Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « Š2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages  »

    «Nr. 36 Erstes Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 31. Mai 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den kgl. Romzug, Abwehrkampf Tirols; [2.] Absichten Frankreichs gegen das Hl. Reich; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Verschiebung des Termins.

    Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 103, fol. 355–355’ (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt, Anrede, Grußformel und Tagungsort handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 9–9’ (wie A, Siegelrest auf der Rückseite, handschriftliche Ergänzung am Textende; präs. Frankfurt durch Friedrich von Alzey am 22.6.1508) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423 (wie A; Adressat: Gf. Johann von Nassau-Dillenburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A, besch. S.; handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen). Hagenau, AM, AA 118, unfol. (wie A, Siegelrest, Präsentatverm.: Uberantwurt herr Hans Flemyngen, stetmeister, uf zinstag noch trinitatis [20.6.] Ao. VIIIo durch Gabrielen N., der ksl. Mt. boten.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 10–10’ (wie A, Siegelrest; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg; Präsentatverm.: Dusser brief ist meynem gnedigen hern durch keiserlicher Mt. botschaft zu Czell uberantwort ahm abend Jacobi [24.7.] anno etc. octavo.). Koblenz, LHA, Best. 29A, Nr. 948 (wie A; Adressaten: Gff. Dietrich und Johann von Manderscheid). Ludwigsburg, StA, B 113 I, Bü. 62, unfol. (wie A; Adressaten: Friedrich Schenk von Limpurg und seine Brüder [Georg und Gottfried]). Meiningen, StA, GHA II, Nr. 9, fol. 3–3’ (wie A; Adressat: Gf. Wilhelm von Henneberg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27 [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, erchtags Udalrici [4.7.]). München, HStA, KU Regensburg/Niedermünster, 1508.V.31 (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Äbtissin [Agnes Nothafft] von Niedermünster). Nordhausen, StdA, I. Abt., Nr. D 22a (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen). Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (wie A; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg; präs. 24.6.1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 1–1’ (wie A; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg).1

    ŠKurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 940, S. 746 (Adressat: Frankfurt); Linke, Urkundenbuch I, Nr. 84, S. 42 (Adressat: Nordhausen); Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 460, S. 411 (Adressat: Gf. Wolfgang von Fürstenberg).

    [1.] WJr, Maximilian, von gots gnaden Erwelter Romischer Kaiser, zu allen tzeyten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kunig, Ertzhertzog zu Osterreich, Hertzog zu Burgundi, zu Brabant vnd Phallenntzgraue etc., Embieten adem hochgebornen Fridrichen, marggrafen zu Brandenburg, zu Stettin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggrafen zu Nurmberg und fursten zu Rugen, unserm lieben oheim, fursten und rat unser gnad und alles guet. Hochgeborner, lieber oheim, furst und rate–a. Auf vnnsern vnd der Churfursten, Fursten vnd Stennde des heiligen Reichs abschid vnd besluss von dem negsten Reichstag zu Costenntz haben wir vns mit derselben hilf, die vns wol in clainer antzal ankumen ist, Doch dartzu ainem treffenlichen vnnserm selbs kriegsvolck des Romtzugs zu erlangen Kaiserlich Cron vndterstanden, die Granitzen vnd Pass der Venediger, als not gewesen ist, angetzogen. Vnd als Sy vns die vber manigfaltig vnser guetlich ansuechen, Auch vil gnadig verschonen, Dess wir vns lang her vmb ditz durchzugs willen gegen Jnen beflissen, hochmuetigclich versagt vnd abgeslagen, Sein wir geursacht, ob wir anderst gedachtem Abschid vnd besluss zu Costenntz gnug tuen wollen, die Pass mit gewalt zu suechen. Aber wider solich vnser vnd des Reichs furnemen vnd dasselb zu Jrren, zu wennden vnd abzustellen, haben sich die Venediger mit hilf vnd beystand des kunigs zu Franckreich zusambt ainer grossen antzal Aidgnossen, die Er aufbracht vnd Sy damit gesterckt hat, gwaltigclich emport Vnd also mit dreyerlay macht vnnsern furnemen dermassen begegnet, das vns mit vnserm vnd des Reichs klainem volck, als menigclich zu erkennen, in vnsern furnemen zu uollfarn zu uil wagklich, auch unmuglich vnd on nutz gewest ist Vnd der notturft nach geursacht vnd bewegt sein, Mit vnser Person in eyl herauszutziehen, dem Reich, auch vnserm Pundt zu Swaben solich Jrrung, verhindrung vnd anfechtung der Venediger vnd Frantzosen mit hilf ŠJrer zuegeloffen Aidgnossen anzuzaigen Vnd darauf merer hilf vnd Rat bey Jnen zu suechen.2 Haben auch mitler zeit vnsers abwesens vnnser Grafschaft Tirol vnd ander vnnsere Erbliche Lannd, an den Veinden gelegen, in mercklich empoͤrung vnd unsaglichen Costen bewegt und vermugt, dardurch die Veind aufzuhalten, Sich selbs vor verlurst [!] vnd nachfollgend das heilig Reich vor vberfall zu uerhueten. Als vns aber bishere so eylennd, als not vnd guet gewest war, kain weiter hilf gedeyhen mugen Vnd die veind dess wargenomen, haben Sy sich noch machtiger gesterckt, in Jren furnemen dermassen geubbt, das Sy vns vnsere Erblannd hart belestiget, beswart Vnd vns etlich befestigungen an den Granitzen Mer durch gross vngeuell vnnd verwarlosung dann aus kriegs gewalt abgedrungen. Damit vnnser lannd vnd leut, die nu lanng vnschuldigclich von des Reichs wegen gekriegt, So mued gemacht, das Sy die gegenwer hart [= kaum] mer vermugen; zu besorgen, So die Veind, als wol zu gedencken ist, in Jrem sig vnnd glugk verharren, Sy werden Sich durch Jr gros macht vnd Anhenng von tag zu tag weiter eindringen.3

    [2.] Nun geswigen vnd hindangesetzt vnnserer lannd vnd leut obligen vnd not, Sonnder mer zu bedencken die Jrrung vnd verhindrung vnnser vnd des Reichs furnemen des loblichen Romtzugs Vnd darbey zu ermessen vnd zu erkennen den grundt vnd vrsprung solicher Jrrung, widerwertigkait vnd anfechtung Aus anlayttung, zueschub, hilf vnd trost des kunigs zu Frannckreich, Wie Er sich nu vil Jar her wider vnns, das heilig Reich vnd Teutsche Nacion gevbt hat Vnd yetz in disem spil, souil Er mag, ausserhalb seinem zuesatz bey den Venedigern in seiner mercklichen rustigung still zuesicht, des enndtlichen fursatz, So wir vbermugt vnd von vnnsern furnemen des Romtzugs abgetriben warn, Alsdann die Babstlich heiligkeit zusambt Jtalien, So doch dem heiligen Reich on mittel zuegehort Vnnd Er durch seinen swaren gwalt vor zum tail erlanngt hat, ganntz zu seinem willen zu bringen, Darauf die kaiserlich Cron gewaltigclich zu nemen Vnd vns, auch Tewtsche Nacion derselben zu enntsetzen, Vngetzweifelt dess nit benuegen zu haben, Sonder nachvolgend Šzu Practicieren vnd zu vndtersteen, Teutsche Nacion vnd vnns all, dar Jnnen begriffen, vnnder sein gehorsam zu dringen. Dem auch, wo Jm so weyt stat geben Vnd nitt yetzo bey zeit mit mererm ernnst vnd tapferkeit dartzu getan, hinfur vorzusein vnd furzukumen hart mer muglich sein wurd.

    Dweil wir nu nit allain der Venediger Jrrung vnd anfechtung sehen vnd empfinden, Sonder gleich so wol der Frantzosen gemuet vnd maynung beruerter gestalt wissen vnnd erkennen, das wir ainem yeden bey glawben antzaigen mugen, der Almechtig vnd wir all woͤllen verhueten, Das wir voltzug solicher Jrer maynung vnd gemuet nit erfarn; dann zu wass smach vnd spot das vns allen Tewtschen von andern Nacion gemessen, Wass vntraglicher, vnleidenlicher Purd vnd beswerung auch vns allen Vnd, so wir nit warn, vnnser aller kinden vnd kinds kinden dardurch aufgelegt, die vns ellendigclich vnnd vbel darumb nachreden vnnd -rueffen wurden, Jst diser zeit vnermesslich. Beuelhen das ainem yeden verstendigen selbs zu betrachten.

    [3.] So wir dann die Teutschen von gnaden des almachtigen, wo Sy mit trew vnd vleis zusamensetzen, Jr Eer, loblich herkumen vnd vilfaltig woltat bedencken Vnd sich selbs nit verwarlosen wollen, in solicher tapfern Mannschaft, vermugen, Redlichait vnd rustung erkennen, Das wir verhoffen, des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen, noͤten vnd sorgen guet Rat vnd hilff zu beschehen noch wol muglich. Darzu wir dann vnnser leib vnd guet darzustrecken willig vnd begirig sein: Welche hilff vnd Rat aber ausserhalb ainer Besamblung der Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs nit aufbracht noch hindangericht werden mag, So haben wir ainen eylenden Reichstag furgenomen vnd angesetzt, Nemlich gen Wormbsb am Rein auf Sonntag Sanndt Eustachius, das ist der Sechtzehent tag des Monats July nechstkunfftig. Vnd Ermanen dichc demnach in Ansehung vnnd bedacht oberzellter vrsachen vnser vnd des heiligen Reichs, auch Teutscher Nacion obligen, notturften vnd sorgfeltigkaiten aus Romischer kaiserlicher macht mit ernnst gebietend, das du personndlich vnuerhindert aller annderer henndel vnd sachen, kaine ddann allain dein vnuermugen aus gottes gewalt–d ausgenomen, eauf demselben tag Erscheinest. Vnd wa du das personndlich allain aus soͤlicher vrsach nit vermochtest, Doch Jemand von deinen wegen schickest, Darbey deins vnuermugens glawbwirdig antzaigen thuest–e, Mit volkomnem gewalt, Mit vnnser person, Soverr wir mit den kriegslewffen derselben zeit nit zu harrt beladen sein wurden, Wo das Šaber war, doch mit vnsern treffennlichen Raten, auch anndern Churfursten, Fursten vnd Stenden des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen vnnd notturften furtzunemen, zu hanndeln Vnnd on hindersichbringen zu sliessen, Wass gestalt denselben weiter gnuegsam vnd austraglich hilf, Rat vnd trost Vnd den Veinden tapfer, ernnstlich gegenwer vnd abbruch beschehen soͤll vnd mug, Dardurch die kaiserlich Cron behalten vnd gehanndthabbt Vnnd nit in vnnser aller Erbfeind henndt vnd gwalt so Jamerlich vnd weerloss verlassen, Auch wir all vnnd vnnser nachkumen vor zuekunfftigen sorgen, smach, beswarden vnnd verderben verhuet werden.

    Vnd hierauf (vnns, dem heiligen Reich vn[d] Teutscher Nacion zu nachteil vnd verwarlosung) kains wegs vngehorsam noch sewmig Erscheinest, Auch auf annder nit harrest noch aufsehest. Des wollen wir vns zu dir verlassen, vnd du thuest daran zusambbt schuldiger phlicht vnnser Ernnstliche mainung. Dann du erscheinest beruerter gestalt oder nit, Nichts destminder, was durch annder Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs gehanndelt, beslossen vnd angeslagen, Wirdet dir auch, souil sich geburt, unablaslich aufgelegt. Wir woͤllen vnns auch befleissen, wenig zeit vnnd Costen auf solhem tag zu uerlieren, Sonnder die hanndlung, so furderlich das gesein mag, zu ennden, Als solichs die notturft in all weg eruordert. Wollen wir dir, damit du doch vmb kain sach aussennbleibest, nit verhalten. Geben in vnnser vnnd des heiligen Reichs Stat Coln am letsten tag des Monats Maii Nach Cristi geburd funftzehenhundert vnd im Achtennden, Vnserer Reiche, des Romischen im dreyundzweintzigisten Vnnd des hungrischen im Achtzehenden Jaren.

    [4.] [fWir verkunden euch, als wir dise brief abgefertigt, haben wir kundschaft gehabt, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halbn ain anstand auf ain zeit gemacht ist.4 Deshalbn wir den beruerten reichstag, damit ir und ander stende dest pass geschickt und gefasst, auch gewislich darauf erscheinen mugen, umb zwen monet, das ist auf sand Laurenzn tag [10.8.] nechstkunftig, hiemit erstrecken, ernstlich ermanend, das ir in craft beruerter unserer ausschreibn auf denselbn tag erscheinet und, was von standen des Reichs an euch gelangen oder die ir erlangen mugt, denselben solhs zu erkennen gebet. Dann wir nit stat mugn haben, das so eylends in die gemain zu verkunden. Das mainen wir ernstlichn–f.]

    «Nr. Š37 Ks. Maximilian an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Siegburg, 6. Juni 1508 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 10 (besch. Or., ca. linkes Viertel des Schreibens fehlt; Vermm. prps./amdip., Gegenz. M. Lang).

    Er hat mit seinem Gesandten [Eitelwolf vom Stein] über seine, Kf. Joachims, Bestallung mit einer Anzahl Reitern für den [Romzu]g und anschließend für den Einsatz gegen die Ungläubigen verhandelt, wie ihm zweifellos [berichtet wurde]. Wegen wichtiger [Angelegenheiten] von Ks., Reich und auch der deutschen Nation, die ihm sicherlich bekannt sind und deshalb hier nicht wiederholt zu werden brauchen, beruft er mit dem beiliegenden Ausschreiben [Nr. 36] eine Versammlung der Kff., Ff.[und Stände des Hl. R]eiches für den 16. Juli (sant Eustachius)nach Worms ein. Da der Tagungsort für ihn weit entfernt liegt und der Termin kurzfristig ist, jedoch aus gravierenden Gründen [nicht später] angesetzt werden konnte, wollte er ihn früher als andere darüber informieren. Fordert ihn auf, [rechtzeitig] aufzubrechen und persönlich am Wormser Tag teilzunehmen, um mit ihm, dem Ks., und anderen Ständen zu beraten, wie die Bewahrung der Kaiserkrone für das Reich [und die deutsche Na]tion zu bewerkstelligen ist, und andere Angelegenheiten des Reiches zu regeln. Er wird dann auch die Verhandlungen über seine Bestallung zu einem ihm genehmen Abschluss bringen.

    «Nr. 38 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Oberwesel, 15. Juni 1508 »

    [1.] Vorläufiger Verzicht Ks. Maximilians auf die Dienste Mgf. Friedrichs; [2.] Ankündigung eines Reichstages.

    Nürnberg, StA, Ansbacher Kriegsakten, Nr. 3, fol. 44–44’, 45’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    [1.] Der ksl. Rat und Kammermeister Balthasar Wolf von Wolfsthal hat ihn schriftlich über seine Antwort auf dessen Vortrag informiert. Aus seiner Einwilligung, ungeachtet des Widerspruches seiner Räte aufzubrechen und ihm, dem Ks., und seinen Erblanden zu Hilfe zu eilen, vermerkt er seine Treue gegen ihn und das Haus Österreich, wofür er ihm seinen Dank ausspricht. Als er selbst auf dem Weg in die Erblande war, erreichte ihn in Kreuznach die Nachricht von einem dreijährigen Waffenstillstand zwischen ihm, Venedig und Frankreich. Derzeit sind seine Dienste deshalb nicht vonnöten, er wird sie jedoch zu gegebener Zeit in Anspruch nehmen.

    [2.] Wir werden aber auf des Heiligen Reichs und teutscher nation grosse nottdurft nach gestalt der gegenwurtigen leuf und sachen bewegt, einen gemain Reichs tag auszuschreiben, darauf du ungezweifelt gehorsam erscheinen wirdest. Dort wird er ihn über die Angelegenheiten des Reiches und der ksl. Erblande informieren und auch auf sein vom Kammermeister übermitteltes Anliegen eine Antwort geben, die ihn zweifellos zufriedenstellen wird.

    «Nr. Š39 Ausschreiben des Schwäbischen Bundeshauptmanns Dr. Matthäus Neithart an die Bundesstädte, hier an den Nürnberger Bürgermeister Hieronymus Holzschuher – [Ulm], 17. Juni 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 3), fol. 30–30’ (Or. m. S., sambstags nach Viti; Registraturverm.: Jheronimus Ebner, trinitatis [18.6.]1508.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol. (Or. m. S.; Adressat: BM Ulrich Artzt) = B. Straßburg, AV, AA 353, fol. 19–19’ (Or. m. Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg) = C.

    Seinen Mithauptleuten [Adam von Frundsberg und Wilhelm Güss von Güssenberg] und ihm selbst gingen vom 11. Juni aus Boppard datierende, aus Zeitgründen nicht kopierte Schreiben des Ks.1zu, unter anderem mit der Aufforderung an die Schwäbischen Bundesstände, ihrer Bündnispflicht gegenüber der Gft. Tirol mit einer unverzüglichen und beträchtlichen Hilfeleistung nachzukommen. Gleichgültig, ob sie diese bewilligen oder ablehnen, sollten sie eine gemeinsame Gesandtschaft zu dem Reichstag abordnen, den der Ks. zum 16. Juli nach Worms ausschreiben lasse. Wegen der Hilfeleistung für Tirol solle kurzfristig ein Bundestag nach Ulm einberufen und dem Ks.über dessen Beschluss berichtet werden.

    Aufgrund der Aufforderung durch den Ks. sind die drei Bundeshauptleute übereingekommen, einen Schwäbischen Bundestag nach Ulm auszuschreiben. Die Gesandten sollen sich dort am Abend des 9. Juli (sonntag nach St. Ulrichs tag)in ihren Herbergen einfinden.2[Konflikt zwischen Abt Peter von Irsee und Konrad von Rietheim].

    «Nr. 40 Ks. Maximilian an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Oberwesel, 20. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Waffenstillstands mit Venedig.

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, unfol. (Or. Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    ŠEr hat ihn und andere Reichsstände zum 16. Juli auf den Reichstag nach Worms eingeladen. Daruf verkunden wir deiner lieb hiemit, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halben ein anstand auf ein zeit gemacht ist, deßhalben wir den berurten reichstag, damit du und ander stende dest bas geschickt und gefasst, auch gewißlich darauf kommen mogen, umb zwen monat, das ist auf sant Lorenzen tag nechstkunftig [10.8.], hiemit erstrecken. Er soll sich gemäß dem ksl. Ausschreiben zu diesem Termin einfinden und auch andere Stände informieren, da er selbst die Vertagung in der Eile nicht allgemein verkünden kann.

    «Nr. 41 Abschied zwischen den ksl. Gesandten Ulrich von Hohensax, Hans von Landau und Dr. Hans Schad und den in St. Gallen versammelten Vertretern der Orte Uri, Schwyz und Unterwalden – act. St. Gallen, 24. Juni 1508 »

    [1.] Einberufung eines neuen Reichstages, Romzughilfe; [2.] Einung zwischen Österreich und den drei eidgenössischen Urkantonen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 19–20 (Kop.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/296 (2. Teil), unfol. (Kop.) = B.

    Kurzregest: Gagliardi, Anteil, S. 748 Anm. 179.

    Die eidgenössischen Vertreter nahmen den folgenden Vortrag der ksl. Gesandten zur Berichterstattung an und sagten für den 1. August eine verbindliche Antwort zu.

    [1.] Die ksl. Vertreter bedankten sich für die dem Ks. und der Gft. Tirol zugesagte Hilfe. Der Ks. hat erneut einen Reichstag ausschreiben lassen, als von yetz montag uber vierzehen tag, alda ir Mt. den Ff. und den stenden des Reichs zu erkennen geben, was ir Mt. an solichem irem furgenomen romzug verhindert hab, ungezweyfelt, sy werden den handl notturftiglich, was dem Reich, auch ganzer teutzscher nacion daran gelegen und wo der romzug nit statlich beschehen sollt, das furter ainem yedem teutzschen kayser die kaysercron zu erlangen beschwerlich sein wurd, zu grosser verachtung, gespot, schand und nachtail aller Teutschen, [bedenken,] darum sich ir Mt. gewislich verhafft ainer tapfern hielf von fursten und stenden des Hl. Reichs. Darauf ir Mt. ermanung, bit und beger ist als angelider des Hl. Röm. Reichs, das die dreu lender auf irem zusagen, den romzug zu verhelfen, so ir Mt. den wider furnemen wurde, wollen verharren und sich vor [!] ir Mt. niemants lassen abwenden, als sich ksl. Mt. zu inen in alweg wil versehen und das allezit in allen gnaden gegen inen erkennen.1

    Š[2.] Der Ks. hatte eine Einung der Eidgenossen mit ihm und den Kindern Kg. Philipps vorgeschlagen und dafür eine jährliche Zahlung von 1500 fl. an jeden Ort in Aussicht gestellt.2Die drei Orte haben inzwischen das bestehende Bündnis mit dem frz. Kg. aufgekündigt. Der Ks. bietet ihnen erneut eine Einung mit einer jährlichen Zahlung von 1500 fl. an. Die Entscheidung über die Dauer des Bündnisses – zehn Jahre oder länger – überlässt er ihnen. Falls sich auch andere Orte anschließen wollen, wird er sich sicherlich mit ihnen einigen. Für ihr Wohlwollen will er den drei Orten jeweils 300 fl. bezahlen.3

    «Nr. 42 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Boppard, 26. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 10–10’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; präs. Frankfurt, in VIa Petri et Pauli [29.6.]1508) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 104, fol. 356–356’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. G. Vogt) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; Ausstellungsdatum fehlt). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie B). München, HStA, Gemeiners Nachlass 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie B).1 Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 4), fol. 29 (wie B).2

    ŠRegest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 941, S. 746.

    Teilt allen Reichsständen mit, dass er den auf den 16. Juli (Eustachi)anberaumten und im Postskript des Ausschreibens auf den 10. August (Laurency)verschobenen Wormser Reichstag unser merklichen hendl und sachen, derhalben uns bestimbter Reichs tag abermals zu kurz fallen will,erneut zurückgestellt hat, so lang, bis wir unser und des Reichs notdurft weiter bedenken. Er schreibt ihnen dies, damit sie erst nach Eingang eines weiteren Ausschreibens zum Reichstag aufbrechen. Befiehlt, auch andere Stände darüber in Kenntnis zu setzen, dann wir nit stat haben, das ainem yeden in sonderhait zu verkünden.3

    «Nr. 43 Die Nürnberger Hh.Älteren Anton Tucher und Anton Tetzel an Kf. Friedrich von Sachsen – Nürnberg 8. Juli 1508 »

    [1.] Treffen des Ks. mit Lgf. Wilhelm von Hessen; beabsichtigte Einberufung eines neuen Reichstages; [2.] außenpolitische Planungen des Ks.; [3.] Verzicht des Ks. auf die Zwangsanleihe bei Bf. Lorenz von Würzburg; Ausgleich Hessens mit Gf. Ludwig von Löwenstein.

    Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 61, fol. 238’–240 (Kop., samstag nach Udalrici).

    Druck: Westphal, Korrespondenz, Nr. 103, S. 312f.

    [1.] […]. Lgf. Wilhelm von Hessen war beim Kg.(koniglicher majestet)in Boppard. Dieser veranstaltete dort für den Lgf. und seine Gemahlin [Lgfin. Anna] am 3. Juli ein dreistündiges Bankett, nachdem er ihnen von seiner Unterkunft aus bis zu ihrem Schiff entgegengezogen war. Eine vertrauliche Unterredung fand nicht statt. Nach dem Bankett hielt der Bf. von Gurk in Gegenwart des Ebf. von Trier sowie ksl. und hessischer Räte eine Rede: Der Ks. habe die Ankunft des Lgf. mit Freude erwartet, um ihre alte Freundschaft und guten Beziehungen zu erneuern. Der Ks. habe zwar den anberaumten Reichstag wegen des Waffenstillstands mit Frankreich und Venedig abgekündigt, wolle jedoch einen neuen Reichstag ausschreiben und wünsche die persönliche Teilnahme des Lgf. daran. Dieser ließ durch seinen Kanzler ŠDr. Engellender antworten, dass er dem nachkommen wolle, sofern sein gesundheitlicher Zustand es erlaube.

    [2.] Der Ks. hält sich noch in Boppard auf, wird aber in acht oder vierzehn Tagen zur Eroberung Gelderns ausziehen. Anschließend will er noch einmal mit dem englischen Kg. verhandeln. Hat er England auf seiner Seite, hofft der Ks., als nächster Erbe zu gegebener Zeit auch das Kgr. Neapel zu bekommen. Item sein majestet wirdet sich auch im ende mit dem konig von Frankreich in verainigung und vertrag geben, dem ytzo soll ein maß gesetzt sein, wiewol noch unvolzogen. Und die churfursten und fursten willigen darin oder nit, so ir kaiserliche majestet inen uf kunftigem reichstag solchs furhalten wirdet, nichtzit destermynder sol es dannocht zum ende raichen. Wo aber nit, alßdann vermaint sein majestat, die hilf des konigreichs von Engelland wider Frankreich und die Venediger oder, wo Frankreich mit irer majestet in vertrag kompt, allein wider Venedig zu geprauchen. Der Kardinal ist zu Ehgin. Margarethe in die Niederlande gereist. Angeblich hat sie nach anfänglicher Weigerung die Entscheidung über die Annahme der Heiratswerbung des englischen Kg. dem Ks.überlassen.

    [3.] Der Ks. hat dem Bf. von Würzburg die Anleihe über 25 000 fl. erlassen. Stattdessen lässt er mit ihm über ein einjähriges Darlehen in Höhe von 5000 fl. oder wenigstens 3000 fl. verhandeln. Lgf. Wilhelm hat Gf. Ludwig von Löwenstein mit dessen [im Landshuter Erbfolgekrieg] eroberten Besitzungen belehnt. Der Gf. ist inzwischen einer der wichtigsten hessischen Räte.1Mit Unterstützung des Lgf. hat er auch mit dem Hg. von Württemberg über die Rückgabe seiner Verluste verhandelt. Dieser ist für seine Person zu dessen vollständiger Restitution bereit, was jedoch von den Landständen abgelehnt wird.2

    «Nr. 44 Zweites Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 14. Juli 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den ksl. Romzug; [2.] Abwehrkampf Tirols, Verweigerung von Hilfe durch den Schwäbischen Bund und die in Mainz versammelten Reichsfürsten; [3.] Auflösung der ksl. Partei in Italien; [4.] Ausschreiben eines Reichstages nach Worms; [5.] Abschluss eines Waffenstillstands mit Venedig; [6.] Notwendigkeit von Beratungen über Krieg und Frieden; [7.] Verschiebung des Termins für den Reichstag; [8.] Aufforderung zur Teilnahme daran zu Beratungen über Krieg und Frieden; [9.] Ankündigung eines ksl. Feldzugs in Geldern; [10.] französische Unterstützung für Karl von Egmond, Bedrohung der burgundischen Erblande.

    ŠDresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 1 (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt; Anrede, Ausstellungsort und Monatstag des Ausstellungsdatums handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 141, Nr. 45, unfol. (wie A; Verm.: P[raese]nt[atum] durch ain jungen ksl. edelman am samstag Sebaldi, 19. Augusti 1508.) = B. München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 100–100’ (wie A; Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 11–11’ (wie A, besch. S. auf der Rückseite; Präsentatverm.: Durch kayserlicher Mt. boten eingebracht am donerstag noch assumpcionis Marie [17.8.] anno etc. XVC octavo; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Bf. N. [= Dietrich] von Lebus). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 10 (wie A; Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A). Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 11–11’, Nr. 4 (wie A; Präsentatverm.: Praesentatum per Hansen, Adam Lowers eidem von Menz, uf mentag nach Sixti [7.8.] anno XVCachten. Sagt, im habs ein ksl. bot zu Menz geben.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 11–11’ (wie A, Siegelspuren; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, montags nach assumcionis Marie [21.8.]). München, HStA, Hst. Freising, K. blau 221/6, unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Bf. Philipp von Freising. Präsentatverm.: Presentate in absencia r[everendissim]i in Haydelberg, 14. Augusti 1508.). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 661e, fol. 1–1’ (wie A; Präsentatverm.: Freitag nach Steffani pape[4.8.]1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 2–2’ (wie A; Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg). Stuttgart, HStA, B 515 III, fol. 355–355’ (wie A, beschädigtes S.; Adressat: Abt N. [= Hartmann] von Weingarten). Wiesbaden, HStA, Abt. 131 Nassau-Usingen Akten, IV a, Nr. 21a (wie A, Siegelrest; Adressat: Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken; Präsentatverm.: Donnerstags nach decollacionis Johannis [31.8.]).1

    Druck: Datt, Volumen, S. 571f., 574–576.

    Kurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 942, S. 746.

    [1.] WJr, Maximilian, von gottes gnaden Erwelter Roͤmischer kayser, zuͦ allen zeyten merer des Reichs, in Germanien, zuͦ Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Künig, Ertzhertzog zuͦ Osterreich, Hertzog zuͦ Burgundi, zuͦ Brabant etc. vnd pfaltzgraue etc. Empieten adem hohgebornen Jorigen, herzogen zu Sachsen, Šlandgrafen in Duringen und margrafen in Meyssen, unserm lieben oheim und fursten und ewigen gubernator der Friesland unser gnad und alles gut. Hohgeborner, lieber oheim und furst–a, Wir haben dirb und andern Stenden des heiligen Reichs hieuor zum tayl erzelt [Nr. 36], zusampt dem sunst meniglich wissen mag die gewaltig, hohmüetig widerwertigkait, anfechtung vnd jrrung, so vns vnd dem heiligen Reich von den Venedigern mit hilff vnd beystandt der Frantzosen, auch ainer anzal Aydgenossen, die jnen derselben zeyt zuͦgezogen, an vnsern fürnemen des Romtzugs zu erlangen kaiserlich croͤnung auff den abschidt zuͦ Costentz begegnet sein. Vnd des zuͦ merer vnderricht geben wir dir zu erkennen: Als wir vns soͤlchs Romtzugs vnderstanden, haben wir denselben dannocht dergestalt fürnemen woͤllen, das wir, auch Churfürsten, Fürsten, Grauen, Herren, die vom Adel vnd ander treffenlich leüt zuͦ Roß vnd fuͦeß, dero vil mit vnns gezogen, für vnser personen gesichert wern, jn bedacht, wo die Venediger vnd Frantzosen als vnser aller natürlich veind vnns vnd vnnser geselschaft vntrewlich gemaynt vnd begriffen, das sy dardurch alle teütsche nacion zuͦsampt Jtalien zuͦ jrem willen vnd gehorsam erlangen vnd dringen mügen hetten. Wiewol wir nu von den Venedigern, als wir gen Triendt kommen, souil getroͤst sein, wann sy vnsern ernst, die Kayserlich cron zu erlangen, [ge]sehen, das sy sich gepürlich gegen vns halten wollten: So haben sy vnns doch, alspald vnnser vnnd des Reichs kriegsuolck im antzug gen Triendt geweßt ist, all ir Clawsen vnnd pass gespert vnd vnns die, über das wir vnns gegen jnen erpotten, nit mer dann mit zwaytausent pferden vnd viertausenten zuͦ fuͦess sampt ainem streytgeschütz, als ungeferlich zwoͤlff schlangen, fridlich durchzuziehen, gewaltiglich vnd hochmüetigklich vorgehalten. Darauff wir bedacht haben, jre Clawsen zuͦ vmbgeen, die gepirg angetzogen, des willens, vnsern zug darüber zuͦ nemen; derselben auch etliche erlangt, die gepirgleüt gehuldigt, doch nit zuͦ vnnser ewigen gehorsam, sonder allayn in ayner gstalt, das wir vnd die vnsern zuͦ vnserm durchzug gegen jnen gesichert wern, mit vorbehalt den Venedigern alle ir gerechtigkeit. Das sy aber auch nit gedulden woͤllen, die vnsern an aynem ort des gepirgs, genant in kodober, mit heeres crafft überfallen2, darnach vnser erbliche Lannd an zwayen orten angegriffen vnd also ain gewaltigen krieg angefangen. Jn dem sich der Frantzosen hauptleüt mit ainer treffenlichen anzal zuͦ Ross vnd den obgedachten Aydgenossen zuͦ jnen gethan, damit sich ir macht, als vnser kundtschafft gelaut, von fünfftzig- biß in Šsechtzigtausent sold zuͦ besetzung irer Land vnnd zuͦ dem angriff überal geloffen hat.

    [2.] Als wir nuͦn soͤlch der Venediger, Frantzosen vnnd irer helffer macht vnd anfechtung so mercklich vnnd groß vernomen vnnd dagegen vnnser vnd des Reichs kriegßvolck so in klayner anzal gesehen, haben wir vnns herauß von vnnserer Grafschafft Tirol gethan, der maynung vnd hoffnung, die stennd des heiligen Reichs vnd vnnsers loͤblichen pundts zuͦ Swaben zuͦ merer vnnd ernstlicher hilff zu bewegen. Daneben auch des gemüets, vnnsern lieben oͤheim vnnd Fürsten [Rudolf] von anhalt mit andern vnnsern dienstleüten, die wir bißher gegen vnserm Lannd von Gheldern ligen gehabt, abtzuͦnemen, doch die Ghelderischen nicht destmynder in ander weg zu besetzen vnd anzufechten, vnns darzuͦ mit merer hilff zu stercken vnd dem künig zuͦ Franckreich sein practica, so er gegen den Lendern vnd Stetten Lüttich, Vtricht vnd Trier, vnns vnd dem hailigen Reych zuͦ abpruch vnd nachteyl vnnd den Ghelderischen zuͦ sterckung vnd hilff fürgenomen het, zuͦ brechen vnd zuͦ wenden.

    Aber über vil vnser hoh ansuͦchen vnd ermanen haben wir die Stend des reichs noch vnsers pundts zuͦ Swaben so pald nit auffpringen mügen, dann das jr ain tail soͤlch vnser ansuͦchen auff ainen gemaynen Reichs tag gewegert.3 Dess vnser grafschafft Tirol vnd andere vnser erbliche Land, an den veinden gelegen, bißher seer entgelten müessen.4 Welche vnsere Land wir doch anfengklich gegen der Venediger vnd Frantzosen, auch irer helffer anfechtung vnd irrung von des Reichs wegen in den krieg bewegt vnnd vermügt, die sich auch also nit allayn von irn wegen, sich vor den veinden zuͦ entschütten vnd zuͦ behalten, sonder auch für das Reich vnd teütsche nacion, die nach jnen vor überfall vnnd beschwerung zuͦ uerhüten, mit der gegenwer an leib vnd guͦt jrem vermügen nach tapffer vnnd Erlich angegriffen vnnd gemüet, wyewol soͤlch jr weer, müe vnd darlegen gegen den zwayerlay gewalten Venedig vnd Frantzosen mit jrn helffern, als wol abzuͦnemen ist, wenig erschiessen noch fürtragen mügen haben, dann das sy mitsampt vns in vnleidenlichen costen gefüert vnd gewachsen, vns auch etwevil güeter befestigung vnnd stück vnserer Land abgedrungen sein.

    [3.] Wir hetten auch auff vnsern abschidt zuͦ Costentz vnsern vnd des Reichs fürnemen zuͦ guͦt den maysten tayl aller Fürsten vnd Comun in Jtalien durch vnser fleissig vbung vnnd handlung dermassen beworben, das wir vnns grosser irer hilff vnd fürderung an Leüten vnd gelt versehen vnd darauff so vil vnd mer als auff vnser vnd des Reichs macht, damit wir gefaßt geweßt sein, gehofft Vnd deßhalben zuͦ vnsern fürnemen des Romtzugs dest leichter vnd trostlicher gegriffen. Als sy aber gemerckt haben, vnns von dem Reich so mit klayner macht Šfürsehen, dartzuͦ in eyl, als not gewest wer, nyendert merer hilff zu erlangen vnd vnsere Land vnd leüt also allain in beschwerden verlassen5, auch die veind, so in grosser rüstigung vnd glück gegen jnen sein, alle menschen in Jtalien an vns geergert, die Roͤmer wider vnns gezogen, deßgleichen die Dalmacianer, die doch solchs vnbillich thuͦen, in ansehung, das all jr hail vnd auffenthalt gegen den Türcken auff aynem Roͤmischen kayser vnd den teütschen steet, Auch über das sy vnser als ayns künigs zuͦ hungern recht, natürlich vndersessen sein. Daneben sich doch die Krabaten eerlich vnd wol gehalten, das wir vnd das Reich jnen zuͦ eren vnd danck billich nit vergessen soͤllen. Damit vns gar nach nyemand in gantz Jtalien sein zuͦsagen vnd vertroͤsten gehalten. Soͤlchs alles vns den maysten schaden gethan hat, mer dann der Venediger geporn kriegßuolck, das ausserhalb der stat Venedig auch dem Reich verwandt ist; doch damit nit gemaynt, die in Venedig gesessen sein vnd on vnderlaß alayn jrer hoffart vnnd handtwerchen außwarten.

    [4.] Auff das alles haben wir hieuor den Stenden des heiligen Reichs mit ertzelung mer des Reichs vnd teütscher nacion notturfft vnd sorgfeltigkait dann vnserer erbland obligen vnd beschwerung ainen eylenden Reichs tag auff sant Eustachius, den sechtzehenden tag Julii, yetzkünfftig gen Wormbs außgeschriben [Nr. 36], in hoffnung, hilff, Rat vnd trost bey jnen zu erlangen. Dess aber vnsere erbland vnd leüt aus stedter, gewaltiger kriegs übung der veind vnd jrer clainen macht nit erwarten noch den schweren, unseglichen costen vnd last, so sy lang gelitten, fürter ertragen mügen haben in sorgen merer verlursst [!] vnd abfal. Vnd wo sy gleich in jrer gegenwer verhart, das sy doch in die leng nit besteen, dardurch die veind mit jrm schwern gewalt weytern eyntzug vnd porten6 des heyligen Reichs vnnd teütscher nacion erlangen vnd gewynnen mügen hetten; wie hart sy nachmaln widerumb dauon zu treiben gewesst vnd was sorgen dem heiligen Reich vnd Teütscher nacion darauff gestanden wer, ist wol zuͦ ermessen.

    [5.] Darumb dann not geweßt, vnserer fürnemen von des reichs wegen vnd der veind anfechtung vnd kriegs vbung halben Treügam oder ayn Bestandt eintzuͦgeen. Der auch gemacht vnd auff drew jar gestelt7, wiewol sich dannocht nit gantz darauff zuͦ uerlassen, sonder zu bedencken vnd auffzusehen ist, die gemelten walhen als vnser vnd des Reichs ewig veind, die vns teütschen alweg gott vnd vnser Eer, der wir vns gebrauchen, beuor geben vnd vndersteen vns dannocht mit jrem gold zu überlissten oder zuͦ uerraten, moͤchten den bestandt zuͦ jrem vortayl über kurtz oder lang prechen, wie von vil jarn her jr gewonheit wewesst [!] vnd noch ist.

    Š[6.] Darauff nu vnser vnd des heiligen Reichs notturft, Eer vnd wolfart erfordert, zuͦ bedencken, zu erwegen vnd zuͦ entschliessen, was vns yetzo mitler zeyt des bestands zuͦ einer erlichen Rachtigung oder nach ausgang des bestands vnd, wo die veind den prechen würden, in zeyt desselben zuͦ weyterm krieg zuͦ handlen vnd fürzuͦnemen, wess sich auch in all weg gegen den veinden zuͦ uersehen vnd wie vnns allen einzuͦsehen sey, damit wir vnd Teütsche nacion nit so gewalt[i]gklich, hohmüetigklich vnd boͤßlich an vnsern eeren vnd wirden kayserlicher cron, die doch vnser vorfordern vor vil jaren mit schwerer not vnd müe Ritterlich vnd strenngklich erobert vnd bis auff dise vnser zeit loblich herbracht haben, gehindert, dauon getriben vnd zuͦletst derselben gar entsetzt werden, vnns allen vnd vnsern nachkommen zuͦ ewiger schmach, nachred, auch vnleydenlicher beschwerung, seruitut vnd trübsal.

    Dann zu besorgen vnd sich gewiss zuͦ uersehen ist, wo die keyserlich cron (darvnder auch ytalien zuͦ uersteen) verloren, das darnach der krieg vnd parthey in tütsche nacion wachßen würd, wie bey zeyten weylendt vnsers Schwehers hertzog Karls von Burgundi durch den krieg vor Newss (als noch in menschen gedechtnüß ist) schier beschehen wer, welches Hertzog Karls macht doch nit den zehenden tayl geweßt, als die macht der Venediger, Frantzosen vnd aller walhen, auch aydgenossen vnserer widerparthey yetzo ist, die jnen das hailig Reich zuͦ incorporiern vndersteen; aus was vrsachen, sein on not hierynn weyter zuͦ melden. Wir haben soͤllichs vor offt wol auff syben Reichßtagen ertzelt, wiewol das layder nyemand zuͦ hertzen geen will.

    [7.] Dieweil wir dann ermessen, das soͤlchs also notturftigklich vnd mit guͦtem Rat zuͦ bedencken vnd fürzuͦnemen ayner zeyt bedürffen, Deßhalben vns der vor angezaygt Reichßtag zuͦ kurtz fallen will, So erstrecken vnnd erlengern wir denselben Reichßtag, setzen vnnd bestymmen den von newem hiemit auff Allerheyligen, das ist der Erst tag des monats Nouembris, nechstkünfftig gen Wormbs an Reyn; und stellen den so lanng aus der vrsach, Mittler zeyt durch die vnnsern zuͦ erkunden, was vnserer veind maynung auff den sig, so sy diß jars gegen vnns vnd den vnsern gehabt haben, seyn Vnd wie sy weyter fürnemen werden, sonderlich gegen den, die vnnser parthey sein vnd vnnser kayserlich croͤnung jm hertzen gern gesehen hetten, Sich aber mit jrer hilff vor der veind grossen macht nit mercken lassen türren8; dann wir guͦet wissen haben, was nu vnser vnd des Reichs veind an dieselben vnserer parthey begern, das sy soͤlchs füran on widerred thuͦn werden müessen.

    [8.] Dem allem nach Ermanen wir dich aus notturfften vnd obligen des Heiligen Reichs vnd teütscher nacion bey den pflichten, damit du vns vnd dem Reich verwandt bist, aus Roͤmischer kayserlicher macht ernstlich gepietend vnd woͤllen, das du soͤlch obangetzaygt des hailigen Reichs vnd Teütscher nacion obligen vnd notturfft getrewlich für dich nemest, aygentlich erwegest Švnd betrachtest Vnd darauff wolbedacht vnd gefaßt selbs Persondlichc auf dem bestymbten Reichßtag Allerheilgen tag zuͦ Wormbs erscheynest vnd dich daran [durch] kainerlay aygen sachen jrren noch verhindern, sonder dir des heiligen Reichs vnd teütscher Nacion notturfften als den gemeynen nutz für das genoͤttigist getrewlich bevolhen sein lassest dvnnd also mit kayner vrsach dann alleyn aus vnuermügen von gotts gewalt aussen pleybest.9 Vnd ob du derselben vnd sunst kayner andern jrrung halben ye nit erscheynen moͤchtest, Alßdann yemand von deinen wegen schickest, darbey deins vnuermügens glauplich anzaygen thüest–d, Mit volkomner gewaltsam, mit vns oder, wo wir kriegß halben, darynn wir yetz mit den ghelderischen seyn, jm anfang nit erscheynen moͤchten, doch mit vnsern treffenlichen Reten vnnd andern Stenden vnnser vnd des heiligen Reichs vnnd Teütscher nacion notturfft vnnd obligen, darzuͦ künfftig sorgfaltigkeyt vnnd beschwerung vnd sonderlich, wie vnns zuͦ ayner Rachtigung oder weyterm krieg auff obangezeygt maynung zuͦ greyffen vnd fürzuͦnemen sey, zuͦ Ratschlagen, zuͦ hanndlen vnd on hinder sich pringen entlich zuͦ schliessen, Damit doch die kayserlich Cron mitsampt Jtalien darzuͦgehoͤrend erlangt vnd behalten vnd nit also schmechlich vnd weerloß verlassen. Wir auch (für das mynnßt) der stück vnd befestigungen, so vnns von des heiligen Reichs wegen entzogen seyn (geschwigen des mercklichen costen, den wir vnsers Camerguͦets mitsampt vnsern Erblanden datzwischen gelitten haben), von den veinden habhafft vnd ergoͤtzt vnd dieselben dem heiligen Reich vnd teütscher Nacion zuͦ merer behuͦt gegen vnsern veinden, Cristen vnd vnglaubigen, widerumb in vnnser gehorsam gepracht werden. Auch hierynn auff ander nit wegerest noch vertziehest, sonder dich so gehorsam, guͦtwillig vnnd fürderlich beweisest, damit wir all zuͦ gleichermassen ankumen, die handlung aynhellig anfahen vnd also loblich vnd getrewlich schliessen vnd volennden mügen. Darauff woͤllen wir vns verlassen. Vnnd du thuͦest daran zuͦsampt schuldiger pflicht vnnser ernnstliche maynung vnnd gefallen; dann du erscheynest also oder nit, nicht destmynder, was durch ander gegenwürtig Churfürsten, Fürsten vnnd Stennd gehandelt vnnd beschlossen wirdet, Sol durch dich vnd ander Abwesend zuͦ voltziehen vnd außzuͦrichten auch geholffen werden.

    [9.] So nu vnnser fürnemen des Romzugs auff dißmal aus obberürten jrrungen vnnd vrsachen über vnsern getrewen fleyß, willen, auch darstrecken vnd verkümbern vnserer Land, Leyb vnd güeter ye nit vonstatt geen noch volzug Šhaben mag, So seind wir willens, damit wir doch mitler zeyt des Bestands vnd bis auff den Reichßtag nit feyrn, vns vmb das landt Gheldern als des heilgen Reichs aygenthumbe vnd vnnser recht Erblehen anzuͦnemen, jn hoffnung, dasselb (als yetzo mer dann vor ye müglich geweßt ist) zuͦ erobern. Dardurch vnser Nyderburgundische land, die dann gegen den ghelderischen (nachdem sy der künig zuͦ Franckreich on vnderlaß mit hilff an leüten vnnd gelt vnderhelt) in steten kriegen, beschwerden vnd vncosten steen müssen, in ruͦe vnd frid zu setzen, auff das, ob vnnser vnnd des Reichs fürnemen auff berürtem Reichßtag nit zuͦ Rachtigung, sonder zuͦ weyterm krieg raichen würden, das alßdann vnser Niderburgundische lannd vnnsers beywesens geraten, dest rüewiger vnd fridlicher sitzen vnd vnns zuͦ vnsern vnd des Reichs fürnemen souil dest tapfferer hilff vnnd fürdrung thuͦn mügen. Als wir auch, wo sy des ghelderischen kriegs enthebt vnnd ledig, verhoffen vnd von jnen wol getroͤst seyn. Das alles wolten wir dir auch nit verhalten. Geben in vnnser vnd des heiligen Reichß statt Collene, am vierzehendenf tag des Monats Julii Anno domini etc. fünfftzehenhundert vnd jm achten, vnserer Reiche, des Roͤmischen jm drewundzwayntzigisten vnd des Hungerischen jm Newntzehenden jarn.

    [10.] Als wir disen druck vertigen lassen, sein wir warlich bericht, das der künig von Franckreich den Basthart von Gheldern10 mit ainer grossen antzal Cronen Karln von Egmond, der sich nennet hertzog zuͦ Gheldern, zuͦ behelff geschickt hat, Damit nu derselb von Egmond vnd die Ghelderischen die Landßknecht, dero yetz nach dem Bestand des kriegs oben vil herabreysen, bestellen vnd an sich kauffen, zuͦsambt den, die vor daniden auff Holand kriegen vnd durch den hochgepornen Ruͦedolffen, Fürsten zuͦ Anhalt, Grauen zu Ascanien, vnsern lieben oͤheim, fürsten vnd Rat, behawrt11 vnd belegert sein, in hoffnung, Sy zuͦ gewinnen vnd zuͦ straffen. Dartzu schickt der künig von Franckreich Drey seiner oͤbristen Hauptleüt aus Franckreich herdißhalb des gepirgs mit vil tausenten zuͦ ross vnd fuͦess den Ghelderischen zuͦ hilff, Mit beuelch, vnnser vnd vnnserer iungen Enicklen Niderburgundische erblannd, nemlich die dem heiligen Reich vnd teütscher nacion auch verwandt sein, vnd sonderlich die Landtschafft, die jüngst der Frantzosen tausent pferd in Šdergleichen irn vnpillichen fürnemen geschlagen vnd nidergelegt haben12, anzuͦgreiffen, dieselben drey Frantzoͤsischen haubtleüt Sich auch yetzo besamblt haben vnd mit püxen, Laytern, wagen vnd anderm gezewg, so zum krieg dient, wider die gedachte vnnsere lannd vnd leüt offenpar rüssten. Darauff wir vnns mit vnnser person erheben vnnd ziehen bemeltem vnserm Fürsten von Anhalt vnnd vnsern Lannden vnd leüten zuͦ trost vnd hilf. Jtalia ist nu, wie du wissen magst. So steet es vmb oͤsterreich, wie du siechst. Yetz geet es an vnnser vnd vnserer Enicklen hawß Burgundi. Wellen du vnd ander Sich darab nit exempln13; was eüch daraus zuͦ gewarten vnd zuͦ sorgen ist, geben wir eüch zuͦ ermessen. Soͤlchs verkünden wir dir darumb, das du von dem tag zuͦ Wormbs nit aussen pleibest, Sunder denselben, zuͦ schetzen, als peremptorie14 suechest. Dann wir gedencken, wir mit allen den vnnsern, die aller teütschen Eer zuͦ retten vndersteen werden, derselben zeit in grossen beschwerden sein.

    «Nr. 45 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände (Beilage zum Reichstagsausschreiben) – Köln, 15. Juli 1508 »

    Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 346, fol. 41 (Or. Druck, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 12–12’ (wie A; Präsentatumverm.: Per Hansen Adam, Lowers Adam eiden von Menz, montag nach Sixti [7.8.] anno XVC acht. Und sagt, ime hab die eyn ksl. bot zu Me[nz] geben.) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 12–12’ (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 2411, fol. 1–1’ (wie A, S. auf der Rückseite). Duisburg, NRW LA, Kleve-Mark, Akten, Nr. 4479, fol. 2 (wie A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A) München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, unfol. (wie A). Wertheim, StA, G-Rep. 19/XII, Nr. 138 (wie A).1

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 943, S. 746f.

    [1.] Nach Ausfertigung des Ausschreibens [Nr. 44] wurden bei einem frz. Boten Briefe seines Kg. an die zur Unterstützung Gelderns gegen Niederburgund ausgeŠsandten Hauptleute2gefunden. Darin informiert er sie über den Waffenstillstand mit ihm, dem Ks., der aber nicht die niederburgundischen Lande einschließe. Er sei deshalb entschlossen, Karl von Geldern Hilfe zu leisten. Der frz. Kg. begründet dies mit ihrem freundschaftlichen Verhältnis und ignoriert gleichzeitig die ungleich engere Verbundenheit mit ihm, dem Ks., und seinen Enkeln ebenso wie die Rechte des Hl. Reiches und des Hauses Habsburg am Hm. Geldern, mit dem seinerzeit sein Vater Ks. Friedrich seinen Schwiegervater Hg. Karl von Burgund belehnt hatte.3Der frz. Kg. verschweigt auch, dass der Waffenstillstand für ihn, den Ks., und seine Enkel mit allen ihren Untertanen gilt. Er bemäntelt dies mit dem Argument, dass es bei den Verhandlungen nicht seine Absicht gewesen sei, Niederburgund mit einzubeziehen. Vielmehr sei er durch die Venezianer dazu genötigt worden und deshalb nicht verpflichtet, den Waffenstillstand einzuhalten.

    Die frz. Hauptleute und Truppen bereiten sich unter Missachtung des Waffenstillstands vor, nicht nur die Geldrer zu unterstützen, sondern darüber hinaus Niederburgund anzugreifen und entweder zu verwüsten oder zu unterwerfen. Er wird versuchen, sich diesen Plänen entgegenzustellen und das Land zu retten. Er ist somit genötigt, den Waffenstillstand zu verletzen. Da die Franzosen diesen so leichtfertig brechen, muss er seinerseits Widerstand leisten.

    «Nr. 46 Instruktion Ks. Maximilians für den Hauptmann des niederösterreichischen Regiments, Wolfgang von Polheim, sowie für seine Räte Gf. Nikolaus von Salm, Sigmund von Liechtenstein, Dr. Johann Schneitpeck und Dr. Wilhelm von Reichenbach als Gesandte zu den niederösterreichischen Landständen, hier zum unterderennsischen Landtag in Krems – Den Haag, 27. August 1508 »

    [1.] Rechtfertigung des Venezianerkrieges; [2.] Begründung für die Abwesenheit Ks. Maximilians von den österreichischen Erblanden; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Vorkehrungen für einen künftigen Krieg mit Venedig; [5.] Teilnahme der niederösterreichischen Landstände am Wormser Reichstag; [6.] weitere Beratungspunkte für den Landtag.

    St. Pölten, NÖLA, Landtagshandlungen, Kart. 1, Fasz. mit der Aufschr.: Landtag der niederösterr. vier Stände zu Krems, den 29.9.1508, fol. 6’–16’ (besch. Kop. mit imit. Vermm. prps./cdip. und Gegenz. G. Vogt.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 21–36’ (spätere Kop.) = B.1

    Š[1.] Nach Übergabe ihres Kredenzbriefs2sollen die Gesandten die Stände an frühere Darlegungen über den Krieg gegen die Venezianer und ihre Verbündeten, Franzosen, Eidgenossen und andere Nationen, erinnern, die Kürze der Zeit halber nicht noch einmal wiederholt werden sollen. Doch ist zum besseren Verständnis seines Anliegens auf Folgendes hinzuweisen: Den Ständen ist sicherlich bekannt, dass die auf dem Konstanzer Reichstag versammelten Reichsstände zwar eine Hilfe für den Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde bewilligt haben, jedoch nur ein kleiner Teil davon geleistet wurde. Um von seiner Seite nichts zu versäumen, hat er dennoch mit diesen geringen Mitteln den Romzug angetreten. Somit könnten ihm die Reichsstände nicht vorhalten, er hätte ihre Hilfe für eigene Zwecke verwendet und die Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse unterlassen. Die Schuld für das Scheitern, die wir yetzo mit grunt auf die stend des Reichs legen mugen, wäre sonst ihm angelastet worden. In Erwägung dieser und anderer Umstände, keineswegs aus Leichtfertigkeit, musste er sich in den für ihn unerwarteten Krieg mit Venezianern, Franzosen und Eidgenossen einlassen, die unter dem ohnehin unbilligen Vorwand, seinen Romzug zu verhindern, nichts weniger als die Unterwerfung seiner Erblande beabsichtigen. Die daraus entstandene Kriegslast für die Erblande und insbesondere für das Karst, für Istrien (Ysterreich), Friaul, Krain und Kärnten und die erlittenen Verluste bedauert er und versichert, dass es zu keinem Zeitpunkt seine Absicht war, die Erblande leichtfertig in einen Krieg zu führen. Er ist vielmehr bestrebt, für sie den Frieden zu bewahren und ihren Wohlstand zu fördern. Doch wie es sprichwörtlich heißt, kann man nur so lange in Frieden leben, wie der Nachbar dies zulässt. Manchmal ist Krieg unvermeidlich. In diesem Fall verhielt es sich jedoch so, dass er und seine Erblande ohne eigenes Verschulden wegen des Reiches in diesen Krieg geraten sind. Bedankt sich für ihre Entscheidung, für andere ksl. Länder ins Feld zu ziehen, und für ihre Solidarität mit ihm und seinen Ländern Krain und Kärnten angesichts ihrer Verluste. Nun gilt es gemeinsam zu beraten, wie die verlorengegangenen Gebiete zurückerobert und künftige Einbußen vermieden werden können.

    [2.] Er hat die Stände teilweise früher schon darauf hingewiesen, dass er angesichts der Stärke der Feinde, der geringen Hilfe des Reiches, dem Ausbleiben anderweitig erhoffter Unterstützung und der Unmöglichkeit, den Krieg allein auf die Erblande gestützt fortzusetzen, im Reich und beim Schwäbischen Bund um Hilfe geworben hat, die uns doch so eylend, als die notdurft erfordert, nicht gedeihen hat mugen. Hingegen konnte er die gegen das Reich und die burgundischen Erblande seiner Enkel gerichteten feindseligen Absichten des frz. Kg. durch seine Anwesenheit dort unterlaufen. Gestützt auf Geldzusagen Englands und der burgundischen Erblande sowie in Erwartung der Hilfe des Reiches und des Schwäbischen Bundes Šplante er, die österreichischen Länder bei Fortdauer des Krieges mit Truppen und Geld zu unterstützen und gleichzeitig, nicht zuletzt auch zu ihrer Entlastung, ein Heer gegen Frankreich aufzustellen. Nichtsdestotrotz hätte er sich nach erfolgter Stabilisierung der Lage in den burgundischen Erblanden auch persönlich in die österreichischen Erblande begeben und sie keinesfalls im Stich gelassen. Wäre er sofort nach den Absagen des Reiches und des Schwäbischen Bundes nach Österreich zurückgekehrt, hätte er dort wenig ausrichten können und doch zugleich auf das hier in Aussicht gestellte Geld verzichten müssen, überdies die burgundischen Erblande in großer Sorge zurückgelassen. Dennoch hatte er sich angesichts ihrer Notlage auf den Weg gemacht und war bereits im Begriff, Truppen anzuwerben. Doch sahen sich die österreichischen Erblande und insbesondere die Gft. Tirol veranlasst, mit dem Feind einen Waffenstillstand zu schließen. Als er davon erfuhr, hielt er seine Anwesenheit dort nicht länger für erforderlich, sondern wandte sich wieder den burgundischen Erblanden zu, um sich dort der Zahlungen Englands und der Stände zu versichern. Da er die Zeit des Waffenstillstands nutzen wollte und einen leichten Sieg erwartete, beschloss er, das ihm als Erblehen zustehende Land Geldern zu erobern und somit die Gefährdung seiner Erblande durch diesen Unruheherd wie auch durch die Franzosen zu beenden. Dies wäre die Voraussetzung, um nach dem Auslaufen des Waffenstillstands oder im Falle seines Bruches durch die Gegenseite die Unterstützung der Niederlande zur Rückgewinnung der Verluste und vielleicht sogar zu weiteren Eroberungen zu erhalten. Er ist deshalb außerstande, persönlich auf dem Landtag zu erscheinen, und bittet, seine Gesandten wie ihn selbst aufzunehmen.

    [3.] Er hat außerdem nicht nur im Interesse des Reiches, sondern auch der Erblande auf Allerheiligen [1.11.] einen Reichstag nach Worms ausgeschrieben und ist zuversichtlich, dass die Reichsstände vollzählig daran teilnehmen werden. Die Situation der Häuser Österreich und Burgund ist derzeit so, dass sie auf sich gestellt wenig vermögen. Zugleich erwartet er auch vom Reich wenig, wenn es diese nicht ernsthafter unterstützen will als bisher. Seine ganze Hoffnung ruht auf seinen Erblanden. Dann wo sy u[ns] absteen, also das sy sich nicht mit tapferkait und ernst umb die sachn annemen, wurden die stend des Reichs darab geursacht, auch dest leichtfertiger und slechter darzuzutun, und herwiderumben, wo sy unsere landschaftn ernstlich und getreu und vleis ansehen und merkn, werdn sy auch zu dester trostlicher, grosser hilf bewegt. Außerdem gilt es zu bedenken, dass er selbst und seine Häuser Österreich und Burgund unablässig von verschiedenen Nationen bedrängt werden und dass er und seine Erblande alleine die Grenzen nicht gegen alle Erbfeinde des Hl. Reiches und der deutschen Nation – Franzosen, Venezianer, Eidgenossen und auch die Ungläubigen – verteidigen können. Er nimmt zum Schutz der Christenheit für das Reich und die deutsche Nation große Belastungen auf sich, doch werden er und seine Erblande diesen vier Feinden auf Dauer nicht standhalten können. Wenn nicht mehr Hilfe geleistet wird, könnte er sich gezwungen sehen, auf andere Weise Frieden zu erreichen und zugleich seinen Besitzstand zu bewahren. Es scheint ihm, als würden sich die Reichsstände um diese ŠNotlage, als wären nicht sie selbst, sondern nur wir als ihre Nachbarn betroffen, nicht bekümmern.

    [4.] Angesichts der Haltung des Reiches auf der einen und der Erblande auf der anderen Seite während des von Frankreich, Venedig und ihren Verbündeten geführten Krieges gegen ihn und seine Länder ist es im Interesse von Ks. und Reich, der Häuser Österreich und Burgund wie auch der Erblande, über die notwendigen Maßnahmen für das Bevorstehende zu beraten. Erforderlich ist eine Übereinkunft zwischen ihnen hinsichtlich der gegenseitigen Hilfe 1. für die Zeit nach Auslaufen des Waffenstillstandes bzw. für den Fall seines Bruches durch Venedig, 2. für die Rückeroberung der im vergangenen Krieg erlittenen Verluste, sobald einer dieser Fälle eintritt, und 3. für alle anderen Notsituationen des Kaisers und der Erblande, um im Falle eines Angriffs auf die Erblande nicht jeweils zuerst ihn einschalten zu müssen, sondern sich unmittelbar gegenseitig Hilfe leisten zu können.

    [5.] Er hält es deshalb für erforderlich, dass die österreichischen und burgundischen Stände Gesandte zu den auf dem Reichstag versammelten Ständen schicken, um durch dieselbn erzelen zu lassen aller unsere erblichn land notdurft, oblign und beswerd, darvon sy allzeit als die, so die grenzen und confyn innehaltn, gegn des Reichs und teutscher nacion veinten und durchachtern stehen, und sonderlich den costen und verlust, so sy in dem vergangn venedischn krieg3 von des Reichs wegen, irthalben unverschult, getragn habn, desgleichn sy hinfur allzeit vor andern in sorgen und geferlikait stehen mussen, darvon sy doch von meniglich verlassn, gar wenig oder kain hilf noch trost bisher empfunden habn, dergleich auch kunftiglich nicht wissn, darumbn inen an irn leibn und gutern swer. Und wo sy dieselben gleich nach allem vermugen, als sy zu tun begirig weren, darstreckn, doch sorglich sey, ob sy solhe purd, last und beswerung ferrer an treffnlich hilf des Heilign Reichs und teutscher nacion ertragn mugen. Und demnach die stend des Reichs aufs hochst zu ermanen, unsern heusern Ostereich und Burgundi mit grunt zu versteen zu gebn, ob das Reich und teutsche nacion dieselbn unser heuser und unser erbliche land und leut, darzu gehorig, als die, so die confyn und grenzn gegen alln veinten innehaben, lenger bey inen behaltn, hanthaben und mit was treffenlicher hilf und trost sy inen in irn notn und oblig[en] erscheinen und erschiessen, oder ob sich das Reich und teutsche nacion derselben unser erbland ent[schlagen], verzeihen und die verlassen welle etc., mit mer [schick]licher und gegrunter mainung und werbung, w[ie die zu] begreifn sein mag.

    aDafür ist ein vorbereitender allgemeiner Landtag erforderlich. Die Ausschüsse der einzelnen Länder sollen von dort die Gesandten mit ihrer InstrukŠtion zum Reichstag abfertigen. Dieser Landtag soll in Bruck an der Mur stattfinden–a,b.

    [6.] Die ksl. Gesandten sollen die Landstände auffordern, über eine gemeinsame Defensionsordnung der nieder- und oberösterreichischen Länder sowie Burgunds, dessen Gesandte ebenfalls in Worms anwesend sein werden, zu beraten, außerdem über Maßnahmen für die Rückeroberung der im Krieg an Venedig verlorenen Gebiete nach dem Auslaufen des Waffenstillstands bzw. im Fall seines Bruches durch die Feinde; und darzu die stend des Reichs auf dem Reichs tag obberurter mainung anzusuchen und zu vernemen. Ihre diesbezüglichen Beschlüsse sollen sie unverzüglich dem Hauptmann der niederösterreichischen Regierung, Wolfgang von Polheim, übermitteln, der sie an ihn weiterleiten wird. Die Stände sollen jeweils bevollmächtigte Ausschüsse von zwei Personen mit ihren Beschlüssen bezüglich dieser drei und der folgenden Artikel zum Landtag nach Bruck entsenden, um dort gemeinsame Beschlüsse zu fassen und auf dieser Grundlage ihre Gesandten nach Worms abzuordnen. Dabei sollen sie Sorge dafür tragen, dass diese bereits einige Tage vor Eröffnung des Reichstages dort eintreffen.

    [a) Defensionsordnung der niederösterreichischen Erblande; b) Fragen der ksl. Regierung und Verwaltung; Zusage, ohne Informierung und Beratung der Landstände keinen sie betreffenden Krieg zu eröffnen; c) Forderung nach Auszahlung der bereits bewilligten Landeshilfe, verbunden mit der Zusage einer ksl. Truppenhilfe für die Erbländer im Notfall; d) Beschwerden und Anliegen der Länder und einzelner Personen]. Wegen des letzten Artikels soll jedoch nicht mit der Entsendung der Ausschüsse nach Bruck gewartet werden, sondern von dort eilends die Gesandtschaft mit Instruktion und Vollmacht zum Reichstag nach Worms abgeordnet werden. […].4

    «Nr. 47 Ks. Maximilian an den Reichsstatthalter Kf. Friedrich III. von Sachsen – Tervuren, 5. September 1508 »

    [1.] Einladung zur persönlichen Teilnahme am Wormser Reichstag; [2.] Geldernkrieg; [3.] persönliche Befindlichkeit Ks. Maximilians.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 5–5’ (Or.Fewr, Verm. prps., Gegenz. J. Renner).

    [1.] Teilt mit, dass er in den Niederlanden gut empfangen wurde. Er geht davon aus, einen Waffenstillstand oder Friedensvertrag mit dem Kg. von Frankreich zu erreichen und einen Krieg zu vermeiden. Er wird hier in den Erblanden die Regierungsangelegenheiten regeln und will dann persönlich zum ausgeschriebenen ŠReichstag kommen. Fordert ihn auf, sich ebenfalls persönlich dort einzufinden und sein Bestes zu den Verhandlungen über die bewussten Materien beizutragen. Er wird ihm auf dem Reichstag auch in seinen eigenen Anliegen einen Bescheid geben, der ihn zweifellos zufriedenstellen wird.1

    [2.] [PS] Er führt weiterhin Krieg im Hm. Geldern. Doch schickt der frz. Kg. dem Hg.[Karl von Egmond] viel Geld. Dieser kann damit so viele Truppen unterhalten, dass wohl keine Gebietsgewinne möglich sind.

    [3.] [Eigh. PPS] Wier haben noch hie kain harnasch gefuert2, und geet uns ganz wol auf der waedenschaft [= Waidwerk] und gar ubl auf der puelschaft3. Per manum propriam.

    «Nr. 48 Der ksl. Kanzler Zyprian von Serntein an Gf. Wolfgang von Fürstenberg – [Antwerpen], 15. Dezember 1508 »

    Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 471, S. 417f.

    [Aufforderung zur Teilnahme an dem für den 8. Januar nach Bozen einberufenen Tiroler Landtag]. Nach seinem Dafürhalten wird der Landtag nicht lange dauern und er bald wieder heimkommen. Da der Ks. noch eine Zeit lang in den Niederlanden (hernyden)bleibt, wird sich die Reise nach Worms verzögern, sodass er, Fürstenberg, rechtzeitig auf dem Reichstag eintreffen wird. Denn der Ks. wird – nach erfolgtem Abschluss des Friedens von Cambrai (Cameregg)– zuerst die niederländischen Stände einberufen, das Regiment neu ordnen1und die Finanzkammer einrichten, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Über den Frieden weiß der Ks. noch nichts, da Ehgin. Margarethe und die sie begleitenden Räte noch nicht Šzurückgekehrt sind. Er selbst geht davon aus, dass der Ks. seine Tochter in Mecheln erwarten wird. […].

    «Nr. 49 Erasmus Topler an die Nürnberger Hh.Älteren – Antwerpen, 16. Dezember 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, D-Laden Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 25, unfol. (eigh. Or. m. S.).

    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 25, S. 159f.

    […]. Er behält ihren Boten Peter Leupold noch eine Zeitlang bei sich, da der Ks. ein neues Ausschreiben zur Verschiebung des Wormser Reichstages bis vierzehn Tage nach Ostern hat aufsetzen lassen1. Es ist jedoch noch nicht ausgegangen, weil der Ks. am 13. Dezember eine Nachricht seiner Tochter Margarethe aus Cambrai (Camerach)erhalten hat: Am 10. Dezember sei ein Frieden mit dem frz. Kg. geschlossen worden, der ganz im Einklang mit den ksl. Wünschen stehe. Sie wolle dem Ks. die außerordentlich guten Neuigkeiten persönlich überbringen und reise zu diesem Zweck am 12. Dezember nach Brüssel ab. – Er, Topler, geht davon aus, dass der Ks. die hl. Zeit dort verbringen wird. Falls die Nachrichten so gut sind, wie behauptet, wird der Reichstag wohl früher stattfinden. Er wird sie darüber informieren. Denn der Ks. wird dort mit seiner Tochter alle notwendigen Entscheidungen treffen. Über die einzelnen Bestimmungen des Friedens weiß er noch nichts. Es heißt aber, dass der Ks. von Frankreich und England große Geldsummen erhalten wird.2 […].

    «Nr. 50 Ausschreiben Ks. Maximilian an die Reichsstände – Mecheln, 26. Dezember 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Friedens mit Frankreich.

    I. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 20–20’ (Adressat: Kf. Friedrich von Sachsen) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 7–7’ (Adressat: Hg. Georg von Sachsen) Š= B. Köln, HAStd, K+R 36/2, fol. 10–10’ (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln) = C. Frankfurt, ISG, RTA 25, fol. 6–6’ (präs. Frankfurt, 13.1.1509). München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/10, unfol. (beschädigt, z.T. stark verblasst; Adressat: Bf. Philipp von Freising). München, HStA, KÄA 3136, fol. 361–361’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Bayern).

    II. (Or. Druck mit handschriftlich inserierter Anrede, Vermm. prps. (Stempel) und amdip., Gegenz. Serntein): München, HStA, KÄA 3137, fol. 158–158’ (Adressat: Hg. Wolfgang von Bayern) = D. Marburg, StA, Urk. 95, Nr. 496 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Reichskammer und Stadt Hagenau; Präsentatvermerk: Dem Stettmeister Diepold von Heilbronn am 22.1.1509 (montag nach Sebastiani)durch Jörg, Amtsknecht der Landvogtei, übergeben.) = E. Aurich, StA, Rep. 4 B I a, Nr. 5 (beschädigt; Adressat: Gff. von Ostfriesland). Bückeburg, StA, L 1 (Schaumburger Samtarchiv), Nr. 24 (stark beschädigt; Adressat: Gff. zu Schaumburg-Gemen). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 14–14’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 99–99’ (Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg). Sigmaringen, StA, Dep. 30/12 T 3, Nr. 4 (Adressat: Abt [Simon] von Marchtal). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 157/13, fol. 213–213’ (beschädigt; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Speyer). Stuttgart, HStA, A 486, Bü. 1457 (Adressat: Abt N. [= Konrad Ehrmann] von Rot (Munichrode)). Wertheim, StA, G-Rep. 47, Nr. 11, unfol. (Adressat: Gff. Michael und Asmus von Wertheim; Präsentatvermerk: Conversionis Pauli [25.1.1509]).

    III. (Kop.): Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt Ks. Maximilian I., Fasz. 1, fol. 156–157 (imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Worms; inhaltlich mit C übereinstimmend).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 949, S. 748–750.

    Kurzregest: Diederichs, Kaiser, Nr. 59, S. 112; Rauch, Urkundenbuch III, Nr. 2180, S. 253.

    Zwar wurden zwischen ihm, dem Ks., und Kg. Ludwig von Frankreich über längere Zeit Verhandlungen in Angelegenheiten des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund geführt, doch entstanden dabei immer wieder Streitigkeiten, sodass er vor Kurzem noch nicht an einen Frieden geglaubt hat. Deshalb wollte er auf dem nach Worms ausgeschriebenen Reichstag erscheinen. Seine Tochter Ehgin. Margarethe und Gesandte der Kgg. von England1und Aragon2haben die Verhandlungen indessen weiter betrieben und Šdrängten ihn in Erwartung eines Friedensschlusses, in den Niederlanden zu bleiben. Es wurde ein Treffen in der Reichsstadt Cambrai (Camerigk)anberaumt. Deshalb hat er sich so lange in den Niederlanden aufgehalten. Er hat es auch unterlassen, seine Räte zum Reichstag zu schicken, da er sie in diesen wichtigen Angelegenheiten nicht entbehren konnte und außerdem nicht wusste, ob der frz. Kg. an dieser Zusammenkunft teilnehmen würde. Auf diesem Tag haben nun seine Tochter, die Gesandten der Kgg. von England und Aragon sowie der Kardinal von Rouen [George d’Amboise] als Bevollmächtigter des frz. Kg. einen Friedensvertrag zwischen dem frz. Kg. und ihm, dem Ks., geschlossen, in der Hoffnung, dass dieser zur Ehre und zum Nutzen des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der ganzen Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund gereichen wird. Er wird darüber mündlich Bericht erstatten und ist zuversichtlich, die Zustimmung des Empfängers zu erhalten. aFür den Vollzug des Friedens ist noch kurze Zeit seine Anwesenheit hier erforderlich.3Er wird sich jedoch beeilen und den Reichstag sicherlich abhalten. Er wird am 21. Februar, dem sant Peters tag Kathedra[= 22.2.!], in Worms eintreffen. Befiehlt dem Empfänger, sich zum genannten Termin mit kleinem Gefolge dort einzufinden–a, um an den Verhandlungen über die Angelegenheiten des Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit teilzunehmen. Er soll keinesfalls ausbleiben und auch nicht auf andere Stände warten.4

    «Nr. Š51 Bf. Matthäus Lang von Gurk und Zyprian von Serntein an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Mecheln, 28. Dezember 1508 »

    Ankündigung des ksl. Gesandten Erasmus Topler.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 22–22’ (eigh. Unterz. Langs und Sernteins).

    Der Ks. hat den Propst zu St. Sebald/Nürnberg, Dr. Erasmus Topler, beauftragt, mit ihm über verschiedene, darunter auch einige geheime Angelegenheiten zu sprechen.1Bitten ihn, den Gesandten anzuhören. Er möge auch bedenken, dass sie beide ihm gerne dienen wollen und es begrüßen würden, wenn zwischen dem Ks. und ihm ein vertrauensvolles Verhältnis bestünde. Wenn er auf die Vorschläge des Gesandten eingeht, wird er in ihnen beiden getreue Sachwalter seiner Angelegenheiten beim Ks. finden. Sie erwarten, dass er sich von niemandem zu etwas bewegen lässt, dardurch guete werk und fürnemen nit liederlichen zerstört werden. Dann wir hoffen zu Got dem allmechtigen, das keiserlicher maiestat sachen also gestalt sein und werden, das eur furstlich gnad bey irer maiestat mit grossen eren und nutz, mer dann bisher, nicht allain als ein churfurst, sonder als irer maiestat gesippter freund in gutem ansehen sein sol. Der Propst wird dies ausführlicher darlegen.2

    «Nr. 52 Ausschreiben Ks. Maximilians – Mecheln, 5. Januar 1509 »

    Mitteilung über den Inhalt des Bündnisses gegen Venedig.

    Lat. Druck: Lünig, Codex Italiae I, Nr. XXIX, Sp. 141–144; Lünig, Reichsarchiv VI (part. spec. cont. I), Nr. LVIII, S. 132–134.

    Papst Julius hat ihn und Kg. Ludwig von Frankreich sowie weitere christliche Fürsten aufgefordert, ihm für die Verteidigung der Christenheit gegen die Türken und die Bewahrung der Rechte und Besitzungen des Hl. Stuhls mit ihrer gesamten Macht beizustehen, um die seit vielen Jahren von Venedig unrechtmäßig besetzten Gebiete des Patrimoniums Petri zurückzugewinnen. Aus Gehorsam gegenüber dem Hl. Stuhl, als Protektor der Kirche und in Erwägung der schweren Vergehen nicht nur am Hl. Stuhl, sondern auch am Hl. Reich, dem Haus Österreich, den Hgg. von Mailand, den Kgg. von Neapel und vielen anderen gewaltsam um ihre Besitzungen gebrachten Fürsten hält er es für erforderlich, der Aggression Venedigs entgegenzutreten und die usurpierten Besitzungen an die Eigentümer zurückzugeben. Deshalb hat er vor kurzem seine Tochter Ehgin. Margarethe nach Cambrai (Cameracensem)entsandt, die als seine bevollmächtigte Vertreterin nach erfolgtem ŠAbschluss eines allgemeinen Friedensvertrags mit dem frz. Kg.1außerdem mit dem frz. Gesandten George d’Amboise, Kardinal von Rouen, und dem aragonesischen Emissär Jaime d’Albión einen Bündnisvertrag folgenden Inhalts gegen die Ungläubigen und gegen Venedig ausgehandelt und geschlossen hat: Vertragspartner sind der Ks., der frz. Kg., der Papst und der Kg. von Aragon. Binnen vier Monaten können diese weitere Teilnehmer am Bündnis benennen. Venedig hält unrechtmäßig Gebiete des Hl. Stuhls, des Hl. Röm. Reiches, des Hauses Österreich, des frz. Kg. im Hm. Mailand und des Kg. von Aragon im Kgr. Neapel besetzt. Es ist deshalb von diesem Vertrag ausgeschlossen, der die Restitution aller Verluste vorsieht. Zu diesem Zweck wurde vereinbart, dass der Papst sowie die Kgg. von Frankreich und Aragon zum 1. April mit den dafür erforderlichen Kräften das venezianische Territorium angreifen werden. Der Feldzug wird erst beendet, wenn der Hl. Stuhl Ravenna, Cervia, Faenza und Rimini sowie Imola und Cesena mit allen übrigen von den Venezianern unrechtmäßig besetzten Gebieten der Kirche zurückerhalten hat. Der röm. Ks. wird Rovereto, Verona, Padua, Vicenza, Treviso und Friaul (Forum Iulium), das Patriarchat von Aquileia sowie alle übrigen von Venedig im letzten Krieg eroberten österreichischen Gebiete, der frz. Kg. Brescia (Brixiam), Bergamo, Crema, Cremona, Gera d’Adda mit allen Zugehörungen, insgesamt alle früher zum Hm. Mailand gehörigen Besitzungen zurückerhalten. Dem Kg. von Aragon stehen alle von Venedig besetzt gehaltenen Teile des Kgr. Neapel zu, namentlich Trani, Brindisi, Otranto und Gallipoli. Den Hgg. von Savoyen und Ferrara sowie dem Mgf. von Mantua steht es frei, sich dem Bündnis anzuschließen, um ebenfalls ihre Verluste von den Venezianern zurückzugewinnen. Ebenso steht dem Kg. von England der Beitritt zu dieser Liga offen.2

    «Nr. Š53 Aufzeichnung über die Antwort Ks. Maximilians an den hessischen Gesandten Balthasar von Schrautenbach (Rentmeister zu Gießen) – [act. Mecheln, zwischen dem 18. und 20. Januar 15091»

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 31–32’, hier 32–32’ (Kop.).

    [Streit zwischen Kurmainz und Hessen; Nr. 92; Konflikt zwischen Königstein und Eppstein; Nr. 166]. Der Ks. steht wegen der Landvogteien Hagenau und Ortenau in Verhandlungen mit Kf. Ludwig von der Pfalz und Pfgf. Friedrich. Er kann dem Lgf.[Wilhelm] diesbezüglich noch keine Antwort geben.

    Er bedankt sich beim Lgf. für den gegebenen ratschlag.2Er ist bereits im Begriff, ihn umzusetzen. Wenn er, der Ks., jetzt nach Worms kommt, wird er weiter mit ihm darüber beraten und ihm auch persönlich dafür danken.

    Der Ks. bittet den Lgf., sich persönlich zu ihm auf den Wormser Reichstag zu verfügen. Er versichert ihn seiner Freundschaft und Gnade.

    «Nr. 54 Ettore Gonzaga an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Augsburg, 16. Februar 1509 »

    Initiative zu einem ksl. Bündnis mit Venedig.

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 9–13’ (unzuverlässige dt.Übersetzung).

    [1.] Er kann ihn, anders als vom Bf. von Mantua befohlen, wegen einer Erkrankung und der schlechten Sicherheitslage nicht persönlich aufsuchen, sondern übermittelt ihm seine Aufträge schriftlich unter Übersendung des ihm mitgegebenen Kredenzbriefes, worin sich der Bf. samt den Söhnen seines Bruders [Gianfrancesco], Ludovico, Federico und Pirro (Prerus), freundlich gegen ihn erbietet1: Betont deren enge verwandtschaftliche Beziehungen, auch über die verstorbene Mgfin. Barbara2, Šmit dem Mgf. vor allen anderen italienischen Ff. und dessen daraus resultierende Verpflichtung zu deren Schutz – insbesondere angesichts der Gefährdung ihres Standes und ihrer Hftt. durch den frz. Kg. und den Mgf.[Francesco] von Mantua, deren Feindschaft sich seine Hh. auch wegen der Aufnahme von 1000 ksl. Knechten im vergangenen Jahr zugezogen haben. Eine Möglichkeit hierzu wäre, den Ks. von einem Zusammengehen mit Venedig zu überzeugen, das ihm mehr Vorteile und Ehre einbringen würde als sein derzeitiges Bündnis mit Frankreich. Darüber wird Ludovico, den der Ks. auf den Tag nach Worms beschieden hat, ausführlich mit diesem sprechen. Bittet ihn, seinen Sohn Mgf. Kasimir zu veranlassen, bei dessen Vortrag anwesend zu sein und sich für ihn zu verwenden, falls er, Mgf. Friedrich, nicht selbst zu dem angesetzten Tag kommen kann. Sollte Mgf. Kasimir sich derzeit nicht beim Ks. aufhalten, bittet er ihn, stattdessen einen seiner geheimen Räte zu entsenden, der helfen soll, die Sache zu einem guten Ende zu bringen. Auch bitten seine Hh., den Kf.[Joachim] von Brandenburg (marggrafen von der Marck)schriftlich zu kontaktieren und ihn dafür zu gewinnen, sich ebenfalls für das Bündnis nicht nur mit Venedig, sondern auch mit dessen Verbündeten und weiteren Freunden des Ks. einzusetzen. Im gleichen Sinne möge er sich auch an andere geeignete Persönlichkeiten wenden. Der Bf. bürgt dafür, dass Venedig ihn, Mgf. Friedrich, und die übrigen Fürsprecher nicht unbelohnt lassen wird; er hat von den Venezianern entsprechende Vollmacht. Falls er Kontaktpersonen am Kaiserhof kennt, die sich für ein solches Bündnis verwenden würden, bittet er, ihm diese zu benennen.

    [2.] Dies auszurichten ist sein Auftrag, wofür er als Beleg den bfl. Kredenzbrief beilegt. Es geht bei dieser Sache um die Interessen von Ks. und Reich. Die folgenden Darlegungen dazu bittet er vertraulich zu behandeln. Was den oben angesprochenen Nutzen für den Ks. und seine Ehre angeht: Der Ks. würde bei seinem Italienzug mehr Ehre einlegen, wenn er als Beschützer käme und nicht als Verbündeter des frz. Kg. Wenn die Lombardei und die venezianischen Hftt. so aufgeteilt würden, wie dies der Vertrag [von Cambrai] besagt, so hätte Frankreich mit Mailand, Cremona, der Gera d’Adda (Caram Ade [!]), Genua und allen mailändischen Hftt. den größeren Anteil an Italien; der Ks. dagegen hätte nur drei oder vier unbedeutende Länder gewonnen.3Der Ks. wäre an der Seite des frz. Kg. nur ein weiterer Verbündeter neben Florenz, dem Papst, Pisa, Mgf.[Francesco] von Mantua und Hg.[Alfonso] von Ferrara. Diese haben bereits die vom frz. Kg. dem Ks. versprochenen italienischen Gelder für sich selbst eingezogen. Sobald die französische Position in Italien ausreichend gefestigt ist, könnte der frz. Kg. sich zum Ks. erheben. Für diese Absicht spricht auch, dass er, wie es heißt, hartnäckig bestrebt ist, dem Kardinal von Rouen (Roan)die Papstwürde zu verschaffen. Die derzeitige Konstellation dient also ausschließlich dem frz. Kg. Im Bündnis mit Venedig hingegen könnte der Ks. als ŠBeschützer nach Italien kommen und würde dabei, wovon er fest überzeugt ist, von Venedig mit Geld und Truppen unterstützt. Er könnte Friaul und andere verlorene Gebiete ohne Blutvergießen zurückerhalten. Vielleicht würde Venedig sogar beim Rückgewinn Mailands helfen. Ludovico [Gonzaga] wird dies dem Ks. ausführlich darlegen. Im Bündnis mit Venedig wäre für den Ks. somit mehr Nutzen und Ehre zu erwarten als an der Seite Frankreichs.

    [3.] Wenn er, der Mgf., dagegen das dem Ks. von Venedig zugefügte Unrecht anführen möchte, so verweist er, Gonzaga, auf dessen Rechtfertigung: Zum einen war Venedig dazu aus Bündnistreue zum frz. Kg. genötigt, zum anderen wurde es im Cadoretal (Chadober)zuerst angegriffen. Selbst wenn Venedig ein Unrecht begangen hätte, so wäre doch zu fragen, ob der frz. Kg. sich gegenüber dem Ks. nicht viel mehr Schuld aufgeladen hat und wer wohl mehr Vertrauen verdient. Darumb, dieweil die Venediger sich selbst erbieten und weyß, scheinbar bapir herraichen, so ist zu erachten, dass dies dem Ks., den Reichsstädten (frey lendern)4und allen deutschen Ff. zum Vorteil und zur Ehre gereichen wird. Weitere Argumente möchte er dem mgfl. Gesandten, der einer seiner geheimen Räte und des Lateinischen mächtig sein sollte, auseinandersetzen. Dieser soll ihm seinerseits die mgfl. Position eröffnen, die er dann dem Bf. mitteilen will. Dessen Wunsch ist es, dass er, Mgf. Friedrich, sich in seinem Sinne einsetzt. Wie bereits gesagt, wird sich Ludovico [Gonzaga] auf dem Wormser Tag weiter dazu äußern.

    «Nr. 55 Heinrich von Schleinitz an Hg. Georg von Sachsen – Brüssel, 17. Februar 1509 »

    Bevorstehender Krieg gegen Venedig.

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8498/1, fol. 323–324’, hier 323’–324 (Or., sonnabends vor faßnacht).

    [Angelegenheiten Hg. Georgs; Nr. 152]. Vermutlich hat ihn bereits Wolf von Schleinitz darüber informiert, dass der Ks. mit dem Papst und Frankreich ein gegen Venedig gerichtetes Kriegsbündnis geschlossen hat. Demnach sollen diese den Krieg 50 Tage vor dem Ks. eröffnen.1Es heißt, dass der frz. Kg. große Truppenkontingente nach Italien schickt, um seinen Teil der Vereinbarungen zu erfüllen. Angeblich hat Venedig bereits die Abtretung aller ehemals zum Hm. Mailand gehörigen Gebiete sowie eine jährliche Tributzahlung von 100 000 Dukaten auf Lebenszeit Šangeboten. Der Kg. soll dieses Angebot ausgeschlagen haben. Ich versehe mich, nicht in arger meynung, findt, er werd seiner zusag mit anfang des kriges genug getun. So wird es uf unser seyte nach alder gewonheit geschen: Was heut irgehen soll, irvolget uber ein jar nicht. Damit wird der Francoß dem kaiser nichthaltung uflegen, auß dem contract treten, mit den Venedigern seinem bestin nach eynung annemen, den kopf außzihen, die schling dem kaiser an halß werfen. Got gebe, das es besser gerate. Dan das der keiser seiner zusag genug tue, des stugks ist nach gar kein schigklichkeit verhanden. [Verhandlungen mit England].

    «Nr. 56 Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach an Ettore Gonzaga – s.l., 20. Februar 1509 »

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 14 (Konz.; dinstag nach esto michi).

    Bestätigt den Eingang seines Schreibens [Nr. 54] und sagt zu, den Ks. zu informieren.1Wenn er, Gonzaga, selbst beim Ks. vorstellig wird, wird er auf dem Wormser Reichstag neben anderen Kff. und Ff. pflichtgemäß zur bestmöglichen Lösung beitragen. Er kann ihn derzeit nicht zu sich einladen, obwohl er es gerne tun würde. Auf Bitten Kg. Wladislaws von Ungarn und Böhmen steht er im Begriff, gemeinsam mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] zur böhmischen Königskrönung Prinz Ludwigs aufzubrechen. Wenn er aber damit einverstanden ist, nach seiner Rückkehr gemeinsam nach Worms zu reisen, will er ihn zum Reichstag mitnehmen und sein Anliegen nach Kräften unterstützen.

    «Nr. 57 Dr. Erasmus Topler an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Nürnberg, 9. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 6–6’, 7’ (eigh. Or. mit ex.-Verm.).

    Er hat seine vom 16. Februar datierende Antwort auf seinen von Schmalkalden aus abgeschickten Bericht1an Bf.[Matthäus Lang] von Gurk und ihn am Vortag [8.3.] erhalten. Er hat daraus vernommen, dass seine Verhandlungen mit den Ff.2die Zustimmung des Ks. finden – zweifellos nicht zuletzt aufgrund ihrer Unterstützung, wofür er sich bedankt. Es wäre gut, wenn der Ks., wie von ihm, Serntein, angekündigt, an Mittfasten [18.3.] nach Worms käme. Denn hier geht das Gerücht, dass der frz. Kg. mit einem gewaltigen Heer nach Mailand zieht. Erinnert daran, dass er ihn durch einen Nürnberger Boten über ein Schreiben Venedigs an die ŠStadt Nürnberg3unterrichtet hat. Er hofft, seine Meinung dazu zu erfahren, wenn der Ks. nach Worms kommt. Sowie er erfährt, dass der Ks. auf dem Weg dorthin ist, wird er ebenfalls aufbrechen. Ohne entsprechenden ksl. Befehl wäre es nutzlos, schon jetzt dorthin zu reisen. Bittet ihn, wegen der Lehen Wilhelms Hallers bis zu ihrer persönlichen Zusammenkunft nichts zu unternehmen. Der Kg. von Ungarn ist mit seinem Sohn [Ludwig] ganz zierlichin Prag (Brage)eingezogen. Er will ihn dort zum böhmischen Kg. krönen lassen. Mgf. Friedrich [von Brandenburg] ist mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] und ihren Kindern bereits auf dem Weg dorthin.

    «Nr. 58 Nachschrift zu einem Bericht Eitelwolfs vom Stein an Kf. Joachim I. von Brandenburg – [wohl erste Aprilhälfte 1509] »

    Vorbereitungen Ks. Maximilians für den Krieg gegen Venedig, Skepsis Steins hinsichtlich der Folgen.

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11246, unfol. (eigh. Or. m. S.; Postverm.: In seiner ftl. Gn. selbs hand.).

    Gnedigster herr, als ich e. ftl. Gn. brief geslossen hab, ist ksl. Mt. reten einer auß der Steyrmark komen. Der hat den [Gf. Hoyer] von Mansfelt und mich bericht, wie ir Mt. ostereichisch erbland sich einhelliglich entslossen und bewillig[t], von hundert gulden durchauß ein zu roß und II zu fus zu halten1, als ir Mt. der notturftig. Et unum in secreto: Ir Mt. wipil [= wil[l]] nopen [= non] plupucepes [= plus] qua[m] sepex [= sex] mipilliprapa [= milia] hopomipiniepes [= homines] vom Reipich [= Reich] fopordepern [= fordern]. Beb[st]liche hailikait erfordert und ruft an ksl. Mt. umb hulf wider die Venedigern als ein vogt der kirchen. Der konig von Frankreich hat XXVIIIM zu roß und fuß wider die Venediger und sol uf unser seyten sein. Got geb, das wol gerat. Ich besorg, wo wir zu lang auf sein, der Franzoß werd sein ding schafen mit eroberung welscher land; und den [= wenn] der babst von uns verlassen, darauß ursach nemen, den Franzosen zu cronen. Das hab ich e. ftl. Gn., die ich bit, solichs in gehaim Šzu halten, nit wissen zu versweigen. Wo sein die churfursten? E. Gn. hats wol bedenkens zu geben, wie die merers teyl[s] geschickt. Gnst. herr, in e. ftl. Gn. sachen, sobald ichs ymmer stat haben mag, will ich nit feyern. Ich wer ye auch [gern] einmal heym und auß dem platzregen. Bevilch mich e. Gn. Datum ut in aliis. E. v. Stein, ritter.2

    «Nr. 59 Paul von Liechtenstein an Ks. Maximilian – Innsbruck, 7. April 1509 »

    Umsetzung des Vertrags von Cambrai durch den Ks., Verhandlungen mit österreichischen Landständen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 23–26’ (Or., Postverm.: Ad ma[nus proprias].).

    Druck: Chmel, Urkunden Maximilians I., Nr. CCXXXIII, S. 314–317.

    Er, der Ks., hat ihm kürzlich schriftlich seine Absichten im Zusammenhang mit Frankreich und insbesondere mit Hinblick auf den gegen Venedig gerichteten Geheimvertrag [von Cambrai] dargelegt. Der Vertrag ist für den Ks. und seine Erblande von großer Bedeutung. Für eine begründete Stellungnahme von seiner Seite hat er mit einigen Regimentsräten über diejenigen Artikel beraten, die Tirol und die übrigen Erblande betreffen: Er, der Ks., beabsichtigt, für den 15. oder 22. April (sontag quasimodogeniti/sontag misericordia Domini)einen Tiroler Landtag nach Brixen einzuberufen, um dort eine viermonatige Hilfe von 200 Reitern und 6000 Fußsoldaten zu beantragen. Dies erscheint angesichts der hohen Belastung des Landes im letzten Krieg nicht ratsam. Sollten die Landstände den Eindruck gewinnen, dass der Ks. den Krieg nur mit erbländischen Truppen und seinem eigenen Gefolge führen will, werden sie seinen Antrag zweifellos zurückweisen. Denn angesichts der unmittelbaren Nachbarschaft zu Venedig wären große Schäden zu befürchten. Falls jedoch der Wormser Reichstag ihm eine Reichshilfe bewilligt, der frz. Kg. die Venezianer angreift und auch der Kg. von Aragon und der Papst gegen sie vorgehen, wenn außerdem das vom Ks. angekündigte päpstliche Breve und der Bannbrief gegen Venedig ausgehen, werden die Landstände zweifellos zur Vergeltung für das Vorgehen der Venezianer im letzten Krieg und für die Ehre und Wohlfahrt des Ks. und der Erblande eine Hilfe bewilliŠgen.1[Überlegungen bezüglich der Finanzierung und Anwerbung eidgenössischer Söldner sowie einer Reitertruppe]. Die für den 15. April (sontag quasimodogeniti)zum vorderösterreichischen Landtag nach Ensisheim beorderten Räte konnten wegen des kurzfristigen Termins vorher nicht über Ostern zu ihm nach Worms reisen.2Übersendet seinen Entwurf für ihre Instruktion3zu Verhandlungen über eine Kriegshilfe. Sie sollte den Räten so rasch wie möglich nach Ensisheim nachgeschickt werden, damit sie ihnen spätestens in vierzehn Tagen für die Verhandlungen zur Verfügung steht.

    «Nr. 60 Ks. Maximilian an Costantino Arianiti (Auszüge) – Rüdesheim, 20. April 1509  »

    [1.] Anreise Ks. Maximilians zum Wormser Reichstag; [2.] Absicht zur Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig.

    Wien, HHStA, Maximiliana 42, Fasz. IV/4, fol. 100–103, hier 102’, 103 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    [1.] [Päpstliche Anleihe für den ksl. Italienzug]. /102’/ Nos iam huc ex partibus nostris inferioribus pervenimus, Deo dante crastina die [21.4.] Wormatiam ingrediemur et nobiscum tres principes electores ecclesiastici et quartus comes pallatinus [Kf. Ludwig] cum aliquibus aliis principibus. Comperiemus etiam ibidem complures alios principes et status Imperii, ubi ad summum morabimur non nisi ad paucissimos dies. Et dato principio et forma rerum ibidem in dieta gerendarum, mox Tirolim petemus freti spe tue bone pollicitationis, quas nobis per litteras tuas fecisti, et aproximabimus nos finibus Italie. [...].

    [2.] /103/ Wormatiam cras [21.4.] ingrediemur nec nisi ad triduum morabimur ibidem, quia solum proponemus principibus detrahendo auxilio ab ipsis. Nec expectabimus aliam eorum resolutionem, sed progrediemur, quia non dubitamus ipsos nobis satisfacturos. [...].

    «Nr. Š61 Instruktion Ks. Maximilians für Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Dr. Erasmus Topler als Gesandte zu Kf. Friedrich III. von Sachsen – Ulm, 4. Mai 1509 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu den Beratungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 49–50’ (Or. m. Siegelspuren, Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44/6, fol. 40–40’, 42–42’, 41–41’ (Konz.) = B.

    [1.] Die Gesandten1sollen dem Kf. nach der Entbietung von Grüßen Folgendes anzeigen: Der Kf. ist gut informiert über die Gründe für die Einberufung des Reichstages und den in Cambrai (Camerick)geschlossenen Vertrag mit dem Kg. von Frankreich. Der Propst zu St. Sebald [Erasmus Topler] hatte ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Er, der Ks., ist daraufhin von den Niederlanden aus nach Worms gezogen und hat den dort versammelten Reichsständen sein Anliegen eröffnet, wie er dies der beiliegenden Abschrift [Nr. 264] entnehmen kann. Diese haben darauf jedoch nicht geantwortet, sondern erklärt, erst die Ankunft Kf. Friedrichs und anderer Ff. abwarten zu wollen [Nr. 260, Pkt. 4]. Er konnte indessen nicht länger in Worms bleiben, asondern ist in die Gft. Tirol abgereist, da er zum einen seinen Verbündeten, dem Papst sowie den Kgg. von Frankreich und Aragon, versprochen hat, sich persönlich an die Grenze Venedigs zu begeben–a. Zum anderen erhielt er glaubwürdige Nachrichten über starke Rüstungen der Venezianer und ihre Absicht, noch vor Eröffnung seines Angriffs die Erblande zu überfallen.2Deren Šmilitärische Vorbereitungen sind hingegen noch nicht abgeschlossen. bEr wird dann in Erfüllung seiner Bündnispflichten weiter nach Italien ziehen und so zugleich den venezianischen Präventivangriff unterbinden–b. Er, der Kf., sollte dies erfahren, damit er über die Gründe für seine eilige Abreise aus Worms informiert ist.

    [2.] Die Verhandlungen in Worms werden vor seiner Ankunft nicht beginnen. Ihm, dem Ks., dem Reich und der deutschen Nation ist jedoch viel daran gelegen. Er bittet ihn deshalb, unverzüglich nach Worms aufzubrechen und dort dazu beizutragen, dass ihm gemäß seinem Antrag eine beträchtliche Eilende Hilfe bewilligt und nachgeschickt wird.

    [3.] Er, der Ks., hätte sich gerne mit ihm als unserm nechsten gesippten frundpersönlich über die ihm obliegenden Angelegenheiten beraten und über seinen Wunsch gesprochen, ihn während des bevorstehenden Feldzuges bei sich zu haben und ihn zum obersten Feldhauptmann von Ks. und Reich zu ernennen. Bittet ihn, dieses Amt zu übernehmenc, nachdem solich unser furnemen loblich und dunser und seiner lieb gluck und wolfart daraus erwachsen mocht–d. Falls er dieses Amt wider Erwarten nicht annehmen sollte, soll er weiterhin ksl. und Reichsstatthalter bleiben. Er hat seinen Namen in dem Vortrag an die Reichsstände [Nr. 264bzw. 266, Pkt. 5, mit App. n-n] nicht erwähnt. So haben wir doch inen die ere geben, uns hierinne zu raten. Dann wir wissen, das sy auf kein ander raten noch fallen werden dann allein auf sein lieb.

    [4.] Die Erblande sind für den bevorstehenden Feldzug noch nicht ausreichend mit Reitern gerüstet. Bittet ihn deshalb erneut, ihm egegen einen vom Innsbrucker Regiment ausgestellten Bestallungsbrief–e für den Grenzschutz 50fReisige zur Verfügung zu stelleng.

    ŠDie Gesandten sollen mit allem Nachdruck verhandeln und ihm über die Antwort Kf. Friedrichs berichten.

    «Nr. 62 Antwort Kf. Friedrichs III. von Sachsen an die ksl. Gesandten – [act. Marburg, wahrscheinlich 16. Mai 1509]1 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu Verhandlungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 53–55’ (undat. Konz.) = Textvorlage A.

    [1.] Die Erklärung für die rasche Abreise des Ks. aus Worms war unnötig, denn er weiß um die Wichtigkeit seiner Angelegenheiten und dass es ihm nicht immer möglich ist, lange an einem Ort zu bleiben.

    [2.] Was den ksl. Eröffnungsvortrag auf dem Reichstag [Nr. 264] – dessen Abschrift sie, anders als vorgesehen, nicht mitgebracht haben – und die Antwort der Reichsstände [Nr. 260, Pkt. 4], die ksl. Erklärung über seine Zusagen an seine Verbündeten und die Notwendigkeit seines Aufenthalts in Tirol, verbunden mit der Aufforderung an ihn zum unverzüglichen Erscheinen auf dem Reichstag, angeht: Die Verzögerung der Verhandlungen bis zu seinem Eintreffen war unnötig, da er Gf. Philipp [von Solms] mit Vollmacht nach Worms abgeordnet hatte. Seine weitere Verspätung erklärt sich durch die Ankündigung des Ks., vor seiner Ankunft in Worms eine Gesandtschaft zu ihm abzuordnen [Nr. 243]. Dies hat er dem Ks. auch geschrieben [Nr. 253]. Nachdem sie ihn aber jetzt hier in Marburg angetroffen und die ksl. Anliegen vorgetragen haben, wird er rasch weiter nach Worms reisen. Er ist zwar willens, den Wunsch des Ks. nach einer beträchtlichen Eilenden Hilfe zu unterstützen, da sie aber keine Abschrift des ksl. Vortrags vorlegen konnten, hat er keine Kenntnis davon, was im Einzelnen beantragt wurde. Er will sich in dieser Sache so verhalten, dass, ob Got wil, kaiserlich Mt. des von uns kein misfallen haben sol.

    [3.] Er bedankt sich für das Angebot zur Betrauung mit der Feldhauptmannschaft. Er erachtet sich dazu jedoch als ungeeignet. Würde er das Amt annehmen, so vermochten wir doch das auß blodickait und swachait unsers leibs nit. Der Ks. wird sicherlich einen geeigneteren Kandidaten kennen. Was den ksl. Wunsch nach Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft und dessen Antrag an die Reichsstände anbelangt: Da der Ks. den Ständen gegenüber niemanden benannt hat, weiß er Šnicht, wen sie vorschlagen werden. Falls sie auf ihn verfallen sollten, wird er eine angemessene Antwort geben.2

    [4.] Hinsichtlich der Stellung von 50 Pferden fehlen ihm ebenfalls die notwendigen Informationen, da sie, die Gesandten, auch keine Abschrift vom Bestallungsbrief des Innsbrucker Regiments mitführten. Sobald ihm dieses Schriftstück vorliegt, wird er eine Erklärung abgeben, die dem Ks., ab Got wil, nit misfellig sein wird. Er ist zu allem geneigt, was dem Ks. gefällt.

    Er hätte den Ks. vor seiner Abreise gern persönlich getroffen und ihm für sein Unternehmen viel Erfolg gewünscht.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1509/I2/pages

    Anmerkungen

    1
     Ein weiteres Exemplar des Ausschreibens ging der Stadt Basel zu. Ihre Vertreter zeigten dies Anfang Juli 1508 auf der eidgenössischen Tagsatzung an. Die versammelten Orte überließen Basel die Entscheidung, ob es sich zum Besuch des RT verpflichtet sehe (Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 307, S. 431, Pkt. g). Das an Hg. Wilhelm von Jülich adressierte Exemplar ist ebenfalls verloren. Doch notierte der Jülicher Kanzler Wilhelm von Lüninck: Item ist der Rychtz [d]aech zo Wurms angesatz ind benant uf sondaech sent Eustachius dae[ch], dat ist nemlich der XVIdedaech Julii neist kumpt[ich], myn gnst. herr personlich da zo erschynen ader mit volkomen gewalt zo schicken (eigh. Konz., s.d.; NRW LA Duisburg, JB I, Nr. 133, fol. 16). An anderer Stelle ist auch die Verschiebung auf den 10.8. (sent Laurencius dach)festgehalten (Kop., s.d.; ebd., fol. 18). Mieg(Politique, S. 24) weist ein an Mülhausen/Elsass adressiertes Exemplar nach. Das über die Ladung informierte Basel, das dem RT selbst ebenfalls fernbleiben wollte, riet von der Teilnahme ab (ebd.). Der Stadt Göttingen wurde das Ausschreiben am 19.6. übergeben (Aufzeichnung des Ratsnotars Johann Bruns über die Zustellung durch den ksl. Boten Hans von Collen an den Göttinger Ratsherrn Simon Giseler d. Ä. in Anwesenheit der Zeugen Hans von Groten und Cord von Jeße; Hasselblatt/Kaestner, Urkunden, Nr. 38, S. 34).
    2
     Verweist auf die Verhandlungen mit den in Mainz versammelten Kff. und Ff. (Kap. I.1.) sowie mit dem Schwäbischen Bund im April/Mai 1508 [Nrr. 2; 5; 10, Anm. 8].
    3
     Das Innsbrucker Regiment hatte unmittelbar nach dem Scheitern der ksl. Bemühungen um eine Bundeshilfe die drei Bundeshauptleute um Gewährung einer unverzüglichen Hilfe gegen Frankreich und Venedig oder alternativ die Einberufung der 21 Bundesräte zu Beratungen darüber ersucht (M. Neithart an Bundesstädte, hier an Meister und Rat der Stadt Straßburg, Or.[Ulm], freytags vor cantate[19.5.]1508; AV Straßburg, AA 353, fol. 17–17’). Die daraufhin am 3.6. zusammengetretene Bundesversammlung stellte jedoch fest, dass der Bund nicht zur Hilfe verpflichtet sei, und beharrte auf der Anwort an den Ks. Das Angebot zu einer außerplanmäßigen Hilfe lehnten wiederum die Tiroler Gesandten ab (Abschied des Schwäbischen Bundes, Kop., freytag nach dem auffart tag[2.6.; Termin für die Ankunft der Teilnehmer in Ulm]; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 912, unfol.; StA Bamberg, A 85, Lade 329, Nr. 188, unfol.; HStA München, KÄA 2013, fol. 243–243’; AV Straßburg, AA 353, fol. 18–18’; HStA Stuttgart, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 78. Regest: Klüpfel, Urkunden II, S. 22f.).
    4
     Dreijähriger Waffenstillstand von Arco bzw. S. Maria di Grazia, 6.6.1508 (Kop.; HHStA Wien, Maximiliana I/44, fol. 207–212. Sanuto, Diarii VII, Sp. 563–567; Kandler, Codice V, Nr. 1322, S. 2183f.; Libri commemoriali VI, Nr. 159, S. 98f.; Ulmann, Maximilian II, S. 357f.; Wolff, Beziehungen, S. 112; Pernthaller, Bestrebungen, S. 153–155; Skriwan, Kaiser, S. 96–98; Mader, Liechtenstein, S. 51f.; Simon, Beziehungen, S. 59; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 22;Seneca, Venezia, S. 101f.
    1
     Liegen nicht vor. Die Innsbrucker Regierung hatte die Schwäbischen Bundeshauptleute bereits am 9.5. und 15.5. aufgefordert, angesichts der Bedrohung Tirols durch französische und venezianische Truppen unverzüglich die Bundeshilfe aufzumahnen. Im zweiten Schreiben hatten sie den Hauptleuten allerdings auch eingeräumt, kurzfristig eine Versammlung der 21 Bundesräte einzuberufen, falls nach ihrem Dafürhalten ihre Kompetenz zur eigenverantwortlichen Bereitstellung der Hilfe nicht ausreichen sollte (Statthalter und Regenten zu Innsbruck an Bundeshaupleute, hier an Adam von Frundsberg, jew. Kop. Innsbruck; StA Augsburg, Fst. Kempten Archiv, Akten, Nr. 2782, Stück-Nr. 19). Mit Schreiben vom 20.5. wandte sich die Innsbrucker Regierung direkt an die Bundesstände um Hilfe (Dies. an Bundesstände, hier an Abt Johann von Kempten, Kop. Innsbruck, sambstag vor dem sonntag cantate; ebd., Stück-Nr. 21).
    2
     Bereits am folgenden Tag, dem 18.6., sagte Neithart den Bundestag wegen des Waffenstillstands [von Arco] zwischen der Gft. Tirol, Venedig und Frankreich wieder ab (Or. m. S., [Ulm], sonntags trinitatis; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 [alt S I L 61, Nr. 4], fol. 21–21’; StdA Augsburg, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol.; AV Straßburg, AA 353, fol. 20–20’).
    1
     Laut der Chronik von Diebold Schilling berichteten die wohl Ende November vom ksl. Hof in den Niederlanden zurückgekehrten Gesandten der drei Urkantone nit vil sundriger gnad noch guͦtz von im, wie sy entpfangen, gehalten und gelassen waͤrend, ouch wie er gantz des willens waͤre, nach dem tag zuͦ Wurms den zug gan Rom anzenaͤmen, alß er das tuͦn muste, wann er hatte das den Niederlaͤnschen verheissen. […]. Des Roͤmschen keisers fürnaͤmen wz ouch, alß der dryen Laͤnder botten seitend, mit den fürsten ze reden, sy haͤttend inn daran bracht, das er sich selber keiser schribe und den namen haͤt angenomen, und woͤltend aber nuͦ über ir zuͦsagen dahinden bliben und im den Romzug nit haͤlffen tuͦn, dardurch aber die Eitgnossen und ander ouch unwillig worden. Wo nuͦ dieselben fürsten noch des willens waͤrend, im zum Romzug nit ze haͤlffen, das sy dann im sollichs gaͤbend ze verstan, so woͤlte er das Rich lassen sin, da es waͤre, und gan Insbruck faren und da versuͦchen und luͦgen, das im das sin, so er umb iren willen verloren haͤtte und zum huß Osterich gehorte, wider wurde und an dem end sins vatterlichen erbs gelaͤben (Schilling, Bilderchronik, S. 461). Vgl. Rück, Schilling, S. 17–43.
    2
     Zu den Verhandlungen ksl. Gesandter auf dem Eidgenössischen Tag zu Einsiedeln im Nov./Dez. 1506 vgl.Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 256, S. 355; Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 44, S. 160f.; Kohler, Suisses, S. 33f.; Gagliardi, Anteil, S. 609f.; Rieber, Schad, S. 111f.
    3
     Paul von Liechtenstein zeigte sich gegenüber dem Ks. am 30.12. bezüglich eines möglichen Verhandlungserfolges angesichts der notorischen Unzuverlässigkeit der Eidgenossen und ihres unersättlichen Geldbedarfs skeptisch. Er plädierte dennoch für eine Fortsetzung der Bemühungen (Or. Innsbruck; Postverm.: In irer Mt. aigen hand oder dem von Serntein und sunst niemand aufzutun; HHStA Wien, Maximiliana 20, Konv. 1, fol. 171–176’, hier 172’). Der ksl. Reichsschatzmeister Hans von Landau drängte Anfang Februar 1509 die Innsbrucker Regierung auf die Fortsetzung der Einungsverhandlungen mit den drei Urkantonen (Or. Konstanz, 3.2.1509; ebd., Konv. 2, fol. 45–46’; Wenko, Kaiser, S. 98). Wie aus einem Schreiben Niklas’ von Firmian und Albrechts von Wolfstein an das Regiment hervorgeht, stellte allerdings die kriegsbedingte Geldknappheit und die damit verbundene Unmöglichkeit, Provisionen an die Eidgenossen zu zahlen, ein erhebliches Problem dar (Or. Konstanz, 9.3.1509; ebd., fol. 92–92’).
    1
     In der Regensburger Überlieferung liegt dem Ausschreiben eine vom 25.6. datierende ksl. Weisung an den Boten Jakob Rot bei: Wo dir dieser unser brief geantwort wirdet, das du dich an demselben ende wendest, mit unserm ausschreiben [Nr. 36] in das Reich nit furter ziehest und dere keins mer uberantwortest, sonder von stund an damit zu uns komest(Kop. Boppard, mit imit. Verm. cdip. und Gegenz. G. Vogt; HStA München, Gemeiners Nachlass 27, [Fasz. 1508], unfol.).
    2
     Die Hh.Älteren Anton Tucher und Anton Tetzel dankten Kf. Friedrich von Sachsen am 7.7. für seine am Vortag eingegangene Mitteilung über die Verschiebung des RT und erklärten, dass Nürnberg bislang noch nicht darüber informiert worden sei (Druck: Westphal, Korrespondenz, Nr. 102, S. 311).
    3
     Vermutlich mit diesem Ausschreiben ging den Ständen auch der Befehl zu, für den Kg. von Frankreich und Karl von Egmond bestimmte Kriegsknechte nicht passieren zu lassen (Boppard, 23.6.1508; Kop. mit imit. Verm. amdip. und Gegenz. J. Renner; StdA Esslingen, F 283 RTA Worms 1509, unfol.).
    1
     Ratsbestallung vom 2.12.1507 (Demandt, Regesten II/1, Nr. 1629, S. 622).
    2
     Der Ausgleich mit Hg. Ulrich gelang erst 1510. Gf. Ludwig musste durch Vertrag vom 29.10. die im Landshuter Erbfolgekrieg erzwungene württembergische Lehnshoheit gegen Rückgabe von Teilen der Gft. Löwenstein akzeptieren. Vgl. Sattler, Geschichte I, S. 110f.; Heyd, Ulrich I, S. 121–123; Dressel, Graf, S. 107.
    1
     Hasselblatt/Kaestner(Urkunden, Nr. 41, S. 35) weisen das an die Stadt Göttingen übergebene Exemplar nach. Das an die Ff. von Anhalt adressierte Ausschreiben (LHA Sachsen-Anhalt, Dessau, Z 4 I [Anhaltisches Gesamtarchiv, Alte Ordnung, Beziehungen zu Ks. und Reich], 96b, Nr. 5) ist verlorengegangen.
    2
     Zur Niederlage der ksl. Truppen im Cadore im März 1508 vgl.Sanuto, Diarii VII, Sp. 347–352 (Bericht Bartolomeos d’Alviano vom 10.3.); Ulmann, Kaiser II, S. 344–346; Wolff, Beziehungen, S. 98–100; Skriwan, Kaiser, S. 71-73; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 18f.
    3
     Verweist auf die Verhandlungen mit den in Mainz versammelten Kff. und Ff. (Kap. I.1) sowie auf die Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund im April/Mai 1508 [Nrr. 2; 5; 10, Anm. 8].
    4
     Zum Beitrag der österr. Erblande für den Romzug vgl.Heil, RTA-MR IX/2, S. 1189f. Anm. 2; Wolff, Beziehungen, S. 91f.; Pernthaller, Bestrebungen, S. 91f.; Schmid, König, S. 189–191; Skriwan, Kaiser, S. 19f.; Köfler, Land, S. 275f.
    5
     Vgl. zu den vergeblichen Bemühungen Ks. Maximilians um Unterstützung in Italien Schmid, König, S. 191f.; Pernthaller, Bestrebungen, S. 93f.; Skriwan, Kaiser, S. 18f.
    6
     = Einfallstore, Angriffsbasen.
    7
     Dreijähriger Waffenstillstand von Arco bzw. St. Maria di Grazia, 6.6.1508 [Nachweise siehe Nr. 36, S. 174, Anm. 4].
    8
     = dürfen, können (Fischer, Schwäbisches Wörterbuch II, Sp. 509f.).
    9
     Zumindest einige Reichsstände gingen davon aus, dass der Ks. auch diesen Termin nicht einhalten würde. So entschuldigten sich Kf. Ludwig von der Pfalz und Bf. Gabriel von Eichstätt noch vor der nächsten offiziellen Verschiebung auf den 21.2. [Nr. 50], wegen des RT nicht an den für den 22.–24.1.1509 angesetzten Trauerfeierlichkeiten für Hg. Albrecht von Bayern teilnehmen zu können (Czerny, Tod, S. 241).
    10
    Gemeint ist Reiner, illegitimer Sohn Adolfs von Egmond, von 1502 bis 1522 Statthalter des Oberquartiers Geldern und seit 1507 geldrischer Rat. – Aufgrund einer Warnung des Kommandeurs von Béthune, Claude Bonnard, an Ehgin. Margarethe, wonach Kg. Ludwig von Frankreich bis zu 10 000 Gascogner (Gassecon)aus Italien nach Geldern entsandt hatte, befahl Ks. Maximilian am 16.7. der niederländischen Statthalterin die Einleitung von Gegenmaßnahmen (Bergh, Correspondance I, Nr. 44, S. 115f.; Struick, Gelre, S. 128). Vgl. Kalsbeek, Betrekkingen, S. 72.
    11
    = einschließen, belagern, schädigen (Anderson/Goebel/Reichmann, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch III, Sp. 749f.).
    12
    Spielt auf die Niederlage der bereits auf dem Rückzug befindlichen frz. Hilfstruppen gegen ein Brabanter Aufgebot bei St. Hubert im Okt. 1507 an (Nijhoff, Gedenkwaardigheden VI/1, S. C; Duncker, Fürst, S. 41; Struick, Gelre, S. 120).
    13
     = anderen ein (warnendes) Beispiel geben, (ein Vorbild) nachahmen (Lehmann/Stroux, Mittellateinisches Wörterbuch III, Sp. 1556f.).
    14
     = unweigerlich, ohne Aufschub (Deutsches Rechtswörterbuch X, Sp. 601f.). Hier ist zugleich angedeutet, dass Säumigkeit als Ungehorsam angesehen würde (Anderson/Goebel/Reichmann, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch III, Sp. 1401).
    1
     Hasselblatt/Kaestner(Urkunden, Nr. 42, S. 35) weisen das der Stadt Göttingen zugestellte Exemplar nach.
    2
     Ks. Maximilian nennt in einem Ausschreiben an die Stände der Gft. Hennegau [Louis de la] Trémoille, den H. von Orval [Jean d’Albret] und Robert von der Marck (Duisburg, 18.7.1508; Druck: Gachard, Lettres II, Nr. CXXVII, S. 122).
    3
     Lehenbrief Ks. Friedrichs III. für Hg. Karl von Burgund über das Hm. Geldern und die Gft. Zutphen vom 6.11.1473 (Druck: Lünig, Reichsarchiv VII (Part. Spec. Cont. I, 2. Abt., Anh., 3. Abs.), Nr. XVIII, S. 115f. Regest: Chmel, Regesta, S. 660, Nr. 6815; Dünnebeil/Luger, Urkunden, Nr. 217, S. 159).
    1
     Eine Anfrage an das oberösterr. Landesarchiv in Linz wegen des bei Moltke(Dietrichstein, S. 139 Anm. 27) mit unvollständiger Signatur zitierten Exemplars ([Ständische Handschriften], Annalen, fol. 85–98) blieb leider erfolglos.
    2
     Kredenzbrief Ks. Maximilians für Gesandte zu den auf dem nächsten Landtag versammelten unterderennsischen Ständen, Den Haag (Grafnhag), 27.8.1508 (Kop. mit imit. Verm. cdip. und Gegenz. G. Vogt; NÖLA St. Pölten, Landtagshandlungen, Kart. 1, Fasz. mit der Aufschr.: Landtag der niederösterr. vier Stände zu Krems, den 29.9.1508, fol. 6). Kredenzbrief und Instruktion wurden in Krems am 29.9. vorgelegt.
    3
     Das Wort steht in der Textvorlage A irrtümlich vor costen.
    4
     Zu den folgenden Verhandlungen der niederösterreichischen Landstände vgl. Nrr. 135–138.
    1
     In seinem Schreiben vom 24.9. machte Bf. Matthäus Lang von Gurk dem Kf. deutlich, dass der Ks. zum Waffenstillstand mit Venedig, wiewol derselb nit wol eerlich oder nutzlich noch fur die ksl. Mt. gewesen und noch nit ist, gezwungen war. Er äußerte indessen hohe Erwartungen an die bevorstehenden Friedensverhandlungen mit Frankreich. Lang formulierte noch einmal die Hoffnung des Ks. auf ein Erscheinen Kf. Friedrichs und bekundete auch dessen feste Absicht, persönlich am RT teilzunehmen. Er stellte ihm darüber hinaus in Aussicht, ihm bei einer persönlichen Zusammenkunft in Worms Mitteilungen zu machen, daran e. Gn. gut gefallen haben werd(Or. Tournai; HStA Weimar, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 7–8’).
    2
     Die damit implizit verbundene Aufforderung, in einem Stechen gegeneinander anzutreten, wurde wegen der verspäteten Anreise Kf. Friedrichs nicht in Worms, sondern erst im folgenden Jahr auf dem Augsburger RT realisiert. Vgl. Seyboth, RTA-MR XI/1, Nr. 454, Anm. 1.
    3
     Diese erotische Anspielung erklärt, warum Ks. Maximilian den Nachtrag diskreterweise eigenhändig niederschrieb und nicht wie das restliche Schreiben einem Schreiber diktierte.
    1
     Wahrscheinlich spielt Serntein auf die projektierte Ablösung der Statthalterin Ehgin. Margarethe durch den Exponenten der Kriegspartei, Rudolf von Anhalt, an. Vgl. Duncker, Fürst, S. 70; Struick, Gelre, S. 129f.; Skriwan, Kaiser, S. 244f. Doch bestätigte der Ks. im März 1509 gemeinsam mit Ehg. Karl zuerst die Ordnung für den Großen Rat in Mecheln sowie dessen Mitglieder und erneuerte dann das Mandat für Ehgin. Margarethe als Statthalterin (frz. Druck; Laurent, Recueil II/1, S. 75–79; 79–81).
    1
     Dieser Entwurf liegt nicht vor. Am 26.12. informierte der Ks. die Stände über die Verschiebung des RT auf den 21.2. [Nr. 50].
    2
     Mit Schreiben vom 27.12. teilte Topler den Hh.Älteren mit, dass der Ks. den Wormser RT auf den 22.2. (katedra Petri)ausschreiben lasse und ohne Zweifel persönlich daran teilnehmen werde. Der Ks. werde voraussichtlich um den 8.2. (8 tag nach purificacionis)in Köln eintreffen. Dorthin habe er einige Ff. beschieden, um ihn nach Worms zu begleiten (eigh. Or.[Mecheln]; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, D-Laden Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 26, unfol. Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 26, hier S. 163). Am 2.1. teilte er ergänzend mit, dass der Ks. auf dem RT eine Hilfe gegen die Türken beantragen werde, die bereits die Walachei kontrollierten und den Kg. von Ungarn angreifen wollten. Dies sei der Zweck des Friedens mit Frankreich. Der frz. Kg. werde 6000 Schweizer und 400 Lanzenreiter stellen, der Kg. von Aragon ebenfalls eine großes Truppenkontingent, so auch der Papst und andere Kgg. In 14 Tagen würden außerdem die nach Mecheln einberufenen niederländischen Stände ihren Beitrag festlegen (eigh. Or.[Mecheln]; StA Nürnberg, ebd., Stück-Nr. 27, unfol. Druck: Gümbel, ebd., Nr. 27, hier S. 166).
    1
     Gemeint sind Thomas Howard (Hannard), Gf. von Surrey, der englische Vizekanzler John Young (Sunge)und Edmund Wingfield, die Kg. Heinrich im Oktober 1508 in die Niederlande entsandt hatte. Auf Wunsch Ehgin. Margarethes nahmen sie auch am Tag von Cambrai teil (Bergh, Correspondance I, Nr. 47, S. 123–125; Lemaire, Concorde, S. 71, S. 87f. Anm. 37; Mariño/Moran, Tratados, S. 193, 219; Gairdner, Letters I, S. 442–449; Kooperberg, Margaretha, S. 320). Ein weiterer prominenter Teilnehmer war anscheinend Thomas Wolsey (Sallaberger, Kardinal, S. 67).
    2
     Es handelte sich um den Gesandten am frz. Hof, Jaime de Albión (Mariño/Moran, Tratados, S. 205–207, 215–217; Zurita, Historia IV, S. 346), und vermutlich auch um den am Hof Ehgin. Margarethes weilenden Jaime de Conchillos (Fink, Beziehungen, S. 72f.). Die engl. und span. Gesandten spielten bei den Verhandlungen eine untergeordnete Rolle. Vgl. Ulmann, Maximilian II, S. 366 Anm. 2; Skriwan, Kaiser, S. 108; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 28; Bridge, History, S. 9.
    3
     Ks. Maximilian ratifizierte die in Cambrai geschlossenen Verträge am 26.12., dem Datum des obigen Ausschreibens (Bericht Niccolò Frisios vom 27.12.; Druck: Luzio, Preliminari, S. 308–310. Vgl. Wenko, Kaiser, S. 16; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 32).
    4
     Der Text des Ausschreibens findet sich wortgetreu in einem nicht vollzogenen Memorial für eine Instruktion Erasmus Toplers als Gesandten zu Lgf. Wilhelm von Hessen, Bf. Lorenz von Würzburg und Bf. Georg von Bamberg wieder. Demnach hätte Ks. Maximilian es dem Lgf. frei stellen wollen, sich mit Rücksicht auf seinen schlechten Gesundheitszustand in das nahegelegene Schloss Stein zu verfügen, statt nach Worms zu reisen. Laut dem Memorial sollten Degen Fuchs Ebf. Leonhard von Salzburg und Hg. Wilhelm von Bayern sowie Balthasar Wolf von Wolfsthal Bf. Philipp von Freising, Bf. Gabriel von Eichstätt und Bf. Heinrich von Augsburg zum persönlichen Erscheinen auf dem RT auffordern (undat. Konz.; TLA Innsbruck, Maximiliana XIV, Kart. 38, Fasz. 2c, fol. 154–157’). – Diebold Schilling vermerkt in seiner Chronik zur Verschiebung des RT: Da nuͦ, alß man gehoͤrt hat, ein tag vom keiser von allen fürsten verkündet und gan Wurms angesetzt, ouch vil herschafft darkomen was, fiel die pestelentz in und fieng man so vast an staͤrben, das der keiser nit dar wolt, sunder kündt er den tag ab bitz zuͦ andern zitten und an ort, da man mit guͦten statten den moͤcht geleisten. Wann der keiser was dennocht im Niderland nit gantz fertig uß der ursach, das der cardinal von Ruwan und ander maͤchtig heren vom küng von Franckrich im nachrittend und by im warend, die bericht ze bschliessen (Schilling, Bilderchronik, S. 469).
    1
     Kredenzbrief Ks. Maximilians für Topler, Mecheln, 27.12.1509 (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein; HStA Weimar, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 21–21’).
    2
     Kf. Friedrich erklärte am 2.2., den Vortrag Toplers angehört und ihn mit der Übermittlung seiner Antwort beauftragt zu haben. Gleichzeitig bat er um die Mitteilung neuer Nachrichten (Or. Gotha, freitag purificacionis Marie virginis gloriosissime; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]; TLA Innsbruck, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 3–3’).
    1
     Vertrag von Cambrai vom 10.12.1508 (lat. Druck: Léonard, Recueil II, S. 46–57; DuMont, Corps IV/1, Nr. LI, S. 109–113; Mariño/Moran, Tratados III/1, Nr. 10, S. 175–201. Frz. Druck: Le Glay, Négociations I, Nr. LXIX, S. 225–236). Vgl. zum Vertragswerk von Cambrai Wenko, Kaiser, S. 12–16; Leipold, Beziehungen, S. 268f.; Pernthaller, Bestrebungen, S. 164–167; Skriwan, Kaiser, S. 110–121; Simon, Beziehungen, S. 69–73; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 29–31; Baumgartner, Louis, S. 193f.; Le Fur, Louis, S. 82f.; Quilliet, Louis, S. 387; Cloulas, Jules, S. 173f.; Seneca, Venezia, S. 111–113; Pastor, Geschichte III/2, S. 754f. Zu der am 11.12. zwischen Ehgin. Margarethe und dem Kardinal von Rouen getroffenen Übereinkunft zu Angelegenheiten der burgundischen Erblande vgl.Quinsonas, Materiaux III, Nr. XXII, S. 207–214.
    2
     Mit diesem „offenbar geheimen Bericht“ informierte Ks. Maximilian vermutlich erstmals einige wenige Reichsfürsten, nicht jedoch die Reichsstädte über die wichtigsten Punkte des gegen Venedig gerichteten Bündnisses (Wiesflecker, Maximilian IV, S. 33; Böhm, Reichsstadt, S. 62). Druck des geheimem Bündnisvertrags vom 10.12.1508: Lünig, Reichsarchiv VI (part. spec. cont. I), Nr. LVII, S. 128–131; Léonard, Recueil II, S. 58–63; DuMont, Corps IV/1, Nr. LII, S. 113–116; Le Glay, Négociations I, Nr. LXX, S. 237–243; Mariño/Moran, Tratados III/1, Nr. 10 bis, S. 202–214.
    1
     Die Unterredung mit Schrautenbach hatte Ks. Maximilian am 14.1. angekündigt [Nr. 205], am 20.1. schrieb er entsprechend der erfolgten Antwort an seine Kommissare [Nr. 93]. Schrautenbach teilte Lgf. Wilhelm mit Schreiben vom 16./17.1. mit, die ksl. Antwort noch nicht erhalten zu haben. Der Ks., Lang und Serntein würden noch darüber beraten. Der Ks. habe ihm einen Bescheid innerhalb von zwei bis drei Tagen in Aussicht gestellt (Or. m. Siegelspuren, Mecheln, dinstag/mittwochen nach dem achzehenden; Postverm.: In sein ftl. Gn. eygen hand; StA Marburg, Best. 2, Nr. 109, fol. 84–86’, hier 84’, 85).
    2
     Liegt nicht vor. Schrautenbach hatte das Bedenken an den Ks. ausgehändigt, da dieser sich sehr freundlich über den Lgf. geäußert hatte, und darzu der furgnomen friede mit Frankrich und sich sonst alle irer Mt. furnemen, sovil ich der gemerken kan, mit demselben ratschlage verglichen. Der Ks. antwortete bei der Entgegennahme: Ich will ine schone verwaren und ine soll nyemants sehen. Es soll allein in glauben zuschen mir und mynem oheymen stehen[wie Anm. 1, hier fol. 84].
    1
     Kredenzbrief Bf. Ludovicos von Mantua für seinen Neffen Ettore Gonzaga an Mgf. Friedrich von Brandenburg vom 6.2.1509 (dt.Übersetzung; StA Bamberg, GHAP 6073, fol. 8). Ettore war ein unehelicher Sohn Rodolfo Gonzagas und stand in Diensten Venedigs.
    2
     Mgfin. Barbara (gest. 1481), Tochter Mgf. Johanns von Brandenburg-Kulmbach und Hgin. Barbaras von Sachsen, war verheiratet mit dem 1478 verstorbenen Mgf. Ludovico III. von Mantua. Somit war sie die Mutter Bf. Ludovicos und Großmutter seiner drei Neffen und zugleich eine Cousine Mgf. Friedrichs (Schwennicke, Europäische Stammtafeln I/1, T. 129).
    3
     Zu den für die Vertragspartner von Cambrai vorgesehenen Eroberungen siehe Nr. 404, S. 596f., Anm. 2f.
    4
     Hier und öfter missverständliche Übersetzung der italienischen Vorlage, in der zweifellos von terre franchedie Rede war (so z. B. auch in der Relation Vincenzo Querinis von 1506; Druck: Chmel, Rilatione, S. 273–279 u. ö.).
    1
     Die Eröffnung des Feldzugs durch Papst Julius und Kg. Ludwig von Frankreich war für den 1.4. geplant. Ks. Maximilian sollte mit Rücksicht auf seinen noch bestehenden Waffenstillstandsvertrag mit Venedig innerhalb von 40 Tagen nachfolgen (Bündnisvertrag von Cambrai, 10.12.1508, § 4; Druck: Lünig, Reichsarchiv VI (part. spec. cont. I), Nr. LVII, S. 128–131, hier 129; Léonard, Recueil II, S. 58–63, hier 59; DuMont, Corps IV/1, Nr. LII, S. 113–116, hier 115; Le Glay, Négociations I, Nr. LXX, S. 237–243, hier 239; Mariño/Moran, Tratados III/1, Nr. 10 bis, S. 202–214, hier 209f.).
    1
     Am 22.2. übersandte Mgf. Friedrich dem Ks. Abschriften des Schreibens Ettore Gonzagas und seiner Antwort darauf (Konz., donerstag nach dem sontag esto michi; Postverm.: In sein gnaden aigen hand; StA Bamberg, GHAP 6073, fol. 16).
    1
     Bericht und Antwort darauf liegen nicht vor.
    2
     Gemeint sind unter anderem Lgf. Wilhelm von Hessen und Kf. Friedrich von Sachsen, vermutlich auch Hg. Georg von Sachsen. Vgl. die Hinweise in Nrr. 61 [Pkt. 1]; 205, S. 339, Anm. 4.
    3
     Der Doge von Venedig Leonardo Loredan rechtfertigte gegenüber Nürnberg mit Schreiben vom 11.2. – entsprechende Missive gingen an Ulm, Straßburg und Augsburg aus – die militärischen Vorbereitungen Venedigs. Er beteuerte, den Waffenstillstand [von Arco, 6.6.1508] nicht verletzen zu wollen, und bekundete die Freundschaft Venedigs zu Ks. und Reich. Die Nürnberger Kaufleute könnten auf dem Territorium Venedigs weiterhin unbesorgt Handel treiben (lat. Or. Perg. m. anh. Bleibulle; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, B-Laden Urkunden, Nr. 72. Druck: Simonsfeld, Fondaco I, Nr. 670, S. 376). Nürnberg informierte den Ks. am 27.2. über das an diesem Tag eingegangene Schreiben (Kop., eritag nach invocavit; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 121).
    1
     Entweder ist der Hilfsbeschluss des Salzburger Ausschuss-Landtags vom März 1509 (1 Reiter/2 Fußsoldaten je 200 Pfd. Gülterträgen für vier Monate [Nr. 141]. Vgl. Huber, Geschichte III, S. 376f.; Mader, Liechtenstein, S. 130) oder die entsprechende Bewilligung des Wiener Landtags vom 25.3.1509 [Nr. 61, S. 207f., Anm. 2] gemeint.
    2
     In der kurbrandenburgischen Überlieferung findet sich außerdem eine undatierte Nachricht Steins mit folgendem Inhalt: Gnedigster herr, ich bin von einem wissenden bericht, ksl. Mt. sey willens, Osterreich und Burgun[d] zu kunigreich [zu] machen. Notate etc. E. Gn. fertig [Dr. Jakob] Mathis zeytlich wider zu mir etc. Will indes nit feyern, allerlei e. Gn. alsdan zu verkunden (GStA Berlin, I. HA, Repos. 11, Nr. 7799, fol. 1; laut Repertorium auf 1509 zu datieren). Ks. Maximilian hatte am 22.11.1508 auf einer Versammlung des Ordens vom Goldenen Vlies seine Absicht erklärt, Österreich und Burgund zu einem Kgr. zu vereinigen. Laut seinem Bekunden waren entsprechende Verhandlungen in Österreich bereits aufgenommen worden (Reiffenberg, Histoire, S. 279f.; Walther, Zentralbehörden, S. 93; Kooperberg, Margaretha, S. 297f.).
    1
     Vermutlich hauptsächlich aufgrund dieser Stellungnahme Liechtensteins wurde der geplante Landtag abgesagt (Wenko, Kaiser, S. 142).
    2
     Zyprian von Serntein hatte Liechtenstein am 3.4. geschrieben, dass der Ks. die zum Landtag nach Ensisheim verordneten Räte zuerst zu sich nach Worms berufen wollte. Da er aber selbst nicht rechtzeitig dort eintreffen würde, wurde davon abgesehen (Konz. mit ex.-Verm., Duisburg; HHStA Wien, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 13–15’, hier 15–15’. Druck: Moser, Kanzlei II, S. 95–101, hier 101; Kraus, Briefwechsel, S. 120–125, hier 125. Bei Wiesflecker-Friedhuber, Quellen, Nr. 50, S. 172–175, ist diese Passage weggelassen.). Vgl. zum Landtag in Ensisheim Bischoff, Gouvernés, S. 114; Speck, Landstände II, S. 779; Wenko, Kaiser, S. 145; Mader, Liechtenstein, S. 129.
    3
     Liegt nicht vor.
    1
     Ksl. Kredenzbrief für Nassau und Topler, Ulm, 4.5.1509 (Or. m. Siegelspuren, Vermm. prps./cdip., Gegenz. Serntein; HStA Weimar, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 47–47’).
    2
     Mit dem Argument eines drohenden venezianischen Präventivschlags operierte Ks. Maximilian auch wiederholt gegenüber den eigenen Landständen: Unter Hinweis darauf sollten ksl. Räte auf dem Ende März 1509 in Wien versammelten niederösterr. Landtag eine Hilfe fordern (Instruktion Ks. Maximilians zum Wiener Landtag vom 19.3.1509; Druck: Zeibig, Ausschuss-Landtag, S. 121–123). Wiederum mit diesem Argument sollten ksl. Räte unter Berufung auf die dann erfolgte Hilfsbewilligung von einem Pferd und zwei Fußknechten je 200 Pfd. Gülterträgen [Beschluss des Wiener Landtags vom 25.3.1509; ebd., S. 131–133; Wiesflecker, Maximilian IV, S. 295] und daraufhin bereits ausgegangene ksl. Aufmahnungsmandate die niederösterr. Landstände zur unverzüglichen Ausrüstung der Truppen und deren Bereitstellung in den Sammelorten Villach und Laibach anhalten (Weisung an ksl. Räte, Konz. mit ex.-Verm., Stuttgart, 30.4.1509; TLA Innsbruck, Maximiliana I/44/6, fol. 33–33’). Auch auf dem für den 1.6. (freytag nach den pfingstfeyrtagen)nach Sterzing einberufenen Tiroler Landtag sollte über den Krieg mit Venedig beraten werden. Maximilian plante, persönlich daran teilzunehmen. Er wies seinen Landeshauptmann an der Etsch und Bgf. zu Tirol, Leonhard von Völs, an, sich nach Sterzing zu verfügen. Dort sollten auch die ursprünglich für den Wormser RT projektierten Verhandlungen über dessen aus dem Venezianerkrieg von 1508 resultierende Forderungen und weitere Angelegenheiten Völs’ stattfinden (Or. Kempten, 24.5.1509; TLA Innsbruck, Maximiliana I/44/6, fol. 48–48’).
    1
     Kf. Friedrich teilte Lgf. Wilhelm von Hessen mit Schreiben von diesem Datum mit, dass er den ksl. Gesandten Gf. Johann Ludwig von Nassau für heute in Marburg erwarte (eigh. Or. m. Siegelrest, mittwoch in der creuzewochen; Postverm.: Zu seiner lieb handen; StA Marburg, Best. 2, Nr. 296, fol. 142–142’).
    2
     Laut der in einer Weisung Kf. Friedrichs an Mansfeld und Renner enthaltenen Wiedergabe seiner Antwort an die ksl. Gesandten [Nr. 424, Pkt. 2] wies er auch darauf hin, dass eine Erklärung über die Fortsetzung seines Statthalteramtes zu diesem Zeitpunkt für seine Reputation nachteilig wäre, falls die Reichsstände sich gegen eine weitere Statthalterschaft aussprechen oder einen anderen Kandidaten favorisieren sollten.

    Anmerkungen

    a
    –a dem ... rate] In A handschriftliche Einfügung. In B: den ersamen unsern und des Reichs lieben getreuen N., burgermaister und rate der stat Frankfort, unser gnad und alles guet. Ersamen, lieben getreuen. In C: dem edeln unserm und des Reichs lieben getreuen Johannsen, graven zu Nassau in Tillenberg, unser gnad und alles gut. Edler, lieber getreuer.
    b
     Wormbs] In A-C handschriftliche Einfügung.
    c
     dich] In A handschriftliche Einfügung. In B handschriftlich: euch. C wie A. – Im Folgenden sind die handschriftlichen Einfügungen – siehe dazu die Kurzbeschreibung der überlieferten Exemplare im Textkopf – ebenso wie Singular und Plural in der Anrede samt den sich daraus ergebenden grammatikalischen Konsequenzen bei der Kollationierung nicht mehr erfasst.
    d
    –d dann ... gewalt] Fehlt in B. C wie A.
    e
    –e auf ... thuest] In B: durch Euer Rats potschaft auf demselben tag erscheinet. C wie A.
    f
    –f Wir … ernstlichn] Ergänzung dieses handschriftlichen Zusatzes gemäß B. Fehlt in A/C.
    a
    –a dem ... furst] Handschriftliche Einfügung. In B: den ersamen unsern und des Reichs lieben getreuen N., burgermaister und rat der stat Nuremberg, unser gnad und alles guet. Ersamen, lieben getreuen. In C: der erwirdigen unser und des Reichs furstin und liebe andechtige N., ebtissin des gotzhaus Nidermunster zu Regenspurg, unser gnad und alles gut. Erwirdige furstin, liebe andechtige.
    b
     dir] In B: eüch. – Varianten bei der Anrede (Dir/Eüchetc.) und daraus resultierende grammatikalische Abweichungen werden in der Folge nicht mehr erfasst.
    c
     selbs Persondlich] In B: durch ewer Ratspotschafft.
    d
    –d vnnd ... thüest] Fehlt in B.
    e
     Collen] Handschriftliche Einfügung.
    f
     vierzehenden] Handschriftliche Einfügung.
    a
    –aDafür … stattfinden] In B Randverm.: Articuli superiores d[ebe]nt consultari in gene[rali] conventu.
    b
     stattfinden] In B zusätzlich am Textende: Dr. Reichenbach ergänzte nach Verlesung der Instruktion, dass der Ks. als Termin den 16.10. (sand Gallen tag)bestimmt habe.
    a
    –aFür ... einzufinden] In D: Er wird in Kürze zum RT nach Worms aufbrechen. Befiehlt ihm, unverzüglich dorthin zu kommen. In E: Er wird in Kürze zum RT nach Worms aufbrechen. Befiehlt ihnen, unverzüglich ihre bevollmächtigten Gesandten dorthin zu schicken.
    a
    –asondern … begeben] In B korrigiert aus: insbesondere, da er von den Niederlanden aus dem frz. Kg. schriftlich zugesagt hat, dass er eilends in die Gft. Tirol ziehen und sich unterwegs nicht aufhalten werde.
    b
    –bEr … unterbinden] In B korrigiert aus: Er ist deshalb eilends aufgebrochen und befindet sich auf dem Weg in die Gft. Tirol, um zu verhindern, dass seinen Landen und Leuten vom Feind [korrigiert aus: Erbfeind] nicht wiedergutzumachender Schaden zugefügt wird.
    c
     übernehmen] In B danach gestrichen: und verhelfen, damit uns die hilf furderlich zukume, als wir uns des zu im genzlichn verlassen.
    d
    –d unser … mocht] In B korrigiert aus: a) uns bayden erlichen und nutzlichen ist; b) unser baider ere und wolfart sey.
    e
    –egegen … Bestallungsbrief] In B Einfügung am Rand.
    f
     50] In B korrigiert aus: 100.
    g
     stellen] In B danach gestrichen: So wollen wir im dieselben IC pferd an der hilf, sofer uns die durch die stende des Reichs verwilligt wirdet, abgen lassen. Wo aber solh hilf nit verwilligt wurde oder das sich die nit so weyt erstrecken wurde, so wellen wir sein lieb des in ander weg vergnugen und uns deßhalben gnediclich und fruntlich mit im vertragen.

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    « Š2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages  »

    «Nr. 36 Erstes Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 31. Mai 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den kgl. Romzug, Abwehrkampf Tirols; [2.] Absichten Frankreichs gegen das Hl. Reich; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Verschiebung des Termins.

    Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 103, fol. 355–355’ (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt, Anrede, Grußformel und Tagungsort handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 9–9’ (wie A, Siegelrest auf der Rückseite, handschriftliche Ergänzung am Textende; präs. Frankfurt durch Friedrich von Alzey am 22.6.1508) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423 (wie A; Adressat: Gf. Johann von Nassau-Dillenburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A, besch. S.; handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen). Hagenau, AM, AA 118, unfol. (wie A, Siegelrest, Präsentatverm.: Uberantwurt herr Hans Flemyngen, stetmeister, uf zinstag noch trinitatis [20.6.] Ao. VIIIo durch Gabrielen N., der ksl. Mt. boten.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 10–10’ (wie A, Siegelrest; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg; Präsentatverm.: Dusser brief ist meynem gnedigen hern durch keiserlicher Mt. botschaft zu Czell uberantwort ahm abend Jacobi [24.7.] anno etc. octavo.). Koblenz, LHA, Best. 29A, Nr. 948 (wie A; Adressaten: Gff. Dietrich und Johann von Manderscheid). Ludwigsburg, StA, B 113 I, Bü. 62, unfol. (wie A; Adressaten: Friedrich Schenk von Limpurg und seine Brüder [Georg und Gottfried]). Meiningen, StA, GHA II, Nr. 9, fol. 3–3’ (wie A; Adressat: Gf. Wilhelm von Henneberg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27 [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, erchtags Udalrici [4.7.]). München, HStA, KU Regensburg/Niedermünster, 1508.V.31 (wie A, Siegelrest, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Äbtissin [Agnes Nothafft] von Niedermünster). Nordhausen, StdA, I. Abt., Nr. D 22a (wie A, handschriftliche Ergänzung am Textende; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen). Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (wie A; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg; präs. 24.6.1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 1–1’ (wie A; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg).1

    ŠKurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 940, S. 746 (Adressat: Frankfurt); Linke, Urkundenbuch I, Nr. 84, S. 42 (Adressat: Nordhausen); Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 460, S. 411 (Adressat: Gf. Wolfgang von Fürstenberg).

    [1.] WJr, Maximilian, von gots gnaden Erwelter Romischer Kaiser, zu allen tzeyten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kunig, Ertzhertzog zu Osterreich, Hertzog zu Burgundi, zu Brabant vnd Phallenntzgraue etc., Embieten adem hochgebornen Fridrichen, marggrafen zu Brandenburg, zu Stettin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggrafen zu Nurmberg und fursten zu Rugen, unserm lieben oheim, fursten und rat unser gnad und alles guet. Hochgeborner, lieber oheim, furst und rate–a. Auf vnnsern vnd der Churfursten, Fursten vnd Stennde des heiligen Reichs abschid vnd besluss von dem negsten Reichstag zu Costenntz haben wir vns mit derselben hilf, die vns wol in clainer antzal ankumen ist, Doch dartzu ainem treffenlichen vnnserm selbs kriegsvolck des Romtzugs zu erlangen Kaiserlich Cron vndterstanden, die Granitzen vnd Pass der Venediger, als not gewesen ist, angetzogen. Vnd als Sy vns die vber manigfaltig vnser guetlich ansuechen, Auch vil gnadig verschonen, Dess wir vns lang her vmb ditz durchzugs willen gegen Jnen beflissen, hochmuetigclich versagt vnd abgeslagen, Sein wir geursacht, ob wir anderst gedachtem Abschid vnd besluss zu Costenntz gnug tuen wollen, die Pass mit gewalt zu suechen. Aber wider solich vnser vnd des Reichs furnemen vnd dasselb zu Jrren, zu wennden vnd abzustellen, haben sich die Venediger mit hilf vnd beystand des kunigs zu Franckreich zusambt ainer grossen antzal Aidgnossen, die Er aufbracht vnd Sy damit gesterckt hat, gwaltigclich emport Vnd also mit dreyerlay macht vnnsern furnemen dermassen begegnet, das vns mit vnserm vnd des Reichs klainem volck, als menigclich zu erkennen, in vnsern furnemen zu uollfarn zu uil wagklich, auch unmuglich vnd on nutz gewest ist Vnd der notturft nach geursacht vnd bewegt sein, Mit vnser Person in eyl herauszutziehen, dem Reich, auch vnserm Pundt zu Swaben solich Jrrung, verhindrung vnd anfechtung der Venediger vnd Frantzosen mit hilf ŠJrer zuegeloffen Aidgnossen anzuzaigen Vnd darauf merer hilf vnd Rat bey Jnen zu suechen.2 Haben auch mitler zeit vnsers abwesens vnnser Grafschaft Tirol vnd ander vnnsere Erbliche Lannd, an den Veinden gelegen, in mercklich empoͤrung vnd unsaglichen Costen bewegt und vermugt, dardurch die Veind aufzuhalten, Sich selbs vor verlurst [!] vnd nachfollgend das heilig Reich vor vberfall zu uerhueten. Als vns aber bishere so eylennd, als not vnd guet gewest war, kain weiter hilf gedeyhen mugen Vnd die veind dess wargenomen, haben Sy sich noch machtiger gesterckt, in Jren furnemen dermassen geubbt, das Sy vns vnsere Erblannd hart belestiget, beswart Vnd vns etlich befestigungen an den Granitzen Mer durch gross vngeuell vnnd verwarlosung dann aus kriegs gewalt abgedrungen. Damit vnnser lannd vnd leut, die nu lanng vnschuldigclich von des Reichs wegen gekriegt, So mued gemacht, das Sy die gegenwer hart [= kaum] mer vermugen; zu besorgen, So die Veind, als wol zu gedencken ist, in Jrem sig vnnd glugk verharren, Sy werden Sich durch Jr gros macht vnd Anhenng von tag zu tag weiter eindringen.3

    [2.] Nun geswigen vnd hindangesetzt vnnserer lannd vnd leut obligen vnd not, Sonnder mer zu bedencken die Jrrung vnd verhindrung vnnser vnd des Reichs furnemen des loblichen Romtzugs Vnd darbey zu ermessen vnd zu erkennen den grundt vnd vrsprung solicher Jrrung, widerwertigkait vnd anfechtung Aus anlayttung, zueschub, hilf vnd trost des kunigs zu Frannckreich, Wie Er sich nu vil Jar her wider vnns, das heilig Reich vnd Teutsche Nacion gevbt hat Vnd yetz in disem spil, souil Er mag, ausserhalb seinem zuesatz bey den Venedigern in seiner mercklichen rustigung still zuesicht, des enndtlichen fursatz, So wir vbermugt vnd von vnnsern furnemen des Romtzugs abgetriben warn, Alsdann die Babstlich heiligkeit zusambt Jtalien, So doch dem heiligen Reich on mittel zuegehort Vnnd Er durch seinen swaren gwalt vor zum tail erlanngt hat, ganntz zu seinem willen zu bringen, Darauf die kaiserlich Cron gewaltigclich zu nemen Vnd vns, auch Tewtsche Nacion derselben zu enntsetzen, Vngetzweifelt dess nit benuegen zu haben, Sonder nachvolgend Šzu Practicieren vnd zu vndtersteen, Teutsche Nacion vnd vnns all, dar Jnnen begriffen, vnnder sein gehorsam zu dringen. Dem auch, wo Jm so weyt stat geben Vnd nitt yetzo bey zeit mit mererm ernnst vnd tapferkeit dartzu getan, hinfur vorzusein vnd furzukumen hart mer muglich sein wurd.

    Dweil wir nu nit allain der Venediger Jrrung vnd anfechtung sehen vnd empfinden, Sonder gleich so wol der Frantzosen gemuet vnd maynung beruerter gestalt wissen vnnd erkennen, das wir ainem yeden bey glawben antzaigen mugen, der Almechtig vnd wir all woͤllen verhueten, Das wir voltzug solicher Jrer maynung vnd gemuet nit erfarn; dann zu wass smach vnd spot das vns allen Tewtschen von andern Nacion gemessen, Wass vntraglicher, vnleidenlicher Purd vnd beswerung auch vns allen Vnd, so wir nit warn, vnnser aller kinden vnd kinds kinden dardurch aufgelegt, die vns ellendigclich vnnd vbel darumb nachreden vnnd -rueffen wurden, Jst diser zeit vnermesslich. Beuelhen das ainem yeden verstendigen selbs zu betrachten.

    [3.] So wir dann die Teutschen von gnaden des almachtigen, wo Sy mit trew vnd vleis zusamensetzen, Jr Eer, loblich herkumen vnd vilfaltig woltat bedencken Vnd sich selbs nit verwarlosen wollen, in solicher tapfern Mannschaft, vermugen, Redlichait vnd rustung erkennen, Das wir verhoffen, des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen, noͤten vnd sorgen guet Rat vnd hilff zu beschehen noch wol muglich. Darzu wir dann vnnser leib vnd guet darzustrecken willig vnd begirig sein: Welche hilff vnd Rat aber ausserhalb ainer Besamblung der Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs nit aufbracht noch hindangericht werden mag, So haben wir ainen eylenden Reichstag furgenomen vnd angesetzt, Nemlich gen Wormbsb am Rein auf Sonntag Sanndt Eustachius, das ist der Sechtzehent tag des Monats July nechstkunfftig. Vnd Ermanen dichc demnach in Ansehung vnnd bedacht oberzellter vrsachen vnser vnd des heiligen Reichs, auch Teutscher Nacion obligen, notturften vnd sorgfeltigkaiten aus Romischer kaiserlicher macht mit ernnst gebietend, das du personndlich vnuerhindert aller annderer henndel vnd sachen, kaine ddann allain dein vnuermugen aus gottes gewalt–d ausgenomen, eauf demselben tag Erscheinest. Vnd wa du das personndlich allain aus soͤlicher vrsach nit vermochtest, Doch Jemand von deinen wegen schickest, Darbey deins vnuermugens glawbwirdig antzaigen thuest–e, Mit volkomnem gewalt, Mit vnnser person, Soverr wir mit den kriegslewffen derselben zeit nit zu harrt beladen sein wurden, Wo das Šaber war, doch mit vnsern treffennlichen Raten, auch anndern Churfursten, Fursten vnd Stenden des heiligen Reichs vnd Teutscher Nacion obligen vnnd notturften furtzunemen, zu hanndeln Vnnd on hindersichbringen zu sliessen, Wass gestalt denselben weiter gnuegsam vnd austraglich hilf, Rat vnd trost Vnd den Veinden tapfer, ernnstlich gegenwer vnd abbruch beschehen soͤll vnd mug, Dardurch die kaiserlich Cron behalten vnd gehanndthabbt Vnnd nit in vnnser aller Erbfeind henndt vnd gwalt so Jamerlich vnd weerloss verlassen, Auch wir all vnnd vnnser nachkumen vor zuekunfftigen sorgen, smach, beswarden vnnd verderben verhuet werden.

    Vnd hierauf (vnns, dem heiligen Reich vn[d] Teutscher Nacion zu nachteil vnd verwarlosung) kains wegs vngehorsam noch sewmig Erscheinest, Auch auf annder nit harrest noch aufsehest. Des wollen wir vns zu dir verlassen, vnd du thuest daran zusambbt schuldiger phlicht vnnser Ernnstliche mainung. Dann du erscheinest beruerter gestalt oder nit, Nichts destminder, was durch annder Churfursten, Fursten vnd Stennde des Reichs gehanndelt, beslossen vnd angeslagen, Wirdet dir auch, souil sich geburt, unablaslich aufgelegt. Wir woͤllen vnns auch befleissen, wenig zeit vnnd Costen auf solhem tag zu uerlieren, Sonnder die hanndlung, so furderlich das gesein mag, zu ennden, Als solichs die notturft in all weg eruordert. Wollen wir dir, damit du doch vmb kain sach aussennbleibest, nit verhalten. Geben in vnnser vnnd des heiligen Reichs Stat Coln am letsten tag des Monats Maii Nach Cristi geburd funftzehenhundert vnd im Achtennden, Vnserer Reiche, des Romischen im dreyundzweintzigisten Vnnd des hungrischen im Achtzehenden Jaren.

    [4.] [fWir verkunden euch, als wir dise brief abgefertigt, haben wir kundschaft gehabt, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halbn ain anstand auf ain zeit gemacht ist.4 Deshalbn wir den beruerten reichstag, damit ir und ander stende dest pass geschickt und gefasst, auch gewislich darauf erscheinen mugen, umb zwen monet, das ist auf sand Laurenzn tag [10.8.] nechstkunftig, hiemit erstrecken, ernstlich ermanend, das ir in craft beruerter unserer ausschreibn auf denselbn tag erscheinet und, was von standen des Reichs an euch gelangen oder die ir erlangen mugt, denselben solhs zu erkennen gebet. Dann wir nit stat mugn haben, das so eylends in die gemain zu verkunden. Das mainen wir ernstlichn–f.]

    «Nr. Š37 Ks. Maximilian an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Siegburg, 6. Juni 1508 »

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 10 (besch. Or., ca. linkes Viertel des Schreibens fehlt; Vermm. prps./amdip., Gegenz. M. Lang).

    Er hat mit seinem Gesandten [Eitelwolf vom Stein] über seine, Kf. Joachims, Bestallung mit einer Anzahl Reitern für den [Romzu]g und anschließend für den Einsatz gegen die Ungläubigen verhandelt, wie ihm zweifellos [berichtet wurde]. Wegen wichtiger [Angelegenheiten] von Ks., Reich und auch der deutschen Nation, die ihm sicherlich bekannt sind und deshalb hier nicht wiederholt zu werden brauchen, beruft er mit dem beiliegenden Ausschreiben [Nr. 36] eine Versammlung der Kff., Ff.[und Stände des Hl. R]eiches für den 16. Juli (sant Eustachius)nach Worms ein. Da der Tagungsort für ihn weit entfernt liegt und der Termin kurzfristig ist, jedoch aus gravierenden Gründen [nicht später] angesetzt werden konnte, wollte er ihn früher als andere darüber informieren. Fordert ihn auf, [rechtzeitig] aufzubrechen und persönlich am Wormser Tag teilzunehmen, um mit ihm, dem Ks., und anderen Ständen zu beraten, wie die Bewahrung der Kaiserkrone für das Reich [und die deutsche Na]tion zu bewerkstelligen ist, und andere Angelegenheiten des Reiches zu regeln. Er wird dann auch die Verhandlungen über seine Bestallung zu einem ihm genehmen Abschluss bringen.

    «Nr. 38 Ks. Maximilian an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Oberwesel, 15. Juni 1508 »

    [1.] Vorläufiger Verzicht Ks. Maximilians auf die Dienste Mgf. Friedrichs; [2.] Ankündigung eines Reichstages.

    Nürnberg, StA, Ansbacher Kriegsakten, Nr. 3, fol. 44–44’, 45’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    [1.] Der ksl. Rat und Kammermeister Balthasar Wolf von Wolfsthal hat ihn schriftlich über seine Antwort auf dessen Vortrag informiert. Aus seiner Einwilligung, ungeachtet des Widerspruches seiner Räte aufzubrechen und ihm, dem Ks., und seinen Erblanden zu Hilfe zu eilen, vermerkt er seine Treue gegen ihn und das Haus Österreich, wofür er ihm seinen Dank ausspricht. Als er selbst auf dem Weg in die Erblande war, erreichte ihn in Kreuznach die Nachricht von einem dreijährigen Waffenstillstand zwischen ihm, Venedig und Frankreich. Derzeit sind seine Dienste deshalb nicht vonnöten, er wird sie jedoch zu gegebener Zeit in Anspruch nehmen.

    [2.] Wir werden aber auf des Heiligen Reichs und teutscher nation grosse nottdurft nach gestalt der gegenwurtigen leuf und sachen bewegt, einen gemain Reichs tag auszuschreiben, darauf du ungezweifelt gehorsam erscheinen wirdest. Dort wird er ihn über die Angelegenheiten des Reiches und der ksl. Erblande informieren und auch auf sein vom Kammermeister übermitteltes Anliegen eine Antwort geben, die ihn zweifellos zufriedenstellen wird.

    «Nr. Š39 Ausschreiben des Schwäbischen Bundeshauptmanns Dr. Matthäus Neithart an die Bundesstädte, hier an den Nürnberger Bürgermeister Hieronymus Holzschuher – [Ulm], 17. Juni 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 3), fol. 30–30’ (Or. m. S., sambstags nach Viti; Registraturverm.: Jheronimus Ebner, trinitatis [18.6.]1508.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. Schwäbischer Bund, Jan.-Dez. 1508, unfol. (Or. m. S.; Adressat: BM Ulrich Artzt) = B. Straßburg, AV, AA 353, fol. 19–19’ (Or. m. Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg) = C.

    Seinen Mithauptleuten [Adam von Frundsberg und Wilhelm Güss von Güssenberg] und ihm selbst gingen vom 11. Juni aus Boppard datierende, aus Zeitgründen nicht kopierte Schreiben des Ks.1zu, unter anderem mit der Aufforderung an die Schwäbischen Bundesstände, ihrer Bündnispflicht gegenüber der Gft. Tirol mit einer unverzüglichen und beträchtlichen Hilfeleistung nachzukommen. Gleichgültig, ob sie diese bewilligen oder ablehnen, sollten sie eine gemeinsame Gesandtschaft zu dem Reichstag abordnen, den der Ks. zum 16. Juli nach Worms ausschreiben lasse. Wegen der Hilfeleistung für Tirol solle kurzfristig ein Bundestag nach Ulm einberufen und dem Ks.über dessen Beschluss berichtet werden.

    Aufgrund der Aufforderung durch den Ks. sind die drei Bundeshauptleute übereingekommen, einen Schwäbischen Bundestag nach Ulm auszuschreiben. Die Gesandten sollen sich dort am Abend des 9. Juli (sonntag nach St. Ulrichs tag)in ihren Herbergen einfinden.2[Konflikt zwischen Abt Peter von Irsee und Konrad von Rietheim].

    «Nr. 40 Ks. Maximilian an Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Oberwesel, 20. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Waffenstillstands mit Venedig.

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, unfol. (Or. Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt).

    ŠEr hat ihn und andere Reichsstände zum 16. Juli auf den Reichstag nach Worms eingeladen. Daruf verkunden wir deiner lieb hiemit, das unser furnemen und der Venediger mitsambt der Franzosen irrung und kriegsubung halben ein anstand auf ein zeit gemacht ist, deßhalben wir den berurten reichstag, damit du und ander stende dest bas geschickt und gefasst, auch gewißlich darauf kommen mogen, umb zwen monat, das ist auf sant Lorenzen tag nechstkunftig [10.8.], hiemit erstrecken. Er soll sich gemäß dem ksl. Ausschreiben zu diesem Termin einfinden und auch andere Stände informieren, da er selbst die Vertagung in der Eile nicht allgemein verkünden kann.

    «Nr. 41 Abschied zwischen den ksl. Gesandten Ulrich von Hohensax, Hans von Landau und Dr. Hans Schad und den in St. Gallen versammelten Vertretern der Orte Uri, Schwyz und Unterwalden – act. St. Gallen, 24. Juni 1508 »

    [1.] Einberufung eines neuen Reichstages, Romzughilfe; [2.] Einung zwischen Österreich und den drei eidgenössischen Urkantonen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 19, Konv. 4, fol. 19–20 (Kop.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/296 (2. Teil), unfol. (Kop.) = B.

    Kurzregest: Gagliardi, Anteil, S. 748 Anm. 179.

    Die eidgenössischen Vertreter nahmen den folgenden Vortrag der ksl. Gesandten zur Berichterstattung an und sagten für den 1. August eine verbindliche Antwort zu.

    [1.] Die ksl. Vertreter bedankten sich für die dem Ks. und der Gft. Tirol zugesagte Hilfe. Der Ks. hat erneut einen Reichstag ausschreiben lassen, als von yetz montag uber vierzehen tag, alda ir Mt. den Ff. und den stenden des Reichs zu erkennen geben, was ir Mt. an solichem irem furgenomen romzug verhindert hab, ungezweyfelt, sy werden den handl notturftiglich, was dem Reich, auch ganzer teutzscher nacion daran gelegen und wo der romzug nit statlich beschehen sollt, das furter ainem yedem teutzschen kayser die kaysercron zu erlangen beschwerlich sein wurd, zu grosser verachtung, gespot, schand und nachtail aller Teutschen, [bedenken,] darum sich ir Mt. gewislich verhafft ainer tapfern hielf von fursten und stenden des Hl. Reichs. Darauf ir Mt. ermanung, bit und beger ist als angelider des Hl. Röm. Reichs, das die dreu lender auf irem zusagen, den romzug zu verhelfen, so ir Mt. den wider furnemen wurde, wollen verharren und sich vor [!] ir Mt. niemants lassen abwenden, als sich ksl. Mt. zu inen in alweg wil versehen und das allezit in allen gnaden gegen inen erkennen.1

    Š[2.] Der Ks. hatte eine Einung der Eidgenossen mit ihm und den Kindern Kg. Philipps vorgeschlagen und dafür eine jährliche Zahlung von 1500 fl. an jeden Ort in Aussicht gestellt.2Die drei Orte haben inzwischen das bestehende Bündnis mit dem frz. Kg. aufgekündigt. Der Ks. bietet ihnen erneut eine Einung mit einer jährlichen Zahlung von 1500 fl. an. Die Entscheidung über die Dauer des Bündnisses – zehn Jahre oder länger – überlässt er ihnen. Falls sich auch andere Orte anschließen wollen, wird er sich sicherlich mit ihnen einigen. Für ihr Wohlwollen will er den drei Orten jeweils 300 fl. bezahlen.3

    «Nr. 42 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Boppard, 26. Juni 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 10–10’ (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; präs. Frankfurt, in VIa Petri et Pauli [29.6.]1508) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 104, fol. 356–356’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. G. Vogt) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. G. Vogt; Ausstellungsdatum fehlt). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie B). München, HStA, Gemeiners Nachlass 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie B).1 Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6 (alt S I L 61, Nr. 4), fol. 29 (wie B).2

    ŠRegest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 941, S. 746.

    Teilt allen Reichsständen mit, dass er den auf den 16. Juli (Eustachi)anberaumten und im Postskript des Ausschreibens auf den 10. August (Laurency)verschobenen Wormser Reichstag unser merklichen hendl und sachen, derhalben uns bestimbter Reichs tag abermals zu kurz fallen will,erneut zurückgestellt hat, so lang, bis wir unser und des Reichs notdurft weiter bedenken. Er schreibt ihnen dies, damit sie erst nach Eingang eines weiteren Ausschreibens zum Reichstag aufbrechen. Befiehlt, auch andere Stände darüber in Kenntnis zu setzen, dann wir nit stat haben, das ainem yeden in sonderhait zu verkünden.3

    «Nr. 43 Die Nürnberger Hh.Älteren Anton Tucher und Anton Tetzel an Kf. Friedrich von Sachsen – Nürnberg 8. Juli 1508 »

    [1.] Treffen des Ks. mit Lgf. Wilhelm von Hessen; beabsichtigte Einberufung eines neuen Reichstages; [2.] außenpolitische Planungen des Ks.; [3.] Verzicht des Ks. auf die Zwangsanleihe bei Bf. Lorenz von Würzburg; Ausgleich Hessens mit Gf. Ludwig von Löwenstein.

    Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 61, fol. 238’–240 (Kop., samstag nach Udalrici).

    Druck: Westphal, Korrespondenz, Nr. 103, S. 312f.

    [1.] […]. Lgf. Wilhelm von Hessen war beim Kg.(koniglicher majestet)in Boppard. Dieser veranstaltete dort für den Lgf. und seine Gemahlin [Lgfin. Anna] am 3. Juli ein dreistündiges Bankett, nachdem er ihnen von seiner Unterkunft aus bis zu ihrem Schiff entgegengezogen war. Eine vertrauliche Unterredung fand nicht statt. Nach dem Bankett hielt der Bf. von Gurk in Gegenwart des Ebf. von Trier sowie ksl. und hessischer Räte eine Rede: Der Ks. habe die Ankunft des Lgf. mit Freude erwartet, um ihre alte Freundschaft und guten Beziehungen zu erneuern. Der Ks. habe zwar den anberaumten Reichstag wegen des Waffenstillstands mit Frankreich und Venedig abgekündigt, wolle jedoch einen neuen Reichstag ausschreiben und wünsche die persönliche Teilnahme des Lgf. daran. Dieser ließ durch seinen Kanzler ŠDr. Engellender antworten, dass er dem nachkommen wolle, sofern sein gesundheitlicher Zustand es erlaube.

    [2.] Der Ks. hält sich noch in Boppard auf, wird aber in acht oder vierzehn Tagen zur Eroberung Gelderns ausziehen. Anschließend will er noch einmal mit dem englischen Kg. verhandeln. Hat er England auf seiner Seite, hofft der Ks., als nächster Erbe zu gegebener Zeit auch das Kgr. Neapel zu bekommen. Item sein majestet wirdet sich auch im ende mit dem konig von Frankreich in verainigung und vertrag geben, dem ytzo soll ein maß gesetzt sein, wiewol noch unvolzogen. Und die churfursten und fursten willigen darin oder nit, so ir kaiserliche majestet inen uf kunftigem reichstag solchs furhalten wirdet, nichtzit destermynder sol es dannocht zum ende raichen. Wo aber nit, alßdann vermaint sein majestat, die hilf des konigreichs von Engelland wider Frankreich und die Venediger oder, wo Frankreich mit irer majestet in vertrag kompt, allein wider Venedig zu geprauchen. Der Kardinal ist zu Ehgin. Margarethe in die Niederlande gereist. Angeblich hat sie nach anfänglicher Weigerung die Entscheidung über die Annahme der Heiratswerbung des englischen Kg. dem Ks.überlassen.

    [3.] Der Ks. hat dem Bf. von Würzburg die Anleihe über 25 000 fl. erlassen. Stattdessen lässt er mit ihm über ein einjähriges Darlehen in Höhe von 5000 fl. oder wenigstens 3000 fl. verhandeln. Lgf. Wilhelm hat Gf. Ludwig von Löwenstein mit dessen [im Landshuter Erbfolgekrieg] eroberten Besitzungen belehnt. Der Gf. ist inzwischen einer der wichtigsten hessischen Räte.1Mit Unterstützung des Lgf. hat er auch mit dem Hg. von Württemberg über die Rückgabe seiner Verluste verhandelt. Dieser ist für seine Person zu dessen vollständiger Restitution bereit, was jedoch von den Landständen abgelehnt wird.2

    «Nr. 44 Zweites Reichstagsausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände – Köln, 14. Juli 1508 »

    [1.] Widerstand Venedigs und Frankreichs gegen den ksl. Romzug; [2.] Abwehrkampf Tirols, Verweigerung von Hilfe durch den Schwäbischen Bund und die in Mainz versammelten Reichsfürsten; [3.] Auflösung der ksl. Partei in Italien; [4.] Ausschreiben eines Reichstages nach Worms; [5.] Abschluss eines Waffenstillstands mit Venedig; [6.] Notwendigkeit von Beratungen über Krieg und Frieden; [7.] Verschiebung des Termins für den Reichstag; [8.] Aufforderung zur Teilnahme daran zu Beratungen über Krieg und Frieden; [9.] Ankündigung eines ksl. Feldzugs in Geldern; [10.] französische Unterstützung für Karl von Egmond, Bedrohung der burgundischen Erblande.

    ŠDresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 1 (Or., gedr. Formular, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt; Anrede, Ausstellungsort und Monatstag des Ausstellungsdatums handschriftlich inseriert) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 141, Nr. 45, unfol. (wie A; Verm.: P[raese]nt[atum] durch ain jungen ksl. edelman am samstag Sebaldi, 19. Augusti 1508.) = B. München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 100–100’ (wie A; Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg) = C. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 11–11’ (wie A, besch. S. auf der Rückseite; Präsentatverm.: Durch kayserlicher Mt. boten eingebracht am donerstag noch assumpcionis Marie [17.8.] anno etc. XVC octavo; Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11245, unfol. (wie A, m. S.; Adressat: Bf. N. [= Dietrich] von Lebus). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 10 (wie A; Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). Duisburg, NRW LA, Stift Werden, Akten XIa, Nr. 41, unfol. (wie A; Adressat: Abt N. [= Antonius] von Werden). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A). Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 11–11’, Nr. 4 (wie A; Präsentatverm.: Praesentatum per Hansen, Adam Lowers eidem von Menz, uf mentag nach Sixti [7.8.] anno XVCachten. Sagt, im habs ein ksl. bot zu Menz geben.). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, fol. 11–11’ (wie A, Siegelspuren; Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg; präs. Regensburg, montags nach assumcionis Marie [21.8.]). München, HStA, Hst. Freising, K. blau 221/6, unfol. (wie A, Siegelrest; Adressat: Bf. Philipp von Freising. Präsentatverm.: Presentate in absencia r[everendissim]i in Haydelberg, 14. Augusti 1508.). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 661e, fol. 1–1’ (wie A; Präsentatverm.: Freitag nach Steffani pape[4.8.]1508). Straßburg, AV, AA 329, fol. 2–2’ (wie A; Siegelrest; Adressat: Meister und Rat der Stadt Straßburg). Stuttgart, HStA, B 515 III, fol. 355–355’ (wie A, beschädigtes S.; Adressat: Abt N. [= Hartmann] von Weingarten). Wiesbaden, HStA, Abt. 131 Nassau-Usingen Akten, IV a, Nr. 21a (wie A, Siegelrest; Adressat: Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken; Präsentatverm.: Donnerstags nach decollacionis Johannis [31.8.]).1

    Druck: Datt, Volumen, S. 571f., 574–576.

    Kurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 942, S. 746.

    [1.] WJr, Maximilian, von gottes gnaden Erwelter Roͤmischer kayser, zuͦ allen zeyten merer des Reichs, in Germanien, zuͦ Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Künig, Ertzhertzog zuͦ Osterreich, Hertzog zuͦ Burgundi, zuͦ Brabant etc. vnd pfaltzgraue etc. Empieten adem hohgebornen Jorigen, herzogen zu Sachsen, Šlandgrafen in Duringen und margrafen in Meyssen, unserm lieben oheim und fursten und ewigen gubernator der Friesland unser gnad und alles gut. Hohgeborner, lieber oheim und furst–a, Wir haben dirb und andern Stenden des heiligen Reichs hieuor zum tayl erzelt [Nr. 36], zusampt dem sunst meniglich wissen mag die gewaltig, hohmüetig widerwertigkait, anfechtung vnd jrrung, so vns vnd dem heiligen Reich von den Venedigern mit hilff vnd beystandt der Frantzosen, auch ainer anzal Aydgenossen, die jnen derselben zeyt zuͦgezogen, an vnsern fürnemen des Romtzugs zu erlangen kaiserlich croͤnung auff den abschidt zuͦ Costentz begegnet sein. Vnd des zuͦ merer vnderricht geben wir dir zu erkennen: Als wir vns soͤlchs Romtzugs vnderstanden, haben wir denselben dannocht dergestalt fürnemen woͤllen, das wir, auch Churfürsten, Fürsten, Grauen, Herren, die vom Adel vnd ander treffenlich leüt zuͦ Roß vnd fuͦeß, dero vil mit vnns gezogen, für vnser personen gesichert wern, jn bedacht, wo die Venediger vnd Frantzosen als vnser aller natürlich veind vnns vnd vnnser geselschaft vntrewlich gemaynt vnd begriffen, das sy dardurch alle teütsche nacion zuͦsampt Jtalien zuͦ jrem willen vnd gehorsam erlangen vnd dringen mügen hetten. Wiewol wir nu von den Venedigern, als wir gen Triendt kommen, souil getroͤst sein, wann sy vnsern ernst, die Kayserlich cron zu erlangen, [ge]sehen, das sy sich gepürlich gegen vns halten wollten: So haben sy vnns doch, alspald vnnser vnnd des Reichs kriegsuolck im antzug gen Triendt geweßt ist, all ir Clawsen vnnd pass gespert vnd vnns die, über das wir vnns gegen jnen erpotten, nit mer dann mit zwaytausent pferden vnd viertausenten zuͦ fuͦess sampt ainem streytgeschütz, als ungeferlich zwoͤlff schlangen, fridlich durchzuziehen, gewaltiglich vnd hochmüetigklich vorgehalten. Darauff wir bedacht haben, jre Clawsen zuͦ vmbgeen, die gepirg angetzogen, des willens, vnsern zug darüber zuͦ nemen; derselben auch etliche erlangt, die gepirgleüt gehuldigt, doch nit zuͦ vnnser ewigen gehorsam, sonder allayn in ayner gstalt, das wir vnd die vnsern zuͦ vnserm durchzug gegen jnen gesichert wern, mit vorbehalt den Venedigern alle ir gerechtigkeit. Das sy aber auch nit gedulden woͤllen, die vnsern an aynem ort des gepirgs, genant in kodober, mit heeres crafft überfallen2, darnach vnser erbliche Lannd an zwayen orten angegriffen vnd also ain gewaltigen krieg angefangen. Jn dem sich der Frantzosen hauptleüt mit ainer treffenlichen anzal zuͦ Ross vnd den obgedachten Aydgenossen zuͦ jnen gethan, damit sich ir macht, als vnser kundtschafft gelaut, von fünfftzig- biß in Šsechtzigtausent sold zuͦ besetzung irer Land vnnd zuͦ dem angriff überal geloffen hat.

    [2.] Als wir nuͦn soͤlch der Venediger, Frantzosen vnnd irer helffer macht vnd anfechtung so mercklich vnnd groß vernomen vnnd dagegen vnnser vnd des Reichs kriegßvolck so in klayner anzal gesehen, haben wir vnns herauß von vnnserer Grafschafft Tirol gethan, der maynung vnd hoffnung, die stennd des heiligen Reichs vnd vnnsers loͤblichen pundts zuͦ Swaben zuͦ merer vnnd ernstlicher hilff zu bewegen. Daneben auch des gemüets, vnnsern lieben oͤheim vnnd Fürsten [Rudolf] von anhalt mit andern vnnsern dienstleüten, die wir bißher gegen vnserm Lannd von Gheldern ligen gehabt, abtzuͦnemen, doch die Ghelderischen nicht destmynder in ander weg zu besetzen vnd anzufechten, vnns darzuͦ mit merer hilff zu stercken vnd dem künig zuͦ Franckreich sein practica, so er gegen den Lendern vnd Stetten Lüttich, Vtricht vnd Trier, vnns vnd dem hailigen Reych zuͦ abpruch vnd nachteyl vnnd den Ghelderischen zuͦ sterckung vnd hilff fürgenomen het, zuͦ brechen vnd zuͦ wenden.

    Aber über vil vnser hoh ansuͦchen vnd ermanen haben wir die Stend des reichs noch vnsers pundts zuͦ Swaben so pald nit auffpringen mügen, dann das jr ain tail soͤlch vnser ansuͦchen auff ainen gemaynen Reichs tag gewegert.3 Dess vnser grafschafft Tirol vnd andere vnser erbliche Land, an den veinden gelegen, bißher seer entgelten müessen.4 Welche vnsere Land wir doch anfengklich gegen der Venediger vnd Frantzosen, auch irer helffer anfechtung vnd irrung von des Reichs wegen in den krieg bewegt vnnd vermügt, die sich auch also nit allayn von irn wegen, sich vor den veinden zuͦ entschütten vnd zuͦ behalten, sonder auch für das Reich vnd teütsche nacion, die nach jnen vor überfall vnnd beschwerung zuͦ uerhüten, mit der gegenwer an leib vnd guͦt jrem vermügen nach tapffer vnnd Erlich angegriffen vnnd gemüet, wyewol soͤlch jr weer, müe vnd darlegen gegen den zwayerlay gewalten Venedig vnd Frantzosen mit jrn helffern, als wol abzuͦnemen ist, wenig erschiessen noch fürtragen mügen haben, dann das sy mitsampt vns in vnleidenlichen costen gefüert vnd gewachsen, vns auch etwevil güeter befestigung vnnd stück vnserer Land abgedrungen sein.

    [3.] Wir hetten auch auff vnsern abschidt zuͦ Costentz vnsern vnd des Reichs fürnemen zuͦ guͦt den maysten tayl aller Fürsten vnd Comun in Jtalien durch vnser fleissig vbung vnnd handlung dermassen beworben, das wir vnns grosser irer hilff vnd fürderung an Leüten vnd gelt versehen vnd darauff so vil vnd mer als auff vnser vnd des Reichs macht, damit wir gefaßt geweßt sein, gehofft Vnd deßhalben zuͦ vnsern fürnemen des Romtzugs dest leichter vnd trostlicher gegriffen. Als sy aber gemerckt haben, vnns von dem Reich so mit klayner macht Šfürsehen, dartzuͦ in eyl, als not gewest wer, nyendert merer hilff zu erlangen vnd vnsere Land vnd leüt also allain in beschwerden verlassen5, auch die veind, so in grosser rüstigung vnd glück gegen jnen sein, alle menschen in Jtalien an vns geergert, die Roͤmer wider vnns gezogen, deßgleichen die Dalmacianer, die doch solchs vnbillich thuͦen, in ansehung, das all jr hail vnd auffenthalt gegen den Türcken auff aynem Roͤmischen kayser vnd den teütschen steet, Auch über das sy vnser als ayns künigs zuͦ hungern recht, natürlich vndersessen sein. Daneben sich doch die Krabaten eerlich vnd wol gehalten, das wir vnd das Reich jnen zuͦ eren vnd danck billich nit vergessen soͤllen. Damit vns gar nach nyemand in gantz Jtalien sein zuͦsagen vnd vertroͤsten gehalten. Soͤlchs alles vns den maysten schaden gethan hat, mer dann der Venediger geporn kriegßuolck, das ausserhalb der stat Venedig auch dem Reich verwandt ist; doch damit nit gemaynt, die in Venedig gesessen sein vnd on vnderlaß alayn jrer hoffart vnnd handtwerchen außwarten.

    [4.] Auff das alles haben wir hieuor den Stenden des heiligen Reichs mit ertzelung mer des Reichs vnd teütscher nacion notturfft vnd sorgfeltigkait dann vnserer erbland obligen vnd beschwerung ainen eylenden Reichs tag auff sant Eustachius, den sechtzehenden tag Julii, yetzkünfftig gen Wormbs außgeschriben [Nr. 36], in hoffnung, hilff, Rat vnd trost bey jnen zu erlangen. Dess aber vnsere erbland vnd leüt aus stedter, gewaltiger kriegs übung der veind vnd jrer clainen macht nit erwarten noch den schweren, unseglichen costen vnd last, so sy lang gelitten, fürter ertragen mügen haben in sorgen merer verlursst [!] vnd abfal. Vnd wo sy gleich in jrer gegenwer verhart, das sy doch in die leng nit besteen, dardurch die veind mit jrm schwern gewalt weytern eyntzug vnd porten6 des heyligen Reichs vnnd teütscher nacion erlangen vnd gewynnen mügen hetten; wie hart sy nachmaln widerumb dauon zu treiben gewesst vnd was sorgen dem heiligen Reich vnd Teütscher nacion darauff gestanden wer, ist wol zuͦ ermessen.

    [5.] Darumb dann not geweßt, vnserer fürnemen von des reichs wegen vnd der veind anfechtung vnd kriegs vbung halben Treügam oder ayn Bestandt eintzuͦgeen. Der auch gemacht vnd auff drew jar gestelt7, wiewol sich dannocht nit gantz darauff zuͦ uerlassen, sonder zu bedencken vnd auffzusehen ist, die gemelten walhen als vnser vnd des Reichs ewig veind, die vns teütschen alweg gott vnd vnser Eer, der wir vns gebrauchen, beuor geben vnd vndersteen vns dannocht mit jrem gold zu überlissten oder zuͦ uerraten, moͤchten den bestandt zuͦ jrem vortayl über kurtz oder lang prechen, wie von vil jarn her jr gewonheit wewesst [!] vnd noch ist.

    Š[6.] Darauff nu vnser vnd des heiligen Reichs notturft, Eer vnd wolfart erfordert, zuͦ bedencken, zu erwegen vnd zuͦ entschliessen, was vns yetzo mitler zeyt des bestands zuͦ einer erlichen Rachtigung oder nach ausgang des bestands vnd, wo die veind den prechen würden, in zeyt desselben zuͦ weyterm krieg zuͦ handlen vnd fürzuͦnemen, wess sich auch in all weg gegen den veinden zuͦ uersehen vnd wie vnns allen einzuͦsehen sey, damit wir vnd Teütsche nacion nit so gewalt[i]gklich, hohmüetigklich vnd boͤßlich an vnsern eeren vnd wirden kayserlicher cron, die doch vnser vorfordern vor vil jaren mit schwerer not vnd müe Ritterlich vnd strenngklich erobert vnd bis auff dise vnser zeit loblich herbracht haben, gehindert, dauon getriben vnd zuͦletst derselben gar entsetzt werden, vnns allen vnd vnsern nachkommen zuͦ ewiger schmach, nachred, auch vnleydenlicher beschwerung, seruitut vnd trübsal.

    Dann zu besorgen vnd sich gewiss zuͦ uersehen ist, wo die keyserlich cron (darvnder auch ytalien zuͦ uersteen) verloren, das darnach der krieg vnd parthey in tütsche nacion wachßen würd, wie bey zeyten weylendt vnsers Schwehers hertzog Karls von Burgundi durch den krieg vor Newss (als noch in menschen gedechtnüß ist) schier beschehen wer, welches Hertzog Karls macht doch nit den zehenden tayl geweßt, als die macht der Venediger, Frantzosen vnd aller walhen, auch aydgenossen vnserer widerparthey yetzo ist, die jnen das hailig Reich zuͦ incorporiern vndersteen; aus was vrsachen, sein on not hierynn weyter zuͦ melden. Wir haben soͤllichs vor offt wol auff syben Reichßtagen ertzelt, wiewol das layder nyemand zuͦ hertzen geen will.

    [7.] Dieweil wir dann ermessen, das soͤlchs also notturftigklich vnd mit guͦtem Rat zuͦ bedencken vnd fürzuͦnemen ayner zeyt bedürffen, Deßhalben vns der vor angezaygt Reichßtag zuͦ kurtz fallen will, So erstrecken vnnd erlengern wir denselben Reichßtag, setzen vnnd bestymmen den von newem hiemit auff Allerheyligen, das ist der Erst tag des monats Nouembris, nechstkünfftig gen Wormbs an Reyn; und stellen den so lanng aus der vrsach, Mittler zeyt durch die vnnsern zuͦ erkunden, was vnserer veind maynung auff den sig, so sy diß jars gegen vnns vnd den vnsern gehabt haben, seyn Vnd wie sy weyter fürnemen werden, sonderlich gegen den, die vnnser parthey sein vnd vnnser kayserlich croͤnung jm hertzen gern gesehen hetten, Sich aber mit jrer hilff vor der veind grossen macht nit mercken lassen türren8; dann wir guͦet wissen haben, was nu vnser vnd des Reichs veind an dieselben vnserer parthey begern, das sy soͤlchs füran on widerred thuͦn werden müessen.

    [8.] Dem allem nach Ermanen wir dich aus notturfften vnd obligen des Heiligen Reichs vnd teütscher nacion bey den pflichten, damit du vns vnd dem Reich verwandt bist, aus Roͤmischer kayserlicher macht ernstlich gepietend vnd woͤllen, das du soͤlch obangetzaygt des hailigen Reichs vnd Teütscher nacion obligen vnd notturfft getrewlich für dich nemest, aygentlich erwegest Švnd betrachtest Vnd darauff wolbedacht vnd gefaßt selbs Persondlichc auf dem bestymbten Reichßtag Allerheilgen tag zuͦ Wormbs erscheynest vnd dich daran [durch] kainerlay aygen sachen jrren noch verhindern, sonder dir des heiligen Reichs vnd teütscher Nacion notturfften als den gemeynen nutz für das genoͤttigist getrewlich bevolhen sein lassest dvnnd also mit kayner vrsach dann alleyn aus vnuermügen von gotts gewalt aussen pleybest.9 Vnd ob du derselben vnd sunst kayner andern jrrung halben ye nit erscheynen moͤchtest, Alßdann yemand von deinen wegen schickest, darbey deins vnuermügens glauplich anzaygen thüest–d, Mit volkomner gewaltsam, mit vns oder, wo wir kriegß halben, darynn wir yetz mit den ghelderischen seyn, jm anfang nit erscheynen moͤchten, doch mit vnsern treffenlichen Reten vnnd andern Stenden vnnser vnd des heiligen Reichs vnnd Teütscher nacion notturfft vnnd obligen, darzuͦ künfftig sorgfaltigkeyt vnnd beschwerung vnd sonderlich, wie vnns zuͦ ayner Rachtigung oder weyterm krieg auff obangezeygt maynung zuͦ greyffen vnd fürzuͦnemen sey, zuͦ Ratschlagen, zuͦ hanndlen vnd on hinder sich pringen entlich zuͦ schliessen, Damit doch die kayserlich Cron mitsampt Jtalien darzuͦgehoͤrend erlangt vnd behalten vnd nit also schmechlich vnd weerloß verlassen. Wir auch (für das mynnßt) der stück vnd befestigungen, so vnns von des heiligen Reichs wegen entzogen seyn (geschwigen des mercklichen costen, den wir vnsers Camerguͦets mitsampt vnsern Erblanden datzwischen gelitten haben), von den veinden habhafft vnd ergoͤtzt vnd dieselben dem heiligen Reich vnd teütscher Nacion zuͦ merer behuͦt gegen vnsern veinden, Cristen vnd vnglaubigen, widerumb in vnnser gehorsam gepracht werden. Auch hierynn auff ander nit wegerest noch vertziehest, sonder dich so gehorsam, guͦtwillig vnnd fürderlich beweisest, damit wir all zuͦ gleichermassen ankumen, die handlung aynhellig anfahen vnd also loblich vnd getrewlich schliessen vnd volennden mügen. Darauff woͤllen wir vns verlassen. Vnnd du thuͦest daran zuͦsampt schuldiger pflicht vnnser ernnstliche maynung vnnd gefallen; dann du erscheynest also oder nit, nicht destmynder, was durch ander gegenwürtig Churfürsten, Fürsten vnnd Stennd gehandelt vnnd beschlossen wirdet, Sol durch dich vnd ander Abwesend zuͦ voltziehen vnd außzuͦrichten auch geholffen werden.

    [9.] So nu vnnser fürnemen des Romzugs auff dißmal aus obberürten jrrungen vnnd vrsachen über vnsern getrewen fleyß, willen, auch darstrecken vnd verkümbern vnserer Land, Leyb vnd güeter ye nit vonstatt geen noch volzug Šhaben mag, So seind wir willens, damit wir doch mitler zeyt des Bestands vnd bis auff den Reichßtag nit feyrn, vns vmb das landt Gheldern als des heilgen Reichs aygenthumbe vnd vnnser recht Erblehen anzuͦnemen, jn hoffnung, dasselb (als yetzo mer dann vor ye müglich geweßt ist) zuͦ erobern. Dardurch vnser Nyderburgundische land, die dann gegen den ghelderischen (nachdem sy der künig zuͦ Franckreich on vnderlaß mit hilff an leüten vnnd gelt vnderhelt) in steten kriegen, beschwerden vnd vncosten steen müssen, in ruͦe vnd frid zu setzen, auff das, ob vnnser vnnd des Reichs fürnemen auff berürtem Reichßtag nit zuͦ Rachtigung, sonder zuͦ weyterm krieg raichen würden, das alßdann vnser Niderburgundische lannd vnnsers beywesens geraten, dest rüewiger vnd fridlicher sitzen vnd vnns zuͦ vnsern vnd des Reichs fürnemen souil dest tapfferer hilff vnnd fürdrung thuͦn mügen. Als wir auch, wo sy des ghelderischen kriegs enthebt vnnd ledig, verhoffen vnd von jnen wol getroͤst seyn. Das alles wolten wir dir auch nit verhalten. Geben in vnnser vnd des heiligen Reichß statt Collene, am vierzehendenf tag des Monats Julii Anno domini etc. fünfftzehenhundert vnd jm achten, vnserer Reiche, des Roͤmischen jm drewundzwayntzigisten vnd des Hungerischen jm Newntzehenden jarn.

    [10.] Als wir disen druck vertigen lassen, sein wir warlich bericht, das der künig von Franckreich den Basthart von Gheldern10 mit ainer grossen antzal Cronen Karln von Egmond, der sich nennet hertzog zuͦ Gheldern, zuͦ behelff geschickt hat, Damit nu derselb von Egmond vnd die Ghelderischen die Landßknecht, dero yetz nach dem Bestand des kriegs oben vil herabreysen, bestellen vnd an sich kauffen, zuͦsambt den, die vor daniden auff Holand kriegen vnd durch den hochgepornen Ruͦedolffen, Fürsten zuͦ Anhalt, Grauen zu Ascanien, vnsern lieben oͤheim, fürsten vnd Rat, behawrt11 vnd belegert sein, in hoffnung, Sy zuͦ gewinnen vnd zuͦ straffen. Dartzu schickt der künig von Franckreich Drey seiner oͤbristen Hauptleüt aus Franckreich herdißhalb des gepirgs mit vil tausenten zuͦ ross vnd fuͦess den Ghelderischen zuͦ hilff, Mit beuelch, vnnser vnd vnnserer iungen Enicklen Niderburgundische erblannd, nemlich die dem heiligen Reich vnd teütscher nacion auch verwandt sein, vnd sonderlich die Landtschafft, die jüngst der Frantzosen tausent pferd in Šdergleichen irn vnpillichen fürnemen geschlagen vnd nidergelegt haben12, anzuͦgreiffen, dieselben drey Frantzoͤsischen haubtleüt Sich auch yetzo besamblt haben vnd mit püxen, Laytern, wagen vnd anderm gezewg, so zum krieg dient, wider die gedachte vnnsere lannd vnd leüt offenpar rüssten. Darauff wir vnns mit vnnser person erheben vnnd ziehen bemeltem vnserm Fürsten von Anhalt vnnd vnsern Lannden vnd leüten zuͦ trost vnd hilf. Jtalia ist nu, wie du wissen magst. So steet es vmb oͤsterreich, wie du siechst. Yetz geet es an vnnser vnd vnserer Enicklen hawß Burgundi. Wellen du vnd ander Sich darab nit exempln13; was eüch daraus zuͦ gewarten vnd zuͦ sorgen ist, geben wir eüch zuͦ ermessen. Soͤlchs verkünden wir dir darumb, das du von dem tag zuͦ Wormbs nit aussen pleibest, Sunder denselben, zuͦ schetzen, als peremptorie14 suechest. Dann wir gedencken, wir mit allen den vnnsern, die aller teütschen Eer zuͦ retten vndersteen werden, derselben zeit in grossen beschwerden sein.

    «Nr. 45 Ausschreiben Ks. Maximilians an die Reichsstände (Beilage zum Reichstagsausschreiben) – Köln, 15. Juli 1508 »

    Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 346, fol. 41 (Or. Druck, Vermm. prps. (Stempel)/amdip., Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 12–12’ (wie A; Präsentatumverm.: Per Hansen Adam, Lowers Adam eiden von Menz, montag nach Sixti [7.8.] anno XVC acht. Und sagt, ime hab die eyn ksl. bot zu Me[nz] geben.) = B. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 28, unfol. (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 12–12’ (wie A, S. auf der Rückseite). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 2411, fol. 1–1’ (wie A, S. auf der Rückseite). Duisburg, NRW LA, Kleve-Mark, Akten, Nr. 4479, fol. 2 (wie A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, unfol. (wie A) München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, [Fasz. 1508], unfol. (wie A). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, unfol. (wie A). Wertheim, StA, G-Rep. 19/XII, Nr. 138 (wie A).1

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 943, S. 746f.

    [1.] Nach Ausfertigung des Ausschreibens [Nr. 44] wurden bei einem frz. Boten Briefe seines Kg. an die zur Unterstützung Gelderns gegen Niederburgund ausgeŠsandten Hauptleute2gefunden. Darin informiert er sie über den Waffenstillstand mit ihm, dem Ks., der aber nicht die niederburgundischen Lande einschließe. Er sei deshalb entschlossen, Karl von Geldern Hilfe zu leisten. Der frz. Kg. begründet dies mit ihrem freundschaftlichen Verhältnis und ignoriert gleichzeitig die ungleich engere Verbundenheit mit ihm, dem Ks., und seinen Enkeln ebenso wie die Rechte des Hl. Reiches und des Hauses Habsburg am Hm. Geldern, mit dem seinerzeit sein Vater Ks. Friedrich seinen Schwiegervater Hg. Karl von Burgund belehnt hatte.3Der frz. Kg. verschweigt auch, dass der Waffenstillstand für ihn, den Ks., und seine Enkel mit allen ihren Untertanen gilt. Er bemäntelt dies mit dem Argument, dass es bei den Verhandlungen nicht seine Absicht gewesen sei, Niederburgund mit einzubeziehen. Vielmehr sei er durch die Venezianer dazu genötigt worden und deshalb nicht verpflichtet, den Waffenstillstand einzuhalten.

    Die frz. Hauptleute und Truppen bereiten sich unter Missachtung des Waffenstillstands vor, nicht nur die Geldrer zu unterstützen, sondern darüber hinaus Niederburgund anzugreifen und entweder zu verwüsten oder zu unterwerfen. Er wird versuchen, sich diesen Plänen entgegenzustellen und das Land zu retten. Er ist somit genötigt, den Waffenstillstand zu verletzen. Da die Franzosen diesen so leichtfertig brechen, muss er seinerseits Widerstand leisten.

    «Nr. 46 Instruktion Ks. Maximilians für den Hauptmann des niederösterreichischen Regiments, Wolfgang von Polheim, sowie für seine Räte Gf. Nikolaus von Salm, Sigmund von Liechtenstein, Dr. Johann Schneitpeck und Dr. Wilhelm von Reichenbach als Gesandte zu den niederösterreichischen Landständen, hier zum unterderennsischen Landtag in Krems – Den Haag, 27. August 1508 »

    [1.] Rechtfertigung des Venezianerkrieges; [2.] Begründung für die Abwesenheit Ks. Maximilians von den österreichischen Erblanden; [3.] Einberufung eines Reichstages nach Worms; [4.] Vorkehrungen für einen künftigen Krieg mit Venedig; [5.] Teilnahme der niederösterreichischen Landstände am Wormser Reichstag; [6.] weitere Beratungspunkte für den Landtag.

    St. Pölten, NÖLA, Landtagshandlungen, Kart. 1, Fasz. mit der Aufschr.: Landtag der niederösterr. vier Stände zu Krems, den 29.9.1508, fol. 6’–16’ (besch. Kop. mit imit. Vermm. prps./cdip. und Gegenz. G. Vogt.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 21–36’ (spätere Kop.) = B.1

    Š[1.] Nach Übergabe ihres Kredenzbriefs2sollen die Gesandten die Stände an frühere Darlegungen über den Krieg gegen die Venezianer und ihre Verbündeten, Franzosen, Eidgenossen und andere Nationen, erinnern, die Kürze der Zeit halber nicht noch einmal wiederholt werden sollen. Doch ist zum besseren Verständnis seines Anliegens auf Folgendes hinzuweisen: Den Ständen ist sicherlich bekannt, dass die auf dem Konstanzer Reichstag versammelten Reichsstände zwar eine Hilfe für den Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde bewilligt haben, jedoch nur ein kleiner Teil davon geleistet wurde. Um von seiner Seite nichts zu versäumen, hat er dennoch mit diesen geringen Mitteln den Romzug angetreten. Somit könnten ihm die Reichsstände nicht vorhalten, er hätte ihre Hilfe für eigene Zwecke verwendet und die Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse unterlassen. Die Schuld für das Scheitern, die wir yetzo mit grunt auf die stend des Reichs legen mugen, wäre sonst ihm angelastet worden. In Erwägung dieser und anderer Umstände, keineswegs aus Leichtfertigkeit, musste er sich in den für ihn unerwarteten Krieg mit Venezianern, Franzosen und Eidgenossen einlassen, die unter dem ohnehin unbilligen Vorwand, seinen Romzug zu verhindern, nichts weniger als die Unterwerfung seiner Erblande beabsichtigen. Die daraus entstandene Kriegslast für die Erblande und insbesondere für das Karst, für Istrien (Ysterreich), Friaul, Krain und Kärnten und die erlittenen Verluste bedauert er und versichert, dass es zu keinem Zeitpunkt seine Absicht war, die Erblande leichtfertig in einen Krieg zu führen. Er ist vielmehr bestrebt, für sie den Frieden zu bewahren und ihren Wohlstand zu fördern. Doch wie es sprichwörtlich heißt, kann man nur so lange in Frieden leben, wie der Nachbar dies zulässt. Manchmal ist Krieg unvermeidlich. In diesem Fall verhielt es sich jedoch so, dass er und seine Erblande ohne eigenes Verschulden wegen des Reiches in diesen Krieg geraten sind. Bedankt sich für ihre Entscheidung, für andere ksl. Länder ins Feld zu ziehen, und für ihre Solidarität mit ihm und seinen Ländern Krain und Kärnten angesichts ihrer Verluste. Nun gilt es gemeinsam zu beraten, wie die verlorengegangenen Gebiete zurückerobert und künftige Einbußen vermieden werden können.

    [2.] Er hat die Stände teilweise früher schon darauf hingewiesen, dass er angesichts der Stärke der Feinde, der geringen Hilfe des Reiches, dem Ausbleiben anderweitig erhoffter Unterstützung und der Unmöglichkeit, den Krieg allein auf die Erblande gestützt fortzusetzen, im Reich und beim Schwäbischen Bund um Hilfe geworben hat, die uns doch so eylend, als die notdurft erfordert, nicht gedeihen hat mugen. Hingegen konnte er die gegen das Reich und die burgundischen Erblande seiner Enkel gerichteten feindseligen Absichten des frz. Kg. durch seine Anwesenheit dort unterlaufen. Gestützt auf Geldzusagen Englands und der burgundischen Erblande sowie in Erwartung der Hilfe des Reiches und des Schwäbischen Bundes Šplante er, die österreichischen Länder bei Fortdauer des Krieges mit Truppen und Geld zu unterstützen und gleichzeitig, nicht zuletzt auch zu ihrer Entlastung, ein Heer gegen Frankreich aufzustellen. Nichtsdestotrotz hätte er sich nach erfolgter Stabilisierung der Lage in den burgundischen Erblanden auch persönlich in die österreichischen Erblande begeben und sie keinesfalls im Stich gelassen. Wäre er sofort nach den Absagen des Reiches und des Schwäbischen Bundes nach Österreich zurückgekehrt, hätte er dort wenig ausrichten können und doch zugleich auf das hier in Aussicht gestellte Geld verzichten müssen, überdies die burgundischen Erblande in großer Sorge zurückgelassen. Dennoch hatte er sich angesichts ihrer Notlage auf den Weg gemacht und war bereits im Begriff, Truppen anzuwerben. Doch sahen sich die österreichischen Erblande und insbesondere die Gft. Tirol veranlasst, mit dem Feind einen Waffenstillstand zu schließen. Als er davon erfuhr, hielt er seine Anwesenheit dort nicht länger für erforderlich, sondern wandte sich wieder den burgundischen Erblanden zu, um sich dort der Zahlungen Englands und der Stände zu versichern. Da er die Zeit des Waffenstillstands nutzen wollte und einen leichten Sieg erwartete, beschloss er, das ihm als Erblehen zustehende Land Geldern zu erobern und somit die Gefährdung seiner Erblande durch diesen Unruheherd wie auch durch die Franzosen zu beenden. Dies wäre die Voraussetzung, um nach dem Auslaufen des Waffenstillstands oder im Falle seines Bruches durch die Gegenseite die Unterstützung der Niederlande zur Rückgewinnung der Verluste und vielleicht sogar zu weiteren Eroberungen zu erhalten. Er ist deshalb außerstande, persönlich auf dem Landtag zu erscheinen, und bittet, seine Gesandten wie ihn selbst aufzunehmen.

    [3.] Er hat außerdem nicht nur im Interesse des Reiches, sondern auch der Erblande auf Allerheiligen [1.11.] einen Reichstag nach Worms ausgeschrieben und ist zuversichtlich, dass die Reichsstände vollzählig daran teilnehmen werden. Die Situation der Häuser Österreich und Burgund ist derzeit so, dass sie auf sich gestellt wenig vermögen. Zugleich erwartet er auch vom Reich wenig, wenn es diese nicht ernsthafter unterstützen will als bisher. Seine ganze Hoffnung ruht auf seinen Erblanden. Dann wo sy u[ns] absteen, also das sy sich nicht mit tapferkait und ernst umb die sachn annemen, wurden die stend des Reichs darab geursacht, auch dest leichtfertiger und slechter darzuzutun, und herwiderumben, wo sy unsere landschaftn ernstlich und getreu und vleis ansehen und merkn, werdn sy auch zu dester trostlicher, grosser hilf bewegt. Außerdem gilt es zu bedenken, dass er selbst und seine Häuser Österreich und Burgund unablässig von verschiedenen Nationen bedrängt werden und dass er und seine Erblande alleine die Grenzen nicht gegen alle Erbfeinde des Hl. Reiches und der deutschen Nation – Franzosen, Venezianer, Eidgenossen und auch die Ungläubigen – verteidigen können. Er nimmt zum Schutz der Christenheit für das Reich und die deutsche Nation große Belastungen auf sich, doch werden er und seine Erblande diesen vier Feinden auf Dauer nicht standhalten können. Wenn nicht mehr Hilfe geleistet wird, könnte er sich gezwungen sehen, auf andere Weise Frieden zu erreichen und zugleich seinen Besitzstand zu bewahren. Es scheint ihm, als würden sich die Reichsstände um diese ŠNotlage, als wären nicht sie selbst, sondern nur wir als ihre Nachbarn betroffen, nicht bekümmern.

    [4.] Angesichts der Haltung des Reiches auf der einen und der Erblande auf der anderen Seite während des von Frankreich, Venedig und ihren Verbündeten geführten Krieges gegen ihn und seine Länder ist es im Interesse von Ks. und Reich, der Häuser Österreich und Burgund wie auch der Erblande, über die notwendigen Maßnahmen für das Bevorstehende zu beraten. Erforderlich ist eine Übereinkunft zwischen ihnen hinsichtlich der gegenseitigen Hilfe 1. für die Zeit nach Auslaufen des Waffenstillstandes bzw. für den Fall seines Bruches durch Venedig, 2. für die Rückeroberung der im vergangenen Krieg erlittenen Verluste, sobald einer dieser Fälle eintritt, und 3. für alle anderen Notsituationen des Kaisers und der Erblande, um im Falle eines Angriffs auf die Erblande nicht jeweils zuerst ihn einschalten zu müssen, sondern sich unmittelbar gegenseitig Hilfe leisten zu können.

    [5.] Er hält es deshalb für erforderlich, dass die österreichischen und burgundischen Stände Gesandte zu den auf dem Reichstag versammelten Ständen schicken, um durch dieselbn erzelen zu lassen aller unsere erblichn land notdurft, oblign und beswerd, darvon sy allzeit als die, so die grenzen und confyn innehaltn, gegn des Reichs und teutscher nacion veinten und durchachtern stehen, und sonderlich den costen und verlust, so sy in dem vergangn venedischn krieg3 von des Reichs wegen, irthalben unverschult, getragn habn, desgleichn sy hinfur allzeit vor andern in sorgen und geferlikait stehen mussen, darvon sy doch von meniglich verlassn, gar wenig oder kain hilf noch trost bisher empfunden habn, dergleich auch kunftiglich nicht wissn, darumbn inen an irn leibn und gutern swer. Und wo sy dieselben gleich nach allem vermugen, als sy zu tun begirig weren, darstreckn, doch sorglich sey, ob sy solhe purd, last und beswerung ferrer an treffnlich hilf des Heilign Reichs und teutscher nacion ertragn mugen. Und demnach die stend des Reichs aufs hochst zu ermanen, unsern heusern Ostereich und Burgundi mit grunt zu versteen zu gebn, ob das Reich und teutsche nacion dieselbn unser heuser und unser erbliche land und leut, darzu gehorig, als die, so die confyn und grenzn gegen alln veinten innehaben, lenger bey inen behaltn, hanthaben und mit was treffenlicher hilf und trost sy inen in irn notn und oblig[en] erscheinen und erschiessen, oder ob sich das Reich und teutsche nacion derselben unser erbland ent[schlagen], verzeihen und die verlassen welle etc., mit mer [schick]licher und gegrunter mainung und werbung, w[ie die zu] begreifn sein mag.

    aDafür ist ein vorbereitender allgemeiner Landtag erforderlich. Die Ausschüsse der einzelnen Länder sollen von dort die Gesandten mit ihrer InstrukŠtion zum Reichstag abfertigen. Dieser Landtag soll in Bruck an der Mur stattfinden–a,b.

    [6.] Die ksl. Gesandten sollen die Landstände auffordern, über eine gemeinsame Defensionsordnung der nieder- und oberösterreichischen Länder sowie Burgunds, dessen Gesandte ebenfalls in Worms anwesend sein werden, zu beraten, außerdem über Maßnahmen für die Rückeroberung der im Krieg an Venedig verlorenen Gebiete nach dem Auslaufen des Waffenstillstands bzw. im Fall seines Bruches durch die Feinde; und darzu die stend des Reichs auf dem Reichs tag obberurter mainung anzusuchen und zu vernemen. Ihre diesbezüglichen Beschlüsse sollen sie unverzüglich dem Hauptmann der niederösterreichischen Regierung, Wolfgang von Polheim, übermitteln, der sie an ihn weiterleiten wird. Die Stände sollen jeweils bevollmächtigte Ausschüsse von zwei Personen mit ihren Beschlüssen bezüglich dieser drei und der folgenden Artikel zum Landtag nach Bruck entsenden, um dort gemeinsame Beschlüsse zu fassen und auf dieser Grundlage ihre Gesandten nach Worms abzuordnen. Dabei sollen sie Sorge dafür tragen, dass diese bereits einige Tage vor Eröffnung des Reichstages dort eintreffen.

    [a) Defensionsordnung der niederösterreichischen Erblande; b) Fragen der ksl. Regierung und Verwaltung; Zusage, ohne Informierung und Beratung der Landstände keinen sie betreffenden Krieg zu eröffnen; c) Forderung nach Auszahlung der bereits bewilligten Landeshilfe, verbunden mit der Zusage einer ksl. Truppenhilfe für die Erbländer im Notfall; d) Beschwerden und Anliegen der Länder und einzelner Personen]. Wegen des letzten Artikels soll jedoch nicht mit der Entsendung der Ausschüsse nach Bruck gewartet werden, sondern von dort eilends die Gesandtschaft mit Instruktion und Vollmacht zum Reichstag nach Worms abgeordnet werden. […].4

    «Nr. 47 Ks. Maximilian an den Reichsstatthalter Kf. Friedrich III. von Sachsen – Tervuren, 5. September 1508 »

    [1.] Einladung zur persönlichen Teilnahme am Wormser Reichstag; [2.] Geldernkrieg; [3.] persönliche Befindlichkeit Ks. Maximilians.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 5–5’ (Or.Fewr, Verm. prps., Gegenz. J. Renner).

    [1.] Teilt mit, dass er in den Niederlanden gut empfangen wurde. Er geht davon aus, einen Waffenstillstand oder Friedensvertrag mit dem Kg. von Frankreich zu erreichen und einen Krieg zu vermeiden. Er wird hier in den Erblanden die Regierungsangelegenheiten regeln und will dann persönlich zum ausgeschriebenen ŠReichstag kommen. Fordert ihn auf, sich ebenfalls persönlich dort einzufinden und sein Bestes zu den Verhandlungen über die bewussten Materien beizutragen. Er wird ihm auf dem Reichstag auch in seinen eigenen Anliegen einen Bescheid geben, der ihn zweifellos zufriedenstellen wird.1

    [2.] [PS] Er führt weiterhin Krieg im Hm. Geldern. Doch schickt der frz. Kg. dem Hg.[Karl von Egmond] viel Geld. Dieser kann damit so viele Truppen unterhalten, dass wohl keine Gebietsgewinne möglich sind.

    [3.] [Eigh. PPS] Wier haben noch hie kain harnasch gefuert2, und geet uns ganz wol auf der waedenschaft [= Waidwerk] und gar ubl auf der puelschaft3. Per manum propriam.

    «Nr. 48 Der ksl. Kanzler Zyprian von Serntein an Gf. Wolfgang von Fürstenberg – [Antwerpen], 15. Dezember 1508 »

    Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 471, S. 417f.

    [Aufforderung zur Teilnahme an dem für den 8. Januar nach Bozen einberufenen Tiroler Landtag]. Nach seinem Dafürhalten wird der Landtag nicht lange dauern und er bald wieder heimkommen. Da der Ks. noch eine Zeit lang in den Niederlanden (hernyden)bleibt, wird sich die Reise nach Worms verzögern, sodass er, Fürstenberg, rechtzeitig auf dem Reichstag eintreffen wird. Denn der Ks. wird – nach erfolgtem Abschluss des Friedens von Cambrai (Cameregg)– zuerst die niederländischen Stände einberufen, das Regiment neu ordnen1und die Finanzkammer einrichten, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Über den Frieden weiß der Ks. noch nichts, da Ehgin. Margarethe und die sie begleitenden Räte noch nicht Šzurückgekehrt sind. Er selbst geht davon aus, dass der Ks. seine Tochter in Mecheln erwarten wird. […].

    «Nr. 49 Erasmus Topler an die Nürnberger Hh.Älteren – Antwerpen, 16. Dezember 1508 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, D-Laden Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 25, unfol. (eigh. Or. m. S.).

    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 25, S. 159f.

    […]. Er behält ihren Boten Peter Leupold noch eine Zeitlang bei sich, da der Ks. ein neues Ausschreiben zur Verschiebung des Wormser Reichstages bis vierzehn Tage nach Ostern hat aufsetzen lassen1. Es ist jedoch noch nicht ausgegangen, weil der Ks. am 13. Dezember eine Nachricht seiner Tochter Margarethe aus Cambrai (Camerach)erhalten hat: Am 10. Dezember sei ein Frieden mit dem frz. Kg. geschlossen worden, der ganz im Einklang mit den ksl. Wünschen stehe. Sie wolle dem Ks. die außerordentlich guten Neuigkeiten persönlich überbringen und reise zu diesem Zweck am 12. Dezember nach Brüssel ab. – Er, Topler, geht davon aus, dass der Ks. die hl. Zeit dort verbringen wird. Falls die Nachrichten so gut sind, wie behauptet, wird der Reichstag wohl früher stattfinden. Er wird sie darüber informieren. Denn der Ks. wird dort mit seiner Tochter alle notwendigen Entscheidungen treffen. Über die einzelnen Bestimmungen des Friedens weiß er noch nichts. Es heißt aber, dass der Ks. von Frankreich und England große Geldsummen erhalten wird.2 […].

    «Nr. 50 Ausschreiben Ks. Maximilian an die Reichsstände – Mecheln, 26. Dezember 1508 »

    Verschiebung des Wormser Reichstages wegen des Friedens mit Frankreich.

    I. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 20–20’ (Adressat: Kf. Friedrich von Sachsen) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 7–7’ (Adressat: Hg. Georg von Sachsen) Š= B. Köln, HAStd, K+R 36/2, fol. 10–10’ (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln) = C. Frankfurt, ISG, RTA 25, fol. 6–6’ (präs. Frankfurt, 13.1.1509). München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/10, unfol. (beschädigt, z.T. stark verblasst; Adressat: Bf. Philipp von Freising). München, HStA, KÄA 3136, fol. 361–361’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Bayern).

    II. (Or. Druck mit handschriftlich inserierter Anrede, Vermm. prps. (Stempel) und amdip., Gegenz. Serntein): München, HStA, KÄA 3137, fol. 158–158’ (Adressat: Hg. Wolfgang von Bayern) = D. Marburg, StA, Urk. 95, Nr. 496 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Reichskammer und Stadt Hagenau; Präsentatvermerk: Dem Stettmeister Diepold von Heilbronn am 22.1.1509 (montag nach Sebastiani)durch Jörg, Amtsknecht der Landvogtei, übergeben.) = E. Aurich, StA, Rep. 4 B I a, Nr. 5 (beschädigt; Adressat: Gff. von Ostfriesland). Bückeburg, StA, L 1 (Schaumburger Samtarchiv), Nr. 24 (stark beschädigt; Adressat: Gff. zu Schaumburg-Gemen). Duisburg, NRW LA, JB I, Nr. 200, fol. 14–14’ (Adressat: Hg. Wilhelm von Jülich). München, HStA, KL Regensburg, Niedermünster, Nr. 40, fol. 99–99’ (Adressat: Äbtissin N. [= Agnes Nothafft] von Niedermünster/Regensburg). Sigmaringen, StA, Dep. 30/12 T 3, Nr. 4 (Adressat: Abt [Simon] von Marchtal). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 157/13, fol. 213–213’ (beschädigt; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Speyer). Stuttgart, HStA, A 486, Bü. 1457 (Adressat: Abt N. [= Konrad Ehrmann] von Rot (Munichrode)). Wertheim, StA, G-Rep. 47, Nr. 11, unfol. (Adressat: Gff. Michael und Asmus von Wertheim; Präsentatvermerk: Conversionis Pauli [25.1.1509]).

    III. (Kop.): Augsburg, StdA, Lit. Personenselekt Ks. Maximilian I., Fasz. 1, fol. 156–157 (imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Worms; inhaltlich mit C übereinstimmend).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 949, S. 748–750.

    Kurzregest: Diederichs, Kaiser, Nr. 59, S. 112; Rauch, Urkundenbuch III, Nr. 2180, S. 253.

    Zwar wurden zwischen ihm, dem Ks., und Kg. Ludwig von Frankreich über längere Zeit Verhandlungen in Angelegenheiten des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund geführt, doch entstanden dabei immer wieder Streitigkeiten, sodass er vor Kurzem noch nicht an einen Frieden geglaubt hat. Deshalb wollte er auf dem nach Worms ausgeschriebenen Reichstag erscheinen. Seine Tochter Ehgin. Margarethe und Gesandte der Kgg. von England1und Aragon2haben die Verhandlungen indessen weiter betrieben und Šdrängten ihn in Erwartung eines Friedensschlusses, in den Niederlanden zu bleiben. Es wurde ein Treffen in der Reichsstadt Cambrai (Camerigk)anberaumt. Deshalb hat er sich so lange in den Niederlanden aufgehalten. Er hat es auch unterlassen, seine Räte zum Reichstag zu schicken, da er sie in diesen wichtigen Angelegenheiten nicht entbehren konnte und außerdem nicht wusste, ob der frz. Kg. an dieser Zusammenkunft teilnehmen würde. Auf diesem Tag haben nun seine Tochter, die Gesandten der Kgg. von England und Aragon sowie der Kardinal von Rouen [George d’Amboise] als Bevollmächtigter des frz. Kg. einen Friedensvertrag zwischen dem frz. Kg. und ihm, dem Ks., geschlossen, in der Hoffnung, dass dieser zur Ehre und zum Nutzen des Hl. Reiches, der deutschen Nation und der ganzen Christenheit wie auch der Häuser Österreich und Burgund gereichen wird. Er wird darüber mündlich Bericht erstatten und ist zuversichtlich, die Zustimmung des Empfängers zu erhalten. aFür den Vollzug des Friedens ist noch kurze Zeit seine Anwesenheit hier erforderlich.3Er wird sich jedoch beeilen und den Reichstag sicherlich abhalten. Er wird am 21. Februar, dem sant Peters tag Kathedra[= 22.2.!], in Worms eintreffen. Befiehlt dem Empfänger, sich zum genannten Termin mit kleinem Gefolge dort einzufinden–a, um an den Verhandlungen über die Angelegenheiten des Reiches, der deutschen Nation und der Christenheit teilzunehmen. Er soll keinesfalls ausbleiben und auch nicht auf andere Stände warten.4

    «Nr. Š51 Bf. Matthäus Lang von Gurk und Zyprian von Serntein an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Mecheln, 28. Dezember 1508 »

    Ankündigung des ksl. Gesandten Erasmus Topler.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 22–22’ (eigh. Unterz. Langs und Sernteins).

    Der Ks. hat den Propst zu St. Sebald/Nürnberg, Dr. Erasmus Topler, beauftragt, mit ihm über verschiedene, darunter auch einige geheime Angelegenheiten zu sprechen.1Bitten ihn, den Gesandten anzuhören. Er möge auch bedenken, dass sie beide ihm gerne dienen wollen und es begrüßen würden, wenn zwischen dem Ks. und ihm ein vertrauensvolles Verhältnis bestünde. Wenn er auf die Vorschläge des Gesandten eingeht, wird er in ihnen beiden getreue Sachwalter seiner Angelegenheiten beim Ks. finden. Sie erwarten, dass er sich von niemandem zu etwas bewegen lässt, dardurch guete werk und fürnemen nit liederlichen zerstört werden. Dann wir hoffen zu Got dem allmechtigen, das keiserlicher maiestat sachen also gestalt sein und werden, das eur furstlich gnad bey irer maiestat mit grossen eren und nutz, mer dann bisher, nicht allain als ein churfurst, sonder als irer maiestat gesippter freund in gutem ansehen sein sol. Der Propst wird dies ausführlicher darlegen.2

    «Nr. 52 Ausschreiben Ks. Maximilians – Mecheln, 5. Januar 1509 »

    Mitteilung über den Inhalt des Bündnisses gegen Venedig.

    Lat. Druck: Lünig, Codex Italiae I, Nr. XXIX, Sp. 141–144; Lünig, Reichsarchiv VI (part. spec. cont. I), Nr. LVIII, S. 132–134.

    Papst Julius hat ihn und Kg. Ludwig von Frankreich sowie weitere christliche Fürsten aufgefordert, ihm für die Verteidigung der Christenheit gegen die Türken und die Bewahrung der Rechte und Besitzungen des Hl. Stuhls mit ihrer gesamten Macht beizustehen, um die seit vielen Jahren von Venedig unrechtmäßig besetzten Gebiete des Patrimoniums Petri zurückzugewinnen. Aus Gehorsam gegenüber dem Hl. Stuhl, als Protektor der Kirche und in Erwägung der schweren Vergehen nicht nur am Hl. Stuhl, sondern auch am Hl. Reich, dem Haus Österreich, den Hgg. von Mailand, den Kgg. von Neapel und vielen anderen gewaltsam um ihre Besitzungen gebrachten Fürsten hält er es für erforderlich, der Aggression Venedigs entgegenzutreten und die usurpierten Besitzungen an die Eigentümer zurückzugeben. Deshalb hat er vor kurzem seine Tochter Ehgin. Margarethe nach Cambrai (Cameracensem)entsandt, die als seine bevollmächtigte Vertreterin nach erfolgtem ŠAbschluss eines allgemeinen Friedensvertrags mit dem frz. Kg.1außerdem mit dem frz. Gesandten George d’Amboise, Kardinal von Rouen, und dem aragonesischen Emissär Jaime d’Albión einen Bündnisvertrag folgenden Inhalts gegen die Ungläubigen und gegen Venedig ausgehandelt und geschlossen hat: Vertragspartner sind der Ks., der frz. Kg., der Papst und der Kg. von Aragon. Binnen vier Monaten können diese weitere Teilnehmer am Bündnis benennen. Venedig hält unrechtmäßig Gebiete des Hl. Stuhls, des Hl. Röm. Reiches, des Hauses Österreich, des frz. Kg. im Hm. Mailand und des Kg. von Aragon im Kgr. Neapel besetzt. Es ist deshalb von diesem Vertrag ausgeschlossen, der die Restitution aller Verluste vorsieht. Zu diesem Zweck wurde vereinbart, dass der Papst sowie die Kgg. von Frankreich und Aragon zum 1. April mit den dafür erforderlichen Kräften das venezianische Territorium angreifen werden. Der Feldzug wird erst beendet, wenn der Hl. Stuhl Ravenna, Cervia, Faenza und Rimini sowie Imola und Cesena mit allen übrigen von den Venezianern unrechtmäßig besetzten Gebieten der Kirche zurückerhalten hat. Der röm. Ks. wird Rovereto, Verona, Padua, Vicenza, Treviso und Friaul (Forum Iulium), das Patriarchat von Aquileia sowie alle übrigen von Venedig im letzten Krieg eroberten österreichischen Gebiete, der frz. Kg. Brescia (Brixiam), Bergamo, Crema, Cremona, Gera d’Adda mit allen Zugehörungen, insgesamt alle früher zum Hm. Mailand gehörigen Besitzungen zurückerhalten. Dem Kg. von Aragon stehen alle von Venedig besetzt gehaltenen Teile des Kgr. Neapel zu, namentlich Trani, Brindisi, Otranto und Gallipoli. Den Hgg. von Savoyen und Ferrara sowie dem Mgf. von Mantua steht es frei, sich dem Bündnis anzuschließen, um ebenfalls ihre Verluste von den Venezianern zurückzugewinnen. Ebenso steht dem Kg. von England der Beitritt zu dieser Liga offen.2

    «Nr. Š53 Aufzeichnung über die Antwort Ks. Maximilians an den hessischen Gesandten Balthasar von Schrautenbach (Rentmeister zu Gießen) – [act. Mecheln, zwischen dem 18. und 20. Januar 15091»

    Weimar, HStA, EGA, Reg. C, Nr. 276, fol. 31–32’, hier 32–32’ (Kop.).

    [Streit zwischen Kurmainz und Hessen; Nr. 92; Konflikt zwischen Königstein und Eppstein; Nr. 166]. Der Ks. steht wegen der Landvogteien Hagenau und Ortenau in Verhandlungen mit Kf. Ludwig von der Pfalz und Pfgf. Friedrich. Er kann dem Lgf.[Wilhelm] diesbezüglich noch keine Antwort geben.

    Er bedankt sich beim Lgf. für den gegebenen ratschlag.2Er ist bereits im Begriff, ihn umzusetzen. Wenn er, der Ks., jetzt nach Worms kommt, wird er weiter mit ihm darüber beraten und ihm auch persönlich dafür danken.

    Der Ks. bittet den Lgf., sich persönlich zu ihm auf den Wormser Reichstag zu verfügen. Er versichert ihn seiner Freundschaft und Gnade.

    «Nr. 54 Ettore Gonzaga an Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach – Augsburg, 16. Februar 1509 »

    Initiative zu einem ksl. Bündnis mit Venedig.

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 9–13’ (unzuverlässige dt.Übersetzung).

    [1.] Er kann ihn, anders als vom Bf. von Mantua befohlen, wegen einer Erkrankung und der schlechten Sicherheitslage nicht persönlich aufsuchen, sondern übermittelt ihm seine Aufträge schriftlich unter Übersendung des ihm mitgegebenen Kredenzbriefes, worin sich der Bf. samt den Söhnen seines Bruders [Gianfrancesco], Ludovico, Federico und Pirro (Prerus), freundlich gegen ihn erbietet1: Betont deren enge verwandtschaftliche Beziehungen, auch über die verstorbene Mgfin. Barbara2, Šmit dem Mgf. vor allen anderen italienischen Ff. und dessen daraus resultierende Verpflichtung zu deren Schutz – insbesondere angesichts der Gefährdung ihres Standes und ihrer Hftt. durch den frz. Kg. und den Mgf.[Francesco] von Mantua, deren Feindschaft sich seine Hh. auch wegen der Aufnahme von 1000 ksl. Knechten im vergangenen Jahr zugezogen haben. Eine Möglichkeit hierzu wäre, den Ks. von einem Zusammengehen mit Venedig zu überzeugen, das ihm mehr Vorteile und Ehre einbringen würde als sein derzeitiges Bündnis mit Frankreich. Darüber wird Ludovico, den der Ks. auf den Tag nach Worms beschieden hat, ausführlich mit diesem sprechen. Bittet ihn, seinen Sohn Mgf. Kasimir zu veranlassen, bei dessen Vortrag anwesend zu sein und sich für ihn zu verwenden, falls er, Mgf. Friedrich, nicht selbst zu dem angesetzten Tag kommen kann. Sollte Mgf. Kasimir sich derzeit nicht beim Ks. aufhalten, bittet er ihn, stattdessen einen seiner geheimen Räte zu entsenden, der helfen soll, die Sache zu einem guten Ende zu bringen. Auch bitten seine Hh., den Kf.[Joachim] von Brandenburg (marggrafen von der Marck)schriftlich zu kontaktieren und ihn dafür zu gewinnen, sich ebenfalls für das Bündnis nicht nur mit Venedig, sondern auch mit dessen Verbündeten und weiteren Freunden des Ks. einzusetzen. Im gleichen Sinne möge er sich auch an andere geeignete Persönlichkeiten wenden. Der Bf. bürgt dafür, dass Venedig ihn, Mgf. Friedrich, und die übrigen Fürsprecher nicht unbelohnt lassen wird; er hat von den Venezianern entsprechende Vollmacht. Falls er Kontaktpersonen am Kaiserhof kennt, die sich für ein solches Bündnis verwenden würden, bittet er, ihm diese zu benennen.

    [2.] Dies auszurichten ist sein Auftrag, wofür er als Beleg den bfl. Kredenzbrief beilegt. Es geht bei dieser Sache um die Interessen von Ks. und Reich. Die folgenden Darlegungen dazu bittet er vertraulich zu behandeln. Was den oben angesprochenen Nutzen für den Ks. und seine Ehre angeht: Der Ks. würde bei seinem Italienzug mehr Ehre einlegen, wenn er als Beschützer käme und nicht als Verbündeter des frz. Kg. Wenn die Lombardei und die venezianischen Hftt. so aufgeteilt würden, wie dies der Vertrag [von Cambrai] besagt, so hätte Frankreich mit Mailand, Cremona, der Gera d’Adda (Caram Ade [!]), Genua und allen mailändischen Hftt. den größeren Anteil an Italien; der Ks. dagegen hätte nur drei oder vier unbedeutende Länder gewonnen.3Der Ks. wäre an der Seite des frz. Kg. nur ein weiterer Verbündeter neben Florenz, dem Papst, Pisa, Mgf.[Francesco] von Mantua und Hg.[Alfonso] von Ferrara. Diese haben bereits die vom frz. Kg. dem Ks. versprochenen italienischen Gelder für sich selbst eingezogen. Sobald die französische Position in Italien ausreichend gefestigt ist, könnte der frz. Kg. sich zum Ks. erheben. Für diese Absicht spricht auch, dass er, wie es heißt, hartnäckig bestrebt ist, dem Kardinal von Rouen (Roan)die Papstwürde zu verschaffen. Die derzeitige Konstellation dient also ausschließlich dem frz. Kg. Im Bündnis mit Venedig hingegen könnte der Ks. als ŠBeschützer nach Italien kommen und würde dabei, wovon er fest überzeugt ist, von Venedig mit Geld und Truppen unterstützt. Er könnte Friaul und andere verlorene Gebiete ohne Blutvergießen zurückerhalten. Vielleicht würde Venedig sogar beim Rückgewinn Mailands helfen. Ludovico [Gonzaga] wird dies dem Ks. ausführlich darlegen. Im Bündnis mit Venedig wäre für den Ks. somit mehr Nutzen und Ehre zu erwarten als an der Seite Frankreichs.

    [3.] Wenn er, der Mgf., dagegen das dem Ks. von Venedig zugefügte Unrecht anführen möchte, so verweist er, Gonzaga, auf dessen Rechtfertigung: Zum einen war Venedig dazu aus Bündnistreue zum frz. Kg. genötigt, zum anderen wurde es im Cadoretal (Chadober)zuerst angegriffen. Selbst wenn Venedig ein Unrecht begangen hätte, so wäre doch zu fragen, ob der frz. Kg. sich gegenüber dem Ks. nicht viel mehr Schuld aufgeladen hat und wer wohl mehr Vertrauen verdient. Darumb, dieweil die Venediger sich selbst erbieten und weyß, scheinbar bapir herraichen, so ist zu erachten, dass dies dem Ks., den Reichsstädten (frey lendern)4und allen deutschen Ff. zum Vorteil und zur Ehre gereichen wird. Weitere Argumente möchte er dem mgfl. Gesandten, der einer seiner geheimen Räte und des Lateinischen mächtig sein sollte, auseinandersetzen. Dieser soll ihm seinerseits die mgfl. Position eröffnen, die er dann dem Bf. mitteilen will. Dessen Wunsch ist es, dass er, Mgf. Friedrich, sich in seinem Sinne einsetzt. Wie bereits gesagt, wird sich Ludovico [Gonzaga] auf dem Wormser Tag weiter dazu äußern.

    «Nr. 55 Heinrich von Schleinitz an Hg. Georg von Sachsen – Brüssel, 17. Februar 1509 »

    Bevorstehender Krieg gegen Venedig.

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8498/1, fol. 323–324’, hier 323’–324 (Or., sonnabends vor faßnacht).

    [Angelegenheiten Hg. Georgs; Nr. 152]. Vermutlich hat ihn bereits Wolf von Schleinitz darüber informiert, dass der Ks. mit dem Papst und Frankreich ein gegen Venedig gerichtetes Kriegsbündnis geschlossen hat. Demnach sollen diese den Krieg 50 Tage vor dem Ks. eröffnen.1Es heißt, dass der frz. Kg. große Truppenkontingente nach Italien schickt, um seinen Teil der Vereinbarungen zu erfüllen. Angeblich hat Venedig bereits die Abtretung aller ehemals zum Hm. Mailand gehörigen Gebiete sowie eine jährliche Tributzahlung von 100 000 Dukaten auf Lebenszeit Šangeboten. Der Kg. soll dieses Angebot ausgeschlagen haben. Ich versehe mich, nicht in arger meynung, findt, er werd seiner zusag mit anfang des kriges genug getun. So wird es uf unser seyte nach alder gewonheit geschen: Was heut irgehen soll, irvolget uber ein jar nicht. Damit wird der Francoß dem kaiser nichthaltung uflegen, auß dem contract treten, mit den Venedigern seinem bestin nach eynung annemen, den kopf außzihen, die schling dem kaiser an halß werfen. Got gebe, das es besser gerate. Dan das der keiser seiner zusag genug tue, des stugks ist nach gar kein schigklichkeit verhanden. [Verhandlungen mit England].

    «Nr. 56 Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach an Ettore Gonzaga – s.l., 20. Februar 1509 »

    Bamberg, StA, GHAP, Nr. 6073, fol. 14 (Konz.; dinstag nach esto michi).

    Bestätigt den Eingang seines Schreibens [Nr. 54] und sagt zu, den Ks. zu informieren.1Wenn er, Gonzaga, selbst beim Ks. vorstellig wird, wird er auf dem Wormser Reichstag neben anderen Kff. und Ff. pflichtgemäß zur bestmöglichen Lösung beitragen. Er kann ihn derzeit nicht zu sich einladen, obwohl er es gerne tun würde. Auf Bitten Kg. Wladislaws von Ungarn und Böhmen steht er im Begriff, gemeinsam mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] zur böhmischen Königskrönung Prinz Ludwigs aufzubrechen. Wenn er aber damit einverstanden ist, nach seiner Rückkehr gemeinsam nach Worms zu reisen, will er ihn zum Reichstag mitnehmen und sein Anliegen nach Kräften unterstützen.

    «Nr. 57 Dr. Erasmus Topler an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Nürnberg, 9. März 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 6–6’, 7’ (eigh. Or. mit ex.-Verm.).

    Er hat seine vom 16. Februar datierende Antwort auf seinen von Schmalkalden aus abgeschickten Bericht1an Bf.[Matthäus Lang] von Gurk und ihn am Vortag [8.3.] erhalten. Er hat daraus vernommen, dass seine Verhandlungen mit den Ff.2die Zustimmung des Ks. finden – zweifellos nicht zuletzt aufgrund ihrer Unterstützung, wofür er sich bedankt. Es wäre gut, wenn der Ks., wie von ihm, Serntein, angekündigt, an Mittfasten [18.3.] nach Worms käme. Denn hier geht das Gerücht, dass der frz. Kg. mit einem gewaltigen Heer nach Mailand zieht. Erinnert daran, dass er ihn durch einen Nürnberger Boten über ein Schreiben Venedigs an die ŠStadt Nürnberg3unterrichtet hat. Er hofft, seine Meinung dazu zu erfahren, wenn der Ks. nach Worms kommt. Sowie er erfährt, dass der Ks. auf dem Weg dorthin ist, wird er ebenfalls aufbrechen. Ohne entsprechenden ksl. Befehl wäre es nutzlos, schon jetzt dorthin zu reisen. Bittet ihn, wegen der Lehen Wilhelms Hallers bis zu ihrer persönlichen Zusammenkunft nichts zu unternehmen. Der Kg. von Ungarn ist mit seinem Sohn [Ludwig] ganz zierlichin Prag (Brage)eingezogen. Er will ihn dort zum böhmischen Kg. krönen lassen. Mgf. Friedrich [von Brandenburg] ist mit seiner Gemahlin [Mgfin. Sophia] und ihren Kindern bereits auf dem Weg dorthin.

    «Nr. 58 Nachschrift zu einem Bericht Eitelwolfs vom Stein an Kf. Joachim I. von Brandenburg – [wohl erste Aprilhälfte 1509] »

    Vorbereitungen Ks. Maximilians für den Krieg gegen Venedig, Skepsis Steins hinsichtlich der Folgen.

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 11246, unfol. (eigh. Or. m. S.; Postverm.: In seiner ftl. Gn. selbs hand.).

    Gnedigster herr, als ich e. ftl. Gn. brief geslossen hab, ist ksl. Mt. reten einer auß der Steyrmark komen. Der hat den [Gf. Hoyer] von Mansfelt und mich bericht, wie ir Mt. ostereichisch erbland sich einhelliglich entslossen und bewillig[t], von hundert gulden durchauß ein zu roß und II zu fus zu halten1, als ir Mt. der notturftig. Et unum in secreto: Ir Mt. wipil [= wil[l]] nopen [= non] plupucepes [= plus] qua[m] sepex [= sex] mipilliprapa [= milia] hopomipiniepes [= homines] vom Reipich [= Reich] fopordepern [= fordern]. Beb[st]liche hailikait erfordert und ruft an ksl. Mt. umb hulf wider die Venedigern als ein vogt der kirchen. Der konig von Frankreich hat XXVIIIM zu roß und fuß wider die Venediger und sol uf unser seyten sein. Got geb, das wol gerat. Ich besorg, wo wir zu lang auf sein, der Franzoß werd sein ding schafen mit eroberung welscher land; und den [= wenn] der babst von uns verlassen, darauß ursach nemen, den Franzosen zu cronen. Das hab ich e. ftl. Gn., die ich bit, solichs in gehaim Šzu halten, nit wissen zu versweigen. Wo sein die churfursten? E. Gn. hats wol bedenkens zu geben, wie die merers teyl[s] geschickt. Gnst. herr, in e. ftl. Gn. sachen, sobald ichs ymmer stat haben mag, will ich nit feyern. Ich wer ye auch [gern] einmal heym und auß dem platzregen. Bevilch mich e. Gn. Datum ut in aliis. E. v. Stein, ritter.2

    «Nr. 59 Paul von Liechtenstein an Ks. Maximilian – Innsbruck, 7. April 1509 »

    Umsetzung des Vertrags von Cambrai durch den Ks., Verhandlungen mit österreichischen Landständen.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 23–26’ (Or., Postverm.: Ad ma[nus proprias].).

    Druck: Chmel, Urkunden Maximilians I., Nr. CCXXXIII, S. 314–317.

    Er, der Ks., hat ihm kürzlich schriftlich seine Absichten im Zusammenhang mit Frankreich und insbesondere mit Hinblick auf den gegen Venedig gerichteten Geheimvertrag [von Cambrai] dargelegt. Der Vertrag ist für den Ks. und seine Erblande von großer Bedeutung. Für eine begründete Stellungnahme von seiner Seite hat er mit einigen Regimentsräten über diejenigen Artikel beraten, die Tirol und die übrigen Erblande betreffen: Er, der Ks., beabsichtigt, für den 15. oder 22. April (sontag quasimodogeniti/sontag misericordia Domini)einen Tiroler Landtag nach Brixen einzuberufen, um dort eine viermonatige Hilfe von 200 Reitern und 6000 Fußsoldaten zu beantragen. Dies erscheint angesichts der hohen Belastung des Landes im letzten Krieg nicht ratsam. Sollten die Landstände den Eindruck gewinnen, dass der Ks. den Krieg nur mit erbländischen Truppen und seinem eigenen Gefolge führen will, werden sie seinen Antrag zweifellos zurückweisen. Denn angesichts der unmittelbaren Nachbarschaft zu Venedig wären große Schäden zu befürchten. Falls jedoch der Wormser Reichstag ihm eine Reichshilfe bewilligt, der frz. Kg. die Venezianer angreift und auch der Kg. von Aragon und der Papst gegen sie vorgehen, wenn außerdem das vom Ks. angekündigte päpstliche Breve und der Bannbrief gegen Venedig ausgehen, werden die Landstände zweifellos zur Vergeltung für das Vorgehen der Venezianer im letzten Krieg und für die Ehre und Wohlfahrt des Ks. und der Erblande eine Hilfe bewilliŠgen.1[Überlegungen bezüglich der Finanzierung und Anwerbung eidgenössischer Söldner sowie einer Reitertruppe]. Die für den 15. April (sontag quasimodogeniti)zum vorderösterreichischen Landtag nach Ensisheim beorderten Räte konnten wegen des kurzfristigen Termins vorher nicht über Ostern zu ihm nach Worms reisen.2Übersendet seinen Entwurf für ihre Instruktion3zu Verhandlungen über eine Kriegshilfe. Sie sollte den Räten so rasch wie möglich nach Ensisheim nachgeschickt werden, damit sie ihnen spätestens in vierzehn Tagen für die Verhandlungen zur Verfügung steht.

    «Nr. 60 Ks. Maximilian an Costantino Arianiti (Auszüge) – Rüdesheim, 20. April 1509  »

    [1.] Anreise Ks. Maximilians zum Wormser Reichstag; [2.] Absicht zur Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig.

    Wien, HHStA, Maximiliana 42, Fasz. IV/4, fol. 100–103, hier 102’, 103 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    [1.] [Päpstliche Anleihe für den ksl. Italienzug]. /102’/ Nos iam huc ex partibus nostris inferioribus pervenimus, Deo dante crastina die [21.4.] Wormatiam ingrediemur et nobiscum tres principes electores ecclesiastici et quartus comes pallatinus [Kf. Ludwig] cum aliquibus aliis principibus. Comperiemus etiam ibidem complures alios principes et status Imperii, ubi ad summum morabimur non nisi ad paucissimos dies. Et dato principio et forma rerum ibidem in dieta gerendarum, mox Tirolim petemus freti spe tue bone pollicitationis, quas nobis per litteras tuas fecisti, et aproximabimus nos finibus Italie. [...].

    [2.] /103/ Wormatiam cras [21.4.] ingrediemur nec nisi ad triduum morabimur ibidem, quia solum proponemus principibus detrahendo auxilio ab ipsis. Nec expectabimus aliam eorum resolutionem, sed progrediemur, quia non dubitamus ipsos nobis satisfacturos. [...].

    «Nr. Š61 Instruktion Ks. Maximilians für Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Dr. Erasmus Topler als Gesandte zu Kf. Friedrich III. von Sachsen – Ulm, 4. Mai 1509 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu den Beratungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 49–50’ (Or. m. Siegelspuren, Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44/6, fol. 40–40’, 42–42’, 41–41’ (Konz.) = B.

    [1.] Die Gesandten1sollen dem Kf. nach der Entbietung von Grüßen Folgendes anzeigen: Der Kf. ist gut informiert über die Gründe für die Einberufung des Reichstages und den in Cambrai (Camerick)geschlossenen Vertrag mit dem Kg. von Frankreich. Der Propst zu St. Sebald [Erasmus Topler] hatte ihn darüber in Kenntnis gesetzt. Er, der Ks., ist daraufhin von den Niederlanden aus nach Worms gezogen und hat den dort versammelten Reichsständen sein Anliegen eröffnet, wie er dies der beiliegenden Abschrift [Nr. 264] entnehmen kann. Diese haben darauf jedoch nicht geantwortet, sondern erklärt, erst die Ankunft Kf. Friedrichs und anderer Ff. abwarten zu wollen [Nr. 260, Pkt. 4]. Er konnte indessen nicht länger in Worms bleiben, asondern ist in die Gft. Tirol abgereist, da er zum einen seinen Verbündeten, dem Papst sowie den Kgg. von Frankreich und Aragon, versprochen hat, sich persönlich an die Grenze Venedigs zu begeben–a. Zum anderen erhielt er glaubwürdige Nachrichten über starke Rüstungen der Venezianer und ihre Absicht, noch vor Eröffnung seines Angriffs die Erblande zu überfallen.2Deren Šmilitärische Vorbereitungen sind hingegen noch nicht abgeschlossen. bEr wird dann in Erfüllung seiner Bündnispflichten weiter nach Italien ziehen und so zugleich den venezianischen Präventivangriff unterbinden–b. Er, der Kf., sollte dies erfahren, damit er über die Gründe für seine eilige Abreise aus Worms informiert ist.

    [2.] Die Verhandlungen in Worms werden vor seiner Ankunft nicht beginnen. Ihm, dem Ks., dem Reich und der deutschen Nation ist jedoch viel daran gelegen. Er bittet ihn deshalb, unverzüglich nach Worms aufzubrechen und dort dazu beizutragen, dass ihm gemäß seinem Antrag eine beträchtliche Eilende Hilfe bewilligt und nachgeschickt wird.

    [3.] Er, der Ks., hätte sich gerne mit ihm als unserm nechsten gesippten frundpersönlich über die ihm obliegenden Angelegenheiten beraten und über seinen Wunsch gesprochen, ihn während des bevorstehenden Feldzuges bei sich zu haben und ihn zum obersten Feldhauptmann von Ks. und Reich zu ernennen. Bittet ihn, dieses Amt zu übernehmenc, nachdem solich unser furnemen loblich und dunser und seiner lieb gluck und wolfart daraus erwachsen mocht–d. Falls er dieses Amt wider Erwarten nicht annehmen sollte, soll er weiterhin ksl. und Reichsstatthalter bleiben. Er hat seinen Namen in dem Vortrag an die Reichsstände [Nr. 264bzw. 266, Pkt. 5, mit App. n-n] nicht erwähnt. So haben wir doch inen die ere geben, uns hierinne zu raten. Dann wir wissen, das sy auf kein ander raten noch fallen werden dann allein auf sein lieb.

    [4.] Die Erblande sind für den bevorstehenden Feldzug noch nicht ausreichend mit Reitern gerüstet. Bittet ihn deshalb erneut, ihm egegen einen vom Innsbrucker Regiment ausgestellten Bestallungsbrief–e für den Grenzschutz 50fReisige zur Verfügung zu stelleng.

    ŠDie Gesandten sollen mit allem Nachdruck verhandeln und ihm über die Antwort Kf. Friedrichs berichten.

    «Nr. 62 Antwort Kf. Friedrichs III. von Sachsen an die ksl. Gesandten – [act. Marburg, wahrscheinlich 16. Mai 1509]1 »

    [1.] Vorzeitige Abreise Ks. Maximilians vom Wormser Reichstag; [2.] Aufforderung zum unverzüglichen Erscheinen Kf. Friedrichs in Worms zu Verhandlungen über die Reichshilfe; [3.] Bitte um Übernahme der Reichsfeldhauptmannschaft bzw. Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft durch Kf. Friedrich; [4.] Bitte um die Bereitstellung eines Reiterkontingents für den Schutz der österreichischen Erblande.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 53–55’ (undat. Konz.) = Textvorlage A.

    [1.] Die Erklärung für die rasche Abreise des Ks. aus Worms war unnötig, denn er weiß um die Wichtigkeit seiner Angelegenheiten und dass es ihm nicht immer möglich ist, lange an einem Ort zu bleiben.

    [2.] Was den ksl. Eröffnungsvortrag auf dem Reichstag [Nr. 264] – dessen Abschrift sie, anders als vorgesehen, nicht mitgebracht haben – und die Antwort der Reichsstände [Nr. 260, Pkt. 4], die ksl. Erklärung über seine Zusagen an seine Verbündeten und die Notwendigkeit seines Aufenthalts in Tirol, verbunden mit der Aufforderung an ihn zum unverzüglichen Erscheinen auf dem Reichstag, angeht: Die Verzögerung der Verhandlungen bis zu seinem Eintreffen war unnötig, da er Gf. Philipp [von Solms] mit Vollmacht nach Worms abgeordnet hatte. Seine weitere Verspätung erklärt sich durch die Ankündigung des Ks., vor seiner Ankunft in Worms eine Gesandtschaft zu ihm abzuordnen [Nr. 243]. Dies hat er dem Ks. auch geschrieben [Nr. 253]. Nachdem sie ihn aber jetzt hier in Marburg angetroffen und die ksl. Anliegen vorgetragen haben, wird er rasch weiter nach Worms reisen. Er ist zwar willens, den Wunsch des Ks. nach einer beträchtlichen Eilenden Hilfe zu unterstützen, da sie aber keine Abschrift des ksl. Vortrags vorlegen konnten, hat er keine Kenntnis davon, was im Einzelnen beantragt wurde. Er will sich in dieser Sache so verhalten, dass, ob Got wil, kaiserlich Mt. des von uns kein misfallen haben sol.

    [3.] Er bedankt sich für das Angebot zur Betrauung mit der Feldhauptmannschaft. Er erachtet sich dazu jedoch als ungeeignet. Würde er das Amt annehmen, so vermochten wir doch das auß blodickait und swachait unsers leibs nit. Der Ks. wird sicherlich einen geeigneteren Kandidaten kennen. Was den ksl. Wunsch nach Fortsetzung der Reichsstatthalterschaft und dessen Antrag an die Reichsstände anbelangt: Da der Ks. den Ständen gegenüber niemanden benannt hat, weiß er Šnicht, wen sie vorschlagen werden. Falls sie auf ihn verfallen sollten, wird er eine angemessene Antwort geben.2

    [4.] Hinsichtlich der Stellung von 50 Pferden fehlen ihm ebenfalls die notwendigen Informationen, da sie, die Gesandten, auch keine Abschrift vom Bestallungsbrief des Innsbrucker Regiments mitführten. Sobald ihm dieses Schriftstück vorliegt, wird er eine Erklärung abgeben, die dem Ks., ab Got wil, nit misfellig sein wird. Er ist zu allem geneigt, was dem Ks. gefällt.

    Er hätte den Ks. vor seiner Abreise gern persönlich getroffen und ihm für sein Unternehmen viel Erfolg gewünscht.