblich.

    [5.] Unter der Voraussetzung, dass die sächsischen Gff. und Hh. nicht weiter belastet werden und auf die Ausübung des geistlichen Zwangs verzichtet wird, wird er weiterhin, wie es von andern vor gut angesehen wird, zum Unterhalt des Kammergerichts beitragen. Dann soll Pack auch Beschlüssen über die weitere Finanzierung zustimmen und nach seiner Rückkehr unverzüglich den sächsischen und bfl. merseburgischen Anteil bezahlen. Hingegen dürfen die sächsischen Gff. und Hh. damit nicht behelligt werden. Sollten Kammerrichter, Beisitzer und die anderen Teilnehmer [an der Visitation] jedoch auf ihrer Meinung beharren und seine Beschwerden ignorieren, soll Pack in nichts einwilligen, sondern sich deshalben an ksl. Mt. und stende des Heiligen Reichs uf zukunftigen, ytzt angesatzten reichstag berufenund unter Protest seinen Abschied nehmen.

    «Nr. 155 Hg. Georg von Sachsen an Bf. Thilo von Merseburg – s.l., 17. April 1509 »

    Dresden, HStA, Kopialbuch, Nr. 111, fol. 12 (Auszug).

    Er wird seinen derzeit am Kammergericht in Regensburg befindlichen Räten befehlen, bezüglich des fälligen Kammerzielers die Exemtion des Bf. durch Sachsen geltend zu machen. Entsprechenden Befehl werden auch die Gesandten zum Wormser Reichstag bezüglich der Reichsanschläge von Köln [1505] und Konstanz [1507] erhalten, sein gnad des zu benemen und auch hinder sich an meinen gn. herrn zu zihen.

    «4.19. Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach »

    «Nr. 156 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Brüssel, 10. Februar 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 56 (Konz.).

    Er hat erfahren, dass er über eine Verheiratung seiner Tochter [Elisabeth], die sich derzeit bei der Witwe Hg. Eberhards (II.) von Württemberg, seiner Schwester [Elisabeth], aufhält, verhandelt.1Indessen steht er selbst aus besonderer Verbundenheit Šzu ihm in Verhandlungen, seine Tochter mit einem Kg. zu vermählen. Dies wäre für ihn, seine Tochter und das Haus Brandenburg eine große Ehre und von Vorteil.

    Fordert ihn deshalb auf, diese Verhandlungen bis zu seiner persönlichen Ankunft auf dem Wormser Reichstag einzustellen. Dort wird er ihn über seine diesbezüglichen Pläne, die zweifellos seine Zustimmung finden werden, ausführlich informieren.

    «Nr. 157 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Xanten, 1. April 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 2–2’ (Konz., Postverm.: Zu seinen selbs handen zu antworten.).

    Bestätigt den Eingang seiner Antwort1, worin er mitteilt, dass er seiner Schwester Hgin.[Elisabeth] von Württemberg die Verheiratung seiner Tochter [Elisabeth] bereits vor Eingang des ksl. Schreibens erlaubt habe und die Verhandlungen so weit fortgeschritten seien, dass ein Rücktritt nicht mehr möglich sei. Was seinen Hinweis auf seine anderen Töchter angeht, wird er überlegen, was er für sie tun kann. Er erwartet, dass er entweder persönlich zu ihm nach Worms kommt, sofern dies seine Angelegenheiten zulassen, oder seinen Sohn Mgf. Kasimir mit ausreichender Vollmacht abordnet.

    «4.20. Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg »

    «Nr. 158 Weisung Hg. Wilhelms IV. von Jülich-Berg an seine Gesandten am Kaiserhof, Bertram von Gevertshagen (Stallmeister) und Friedrich von Brambach – Düsseldorf, 26. Februar 1509 »

    Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 273, fol. 46–47 (Konz. Hd. Wilhelm von Lüninck, mand[ag] neist na dem sond[ag] invocavit. Den Gesandten am 4.3. in Dendermonde zugestellt.1).

    [1.] Bestätigt den Eingang ihres Berichts.2Er hegt keinen Zweifel an ihrem Fleiß. aSie sollen versuchen, in den ihnen aufgetragenen Angelegenheiten so viel wie Šmöglich zu erreichen. Falls derzeit aber nichts zu erlangen sein sollte, sollen sie vom Ks. ihren Abschied nehmen und heimkehren–a.

    [2.] Es heißt, dass der Wormser Reichstag bis ungefähr zum 8. April (paischen)verschoben werden soll. Sie sollen darüber Erkundigungen anstellen und ihn anschließend informieren. Sie sollen sich auch unter Hinweis auf wichtige, insbesondere die Gft. Ravensberg betreffende Landesangelegenheiten für ihn um die Genehmigung des Ks. bemühen, vom Reichstag fernbleiben zu dürfen und lediglich durch Gesandte daran teilzunehmen.3

    [3.] Anders als vom ksl. Kanzler [Serntein] behauptet, hat er bislang keine Aufforderung des Ks. erhalten, ihn in zehn bis zwölf Tagen in Utrecht (Tricht)zu treffen. Sie sollen bei den Verhandlungen die Kartaunen und das Pulver nicht vergessen.

    «4.21. Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg  »

    «Nr. 159 Ks. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Gent, 2. März 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 228, unfol. (Or. mit Siegelspuren, Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein; zugestellt durch der Kölner Bürger Caspar von der Lauwich am mitwoch post palmarum [4.4.]1509).

    ŠRegest: Andernacht, Regesten III, Nr. 3575, S. 930.

    Bittet sie, zu veranlassen, dass die Frankfurter Juden die ihnen vom obersten niederösterreichischen Feldhauptmann, Hg. Erich von Braunschweig, versetzten Kleinodien bis zu seiner Ankunft auf dem Wormser Reichstag, wo auch Hg. Erich sich aufhalten wird, nicht veräußern, was seinen Informationen zufolge ihre Absicht sein soll. Er wird die Juden dann zu sich bescheiden, um sich mit ihnen über die Auslösung der Kleinodien zu einigen.1

    «4.22. Herzog Bogislaw X. von Pommern »

    «Nr. 160 Hg. Bogislaw von Pommern an Ks. Maximilian – Stettin, 21. Oktober 1508 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 109–109’ (Or., am tage der eylftausent junkfrauen).

    Das ksl. Reichstagsausschreiben vom 31. Mai [Nr. 36] wurde ihm am 3. Juli (montage nach visitationis Marie)in Rügenwalde ausgehändigt. Ein weiteres Mandat mit der Verschiebung des Termins [Nr. 44] hat er ebenfalls erhalten.

    Er wäre willens, dem nachzukommen, sofern die von ihm als Reichsfürsten erhobenen Beschwerden wegen der Session und anderer Punkte abgestellt werŠden1, worum er persönlich in Innsbruck2und wiederholt durch seine Gesandten gebeten hat. Andernfalls ist es ihm unmöglich, persönlich oder durch Gesandte an diesem oder anderen Reichstagen teilzunehmen. Er ist aber bereit, die gemeinsamen und ihm dann mitgeteilten Beschlüsse der Reichsstände nach vormuge und gelegenheit meiner landezu vollziehen.

    «4.23. Herzog Ulrich von Württemberg »

    «Nr. 161 Instruktion Ks. Maximilians für den ksl. Rat, Landvogt zu Nellenburg und Schwäbischen Bundeshauptmann Christoph Schenk von Limpurg als Gesandten zu Hg. Ulrich von Württemberg – Mecheln, 31. Dezember 1508 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/169 [bei I/45], unfol. (Or. m. Siegelrest, am letzten tag Decembris anno Domini etc. im neunten [= 1508], Verm. prps./amdip., Gegenz. Serntein).

    Laut seinen Informationen verhandelt Hg. Ulrich über ein Bündnis mit den Eidgenossen.1Falls diese Verhandlungen erfolgreich sein sollten, würde dies zweifellos, wie er selbst auch ermessen kann, bey den stenden des Heiligen Reichs und versehenlichen den merern tayl merklichen unlust und widerwillen geberen, dieweyl dem Reich und unserm haus Osterreich kunftiger nachtayl und eynfal, als wol zu besorgen stund, daraus erwachsen wurde. Er wüsste nicht, dass er ihm zu diesem Schritt irgendeinen Anlass gegeben hätte, sonder musten darfur achten, als auch solichs durch sein geschickten den Aydgenossen anzeigt wirdet, das Šer villeicht aus verdriess und unwillen einer vermeinten ungnad, die wir, als ine angelangt sein, zu ime tragen solten, solichs getan mocht haben. Indessen hat er dem Hg. bereits versichert, dass von seiner Seite keinerlei Ungnade gegen ihn bestehe, sondern im Gegenteil sein Interesse bekundet, nach dem Auslaufen des Schwäbischen Bundes die alte Einung zwischen Österreich und Württemberg2zu erneuern. Er fordert ihn auf, die Verhandlungen mit den Eidgenossen abzubrechen und sich stattdessen gemäß dem ihm kürzlich zugeschickten Ausschreiben [Nr. 50] gemeinsam mit seinen wichtigsten Räten zu ihm auf den Reichstag nach Worms zu begeben. Er soll auch zuverlässige Abschriften des alten Einungsbriefes zwischen dem Haus Österreich und dem Hm. Württemberg mitbringen. Dorthin werden die wichtigsten erbländischen Räte kommen, sodass über diese und andere Angelegenheiten gesprochen werden kann.

    Der Gesandte soll das Ergebnis seiner Mission sowohl ihm, dem Ks., als auch dem Regiment in Innsbruck mitteilen.3

    «4.24. Graf Reinhard V. von Hanau-Münzenberg »

    «Nr. 162 Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden an den ksl. Fiskalprokurator Dr. Christoph Moeller – s.l., 27. Februar 1509 »

    Marburg, StA, Best. 81, A/230/2, fol. 25–25’ (Kop.; dinstag nach dem sontag invocavit).

    Er hat erfahren, dass der Fiskal auf Antrag des Dr. Fries [= Haringo Sinnama1] Gf. Reinhard von Hanau wegen der diesem auf dem Augsburger Reichstag [1500] auferlegten 36 fl. vorgeladen haben soll.2Er, Gf. Adolf, war seinerzeit als Kammerrichter von Kg. und Reichsständen mit der Eintreibung dieser Gelder beauftragt worden. Er hat die genannte Summe von Gf. Reinhard erhalten und diesem quittiert. Im Übrigen bestehen von seiner Seite noch beträchtliche Soldforderungen, sodass nur er berechtigt ist, diese Gelder einzutreiben. Bittet ihn, gegen den Gf. nicht weiter vorzugehen und Dr. Fries über die Sachlage zu informieren. Sollte dieser indessen Šglauben, das Geld von ihm eintreiben zu können, bittet er, die Angelegenheit bis zum Wormser Reichstag, wohin zumindest einige der Beisitzer kommen werden, ruhen zu lassen. Falls der Anspruch des Dr. Fries sich dann als begründet erweisen sollte, wird er dem Folge leisten.

    «4.25. Graf Ludwig von Löwenstein »

    «Nr. 163 Geleitbrief Ks. Maximilians für Gf. Ludwig von Löwenstein – Bruchsal, 28. April 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 95 (Konz. mit ex.-Verm.).

    Gf. Ludwig von Löwenstein hat vor den auf dem Wormser Reichstag versammelten Ständen und insbesondere vor den ksl. Räten und Kommissaren Angelegenheiten zu regeln.1Auf dessen Bitte hin gewährt er dem Gf. und seiner Begleitung für die Hinreise, den Aufenthalt in Worms und die Rückreise zu Wasser und zu Land freies Geleit. Befiehlt allen Reichsangehörigen die Beachtung dieses Geleitbriefs.

    «4.26. Gottfried von Eppstein gegen Graf Eberhard von Königstein »

    «Nr. 164 Mandat Ks. Maximilians an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Leiden, 10. August 1508 »

    Wiesbaden, HStA, Abt. 330, Urk. Nr. 52 (Or. Perg. m. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. J. Renner) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 44–45 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. J. Renner) = B.

    Im Streit zwischen dem ksl. Rat Gf. Eberhard von Königstein und Gottfried von Eppstein1, den er, Lgf. Wilhelm, als seinen Rat und Lehnsmann unterstützt, entschied er jüngst in Braubach (Preubach), das Verfahren an sich zu ziehen und die Parteien zu Verhandlungen auf dem jüngst ausgeschriebenen Reichstag in Worms vor sich zu laden. Bis dahin dürfen die Parteien und ihre Anhänger nicht am Status quo rühren.2Er hat den in Braubach anwesenden hessischen Räten den Abschied mitgeteilt, ihn, Lgf. Wilhelm, später auch durch einen seiner Diener zuerst gebeten und ihm schließlich unter Strafandrohung befohlen, sich daran zu halten und nichts gegen Königstein zu unternehmen. Dessen ungeachtet wollte er den Bescheid nicht annehmen. Vielmehr berichtete Königstein, dass hessische Amtsknechte aus ŠEppstein vier seiner Untertanen als Gefangene abgeführt hätten. Andere seien gezwungen worden, Ackerfrüchte und Heu zu liefern. Weitere seiner Untertanen seien unter Drohungen aufgefordert worden, künftig Eppstein zu dienen. Der Gf. von Königstein hat ihn gebeten, seine Rechte zu verteidigen und für die Einhaltung des Abschieds zu sorgen.

    Ohne sein rechtzeitiges Einschreiten wird sich diese Angelegenheit zu einem Krieg ausweiten. Ihm obliegt es im Hl. Reich, dies zu verhüten und jedermanns Rechte zu schützen. Befiehlt ihm deshalb unter Androhung der ksl. Ungnade und schwerer Strafen, auch dem Verlust seiner Reichsregalien und Privilegien, außerdem der im ksl. Landfrieden vorgesehenen Sanktionen, den Braubacher Abschied in allen Punkten zu vollziehen, gegen Königstein nicht weiter vorzugehen und alle seit dem Abschied ergriffenen Maßnahmen rückgängig zu machen. Er soll dem Überbringer dieses Mandats innerhalb von drei Tagen Antwort geben, ob er sich daran zu halten gedenkt oder nicht. Falls nicht, ist er gezwungen, die angedrohten Strafen zu exekutieren.3

    «Nr. 165 Instruktion Lgf. Wilhelms II. von Hessen für seinen Gesandten [Balthasar von Schrautenbach] zu Ks. Maximilian (Auszug) – [vor dem 16. Januar 1509] »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 20–28 (Auszug).

    [Schilderung des Konflikts Königsteins mit Eppstein und Hessen]. Die von Hessen vorgetragene Bitte um Freilassung Gottfrieds von Eppstein1, verbunden mit dem Angebot, zwischen Königstein und Eppstein zu vermitteln und die Forderungen Königsteins gegen Hessen gemäß der Wormser Reichsordnung rechtlich klären zu Šlassen, blieb seitens der ksl. Räte auf einem Tag in Oberwesel unbeantwortet.2Stattdessen wurden die hessischen Gesandten zuerst nach St. Goar und dann nach Braubach beschieden, wo eine endgültige Entscheidung über das weitere Procedere ergehen sollte. Dort gab schließlich der Bf.[Matthäus Lang] von Gurk in Anwesenheit des Ks. den Gesandten bekannt, dass der Ks. den Konflikt auf dem zum 1. November (allerheiligen tag)nach Worms ausgeschriebenen Reichstag persönlich entscheiden werde.3Bis dahin solle Eppstein in Haft bleiben. Anschließend gebot der Ks. allen Parteien und insbesondere dem Lgf., von weiteren Schritten abzusehen. Die hessischen Gesandten lehnten die Entgegennahme des Braubacher Abschieds ab.4Auch der Lgf. verweigerte anschließend dem ksl. Boten Philipp von Freiburg in Darmstadt unter Darlegung seiner Beweggründe die Annahme. Er kündigte an, den Rat befreundeter Ff.über diese Angelegenheit einzuholen. Inzwischen erhob Königstein unbegründete Beschwerden über das angebliche Vorgehen Hessens gegen ihn unter Verletzung dieses Abschieds. Ohne vorher angehört worden zu sein, erging ein ksl. Mandat gegen den Lgf.[Nr. 164]. Er hat dem Ks. daraufhin erneut seine Gründe für die Zurückweisung des Braubacher Abschieds auseinandergesetzt. Abgesehen davon ist sein Rat und Lehensmann Gottfried von Eppstein nach wie vor in Haft.

    «Nr. 166 Aufzeichnung über die Antwort Ks. Maximilians an den hessischen Gesandten Balthasar von Schrautenbach (Rentmeister zu Gießen) – [act. Mecheln, zwischen dem 18. und 20. Januar 1509] »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 31–32’, hier 31’–32 (Kop.).

    [Streit zwischen Kurmainz und Hessen; Nr. 92]. Er wird mit dem Gf.[Eberhard] von Königstein verhandeln lassen, ihm die Entscheidung über die Forderung des [Gottfried] von Eppstein gegen ihn samt den damit zusammenhängenden Fragen anheimzustellen. Daraufhin wird er beide Parteien anhören und entweder mit deren Zustimmung die Sache einvernehmlich regeln oder, falls dies nicht möglich ist, durch ksl. Urteil rechtlich entscheiden. Er geht davon aus, dass auch Eppstein diesen Vorschlag nicht zurückweisen wird. Sowie beide Parteien zugestimmt und ausreichende Sicherheiten über den Vollzug seiner künftigen Entscheidung gestellt Šhaben, wodurch weitere Feindseligkeiten verhindert werden sollen, wird er Eppstein freilassen. Sollte dieser aber den Vorschlag ablehnen oder dem ksl. Spruch nicht nachkommen, bleibt er in Haft. [Weitere Punkte; Nr. 53].

    «4.27. Reichsstadt Aachen »

    «Nr. 167 Ks. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Aachen – Brüssel, 4. Februara 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 47–47’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Einige Aachener Bürger haben geklagt, dass der Magistrat sie an der Wahrnehmung ihres von seinem Vater Ks. Friedrich verliehenen und bislang ausgeübten Weinschankprivilegs1hindert und dieses Recht exklusiv für sich beansprucht. Dies würde sie ruinieren. Sie baten, dagegen einzuschreiten und das Privileg zu bestätigen. Ihm obliegt der Schutz verliehener Freiheiten. Er beabsichtigt deshalb die Konfirmation des Privilegs auf dem bevorstehenden Wormser Reichstag. Befiehlt ihnen, ihr Vorgehen einzustellen und die Bürger an der Geltendmachung ihres Privilegs nicht mehr zu hindern. Falls sie Einwände gegen die geplante Konfirmation haben, sollen sie diese auf dem Reichstag vorbringen.

    «Nr. 168 Instruktion Ks. Maximilians für den Dekan zu Bonn, Johann Heinrich von Schmalkalden, als Gesandten zu Bürgermeister und Rat der Stadt Aachen – undat. »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV/41, Fasz. 2 (Landau, Miscellanea), fol. 83–83’ (Konz.).

    Zwischen den Aachener Weinschenken und dem Magistrat ist wegen des Weinausschanks Streit entstanden. Beide Parteien haben von seinem Vater Ks. Friedrich und auch von ihm selbst diesbezügliche Privilegien erlangt.1Um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, hat er beide Parteien auf den bevorstehenden Reichstag nach Worms vorgeladen. Er wird dort eine endgültige Entscheidung fällen. Damit sich jedoch keine Seite benachteiligt glaubt, soll der Dekan mit Bürgermeister und Rat über eine Tolerierung des Weinausschanks auf der Grundlage des Privilegs Ks. ŠFriedrichs und vorbehaltlich der von ihm gewährten Freiheiten bis zum Abschluss des Verfahrens verhandeln.

    «4.28. Reichsstadt Köln »

    «Nr. 169 Weisung der Stadt Köln an Bürgermeister Konrad Schürenfeltz und Johann von Reide – Köln, 2. April 1509 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 45, fol. 30–30’ (Kop.).

    Beauftragen sie mit der Anweisung von Zahlungen an die Kölner Prokuratoren am ksl. Kammergericht in Regensburg, im Einzelnen an Ludwig Sachs 47 fl. Zehrungsgeld und an Christoph Hitzhofer 8 fl., um damit für die Stadt wichtige Schriftstücke zu bezahlen. Hier in Köln erwartet man täglich die Ankunft des Ks.

    «4.29. Reichsstadt Nürnberg439 »

    «Nr. 170 Gutachten des Nürnberger Ratskonsulenten Dr. Johann Letscher – [Nürnberg, 19. Februar 1509] »

    Frage einer Initiative beim Ks. oder auf dem Wormser Reichstag wegen des Räuberunwesens.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratschlagbücher, Nr. 1, fol. 1 (Kop.; Überschr.: Questio, ob uf dem nechsten Reichs tag zu Worms der blackerey halb und wie zu handeln sey bey ksl. Mt.).

    Doctor Jo[hann] Letscher als der, so am ersten anzaigung getan, hat geraten, das einem rate nit nutzlich oder furtraglich sey, allain fur sich selbs by ksl. Mt. oder den stenden deß Reichs der blackerei1 halb anregung oder doselbs beswerd clagsweise darzutun, sonder das ain rate zuvor by den stetten handlung furwendet, mit anzuhengen und solchs nachmaln bey ksl. Mt. ze arbaiten, unangesehen, ob ytzo kurz halben deß Reichs tags und ander ursachen die sachen mit frucht endlich nit möcht gepunden werden2, wie sich zu vermuten ist. Aber dannocht wirdet damit ain nutzlicher und guter anfang gemacht. Denn ye lenger in disen handlungen geirret, ye ubermessiger die zufallenden beswerden in merung Šerwachsen, insonders darumb, das die blackerey bey menschen gedechtnus so groß nie eingewurzelt als ytzo. So haben hievor die alten regenten unangesehen der grossen, treffenlichen fursehung der stifter gemainer recht, auch der Gulden Bull3 und Ks. Fridrichs reformation4 allen irn fleiß furgewendt, wege zu suchen, dise blackereien abzustricken und zu furkomen, und darumb merklich groß gelt und gut außgeben. Warumb wollt dann nit ain rate ytzo, so die not am grossten und nachtail an dem verzug ist, in die fusstapfen irer voreltern treten und bey ksl. Mt. als irem obrichtern[vorstellig werden]? Allda und niendert anderßwo die sachen mussen gezettelt und gehandelt werden. Dann wir sonst kain hilf wissen zu suchen oder fruchtparlich wege handeln.

    «Nr. 171 Gutachten von Nürnberger Ratskonsulenten – Nürnberg, 19. Februar 1509 »

    Frage einer Initiative beim Ks. oder auf dem Wormser Reichstag wegen des Räuberunwesens.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratschlagbücher, Nr. 1, fol. 1–1’ (Kop., actum am gayln montag, der hl. vaßnacht abend).

    Die 2 brebst [Dr. Erasmus Topler1und Dr. Anton Kreß2], Dr. Peter [Topler], [Dr. Johannes] Protzer3, herr A[nton] Tetzel, [Kaspar] Nutzel und [Hieronymus] Haller haben geraten und angezaigt, das sy haben vil beswerden bedacht, wo man mit hilf der stett bey ksl. Mt. handeln sollt, und nemlich, wo man die ksl. Mt. sollt anlangen umb hilf, so behelt solchs ksl. Mt. by sich nit allain, sonder wurd das auch an die fursten gelangen lassen oder die sachen schieben uf die stend deß Reichs. Das sey onzweifenlich. Dieselben wurden alsdann anzaigen den vertrag, so sy vor zu Bamberg beschlossen haben4, oder von andern wegen reden. Das alles ainem rate kainswegs zu erleiden steet, der ursachen Šhalben, das die fursten im nymmer nachgeben, in ire halßgricht zu greifen. Nun kan ain rate, wie ytzo gemelt, wo solchs nit zugelassen, kainen andern wege annemen. Item die kaiserlich Mt. wurde, als sich zu vermuten, nit lang an dem ort bleiben und die sachen seiner Mt. raten oder stenden deß Reichs committirn, die sachen zu bedenken, oder etlich hauptleut setzen, als marggraf Cazimier [von Brandenburg-Ansbach] und andere fursten, wie vor auch auf der pan gewest, die blackerey außzureuten und andere ordnung furzunemen, dieselben zu furkomen. Das sey ains rats gift. Dann man darinnen ainem rate kain sonders machen oder ire freyhaiten sondern oder außnemen werd. So sey auch nit wol moglich, das ain rate weiters, grossers oder bessers, dan sy vor haben aund der landfrid zugibt–a, erlangen werden. Sollte dann ain rate neben den stetten arbaiten, so mochten sie villeicht ursach geben, ire vor habende freyhaiten zu verletzen oder die zweifelig ze machen. Und sey in summa diser sachen halb zu yedem mal zwei beswerden im tun zu bewegen, do im lassen sich nit aine ereugen mag. Aber wo der brobst [Erasmus Topler] allain in abwesen menglichs bey ksl. Mt. etwas weiters in schein ainer declaracion erlangen möchte, nit abzuschlagen sein. Deßgleichen, wo sich solchs in andern sachen antwurts- und underrichtungsweise zu Worms fuglich begeben, das der blackerey halb in gemain anregung beschehe mit anzaigung der merklichen beswerden, darauß ervolgend.5

    «Nr. 172 Gutachten des Nürnberger Ratskonsulenten Dr. Johann Letscher – [Nürnberg, 19. Februar 1509] »

    Frage einer Initiative beim Ks. oder auf dem Wormser Reichstag wegen der Missstände beim Geleitwesen.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratschlagbücher, Nr. 1, fol. 1’ (Kop.; Überschr.: Questio, ob uf solchem Reichs tag auch anzeregen sey oder clagsweise darzutun, wie beswerlich es mit den glaiten werd furgenomen. Dann neme ainer glait, so werde er darin beschadigt und ime erstattung seiner beschedigung [ab]glaint. Neme er nit glait, so begegen ime gleichmessig beswerden.).

    Sagt doctor Letscher, diß stuck, das glait betreffend, sey dem artikel, die blackerey berurend, anhengig, mog nit wol gesondert werden. Und wo die nit dermaß furgenommen, wie es mit guter vorbetrachtung durch die stifter der recht bedacht und fursehen sey, were onnot, derhalben vil zu clagen oder zu arbaiten. Aber dem entgegen und widerwertig erscheint teglichs, darumb den stenden deß Reichs, sonderlich den stetten und furnemlich Nurmberg, not und Šnutz were, von stattlichen wegen zu handeln, durch die das glait rechtformlich gehalten wurd. Aber er wiß ains von dem andern nit zu tailen, soll anders mit frucht darin gehandelt werden.1

    «Nr. 173 Stadt Nürnberg an den ksl. Reichsschatzmeister Hans von Landau – Nürnberg, 14. März 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 166–167 (Kop., quarta post oculi).

    Abt Wolfgang von St. Egidien hat sie als Schutzherren seines Klosters über ein erneutes Mandat zur Bezahlung der auf den letzten beiden Reichstagen [in Köln und Konstanz] bewilligten Reichshilfen1und über das beiliegende am 15. März [!] zugestellte fiskalische Monitorial2informiert. Wenn ihn ihr vor Jahresfrist zugesandter Bericht3erreicht hätte und, wie gebeten, an den Ks. weitergeleitet worden wäre, hätte dieser zweifellos untersagt, den Abt weiterhin zu behelligen. Er hat den Bericht aber wohl nicht erhalten, weswegen sie auf Bitten des Abtes ihre Argumente hiermit noch einmal vortragen: Das Kloster untersteht der weltlichen Obrigkeit Nürnbergs als seiner Schutz- und Schirmherrin. Der Magistrat hat dessen Untertanen deshalb von jeher wie andere Bürger und Angehörige der Stadt für alle Anforderungen seitens Ks. und Reich besteuert, so auch für den Romzug im vergangenen Jahr. Falls der Abt dem Zahlungsmandat nachkäme, würden er und die übrigen Angehörigen des Klosters entgegen dem Herkommen doppelt besteuert. Der Abt hat auch darauf hingewiesen, dass St. Egidien bislang und auch unter dem Šjetzigen Ks. von Reichsanschlägen verschont geblieben ist, wie dies auch für andere, von Ff. und Städten eximierte Prälaten gilt.

    Bitten ihn deshalb, dem Abt eine weitere Frist zu gewähren und den ksl. Fiskal zur Sistierung des Verfahrens gegen den Abt zu veranlassen, während die Nürnberger Gesandten auf dem Wormser Reichstag den Ks.über die Angelegenheit informieren. Sie sind zuversichtlich, dass dieser wie bisher von der Besteuerung des Klosters absehen wird.

    «Nr. 174 Stadt Nürnberg an den ksl. Fiskalprokurator Dr. Christoph Moeller – Nürnberg, 7. April 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 199’–200’ (Kop., am hl. osterabend).

    Am 15. März ging Abt Wolfgang von St. Egidien ein von ihm, dem ksl. Fiskal, beantragtes kammergerichtliches Monitorial [vom 18.1.1509] zu, die auf den Reichstagen in Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen in Gesamthöhe von 342 fl. innerhalb von sechs Wochen an den Reichsschatzmeister Hans von Landau auszubezahlen oder sich nach Verstreichen einer weiteren Frist von 30 Tagen zur Rechtfertigung am ksl. Kammergericht einzufinden. Der Abt hat das Mandat dem Rat der Stadt Nürnberg vorgelegt, sich über die Besteuerung durch das Reich als Neuerung beschwert und gebeten, die Kassation des Mandats zu erwirken. [Weitere Argumentation entsprechend Nr. 173 – Das Kloster ... absehen wird.].1

    «Nr. 175 Stadt Nürnberg an Stadt Lübeck – Nürnberg, 19. April 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 220’ (Kop., pfintztag nach quasimodogeniti).

    Bestätigen den Empfang von 110 fl., ihrem Anteil am erneut aufgelegten Kammerzieler, durch den Nürnberger Bürger Jörg Bayer (Beyr)1. Die Nürnberger GesandtŠschaft zum Reichstag hat Befehl, die Lübeck zustehenden 60 fl.2an ihre Gesandten in Worms auszuhändigen.

    «4.30. Reichsstadt Regensburg »

    «Nr. 176 Ks. Maximilian an Kammerrichter und Beisitzer des ksl. Kammergerichts – Antwerpen, 29. November 1508 »

    Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ. 492, fol. 406’–407 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein).

    Sie haben ihm die Unterlagen über die auf seinen Befehl hin geschehene Anhörung zu Streitigkeiten der Stadt Regensburg1zugeschickt. Im Vollzug ihrer Ergebnisse, auch um weitere Misshelligkeiten zu verhüten und da ihm und dem Hl. Reich nicht wenig an dieser Stadt gelegen ist, will er sich auf dem bevorstehenden Wormser Reichstag persönlich um diese Angelegenheit kümmern. Er hat deshalb den ksl. Rat und Hauptmann Sigmund von Rorbach sowie Rat und Gemein der Stadt aufgefordert, auf dem Reichstag zu erscheinen.2Um unnötige Kosten zu vermeiden, befiehlt er ihnen, der Stadt in seinem Namen Folgendes mitzuteilen: Ihre Vertretung solle nur eine kleine, mit genügenden Vollmachten versehene Gesandtschaft aus Mitgliedern des Rates und der Gemein umfassen. Außerdem sollten sie nicht eher nach Worms aufbrechen, bevor sie nicht sichere Kenntnis von seiner persönlichen Anwesenheit dort hätten. Falls ihnen, den Adressaten, inzwischen neue Informationen zu diesem Vorgang zugehen oder sie selbst weitere Angaben machen können, sollen sie ihre schriftliche Mitteilung darüber den Regensburger Gesandten mitgeben.3

    « Š4.31. Reichsstadt Worms »

    «Nr. 177 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an den ksl. Landvogt im Elsass, Kaspar Frh. von Mörsberg – Worms, 9. Februar 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 518/1, unfol. (Konz., frytags St. Appolonien tag).

    Er, Mörsberg, wurde vor einiger Zeit mit der Vermittlung in den Auseinandersetzungen zwischen Gf. Ludwig von Löwenstein und der Stadt1betraut. Seit längerer Zeit ist in dieser Angelegenheit nichts mehr geschehen. Voraussichtlich werden er wie auch der Gf. zum bevorstehenden Reichstag nach Worms kommen. Sie schlagen deshalb vor, dass er den beiden Parteien einen Termin für eine Anhörung und anschließende Schiedsverhandlungen anberaumt.2

    «Nr. 178 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Ebf. Jakob von Trier – Weimar, 14. Februar 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 175 (Kop., mitwoch sancti Valentini).

    Bestätigt den Empfang seiner Mitteilung, wonach der Kardinal von St. Crucis [Bernardino López de Carvajal]1ihn, den Ebf., zu seinem Stellvertreter im Konflikt zwischen Klerus und Stadt ernannt und er diese Aufgabe auch übernommen hat. Die beiden Parteien wurden bei ihm wegen der Schiedsverhandlungen bereits vorstellig.2Er seinerseits hat erklärt, sich zuerst mit ihm, Ebf. Jakob, verständigen Šzu müssen.3Seinem Schreiben konnte er entnehmen, dass ihm die Benennung von Zeit und Ort überlassen bleibt.

    Derzeit ist es ihm allerdings nicht möglich, einen Termin anzuberaumen. Nachdem wir aber ksl. Mt. auf ir begern zu angesatztem reichstag gein Wormbs, ob Got will, personlich zu komen zugeschriben, wo nu derselb tag in der zeit des compromiß furgang gewonne, so wolten wir uns alda zu Wormbs, so es euer lieb auch gefellig, mit derselben gern handlung underfahen. Da im Kompromissbrief [vom 16.5.1508]4eine Frist angegeben ist und er eine Verzögerung des Reichstages befürchtet, stellt er ihm anheim, den Kompromiss zu verlängern und den Parteien einen Termin zu benennen. Falls er selbst keine Zeit haben sollte, würde er seine Räte mit der Weisung abordnen, die Verhandlungen zum Abschluss zu bringen.

    «Nr. 179 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Ebf. Jakob von Trier – Torgau, 18. April 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 171 (Kop., mitwoch nach quasimodogeniti).

    Bestätigt den Empfang seiner Mitteilung, wonach er in ihrer beider Namen den Kompromiss zwischen Stadt und Klerus um zwei weitere Monate bis Ende Mai verlängert habe1und die unmittelbar bevorstehende Eröffnung des Reichstages abwarten wolle. Dort werde er, Ebf. Jakob, in Kürze eintreffen und auch seine, Kf. Friedrichs, Ankunft erwarten. Deshalb habe er vorläufig auf die Benennung von Termin und Ort für die Schiedsverhandlungen verzichtet.2

    Stimmt der Verlängerung des Kompromisses zu. Er will auch, wenn er zum Reichstag kommt, was er mit Gottes Hilfe beabsichtigt, und sofern es die Angelegenheiten von Ks. und Reich zulassen, gemeinsam mit ihm in diesem Konflikt vermitteln. Falls ihm dies persönlich nicht möglich sein sollte, wird er seine Räte Šbevollmächtigten, damit keine weitere Verzögerung eintritt und der Streit endlich beigelegt wird.3

    «4.32. Reichsstädte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen »

    «Nr. 180 Rat der Stadt Nordhausen an den Rat der Stadt Mühlhausen – Nordhausen, 26. September 1508 »

    Mühlhausen, StdA, 10/G 29, Nr. 1, fol. 22–22’ (Or. m. S., dinstag Cipriani).

    Bestätigen den Empfang ihres Schreibens1mit der Bitte um Rat wegen ihrer Beschwerden über die neurung, euch aus etzlicher canzley beiegnit. Sie halten angesichts des bevorstehenden Reichstages in Worms ohnehin ein Treffen für notwendig und werden deshalb Goslar um Anberaumung eines Termins bitten. Sie werden ihnen deren Antwort mitteilen und auf dem Tag ihre Meinung bezüglich ihrer Beschwerden eröffnen.

    «Nr. 181 Rat der Stadt Mühlhausen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Mühlhausen, 9. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 233, unfol. (Or. m. Siegelspuren, mittewochen nach cantate).

    Bestätigen den Eingang ihres Schreibens [Nr. 235]. Obwohl sie erfahren haben, dass der Ks. Worms wieder verlassen hat, haben sie dennoch den Überbringer dieses Schreibens, ihren Schreiber Johann Bottener, abgefertigt, um genauere Erkundigungen, auch mit Hinblick auf die Mühlhäuser Angelegenheiten anzustellen. Bitten, diesem mit ihrem Ratschlag zur Seite zu stehen und ihm ein einmonatiges Darlehen von 240 fl. zu gewähren.1

    « Š5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages  »

    «Nr. 182 Beschlüsse des Frankfurter Rates – Frankfurt, 24. Juni 1508–23. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, Bürgermeisterbücher (BMB) 1508, fol. 21–125’ passim; Ratschlagungsprotokolle (RSP) 1a, fol. 115’, 122’.

    Sabatho in die nativitatis Johannis baptiste [24.6.1508]: Als die romische keiserlich maiestat, unser allergnedigister her, eyn Richs tag, zu Worms zu erschinen, ußschriben laissen hait uf XVI. tag Julii und furter erstreckt uf sant Laurentyen tag[Nr. 36] (BMB 1508, fol. 21).

    Feria quinta in die sanctorum Petri et Pauli [29.6.]: Als die röm. keiserlich maiestat den Richs tag, so Eustachii [16.7.] angesetzt und uf Laurentii [10.8.] erstreckt gewest ist gen Worms, und denselben tag ufschürzt biß hernachmals siner gnaden gelegenheit witer ußschribens [Nr. 42]. [Beschluss:] Uf ime selbst laissen (ebd., fol. 22’).

    Feria quinta post Ulrici [6.7.]: Als der rat von Molehusen schribt deß Richs tags, so Eustacii [16.7.] gein Worms angesetzt ist, bitten sie, deß rats willen sie zu verstendigen1 (ebd., fol. 25).

    Feria tercia in die Ciriaci [8.8.]: Als eyn keiserlich mandat [Nr. 44] zukomen, darinne sin maießtat eyn Richs tag gein Worms uf allerheiligen, ist der erst tag im November, ernennt, auch eyn brief darbijneben, davon melden [Nr. 45]. [Beschluss:] In der ratßlagung furnemen (ebd., fol. 36’).

    In die Michaelis [29.9.]: Als die romisch ksl. Mt. eyn tag gein Worms uf omnium sanctorum [1.11.] ußgeschrieben hat. [Beschluss:] Die frunde verordenen und dann nach gelegenheit handeln und sich der handelung underreden uf dem tag (RSP 1a, fol. 115’).

    Tercia post Remigii [3.10.]: Zu dem ratßlag deß ko[niglichen!] Richs tag nachkommen und die frunde derzu Johann Frosch, scheffen, und Johann zum Jungen (BMB 1508, fol. 58).

    Feria tertia in vigilia omnium sanctorum [31.10.]: Als der rat zu Lubeck bitten, sie zu verstendigen deß Richs tags halben zu Worms, obe der eyn furgang gewynnen werde [Nr. 190]. [Beschluss:] Inen die antwurt [Nr. 193] schicken lute der gehorten notel (ebd., fol. 68).

    Feria sexta post omnium sanctorum [3.11.]: Als die rete der stete Molhusen, Goßlar und Northusen schriben deß Richs tags halber zu Worms [Nr. 192]. [Beschluss:] Inen wie den von Lubeck schriben [Nr. 193] (ebd., fol. 69’).

    Feria tercia ante Lucie [12.12.]: Als der rat zu Worms schriben [Nr. 198] deß Richs tags halber, daß sie eß darfur achten uß angezeigten orsachen, daß der sin furgang haben (ebd., fol. 81).

    ŠTercia post Lucie [19.12.]: Als der rat zu Molhusen eyn credenz, uf Daniheln Helmstorfer besagen, schriben [Nr. 199]. [Beschluss:] Ime uf sin ansuchen willefaren (ebd., fol. 83’).

    Feria tercia post Hilarii [16.1.1509]: Als die röm. ksl. maiestat schribt [Nr. 50], daß eyn fride zuschen siner Mt. und dem konig von Frankerich erteidingt und beßlossen sij und den Richs tag zu Worms zu besuchen willens, uf sant Peters tag ad kathedram [22.2.] in eigener personen zu erschynen. [Beschluss:] Uf im selbst laißen (ebd., fol. 93).

    Feria quinta post judica [29.3.]: Als die keiserlich maiestat, unser allergnedigister herr, schribt [Nr. 220], uf dem Richs tag zu Worms uf sontag judica [25.3.] zu erschinen, willens sij, mit verkünden, doselbst die frunde zu besuchen (ebd., fol. 118).

    Feria quinta post diem pasce [12.4.]: Der ksl. Mt. die vierdusent ICXXXV gulden, XVIII albus und ½ lb uf furderlichst dem rat ze Worms zu liebern, fertigen meister Johan Cristan, schriber, morgen in der fru schiff biß gen Oppenheim und dan furter gein Worms (ebd., fol. 123’).

    Feria tercia post quasimodogeniti [17.4.]: Item ein boten gein Northusen laufen lassen, die zukunft ksl. Mt. gein Wormbs inen zu verkunden [Nr. 235].

    An Johan zum Jungen stat uf den keyserlichen tag geyn Worms Gilbrecht Holzhusen (ebd., fol. 124’, 125’).

    Feria secunda post misericordia Domini [23.4.]: Uf daß ksl. mandat und ußschriben deß gemeyn Richs tag zu Worms. [Beschluss:] Den frunden befelen, daß beste zu tun. Und obe ine sachen furfallen, der sie bericht zu haben nottorftig sin wurden, sollen sie sich mit fürderlicher botschaft ungesumet halten (RSP 1a, fol. 122’).

    «Nr. 183 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms/Elsass an Meister und Rat der Stadt Hagenau – Worms, 25. Juli 1508 »

    Hagenau, AM, AA 241, Stück-Nr. 7 (Or. m. Siegelspuren, dinstags Jacobi apostoli).

    Sie haben gebeten, sie bezüglich der Verzögerung des Reichstages zu informieren: Teilen mit, dass ihre Gesandtschaft vor vierzehn Tagen vom Kaiserhof zurückgekehrt ist und angekündigt hat, dass der Reichstag auf Allerheiligen [1.11.] verschoben wird. Inzwischen meldeten weitere Personen, die sich am Kaiserhof aufgehalten haben, dass Befehl ergangen sei, neue Ausschreiben mit diesem Termin zu drucken, auszufertigen und zuzustellen.

    «Nr. 184 Lgf. Wilhelm II. von Hessen an seinen Kammermeister und Rat Georg Nußpicker – Spangenberg, 25. August 1508 »

    Demandt, Schriftgut II/5, S. 217, Nr. 3519.

    ŠBefiehlt ihm, dem Kanzler Johann Engellender und anderen Räten, die zum Wormser Tag reiten, 60 fl. Zehrungsgeld zu geben.

    «Nr. 185 Ks. Maximilian an den Reichsstatthalter Kf. Friedrich III. von Sachsen – Brüssel, 11. September 1508 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 6–6’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    Er hat ihn durch sein Ausschreiben [Nr. 44] für den 1. November (allerheiligen tag)zum Reichstag nach Worms eingeladen. Er zweifelt nicht daran, dass er dem Folge leisten wird. Dennoch will er ihn, wie andere Stände auch, angesichts des nahenden Termins auffordern, sich auf seine Teilnahme am Reichstag vorzubereiten und keinesfalls fernzubleiben.

    «Nr. 186 Ausschreiben Ks. Maximilians an Reichsstädte – Brüssel, 12. September 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 14–14’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 141, Nr. 45, unfol. (wie A) = B. Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt Ks. Maximilian I., Fasz. 1, fol. 132–132’ (wie A; Präsentatverm.: 19.10.) = C. Köln, HAStd, K+R 36/2, fol. 9–9’ (wie A).

    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 944, S. 747.

    Er hat sie durch sein Ausschreiben [Nr. 44] für den 1. November (aller heiligen tag)zum Reichstag nach Worms geladen. Er zweifelt nicht daran, dass sie dem Folge leisten werden. Dennoch will er sie, wie andere Stände auch, angesichts des nahenden Termins auffordern, sich auf ihre Teilnahme am Reichstag vorzubereiten und keinesfalls fernzubleiben.

    «Nr. 187 Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach an Gf. Ludwig von Löwenstein – Ansbach, 26. September 1508 »

    Wertheim, StA, G-Rep. 47, Nr. 13, unfol. (Or., dinstag nach sant Matheus tag).

    Er hatte ihn schriftlich um die Bereitstellung seines Schiffes für die Reise zum Wormser Reichstag gebeten. Ein gfl. Amtmann teilte daraufhin mit, dass er, der Gf., nicht zu Hause sei, er ihn aber nach dessen Rückkehr über sein Anliegen informieren werde. Er gehe indessen davon aus, dass das Schiff zur Verfügung stehe.

    Falls er mit ihm gemeinsam zum Reichstag reisen und auch seinen Sohn1mitnehmen will, wäre ihm das angenehm. Dann wir dich vor anderen geschickt Šwissen und darumb gern bey uns haben wolten.Er beabsichtigt, auf dem Wasserweg nach Worms zu reisen und keine Reiter mitzunehmen. Falls er in seinen Angelegenheiten ebenfalls etwas mit dem Ks. zu verhandeln hätte und er ihm darin beistehen könnte, wird er dies gern tun. Erwartet seine Antwort durch den Überbringer dieses Schreibens.2

    «Nr. 188 Stadt Nürnberg an die Stadt Weißenburg/Franken – Nürnberg, 14. Oktober 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 62, fol. 159’–160 (Kop., sonstag [!] [= Samstag] nach Dionisy).

    Bestätigen den Eingang ihres Schreibens1mit der Erinnerung an die Zusage des Nürnberger Rates an einen Weißenburger Ratsherrn, ihr Fernbleiben vom bevorstehenden Reichstag zu erklären. Sie haben diese Zusage keineswegs vergessen. Doch wird auf dem bevorstehenden Schwäbischen Bundestag in Ulm voraussichtlich darüber beraten, ob die Bundesstädte getrennt oder durch eine gemeinsame Gesandtschaft am Reichstag teilnehmen sollen. Sie haben deshalb noch keine Entscheidung getroffen, ob sie eigene Gesandte dorthin schicken werden. Sollte aber der Nürnberger Bundesgesandte zur Teilnahme an der Reichstagsgesandtschaft verpflichtet werden oder Nürnberg einen eigenen Gesandten nach Worms abordnen, werden sie veranlassen, dass ihr Fernbleiben entschuldigt wird.2

    «Nr. 189 Bericht Georg Eisenreichs an Hg. Wolfgang von Bayern und die übrigen Vormünder Hg. Wilhelms IV. – Ulm, 15. Oktober 1508 »

    München, HStA, KÄA 2018, fol. 47–47’, 48’ (Or., sontag vor Galli).

    ŠÜbersendet den Schwäbischen Bundesabschied.1Er hat in Ulm glaubwürdig erfahren, dass der Ks. auf dem Weg nach Worms befindlich sei, um persönlich am Reichstag teilzunehmen. Er selbst wird sich deshalb weisungsgemäß zu Allerheiligen [1.11.] dorthin verfügen und auf Dietrich von Plieningen warten, der ihre Instruktion mitbringt. Empfiehlt, Plieningen wegen zweier seinerzeit von Hg. Albrecht aus dem Dienst entlassener Landshuter Knechte zu warnen, sich zwischen Augsburg und Ulm in Acht zu nehmen. Die Knechte streifen mit ihren bis zu achtzig Gesellen in der Gegend von Höchstädt (Hochstet)und Gundelfingen auf dem Gebiet des Schwäbischen Bundes umher. Zwar wurden bereits Gegenmaßnahmen beschlossen, doch gehen diese langsam vonstatten. Auch hat er erfahren, dass Hg. Ulrich von Württemberg im Begriff steht, einige fränkische Adlige in seine Dienste aufzunehmen. So ist ein ständiges Kommen und Gehen dieser Leute am hgl. Hof. Auch von ihnen geht Gefahr aus. Er wird sich deshalb – unter möglichster Kostenersparnis – um sicheres Geleit bis Worms bemühen. [...].

    «Nr. 190 Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Lübeck, 16. Oktober 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 15–15’ (Or., Galli confessoris).

    Der Ks. hat Lübeck, wie Frankfurt und andere Reichsstädte zweifellos auch, für den 1. November (omnium sanctorum)zum Reichstag (daghe)nach Worms eingeladen. Es kam schon häufig vor, dass Termine verlängert oder Tagungsorte verlegt wurden. Sie sind über den jetzt angesetzten Reichstag, nachdem wy so wyth unde am ende des Hilgen Rikes geleghen, nicht genau informiert. Um unnötige Kosten zu vermeiden, bitten sie deshalb um Mitteilung durch den Überbringer dieses Schreibens, ob der Reichstag zum benannten Termin und am angegebenen Ort stattfinden wird.

    «Nr. 191 Hg. Wolfgang von Bayern und andere Vormünder Hg. Wilhelms IV. an Ks. Maximilian – München, 23. Oktober 1508 »

    München, HStA, KÄA 3137, fol. 107–107’ (Mundum, montag vor Symonis et Jude) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 3136, fol. 432–432’ (undat. Reinkonz.; Dorsalverm.: Glaubbrief auf den Reichs tag gen Wormbs anno 8.) = B.

    ŠDer Ks. hat sein Mündel Hg. Wilhelm als Reichsfürsten neben anderen Ständen zum Reichstag nach Worms beschieden. Er hat zusammen mit den übrigen Vormündern in Vertretung Hg. Wilhelms den Dekan zu St. Peter/München und Propst zu St. Peter am Madron, Lic. Georg Eisenreich, und Dr. Dietrich von Plieningen zu Eisenhofen beauftragt, dessen Ausbleiben gegenüber Ks. und Reichsständen zu entschuldigen, und sie zur Teilnahme an den Reichstagsverhandlungen bevollmächtigt, wie dies aus ihrer Instruktion hervorgeht. Bittet, ihnen Glauben zu schenken und sie als Bevollmächtigte Hg. Wilhelms zuzulassen.

    «Nr. 192 Räte der Städte Mühlhausen, Goslar und Nordhausen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – s.l., 29. Oktober 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 17–17’ (Or., sontages nach Simonis et Jude apostolorum).

    Der Ks. hat sie wie andere Stände zum 1. November (allerheilgen tag)auf den ksl. Tag nach Worms geladen. Sie wollen sich gehorsam erzeigen, wissen aber nicht, ob der Tag stattfinden oder verschoben wird. Bitten, sie darüber durch den Überbringer dieses Schreibens zu informieren.

    «Nr. 193 Stadt Frankfurt an Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck (entsprechend an Goslar, Nordhausen und Mühlhausen) – Frankfurt, 31. Oktober 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 19 (Konz., dinstag in vigilia omnium sanctorum).

    Antworten auf ihre Anfrage [Nrr. 190, 192], dass der ksl. Tag ihrer Kenntnis nach zum angegebenen Termin in Worms stattfinden wird, wie dies auch das kürzlich eingegangene, in Abschrift beiliegende ksl. Schreiben [Nr. 186] besagt. […].

    «Nr. 194 Rat der Stadt Wetzlar an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Wetzlar, 3. November 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 21–21’ (Or., fritag nach allergleybigen seelen tag).

    Sie sind zweifellos darüber informiert, dass der Ks. zum 1. November (aller heligen tage)einen Reichstag nach Worms einberufen hatte, der wegen der Verhinderung des Ks. bislang nicht begonnen hat. Bitten um Mitteilung, falls sie über den Beginn des Reichstages informiert sind.1Sie wollen gemeinsam mit ihnen und anderen [Reichsstädten] daran teilnehmen.

    «Nr. Š195 Der Nürnberger Ratsherr Hieronymus Holzschuher an den Ulmer Bürgermeister und Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte Matthäus Neithart – Nürnberg, 7. November 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 62, fol. 190–190’ (Kop., eritag nach Lenhardi).

    Gemäß Beschluss des letzten Bundesstädtetages [Nr. 80, Pkt. 3] sind Neithart, Ulrich Artzt und er selbst als Gesandte zum Wormser Reichstag vorgesehen. Er, Neithart, hat zugesagt, den Wormser Bürgermeister wegen ihrer Anreise und einer Herberge zu kontaktieren und Artzt und ihn dann zu informieren. Er erwartet weiterhin seinen Bescheid. In diesem Zusammenhang teilt er ihm eine den Nürnberger Hh.Älteren zugegangene Nachricht mit. Demnach hatte sich Mgf. Friedrich von Brandenburg bereits auf die Reise zum Reichstag vorbereitet und war im Begriff aufzubrechen, als ihn ein Schreiben seines Sohnes Mgf. Kasimir erreichte, woraufhin er die Reise absagte. Und sey die sag am selben hof, es wird dezmals auß dem Reichs tag nichtzit.Den Hh.Älteren ist jedoch nicht bekannt, ob der Reichstag ganz ausfällt oder nur verschoben wird. Er wird ihn informieren, sowie er Neuigkeiten erfährt. [...].

    [PS] Als er diesen Brief geschrieben hatte, setzten ihn einige Kaufleute über ein Schreiben aus Frankfurt in Kenntnis, wonach der Reichstag bis zum 30. November (Andree)verschoben worden sei.

    «Nr. 196 Bf. Heinrich von Augsburg an den Schwäbischen Bundeshauptmann Dr. Matthäus Neithart – Dillingen, 11. November 1508 »

    Augsburg StA, Hst. Augsburg, Mü. Best. Lit. 1102, unfol. (Konz., sant Martins tag).

    Ihm kamen wiederholt Gerüchte zu Ohren, dass der Wormser Reichstag verschoben worden sein soll. Bittet, ihn zu informieren, wenn er davon Kenntnis hat bzw. sobald er etwas davon erfährt.1

    «Nr. 197 Hg. Georg von Sachsen an seinen Rat Caspar Ziegeler – s.l., 27. November 1508 »

    Dresden, HStA, Kopialbücher, Nr. 110, fol. 37 (Kop., montag nach Katharine virginis).

    ŠKurzregest: Baks, Inventaris, S. 78, Nr. 192.

    Übersendet ihm einen an den Ks. adressierten Kredenzbrief, außerdem eine Vollmacht und eine Instruktion für den Reichstag.1Er soll demgemäß und entsprechend seinen mündlichen Unterweisungen auf dem Reichstag verfahren. Fordert ihn auf, ihm durch den Überbringer des Schreibens zu berichten, ob der Ks. persönlich am Reichstag teilnehmen wird, worüber und wie verhandelt wird, und auch sonstige Neuigkeiten mitzuteilen.

    «Nr. 198 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Worms, 7. Dezember 1508 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 13 (Or., donerstags nach Nicolai episcopi).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 947, S. 748.

    Der Frankfurter Stadtbote Niklas Heun hat ihnen eröffnet, dass einige in Frankfurt weilende ftl. Räte ihn nach Worms geschickt hätten, um in Erfahrung zu bringen, ob der ausgeschriebene Reichstag stattfindet, und um Mitteilung darüber an sie, die Adressaten, gebeten, damit sie auf etwaige Anfragen Auskunft geben können.

    Der Ks. hat vor kurzem an sie geschrieben, dass der Reichstag stattfinden und er seine Räte dazu abordnen werde. Auch wolle er sich beeilen, um selbst nachkommen zu können. Der Ks. hat ihnen befohlen, dies allen eintreffenden Ständen mitzuteilen, damit sie hier warten.1Es halten sich auch die Gesandten einiger Stände in Worms auf. Der Ks., Kff., Ff. und Stände des Hl. Reiches haben ihre Furiere entsandt, um Herbergen und Stallungen anzumieten. Sie gehen deshalb davon aus, dass der ausgeschriebene Reichstag stattfinden wird.

    «Nr. 199 Bürgermeister und Rat der Stadt Mühlhausen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Mühlhausen, 7. Dezember 1508 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 223, unfol. (Or. Perg., donnerstag nach Nicolai).

    Mühlhausen wurde vom Ks. neben anderen Reichsständen zum Wormser Reichstag eingeladen. Bürgermeister Daniel Helmsdorf soll im Namen der Stadt daran teilnehmen. Bitten, diesem in seinen Angelegenheiten beratend zur Seite zu stehen.

    « Nr. Š200 Hg. Georg von Sachsen an seinen Rat Caspar Ziegeler – Leipzig, 22. Dezember 1508 »

    Dresden, HStA, Kopialbücher, Nr. 110, fol. 45 (Auszug, freitags noch Thome apostoli).

    Kurzregest: Baks, Inventaris, S. 78, Nr. 193.

    Befiehlt ihm, sich nach Worms zu verfügen. Falls er dort jedoch nur Vertreter von vier oder fünf Ff. und Prälaten und auch keine angemessene ksl. Gesandtschaft vorfindet, soll er sich zwar anmelden und seinen Auftrag zur Teilnahme am Reichstag als sächsischer Gesandter eröffnen, dann jedoch seinen Abschied nehmen und zurückreisen. Auch wenn mehr ftl. Gesandte anwesend sein sollten, er jedoch feststellt, dass nichts nutzlichs furgenommen oder gehandelt wierd, soll er sich durch nichts an seiner unverzüglichen Abreise hindern lassen.

    «Nr. 201 Ks. Maximilian an Ebf. Jakob von Trier – Mecheln, 27. Dezember 1508 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 1, fol. 33 (Konz. mit ex.-Verm.).

    Der ebfl. Kaplan Johann Lindeck1hat weisungsgemäß die Gründe für sein bisheriges Fernbleiben vom Reichstag dargelegt und für ihn um Erlaubnis gebeten, zu Hause bleiben zu dürfen, bis er, der Ks., selbst zum Reichstag aufbricht.

    Genehmigt ihm dies zur Erledigung seiner Angelegenheiten. Er soll in Koblenz seine Ankunft – voraussichtlich um den 10. Februar (acht tag nach unser liben frauen tag purificationis nestkomende ungeverlich)– erwarten, um dann mit nur kleinem Gefolge gemeinsam mit ihm zum Reichstag weiterzureisen.

    «Nr. 202 Weisung Ks. Maximilians an den Hofmeister [Niklas von] Firmian und an Hans von Landau – Mecheln, 28. Dezember 1508 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1508), fol. 96–96’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Er hat Bf. Hugo von Konstanz eröffnet, aus welchen Gründen er bislang nicht zum ausgeschriebenen Reichstag nach Worms kommen konnte, und ihm befohlen, sich zum 21. Februar persönlich dort bei ihm, dem Ks., einzufinden [Nr. 50]. Da dieser Reichstag für ihn, den Ks., das Hl. Reich, die deutsche Nation und die gesamte Christenheit wichtig ist, befiehlt er ihnen, in seinem Namen mit dem Bf.über dessen persönliche Teilnahme daran zu verhandeln.

    «Nr. Š203 Ks. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg – Antwerpen, 6. Januar 1509 »

    Verwendung der Reichsinsignien für Belehnungen während des Wormser Reichstages.

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 145, Nr. 16, unfol. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein; Präsentatvermerk: 15.3.1509).

    Er wird auf dem bevorstehenden Wormser Reichstag einigen Kff. und Ff. die Regalien und Lehen verleihen, hat aber aller Voraussicht nach sein Lehnsgewand nicht dabei. Befiehlt ihnen, ir wellet uns Ks. Karels lehengewand1, so ir habt und wir vormalen, wie ir wist, auch in verleihung dergleichen regalia gepraucht haben2, bey euer botschaft, die ir dann auf gemelten Reichs tag geen Wurmbs schicken werdet, zusenden.

    «Nr. 204 Bürgermeister und Rat der Stadt Köln an Kf. Ludwig V. von der Pfalz – Köln, 10. Januar 1509 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 44, fol. 231 (Kop.).

    Er hat den Kölner Bürger Thomas von Nuyss in der Sache gegen Melchior Hecht1zur gütlichen Anhörung für den 16. Februar (frydach na Valentini)vor sich bzw. die kfl. Räte nach Heidelberg geladen. Gleichzeitig hat der Ks. die Stadt aufgefordert, ihre Gesandten zum auf den 21. Februar ausgeschriebenen Reichstag nach Worms zu schicken. Die Kölner Gesandten zu den beiden anberaumten Tagen benötigen Geleit. Bitten ihn, ihren Ratsfreunden und insbesondere dem Mainzer Schultheiß Dr. Hartmann von Windeck sowie ihren übrigen Teilnehmern an den beiden Tagen in Heidelberg und Worms sicheres Geleit zu gewähren und den Geleitbrief durch den Überbringer dieses Schreibens nach Köln zu schicken.2

    «Nr. Š205 Ks. Maximilian an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Mecheln, 14. Januar 1509 »

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, fol. 81–81’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 72–72’ (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A)1 = B.

    Bestätigt den Eingang seines eigenhändig verfassten Schreibens2mit der Mitteilung von Gerüchten über eine angebliche ksl. Ungnade gegen ihn. Dementiert diese Gerüchte. Keinesfalls wäre es zutreffend, wenn sein Verhalten ihm gegenüber als ksl. Ungnade verstanden würde. Vielmehr ist er ihm mit Gnade und Wohlwollen zugetan.

    Bekundet sein Wohlgefallen an seinen ihm versiegelt zugegangenen Ratschlägen3. Er hat ihn kürzlich durch den ksl. Rat und Propst zu Nürnberg, Dr. Erasmus Topler, aufgefordert4, persönlich zum bevorstehenden Reichstag nach Worms zu kommen. Diesen Wunsch wird er durch den lgfl. Rentmeister Balthasar von Schrautenbach erneuern.5Dort will er mit ihm über seine Ratschläge und andere wichtige und geheime Angelegenheiten sprechen. Dies beweist sein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihm.

    «Nr. 206 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an Abt [Pirmin] von Otterberg – Worms, 30. Januar 1509 »

    Herrichtung des Otterberger Hofes als Herberge für den Reichstag.

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 478/1, unfol. (Konz., dinstag nach conversionis Pauli).

    Der ksl. Furier hat sie aufgefordert, von uwer wirden, auch anderer hofe und heuser wegen in unser statt, so zu herbergen geschickt syen, mit bettung, stellen Šund ander notturften nit versehen noch gestellt etc., und die bettung, so vor in uwer wirden hof gewesen, die erlichen gesten wole gezimet und gedienet hetten, syen gegen disem außgeschriben reichstage hinweg gefuret, das ksl. Mt., irem hofgesinde, auch anderen, zu solichem reichstage beschrieben [und] gehorsamlich erschynen mussen, zu verachtüng und nachteyl reiche etc., in solchs gepurlich inzusehen. Bitten ihn deshalb, zu veranlassen, dass sein Hof1 erlich und notturfticlich mit bettung und anders zugericht und gestellt werde, damit desto erlicher geste darin verordent, gepürlich versehen und hantreich geschee mit gutwilligem erzeigen.

    «Nr. 207 Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach an Ks. Maximilian – [Ansbach], 31. Januar 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 44–44’ (Or., mitwoch nach conversionis Pauli).

    Während seiner Abwesenheit wegen der Trauerfeierlichkeiten für Hg. Albrecht von Bayern in München ging seinen Räten in Ansbach (Onolzbach)am Abend des 21. Januar (sonntag nach Sebastiani)ein ksl. Schreiben [Nr. 50] zu, das ihm nach seiner Rückkehr vorgetragen wurde. Darin wurde der Abschluss eines Friedensvertrages mit Frankreich verkündet und er für den 22. Februar (St. Peterstag kathedra)zum Reichstag nach Worms eingeladen. Genau für diesen Termin ist jedoch die Jahresrechnung vorgesehen, bei der er in den letzten Jahren wegen seiner Dienste für ihn, den Ks., und eigener Angelegenheiten nicht zugegen sein konnte. Die Sache ist ihm wichtig. Er bittet deshalb um einen Aufschub von vier bis fünf Wochen. Bis zu seiner Ankunft würde er sich durch seine Räte auf dem Reichstag vertreten lassen. Falls er dieser Bitte nicht willfahren will, soll er dies durch den Überbringer des Schreibens mitteilen.1

    «Nr. 208 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an den Ulmer Bürgermeister und Schwäbischen Bundeshauptmann Matthäus Neithart – Worms, 5. Februar 1509 »

    Augsburg, StdA, Lit. 1509, Fasz. Februar, Stück-Nr. 20 (Kop., montags nach purificationis Marie virginis gloriose).

    ŠTeilen ihm auf seine Anfrage wegen des Reichstages mit, dass heute ein gesiegeltes ksl. Schreiben1eingetroffen ist, das diesem Schreiben in Abschrift beiliegt. Er kann daraus selbst den Stand der Dinge entnehmen und sich danach richten.

    «Nr. 209 Stadt Nürnberg an Stadt Windsheim – Nürnberg, 12. Februar 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 91 (Kop., montag nach Dorothee).

    Bestätigen den Empfang ihrer schriftlichen Bitte, ihr Fernbleiben vom Reichstag zu entschuldigen.1Teilen ihnen mit, dass die Schwäbischen Bundesstädte eine gemeinsame Gesandtschaft nach Worms schicken werden. Sollte Nürnberg einen eigenen Gesandten abordnen, wird dieser den Auftrag erhalten, neben den Bundesgesandten ihr Ausbleiben zu rechtfertigen.

    «Nr. 210 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Weimar, 14. Februar 1509 »

    Gemeinsame Reise zum Wormser Reichstag.

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 296, fol. 134–134’, 136’, hier 134 (eigh. Or., mittwoch nach Scholastice; Postverm.: Zu seiner lieb handen.).

    Bekundet seine Freude an der Besserung des Gesundheitszustands Lgf. Wilhelms. Ich getraue auch Got vom hymhel, so mir derselbig zu euer lib verhelfe, alß ich hoffe, gar bald beschen sal, ich werde euer lib alsdan dergestald befynden, das dyeselbige mir gut geselschaft auf dem kayserlichen tag gegen Worms zu zyhen laysten werde. Wan ich euer lib als meynen fruntlichen, liben schweher zu aynem mitstalbruder und zergesellen gerne haben welld. Dan ich wais, das ksl. Mt. und dem Hayligen Raich nit wenig daran gelegen ist.1 [...].

    «Nr. 211 Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach an Ks. Maximilian – s.l., 22. Februar 1509 »

    Bamberg, StA, GHAP 4139, fol. 26–26’ (Konz., donrstag kathedra Petri).

    ŠEr hatte ihn um Erlaubnis gebeten, erst später zum Reichstag nach Worms kommen zu dürfen [Nr. 207]. Inzwischen hat ihn jedoch sein Schwager, der Kg. von Ungarn und Böhmen, eingeladen, zusammen mit seiner Frau [Sophia], der Schwester des Kg., am 4. März (sontag reminiscere)an der Königskrönung seines Sohnes Ludwig in Prag teilzunehmen. Dies wollte er, zumal angesichts der einem seiner Söhne in Ungarn zuteil gewordenen Förderung durch den Kg.1, nicht abschlagen. Er wird deshalb am jetzigen 22. Februar (donerstag kathedra Petri)mit seiner Gemahlin aufbrechen, um rechtzeitig in Prag zu sein. Er will anschließend so schnell wie möglichawieder nach Hause reisen und wird nach seinem Dafürhalten noch früh genug auf dem Wormser Reichstag eintreffen. Er bittet also noch einmal um die Erlaubnis, erst später zum Reichstag kommen zu dürfen.

    «Nr. 212 Stadt Nürnberg an Stadt Worms – Nürnberg, 28. Februar 1509  »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 123’–124 (Kop., mitwoch nach invocavit).

    Der Ks. hat Nürnberg noch einmal eigens zur Teilnahme am Reichstag in Worms aufgefordert.1Sie beabsichtigen, eine Gesandtschaft mit zehn bis vierzehn Pferden dorthin abzuordnen.2Bitten, dem Überbringer dieses Schreibens dabei behilflich zu sein, im Haus „Zum Schwan“, andernfalls im Kaufhaus3oder in einem anderen geeigneten Gebäude, da sy ir sonder verspert gemach und ander notturft mit stallung und anderm mogen gehaben, eine Unterkunft anzumieten.

    «Nr. 213 Rat der Stadt Nordhausen an den Rat der Stadt Frankfurt – Nordhausen, 28. Februar 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 24–24’ (Or., mitwoch nach invocavit).

    ŠSie sind sich darüber im Unklaren, ob der auf den vergangenen 22. Februar (Petri stuelfeyr)nach Worms ausgeschriebene Reichstag stattfinden wird. Bitten um diesbezügliche Informationen.1

    «Nr. 214 Stadt Köln an Stadt Worms – Köln, 2. März 1509 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 45, fol. 7–7’ (Kop).

    Der Kölner Protonotar Georg Goldberg hat sich lobend über ihr Weingeschenk geäußert und über ihr Angebot berichtet, den Kölner Gesandten zum Reichstag (keyserlichen und des Heilgen Rijchs dage)eine bequeme Herberge zur Verfügung zu stellen. Bedanken sich dafür. Bitten, für ihre Gesandten rechtzeitig eine günstig gelegene und bequeme Herberge zu organisieren.

    [PS] Falls dies bereits geschehen sein sollte, ersuchen sie um die Benennung der Unterkunft gegenüber dem Überbringer dieses Schreibens.

    «Nr. 215 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an Dekan1 und Kapitel des Stifts St. Martin – Worms, 2. März 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 1840, unfol. (Konz., frytag nach dem sonndag invocavit).

    Sie haben erfahren, dass ihr gegenüber dem Rathaus, genannt Bürgerhof, und neben dem Backhaus [genannt „Zum Pfeil“2] in der Hahngasse (hanebackhuse)gelegenes Anwesen im Verfall begriffen ist. Das uns und gemeyner unser stait etwas spottlich, swerlich und also zu gedulden unlydlich, besunder gegen disem kunftigen Reichs tage des orts, da keyser, kunig, fursten, herrn und ander erbarkeiten unser rathus uf und abe viel zu webern3 haben, uns solichs schympflich achten mochten. Fordern sie auf, das Haus wieder instandzusetzen, damit es nit also schantlich anzusehenist. Sollten sie ihrer Aufforderung nicht Folge leisten, werden sie das Haus kraft ksl. Privilegs4 konfiszieren.

    «Nr. Š216 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an Bürgermeister und Rat der Stadt Mühlhausen – Worms, 8. März 1509 »

    Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 82 (Kop., donnerstag nach reminiscere).

    Antworten auf ihre Anfrage wegen des Reichstages: Der Ks. hat ihnen wiederholt befohlen, für Herbergen, Stallungen und anderes zu sorgen, da er persönlich zum Reichstag kommen wird. Der ksl. Furier weilt ebenfalls in der Stadt und bestellt für den Ks., aber auch für Kff., Ff. und andere Stände Herbergen. Sie sind deshalb davon überzeugt, dass der Reichstag stattfinden wird.

    «Nr. 217 Eitelwolf vom Stein an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Mainz, 11. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 12–12’ (Or. mit Siegelspuren, oculi; Postverm.: In sein hand.).

    Vor acht Tagen ging ihm ein ksl. Befehl zu, über den er, Serntein, informiert ist. Er hat sich daraufhin unverzüglich zum Gf. von Nassau1begeben. Dieser wird sich, sowie Stände in Worms eintreffen, gemäß dem ksl. Befehl ebenfalls dorthin verfügen. Er selbst geht davon aus, dass keiner der Fürsten kommen wird, solange der Ks. nicht vor Ort ist. [Beschwerde Kf. Joachims über das Reichskammergericht; Nr. 109].

    «Nr. 218 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen – Frankfurt, 11. März 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 25 (Konz., dominica oculi).

    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 950, S. 750.

    Bestätigen den Empfang ihres Schreibens [Nr. 213]. Ihnen ging das bewusste ksl. Ausschreiben [Nr. 50] ebenfalls zu. Ihrer Kenntnis nach ist derzeit noch niemand wegen des Reichstages in Worms. Der Ks. hält sich noch in den Niederlanden auf. Sobald er zum Reichstag anreist, werden sie, wie zuvor bereits von dem nach Frankfurt entsandten Nordhäuser Ratsherrn erbeten, darüber informiert.

    «Nr. 219 Ks. Maximilian an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Tournai, 15. März 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 25–25’ (leicht beschädigtes Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. N. Ziegler; Datum von anderer Hd. eingefügt).

    Der Nürnberger Propst und ksl. Rat Dr. Erasmus Topler war bei ihm, dem Kf., gemäß seiner Instruktion1wegen des ausgeschriebenen Reichstages vorstellig geworden. ŠBedankt sich für seine Antwort darauf. Er musste bis jetzt wegen wichtiger Angelegenheiten in den Niederlanden bleiben, wird jedoch heute nach Worms aufbrechen und voraussichtlich am 25. März (suntag judica)dort eintreffen. Fordert ihn auf, sich zu diesem Termin persönlich bei ihm und anderen Reichsständen einzufinden. In Anbetracht der Wichtigkeit der Verhandlungsmaterien für ihn, den Ks., das Hl. Reich, die deutsche Nation und die Christenheit soll er keinesfalls fernbleiben. Er will die Verhandlungen zielstrebig führen und ihn ebenso wie die übrigen Stände nicht lange aufhalten.

    «Nr. 220 Ks. Maximilian an Reichsstände, hier an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Tournai, 15. März 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 88–88’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 142–142’ (besch. Ausfertigung, Vermm. prps./amdip.; Adressat: Hg. Georg von Sachsen) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 26–26’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. N. Ziegler; Vermerk über die Übergabe in Frankfurt am 27.3. durch Sigmund von Eibiswald) = C. Köln, HAStd, K+R 36/3, fol. 1–1’ (wie C; Präsentatvermerk: Köln, 22.3.). Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt Ks. Maximilian I., Fasz. 1, fol. 143–143’ (wie C; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg).

    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 951, S. 750.

    aEr hat ihmbkürzlich die Gründe angezeigt, warum er nicht auf dem Reichstag in Worms erscheinen konnte–a [Nr. 50]. Teilt ihm mit, dass er seine Angelegenheiten in den Niederlanden, soweit dies in der kurzen Zeit möglich war, erledigt hat und heute zum Reichstag nach Worms aufgebrochen ist. Er wird voraussichtlich am 25. März (sontag judica)dort eintreffen. Fordert ihn auf, sich zu diesem Termin cmit kleinem Gefolge persönlich–c bei ihm und den anderen Ständen, die er ebenfalls angeschrieben hat, einzufinden. In Anbetracht der Wichtigkeit der Verhandlungsmaterien für ihn, den Ks., das Hl. Reich, die deutsche Nation und die Christenheit soll er keinesfalls fernbleiben. Er, der Ks., will die Verhandlungen zielstrebig führen und ihn ebenso wie die übrigen Stände nicht lange aufhalten. Er selbst wird mit Rücksicht auf die Angelegenheiten von Ks. und Reich auch nicht lange dort bleiben.

    «Nr. Š221 Stadt Nürnberg an Ks. Maximilian – Nürnberg, 22. März 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 168’–169’ (Kop., pfinztag nach letare, den 22. Marcii).

    Bestätigen für den 15. März den Eingang seines Schreibens vom 6. Januar [Nr. 203], mit der Aufforderung, ihm das Lehensgewand des hl. Ks. Karl nach Worms zu schicken. Sie sind geneigt, sich ihm als gehorsame Untertanen in dieser Sache gefällig zu erweisen. Da das Schreiben allerdings schon älter ist, besteht die Möglichkeit, dass er seine Meinung inzwischen geändert hat. Überdies naht der Termin der von Ks. Sigismund begründeten Heiltumsweisung am 20. April (freytag nach dem sontag quasimodogeniti)1, bei der sie das Lehensgewand Ks. Karls und die dazugehörigen Kleinodien nicht entbehren können. Auch hat er in seinem Schreiben nicht angegeben, was er genau benötigt. Sie haben keine Kenntnis, welche Teile davon bei früheren Belehnungen verwendet wurden.

    Bitten deshalb, in einem dem Boten mitzugebenden Schreiben seine diesbezüglichen Absichten zu eröffnen und gegebenenfalls zu präzisieren, welche Stücke bis zu welchem Zeitpunkt in Worms benötigt werden. Sie werden dann entsprechende Vorkehrungen treffen.

    Für die Nürnberger sind in diesen unruhigen Zeiten Reisen über Land besonders gefährlich. Bitten deshalb, die Kff. von Mainz und Pfalz, den Bf. von Würzburg und den Mgf.[Friedrich von Brandenburg], deren Gebiete die Nürnberger Gesandtschaft auf dem Weg nach Worms passieren wird, über den Transport zu informieren und sie für den Hin- und Rückweg zur Gewährung sicheren Geleits zu verpflichten. Er kann selbst ermessen, dass dies sowohl im Interesse von Ks. und Reich wie auch Nürnbergs liegt.

    «Nr. 222 Rat der Stadt Nordhausen an den Rat der Stadt Mühlhausen – Nordhausen, 23. März 1509 »

    Mühlhausen, StdA, 10/G 29, Nr. 1, fol. 23–23’ (Or., freitags nach letare).

    Bestätigen den Eingang ihres Schreibens mit einem beigelegten Schreiben des Wormser Magistrats [Nr. 216] und bedanken sich dafür. Sie haben ihrerseits an den Frankfurter Rat geschrieben [Nr. 213], dessen Antwort [Nr. 218] sie beiliegend vernehmen können.1

    «Nr. Š223 Beschlüsse des Bamberger Domkapitels – Bamberg, 23. März/27. April 1509 »

    Abordnung von Domherren als Begleitung des Bf. zum Wormser Reichstag.

    Bamberg, StA, B 86, Nr. 2, fol. 70, 71’.

    /70/ 23. März (freytags nach Benedicti): Doctor Linhart vom Eglofstein, hern Wigand von Redwitz und herrn Alexander vom Rabenstein absenz geben, mit meinem gnedigen herren [Bf. Georg] zu reyten.

    /71’/ 27. April (freitags nach Marci): Haben doctor Linhart vom Eglofstein und herr Wigand von Redwitz uf die gegeben absenz, mit meinem gnedigen herrn von Bamberg uf den k[aiserlich]en tag gein Wurmbs zu reiten, promittirt, nichts wider ein gemein capitel oder sonder person zu impetrirn noch erlangt zu geprauchen etc., wie dann nach laut der statut herkomen ist.

    «Nr. 224 Dr. Erasmus Topler an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Nürnberg, 24. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 8–8’, 9’ (eigh. Or. mit ex.-Verm.; Postvermm.: In sein selbst hand. – Cito, cito.).

    [1.] Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg gaben ihm den erst vor Kurzem eingegangenen ksl. Befehl vom 6. Januar [Nr. 203] zu lesen, wonach sie das Lehensgewand Ks. Karls zum Reichstag nach Worms schicken sollten. Sie beklagen sich darüber, dass ihnen die Weisung verspätet zugegangen sei. Auch wüssten sie nicht, wann der Reichstag beginne und ob der Ks. nur das Gewand oder auch Zepter, Apfel und Krone oder andere Kleinodien benötige. Auch würde starke Kritik an der Stadt geübt werden, wenn bei der Heiltumsweisung am 20. April (dem andern freitag nach ostern)gerade die kostbarsten Kleinodien nicht verfügbar wären. Überdies trügen sie Bedenken wegen des Transports, da in der Umgebung Nürnbergs beinahe wöchentlich Überfälle stattfänden. Sie baten ihn deshalb, sich beim Ks. und ihm, Serntein, für die Rücknahme des Befehls oder wenigstens einen Aufschub bis nach der Heiltumsweisung einzusetzen. Bittet ihn, sich beim Ks. in diesem Sinne zu verwenden. Die Stadt schreibt diesen auch direkt an [Nr. 221]. Doch ist man ungeachtet der Bedenken vor allem daran interessiert, sich dem Ks. gehorsam zu erweisen. Die Stadt bittet außerdem um Mandate an diejenigen Fürsten, deren Gebiete passiert werden müssen, zur Gewährung sicheren Geleits. Bittet, den Überbringer des Schreibens so rasch wie möglich mit seiner Antwort abzufertigen.

    [2.] Der Kardinal von Brixen ist vor vierzehn Tagen in Rom gestorben. Bittet, sich für ihn beim Ks. wegen der Trienter Dompropstei zu verwenden. Übersendet neue Zeitungen aus Prag.

    «Nr. Š225 Stadt Köln an Ks. Maximilian – Köln, 31. März 1509 »

    Köln, HAStd, Briefbücher, A 45, fol. 29–29’ (Kop.).

    Er hat sie schriftlich aufgefordert [Nr. 220], ihre Gesandten zum 25. März (sundach judica)zu ihm und anderen Reichsständen zu schicken. Bürgermeister Konrad von Schürenfeltz, Johann von Reide und ihr Rat Dr. Dietrich Meinertzhagen werden für die Stadt am Reichstag teilnehmen. Bitten ihn, sich ihre Gesandten anbefohlen sein zu lassen.1

    «Nr. 226 Mandat Ks. Maximilians an Bf. Lorenz von Würzburg (entsprechend an Ebf. Uriel von Mainz, Kf. Ludwig V. von der Pfalz und Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach) – Xanten, 31. März/1. April 1509 »

    Würzburg, StA, Miscellanea, Nr. 82, unfol. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 4–4’ (Konz. mit ex.-Verm.; Datumverm.: Ut supra [Verweis auf Nr. 227]) = B. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Differentialakten, Nr. 880, fol. 83–83’ (wie A; Adressat: Mgf. Friedrich von Brandenburg; Datum: 1. April).

    Er beabsichtigt, auf dem Wormser Reichstag einigen Kff. und Ff. die Regalien und Lehen zu verleihen. Er hat deshalb der Stadt Nürnberg befohlen, das Lehensgewand des hl. Ks. Karl, das er aufgrund besonderer Umstände dafür benötigt, nach Worms zu schicken. Befiehlt ihm, dem Transport auf Bitten Nürnbergs oder der städtischen Bevollmächtigten für die Hin- und Rückreise sicheres Geleit zu gewähren.

    «Nr. 227 Ks. Maximilian an den Rat der Stadt Nürnberg - Xantena, 1. April 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 3–3’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Regest: Zimmermann, Urkunden, Nr. 269, S. XLVIII.

    Antwortet auf ihr Schreiben [Nr. 221]: Er ist jetzt auf dem direkten Weg zum Reichstag nach Worms. Für die Belehnungen einiger Kff. und Ff. benötigt er das genannte Lehensgewand, nämlich Krone, Zepter, Apfel, Schwert, Albe, Kasel, Handschuhe und Schuhe. Obwohl er die Sachen in Worms bald benötigt, bewilligt er ihnen, das Lehensgewand, wie üblich, am 20. April (fritag nach quasimodogeniti)zu zeigen. Doch sollen sie ihre Bevollmächtigten am folgenden Tag (sambstag nach quasimodogeniti)mit den Kleinodien nach Worms schicken. Übersendet ihnen die gewünschten Mandate [Nr. 226] an die von ihnen benannten Kff. und Ff.

    «Nr. Š228 Ks. Maximilian an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Duisburg, 2. April 15091 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 26–26’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein).

    Er ist heute über den Rhein kommend hier eingetroffen und will, ohne sich in irgendeiner Weise daran hindern zu lassen, so rasch wie möglich weiter nach Worms ziehen.2Er soll ebenfalls unverzüglich mit kleinem Gefolge nach Worms aufbrechen. Er wird sich und ihn in Anbetracht der Umstände nicht lange dort aufhalten.

    «Nr. 229 Zyprian von Serntein an den Dompropst [zu St. Sebald, Dr. Erasmus Topler] – Düsseldorf, 4. April 1509 »

    [1.] Reise des Ks. zum Wormser Reichstag; [2.] Friedensbemühungen Venedigs, Italienzug Kg. Ludwigs von Frankreich; böhmische Königskrönung Prinz Ludwigs von Ungarn; [3.] Bereitstellung des Krönungsornats Ks. Karls des Großen für Belehnungen während des Wormser Reichstages; [4.] Vergabe der Trienter Dompropstei.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1509), fol. 34–34’ (eigh. Konz. mit ex.-Verm.).

    [1.] Bestätigt den Eingang seiner Schreiben vom 9. und 24. März [Nrr. 57, 224]. Der Ks. wird heute in Köln eintreffen und dort bis zum 9. April (mentag in den osterfeyrn)bleiben, um dann ohne weiteren Verzug nach Worms zu reisen. Er schreibt heute an die vornehmsten Kff. und Ff. mit der Aufforderung, unverzüglich nach Worms zu kommen [Nr. 228]. Der Ks. wird sich auch dort nicht lange aufhalten. Er hat ihm, Serntein, befohlen, ihn ebenfalls schriftlich zur sofortigen Abreise nach Worms aufzufordern, da er dort benötigt wird.

    [2.] Was das von ihm mitgeteilte Schreiben Venedigs an Nürnberg [Nr. 57, Anm. 3] angeht, so betreiben die Venezianer zweifellos noch andere Intrigen. Er kann aber erst nach seiner Ankunft [in Worms] mit ihm darüber sprechen, da die Postverbindung nicht sicher ist. Luca de Renaldis (Prelucas)wurde vom Ks. Šnicht angehört, sondern nach seiner Ankunft unverzüglich verhaftet.1 Auch über die Gründe dafür wird er ihn mündlich unterrichten. Der frz. Kg. wird am 8. April (am heyligen ostertag)in Grenoble (Granepel)eintreffen und voraussichtlich am 15. April (quasimodogeniti)Mailand erreichen. Ich hab grosse sorg, eur pulschaft werde sich mit eim Franzosen vergessen. Bedankt sich für die Mitteilungen über die Krönung des jungen ungarischen Kg.[Ludwig] in Prag. Der Ks. hat alles gelesen.

    [3.] Er hat mit dem Ks.über die Nürnberger Bedenken wegen des angeforderten Lehnsgewands gesprochen. Es ist für ihn unverzichtbar, da in Worms Belehnungen stattfinden werden und sein eigenes Gewand nicht rechtzeitig verfügbar ist. Der Ks. schreibt in dieser Sache erneut an Nürnberg [Nr. 227], wie er, Topler, erfahren wird. Er ist damit einverstanden, dass die Stadt das Gewand am 20. April (freytag nach quasimodogeniti)[für die Heiltumsweisung] verwendet. Der Ks. schreibt auch wie gewünscht an die Ff. wegen des Geleits [Nr. 226].

    [4.] Er hat sich für ihn um die Trienter Dompropstei bemüht. Der Ks. hat allerdings vor einigen Tagen dem Augsburger Domdekan [Wolfgang von Zülnhart] eine Expektanz ausgestellt. Jedoch muss dieser sein Einverständnis erklären, die Dompropstei auf ksl. Wunsch hin unverzüglich wieder abzutreten. Der Ks. plant, die Propstei dem St. Georgs-Orden zu inkorporieren.

    «Nr. 230 Vollmacht Kf. Joachims I. von Brandenburg für seinen Reichstagsgesandten Eitelwolf vom Stein – Cölln/Spree, 12. April 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/20, fol. 132–132’ (Kop.).

    Bekundet, dass der Ks. wegen wichtiger Angelegenheiten von Ks., Hl. Röm. Reich und deutscher Nation einen Reichstag nach Worms ausgeschrieben und ihn zur persönlichen Teilnahme bzw. im Falle seiner Verhinderung zur Abordnung von Gesandten aufgefordert hat. Er sieht sich verpflichtet, dem Folge zu leisten. Allerdings hindern ihn Landesangelegenheiten an der persönlichen Teilnahme. Bevollmächtigt deshalb seinen Rat Eitelwolf vom Stein in kraft und macht diss briefs, daselbst uf angesetztem Reichs tag unser stadt zu vertreten und neben und zusambt andern unsern mit-churfursten, fursten und ander stenden des Heyligen Reichs, so aldar versamlt, in solichen anligenden sachen vermelter romischer kay. Mt., des Heyligen Romischen Reichs und teutscher nation in unsers namen und von unserntwegen das fuglichst und beste furzunemen, zu raten und zu handlen, wie gelegenheit und notturft erfordert. Und was dan also einmutiglich oder durch den merer teyl und angezeigtem unserm rat im besten angesehen und beslossen wirt, dem wollen wir unsers vermogens nachkomen und volg tun in Šaller mass, als weren wir personlich entgegen, teten und tun mochten getreulich und ungeverlich, adoch mit dem beschaid, das wir bey unsern churfurstlichen freyheiten, altem herkomen und gewonheyt gelassen und daruber nit beswert werden–a. [Corroboratio, Datum].

    «Nr. 231 Nürnberger Hh.Ältere an Bf. Lorenz von Würzburg – Nürnberg, 12. April 1509 »

    Würzburg, StA, Miscellanea, Nr. 82, unfol. (Or. Perg., donrstag nach dem heiligen ostertag; Postverm.: Zu seiner ftl. Gn. selbs handen.) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 206–206’ (Kop.) = B.

    Der Ks. hat sie aufgefordert, Gesandte zum Wormser Reichstag zu schicken, die das Lehensgewand des hl. Ks. Karl mitbringen sollen. Sie haben deshalb die Abordnung ihrer Gesandtschaft bislang verzögert und dafür die Einwilligung des Ks. erbeten. Durch den Boten, der die ksl. Antwort [Nr. 227] mitbrachte, wie auch durch einige vornehme Angehörige des ksl. Hofes haben sie indessen erfahren, dass der Ks. in der Karwoche (hl. marterwochen)in Köln angekommen sei und beabsichtigen solle, dort auch die Osterfeiertage zu verbringen, um erst anschließend nach Worms aufzubrechen.

    Sie beabsichtigen deshalb, die Gesandtschaft mit dem Lehensgewand nach der Heiltumsweisung [am 20.4.] abzufertigen. Der Ks. fordert ihn und andere Kff. und Ff., deren Gebiet die Gesandten passieren werden, auf, dem Transport sicheres Geleit zu gewähren. Übersenden beiliegend das an ihn adressierte ksl. Schreiben [Nr. 226]. Sie hegen bezüglich seiner Person selbstverständlich keinen Zweifel und vertrauen auch seinem Geleit. Dennoch ist angesichts der vielfältigen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit diese Mission für die Gesandten beschwerlich. Falls er bereit wäre, seinen Aufbruch zum Reichstag bis zum 23. oder 24. April (montag oder eritag nach misericordia Domini)zu verschieben, würden sie um Mitteilung und um Erlaubnis für ihre Gesandten bitten, gemeinsam mit ihm nach Worms zu reisen. Sollte dies nicht möglich sein, ersuchen sie ihn, seine Pfleger und Amtleute in Schlüsselfeld und Ochsenfurt mit dem Geleit für ihre Gesandten zu beauftragen.

    «Nr. 232 Beschlüsse des Speyerer Domkapitels – Speyer, 12./19./26. April 1509 »

    Karlsruhe, GLA, Abt. 61, Nr. 10930, fol. 26, 26’, 27’ (Konz.).

    Druck/Regest: Krebs, Protokolle I, Nrr. 2696, 2706, 2717, S. 259f.

    /26/ [12.4.] Aufgrund eines Schreibens des Ebf. von Mainz wurde Dr. Erpho [von Gemmingen] für den Reichstag zu Worms vorbehaltlich der kirchlichen Strafen ein Šzweimonatiger Urlaub gewährt. Falls der Reichstag nicht so lange dauern sollte, soll er sich vorzeitig wieder zu seiner Kirche verfügen.

    /26’/ [19.4.] Der Domherr Philipp von Flersheim wird dem Bf. von Speyer auf dessen Wunsch für den Reichstag in Worms beigeordnet.

    /27’/ [26.4.] Einige ksl. Räte bitten wegen Angelegenheiten des Ks. um Urlaub für Eberhard Senft. Da er derzeit bereits beurlaubt ist, wird die Antwort, die dem Ks. gefällig sein soll, bis zu seiner Rückkehr verschoben.

    «Nr. 233 Weisung Kf. Friedrichs III. von Sachsen an [Gf. Philipp von Solms-Lich] – Wittenberg, 13. April 1509 »

    [1.] Verspätetes Eintreffen Kf. Friedrichs auf dem Reichstag; [2.] Teilnahme des Gesandten an den Reichstagsverhandlungen; [3.] Ablehnung des Reichstagskommissariats, Fernbleiben Kf. Friedrichs vom Reichstag im Falle einer vorzeitigen Abreise Ks. Maximilians aus Worms.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 28 (Or., freitag in der hailigen osterwochen) [Pkt. 1f.], fol. 27 (undat. Konz. des Postskripts) [Pkt. 3].

    [1.] Der Ks. hat ihn schriftlich aufgefordert, sich unverzüglich nach Worms zu begeben [Nr. 228]. Ein sofortiger Aufbruch ist jedoch aus triftigen Gründen nicht möglich. Er soll sich deshalb unverzüglich nach Worms oder wo er den Ks. sonst antreffen kann, begeben und unter Vorlage seines Kredenzbriefes [Nr. 234] gemäß der beiliegenden Instruktion [Nr. 242] vorstellig werden. Er soll darauf achten, dass er mit dem Ks. allein sprechen kann. Über dessen Antwort soll er unverzüglich Bericht erstatten.

    [2.] Ob auch curfursten, fursten und ander stende des Reichs berait zu Wormbs weren und in des Hailigen Reichs sachen handelten und kaiserliche Mt. wolt, dz ir an unser stat bey solcher handlung auch sein solt, dz wellet also tun. Und was von andern fur gut angesehen und beslossen werdt, von unsertwegen darein auch willigen. In dem allem tut ir uns zu gefallen. [Datum].

    [3.] Ob sich auch kayserliche Mt. wurd vernemen lassen, es were gut, das wir komen wolten und ir solt dieweyl aldo verharren und sein kaiserliche Mt. wolt zu Wormbs verrucken, so solten wir als seiner Mt. stathalter dann mit den stenden handeln. Daz wellet in kein weg annemen und euch horen lassen, das ir des kein bevelh het, sonder wu sein Mt. aldo verharren und mit den stenden handeln wurd, das ir alßdann an unser stat sein solt. Wurd aber sein ksl. Mt. verrucken, so het ir Mt. wol zu achten, was er tun kont. So mochten wir, so wir horen wurden, das sein ksl. Mt. nicht mer zu Wormbs were, auch nicht dohyn kommen. Sein Mt. mocht uns aber deßhalb schreiben, sunder zweivel, wir wurden uns underteniger antwurt vernemen lassen und, so ir Mt. uns an ein gelegen ort im Reich zu yrer Mt. bescheiden wurd, auch nit aussen bleiben.

    «Nr. Š234 Vollmacht Kf. Friedrichs III. von Sachsen für Gf. Philipp von Solms-Lich als Gesandten zum Reichstag – Wittenberg, 14. April 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Urk. 926 (Or., sambstag in der hayligen osterwochen; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]).

    Ks. Maximilian hat ihn zum Wormser Reichstag eingeladen und ihn jetzt erneut zum Erscheinen aufgefordert [Nr. 228]. Er war aus Gehorsam gegenüber Ks. und Reich bereits im Begriff, zum Reichstag aufzubrechen, doch ergaben sich zwingende Hinderungsgründe. Er hat gleichwohl unverändert die Absicht, persönlich am Reichstag teilzunehmen. Falls Kff., Ff. und Stände bereits vor seiner Ankunft in Verhandlungen über die Reichssachen eintreten sollten, und damit der Ks. in seinen und des Reichs Angelegenheiten nicht aufgehalten wird, bevollmächtigt er bis zu seiner Ankunft seinen Rat und Pfleger zu Coburg, Gf. Philipp von Solms, an unser stat bey solchen handlungen zu sein; und ob von curfursten, fursten und andern stenden ksl. Mt. und dem Heiligen Reich zu nutz und gut etwas eintrechtiglich beslossen wurd, darein sol der gedacht unser phleger an unser stat willigen, dem wir, sovil uns betreffen werd, folge tun wellen. [Corroboratio, Datum].

    «Nr. 235 Stadt Frankfurt an Bürgermeister und Rat der Städte Mühlhausen, Nordhausen und Goslar – Frankfurt, 17. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 233, unfol. (Konz., dinstags nach dem sontag quasimodogeniti).

    Ihre Gesandten zu dem auf den 1. November (allerheiligen tag)ausgeschriebenen ksl. Tag haben gebeten, die drei Städte zu verständigen, sobald der Ks. den Tag eröffnet, was sie ihrerseits zugesagt und ihnen schriftlich bestätigt haben [Nr. 218]. Teilen ihnen daraufhin mit, dass der Ks. am vergangenen Sonntag [15.4.] in Koblenz (Confluenz)war und sich auf dem Weg nach Worms befindet. Es halten sich bereits viele Gesandtschaften in Worms auf, die der Ks. angewiesen hat, dort auf ihn zu warten.

    «Nr. 236 Bürgermeister und Rat der Stadt Worms an Meister und Rat der Stadt Straßburg – Worms, 19. April 1509 »

    Straßburg, AV, AA 353, fol. 56–56’ (Or. m. Siegelspuren, donnerstags nach dem sontag quasimodogeniti).

    Teilen ihnen auf ihr Anschreiben1hin mit, dass ihr Gesandter, den sie dem Ks. entgegengeschickt hatten, um seine voraussichtliche Ankunft in Worms in Erfahrung zu bringen, jetzt zurückgekehrt ist. Er wurde vom Ks. persönlich bei dessen Abreise aus Koblenz angewiesen, seine Ankunft für den kommenden Samstag [21.4.] anzukündigen.

    « Nr. Š237 Stadt Nürnberg an Kf. Uriel von Mainz – Nürnberg, 19. April 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 219’–220 (Kop., donerstag nach quasimodogeniti).

    Der Ks. hat sie aufgefordert, Gesandte zum Wormser Reichstag zu schicken, die das Lehensgewand des hl. Ks. Karl mitbringen sollen. Sie haben dies aus Gehorsam gegenüber dem Ks. bewilligt und beabsichtigen, ihre Gesandtschaft in wenigen Tagen auf den Weg zu schicken. Diese wird wohl auch das Kurmainzer Gebiet passieren. Bitten deshalb um Weisung an die Amtleute in Tauberbischofsheim (Bischofshaim)[= Wolf von Hardheim] und in anderen auf dem Weg nach Worms gelegenen Orten bezüglich des Geleits für die Nürnberger Gesandtschaft.

    «Nr. 238 HM Friedrich von Sachsen an Hg. Georg von Sachsen – [Rochlitz], 19. April 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 177–178 (Kop., donerstag nach quasimodogeniti).

    Informiert ihn über den Vortrag der Gesandten des Deutschmeisters, Dietrich von Cleen und Burkhard von Seckendorff [Nr. 132, Anm. 1], sowie über Verhandlungen bezüglich Sebastian Stiebars.

    [PS] Er wird am nächsten Sonnabend [21.4.] von Rochlitz nach Weißensee aufbrechen, um von dort aus zum ksl. Tag weiterzureisen. Ihm fehlen für diese Reise noch vier Wagenpferde. Bittet ihn um Weisung an seinen Amtmann in Sachsenburg [Hermann von Pack], ihm die Pferde zur Verfügung zu stellen.

    «Nr. 239 Hg. Ulrich von Württemberg an Hg. Wilhelm IV. von Bayern – Stuttgart, 20. April 1509 »

    München, HStA, KÄA 1863, fol. 239–239’ (Or., fritags nach quasimodogeniti; präs. [Straubing], mitichen St. Marx tag [25.4.]).

    Kaspar Spät [württ. Rat] hat von Kaspar von Winzer auf dessen Rückreise vom Ks. aus den Niederlanden erfahren, dass er, Hg. Wilhelm, beabsichtigt, sich persönlich zum Ks. auf den ausgeschriebenen Reichstag nach Worms zu begeben. Er selbst wurde mehrmals zur Teilnahme daran aufgefordert. Wie er erfahren hat, wird der Ks. in Kürze dort eintreffen. Bittet ihn, sich mit seiner Anreise zu beeilen und ihn aufzusuchen. Er will seine Ankunft abwarten, um dann gemeinsam mit ihm zum Reichstag zu reiten. Bittet um Mitteilung seiner diesbezüglichen Absichten und seines voraussichtlichen Ankunftstermins durch den Boten.1

    «Nr. Š240 Stadt Frankfurt an Bürgermeister und Rat der Stadt Wetzlar – Frankfurt, 21. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 234, unfol. (Konz., sambstags nach quasimodogeniti).

    Teilen ihnen in Beantwortung ihrer Anfrage [Nr. 194] mit, dass der Ebf. von Mainz sie gestern über ein Schreiben des Ks. informiert hat, wonach er heute gemeinsam mit ihm in Worms einreiten will. Der Ebf. ist deshalb in aller Eile von hier aufgebrochen. Die Frankfurter Gesandten beabsichtigen, am kommenden Montag oder Dienstag [23./24.4.] zum Reichstag abzureisen.

    «Nr. 241 Beschlüsse des Mainzer Domkapitels – Mainz, 21. April/25. Mai 1509 »

    Würzburg, StA, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 647’, 652’ (lat./dt. Reinschr. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen).

    [1.] /647’/ [21.4.] Der Ebf. beantragte, Personen für seine Begleitung zum Wormser Reichstag abzuordnen. Das Domkapitel genehmigte die Auswahl ihm genehmer Domherren durch den Ebf. selbst.

    /652’/ [25.5.] Auf Wunsch der Kff. von Trier und Sachsen wurde gemäß einhelligem Beschluss dem Domherrn Dietrich Zobel für die Verhandlungen zwischen dem Klerus und der Stadt Worms ein einmonatiger Urlaub gewährt. [...].

    Der Mainzer Viztum1informierte den Schulmeister [Lorenz Truchseß von Pommersfelden] über den Wunsch des Ebf., ihm für den Besuch des Reichstages und für andere wichtige Angelegenheiten in Worms Vertreter des Domkapitels beizuordnen. Die vom Domkapitel daraufhin benannten Herren, der Schulmeister, [Ulrich von] Schechingen und Zobel, sollen am 28. Mai (lune post dominicam pentecostes) aufbrechen.2

    «Nr. Š242 Vortrag des kursächsischen Gesandten Gf. Philipp von Solms an Ks. Maximilian – act. Worms, 23. April 15091 »

    [1.] Verspätetes Eintreffen Kf. Friedrichs von Sachsen auf dem Reichstag; [2.] Angebot zu einem persönlichen Treffen Kf. Friedrichs mit Ks. Maximilian.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 30–31’ (Reinkonz.; Verm. am Textende: Item mer ein artikel mit irbieten.).

    [1.] Bittet, den ihm von Kf. Friedrich mitgegebenen Kredenzbrief [Nr. 234] anzunehmen, und übermittelt dessen Grußbotschaft. Er, der Ks., hat den Kf. durch ein am 11. April (mitwoch in der hl. osterwochen)um acht Uhr abends in Wittenberg eingegangenes Schreiben [Nr. 228] aufgefordert, unverzüglich zu ihm nach Worms aufzubrechen. Der Kf. wollte dem gehorsam nachkommen und sich auf den Weg machen. Dies war aufgrund eingetretener Umstände nicht möglich. Er wird sich jedoch innerhalb von zehn bis zwölf Tagen nach Datum des Kredenzbriefs auf dem Weg machen und sich darin wie in allen anderen Angelegenheiten dem Ks. gehorsam erzeigen. Der Kf. hat ihn auch beauftragt, die Hinderungsgründe anzuzeigen: aKurz vor dem Eintreffen des ksl. Schreibens boten der Lgf.[Wilhelm von Hessen] und Angehörige der Landstände ihre Vermittlung im Konflikt Kf. Friedrichs und seines Bruders [Hg. Johann] mit Hg. Georg von Sachsen an und beraumten zugleich innerhalb von zehn Tagen einen Schiedstag an–a.2Hätte der ŠKf. das Angebot zurückgewiesen und mit seiner bevorstehenden Abreise zum Ks. begründet, hätte dies den Eindruck erwecken können, als wolle er die Angelegenheit verzögern und lehne eine Aussöhnung mit seinem Vetter ab. Da der Kf. weiß, dass der Ks. solche Streitigkeiten gern beigelegt sieht, ist er zuversichtlich, dass er die Verzögerung entschuldigen wird. Gleichgültig, wie diese Verhandlungen ausgehen, wird sich der Kf. zuverlässig innerhalb von zehn bis zwölf Tagen nach Zustellung des ksl. Schreibens zum Ks. verfügen. Daran könnte ihn nur ein körperliches Gebrechen hindern.

    [2.] In dem ksl. Schreiben wird angekündigt, dass der Ks. nicht lange in Worms bleiben und auch den Kf. nicht lange aufhalten werde. Für den Fall, dass er, der Ks., die Verhandlungen über seine Angelegenheiten durch die bereits in Worms anwesenden Stände wünscht, hat er, Solms, Befehl, allen Beschlüssen zuzustimmen. Falls er, der Ks., vor Ankunft des Kf. aus Worms abreisen sollte, so wäre dieser bereit, sich mit ihm, falls gewünscht, auch an einem anderen Ort zu treffen. Bittet, die Verspätung des Kf. gnädig zu akzeptieren und gegebenenfalls einen Treffpunkt zu benennen.

    «Nr. 243 Ks. Maximilian an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Worms, 24. April 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 36–36’ (Or. m. Siegelrest, Vermm. prps./amdip., Gegenz. J. Renner).

    Er hat den Vortrag seines Gesandten Gf. Philipp von Solms [Nr. 242] angehört und nimmt die Entschuldigung für seine Verspätung an. Er hätte ihn gern persönlich gesprochen, doch erlauben die Umstände keinen weiteren Aufenthalt in Worms. Stattdessen muss er sich eilends in seine Gft. Tirol begeben. Er benötigt ihn dringend auf dem Reichstag. Deshalb soll er sich so rasch wie möglich hierher verfügen und mit den übrigen Ständen zum Besten von Ks., Hl. Reich und deutscher Nation verhandeln. Er wird Gesandte zu ihm schicken, um ihn über einige geheime Angelegenheiten zu informieren, über die er gerne persönlich mit ihm gesprochen hätte, damit du dich darnach richten und in allen unsern hendln, notdurften und gescheften dest pas handlen mogest. Er soll sich mit seiner Anreise beeilen, da alle anwesenden Stände auf ihn warten und die Verhandlungen vor seiner Ankunft nicht eröffnet werden.

    «Nr. 244 Nürnberger Hh.Ältere an Bf. Lorenz von Würzburg – Nürnberg, 24. April 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 224–224’ (Kop., eritag nach misericordia Domini).

    ŠBestätigen den Eingang seines Schreibens mit einer Mitteilung des Ebf. von Mainz bezüglich der Ankunft des Ks. in Worms und der Angabe seines, Bf. Lorenz’, Abreisetermins.1Die Nürnberger Gesandten werden in Kürze in Würzburg eintreffen, um dann, wie von ihm bewilligt, mit ihm gemeinsam weiterzureisen.

    [PS] Der Bote hat als Lohn einen Gulden erhalten.

    «Nr. 245 HM Friedrich von Sachsen an den Komtur zu Koblenz, Ludwig von Seinsheim – [Weißensee], 26. April 1509 »

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 183 (Auszug, donerstag nach misericordias Domini).

    Er hat sich auf sein Schreiben1hin nach Weißensee verfügt, um sich auf die Teilnahme am ksl. Tag vorzubereiten. Ihm ist nicht bekannt, ob der Ks. bereits in Worms eingetroffen ist. Bislang sind weder Kf. Friedrich und Hg. Georg von Sachsen noch ihre Gesandten zum Reichstag aufgebrochen. Wir auch in der erst in unser und unsers ordens sachen und sunderlich, dieweil die stende nicht gar beyeinander, wenig außrichten wurden, auch nicht lang zu Wurms ligen konnen. Bittet ihn deshalb um Mitteilung durch den Überbringer dieses Schreibens, wie lange der Ks. seiner Meinung nach in Worms bleiben wird und für wann er seine Ankunft dort empfiehlt. Bittet, dafür Sorge zu tragen, dass Herbergen sowie Stallungen für 30 Pferde zur Verfügung stehen.

    [PS] Falls absehbar wird, dass der Ks. noch vor seiner Ankunft wieder vom Reichstag abreist, soll er diesem gegenüber erklären, dass er, der Hochmeister, auf dem Weg zu ihm und zum Reichstag befindlich sei. Anschließend soll er das Anliegen des Ordens gemäß der ihm zugeschickten Instruktion2vorbringen. Übersendet ihm einen entsprechenden Kredenzbrief. Befiehlt ihm, Bericht zu erstatten.

    «Nr. 246 Stadt Nürnberg an Stadt Worms – Nürnberg, 26. April 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 231 (Kop., donerstag nach St. Marx tag).

    ŠDer Wormser Bote hat ihnen heute ihre Mitteilung über die Ankunft des Ks. in Worms zugestellt. Bedanken sich dafür. Der Bote erhielt dafür 1½ fl. als Vergütung.

    «Nr. 247 Rat der Stadt Friedberg an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Friedberg, 26. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 27–27’ (Or. m. Siegelrest, donnerstag nach Geori martiris).

    Sie haben Nachricht erhalten, dass der Ks. aus Worms abgereist ist, weshalb der Reichstag beendet sein soll. Sie hatten nach ihrem früheren Ersuchen die Absicht, sie noch einmal wegen des Reichstages zu kontaktieren, wissen nun aber nicht, ob dieser fortgesetzt wird oder nicht. Bitten, sie durch den Überbringer dieses Schreibens darüber zu informieren.

    «Nr. 248 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an den Rat der Stadt Friedberg – Frankfurt, 27. April 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 30 (Konz., frytags nach misericordia Domini).

    Bestätigen den Empfang ihres Schreibens [Nr. 247]. Sie haben gerüchteweise ebenfalls von der Abreise des Ks. gehört, aber noch keine Nachricht von ihren Gesandten in Worms erhalten. Sie haben deshalb heute einen Boten dorthin geschickt, um Erkundigungen anzustellen. Sobald sie Genaueres wissen, werden sie ihnen darüber Mitteilung machen.1

    «Nr. 249 Dr. Dietrich von Plieningen an den bayerischen Kanzler Dr. Johann Neuhauser – Esslingen, 30. April 1509 »

    Audienz Plieningens bei Ks. Maximilian.

    München, HStA, KÄA 3136, fol. 372–372’ (eigh. Or., montag [nach Jubilate]1; Postverm.: Zu aygner hand.2).

    Er wollte weisungsgemäß ursprünglich direkt nach Worms reisen. Als er jedoch in Esslingen eintraf, war der Ks. gerade auf dem Weg nach Süden und übernachtete Šam Samstag [28.4.] in Vaihingen (Vachingen). Er konnte in Erfahrung bringen, dass der Ks. am Sonntag [29.4.] nach Stuttgart kommen würde. Dorthin ist er gemeinsam mit Dr. Lupfdich gereist. Er wurde zur Audienz beim Ks. zugelassen und konnte namens Hg. Wolfgangs und der übrigen Vormünder die ihm aufgetragene Entschuldigung vorbringen. Auf die Frage des Ks. nach dem Verbleib Hg. Wilhelms antwortete er, dass dieser sich in Straubing aufhalte. Der Ks. erwiderte, Kaspar [von Winzer] hätte behauptet, den Hg. unverzüglich nach Worms zu bringen. Auch habe er in Stuttgart den Hg. von Württemberg aufgefordert, mit seiner Reise nach Worms bis zur Ankunft Hg. Wilhelms in voraussichtlich acht Tagen zu warten. Kaspar habe damit eine frühere Reise Hg. Ulrichs nach Worms verhindert. Und irret also die keyserlich Mt., welt was groß dofur geben. Sagt, der tag gieng fur sich zu Worms, und were seiner Mt. ernstliche maynung, das unßer gn. herr, herzog Wilhalm, auch Wirtenberg und ander fursten solten in aygner person gen Worms kommen. Der tag werd nit lang weren. Der Ks. kündigte abschließend seine unverzügliche Weiterreise nach Augsburg an. Dort wolle er Hg. Wilhelm überzeugen, persönlich am Reichstag teilzunehmen.

    Seiner, Plieningens, Meinung nach hat der Ks. nicht die Absicht, den Hg. nach Italien (Welschland)mitzunehmen. Der Ks. teilte mit, dass die Franzosen die Venezianer angegriffen und etliche Ortschaften erobert hätten. Der Papst habe Faenza eingenommen. Der Kg. von Spanien sei ebenfalls beteiligt. Der Ks. befahl ihm, seine Reise nach Worms fortzusetzen und dort das Eintreffen weiterer Teilnehmer abzuwarten. Er wird also morgen [1.5.] dorthin aufbrechen. Ein Bote wird den pfälzischen Kf. um Geleit für ihn bitten. Man erwartet in Worms täglich die Ankunft Kf. Friedrichs von Sachsen. Der Ks. und seine Räte sind der Meinung, dass Hg. Ulrich morgen nach Worms aufbrechen müsse. Er, Plieningen, hält es für möglich, dass der Ks.über München reisen würde, wenn man ihn einlädt. Der ksl. Kanzler Serntein äußerte, man werde in Worms ungeachtet der Abwesenheit des Ks. auch über die noch offenen Fragen bei der Aufteilung des niederbayerischen Erbes verhandeln.

    «Nr. 250 Vollmacht der bayerischen Vormundschaftsregierung für Reichstagsgesandte – München, [Anfang Mai 1509] »

    München, HStA, KÄA 3136, fol. 377–377’, 378’ (Konz.).

    Ks. Maximilian hat einen Reichstag nach Worms ausgeschrieben und dazu auch ihr Mündel Hg. Wilhelm eingeladen. aDer Ks. hat ihn jedoch wegen seiner Unmündigkeit vom persönlichen Erscheinen dispensiert; an seiner Stelle sollen bevollmächtigte Räte am Reichstag teilnehmen–a. Sie, Hg. Wolfgang von Bayern und andere Vormünder, entsenden deshalb im Namen ihres Mündels die Räte Hieronymus Stauffer Švon Ehrenfels, Hans von Closen und Dr. Dietrich von Plieningen, baußerdem Dr. Johann Lupfdich–b als Gesandte zum Wormser Reichstag. Diese werden hiermit bevollmächtigt, gemeinsam mit den übrigen Reichsständen zum Besten von Ks. und Reich zu handeln und Beschlüsse zu fassen. Verpflichten sich im Namen ihres Mündels, alle durch die Reichsstände oder deren Mehrheit verabschiedeten Beschlüsse anzunehmen und einzuhalten.

    «Nr. 251 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Bf. Lorenz von Würzburg – Weimar, 2. Mai 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 44 (Konz., mitwoch nach jubilate).

    Der Ks. hat ihn zum Reichstag nach Worms eingeladen. Doch ergab sich eine Verzögerung, worüber ihn der kfl. Pfleger zu Coburg, Gf. Philipp von Solms, unterrichten wird. Er beabsichtigt aber – sofern die Kff. und Ff. in Worms bleiben –, so bald wie möglich anzureisen. Damit aber die übrigen Stände die Verhandlungen nicht bis zu seiner Ankunft verschieben und dadurch die Angelegenheiten von Ks. und Reich aufgehalten werden, bittet er, ihn bis dahin gemeinsam mit Gf. Philipp bei den Verhandlungen zu vertreten, wozu er ihn hiermit bevollmächtigt. Er soll auch die übrigen Kff. und Ff. bitten, seine Verspätung zu entschuldigen und mit dem Beginn der Verhandlungen nicht auf ihn zu warten. Was die Stände ksl. Mt. und dem Hailigen Reich fur das nutzt und best ansehen und eintreglich beslissen, werden sein Bruder, Hg. Johann, und er selbst, soweit sie dies betrifft, akzeptieren.

    «Nr. 252 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an den Rat der Stadt Friedberg – Frankfurt, 2. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 34–34’ (Konz., mitwochs nach jubilate).

    Teilen ihnen auf ihre Anfrage [Nr. 248, Anm. 1] mit, dass der Ks. am 21. April (samstag nach dem sontag quasimodogeniti)mit etlichen Kff. und Ff. in Worms eingeritten und am 24. April (dinstag nach Georii)nach Speyer aufgebrochen ist. Dort blieb er bis zum Freitag [27.4.] und machte sich am Abend auf den Weg nach Bruchsal (Brussel). Es heißt, er wolle sich in die Erblande begeben, habe aber Mgf. Kasimir [von Brandenburg-Ansbach] und Gf. Adolf von Nassau als Stellvertreter in Worms zurückgelassen, die in seinem Namen die Verhandlungen führen sollen. Die Kff. von Mainz, Trier, Köln und der Pfalz sowie weitere Ff. und Gesandtschaften, auch von einigen Städten, halten sich derzeit noch in Worms auf, wie aus einem gestern [1.5.] eingegangenen Bericht der Frankfurter Gesandten [Nr. 441] hervorgeht.

    «Nr. Š253 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Ks. Maximilian – Weimar, 3. Mai 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 46–46’ (Konz., dornstag nach jubilate).

    Bestätigt den Eingang des ksl. Antwortschreibens auf den Vortrag Gf. Philipps von Solms und dessen Entschuldigung für seine, Kf. Friedrichs, Verspätung. Das Schreiben war mit einer erneuten Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen in Worms und der Ankündigung einer ksl. Gesandtschaft zu Verhandlungen über geheime Angelegenheiten verbunden [Nr. 243]. Als es ihm zugestellt wurde, war er im Begriff, gemäß der ersten Aufforderung [Nr. 228] so rasch wie möglich zu ihm nach Worms zu ziehen. Er wird aber seine Reise verzögern, damit die angekündigte Gesandtschaft ihn noch vor seiner Ankunft dort erreicht. Die zum Nutzen von Ks. und Reich gefassten Beschlüsse der Reichsstände wird er als gehorsamer Fürst vollziehen.

    «Nr. 254 Ks. Maximilian an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Ulm, 3. Mai 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 45–45’ (Or. m. Siegelspuren, Verm. prps., Gegenz. B. Hölzl).

    Er kann den Erbmarschall Joachim von Pappenheim derzeit nicht entbehren, weshalb er ihn bei sich behält, obwohl dieser sein Amt auf dem Reichstag in Worms eigentlich persönlich versehen sollte. Bittet ihn, Pappenheim zu entschuldigen und das Amt durch den kursächsischen Marschall und Diener Pappenheims, Friedrich Beyer, versehen zu lassen, der zu diesem Zweck in Worms zurückgeblieben ist.

    «Nr. 255 Lgf. Wilhelm II. von Hessen an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Kassel, 5. Mai 1509 »

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 296, fol. 140 (Konz., sonnabents nach jubilate).

    Er hat seine Nachricht mit der Mitteilung seines Ausbleibens schweren Herzens vernommen. Er hatte sich auf seinen Besuch sehr gefreut. Bittet ihn deshalb, wenn irgend möglich, auf seinem Weg zum Wormser Reichstag über Kassel zu reisen. Sie könnten sich dann bei einer freundschaftlichen Unterredung austauschen. Er könnte dann auch seine Gesandten, deren Abfertigung er bis zu seiner Ankunft zurückgestellt hat, desto statlicher verordnen. Falls es ihm nicht möglich ist zu kommen, soll er ihn verständigen, damit er seine Räte rechtzeitig zum Reichstag schickt.

    «Nr. 256 Die Wetzlarer Ratsherren Philipp von Babenhausen und Heinrich Laß an den Frankfurter Schöffen und Reichstagsgesandten Johann Frosch – [Wetzlar], 8. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 42–42’ (Or., dinstag nach cantate).

    ŠEr erinnert sich sicherlich an ihre kürzliche Abreise aus Worms. Der Rat hat sie beauftragt, wieder dorthin zurückzukehren. Sie haben jedoch erfahren, dass er und andere städtische Gesandte inzwischen ebenfalls nach Hause gereist sind. Bitten um Mitteilung, ob sie nach Worms ziehen sollen oder nicht.

    «Nr. 257 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Butzbach, 18. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 53–53’ (Or., freitag nach unsers lieben herrn hymelfarts tag; Gegenz. H. Rudelauf).

    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 963*, S. 762.

    Er hat die Absicht, den Wormser Reichstag zu besuchen, und wird die Samstagnacht [19.5.] in Frankfurt verbringen. Bittet um Zusendung eines Geleitsbriefes für sich und sein Gefolge.1

    «Nr. 258 Hg. Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Amelungsborn, 20. Mai 1509 »

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 142, [nach Fasz. 29], unfol. (Or., sontaige exaudi; Postverm.: In sein liebe eigen hant.).

    Der Ks. hat ihn aufgefordert, sich jetzt zum Reichstag nach Worms zu verfügen. Er beabsichtigt, durch sein Land zu reisen, und bittet deshalb, am kommenden Freitagmittag [25.5.] in Herstelle in das Geleit aufgenommen zu werden.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1509/I/pages

    Anmerkungen

    1
     Frankfurt entsandte Karl von Hindersberg und Klaus von Rückingen nach Oberwesel (Lersner, Chronica II/1, S. 45). Ebf. Jakob von Mainz, dem ein entsprechendes Ausschreiben zugegangen war, ließ mangels eigenen verfügbaren Personals das Domkapitel am 4.4. um Abordnung einiger Domherren ersuchen. Das Kapitel empfahl, nur dann persönlich nach Oberwesel zu reisen, wenn sich auch andere Kff. dort einfinden würden. Zu Begleitern des Ebf. bzw. Gesandten wurden der Domkustos [Thomas von Rieneck], [Ulrich von] Schechingen, [Heinrich Reuß von] Plauen und [Adolf von] Stockheim bestimmt (StA Würzburg, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 590’–591). Lgf. Wilhelm von Hessen war durch Peter von Treisbach in Oberwesel vertreten (Quittung Treisbachs vom 7.4.1508 für den Kammerschreiber Konrad Scherer über 31. fl. Zehrgeld; Demandt, Schriftgut II/5, S. 177, Nr. 3431). Laut Bericht Kaspar Nützels vom 13.4. entsandte der Ks. Eitelwolf vom Stein nach Oberwesel, um die dort versammelten rheinischen Kff. zu sich nach Speyer zu bescheiden (Konz. Ulm, pfintztag nach judica; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 4, Nr. 8, fol. 19’–20, hier 19’). Maximilian zog dort am 19.4. (mitwoch vergangen in der heiligen karwochen)ein. Noch am gleichen Tag fanden sich Ebf. Jakob von Trier und Gesandte der Kff. von Mainz, Köln und Pfalz ein. Doch blieb unsicher, ob Ebf. Jakob von Mainz und Kf. Ludwig von der Pfalz noch persönlich kommen würden, während Ebf. Hermann von Köln sein Fernbleiben mit Unpässlichkeit entschuldigen ließ. Der Ks. reiste am 24.4. (am andern ostertag)wieder ab und entließ die kfl. Gesandten. Er schickte am nächsten Tag Bf.[Matthäus Lang] von Gurk, Gf. Adolf von Nassau und den Propst von St. Sebald [Erasmus Topler] nach Mainz, wo sich die geistlichen Kff. versammelten (Nützel an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg; Konz. Speyer, an dem heiligen ostertag/am dritten osterfeiertag frü [23./25.4.]; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 4, Nr. 8, fol. 20’–21, hier 20’).
    1
     Gemeint ist nicht – wie der Zusammenhang nahelegt – ein Ausschreiben zum RT, sondern für den nächsten Bundestag. Vgl. Nr. 5, S. 125f., Anm. 9.
    2
     Wahrscheinlich handelt es sich um einen Schreibfehler (richtig: gantz). Möglicherweise liegt auch eine seltene Ableitung von „begründet“ vor, hier im Sinne von: genau.
    1
     Liegt nicht vor. Vgl. jedoch den Vortrag Schads an die Bundesstände [Nr. 5, Anm. 5].
    2
     Gemeint sind wahrscheinlich jene 100 000 Goldkronen, die Kg. Heinrich VII. im Zusammenhang mit dem Heiratsvertrag zwischen seiner Tochter Maria und Ehg. Karl am 21.12.1507 seinem künftigen Schwiegersohn als Anleihe zugesagt (Bergenroth, Calendar I, Nrr. 571, 573, 578, S. 450f.) und wegen derer Ks. Maximilian Ende Januar 1508 seinen Rat Andrea del Burgo nach England entsandt hatte (ebd., Nr. 578, S. 454). Vgl. Trenkler, Maximilian, S. 136–139; Kooperberg, Margaretha, S. 291, 303, 307.
    3
     Es handelt sich um das erstmals 1504 ventilierte, dann wieder ab 1510 intensiv verhandelte, jedoch gescheiterte Projekt einer Heirat zwischen Hg. René von Lothringen und der Kaiserenkelin Isabella (Roschitz, System, S. 173–175).
    4
     Ks. Maximilian hatte eine Verlängerung der auf dem Konstanzer RT bewilligten sechsmonatigen Romzughilfe um zwei weitere Monate erbeten (Heil, RTA-MR IX/2, Nrr. 831, 835 [Pkt. 10]), was von einer Reihe von Reichsständen auch bewilligt worden war (ebd., Nrr. 840, 843, 902).
    5
     Es handelte sich um den Bf. von Gerace, Jaime de Conchillos (Zurita, Historia IV, S. 301f.; Krendl, Gesandte, S. 104–106).
    6
     Frisio war von Seiten Mantuas maßgeblich mit den Ausgleichsverhandlungen zwischen Frankreich und dem Ks. betraut (Luzio, Preliminari, S. 248–279; Mader, Liechtenstein, S. 43f.; Setton, Papacy III, S. 51).
    1
     Weitere in der städtischen Überlieferung verbliebene Kredenzbriefe für die Gesandten waren an Ebf. Hermann von Köln, Kf. Ludwig von der Pfalz und Ebf. Jakob von Trier adressiert (jew. Or. m. Siegelspuren, 6.4.1508; HAStd Köln, K+R 36/2, fol. 2–2’; 3–3’; 4–4’). Mit Schreiben vom 5.4. bat Köln den Rat der Stadt Oberwesel um die Bereitstellung einer bequemen und günstig gelegenen Herberge für ihre Gesandten (Kop., gudeßdach post letare; HAStd Köln, Briefbücher, A 44, fol. 61’).
    1
     In der bfl. Würzburger Überlieferung liegt das Stück ebenso wie die darin zitierten Erklärungen der Schwäbischen Bundesversammlung den Akten des Mainzer Tages bei.
    2
     Ausschreiben Ks. Maximilians an die Schwäbischen Bundesstände vom 7.3. (Or. Innsbruck, Vermm. prps./amdcp., Gegenz. J. Renner; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 991, unfol.; HStA München, KÄA 3136, fol. 325½; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol.; AV Straßburg, AA 328, fol. 18–19; StdA Ulm, Rst. Ulm, Urkunden, 1508 März 7).
    3
     Die Bundesversammlung reklamierte darin unter Hinweis auf die unzureichende eigene militärische Leistungsfähigkeit, die fortgesetzte Überbeanspruchung der Bundesstände, mögliche Irritationen anderer Reichsstände und einen Beschluss des Konstanzer RT von 1507 über das Verfahren bei auftretenden Problemen im Zusammenhang mit dem Romzug [Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 268, S. 529, § 13] die Zuständigkeit des Reiches und ersuchte den Ks., den Reichs tag, so ir ksl. Mt. der sachen halb zu halten entschlossen habe, dest furderlicher furnemen und beßliessen lassen, wie und welchermaß solchen dapfern, swern und grossen handlen zu begegnen und ernstlich und notturftiglich darinnen zu handlen seyen. Der Bundestag empfahl außerdem, dass ir ksl. Mt. des Reichs stende nit an irn hof erfordre, dan solchs etlichermaß beswerlich und ym Reich nit also herkomen, inmaß durch ksl. Mt. selbs angezaigt sey, sonder das ir Mt. den reichstag an ein malstat, den Reichs stenden gelegen und irer ksl. Mt. gefellig, furderlich furneme, damit dest statlicher in dem handel gehandelt werden moge. Angesichts der geschilderten Probleme bei der Truppenfinanzierung rieten die Bundesstände unter Berufung auf entsprechende Vorschläge des Papstes und Kg. Wladislaws von Ungarn zum Abschluss eines Waffenstillstands mit Venedig (undat. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 139–142; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol.; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; StA Darmstadt, E 1 A, Bd. 17/4, fol. 278–280; StdA Memmingen, A Bd. 292, unfol.; HStA München, KÄA 2017, fol. 416–417’; AV Straßburg, AA 353, fol. 9–10’).
    4
     Die Bundesstände beharrten darin – laut einem Datumvermerk auf dem bayerischen Exemplar am 4.4. (erichtag nach letare)– auf ihrem Standpunkt und erneuerten die Empfehlung zur baldigen Abhaltung eines RT (undat. Kop.; StA Würzburg, ebd., fol. 142–143; StA Augsburg, ebd., unfol.; StdA Augsburg, ebd., unfol.; StA Darmstadt, ebd., fol. 280–280’; StdA Memmingen, ebd., unfol.; HStA München, KÄA 2013, fol. 228–228’; AV Straßburg, ebd., fol. 11–11’).
    5
     Laut Bericht des Nürnberger Gesandten Kaspar Nützel informierte Schad die Bundesversammlung über seine Verhandlungen auf einem eidgenössischen Bundestag in Einsiedeln (vgl.Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 301, S. 424; Schilling, Chronik, S. 417f.; Gagliardi, Anteil, S. 722–728). Die Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden hätten die Bereitstellung von 8 000–10 000 Mann und mehr zugesagt und auch ausdrücklich deren Einsatz gegen Frankreich und Venedig bewilligt. Sowie von ksl. Seite 1500 Reiter bereitstünden, könnten sie einen Angriff auf das Hm. Mailand unternehmen. Die übrigen Kantone hätten ihre Neutralität erklärt und bekundet, den Abzug ihrer Söldner aus dem frz. Heer erreichen zu wollen. Gf. Eitelfriedrich von Zollern äußerte im Anschluss, dass man die Knechte aus den drei Kantonen anwerben müsse, da sie sonst in die Dienste Frankreichs und Venedigs treten würden. Es wäre dann unvermeidlich, dass das Papst- und das Kaisertum an Frankreich verloren gehen würden. Der Papst würde abgesetzt und der Kardinal von Rouen (Roan)an seine Stelle treten. Wenn der Bund dem Ks. eine Eilende Hilfe leisten würde, könnte diese mit der nächsten Reichshilfe verrechnet werden (Or. Ulm, freitag zu mitag nach letare[7.4.]1508; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 [alt S I L 61, Nr. 4], fol. 90–94, 95’. Konz.; ebd., A 4, Nr. 8, fol. 14’–19’). Der florentinische Gesandte in Innsbruck, Francesco Vettori, bezweifelte zu Recht, dass drei Kantone imstande seien, die behaupteten 8000 Mann aufzubringen (Bericht vom 22.3.1508; Machiavelli, Legazioni VI, Nr. 84, S. 193, Pkt. 51).
    6
     Die Versammlung machte ein weiteres Mal die unzureichende Leistungsfähigkeit des Bundes geltend und erklärte sich auch gemäß der Bundessatzung für nicht zuständig. Sie verwies auf ein [während der Verhandlungen unterbreitetes] Angebot der persönlich anwesenden Ff., Gff. und Prälaten, außerhalb der Einung eine kleine Hilfe zu leisten. Die Bundesgesandten erachteten diese jedoch als nutzlos und erklärten sich hinsichtlich der Bewilligung einer solchen Hilfe für nicht bevollmächtigt (undat. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 143–144; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol.; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; StA Darmstadt, E 1 A, Bd. 17/4, fol. 280’–281; StdA Memmingen, A Bd. 292, unfol.; HStA München, KÄA 2013, fol. 230–230’; AV Straßburg, AA 353, fol. 11’–12).
    7
     Laut Bericht der bayerischen Bundesgesandten an Hg. Wolfgang und die übrigen Vormundschaftsräte vom 3./5.4. war der Ks. am 1.4. zu einem Treffen mit dem Kardinallegaten Carvajal nach Ehingen abgereist und am 4.4. von dort zurückgekehrt (Or.[Ulm], montag nach suntags letare/mittichn nach letare; HStA München, KÄA 2017, fol. 412–413’). Laut einem bayerischen Protokollfragment (HStA München, KÄA 2013, fol. 224–225’) und dem Bericht Nützels [Anm. 5] hielt der Ks. die Rede am 6.4. – alles in einer gar langen meinung, ganz hitzig und zornig, dergeleichen vor von seiner Mt. nie mer gehort.Vgl. Schubert, Spengler, S. 85f.
    8
     Vgl. Heil, RTA-MR IX/2, Nr. 925, S. 1305–1307.
    9
     Die Bundesstände rechtfertigten [am 7.4.] in ihrer vierten Erklärung die Verweigerung einer verbindlichen Hilfszusage erneut mit der unzureichenden Leistungsfähigkeit und der Nichtzuständigkeit des Bundes. Angesichts der geschilderten Notlage zeigten sich die Gesandten jedoch einverstanden, den Hilfsantrag des Ks. an ihre Obrigkeiten zu referieren. Auf einem weiteren, zum 7.5. (sontag misericordia Domini)nach Konstanz einzuberufenden Bundestag sollte dann noch einmal darüber verhandelt werden (undat. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 144–144’; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol.; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; StA Darmstadt, E 1 A, Bd. 17/4, fol. 281’; StdA Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol.; HStA München, KÄA 2013, fol. 233–233’; AV Straßburg, AA 353, fol. 12–12’). Die fünfte Erklärung befasste sich mit einem unterdessen vom Ks. vorgelegten Entwurf für das Ausschreiben zum nächsten Bundestag. Die Stände beließen es bei der Beschlussfassung auf Hintersichbringen, dan sy di sachen lauts ksl. Mt. ubergeben copey nit bewilligt noch angenomen oder in der gstalt hinder sich zu bringen anzunemen nit gwalt noch bevelh haben.Sie räumten aber eine Verkürzung des Termins für den nächsten Bundestag auf den 30.4. (sonntag quasimodogeniti)ein (undat. Kop.; StA Würzburg, ebd., fol. 145; StA Augsburg, ebd., unfol.; StdA Augsburg, ebd., unfol.; StA Darmstadt, ebd., fol. 282; StdA Memmingen, ebd., unfol.; HStA München, ebd., fol. 233’–234; AV Straßburg, ebd., fol. 12’–13). Der ksl. Entwurf für das Ausschreiben zum nächsten Bundestag schilderte noch einmal die Verhandlungen. Demzufolge hatte der Ks. das Angebot zur Annahme seines Antrags auf Bundeshilfe lediglich zur Berichterstattung an die Obrigkeiten abgelehnt und einen sofortigen Beschluss gefordert. Demnach haben wir von gemeins Bunds wegen furgenomen, VIII-tausent man, dy sich in der Aidgnosschaft wider dy Aidgnossen, so bey den Franzosen sein, der ungeferlich bey VIIM sind, außgeschossen und gesondert haben und di sein Mt. nagst zu Kaufbauren auf guten trost, den sein ksl. Mt. zu uns und euch tregt, dan wo sein Mt. nit verlassen wurde, bestalt hat auf drey monat, als nemlich gewonhait irer bestallung sein muss, des halben solds zu bezalen und auf sontag quasimodogeniti [30.4.] nagstkunftig hie zu Ulm mit XXM gulden fur dy erst bezalung an solchem halben sold, nachdem der grosser ist dan des Bunds soldner oder landsknecht, bar, auch mit volmechtigem gwalt von unser aller des Bunds verwandten, das ubrig geld zu erfulung des ganzen halbn tails der dreyer monat sold, wie vorsteht, im fusstapfen auch zu versameln und zu erlegen, gewislich zu erscheinen, sofer sein Mt. den andren halbn tail bezalen, auch uns und euch furan weyter nit belestigen welle oder bescheen soll, als uns auch ir Mt. gnediglich zugesagt hat alzeit verwaren weyter hilf zum Reich. Und wiewol irer Mt. solcher verzug swer und dem Heyligen Reich unleidlich, dem Pund sorglich sey, so muß doch ir Mt. sich an solchem settigen lassen.Die einzelnen Bundesstände sollten darüber beraten und mit und neben uns, dem gemelten unserem allergnst. herrn, dem röm. kayser, mit solcher ytzt berurter hilf des halbn solds und VIIIM man drey monat lang, wie vorstet, beystant tun und auf dem egedachten tag, des sontags quasimodogeniti, mit dem vorbestimbten parem geld lauts unsers hiebeyligenden anschlags, auch mit volmechtigem gewalt des ubrigen gelts halben gewislich hie zu Ulm erscheinen(undat. Kop.; StA Würzburg, ebd., fol. 149–153; HHStA Wien, AUR [Geistliche und Privatsachen von untergeordneter Bedeutung] 1508 IV 12). Im schließlich ausgegangenen Mandat war nur noch von der Beschlussfassung auf Hintersichbringen und dem Termin des neuen Bundestages die Rede. Der Ks. ersuchte darin die einzelnen Bundesstände, in die Hilfe einzuwilligen und sich mit ihrem Anteil an den 20 000 fl. für den dreimonatigen Unterhalt der 8000 eidgenössischen Söldner in Ulm einzufinden (Or. Druck m. S., Ulm, 12.4.1508, Vermm. prps./amdip., Gegenz. N. Ziegler; HStA Stuttgart, H 53, Bü. 157, Fasz. 49, unfol. (Adressat: Heilbronn); HStA München, KÄA 3136, [fol. 329] (Adressat: Hg. Wilhelm von Bayern); StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol.; AV Straßburg, AA 329, fol. 4–4’. Undat. Konz.; HHStA Wien, Maximiliana 40, Fasz. II/20 (Schwäbischer Bund), fol. 262–266. Druck: Datt, Volumen, S. 572–574; Lünig, Reichs-Archiv XIII (Part. Spec. Cont. IV, 1. Teil), Nr. XXXII, S. 511–513 (Adressat: Esslingen); Zellweger, Geschichte II/2, Nr. DCL, S. 425–429 (Adressat: Heilbronn). Regest: Rauch, Urkundenbuch III, Nr. 2124, S. 214).
    10
    Laut Bericht Peter Muselers an Meister und Rat der Stadt Straßburg vertrat eine Mehrheit der Bundesstände die Auffassung, dass man nicht befugt sei, eine Hilfe zuzusagen, und wollte dies so auch dem Ks. gegenüber erklären. In diesem Zusammenhang erwähnte Museler auch, dass der Ks. in Kürze einen RT nach Straßburg ausschreiben würde (Or. m. S. Ulm, dunderstag nach letare[6.4.]1508; AV Straßburg, AA 328, fol. 78–78’).
    1
     Unter anderem Ebf. Jakob von Mainz war ein entsprechendes Schreiben zugegangen. Das Domkapitel beschloss am 16.4., [Ulrich von] Schechingen gemeinsam mit ebfl. Räten – ad dietam Spire fiendam– abzuordnen (StA Würzburg, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 593’).
    1
     Ks. Maximilian hatte Bf. Georg von Trient, Paul von Liechtenstein, Niklas von Firmian, Zyprian von Serntein, Heinrich von Knöringen und Georg Waltenhofer (Hptm. von St. Michael) am 26.3.1508 zu Friedens- bzw. Waffenstillstandsverhandlungen mit Venedig bevollmächtigt (Valentinelli, Regesta I, Nrr. 700, 717; Skriwan, Kaiser, S. 90; Lutter, Kommunikation, S. 77, 220). Vgl. zu den Verhandlungen Ulmann, Kaiser II, S. 356–358; Wolff, Beziehungen, S. 109–112; Pernthaller, Bestrebungen, S. 149–153; Skriwan, ebd., S. 90–96, Simon, Beziehungen, S. 56–59; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 20–22; Lutter, ebd., S. 76f.
    2
     Drei Tage später schrieb der Ks. an Liechtenstein und Serntein, dass sich seine Reise zum Kriegsschauplatz wegen der Verhandlungen mit den Eidgenossen, dem Schwäbischen Bund und einer Reihe von Reichsständen, die itzo gewislich zu uns gen Speir komen, verzögern würde. Vom erfolgreichen Abschluss dieser Verhandlungen versprach er sich die Möglichkeit zur Trennung der Verbündeten Frankreich und Venedig (Or. Göppingen, 14.4.1508, Vermm. prps./cdip., Gegenz. M. Lang; ÖNB Wien, Cod. ser. n. 9406, fol. 30–33’. Heil, Annahme, S. 287).
    1
     Albert Potgießer aus Essen war am 18.9.1506 anstelle des verstorbenen Heinrich Slebusch als neuer Ratssekretär verpflichtet worden (Huiskes, Beschlüsse I, S. 863, Nr. 14).
    2
     Liegt nicht vor.
    3
     Mit Schreiben vom 15.4. hatte die Stadt Schürenfeltz und Reide, zer zyt itzont zo Oberwesel uf dem ksl. tage wesende, gebeten, bis zum Eintreffen ihrer Ablösung, Ludwig Sachs und Georg Goldberg, in Mainz zu bleiben, sofern dies mit ihren privaten Angelegenheiten zu vereinbaren war (Kop.; HAStd Köln, Briefbücher, A 44, ebd., fol. 67–68). In einem Schreiben an den Ks. bzw. an dessen Stellvertreter ad dietam in Maguntia vel alibi locorumkündigte Köln in Umsetzung der durch die ksl. Räte in Oberwesel vorgebrachten Aufforderung zur Teilnahme am Mainzer Tag die Entsendung Goldbergs und Sachs’ an, die allerdings lediglich auf Anhörung der ksl. Forderungen zur Berichterstattung an den Magistrat bevollmächtigt waren (undat. Kop., jedoch 15.4.1508; ebd., fol. 68’).
    4
     Bestimmung des Kölner Verbundbriefs vom 14.9.1396, Art. 1 (Druck: Ennen, Quellen VI, Nr. 270, hier S. 426f.; Huiskes, Verfassung, S. 4–15, hier 7).
    5
     Bestätigung des Kölner Stapelprivilegs durch Kg. Maximilian, Mecheln, 18.9.1505 (Or. Perg. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; HAStd Köln, HUA 3/15253). Vgl. Ennen, Geschichte III, S. 649f.
    6
     Die Bürgermeister Gerhard von Wesel und Gerhard vom Wasservasse sowie Rentmeister Johann von Berchem teilten Schürenfeltz und Reide durch Schreiben vom 26.4. mit, dass Ebf. Hermann bei erneuten Verhandlungen im ebfl. Hof angekündigt habe, dass er zom ksl. dage ilende hynuff moisse, und es der Stadt freistelle, die Verhandlungen in Bonn fortzusetzen. Dort werde ihn auch sein Kanzler [Dr. Degenhart Witte] über von diesem in Köln in der Angelegenheit geführte Verhandlungen informieren. Die Gesandten wurden angewiesen, mit dem Ebf.über das Stapelprivileg zu sprechen, falls sie ihn auf ihrer Rückreise antreffen sollten. Das Angebot zu weiteren Verhandlungen in Bonn wollte der Magistrat wegen des kurzen Aufenthalts des Ebf. dort und der von ihm angekündigten Beratungen mit dem Domkapitel und den Landständen nicht annehmen (Kop., Datumvermerk: Datum per Ailbertum [Potgießer] gudeßdach na pasce; HAStd Köln, Briefbücher, A 44, fol. 75–76).
    1
     Das Schreiben erreichte Bf. Lorenz am 5.5. in Mainz. Dieser war bereits aufgrund der ksl. Einladung vom 10.4. [Nr. 6] von zu Hause aufgebrochen und am 3.5. dort eingetroffen (Bf. Lorenz von Würzburg an Ks. Maximilian, Kop. Mainz, samßtag nach quasimodogeniti[6.5.]1508; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 114’–115). Zu seinen Begleitern zählte wahrscheinlich Peter von Aufseß (Bibra, Beiträge II, S. 287; Merzbacher, Aufseß, S. 123 Anm. 319).
    1
     Vortrag und Übergabe von Abschriften durch die in der Instruktion genannten ksl. Gesandten an die in Mainz versammelten Kff. Jakob von Mainz, Jakob von Trier und Friedrich von Sachsen, an Bf. Lorenz von Würzburg, den kurbrandenburgischen Gesandten Eitelwolf vom Stein, den Jülicher Gesandten [Friedrich von] Brambach und den hessischen Gesandten Peter von Treisbach am 5.5. (freitag nach dem sontag quasimodogeniti)(HStA München, K.blau 103/4a, fol. 298; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 115).
    2
     Wenngleich Kurpfalz nicht auf dem Mainzer Tag vertreten war, dient dennoch dessen Überlieferung als Textgrundlage. Sie weist gegenüber der kursächsischen und der Würzburger Tradition eine signifikant geringere Fehlerquote auf.
    3
     Eine weitere Abschrift befindet sich auf fol. 45–50’.
    4
     Ks. Maximilian informierte seine Tochter Ehgin. Margarethe am 29.4.1508, dass er aufgrund von Warnungen vor einem bevorstehenden Einfall Roberts von Arenberg in das Bm. Lüttich eilends nach Luxemburg habe aufbrechen wollen. Da Arenbergs Vorbereitungen nach neueren Nachrichten jedoch noch nicht abgeschlossen seien, habe er diese Reise verschoben und beabsichtige, mit den rheinischen Ff.über eine Hilfe gegen Frankreich und Venedig zu verhandeln (Druck: Marneffe, Principauté I, Nr. CCII, S. 331f.).
    5
     Die niederländische Statthalterin Ehgin. Margarethe hatte zwar bereits im Januar 1508 einen Gesandten zu Kg. Heinrich VII. beordert, unter anderem mit dem Auftrag, diesen um Vermittlung im Geldernkrieg zu bitten. Anscheinend unterbreitete dieser aber erst im Juni, also nach dem Mainzer Tag, einen diesbezüglichen Vorschlag (Skriwan, Kaiser, S. 217f.; Kooperberg, Margaretha, S. 279f.). Von englischen Initiativen bei Kg. Ludwig XII. und Hg. Karl von Egmond ist nichts bekannt.
    6
     Konstanzer RAb vom 26.7.1507, §§ 1–12 (Druck: Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 268, S. 527–529), und Reichsanschlag vom 21.7. (Druck: ebd., Nr. 271, S. 552–565).
    7
     Dies trifft so nicht zu. Die Aggression ging eindeutig von Maximilian aus. Vgl. Guicciardini, Storia II, S. 770–776;Wolff, Beziehungen, S. 97–99; Seneca, Venezia, S. 100f.; Pernthaller, Bestrebungen, S. 127–134; Skriwan, Maximilian, S. 31, 34–41, 52–55; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 5f., 12, 15f.
    8
     Dem Stück liegen der offensichtlich auch in Mainz vorgelegte Antrag der ksl. Gesandten an die Schwäbische Bundesversammlung (Kop.; act. Ulm, aftermontags nach Philippi et Jacobi[2.5.]1508; HStA München, K.blau, 103/4a, fol. 304–304’, 307; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 136’–137’) und der Abschied des am 30.4.1508 eröffneten Bundestages bei. Der Bescheid auf die vom Ks. geforderte Geldhilfe zur Finanzierung der eidgenössischen Söldner war jedoch nicht geeignet, die oben geäußerten Erwartungen zu nähren: Sie erfinden aber bij inen nach ermessung und gelegenheit aller sachen, daz irer ksl. Mt. angezeigt beger in des Bunds vermogen, auch laut der aynung in der versammelung macht nit sij; zudem, daz solichs dannocht gegen den mechtigen und grossen widerstanden, so vor augen sin, nichts erschiessen und im handel, so sich der ferrer ereugen, glich so pald schaden und nachteil als nutz und guts pringen und geberen wurd. Die Versammlung verwies deshalb auf die Notwendigkeit einer vom ganzen Reich zu beschließenden Hilfe. Die Bundesstände baten, in dieser Angelegenheit nicht mehr behelligt zu werden und stattdessen einen RT einzuberufen, stellten jedoch in Aussicht: Waz dan die vom Bund als des Richs stende mit und neben andern stenden des Richs zum pesten furdern und erschiessen mogen, wollen sie irs teils in aller undertenigkait getruwlich und gern tun als gehorsam undertan irer ksl. Mt. und des Heiligen Richs. An dieser Entscheidung änderte auch ein nochmaliger Antrag der ksl. Gesandten nichts mehr. Ebenso wurde die – nur für den Fall einer negativen Antwort der Versammlung auszusprechende – ksl. Einladung an die Bundesstände zum Mainzer Tag als beswerlich, auch nach gestalt und gelegenheit dißes handels unfruchtbar und unerschießlichausgeschlagen (Kop.; HStA München, K.blau 103/4a, fol. 305–306’; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 134–136; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol.; StA Bamberg, A 85, Lade 329, Nr. 187, unfol.; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; StdA Memmingen, A Bd. 292, unfol.; HStA München, KÄA 2013, fol. 238–241; StdA Straßburg, AA 353, fol. 15–16’; HStA Stuttgart, H 53, Bü. 157, Fasz. 47, unfol.; HStA Stuttgart, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 77. Regest: Klüpfel, Urkunden, S. 21f.). Laut Bericht des bayerischen Gesandten Georg Eisenreich an Hg. Wilhelm vom 7.5.äußerten die ksl. Vertreter auf dem Bundestag nach dem ablehnenden Bescheid der Versammlung Bedenken, den Ks. darüber zu informieren, und deuteten an, dass dieser den Bund möglicherweise auflösen wolle. Eisenreich bestritt aber dessen Berechtigung dazu (Or. Ulm, sonntag misericordia Domini; HStA München, KÄA 2017, fol. 420–420’).
    9
     Eine schriftliche Einladung an die Kff. war nicht auffindbar. Vgl. jedoch Nr. 9.
    10
    Spielt auf die nach ksl. Auffassung seit 1504 bestehende Reichsacht gegen Kurpfalz (Wiesflecker, Regesten IV/1, Nr. 18876, S. 521) an.
    11
    Vgl. die ksl. Instruktion für Wolfgang von Zülnhart als Gesandten zu den Hgg. Heinrich d. Ä. und Heinrich d. M. von Braunschweig (Regest: Heil, RTA-MR IX/2, Nr. 810, S. 1180f., Pkt. 1).
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Vgl. zum Hintergrund der Fehde Berlichingens gegen Köln Ennen, Geschichte III, S. 934f.; Ulmschneider, Berlichingen, S. 50–53; Scholzen, Sickingen, S. 52–54.
    2
     Ebf. Jakob forderte Gf. Reinhard von Hanau sowie Dietrich und Frowin von Hutten mit Schreiben aus Mainz vom 17.5. auf, die Freilassung der trotz ihres Geleits gefangengenommenen Kölner Bürger zu erwirken (Druck: Berlichingen-Rossach, Geschichte, S. 117, Nr. 5).
    3
     Kredenzbriefe der Stadt Köln für Goldberg und Sachs an Kf. Friedrich von Sachsen (entsprechend an die Kff. von Mainz und Trier sowie den Bf. von Würzburg) und an Abt Johann von Fulda vom 5.5.1508 (Kop.; HAStd Köln, Briefbücher, A 44, fol. 80–80’; 80’; ebd., V+V, A N/1191, Stück-Nr. 1, unfol.).
    4
     Entsprechende Schreiben auch der Stadt Köln selbst an Gf.[Reinhard] von Hanau bzw. an die Hh. von Hutten vom 5.5.1508 (Kop.; HAStd Köln, Briefbücher, A 44, fol. 80’–81), außerdem vom gleichen Datum an die Stadt Frankfurt (Kop.; ebd., fol. 81–81’; ebd., V+V, A N/1191, Stück-Nr. 1, unfol.).
    5
     Der Fuldaer Administrator Hartmann von Kirchberg antwortete am 15.5., den Aufenthaltsort der gefangenen Kölner Bürger nicht zu kennen. Er entlastete auch den der Mithilfe verdächtigten Hammelburger Bürger Dietrich Renckner (Berlichingen-Rossach, Geschichte, S. 116, Nr. 3; Ulmschneider, Berlichingen, S. 50 Anm. 13).
    6
     Die Thüngen waren die Eigentümer der Burg Reußenburg.
    1
     Zum geleisteten Beitrag Kf. Friedrichs für den ksl. Romzug vgl.Heil, RTA-MR IX/2, Nr. 902, S. 1254.
    2
     Antwort der Schwäbischen Bundesversammlung in Ulm an Ks. Maximilian [Nr. 5, S. 123, Anm. 3].
    1
     Mit Weisung vom gleichen Tag beauftragte Ks. Maximilian seine Stellvertreter in Mainz gemeinsam mit den anwesenden Kff. und Ff. mit der Anhörung (Konz. mit ex.-Verm., Andernach; HHStA Wien, Maximiliana 19, Konv. 3, fol. 18–18’). Vgl. Skriwan, Kaiser, S. 297f.; Toifl, Friede, S. 175.
    1
     Das Schreiben liegt nicht vor.
    2
     Vgl. Nr. 4, S. 122, Anm. 4.
    3
     Weinzollprivileg Ks. Friedrichs III. für Bf. Rudolf von Würzburg und dessen Nachfolger vom 2.4.1468 (lat. Druck: Lünig, Reichs-Archiv VII (Part. Spec. Cont. I, 3. Forts.), Nr. CLXXXVI, S. 336f. Regest: Eibl, Urkunden, Nr. 152, S. 124f. Vgl. Merz, Fürst, S. 54f.).
    4
     Weinzollprivileg Kg. Maximilians für Lgf. Wilhelm II. von Hessen vom 24.6.1505 (Druck: Kleinschmid, Sammlung II, S. 352f.; Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 517, S. 839f.).
    5
     Lehenbrief Kg. Maximilians für die Lgff. Wilhelm II./III. vom 16.7.1495 (Druck: Lünig, Reichs-Archiv IX (Part. Spec. Cont. II, 1. Forts., 4. Abt., 8. Abs.), Nr. I, S. 767–769. Regest: Demandt, Regesten II/1, Nr. 1257, S. 495f.; Wiesflecker, Regesten I/1, Nr. 2118, S. 249).
    6
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Lgf. Wilhelm II. von Hessen vom 31.7.1505 (Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 520, S. 840f.).
    7
     Bf. Lorenz erklärte am 14.5., dass er auf das für ihn unerwartete Anliegen erst nach seiner Heimreise entweder den Teilnehmern am Mainzer Tag oder dem Kf. von Mainz eine Antwort geben könne (Konz. act. Mainz, sontag jubilate; HStA München, K.blau 103/4a, fol. 274. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 125’).
    8
     Ebf. Hermann bat Bf. Lorenz, die Anleihe in Anbetracht der Förderung des Hst. Würzburg durch Ks. Friedrich III. zu bewilligen (Or. Poppelsdorf, am sontage misericordia[7.5.]1508; Unterz. Ebf. Hermann von Köln; HStA München, K.blau 103/4a, fol. 289–289’. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 124’). In einem zweiten Schreiben an Bf. Lorenz vom gleichen Tag eröffnete er allerdings, dass er diese Bitte auf Wunsch des Ks. ausgesprochen habe, und relativierte sie: Uwer liebe will doch wissen, sich irer gelegenheit nach zum besten zu halten(Or. mit eigh. Unterz., Postverm.: Manibus propriis; HStA München, K.blau 103/4a, fol. 288–288’. Kop.; StA Würzburg, WRTA 5, fol. 124’). Die entsprechenden Schreiben an Lgf. Wilhelm von Hessen liegen nicht vor.
    9
     Vgl. zur Zwangsanleihe bei oberdeutschen Handelsgesellschaften Heil, RTA-MR IX/2, Nrr. 864901, S. 1223–1253; Lutz, Peutinger, S. 70–77; Böhm, Reichsstadt, S. 46–49; Pölnitz, Fugger I, S. 183f.
    10
    Vgl. Nr. 10, S. 130, Anm. 4.
    1
     Datierung laut Nr. 17 [Pkt. 1].
    2
     Eine weitere Abschrift befindet sich auf fol. 54–55’.
    3
     Der venezianische Gesandte am frz. Hof [Antonio Condulmer] prognostizierte in seinem Bericht vom 19./20.5., dass der in Mainz oder Konstanz versammelte RT sich gegen einen Krieg aussprechen und keine Reichshilfe bewilligen werde (Sanuto, Diarii VII, Sp. 492).
    1
     Eine weitere, wörtlich übereinstimmende Abschrift befindet sich auf fol. 55’–56’.
    1
     Eine weitere Abschrift befindet sich auf fol. 57–60’.
    2
     Liegt nicht vor.
    3
     Kf. Friedrich von Sachsen hatte Hg. Wilhelm von Bayern [und Pfgf. Friedrich] mit Schreiben vom 17.4. für den 18.5. (dornerstag nach dem sontag jubilate)zu einem Schiedstag nach Nürnberg geladen (Or. m. eigh. Unterz., Nürnberg, montags nach palmarum; HStA München, KÄA 1241, fol. 101–101’).
    4
     Kf. Friedrich bestätigte allerdings gegenüber Hg. Wilhelm von Bayern nach Verhandlungen mit Pfgf. Friedrich in Mainz und dessen Einwilligung in eine Vermittlungsinitiative des Kf. außerhalb der erteilten ksl. Kommission [vgl.Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 410, Pkt. 2] den Termin und kündigte seine Reise nach Nürnberg an (Or. m. eigh. Unterz., Mainz, freitag nach misericordia Domini[12.5.]1508; HStA München, KÄA 1241, fol. 116–116’).
    1
     Gemäß Schreiben des Hochmeisters an Christian Bomhower vom 24.4. (Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 363, S. 265f.) ging es hinsichtlich Livlands insbesondere um den noch ausstehenden Empfang der Reichsregalien durch Plettenberg und das am 19.9.1505 erteilte kgl. Zollprivileg (Druck: ebd., II/2, Nr. 814, S. 631. Vgl. auch Heil, RTA-MR VIII/1, S. 829 Anm. 9), d. h. um die Schwierigkeiten bei dessen Ausübung. Der Ks. bewilligte dem livländischen Ordensmeister am 19.5. einen weiteren Aufschub für den Regalienempfang bis zu einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Hochmeister (ebd., II/3, Nr. 375, S. 274f.). Mit Schreiben vom gleichen Tag untersagte er ihm angesichts des aktuellen Konflikts mit Frankreich und Venedig, einen Krieg gegen den Großfürsten von Moskau zu eröffnen (Kop. Köln; DOZA Wien, Livland 1, fol. 168–168’. Druck: Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch II/3, Nr. 374, S. 274; Acta Tomiciana I, App. S. 30, Nr. 17).
    2
     Die Gesandten Nikolaus von Pflug und Heinrich von Miltitz eröffneten nach Vorlage ihres am 10.5. in Dresden ausgestellten Kredenzbriefs den preußischen Regenten in Königsberg unter anderem, dass der Hochmeister beabsichtige, „key. maj. und alle stende des heiligen reichs, welhe kurtzlich auff ein reichstag, wie key. ma. von sich schreibt, zu Speyer ader Mentz bey einander vorsamelt sein werden, in eigner person zu besuchen“ und sich mit ksl. Unterstützung auch an den Papst zu wenden (Toeppen, Acten V, Nr. 192, hier S. 516f.).
    3
     Laut der Danziger Chronik Christoph Beyers klagten Vertreter des Deutschen Ordens auf dem Mainzer Tag ihre preußischen Untertanen als contumaces et rebelles an und beantragten deren Vorladung an das RKG in Worms [richtig: Regensburg]. Ks. Maximilian lud diese daraufhin für den 24.6. zum RT nach Worms – was so nicht stimmen kann. Tatsächlich schickte Danzig den Ratssekretär Georg [Zimmermann] nicht – wie von Beyer angegeben – nach Worms (Beyer, Chronik, S. 546), sondern zum RKG nach Regensburg. Dies geht sowohl aus einem Nürnberger Empfehlungsschreiben für den Danziger Gesandten an den Prokurator Johann Rehlinger (Kop., montag nach Katherine[27.11.]1508; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 62, fol. 215–215’) als auch einer Mitteilung der Stadt vom 19.1. an Vertreter Elbings (Biskup, Acta V/2, Nr. 150, S. 18f., Pkt. 2) eindeutig hervor. Anscheinend ging Danzig auch ein Ladungsschreiben zum RT zu, dem man jedoch nicht Folge leistete (Beyer, ebd., S. 547; Schuetz, Historia, pag. 431’; Biskup, Acta V/2, S. 82, 89). In Schreiben an den Ks. vom 29.1. und 4.10.1509 erklärte die Stadt einmal mehr ihre Zugehörigkeit zum Kgr. Polen (Zivier, Geschichte I, S. 52f.).
    1
     Nr. 18 [Pkt. – Aber zu furderung … von stund an.].
    1
     Es handelt sich um den auf dem Augsburger Schiedstag im November 1507 von den Kommissaren – Kf. Friedrich war nicht persönlich anwesend – vorgelegten Vermittlungsvorschlag (Druck: Krenner, Landtags-Handlungen XVI, S. 225–228) und die von den Anwälten Hg. Albrechts von Bayern dagegen erhobenen Einwände (ebd., S. 228f.).
    2
     Das Schreiben liegt nicht vor.
    3
     Liegt nicht vor.
    4
     Welden fungierte gemäß der Konstanzer Deklaration von 1507 (Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 410, S. 694, § 2) als von Pfgf. Friedrich nominierter Beirat der ksl. Taxationskommission, die ohne ihn nicht beschlussfähig war.
    5
     Kf. Friedrich beschloss den Nürnberger Tag (Verhandlungsunterlagen; HStA München, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 203–204’, 234–236, 239–254; Krenner, Landtagshandlungen XVII, S. 223–225 – irrtümlich datiert auf 1509. Entsprechend fehlerhafte Darstellung bei Wenko, Kaiser, S. 230f.; Fischer, Kaiser, S. 139f., 169f.) zwar mit einem Abschied (undat. Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 252–254), der jedoch zumindest von pfälzischer Seite abgelehnt wurde. Die Anwälte Pfgf. Friedrichs berichteten am 16.6., ihn fünf Tage zuvor erhalten zu haben, und rieten von dessen Annahme ab (Kop., fritag nach pfingsten; HStA München, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 259–260’). Der Pfgf. folgte ihrer Empfehlung. Kf. Friedrich zeigte sich in einem Schreiben vom 12.7.1508 an Hg. Wolfgang von Bayern und die übrigen Vormünder Hg. Wilhelms bezüglich der Erfolgsaussichten weiterer Verhandlungen skeptisch (Or. Weimar, mitwoch nach sant Kiliani, ebd., fol. 155–155’). Er war nach dem Nürnberger Tag nach Sachsen zurückgekehrt und scheint in der Folge auch nichts mehr in dieser Angelegenheit unternommen zu haben.
    6
     Wahrscheinlich ging es um die Bestätigung des am 5.4.1508 aufgesetzten Testaments der Hgin. (Or.; HStA München, Kurbay. Urk. 6745. Kop.; HHStA Wien, Maximiliana 19/2, fol. 17–20’. Vgl. Graf, Kunigunde, S. 152–155).
    1
     Kurpfalz war nicht auf dem Mainzer Tag vertreten. Das Stück stammt wahrscheinlich aus der bfl. Würzburger Überlieferung und gelangte anstatt einer Abschrift nach Heidelberg.
    1
     Vgl.