Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « ŠII. Kapitel
    Der Reichstag zu Worms »

    « Š1. Reichshilfe und Reformen  »

    «1.1. Reichstagsprotokolle  »

    «Nr. 259 Reichstagsprotokoll der ksl. Kommissare – Worms, 21. April-10. Juni 1509 »

    [1.] Einzug Ks. Maximilians und der ihn begleitenden Reichsfürsten und Gesandtschaften in Worms am 21. April; [2.] ksl. Eröffnungsvortrag am 22. April; [3.] Abreise des Ks. aus Worms am 24. April; [4.] Schreiben Johann Storchs an Gf. Adolf von Nassau wegen des anberaumten Rechtstages mit Johann von Kriechingen; [5.] Bitte der Reichstagskommissare an Ks. Maximilian um Zusendung ihrer Instruktion; [6.] Protest der Anwälte Johanns von Kriechingen am 7. Mai; [7.] Zusendung der Gesandtschaftsunterlagen an die ksl. Kommissare; deren Schreiben an den Ks.; [8.] Teilnehmerverzeichnis; Zusammensetzung des Großen Ausschusses; [9.] Schreiben der Reichstagskommissare an den Ks. vom 5. Mai wegen des Reichskammergerichts; [10.] Übergabe der ksl. Reichstagsinstruktionen an die Reichsstände am 16. Mai; [11.] Verhandlungen der Kommissare mit Reichsfürsten über die Bereitstellung von Reiterkontingenten für den Krieg gegen Venedig; [12.] Vermittlungsverhandlungen der Kommissare in den Verfahren: Gf. Eberhard von Eppstein-Königstein gegen Lgf. Wilhelm von Hessen, [13.] Hessen gegen Kurmainz, [14.] Stadt Worms gegen Bf. Reinhard von Worms, gegen Kämmerer von Dalberg und gegen Hans von Landschad; [15.] Verhandlungen des Reichstages über eine Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai; [16.] Unterbleiben von Verhandlungen über die Klage Hermann Rincks gegen Aachen; [17.] Verhandlungen zwischen Aachener Bürgern und Magistrat wegen des strittigen Weinausschanks sowie [18.] zwischen den Erben Asmus’ Schenk von Erbach und Hessen; [19.] Verhandlungen bzgl. Verstößen gegen das Kölner Stapelprivileg; [20.] Fiskalklagen gegen die Bff. von Münster und Osnabrück wegen der Konstanzer Romzughilfe; [21.] Verhandlungen mit den Reichsständen über das Jubelablassgeld; [22.] Verfahren gegen Johann von Kriechingen; [23.] Zollfreiheit für eine Weinlieferung Hg. Johanns von Kleve; [24.] Verhandlungen mit Reichsfürsten wegen Übernahme des Oberbefehls über die ksl. Truppen und des ksl. Statthalteramtes; [25.] Vortrag von ksl. Schreiben zur Venedighilfe, Protest vor der Reichsversammlung wegen des Fernbleibens österreichischer Vertreter vom Reichstag; [26.] Austausch von Resolutionen zwischen Reichsständen und Reichstagskommissaren ab dem 10. Juni; [27.] Teilnehmerliste für den künftigen Reichsmünztag.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 1–107 (Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Abschrift aller handlung, so auf dem reichstag zu Worms, anno XVCVIIII gehalten, allenthalben beschehen ist.) = Textvorlage A.

    Š[1.] /1/ Auf sambstage, den ainunzwainzigistn tage des monats Aprilis anno 1509, gegen dem abent ist romisch ksl. Mt. zu Wormbs zu dem ausgeschriben und furgenommen reichstage gerust eingeritten1, und neben und mit irer ksl. Mt. die erzbischove Meinz, Coln, Trier, phalzgrave Ludwig, alle churfursten, phalzgrave Friderich, vormunder etc., Friderich und Casimirus, marggrave[n] zu Brandenburg, alle personlich, marggrave Joachim von Brandenburg, churfursten etc., des erzbischoves zu Magdeburg, herzog Alexanders von Bairn, landgraven Wilhelmen von Hessen, der bischove zu Wormbs, Speir und ander mer von fursten, prelaten und stet botschaften.

    [2.] Und hat ir kaiserlich Mt. am sonntage darnach [22.4.] in des bischoves von Wormbs hof doselbst, die phalz genant, nach mittage den obgedachten churfursten, fursten und allen andern stenden des Reichs, sovil der alda gewest, die ursachen und bewegungen desselben furgenommen reichstage mit angehenktem begeren durch den bischove von Gurk mundlich furbringen und erzelen lassen, wie dan solichs in nachvolgender instruction [Nr. 266], irer ksl. Mt. reten und conmissarien, zu demselben reichstage verordent, zugeschickt, der datum stet zu Mundelhaim am sibenden tage May anno etc. im neunten, ausserhalb der declaratz und addits, so ir Mt. umb besser leuterung und verstands willen nachvolgends darzugesetzt hat, aigentlich begriffen.

    [3.] /1’/ Und ist ir Mt. darauf des erichtags, den XXIIII. tage Aprilis, von Wormbs abgeschiden2 und ir Mt. rete do verlassen und denselben reten ansagen lassen, das ir Mt. Johann Storchen, ir Mt. rate und secretarien, mit ire nemen und in zwaien oder dreien tagen ungevarlich bey demselben inen instruction und alle handlung dis tags, auch sigl und secret zusenden wolt.

    [4.] Darnach, am XXVIII. tage Aprilis ist grave Adolf von Nassau durch Johann Storchen ain schrift, den von Krichingen antreffend, zugesandt, der inhalt derselb von Nassau alspald unverziehen volg getan hat, also lautende: [Wiedergabe von Nr. 385].

    [5.] Und als etlich der ernanten rete und conmissarien, gein Wormbs verordent, auf ksl. Mt. instruction und anders lang zeit gewartet und inen nichts zukomen ist, haben sy ir Mt. geschriben, wie hernach volgt: [/2/ Wiedergabe von Nr. 389].

    [6.] /2’/ Darnach, am sibenden tage des monats Maien sind herrn Johann von Krichings geschickt anweld vor ksl. Mt. reten und conmissarien zu Wormbs erschinen, haben furgewandt, wie inen am jungsten der abschid, durch herzogen Erichen von Braunschwig, herrn Ziprian von Serntein und andere ksl. ŠMt. rete zu Coblenz gegeben, das sie auf den XXVII. tage des monats Aprilis zu Wormbs auf dem reichstage erscheinen und der sachen mit rechtlicher handlung außwarten solten. Darauf sie als gehorsamen erschinen, sich bey den gedachten reten angesagt und zu handeln begert. Dweil ine aber in antwurt begegnet, das die rete von ksl. Mt. deßhalb kainen bevelch hetten, sagten sie, das sie nit lenger pleiben oder warten konnten. Haben alspald vor notarien und zeugen irs gehorsamen vleis, wartens und erscheinens offenlich protestirt und damit iren abschid genommen.

    [7.] Nachvolgends, am XIIII. tage May ist grave Adolf von Nassau von Johann Storchen ain schrift mit dreien instruction, der abschrift hernach volgen, und etlichen credenzen zukumen, also lautende: [/2’–3/ Wiedergabe von Nr. 392]. /3’/ So haben die rete ksl. Mt. darauf geschriben die maynung: [Wiedergabe von Nr. 397]. /4/ Auch darauf irer Mt. des andern tags weiter und also geschriben:[/4–4’/ Wiedergabe von Nr. 398].

    [8.] /5/ Vermerkt die churfursten, fursten, prelaten und stende des Reichs, so in aigner person und durch ire botschaft auf disem Reichs tage zu Wormbs gewest sind.3

    Nota: Bey welichem ain ∘ gezaichnet ist, die sind bey der werbung und anbringen, so ksl. Mt. rete erstmals getan haben, personlich gewest; und bey welchem ain + stet, die haben den ksl. reten ire gewelt angezaigt.

    ∘ Menz, ∘ Coln, ∘ Trier, ∘ Phalz, ∘ Sachsen: churfursten personlich.

    +∘ Marggrave Joachim von Brandenburg, churfurst, botschaft: Eitl Wolf vom Stain, ritter und doctor.

    Herzog Friderich von Sachsen, hochmaister Teutschordens personlich.

    ∘ Erzbischove zu Maigdeburg botschaft: Adolf, furst zu Anhalt. Ist aus ursachen wegegezogen und doctor Cristoff Gablentz an sein stat geschickt.

    +∘ Erzbischove zu Salzpurg botschaft: her Andre von Trautmansdorff, tumbdechant zu Salzpurg.

    Die bischove zu Bamberg, Wurzpurg personlich.

    Coadjutor des stifts zu Fulda [Hartmann Bgf. von Kirchberg] personlich.

    /5’/ Botschaft der bischof:

    ∘ Luttich: zwen tumherren [Pierre de Cortembach und Simon von Jülich]; ∘ Wormbs: her Hainrich von Silberberg; ∘+ Eystet: her Bernhart Adelman; ∘ Speir: her Philips von Flerßhaim, [alle] tumherren; ∘+ Straspurg: Johanns Sigrist, decretorum licenciatus; ∘+ Costenz: her Hainrich von Sag, freiher, tumherr; ∘+ Augspurg: her Cristoff von Knoringen, tumherr; ∘ Freisingen: doctor Johan Wacker, ordinarius haidelbergensis; Monster: Friderich von Brombach.

    ∘+ Teutschmaister botschaft: Johann Adelman, comentur zu Mergethaim.

    [Weltliche Fürsten:] ∘ Phalzgrave Friderich, vormund; ∘ herzog Ulrich von Wirtemberg, [beide] personlich.

    ŠBotschaft herzogen:

    +∘ Alexandros [!] phalzgraven [von Zweibrücken]: doctor Philips Aberlin.

    Hansen phalzgraven [von Simmern]: Johann, her zu Eltz.

    Georgen von Sachsen: her Cesar Pfluge, doctor Dietrich von Werthe.

    ∘ Wilhelm von Bairen: her Jeronimus von Stauffe, her Hans Closner, her Dietrich von Pleningen, ritter und doctor.

    ∘ Von Gulch: Friderich von Brombach.

    /6/ ∘ Marggrave Friderich von Brandenburgs botschaft: sein canzler [Theobald von Heimkofen].

    ∘ Landgrave Wilhalms von Hessen botschaft: grave Ludwig von Lewenstan, grave Emich von Leyningen, Wilhelm, freiherr zu Lansperg, Johann Engellender, doctor, canzler, Conrad von Manspach, ritter.

    Johann, graven zu Nassau und zu Dillemberg botschaft: Johann Moer.4

    +∘ Johann, abt des gotzhaus Salmansweyler, Hartman, abt des gotzhaus Weingarten, Johanns, abt des gotzhaus Elchingen, Endres, abt des gotzhaus Ochsenhausen, Peter, abt des gotzhaus Ursin, Conrad, abt des gotzhaus Roet, Jodocus, abt des gotzhaus Reckenburg, Johanns, abt des gotzhaus Mindernau, Johanns, abt des gotzhaus Schussenried, Symon, abt des gotzhaus Marchtal: Der aller gewalt hat gehabt Matheus Gretler, decretorum licenciat, conventual in der Mindernaue.

    /6’/ Der stett botschaften:

    ∘ Coln: doctor Dietrich Meynartsagen; ∘ Ach: burgermaister und ain secretarius5; ∘ Straspurg: Gabriel Mordl; ∘ Frankfurt: Johann Frosch; ∘ Speir: Jakob6 Maurer; ∘ Sweinfurt: Martin [Hohenloch]; ∘ Rotenburg an der Tauber: Oswalt Wernzer; ∘ Wormbs: Haman Lisperger, Adam [von Schwechenheim], statschreiber; ∘ Wetzlar, Mulhausen, Northausen, Goßlar: ein secretarien; Lubeck, iren statschreiber [Henning Osthusen].

    ∘ Hagenau, Colmar, Sletstat, Ehenhaim, Kaisersperg, Munster, Roshaim: Ulrich Jungvogt, burgermaister in Hagenau, hat von der aller wegen gewalt gehabt.

    [Schwäbischer Bund:] Augspurg, Nurmberg, Ulm, Eßlingen, Reutlingen, Uberlingen, Nordlingen, Memingen, Hall, Dunklspuhl, Winßhaim, Bopfingen, Gengen, Alan, Kaufpeuren, Kempten, Ysni, Lutkirch, Wangen, Gmund, Ravenspurg, Bibrach, Buchhorn, Pfullendorf, Hailprun, Wimpfen, Weyl: ∘ MaŠtheus Neithart, burgermaister zu Ulm, hauptman, ∘ Ulrich Artzt, burgermaister zu Augspurg, ∘ Caspar Nutzl, burgermaister zu Nurmberg, haben gewalt gehabt von disen XXVII stet wegen.

    /7/ Item, so haben churfursten, fursten und stende des Reichs, auf disem reichstage zu Wormbs versamelt gewest, ainen ausschuss von iren reten zu beratschlagung der sachen gemacht und darzu verordent, nemlich:

    Churfursten

    Meinz: Thoman Ruden, hofmaister.

    Trier: doctor Deuchen [= Dungin], canzler.

    Coln: comentur zu Coblenz [Ludwig von Seinsheim].

    Phalz: Johann von Morßhaim, hofmaister.

    Sachsen: Friderich Doon [= Thun].

    Brandenburg: Eitelwolf vom Stain.

    Gaistlich fursten

    Bamberg: herr Leonhart von Eglofstain, tumherr.

    Wurzburg: Peter von Aufsess.

    Straspurg: maister Johann Sigrist, licenciat, canzler.

    Teutschmaister: Johann Adelman, comentur zu Mer[gen]thaim.

    Weltlich fursten

    Herzog Wilhalm von Bairen: doctor Pleninger.

    Marggrave Friderich von Brandenburg: doctor [Theobald von Heimkofen,

    genannt] Renwart, canzler.

    Wirtemberg: doctor Lamparter, canzler.

    Hessen: doctor Engellender, canzler.

    Stett

    Ulm: doctor Neithart.

    Frankfurt: Johann Frosch.

    [9.] /7’/ Item umb verruckung des camergerichts malstat haben die kaiserlichen rete ksl. Mt. geschriben, wie hernach volgt: [/7’–8/ Wiedergabe von Nr. 390 (B)].

    [10.] /8’/ Item ksl. Mt. rete haben auf den XVI. tag May den stenden des Reichs, sovil der domals, wie vor stet, mit dem ∘ verzaichnet, zugegen gewest sind, der ksl. instruction [Nr. 266], wie die von wort zu worten mitsampt ir ksl. Mt. zugesendten declaratz und addits begreift und inhelt, abschrift, auch aus der anderen instruction [Nr. 267], XXVII artikl inhaltend, der nachgemelten artikl copey ubergeben, nemlich von dem anderen, dritten, vierten, funften, sechsten, sibenden, achten, zehenden, ailften, XVII., XX., XXI., XXV., XXVII. [Nr. 268].

    [11.] Item, so haben die kaiserlichen rete nach inhalt des zwolften artikls [Nr. 267, Pkt. 12] mit den churfursten und fursten, dorin benant, gehandelt, die darauf bedacht genomen und nachvolgends yder fur sich selbs antwurt geben, wie solchs in der rete schrift, ksl. Mt. aus Wormbs geton und hernach geschriben, erfunden wirt [Nrr. 400, Pkt. 2; 417, Pkt. 8; 418, Pkt. 8; 420, Pkt. 2].

    Š[12.] Weiter haben sie nach inhalt des vierzehenden artikls [Nr. 267, Pkt. 14] zwischen des landgraven von Hessen reten und dem von Kunigstain gehandlt. Und als nach etlichen reden und gegenreden die landgravischen sich in kain verhor oder handlung begeben wolten, der von Eppenstain were oder wurde dan zuvor und vor allen dingen seiner gefengnus ledig gezelt und auf sein frey fues gestelt, das aber, als der von Kunigstain sagt, in7 ksl. Mt. und nit in seiner macht oder gewalt were, und darauf sich zu gutlicher oder rechtlicher handlung laut ksl. Mt. bevelchs erboten, auch seiner gehorsam protestirt und des ain abschid gebeten hat, ist ime derselb gegeben.8

    [13.] Und als sie auf den XV. artikl [Nr. 267, Pkt. 15], den erzbischoven zu Meinz und den landgraven von Hessen antreffend, zu handeln understanden, haben die hessischen rete angezaigt, wie herzog Friderich von Sachsen und der bischove von Wurzburg sich zwuschen inen gutlicher teidigung verfangen hetten [Nrr. 95f.], der sie gewarten wolten. Dobey es die ksl. rete auch pleiben liessen.

    [14.] Desgleichen haben sie auf den XVI. artikl [Nr. 267, Pkt. 16] zwuschen dem bischove und der stat Wormbs, auch den von Dalburg9, herrn Hansen Landschaden und der stat Wormbs10 gehandlt, aber kain gutlichait zwuschen inen finden mogen und dorumb sie fur ksl. Mt. und zum rechten gewisen.

    [15.] So ist nach inhalt des XVII. artikls [Nr. 267, Pkt. 17] den stenden des bischoves von Camerach suplicacion [Nr. 318], der copey hirin gefunden wirt, ubergeben und darauf von stenden antwurt [Nr. 275, Pkt. 8] gefallen, wie hernach geschriben erfunden wirt.

    [16.] Herman Rinck ist auf dem reichstage nit erschinen und darumb seiner sachen halber [Nr. 267, Pkt. 17] nichts gehandlt.

    [17.] Der rate und burger zu Ach sind in der irrung des weinschanks [Nr. 267, Pkt. 17] gehort und ain abrede11 zwuschen inen verfast und beden tailn ubergeben.

    [18.] Schenk Asmus kynder halber [Nr. 267, Pkt. 17] mit den landgrefischen reten davon gehandelt. Die heten, als sie sagten, davon kain bevelch noch wissen, wolten aber solichs an iren gn. herrn gelangen lassen und sein antwurt den ksl. reten nit verhalten. Ist kain antwurt gefallen und darumb /9’/ dem lantgraven selbs durch die rete deßhalb geschriben.12

    Š[19.] Uf den artikl, die stat Coln und den stapel antreffend [Nr. 267, Pkt. 17], haben die ksl. rete etwas irrung und zweifel gehabt und darumb solichs an ir ksl. Mt. gelangen zu lassen furgenomen.

    [20.] Auf den XVIII. artikl [Nr. 267, Pkt. 18], die bischove zu Munster und Osnabrugk antreffend, haben die ksl. rete bey dem fiscal verfugt, wider sie rechtlich zu procediren, als auch der fiscal in ubung ist.

    [21.] Und als im zwainzigisten artikl [Nr. 267, Pkt. 20] des jubilgelts halber meldung beschehen, und ist doch soliche maynung durch ksl. Mt. nachvolgends geendert inhalt irer Mt. schrift [Nr. 394], den gedachten reten getan und hernach geschriben, auch nachmals durch herrn Ernsten von Welden inhalt ainer sonderen instruction [Nr. 269] deshalb gehandlt und antwurt emphangen [Nrr. 284, 287], wie auch hernach erfunden wirt.

    [22.] So ist herrn Johann von Krichings halber, davon im XXIII. artikl [Nr. 267, Pkt. 23] bevelch getan wirt, hievor angezaigt, wie durch sein geschickten vor zukunft diser instruction oder bevelchs protestirt und abgeschiden sey, solichs auch ksl. Mt. durch die rete schriftlich zu erkennen geben [Nr. 413], wie hernach volgt.

    [23.] Und haben die fursten, im XXVI. artikl [Nr. 267, Pkt. 26] gemeldet, auf der ksl. Mt. rete ubergeben credenz, ansuchen und begeren, inhalt desselben artikls an sie getan, ganz abschlegig antwurt geben, außgeschaiden Baden, ist nit verhanden gewest, und hessische rete, haben irs herrn credenz angenomen und gesagt, ime [= Lgf. Wilhelm] die zuzuschicken.

    /10–12’/ [Wiedergabe von Nrr. 318 (B), 394 (B), 413 (B)].

    [24.] /13/ Auf die dritte ksl. Mt. instruction, an grave Adolfen von Nassau, hern Sigmunden von Fraunberg und doctor Erasm Dopler lautende [Nr. 391], haben sie mit herzog Friderichen von Sachsen, herzog Erigen und herzog Hainrichen von Braunschwig gehandlt und die antwurt, so inen darauf gefallen ist, ksl. Mt. zugeschriben, inmassen hernach auch erfunden wirdet: [/13–39’/ Wiedergabe von Nrr. 405, 407 (B), 400 (B), 399 (B), 393, 402 (B), 406, 395 (B), 370 (B), 408, 275 (C), 409, 276 (C), 279 (D), 414, 280–283 (jew. C), 415f., 404 (C), 411 (C), 410 (C)].

    [25.] /40/ Septima Junii anno etc. nono.

    Zu Wormbs auf dem rathause vor churfursten, fursten und allen stenden des Reichs, soviel der auf dem Reichs tag daselbst versamelt gewest sein, haben ksl. Mt. rete und comissarien, zu demselben tage verordent, nemlich marggrafe Casimirus etc., graf Adolf von Nassau, her Sigmond von Fraunberg, freiher zum Hage, doctor Ludwig Vergenhans, brobst zu Stutgarten, und doctor Erasm Dopler, brobst zu sant Sebold zu Nuremberg, die keiserlichen schrift [Nrr. 404, 410f.] offenlich verlesen lassen und alsbald nach derselben inhalt von wegen ksl. Mt. offenlich protestirt, auch mich, Johann Storch, alßpalde requirirt, ine instrument daruber zu machen. Darauf ich churfursten, fursten zugegen gebeten und erfordert hab, des ingedenk und zeugen zu sein.

     [Unterz.] Storch

    Š[/40’–41’/ Wiedergabe von Nrr. 288 (C), 289 (C)].

    [26.] /42/ Darnach, am sontag, den zehenden tag des monets Junii, haben die stende des Reichs den kaiserlichen reten zu Wormbs auf der phalz, id est in des bischofs hof, nachgemelt antwort in schriften ubergeben lassen durch ire geschickte rete, nemlich: Thoman Rude, meinzischer hofmaister; her Johann von Breitbach, colnisch; her Johann von Moderspach, archidiaconus, trierisch; Friedrich Don [= Thun], sechsisch; Weigant von Dienheim, pfalzgravisch; Cesar Pfluge, herzog Jorgen von Sachsen; her Bernhard Adelman, eistettisch; her Cristoff von Knoringen, augspurgisch; Friderich von Brambach, gulchisch; Johann Frosch, frankfurtisch.

    [/42’–43/ Wiedergabe von Nr. 290 (C)]. Darauf die kaiserlichen rete desselben tags alspald wider geantwort haben nachvolgender meynung: [/43–43’/ Wiedergabe von Nr. 291 (C)]. Auf das die stende des Reichs ir entlich beslussschrift den kaiserlichen reten des obgemelten sonntags [10.6.] des inhalts ubergeben haben: [/44–44’/ Wiedergabe von Nr. 292 (C)]. [/44’–84’/ Wiedergabe von Nrr. 417f., 358, 357, 360, 359, 420f., 482/III (G), 486 (D), 303 (C), 294f., 305 (C)].

    [27.] /84’/ Nota13: Ksl. Mt. als erzherzogen zu Osterreich und dabij anzuzeigen den herzog von Burgundi. [Randverm.:] Ist geschehen.

    Zu gedenken, auf den dritten tag des monets Septembris nestkomende gegen dem abent etlich rete, der munz verstendig, auch munzmeister und wardin zu Frankfurt am Meyne zu haben, des andern tags von der munz wegen zu handlen und zu ratslagen, inmassen auf dem jungsten Rychs tag zu Wormbs verlassen ist. [Randverm.:] Cedula, den nachbemelten gegeben:

    Erzbischove Meinz, Coln, Trier; pfalzgrave Ludwigen, churfursten; herzog Wilhelm von Beyern; herzog Friederich, pfalzgraven; herzog Ulrich von Wirtenberg; lantgrave zu Hessen; stat Coln, Lubec.

    [/85–107/ Wiedergabe von Nrr. 306, 384 (B), 266 (C), 267, 391, 271].

    «Nr. 260 Reichsstädtisches Reichstagsprotokoll – Worms, 21. April-2. Juni 1509 »

    [1.] Ausschreiben und wiederholte Verschiebung des Wormser Reichstages, Einzug Ks. Maximilians in Worms am 21. April, in Worms anwesende Reichsfürsten und ausländische Gesandtschaften; [2.] ksl. Eröffnungsvortrag am 22. April; [3.] Beratungen der Kurien am 23. April über eine Antwort, Sessionsstreit der Städte Köln und Aachen; [4.] Antwort der Reichsstände an Ks. Maximilian vom 23. April; [5.] Erwiderung Ks. Maximilians: Ankündigung seiner Abreise und Aufforderung zur Fortsetzung des Reichstages; [6.] Reichsbelehnungen der Ebff. von Mainz und Köln sowie des Bf. von Lüttich, Verweigerung der Reichsbelehnung für Kf. Ludwig V. von der Pfalz und Pfgf. Friedrich, Abreise Ks. Maximilians am 24. April; [7.] Akkreditierung der ksl. Reichstagskommissare am 16. Mai; [8.] Vorlage Šund Verlesung der ksl. Reichstagsinstruktionen; [9.] Beratungen der Kurien am 16. Mai über eine Antwort an die Kommissare; [10.] Beratungen der Kurien am 18. Mai: Bildung eines Ausschusses; [11.] Zusammentreten der Reichsstände am 26. Mai, Vorlage des Ausschussbedenkens zur Antwort an die Kommissare, Sessionsstreit der Häuser Bayern und Sachsen, Vertagung der Verhandlungen; [12.] Ratifizierung des Ausschussbedenkens am 28. Mai; [13.] Vortrag und Übergabe der ständischen Antwort an die Kommissare am 29. Mai; [14.] Vortrag und Übergabe der ksl. Replik am 31. Mai, Beschluss der Kurien zur Beauftragung des Ausschusses mit der Erstellung der Duplik; [15.] Beschlussfassung der Reichsstände über die Duplik und Übergabe an die ksl. Kommissare am 2. Juni.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 89–152 (Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Verhandelung der stende des Heiligen Reichs uf dem kayserlichen tag zu Wormbs anno Domini millesimo quingentesimo nono.) = Textvorlage A. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 1–70 (Kop., Aufschr.: Verhandlung des Reichs dags zu Wormbs anno Domini funfzehenhundert und neun.) = B. Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 290–352 (Kop., Aufschr.: Molhusen. Anlaß und abschied zu Wormbß, von ksl. Mt. angesatzten tageß, durch den fursichtigen und weisen Danielem Helmsdorff im nahmen dreier stett [Mühlhausen, Goslar und Nordhausen] berieten, Ao. XVCIX.) = C. Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 7–10’, 11’–73 (Kop.) = [D]1. Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (nur Pkt. 4; dem Badener RT-Protokoll inserierte Kop., Überschr. wie A) = [E]. Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 1–41 (Abschrift von B).

    Teilabdruck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 952, S. 750–754 [Pkt. 1f.]; Nr. 953, S. 754 [Pkt. 4, fol. 95’ – Ksl. Mt. wisse … ermessen moge.]; Nr. 954, S. 754f. [Pkt. 5f.].

    [1.] /90/ In dem jare, als man zalte nach Christi, unsers lieben hern gepurt funfzehenhundert und acht, ist durch den allerdurchleuchtigistena, unuberwintlichsten fursten und hern, herrn Maximilianum, romischen kaiser, merer des Reichs etc., unserm allergnedigisten herrn, furgenommen und außgeschrieben ein Reichs dag in die statt Wormbs, zu erscheynen auf allerhailigen, den ersten dag Novembris [Nr. 44]. Und als die ksl. Mt. dieselbe zeit in Niderland in merklichen, schweren gescheften und hendeln, irer Mt. erblande, das Hailig Romisch Reiche, auch das lant und herzogen zu Geldern belangend, etwas verheft gewesen, also das ire Mt. auf die bestimpt zeit obberurts ausschreibens selbs nit komen mogen, hat ir Mt. denselben furgenommen Reichs dag und hendel zu etlichen malen erstreckt und letst bis auf sant Jorgen dag [23.4.] Šdes neunten jars.2 Und auf sampstag, den einundzwainzigisten dag des monets Aprilis, zu sex auren gegen abent, ist ire Mt. gar mit einem zierlichen raisigen zeuge auf tausent pferde wole gerust, auch /90’/ ob hundert stradioten und Albaneser, uf ire weise beynahe durkisch, zu Wormbs ingeritten; und mit ire Mt. vier churfursten, nemlich die drey erzbischofe zu Meinz, Colle und Trier, auch phalzgrave Ludwig, churfursten etc., und herzog Friderich, sein bruder. So waren markgrave Friderich von Brandenburg und Casimirus, sein sone, zuvor in der statt und ksl. Mt. entgegen hinausgeritten. Und waren etlich treffenlich potschaften zuvor here gein Wormbs komen, wartende ksl. Mt. zukunft, nemlich unsers hailigen vaters, des babsts, der konig von Frankenreich, Hispanien, Arogonien und anderer fursten, deutschen und walischen, die alle ksl. Mt. entgegen auß [und] wider mit herin geritten, kamen alle furderlich zu herbergen, die zuvor bestellet und versehen.

    [2.] Und auf dem sonntag darnach, genant der sonntag misericordia Domini [22.4.], nach mittag auf ein aure, waren durch des Reichs marschalk [Joachim von Pappenheim] erfurdert unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, fursten, potschaften und ander /91/ stende des Hailigen Reichs, so die zeit hie zu Wormbs erschinen, auf des kaisers sale3, und teteb ksl. Mt. inen furhalten diese hienach beschrieben rede und meynung: [/91–94/ Wiedergabe von Nr. 264 (G)].

    [3.] Auf den montag darnach [23.4.] vor mittag kamen churfursten, fursten, potschaften und andere stende des Reichs auf das rathaus. Und underreten sich churfursten besonder und die andern fursten /94’/ und fursten potschaften auch besonder, dergleichen die gesenten von stetten auch in einer besondern stuben etc. einer antwort auf das furhalten und begeren ksl. Mt. Und waren der zwayer stett Colle und Ache potschaften zweitrechtig ires sitzens halben. Yde wolt den furdersten sitz haben. Und wiewole durch der andern stette gesanten allerlay mittel, doch unvergrifflich ire yder statt gerechtigkeit und alt herkommen, furgeschlagen, wurden doch derselben keine vervolget. Underdes hetten sich die churfursten, fursten und potschaften, gaistlich und werntlich, entschlossen und der stett gesanten potschaften zu sich erfurdert und eroffenten zu allen teilen iren entschloß einer antwort. Die was einhellig und gleichformig. Und der stett meynung auch begert zu eroffnen. Die liessen inen wolgefallen die antwort, so unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, auch ander fursten und potschaften gefasset hetten, ksl. Mt. also zu erkennen zu geben; wolten derselben anhangen.

    ŠAlso gleich nach mittagsymbis kamen churfursten, fursten, potschaften, gaistlich und weltlich, auch der stett gesanten, soviel da waren, auf des kaisers sale und ware die antwurt ksl. Mt. selbs perschone eroffent in seinem ksl. sitze, wie hienach beschrieben:

    [4.] /95/ Antwort der churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, alhie zu Wormbs auf diesem tage versamelt, uf der ksl. Mt. furhalten.

    Die ksl. Mt. hab gestern [22.4.] neben dem außschreiben diß Reichs dags [Nr. 44] erzelen lassen etliche ursachen, derhalb dieser Reichs dag furgenommen sey, und sonderlichen, wie sein ksl. Mt. mit der bebstlichen heiligkeit, auch den konigen von Frankenreich und Arogonien in verstentnus gewachsen und kommen sey, mit anzaige, wes begere und hoch ersuchen von der bebstlichen heiligkeit an sein ksl. Mt. als vogt und advocaten der christenlichen kirchen, auch die obgemelten konige und ander christenlich gewelt einen zug wider die unglaubigen zu tun, mit andernc, die Venediger der kirchen gut halber, so sie vor langest und in kurzend der kirchen geweltiglich abgetrungen haben, betreffende, gelanget sey. Und dweile sein Mt. des furnemens on zutun und hilf der stende des Reichs des unkostens halber, in etwo viel kriegen von des Reichs wegen durch sein Mt. aufgewendet, nit vermoge, so sey seiner ksl. Mt. fruntlich und gnedig begere, das die stende des Reichs seiner ksl. Mt. ein treffentlich hilf auf das sterkest und allerfurderlichst ein ganz jare lang tuen etc., mit meldung, wie sein ksl. Mt. alhie dieser zeit keinswegs lenger verharren, sonder in die graveschaft Tirol verrucken und ziehen musse, begerende, das die stende also beyeinander /95’/ bleiben und von einander nit verrucken wollen, bis die andern churfursten, fursten und stende auch ankommen und in sachen beschlossen sey, mit weyterem, alhie zu melden on not.

    Darauf geben die stende, alhie versamelt, ksl. Mt. diese antwurt: Ksl. Mt. wisse und sehe, wie sie alhie noch in geringer anzale versammelt seyen. So wiß auch sein ksl. gnade, das [sie] one beysein der andern, sonderlich des merern teils der stende, nichts gruntlichs oder entlichs beschliessen oder handeln mogen. Darumb und so die sach laut ksl. Mt. furhalten eilende sey, so bitten sie ksl. Mt. underteniglich, furtreglich zu schaffen und zu furdern, damit die andern stende des Reichs auch alhere zum allerfurderlichsten ankommen und von diesen sachen ferrer der notdurft gehandelt und geratschlagt werden moge, als, die stende nit zweifeln, ksl. Mt. selbs notdurftiglich betrachten und ermessen moge. Das haben sie ksl. Mt. underteniger meynung und im besten unangezaigt nit wollen lassen. Actum montags nach misericordia Domini [23.4.] Anno etc. nono.

    [5.] Nach solicher gegebener antwurt tete ksl. Mt. wider reden ungeverlich diese meynung: Ir ksl. Mt. hette gnediglich gehoret und vernommen die antwurt, so churfursten, fursten, potschaften und stende des Hailigen Reichs Šauf ire Mt. furhalten und begeren geben, und dieselb zu gnedigem gefallen [angenommen]. Auch wole zu erachten, nach- /96/ dem sie, stende, in so kleiner anzale erschinen und der merer teile noch abwesig weren, das ire Mt. nit so entlich antwurt, als wol die notdurft erfurdert, dißmals mocht gedeyhen. Aber ire Mt. gnedigs begeren were, das diejenen von des Reichs stenden, so ytz hie zugegen weren, wollten nit verrucken noch abreiten, sonder der andern fursten und stende hie erwarten, die auch ernstlich beschrieben, in aigenen perschonen hie zu diesem außgeschrieben Reichs dag furderlich zu erscheinen [Nr. 228] und hoffenlich numer auf wegen. So hetten sie, churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, gestern [22.4.] gehort, wie die babstlich hailigkeit ire Mt. ernstlich geschrieben und erfurdert, auf den furgenommen zug wider die unglaubigen sich zu erheben mit ire Mt. kriegsvolk. So weren die baiden konige Frankenreiche und Arogonia mit irem kriegsvolk auch gerust und etliche zu velde gezogen, ir Mt. zukunft wartende. Darumb, so mocht ire Mt. nit lenger verziehen noch hiebleiben. Ire Mt. wolt inen auch nit verhalten, das ire Mt. erplande in Under- und Oberosterreich mit kriegsvolk auf die grenizen nit nach notdurften und zum hochsten geschickt, deßhalben ire Mt. aber mer zu eylen hette, solich auch zu versehen. Ire Mt. wollt aber und hette verordent ire /96’/ treffenlich stathelter und rete, die mit der versamlung der stende des Hailigen Reichs handeln sollten auf ire Mt. begern, auch ander des Reichs notdurften, so ire Mt. alhier vertagt hette, also das doch nit minder dieser außgeschrieben Reichs dag seinen furgang erraichen und dieselben geprechen auch gehandelt und versehen werden mochten. Ire Mt. stellt auch in keinen zweifel, die uberigen churfursten, fursten und stende wurden erscheinen und weren ein teil auf dem wege. Und darumb ire Mt. begeren, sie sollten also gedult haben und gewarten, wie ire Mt. gestern und ytz aber gnediglich begert, wie auch des Heiligen Reichs notdurft nach gestalt und gelegenheit diser hendel und sachen dieser zeit allenthalben erfurdert. Das wollt ire Mt. fruntlich und in allen gnaden gegen inen sampt und sonder erkennen und bedenken.

    [6.] Und demnach uber ein kleine weile lehe ir ksl. Mt. etlichen churfursten und fursten regalia, nemlich den erzbischoven zu Meinz und Colle und des bischofs botschaft von Lutich4. Da waren auch zugegen herz[og] Ludwig, phalzgrave, churfurst, und sein bruder herzog Friderich, vormond weilant herzog Ruprecht[s] kinder [Ottheinrich und Philipp] in /97/ Beyern. Die baden und begerten, inen auch zu leihen ire regalien etc. Es volget aber nit auf dis male, wiewole sie mit hohem vleiß anhingen denselben abent, auch den andern morgen. Inen warde aber nit gelihen. Denselben dienstag [24.4.] umb mitdags zeit ritte ksl. Mt. hinweg und etlich fursten mit hinaus. Etlich kamen balde wider, etlich ritten mit gein Speyer.

    [7.] Darnach uf mitwoch unsers Herren uffart abent, den sechzehenden dag May, morgens zu acht auren, seint die stende des Reichs uf das rathauß erfurdert Šwurden und erschyenen. Und als sich dieselben in ire ordenung nidergesetzt, seint komen marggrave Casimirus von Brandenburg etc., statthelter, grave Adolf von Nassaue und her Sigmond von Frauwenberg, freyher zum Hag etc., ksl. Mt. verordent rete. Und hat egenannter marggraf Casimirus, statthelter, sich gesetzt anstatt ksl. Mt. und die andern zwen ksl. Mt. rete entgegen inmit der stuben. Und grave Adolf angezaigt eyn credenz von ksl. Mt., die der bischof von Menze von ime empfangen und furter seyner gnaden canzler [Johann von Dalheim] ubergeben hant zu lesen. eDie warde verlesen, wie hienach geschrieben: [/97’–98/ Wiedergabe von Nr. 265]–e.

    [8.] /98’/ fNach verlesen der credenzg ret weiter graf Adolf, in der verlesen credenz hetten sie, stende und versamlung des Hailigen Reichs, vernomen, wie ksl. Mt. inen bevolhen hette, mit inen, churfursten, fursten, potschaften und versamlung der stende des Hailigen Reichs da entgegen, zu reden und handeln, laut instruction, von ksl. Mt. inen zugeschickt. Uf das nun sie in worten oder meynungen nit irren, irem befelch zu viel oder zu wenig tun mochten, so wollten sie die instructionh, so ksl. Mt. inen zugeschickt, darlegen, offenlich zu verlesen, in denen sie, die stende des Hailigen Reichs dieser loblichen versamlung, ksl. Mt. willen, gemut und meynung zu vernemen hetten. Und teten herfure ire instructioni, die egenannter mein gnedigster her von Meinz aber zu seinen handen empfing und seinem canzler [Johann von Dalheim] ubergab. Da ret graf Adolf weiter, sie als ksl. Mt. stathelter und rete beten, das die stende des Reichs solich ubergeben instruction und begeren furderlich under hande nemen, dieselben ermessen und gnediglich bedenken wollten schwere und /99/ groß der angezaigten sachen, auch wes ksl. Mt., dem Hailigen Romischen Reich, gemeyner cristenheit und der romischen kirchen und besonder auch teutscher nacion an diesen dingen gelegen were und das sie keinen verzug leiden mochten, und sich zum furderlichsten, ymmer seyn mocht, antwort entschliessen, inen die eroffenen. So hetten sie bevelch, dieselbe antwort ksl. Mt. unverzuglich bey verordenter post zuzuschicken, sich mogen wissen darnach zu richten. Damit traden sie ab zur stuben auß in ein ander stube und warden die instructiones offenlich verlesen, jwie hienach beschrieben steen–f: [/99–110’/ Wiedergabe von Nrr. 266 und 268]–j.

    [9.] Nach verlesen solicherk instruction gingen die churfursten in ire stub ab, sich zu underreden. So gingen die stätt potschaften auch abe in ein besonder stube, sich zu besprechen. Und nach kleiner zeit kamen die stende wider Šzusammen und warde ein einhellig meynung beschlossen, dermassen, das sie von den stenden sollten ire schreiber schicken in /111/ die meinzisch canzley, die ubergeben schriften abzuschreiben und sich daruf bedenken und auf freitag nehst darnach [18.5.] nachmittag umb ein aure ungeverlich wider an der malstatt erscheinen und yder die meynung seins bedachts zu erkennen geben, sich einer antwort zu vergleichen, ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und reten zu eroffenen. Auf solichs wurden ksl. Mt. statthelter und rete wider ingefurdert und inen durch den meinzischen hofmeinster [Thomas Rüdt von Collenberg] erleutert, wie die stende sich bedenken und uf das furhalten ksl. Mt. begeren uf freitag nehst ires bedachts antwurt geben wollten.

    [10.] Bey diser verhandlung sein die sachen in rug gestanden bis uf zukunft mer anderer churfursten, fursten und stende des Reichs bis auf freitag in der creuzwochen [18.5.]. Da sein die stend abermals auf das rathauß erfordert worden. Und nach etlichen stunden, darzwischen allerley gespreche sich begeben, haben sich die stende /111’/ verainigt5, einen außschus zu verordenen, die ksl. Mt. beide instructiones [Nrr. 266, 268] fur augen nemen, ratschlag und meinung fassen solten der antworten auf ksl. Mt. furschlag und begere und denselben begriff den stenden anzaigen, sich darauf zu entschliessen, wes und wie zu antwurten etc. Und von der stette sendboten zum ausschuß verordent her Gabriel Mördel von Stroßburg6 und doctor Matheus Neithart, altburgermeister zu Ulm und hauptman des bonts7 in Schwaben. Damit des dags abermals also abgeschaiden.

    [11.] Darnach uf sambßdag, den hailigen phingstabent [26.5.], sein churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs wider und dazwischen mer erfordert gewesen, den begriffen ratschlag des ausschuß [Nr. 275/II] zu eroffenen. Als aber etlich fursten des sitzens halber irrig waren, nemlich die herzogen von Bayern gegenainander und dieselben herren von Bayern gegen den herren herzogen zu Sachsen, also das die fursten nit zu sitzen kamen, warde funden diese meynung, das die churfursten, /112/ fursten und stende des Reichs yderl einen schreiber, dem zu vertrauwen were, schicken sollt in des erzbischofs von Meinz canzley uf sonndag, den hailigen phingstag [27.5.], nach mittag umb drey auren, die verfasst meinung des ausschus abzuschreiben und yeder sich darauf bedenken und am phingstmontag darnach [28.5.] auf dem rathause zu Šeiner auren ungeverlich wider zu erscheinen, sein gutbedunken auf die verfasste meynung des ausschus zu eroffenen und sich der antwort auf ksl. Mt. furhalten und beger zu entschliessen.

    [12.] Auf den phingstmontag zu bestimpter zeit erschienen abermals churfursten, fursten und andere stende des Hailigen Reichs und warden eroffnet und zusamengetragen die meynung, wes sich yder stand auf den verfassten ratschlag entschlossen hett. Und vergleichten sich einhelliglich, das inen sampt und sonder die verfasste ratschlege wol gefielen. Wolten noch wissten den nit /112’/ zu verbessern, dann in einem stuck geschahe ein klein enderung der verfassten antwort, ksl. Mt. uf ire beger zu geben, wie hienach beschrieben: [/112’–116’/ Wiedergabe von Nr. 275/I].

    [13.] /116’/ Auf den dienstag darnach [29.5.] warden ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und rete, auch die stende des Reichs gemeinlich versamelt auf /117/ das rathauß und die vorgeschrieben antwort offenlich gelesen und den ksl. reten ubergeben mit einer ersamen, zuchtigen vorrede, das die stende in betrachten der angezaigten ksl. Mt. begerd und ir aller gelegenheit dieser zeit sich solicher antwort einhelliglich underret und entschlossen hetten, mit demutiger bitt, solichs nach ir aller gemeinlichen notdurft im besten zu vernemen und an ksl. Mt. underteniglich langen lassen.

    Und als die antwort also verlesen und gehort was, sagt grave Adolf von Nassau, sie hetten sich solicher antwort nit versehen, wollten sich ein wenig bedenken. Standen damit auf und gingen ab in ire stub. Und nach wenig zeit kamen sie wider und sagten: Nachdem dieser handel groß, schwere und ksl. Mt. und dem Hailigen Reiche viel daran gelegen were, wollten sie die gegeben antwort bas ubersehen und am donnerstag /117’/ nehstkunftig [31.5.] ire meynung von ksl. Mt. wegen weiter daruf zuerkennen. Begerten, das alßdann die stende des Reichs nach mittag umb ein aurem wider aldar erscheinen wollten. Damit warde dißmals abgeschaiden.

    [14.] Uf donnerstag darnach erschienen curfursten, fursten und andere stende des Reichs nwider auf dem rathause–n und kamen ksl. Mt. rete und statthelter auch und hetten ir meynung auch schriftlich verfasst. Und als ydermann in seiner ordenung nidergesessen was, sagt grave Adolf von Nassau auf der churfursten, fursten und stende des Reichs antwort, des vordern dages inen von ksl. Mt. wegen auf irer Mt. begereno ubergeben, der sich ksl. Mt. billich, auch sie als stathelter und rete nit versehen, hetten sie auf ksl. Mt. bevelch und sonderlicher zugeschickten instruction, /118/ durch ire Mt. secretarien Johannem Storcken inen uberantwurt [Nr. 392], weiter underredt und ksl. Mt., auch ire meynung in schrift [Nr. 276] gestellt, die sie teten offenlich verlesen und ubergeben. Und alß dann dieselb schrift verlesen und gehort was, Šstanden der stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und die rete auf und ret graf Adolf aber, sie, churfursten, fursten und stende, sollten ermessen, wes gemeiner christenhait, dem Hailigen Reiche, deutscher nation, auch ksl. Mt. an den sachen gelegen were und sich andere antwort, die ksl. Mt. angenemer und diesem loblichen furnemen, wie in irer schrift angezaigt, ersprießlicher sein mochten, entschliessen, ksl. Mt. zuzuschicken, sich haben zu richten. Gingen damit ab.

    Demnach traden churfursten, fursten und stende yder in sein ordenung und underreten sich und gaben zu erkennen, ire meynung were, das der ausschus sich als morgen, freitags [1.6.], wider zusamentun und ratschlagen solten, wes uf ksl. Mt. rete furtrag /118’/ weiter zu tun gut sein mocht und gemeiner versamlung wider furgehalten werden. Damit aber abgeschaiden. [/118’–120/ Wiedergabe von Nr. 276].

    [15.] Demnach sein die vor verordenten zum ausschuß uber die hendel gesessen, sich underredt und weiter meynung begriffen, die uf sampßdag [2.6.] zu morgen darnach gemeiner ver- /120’/ samlung der stende des Reichs angezaigt und sich daruf entschlossen haben, uf denselben sampstag nach mittag zu zweyen auren wider uf dem rathause zu erscheinen und ksl. Mt. reten zu eroffnen, inmassen hienach beschrieben: [/120’–125’/ Wiedergabe von Nr. 279].

    [/126–152/ Wiedergabe von Nrr. 280–283 (jew. D), 269 (C), 284 (C), 298/I (C), 411 (D), 404 (D), 410 (D), 287 (C), 288–292 (jew. D)p, 299 (C)q, Nr. 477 (A)].

    «Nr. 261 Mgfl. Badener Reichstagsprotokoll1 – Worms, 21. April-10. Juni 1509 »

    [1.] Ankunft Ks. Maximilians und der ihn begleitenden Reichsfürsten in Worms am 21. April; [2.] ksl. Eröffnungsvortrag am 22. April; [3.] Antwort der Reichsstände an Ks. Maximilian vom 23. April; [4.] Reichsbelehnungen der Ebff. von Mainz und Köln, Verweigerung der Reichsbelehnung für Kf. Ludwig von der Pfalz; [5.] Abreise Ks. Maximilians am 24. April und Ebf. Uriels von Mainz am 2. Mai; Unterbrechung der Reichstagsverhandlungen; [6.] Ankunft der Bff. von Bamberg und Würzburg am 4. Mai; [7.] Vorlage der Vollmacht und Instruktionen der ksl. Reichstagskommissare am 16. Mai; Beschlüsse der Reichsstände: Abschrift der Unterlagen in Šder Mainzer Kanzlei, Fortsetzung der Reichstagsverhandlungen, Akkreditierung der Gesandten; [8.] Beschluss der Reichsstände am 18. Mai zur Vertagung der Verhandlungen, Prüfung der Reichstagsvollmachten in der Mainzer Kanzlei; [9.] Ankunft Hg. Ulrichs von Württemberg und Kf. Friedrichs von Sachsen am 20./21. Mai; [10.] Zusammentreten der Reichsstände am 22. Mai, Einsetzung eines Ausschusses; [11.] Meldung des französischen Sieges bei Agnadello durch die ksl. Reichstagskommissare und Vorlage von Schriftstücken; [12./14.] Inhalt des päpstlichen Breves vom 28./30. April an die Reichsstände; [13.] Beratungen des Ausschusses über die Reichshilfe gegen Venedig (23.–26. Mai); [15.] Beschlussfassung der Reichsstände über die Antwort zur Reichshilfe am 28. Mai, Übergabe an die ksl. Kommissare am 29. Mai; [16.] Bitte der Kommissare um eine Teilnehmerliste der Reichsstände; [17.] Antrag HM Friedrichs von Sachsen am 29. Mai auf Hilfe für den Deutschen Orden; [18.] Übergabe der ksl. Replik zur Reichshilfe gegen Venedig am 31. Mai; [19.] Supplikation Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände wegen ihrer Reichsbelehnung; Protest Württembergs, Bayerns und Hessens; [20.] Beschlussfassung über die ständische Triplik zur Reichshilfe und Übergabe an die ksl. Kommissare (1.–3. Juni); [21.] Austausch weiterer Resolutionen zur Reichshilfe ab dem 5. Juni; [22.] Beschlussfassung über eine Antwort an HM Friedrich von Sachsen (6./7. Juni); [23.] Vortrag ksl. Weisungen für die Kommissare an die Reichsstände am 7. Juni; [24.] Austausch von Resolutionen zur Reichshilfe am 9. Juni; [25.] Vortrag des ksl. Gesandten Ernst von Welden bezüglich des Jubelablassgelds und Stellungnahme der Stände dazu; [26.] Austausch von Resolutionen zur Reichshilfe am 10. Juni; Wiedergabe von Verhandlungsakten bezüglich des Deutschen Ordens.

    Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (überarbeitete Kop., leicht beschädigt, Aufschr.: Rychstagshandlung zu Wormbs, angefangen am sontag misericordias Domini [22.4.] anno etc. nono.).

    [1.] Uf sambstag vor dem sonntag misericordias Domini [21.4.] anno etc. nono ist ksl. Mt. zu Wormbs ingeritten und mit ime dise nachgenanten curfursten, fursten und herren: der erzbischove zu Menz, erzbischof zu Cöln, erzbischof zu Trier, phalzgrave Ludwig, curfursten; herzog Frydrich, phalzgrave by Rein, herzog in Beyern etc.; Fridrich, Casimyrus, marggraven zu Brandenburg etc.2

    [2.] Uf sontag misericordias Domini [22.4.] hat ksl. Mt. curfursten, fursten und stenden des Heiligen Reichs nachfolgende meynung furbracht und in schriften ubergeben: [Wiedergabe von Nr. 264].

    [3.] Uf montag nach dem sontag misericordias Domini [23.4.] haben curfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs uf hievor der ksl. Mt. furhalten antwurt geben, wie hernach volget: [Wiedergabe von Nr. 260, Pkt. 4].

    Š[4.] Uf disen tag hat ksl. Mt. den curfursten Menz und Cöln ire regalia in der camer gelichen und dem bischof von Menz alte und neue brief uber die stat Menz3, die seinen vorfaren vil jare vorgehalten sind, ubergeben.

    Phalzgrave Ludwigen hat sein ksl. Mt. nit leyhen wöllen, wiewol curfursten und fursten gemeinlich fur ine gebeten und angezeigt, das sein Mt. ime zu leyhen schuldig were. Daruf sein Mt. geantwurt, das er solicher verschreibung halb, die er etlichen fursten, so seine helfer wider die Pfalz gewesen, geben4, ime nit leyhen konne, es sey dann sach, das er sich zuvor und ehe mit denselbigen umb ire vordrungen und zuspruch vertragen.

    [5.] Uf zinstag nach misericordias Domini [24.4.] ist die ksl. Mt. ylends hynweg geritten, sich gegen den Venedigern zu krieg zu schicken, und hynder ir gelassen dise stathälter und rete:a marggrave Casymiren von Brandenburg, bgraf Adolf von Nassau–b, her Sigmunden von Frauenberg, herrn zum Hag, probst von Nurenberg N. Dopler.

    Uf mitwoch darnach [2.5.]5 ist der erzbischove von Menz auch abgeritten und also des Reichs hendel bis uf zukunft merer fursten und botschaften angestellt.

    [6.] Uf frytag darnach [4.5.] sind zu Worms inkommen: der bischof von Bamberg, der Bischof von Wurzburg.

    [7.] Uf mitwuch vigilia ascensionis Domini [16.5.] cumb VIII uhren vormyttag–c sint vo[r der ver]samlung herschynen ksl. Mt. geordnete rät marggraf [Casi]mirus von Brandenburg, graf Adolf von Nassau und h[err] Sigmund von Frauenberg, fryherr zum Hag, mit nachvolgender credenz [Nr. 265] und zweyen instruction [Nrr. 266, 268], die sy der versamlung umb furderung willen und domit durch sy nicht geendret wurde, der versamlung ubergeben haben, mit beger, dz der fursten und steend botschaften gewält besichtiget wurden; und welche nit gnugsam befunden, hetten sy bevelh, dieselben eigner person zu beschriben und treffentlichen zu hervordern.

    Daruf ist in der versamlung beschlossen, daß churfursten, fursten und botschaften soliche suplication [= Instruktionen] in des van Menz canzlien umb XII Šuhren mugen tun abschriben und uf fritag [18.5.] zu einer uhren nachmyttag wider versamlung gehalten werden, sich doruf zu underreden.

    Daß auch diß mytwochs die botschaften ire gewalt den ksl. räten und uf fritag kunftig der versamlung furbringen und anzeigen sollen.[Wiedergabe von Nrr. 265f., 268, 318].

    [8.] Uf fritag nach ascensionis [18.5.] nach mittag zu einer uhren sint churfursten, fursten und botschaften zusammenkummen, in meynung, nechstem abscheid nach sich zu underreden und uf ubergebne suplicacion zu ratsc[h]lagen. Also haben die curfursten den fursten und botschaften zu verstan geben, daß sy bericht, wie Cöln und Saxsen, beide churfursten, uf dem weg sigen, in zweyen ader drien tagen zu herschinen, derglichen etliche mer fursten. Were ir rat, mit dem handel uf derselben zukunft zu verziehen. Solichem rat ist also gevolgt.

    Die botschaften sind auch bescheiden, ire gewaltsbriefe in des von Menzd canzly zu ubergeben, aldo zu besichtigen, und [sofern] die gewält nit gnugsam, die fursten und herren, bij deren botschaften die mengel befunden, treffenlichen eigner person zu herschynen beschriben lassen.

    [9.] Uf sontag exaudi, den XX. tag Maii, ist herzog Ulrich van Wirtenburg zu Worms inkummen zwuschen drygen und IIII uhren nachmittag und ime entgegengeritten der erzbischof von Menz, die bischove Babenberg und Wirzburg.

    Uf montag nach exaudi, den 21. Maii, ist zu Wormbs inkummen herzog Friderich von Sachsen, churfurst etc.; und mit siner gnaden geritten der erzbischof von Menz und pfalzgraf Ludwig zu der rechten und die erzbischofen Trier und Kollen, alle churfursten, zu der lynken siten, und sinen gnaden nachgeritten die bischove Bamberg und Wurzburg, auch herzog Friderich von Beyern, pfalzgraf Ludwigs bruder, die alle siner gnaden fur die porten entgegengeritten sind. Und ist solch inriten beschehen zwuschen VII und VIII uhren vormittag.

    [10.] Uf zynstag noch dem sontag exaudi [22.5.] ist versamlung gehalten und herschynen dise churfursten: Menz, Trier, Cöllen, Pfalz und Sachsen, ouch deß van Brandenburg botschaft; sodann dise geistliche fursten: Bamberg, Wurzburg und der coadiutor von Fulda [Hartmann Bgf. von Kirchberg], die bot[schaf]ten Salzburg, Eistet, Worms, Spyr, Straßburg, Costenz, Augspurg; der tutsch lantcommendator6; probst von [...]7, von der prelaten wegen; mer dise weltliche fursten: herzog Friderich und herzog Hans von Beyeren, herzog Ulrich van Wurtenberg; dise botschaften: herzog Wilhelms von Beyeren, herzog Alexanders von Beyern, herzog Jörgen von Sachsen, lantgrafen van Hessen, Šmarggrafen van Brandenburg, der gemeynen grafen und grafen von Nassaus bot[schaf]t zu Tylberg [Johann Mohr von Leun].

    In diser versamlung sint verordnet zu einem ußschuß von wegen der churfursten VI personen, nemlich: Thoman Rud, menzisch hofmeister; doctor Heinrich Duyngin, trierisch canzler; her von Seynßheim, tutschcometur zu Collen8, von deß von Collen wegen; Johann Morßheim, pfalzgfl. hofmeister; Friderich Dune und herr Ytel von Stein, ritter und doctor, van wegen Sachsen und Brandenburg. Van wegen der geistlichen fursten vier, mit namen herr Lienhart vom Eylenstein9 evon wegen deß bischofs von Bamberg–e; herr Peter von Ufsatz, wurzburgischer canzler; Johann Sigrist, licenciat, stroßburgische bot[schaf]t, und der tutschcomentur von Mergentheimf [Johann Adelmann von Adelmannsfelden]. Sodann von der weltlichen fursten wegen auch viere, nemlich: gdeß lantgrafen von Hessen–g canzler [Johann Engellender], der wurtenbergisch canzler [Gregor Lamparter], marggraf Friderichs von Brandenburgs canzler [Theobald von Heimkofen] und doctor Plenynger, herzog Wilhelms von Beyern rat.

    Disen obg[enannten] personen ist bevolhen, die bede obvergriffene instruction [Nrr. 266, 268] zu herwegen, ir meynung dorinnen von puncten zu puncten zu verfassen und demnach der versamlung furzubringen.

    [11.] Uf stunt darnach sint in der versamlung herschynen ksl. Mt. rät marggraf Casimirus von Brandenburg, graf Adolf von Nassau, herr Lienhart [= Sigmund] von Frauenburg, der probst von Stuckgarten [Ludwig Vergenhans] und doctor Doppler van Nurenberg. Die haben mit erst der versamlung lassen furlesen ein schrift [Nr. 399], so ksl. Mt. inen zugeschickt, ungeverlichen diß inhalts, wie daß der Kg. von Frankenreich ksl. Mt. geschriben, wie dz er uf den XVII.10 tag Maii ein schlacht mit den Venedigern getan und mit der hylf Gots dz veld behalten habe hund der obersten hauptman einer ime gefangen uberantwurdt–h. Dan, so hab siner ksl. Mt. sin bot[schaf]t, die er by dem Kg. von Frankrich habe, geschriben, daß er IIIIM Venediger, die herschlagen uf der walstatt, im veld gesehen hab. So heb auch sin ksl. Mt. geschrift gesehen, van deß Kg. von Frankenrich postmeister ußgangen, daß der Venediger uf XIIM herschlagen und gefangen sin sollen. Und sigen die Venediger XXM mann stark gewesen und heben die Franzosen lutzel mer gehebt. So heb auch der Kg. von Frank[reich] uf XL stuck veldgeschutzes gewunnen.

    ŠZum andren haben sy den geistlichen churfursten eine und den weltlichen auch eine missive ioder breve apostolicum–i [Nr. 272], von unßerm herrn vater, dem babst, an sy ußgangen, beschlossen uberantwurt.

    Zum dritten haben sy ein getruckte materii auch den churfursten ubergeben und die genant ein monitorium, vom babst ußgangen11, mit beger, inen daß furderlichen wider zu geben, domit sy das möchten witer trucken lassen. Ist nit gelesen worden.

    Zum vierten haben sy lesen lassen ein missive [Nr. 394], von ksl. Mt. an sy, die rät, ußgangen, belangen daß jubelgelt by der versamlung zu werben und herlangen, dwyl etlich, hynder denen solich gelt ligt, dem cardinali Gurcensi [Raimund Peraudi] verschribung geben, solich gelt nit anders dann mit verwilligung babst und deß Richs versamlung lut deß beschluss, zu Nurenberg beschehen12, zu ubergeben. Dwyl dann jetz bäbstliche heili[gkei]t und er sich deß vertragen und also, daß man es den Fuckern uberlyvern sol, daß dann die gemeyne versamlung mandata ußgen lasse, damit an verhynderung solich gelt den Fuckern geantwurt werd.

    [12.] Daß obg[enannte] breve apostolicum haltet ungevarlich dise meynung, wie das bäbstliche heili[gkei]t von ingang irs regiments nüt höhers betrachtet, dann dem vynd Cristi widerstand zu tun, der dem cristenlichen namen grossen abzug und schad zu mer molen uß ringem widerstand der Cristenen zugefugt habe. Und alß sin heili[gkei]t befunden, die könig Frankenrich und Arogon in widerwillen funden, heb sin heili[gkei]t sy zu eynikeit bewegt und bracht. Demnoch, so heb auch sin heili[gkei]t, deß er sich nit versehen, den Kg. van Frankenrich und den herwelten röm. keyser auch zwytrechtig befunden, die dann siner heili[gkei]t schriften und boten alß milteste und wiseste kunig herhört und zu herzen gevasset und auch zu friden und einikeit kummen und sy, die g[enannten] Kgg., zu allen teylen bewegt, dem gemelten Turken widerstant zu tun mit siner heili[gkei]t, die dann zu solichem zug eigner person bereit sige. Als aber die Venediger siner heili[gkei]t und der kyrchen vor vyl und auch kurzen jaren in Romandiola die stett Ariminium, Faventiam und Sarsina13 Šmit andren mer flecken ingenummen und mit gewalt furgehalten, ouch uber vylvaltige hersuchung nit widergeben wöllen, darumb dan sin heili[gkei]t sy gemanet und mit recht zu bann getan habe und aber solich recht mit gewalt gegen inen volnstreckt sin wöll, so herman und hervorder sin heili[gkei]t in nachvolg siner vorfaren Adrianij secundi und Steffanik tercii nun den röm. Ks. als advocaten und schyrmer der cristenlichen kyrchen, ime im durchzug helfen, solich recht gegen den Venedigern exequieren und daß sy, die churfursten, alß christenliche glider den röm. Ks. zu solichem loblichen werk und rechten infuren, auch hylf und bystant dorinnen bewisen wöllen, wie dann solch breve von wort zu wort hernach volget.

    [13.] lUf mytwochen und donnerstag nach exaudi [23./24.5.] ist der geordnet ußschutz zusammenkummen und den ersten und furnemsten ar[tike]l der ersten suplicacion [Nr. 266, Pkt. 1–4], daß ist die hylf, so begert ist, fur handen genommen. Doruf argument pro und contra und doch nieman wöllen den ußschlag tun, ob es besser sige, die hylf zuzesagen ader abzuschlahen. Haben sy sich zuletscht vereinbart und mit hantgeben truwen globt, daß keyner deß andren stymme oder furschlag mit anzeig der person offenen wöll. Und demnoch dise meynung vervasset, alß in ingang der ersten suplicacion gemeldet, daß der tractat zu Hagnau mit dem Kg. van Frankrich hernuwet, doch usserthalb deß heurats etc., versehen sich die stende deß Heiligen Richs, daß durch ksl. Mt. nich[ts] furgenummen oder beschlossen sige, daß dem Heiligen Rich zu schaden ader nachteyl dienen oder reichen mug. Wo aber etwas dermassen befunden, es were mit lyhung des herzogtumb Meilants oder andrem, darin kunten und möchten die stend nit willigen. Und alß ein dapfere furderliche hylf zum sterkesten und uf ein jar lang etc. begert etc., hetten es die stend derfur, dz solichs furnemen ksl. Mt. billich mit rat der churfursten, fursten und stend deß Richs beschehen solte, wie dz im Heiligen Rich loblich und erlichen herkummen. Zudem, so hette die ksl. Mt. gut wissen, mit wz grosser beswerd siner ksl. Mt. die hylf des tags zu Kollen gevolgt, die darnach clein und ring ge[achtet]. Nun heben sich solich beswerde nach demselbigen tag nit [ge]myndert, sonder durch etlich lantkrieg mit brand, ture [= Teuerung] und sterben gemeret, dodurch dann die stend deß Richs in iren secklen genz hersogen und herschöpft, auch ire undertanen zu merglichem unvermugen gewachsen und kummen. So heben die stend uf dem tag zu Costenz–l.14

    mUf mytwoch, donnerstag, fritag und samstag nach exaudi [23.–26.5.] haben die geordneten deß ußschuss ire meinung und ratschlag begriffen [Nr. 275/II]. Die ist am pfingstag [27.5.] den stenden abzuschriben vergundt; Šund dz man möntag [28.5.] zu einer uhren zusammenkummen sol, deruf zu beschliessen–m.

    [14.] Tenor brevis apo[stoli]ci, de quo supra fit mentio. [Wiedergabe von Nr. 272].

    [15.] Nach aller handlung und ratschlag deß ußschutz ist uf hut, den pfyngstmöntag, den 22.15 tag Maii, dise nachvolgende antwurt ksl. Mt. räten zu geben, wie die hernach volget von wort zu wort lutende, durch die ganze versamlung beschlossen, uf morgen, den pfyngstzynstag [29.5.], zu einer uhren nachmittag zu öffnen. [Wiedergabe von Nr. 275/I].

    Dise antwurt ist ksl. räten in gemeyner versamlung vorgelesen und domit deren abschrift ubergeben. Die haben begert bedank byß uf donnerstag [31.5.] kunftig. Daß ist inen zugelossen und uf ir begern zugesagt, desselbigen tag unverruckt zu herwarten.

    [16.] Actum uf zynstag nach dem heiligen pfyngstag, nquae fuit 29 mensis Maii–n, umb zwo uhren nochmittag anno 1509.

    Die ksl. rät haben auch begert aller fursten, so zugegen, und aller botschaften namen inen in geschrift zu geben [Nr. 477], das also beschehen.

    [17.] Uf obg[enannten] zynstag noch dem heiligen pfyngstag, ohora 9 ante meridiem–o, ist der hochmeister von Prussen [Friedrich von Sachsen] in der versamlung gehört. Der hat furbracht: Nachdem der Tutsch Orden uf ritterschaft loblichen gestyft, durch deren ritterliche getaten daß land zu Prussen zu cristenlichem glauben bracht und doby gehandhabt worden, auch solicher orden allein uf tutsche nation gestyft und bestetigt und noch in IIC jaren in solchem stat und wesen gesin, daß in dem land Prussen von fursten, graven, fryen und gemeyner ritterschaft geboren uf IIM im orden gehalten und mit furstendigen, erlichen emptern enthalten worden, byß daß etlich der undertanen und stetten deß lands Prussen sich mit ungehorsame von dem orden abgeworfen; und alß die hohmeister der zyt sy mit recht furgenummen und zu gehorsame herlangt, haben sy sich in schyrm an die cron Polen begeben. Und wiewol demnach vertreg, sigel und br[ief] [ergangen], wie es gehalten werden solte16, heben doch dieselbigen ungehorsamen demselbigen auch nit gelebt, dodurch zu crieg gewachsen, also dz der Kg. von Polen den orden mit aller macht uberzogen und so wyt bracht, wo der orden nit wöllen ganz Prussenland raumen und begeben, heben sy sich in einen friden und Švertrag17 begeben mussen, der dem orden swer und verderplich: Zum ersten, dz ein jeder hohmeister, so der gewelt, in VI monaten den nechsten mit dem Kg. von Polen denselben vertrag hernuwen und swern sol, alß ouch zwen hohmeister vor ime getan.18 So begriff solcher vertrag in im, daß er und der orden verzich[t] tugen uf alles dz, so die cron Polen dem orden entweret haben, daß sigen nemlich vier grosse hauptstet und schloß Tanzg [= Danzig], Mergenburg [= Marienburg], Melbingen [= Elbing] und Dorna [= Thorn], und sonst cleyner stett und schlossen, zusammen uf LXX. Zum andern sal der orden im, der cron Polen, behilflich sin wider ire vihend [= Feinde], sy sigen, wer sy wöllen, mit aller macht. Zum dritten, daß sy in dem, der orden jetz hat ader kunftiglichen uberkumpt, nach unßerm heiligen vater, dem bapst, keynen obern- ader schyrmherren haben wöllen dan einen Kg. zu Polen. Zum vierden, daß sy die halben ritterbruder uß der cron Polen nemen sallen und mit glichen emptern begaben. Zum funften, ob durch die cron Polen witer van dem orden in schyrm angenummen, dodurch sal der fryd und vertrag nit gebrochen sin. Zum sechsten, daß styft zu Camenz, so van dem orden genummen und zu einem weltlichen styft gemacht19, dowider nit zu handlen. Zum sibenden, ob bäbstliche heili[gkei]t einen hochmeister von solichem jurament absolvieren wolt oder wurde, solchs nit anzunemen.

    Und als er nun mit wissen und willen ksl. Mt. hohmeister worden umb sonder liebe, so [er] von jugent uf zu solichem ritterlichen orden getragen, sy er van zweyen abgestorbnen Kgg. van Polen [Johann Albrecht und Alexander] zu bestetigung und eid obg[enannten] getrungenen vertrags hervordert, aber nun sich deß mit wissen ksl. Mt. byß in daß jar enthalten und an g[enannte] Kgg. in antwurt langen und bitten lassen, das inen gelieben wolte, sine beswerden gutlicher handlung zu vernemen, daß dann ime durch nechst abgestorbnen Kg. zugelossen. Aber inmyttel ufenthalts syge er bericht, daß derselbig Kg. by bäbstlicher heili[gkei]t umb bestetigung g[enannten] vertrags vylmalig gearbeit, daß im doch, alß auch zuvor zu vyl molen beschehen, abgeschlagen, pwie er dz ksl. Mt. und den stenden deß Richs uf dem tag zu Köllen furbracht–p.20 ŠDemnoch, so hab derselb, auch jetziger Kg.[Sigismund] ime zu verstan geben, daß sy witer ader neher nit handlen können noch wolten, dann wie der g[enannte] vertrag in sich begriffe. So sige auch er, der hohmeister, vylvaltig gewarnt, daß sich der Kg. zum crieg in rustung stonde, ine dohin zu tringen, deßhalben er uß dem land Prussen und dem orden sich zu sinem bruder [Hg. Georg von Sachsen] in sin veterlich furstentum uß rat der sinen getan und jetz uf I½ jar mit sweren costen dorinnen enthalten. Daß ime beswerlich, so lang von sinem orden und lantschaft zu sin. Nun habe er sich zu verhör und recht uf unßern hern vater, den bobst, ksl. Mt., den21 Kg.[von] Ungarn und Böheim, alle und jede churfursten und fursten deß Heiligen Richs zu mer molen herboten, daruß dan herwachsen, dz ksl. Mt. einen gutlichen tag gan Wrossel [= Breslau] angesehen, die sinen dohin zu schicken mitsampt dem Kg.[von] Ungern und Böheim, welchen er besuchen lassen. Aber van Polen nieman herschynen, daß dann die ksl. rät underwegen bericht entpfangen und auch zuruck geritten. Disem nach, so hebe sich der Kg. von Polen mit dem fursten von Musca und den Russen in einen friden und vertrag22 begeben wider die pundnus, so er hat mit dem meister von Tutsch Ordens zu Lyfland23, nemlichen sich mit den unglöubigen an sinen wissen und willen sich zu becriegen nach zu verrichten [= sich verständigen, aussöhnen]. Hat auch wider denselben sinen finden jetz ein jar vergangen den g[enannten] meister zu veld gegen den Muschiten24 [!] gevordert, daß im der meister abgeschlagen, der ursach, dz er in dem VI-jörigen friden, so er mit dem von Muscha gemacht25, so erst diß jars ußgot, nit fug hab. Daruß dan er, der hohmeister, teglichen gewarnet, daß der Kg. von Polen alß der, so sich mit sinen vynden, den unglöubigen, gesätzt und kein ander zuversicht ist, dann dz dieselben unglöubigen uf den orden criegen werden, auch den orden zu Prussen uberziehen wölle.

    Mit beger, ime in disem rat und hylf mytzuteilen, domit solicher ritterlicher orden, uf die tutsche nation fundiert, zu trost der cristenheit gehanthabt muge werden. Und alß angezeigt, daß lut obg[enannten] vertrags der orden mit halb Polen solte besetzt werden, ist bysher underlassen pliben der ursach, daß uß herarmung deß ordens die Polen daß nit begert haben. So aber durch die gnad Gottes der orden sich diser zyt herhabet und wider zu- und ufgenummen, sige nit zwyfel, wo er, der hohmeister, den g[enannten] vertrag muste mit sinen eiden bestetigen, das dan furter solichs nit mer nochlassen wurd, daß dan dem adel tutscher nation zu merglichem schaden und nachteyl reichen und dienen wurd. ŠEs habe auch der jetzig Kg. sin bot[schaf]t by ime, dem hohmeister, gehabt und umb hernuwung, auch swerung deßselben hersuchen lassen.26

    [18.] Uf donnerstag nach dem heiligen pfyngstag anno etc. nono, quae fuit ultima Maii, haben ksl. Mt. rät nachvolgende replic in schriften uberantwurt. Und alß sy der uberigen puncten halber auch befragt, haben sy gesagt, dwyl diser punct, die hylf beruren, der furtreffelichst sige und gefurdert sin wölle, so dann der beschlossen, wöllen sy der andren auch handlen verhelfen, dan inen uf gesterigen tag ein instruction27 nachkummen, dorinnen auch mer articul verfasst sigen, so den stenden noch verborgen. [Wiedergabe von Nr. 276].

    [19.] Uf obgemelten donnerstag [31.5.] haben pfalzgr[af] Ludwig, churfurst, und herzog Friderich, sin bruder, an gemeyne versamlung begert lut nachvolgender suplication.

    Doruf herzog Ulrich van Wurtenberg, herzog Wilhelms von Beyeren und deß lantgr[afen] von Hessen botschaften sich underredt und protestiert, dorin nit zu gehellen, sonder sich solicher br[iefe] und sigel, so inen ksl. Mt. ubergeben28, zu behelfen und denen nachzukummen. Sint daruf abgetreten.

    Ist dem ußschutz bevolhen, antwurt daruf zu verfassen.

    Sequitur tenor suplicationis: [Wiedergabe von Nr. 314].

    [20.] Uf fritag [1.6.] ist nachgande antwurt durch den ußschuss vervaßt und uf samstag [2.6.] durch die stend des Reichs approbiert und uf sontag [3.6.] ksl. räten geoffenbart worden. [Wiedergabe von Nr. 279].

    [21.] Am zinstag [5.6.] nach trinitatis haben ksl. rete den curfursten, fursten und stenden widerantwurt geben, wie hernach folgt: [Wiedergabe von Nrr. 280–283, 269, 284].

    [22.] Uf gemeltem zinstag nach trinitatis ist ein ußschuß verordent, uf des hohmeisters von Prussen werbung antwurt zu fassen. Die haben nachfolgenden ratslag am mitwuch darnach [6.6.] verfaßt und abschreiben lassen und uf corporis Cristi [7.6.] durch gemeine versamlung approbiert worden. [Wiedergabe von Nr. 298/II].

    [23.] Uf corporis Cristi haben ksl. Mt. rete nachfolgende inen irer Mt. zugeschickten briefe in der versamlung verlesen und demnach abschreiben lassen, wie hernach folgt: [Wiedergabe von Nrr. 411, 404, 410].

    [24.] Uf sambstag nach corporis Cristi [9.6.] vormittag haben die stende den ksl. reten uf ksl. Mt. jungst schreiben an inen, den reten, ußgangen, nachfolgende antwurt geben und abschriben lassen: [Wiedergabe von Nrr. 288f.].

    [25.] Uf gemelten sambstag ist her Ernst von Welden abermals vor den stenden erschynen und ein vidimus der bullen, das jubelgelt belangen29, lut Šseiner jungst gegebner instruction [Nr. 269], derselben mer glauben zu geben, angezeigt und furbracht, daruf die stende ime solch antwurt gegeben: [Wiedergabe von Nr. 287].

    [26.] Uf sontag nach corporis Cristi, den Xten tag Junii, haben die stende uf der ksl. rete widerantwurt, gestern sambstags [9.6.] ubergeben, nachfolgende antwurt gegeben: [Wiedergabe von Nr. 290]. Doruf ksl. Mt. rete solich antwurt ubergeben: [Wiedergabe von Nr. 291]. Haben die stende inen, den ksl. reten, solch antwurt gegeben: [Wiedergabe von Nr. 292]. Und volgt des hoemeisters suplicatz oder werbung: [Wiedergabe von Nr. 297]. Ksl. Mt. rate ratschlag uf des hohmeisters anbringen: [Wiedergabe von Nr. 299].

    «Nr. 262 Pfalz-Simmerner Reichstagsprotokoll des Johann von Eltz – Worms 22. Mai-5. Juni 1509 »

    [1.] Relation zwischen Kurfürstenrat und Fürstenrat am 22. Mai: Beschluss über die Bildung eines interkurialen Ausschusses zur Beratung über die ksl. Reichstagsinstruktionen; [2.] Übergabe von Schriftstücken durch die ksl. Kommissare; [3.] Relation des Großen Ausschusses im Reichsrat am 25. Mai; [4.] Unterredung zwischen Pfalz-Simmern, Pfalz-Zweibrücken und Bayern wegen Sessionsfragen; [5.] Nachforschungen Philipp Aberlins und Johanns von Eltz bezüglich des Sessionrechts der Pfalz und Bayerns; [6.] Unterredung der beiden Gesandten mit Kf. Ludwig von der Pfalz wegen des Sessionsstreits; [7.] Begründung Dietrichs von Plieningen für den Vorsitz Bayerns vor Pfalz-Zweibrücken und Pfalz-Simmern; [8.] Scheitern einer Vermittlung Bf. Lorenz’ von Würzburg im Sessionsstreit zwischen Bayern und Pfalz, Vermittlungsverhandlungen der Kff. zwischen Bayern, Pfalz und Sachsen; [9.] Verschiebung der Reichstagsverhandlungen über die Venedighilfe, Involvierung der ksl. Kommissare in den wittelsbachischen Sessionsstreit; [10.] Vermittlungsvorschlag Kf. Friedrichs von Sachsen im Sessionsstreit zwischen Sachsen, Bayern und Pfalz; [11.] Sessionsstreit Pfalz-Zweibrückens und Pfalz-Simmerns mit Brandenburg-Ansbach am 28. Mai; [12.] Vermittlungsverhandlungen der ksl. Kommissare in diesem Konflikt; [13.] Supplikation HM Friedrichs von Sachsen an die Reichsstände um Unterstützung gegen Polen; [14.] Resolution der Reichsstände zu den ksl. Reichstagsinstruktionen; [15.] Replik der Kommissare an die Reichsstände, Verhandlungen zwischen Kommissaren und Reichsständen am 31. Mai; [16.] Supplikation Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände wegen ihrer Reichsbelehnung; [17.] Protest Württembergs, Bayerns und Hessens hinsichtlich der kurpfälzischen Belehnung; [18.] Beauftragung des ständischen Ausschusses mit Beratungen darüber und zur Erstellung der Duplik an die Kommissare; [19.] Relation des Ausschusses und Beratungen der Reichsstände über die Duplik am 2. Juni, Übergabe an die Kommissare am 3. Juni; [20.] Anberaumung von Beratungen über die Antwort an HM Friedrich von Sachsen, ŠVortrag des ksl. Gesandten Ernst von Welden bezüglich der Jubelablassgelder im Reich, Beauftragung eines Ausschusses mit der Erstellung der Antwort an den Hochmeister; [21.] Übergabe der Triplik der ksl. Kommissare an die Reichsstände am 5. Juni.

    München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 9–16’ (Teil A), 17–19’ (Teil B), 20–22’, 23–24’ (Teil C), 34 (Teil D), 34–34’ (Teil E), 35–35’ (Teil F), 35’–49 (Teil G) (Kop., Aufschr.: Handelunge uf dem Richs tage zu Worms anno XVCIX nach den Ostern ungeverlich ergangen. – Notaverm. von anderer Hd.: Hierin findt man kein ordnung deß fursitzens halb, sonder dz die chur- und Ff., christliche und weltliche, durcheinander gestanden und geratschlagt haben.) = Textvorlage A. München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 25–31’ (Abschrift von A, ohne inserierte Aktenstücke) = B.1

    [1.] /10–16’/ [Wiedergabe von Nrr. 265, 266, 268, 318].

    /17/ Item uf dinstag nach exaudi [22.5.] zu zwolf uwern nach mittage syn die stende uf das raithuß berufen worden und erschein [Ebf. Uriel von] Menz, [Ebf. Philipp von] Coln, [Ebf. Jakob von] Trier und [Kf. Friedrich von] Saxen eygener person und der andern botschaft, [Bf. Lorenz von] Wurzburg, Kolenberga, pfalzgrave Frederich, pfalzgrave Johans [von Simmern] und [Hg. Ulrich von] Wirtenberg in eygener person und ander botschaft.

    Und syn in keyner ordenunge gesessen, sonder durcheinander und gestanden geistlich und weltlichen durcheynander.

    Item syn die churfursten sunderlich abgangen. Und nach irem bedacht haben die chur[fur]sten nach dem bischof von Wirzburg geschickt und ime gesagt, den andern stenden furzuhalten, das sy dry wollen schicken zu ine, ir meynunge zu vernemen, wes sy sych bedacht haben. Daruf ist Wirzburg, Babenberg und Wirtenberg zu in zu geen verordent worden. Die syn widerkommen und durch den bischof von Wirzburg riden [= reden] lassen, das die churfursten bedacht haben und gern forderlich von dysem tag zu kommen geneigt, das doch nit die hohen, trefflichen puncten, so jungst in der instruction [Nrr. 266, 268] furgeben, erlyden mogen, sonder mit der zyt bedacht syn wollen. Darumb ire gutbedunken, das sie die iren uber solich puncten verorden wollen, eyn raitslag uf yeden zu machen, das die ander stende darzu acht verorden sollen. Und so der begriffen und furgelesen werde, alsdan eyns iglichen meynunge daruf auch zu horen.

    Soliche syn also geordent worden.

    [2.] Und alßbalde quamen keyserlichen rete und brachten fur eyn missiven [Nr. 399], von ksl. Mt. an die ksl. rete ußgangen, wie der koning von Frankrich Šksl. Mt. geschrieben hette, uf den vierzen[ten] dag des monats Mey eyn schlag mit den Venedigern getan und eyn heybtman mit etlichen vielenb gefangen und uf vierdusent erslagen. Het ksl. Mt. botschaf[t], der auch by solicher slag gewesen, geschrieben, und das uf zwolfdusent /17’/ erslagen und gefangen weren, und der Venediger XX-dusent gewesen, der Frankßen [!] ewenich mehe.

    Daruf zwene briefe [Nr. 272] an die churfursten, eynen an die geistlichen, den andern an die weltlichen, von der babstlichen heiligkeit ußgangen.

    Darnach eyn libel gedruckt2 den churfursten ubergeben uf witer [= wieder] zusteln, das zu besichtigen. Dan iß solt gedruckt werden, von den Venedigen ußgangen.

    Darnach eyn ksl. missive [Nr. 394] von dem jubelgelde, des die stende solten uber solich mandat begriffen und ußgeen lassen.

    [3.] Item uf fritag [25.5.] nach myttage zu zwolf uwern syn die stende berufen worden, zu horen, was der ußschuß bedacht syhe und uf die puncten der instruction verfasset haben. Und als sie nit uf alle etwas begriffen, haben die churfursten solichs eroffnet und dem ußschuße bevolhen, uf die anderc abe zu bedenken und etwas verfassen. Und die stende also abegetreten.

    [4.] Und nachdem docter Philips [Aberlin3] und ich [= Johann von Eltz] in obgemelter handelunge vernomen und gesehen haben, das herzog Wylhelms rete von Beyern sych umb den vorseße mit herzog Jorgen von Saxen botschaften geirret haben, syn wir beyde zu den beyerschen gegangen und ine gesagt, wie das wyr von unsern gnedigen hern, herzog Alexanders und herzog Johanßen, zu dem Richs dage verordent und die obgemelt irrunge verstanden. Nu haben wyr den bevelhe, sihen auch selbs der meynunge, was den fursten von Beiern ire session, stand und gerechtigkeit zu behalten und niemants darzuschen komen lassen und in dem bysyte stehen, solichs helfen hanthaben. Auch daby angezeigt, das den beyden fursten, irstlich herzog Alexander /18/ und darnach herzog Johanns, als den, die elter syhen dan herzog Wylhelm, nach gebruch und herkommen der herzogen in Beiern der vorsehß gebure.

    Daruf die beierschen und sunderlich docter [Dietrich] Blynnyger geantwort: Sie haben den bevelhe, den vorsehß nehst nach den fursten zu haben und niemants davon dringen zu lassen. Es gebure auch irem hern als den, der das furstentum zu Beiern numehr alleyn inhait, und lyhe nit an dem, ob er jung oder alt syhe. Auch daby geredt, die beide hern, herzog Alexander und herzog Johans, mogen sych herzogen in Beiern schriben, sie haben aber nichts dahe, sie haben gra[f]schaften etc.

    ŠDagegen myr beide ime auch unser meynunge zu erkennen geben haben und under anderm, daß es ane noit syhe, die fromen fursten dermaisse zu verachten, dan sie syhen des gebludes, stammes und namens des huße zu Beiern; und myr werden uns mit den worten nit abwisen lassen, sonder beyden iren gnaden als rechten gebornen herzogen in Beiern ire herkommen, gebruch und gerechtikeit understene zu hanthaben und darin niemants nichts nachlaissen. Und uf das mahel nit wyter mit inen gehandelt.

    [5.] Haben uns doch nit desteminder erkundet, wie iß uf andern Richs tagen damit gehalten und, wie hernach folgt, bericht worden:

    Item sagt myn gnediger here, herzog Friederich, wust nit anders, dan das der eldest furesehß, er were oben oder hie unden mit der lantschaft versehen. Und were myn gnediger her hie, so erkent syn gnade, das er, herzog Alexander, uber ime sehß.

    /18’/ Item Diether von Dalburg sagt, ddas die gehörnten die kure erpten vor den geflugelten–d.4

    Item Wigand von Dienheym sagt, do keyßer Frederich mit pfalzgrave Frederichen in irrunge gestanden, das zu Regenspurg uf den dag herzog Ludwig, myns gnedigen hern, herzog Alexanders, vater als eyn pfalzgrave und beyerscher furst in maiestat sehß, den appel5 als nehster dem churfurst[ent]umb in der hand gehabt und allen andern herzogen in Beiern vorgesessen und -gestanden6.

    Item ich, Johan von Eltz, hab auch gesehen im torner zu Heydelberg7, das herzog Jorge von Beiern uf der schauwe syn helm uber herzog Casper8 und neben mym hern pfalzgraven Philipßen hab stellen lassen; das dan die von den vier landen9, die zu der teilunge der helme gegeben waren, geacht, nit Šsyn sull. Und haben herzog Caspers helm uber herzog Jurgen helm gesetzt, wiewol herzog Jorge elter was. Das ich auch den geschickten in arguments wyß furgehalten habe.

    [6.] Item uf samstag, den heyligen pfingstabent [26.5.], umb eyn uwer nach mittage ist die versamelunge wider in den rat verbot, weß sych der ußschuß bedacht, zu horen. Also haben der docter [Philipp Aberlin] und ich uns zuvor zu deme pfalzgraven [Kf. Ludwig] gefugt und iren gnaden vorgehalten, weß uns in der sach begegent, und umb rait gebeten als diejenen, die iß in kunftigen zyten och betreffen werde. Haben ire gnaden geantwort, sy syhen jung und in der sachen nit erfaren, aber er habs darfur, das der aldest herzog in Beiern und ire geschickten botschaften den fursehs haben. Doch wollen syhe witer rait darin haben und iren gnaden meynung zu erkennen geben. /19/ Als auch gescheen und daby blieben ist. Haben myr ire gnaden gebeten, uns etlich rete zuzugeben, mit uns davon zu handeln. Daruf ist uns geantwort, ire gnaden stehen noch nit also wol mit herzog Wylhelm, das sie gern vyl handels mit den reten haben.

    [7.] Item docter [Dietrich] Blininger hait auch davon disputert, wiewol das herzog Ott [von Pfalz-Mosbach] seliger uf Richs dagen uber herzog Albrecht gesessen syhe, moge uß der ursachen gescheen syn, das er auch lantschaft in Beiern gehabt, das dan duß [!] pfalzgraven dyser zyt haben. Uß welichen argument abezunemen, das syhe die beyde fursten, herzog Alexander und herzog Johanßen, der lantschaft halber in der session gern absundern wulten, das wyr keynswegs haben willen zulassen.

    [8.] Und so myr solichs vermerkt haben, dem bischof von Wyrzburg den handel zu erkennen geben, syn gnaden gebeten, mit den beierschen zu reden, von irer meynunge abezusteen. Dan wir kunten es10 von unser gnedigen hern wegen nit liden oder nachlassen. Des sych syn gnade gewilligt, auch fliß angekert. Und so er by den beyerschen nichts hait mogen erlangen, den handel an die churfursten bracht. Dieselbigen haben beiersche, uns und Saxen vor sych gefordert und under anderm vorgeslagen, so mir uns der session nit gutlich vertragen mogen, das dan die geschickten zu allen deylen nit sytzen und by der verhandlungef steen bliben ader aber abtreten. So sol man unß, weß gehandelt werde, in schriften ubergeben, unser meynunge auch darin zu vernemen.

    In demselbigen haben sych Saxen under anderm heren lassen, sie wyssen, das herzog Alexander als dem eldesten herzogen in Beiern der furseße zustee. Wullen /19’/ auch darin nit tragen; und sie one noit, zu stene [= stehen] oder abzutreten, uß der ursachen, das herzog Albrecht von Saxen seliger nach dem eldesten beierschen fursten die session uf den Richs dagen gehabt byß an ende Šsyns lebens. Das wulten sie irem hern, herzog Jorgen, auch nit ubergeben. Aber herzog Wylhelms von Beyers rete syn uf irer meynunge blieben.

    Dargegen von wegen unser gnedigen hern, herzog Alexander und herzog Johanßen, geret, dwil die saxischen herzog Alexander den furseße zuliessen, het es dermaß keyn irrunge mehe. Das aber herzog Wylhelms von Beierns botschaft uber herzog Alexanders botschaft sitzen wulten, er were jung ader alt, ist nit also herkommen, auch beyden unsern gnedigen hern nit lidlich. Das der seß oder stand nit darnach gegeben, das eyner richer ader armer ader in Beierlande mehe lantschaft hette dan der ander, sonder der geburt und dem alter nach, alß sych dan erfynde, das die beide fursten geborn herzogen in Beiern syn und beider elter dan herzog Wilhelm. Darumb syhe der geschickten botschaften ane noit, zu stehen ader abezutreten. So in aber ire session von wegen irer hern an enden, sych geburt, nit werden mucht, wolten sihe mit wissen abscheyden.

    [9.] Daruf bedachten sych die churfursten und liessen den bischof von Wirzburg in gegenwirdikeit der stende, die doch in keyner ordenunge gesessen, sunder gestanden, uß bevelhe der kurfursten furhalten, das die churfursten der irrunge halbe der ußschuß ratslag dyser zyt zu veruffnen verhalten, doch solt eyn iglicher uf den pfingstag [27.5.] zu dryen uwern eyn schriber in Menzer canzly haben, den /23 [!]/ raitslag abezuschriben und sych daruf zu bedenken byß uf den mandag [28.5.] zu eyner uwern, wider uf dem huße zu syn. Ire gnaden wullen auch ksl. Mt. reten die obgenanten irrunge, session betreffen, zu erkennen geben, das sie darin handeln, damit des Rychs sachen dardurch nit verhyndert werden. Das auch also gescheen und uf den heyligen pfinstag zu drien uwern vor ksl. Mt. rete verbot.

    /20–22’/ [Wiedergabe von Nr. 275/II].

    [10.] /23/ In mitler zeyt ist allerley zuschen herzog Wylhelms rete und uns underrede gescheen. Doch zulest hait herzog Frederich von Saxen, churfurst, in der sachen gutlich zu handeln begert, das synen gnaden, mit der wist gescheen11, zugelassen. Haben syn gnade uns eyn meynunge [Nr. 320] furgeslagen, wie hernach folgt. Darin haben wyr uns bedacht, auch rait gehabt, und ich [= Johann von Eltz] in sonderheit myns gnedigsten hern von Trier. Und so die andere beyerschen solichen furslag angenommen, das myrs dan nit abslugen uß meyncherley ursachen, und sonderlich, das ksl. Mt. und des heyligen Richs sachen dardurch nit ufgehalten. Item, das ksl. Mt. durch unser wederwirdickeit und hynwekriten nit zu ungnaden wider unsere gnedigen hern bewegt wurde. Und demnach die abrede angenommen. Syn auch von allen teiln vor ksl. Mt. rete gegangen, in soliche abrede zu erkennen geben, doch mit vorbeheltnis iglichem hern syner gerechtikeit.

    [11.] Item uf mandag nach pfingsten [28.5.] zu eyner uwern waren die stende wider uf das [Rat-]huß verbot. Und als eyn iglicher zu sitzen gefordert wart, versagen wir uns keyner irrunge, sunder lut der abrede zu sytzen gemeynt. ŠUnd warten, byß das die weltliche und geistlich fursten gesassen. Indeß was marggrave Friederichs von Brandenburgs raite hynder uns /23’/ dargeschligen und hait sych zunehst by die saxischen gesatzt. Han myr an ine begert ufzusteen, dan die stat sie unser nach lude der abrede. Hait er geantwort, er syhe uf ander Richs dage zu Costenz nehst by den saxischen gesessen.12 Haben myr ime gesagt, myr [ge]stene ime nit, das ime uber den herzogen in Beiern oder syn botschaften zu sitzen gebure. Dan das die Saxen ist [= jetzt] zuschen den beierschen fursten sitzen, geschee nit uß gerechtikeit, sonder uß eyner undertane13 das mal. Er hett uns auch billich solich syn furnemen, so er die irrunge zuschen beierschen und Saxen gehoret, eruffnet. Und so er sych nit hait daran wollen keren, auch alle botschaft gesessen, syn wyr umbgekert und zur stoben ußgangen und mit dem undermarschalk [Friedrich Beyer] gerit: Wol er uns seß geben an enden, unsern gnedigen hern gebure, sy[n] myr willig, dazubliben und helfen handeln. Moge es aber nit syn, wollen wir mit wissen abscheiden. Wir haben auch solichs an ksl. Mt. rete bracht, die uns beide partien den andern morgen [29.5.] vor sych bescheiden.

    [12.] Und uns furgehalten, wie das sych die brandenburgschen vermessen, das sie zu Costens uber docter [Jakob] Merswyn, der von herzog Alexanders wegen dahe gewesen, gesessen haben, wiewol derselbig protestert hait, in die session nit zu behelen [= einzuwilligen], und doch gescheen lassen. Darumb der rete gutbedunken, das myr eynen seß umb den andern halten, doch iglichem hern unabbruchlich syns herkommen und gerechtikeit.

    Haben myr geantwort, myr haben uß guter /24/ meynunge, damit durch uns nichts verhyndert, den Saxen dyßmale mit demselben gedinge den vorseß zugelassen. Solten nu die brandenburgischen auch dahyn komen, die iß [= dessen] doch gar keyn stat oder fug haben, so wolten die ander fursten, als Julig und nach dem andern, die ire session nach dem brandenbur[g]schen haben, derglichen auch furnemen und uns nit wichen. So musten unser hern zulehst hynder den ofen14. Syhe uns gar nit lidlich, den mittel von unsern gnedigen hern anzunemen. Myr wurden auch by iren gnaden deßhalb keyn dank, sunder ungnade erlangen. Aber ob das eyn mittel were, das ksl. Mt. rete mitsampt den churfursten mit den andern stenden abridt, so die churfursten ire session, deßglichen die fursten, die zugegen weren, genomen, das dan all geschickte botschaften keyn session hielten, sonder, wo iglicher seße, syn meynunge zu erkennen gebe, mit furbeheltnis iglichem fursten an session, vorstant und anderm, wie das herbracht und geubt were, unabbruchig; und das zu andern gelegenen zyten davon entlich gehandelt werde. Muchten ire gnaden und wyrden, ob iß gut were, bedenken.

    ŠDaruf haben ksl. Mt. rete an uns beide teile begert, den dinstag [29.5.] zu morgen nit in den rait zu gen, so doch das male nit wyter dahe zu handeln syhe, dan den15 hohenmeister von Pruyßen zu horen. Das auch also von uns beiden teiln gescheen. Und uf den dynstag nach mittage ist man wider uf das huß verbot. Dahe syn docter Philips [Aberlin] und ich [= Johann von Eltz] hyngangen. Und ist der brandenbur[g]schen nit kommen. Also haben wyr unser session ingenommen /24’/ und uns des nach lude der abrede, solange der Richs tag gewert, gebrucht.

    [13.] Item hait der hochmeister16 von Pruyßen den stenden in clage [Nr. 297] vorbracht, das die crone zu Polen in manichfaldiger wyße mit uberdringen, abnemen und anders gegen den orden gebrucht und sych in dem keyns rechten oder billicheit wider an die babstliche heylikeit, ksl. Mt., auch alle anstoißende fursten, fur die sych der orden geboten, nit willen annemen und in synem furnemen beharret. Demnach ksl. Mt. rete, churfursten, fursten und stende des Rychs angerufen, umb rait und hylf gebeten etc.

    [14.] Item uf dieselbige zyt ist ksl. Mt. reten geantwort uf die furbracht instruction [Nrr. 266, 268], in gegenwirdikeit churfursten, fursten und geschickte botschaften verliesen und daby uf ire begere derselbigen antwort eyn copie gegeben, wie man die auch hernach fyndt [Nr. 275/I]. Daruf sie bedacht genommen biß uf den dornstag [31.5.] nehst darnach und damit begert, das sych niemans von hynnen tue, dan sie haben witer werbunge uß bevelhe ksl. Mt.

    [15.] /34 [!]/ Item uf gemeltem dornstag nach mittag haben die ksl. Mt. rete ire antwort auch schriftlich vorgelacht [= vorgelegt] und die durch [Johann] Storcken lesen laissen, dan der versamelunge eyn copie gegeben, wie die auch hernach folgt [Nr. 276]. Daruf17 sich churfursten, fursten und ander stende bedacht. Und nachdem darin nit witer, dan die hilf betreffen, gemelt, vor gut angesehen und mit ksl. Mt. reten laissen reden, so die instruction, von ine erstlich furbracht, auch der stende antwort von frieden, camergericht, munz und anders anzeige, davon ire antwort keyn meldung tet, ob ine von demselbigen witer zu underreden oder daby zu laissen gemeynt syhen.

    Daruf antwort gefallen, nachdem der artikel, die hilf betreffen, der großt und ksl. Mt. am selbigen zum hochsteng gelegen, so wollen sie den laissen furgen. Und so darin beslossen, hwellen sie auch–h von den andern, in der instruction angezeugt, helfen handeln; und nit alleyn von denselbigen, sonder von vil mehe artikeln, die Storck itzt von ksl. Mt. bracht habe.

    /34–34’/ [Wiedergabe von Nr. 276].

    Š[16.] /35/ Item haben beide myn gnedigsten und gnedigen herrn pfalzgrave [Kf. Ludwig und Pfgf. Friedrich] vor deß Richs versamelunge durch Johan von Morßheymi anbrengen laissen, wie das ire gnaden itzunt hie zu Worms ksl. Mt. ansuchung getan, ire gnaden mit iren friheiten [und] regalien, sovil ime sampt und in sonderheit zusteet18, zu lihen gebeten. Daruf ire gnaden in gegenwurdigkeit der churfursten Menz, Collen und Trier, auch anderer geschickten gnedige antwort gefallen, das ire maiestat solich ansuchen und erbieten nit zu mißfallen, sonder zu gefallen haben und wullenj vor abescheiden des Richs dag davon handeln und mit gnediger antwort begegen laissen. Demnach churfursten, fursten, auch die geschickten botschaften und ander stende des Richs gebeten, lut eyner begriffen supplication [Nr. 314] eyn vorbit an ksl. Mt. von des Richs stende ußgeen lassen.

    [17.] Item in dem herzog Ulrich von Wurtenburg in eigener persone, deßglichen auch herzog Wilhelms von Beyern und landgrafenk zu Hessen geschickten ufgestanden und gesagt, sie haben dochl gehort, was beide pfalzgraven gebeten und begert. Aber nachdem sie uß gehorsam ksl. Mt. den handel und ufrure zwischen den beyerschen hern verwant und der bond von Swabenm von ksl. Mt. eyn verschribunge habe, darin sich ire [Mt.] verpflicht, der partie ire friheiten, gerechtigkeiten und regalien nit zu lihen, es sy dan, das eyn iglicher, der sach verwant, ganz geracht19 und, wes sich darin begeben, genzlich verziegen und ubergeben20; das auch ksl. Mt. uf nehstem dag zu Costens, das dermaiß von wegen der pfalzgraven gescheen, gleublich zugesagt21, sich der und nit anders zu halten, deß habe sin gnade, auch die geschickten den churfursten, fursten Šund andern der versamelung, davon wissens zu haben, nit wollen verhalten und sich in irer vorbit darnach zu richten haben.

    [18.] Item haben die versamlung in der sach raitzuslagen den ußschussen bevolhen, uf die ksl. Mt. rete auch eyn replik zu begrifen, dezglichen uf der pfalzgravischen und ander fursten begeren.

    [19.] /35’/ Itemn uf samstag nach phingsten [2.6.] zu morgen umb acht uren sin die stende weder erfordert worden und erschien uf dem raithuße. Hait man zu ersten gelesen und horen laissen der vom usschuße begriffe und meynunge [Nr. 278], nemlich eyn replik uf ksl. Mt. rete widerrede oder replik. Und daruf zu besliessen eyn bedacht genommen biß nach mittage zu zweyen uren, ob die also gegeben werden oder nit.

    Item nach mittage zu zweyen uren sin die stende weder versamelt erschienen, haben die stende deß ußschutz begriffe der replik geendert an etlichen puncten und darzu gesatzt etliche ursachen, warumb die stende deß Heiligen Richs solich hilf ksl. Mt. zu tun nit schuldig syn und bescheiden uf morgen, sondags trinitatis [3.6.], zu sieben uren in der me[n]zischen canzly zu erschyn, die ursachen und replik abzuschriben und nach mittage des sondags zu zwolf uren den ksl. reten dieselbige replik zu geben. Also auch gescheen, owie hernach folgt–o, und die ksl. rete bedacht daruf genommen, wider zu dupleren uf nehst dinstag nach trinitatis [5.6.]. [/35’–37’/ Wiedergabe von Nr. 279].

    [20.] /38/ Wurde auch beslossen, uf morgen, montags [4.6.], zu sieben uren uf dem raithuß wider zu erschynen und von des hoemeysters wegen von Pruissen, antwort zu geben, sich zu besprechen.

    Auch eyn ksl. Mt. sonderlich botschaft, er Ernste von Welen genant, werbung und instruction [Nr. 269] in schriften inlegt uf den montag zu morgen, uf die meynung luten, das babstlich heiligkeit den Fugkerp von Außpurg gewalt geben habe, das jubelgelt ufzuheben und inzunemen und der ksl. Mt. geschr[ieben], ime darzu behilflich zu syn, das syn Mt. den Richs stenden bevolhen, an die, solich gelt inhaben, mandat mit hohen penen zuzuschicken etc.

    Ist daruf beslossen von stenden des Richs, das sie is by getaner antwort [Nr. 275, Pkt. 9] bliben laissen, so uf den puncten der instruction, ksl. Mt. uberschickt, gegeben ist.

    Uf des hoemeistersq beger, hilf, rait und bystant zu tun weder den konig von Boland, der in dringen woill, im tribut zu geben, in zu eynem hern anzunemen und zu erkennen und nit ksl. Mt. oder das Heilig Riche, ist zu disem maile beslossen und etlich darzu verordent, eyn antwort daruf zu begrifen, die darnach den stenden vorzuhalten und ksl. Mt. reten und mit den eyn meynung zu beslissen.

    Š[21.] Item, als die stende uf dinstag nach trinitatis [5.6.]22 weder zusamenberufen syn wurden, zu zwolf uren uf dem raithuß zu erschynenr, haben ksl. Mt. rete antwort geben, wie hernach folgt: /38’–49/ [Wiedergabe von Nrr. 280–283, 269, 284, 411, 404, 410, 287–292, 297f.].

    «Nr. 263 Pfalz-Zweibrückener Reichstagsprotokoll von Dr. Philipp Aberlin – Worms, 22. Mai-5. Juni 1509 »

    [1.–3.] Relation zwischen Kurfürstenrat und Fürstenrat am 22. Mai: Beschluss über die Bildung eines interkurialen Ausschusses zur Beratung über die ksl. Reichstagsinstruktionen; Übergabe von Schriftstücken durch die ksl. Kommissare; Relation des Großen Ausschusses im Reichsrat am 25. Mai; [4.] Unterredung zwischen Pfalz-Simmern, Pfalz-Zweibrücken und Bayern wegen Sessionsfragen; [5.] Nachforschungen Philipp Aberlins bezüglich des Sessionsrechts der Pfalz und Bayerns; [6.] Unterredung Aberlins und Johanns von Eltz mit Kf. Ludwig von der Pfalz und Pfgf. Friedrich wegen des Sessionsstreits; [7.] Begründung Dietrichs von Plieningen für den Vorsitz Bayerns vor Pfalz-Zweibrücken und Pfalz-Simmern, Zurückweisung durch Aberlin; [8.] Vermittlungsversuch der Kff. im Sessionsstreit zwischen Sachsen, Bayern und Pfalz; [9.] Verschiebung der Reichstagsverhandlungen über die Venedighilfe, Involvierung der ksl. Kommissare in den Sessionsstreit; [10.] Verhandlungen zwischen Pfalz-Zweibrücken, Pfalz-Simmern und Bayern wegen des Sessionsstreits; Vermittlung Kf. Friedrichs von Sachsen im Sessionsstreit zwischen Sachsen, Bayern und Pfalz; [11.] Sessionsstreit Pfalz-Zweibrückens und Pfalz-Simmerns mit Brandenburg-Ansbach am 28. Mai; [12.] Vermittlungsverhandlungen der ksl. Kommissare in diesem Streit am 29. Mai; [13.] Supplikation HM Friedrichs von Sachsen an die Reichsstände um Unterstützung gegen Polen; Session der pfälzischen Gesandten im Reichsrat (28./29.5.); [14.] Resolution der Reichsstände zu den ksl. Reichstagsinstruktionen am 29. Mai; [15.] Replik der Kommissare an die Reichsstände, Verhandlungen zwischen Kommissaren und Reichsständen am 31. Mai; [16.–21.] Supplikation Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände wegen ihrer Reichsbelehnung; Protest Württembergs, Bayerns und Hessens hinsichtlich der kurpfälzischen Belehnung; Beauftragung des ständischen Ausschusses zu Beratungen darüber und zur Erstellung einer Duplik an die Reichstagskommissare; Relation des Ausschusses und Beratungen Šder Reichsstände über die Duplik am 2. Juni; Übergabe an die Kommissare am 3. Juni; Anberaumung von Beratungen über die Antwort an HM Friedrich von Sachsen; Vortrag des ksl. Gesandten Ernst von Welden bezüglich der Jubelablassgelder im Reich; Beauftragung eines Ausschusses mit der Erstellung der Antwort an den Hochmeister; Übergabe der Triplik der ksl. Kommissare an die Reichsstände am 5. Juni.

    München, HStA, K.blau 335/36, fol. 594–605’ (Abschrift von 1583)1 = Textvorlage A.2

    [1.–3.] /594–595/ [Wie Nr. 262, Pkt. 1 – Item uf ... abegetreten.].

    [4.] /595/ Uf solchem tag bin ich [= Philipp Aberlin] uber die sachsischen gestanden und herzog Wilhelms von Bairn räte, dieweil ich verstanden, das die bairischen uber meinen gnedigen hern [Pfgf. Alexander], wiewol er der eltest dieser zeit bairischer herr ist, und ander fursten, dieser3 hieunden geseßen, sitzen wöllen, dieweil herzog Alexander und herzog Johanns nüst in Bairn an der landschaft inhetten oder beseßen und sich grafen schrieben etc. Und hab auf dißmal mit denselben räten davon geredt in gegenwertigkeit herzog Johanßen hofmaisters, Johannen hern zu Eltz, die mainung, dz wir verstunden, die sachsischen uber die bairischen zu sitzen. Dieweil nun solches den fursten und den hauß von Bairn nachteilig were und von unsern gnedigen herrn derwegen nit nachzulaßen, were unser beger, dz sie uns und wir ine darin beistendig weren und sein wolten.

    Sagten, sie wolten das gern tun, und billich. Nachdem ich aber gemerkt und verstanden, das sie auch wolten /595’/ uber mich und den hofmaister sitzen etc., wie obsteet, sagt ich also, so nun die churfursten kommen und man sitzen soll, so wil ich mich setzen gleich nach den fursten, so personlich hie sein, und darnach der hofmaister und sie4. Sagt [Dietrich] Pleininger: Nain, dz wolten sie nit tun, mit erzelung obgemelter ursachen. Sagt ich: So werd ichs auch nit tun und meinem bevelch nach zu handeln understeen.

    [5.] Gienge daruf zu etlichen, zu erfaren, wie es zwischen den bairischen fursten gehalten were worden. [Wie Nr. 262, Pkt. 5 – Item sagt ... und -gestanden.].

    ŠItem der hofmaister Johann herr zu Eltz sagt, das er sei der vierer ainer zu Haidenberg im tornier gewesen /596/ und die helm tailen helfen.5 Hab herzog Geörg selig sein helm neben des pfalzgrave Philipsen helm gesetzt und uber herzog Caspars, meins gnedigen herrn bruder, helm; haben die vier erkant, das herzog Geörgen helm sol under herzog Caspars helm steen und auch darunder gesetzt haben.

    [6.] Der hofmaister und ich sein auch darnach zu herzog Ludwigen, churfursten, und herzog Friderichen gangen, iren gnaden solches, uns begegnet, furgehalten und umb rat gebeten, wiewol ire gnaden sagten, sie weren jung, glaubten aber nit anders, dan das von alter herkommen were, das der eltest oder oberst sesse, wie obsteet.

    Nach dem nun mich nit beducht, ire gnaden geneigt sein, ein rat oder jemands zu uns von iren gnaden wegen zu stene [= stehen] zu verordnen. Dan mein gnediger herr, herzog Ludwig, sagt mir, das seine gnade nit stünd, mit herzog Wilhelmen viel tage gegen ine in dieser sachen zu halten.

    [7.] Dieweil auch [Dietrich] Pleininger mit herzog Friderichen geredt, villeicht der mainung, als mit mir, das herzog Otto [von Pfalz-Mosbach], seliger gedechtnus, uber herzog Albrechten von Bairn geseßen, dieweil er im Baierland landschaft gehabt, das seine gnad auch itzund mit herzog Ludwigen hab, und also sie den ander zulaßen wolten nach dem alter.

    /596’/ Aber das mein gnediger herr, herzog Alexander, und herzog Johanns und ire nachkommen dardurch solten alwegen die understen sein, darumb sie kein land in Bairn hetten etc., das wolt ich nit zulaßen. Ich hett auch bevelch von meinem gnedigen herrn, nach den fursten als des eltisten bairischen hern den ersten seß vor andern fursten botschaften zu sitzen, das ich mich halten must.

    [8.] Darnach uf sambstag pfingstabent [26.5.] wurden die stend wider zusammenberufen, zu ainer uhrn zu erofnen, was der außschuß bedacht were, zu horen. Und als die irrung des seß und stands halber zwischen den bairischen und Sachsen und dan den bairischen under inen selbst erhaben hette und den churfursten anbracht ward, haben die churfursten zum ersten nach den bairischen botschaften und Sachsen geschickt und ine durch den mainzischen hofmaister [Thomas Rüdt von Collenberg] furhalten laßen, das ire gnaden die irrung verstanden hetten, die dan aine verhinderung gebere der sachen, so von Reichs wegen merklich angelegen und itzund zu handlen weren. Damit aber keinem teil abbruch seins seß oder stands diese handlung geberen möcht, auch den botschaften nichts verweißlichs darauß entsteen, so dann die parteien sich selbs des nit vereinigen möchten, so were der churfursten /597/ begere, wir solten nit sitzen, sonder steen oder zu allen teilen abdreten; wolten sie uns botschaften auch zu erkennen geben, was begriffen were von dem außschuß.

    ŠDaruf die sachsische botschaft antwurt gebe[n], sie konten nit absteen, auß ursach, das herzog Albrecht von Sachsen nach dem eltisten bairischen fursten der nehest geseßen uf den Reichs tagen und biß zu ende seines tods den behalten. So hetten sie in bevelch, sich des auch zu halten und nit abzusteen oder sie wolten hinwegziehen; aber wan die churfursten sie hießen zu steen oder abzudreten, weren sie willig.

    Dagegen ich mich horen ließ, dieweil die sachsischen mich als von herzog Alexanders etc. als des eltisten herzogen in Bairn wegen zuließen, hett ich dieser zeit kein zank mit den sachsischen von meins gnedigen herrn wegen. Das aber herzog Wilhelms botschaften uber mich ire seße nemen wolten obgeschriebener mainung, sie weren jung oder alt etc., das were nit also herkommen, sonder, so darvon gered solten werden, wird sich erfinden, das die herzogen in Bairn, der helm gehorend [= gehörnt], den geflugelten in torniren furgesetz[t] wurden und worden weren.6 So wurd der seß oder stand nicht nach dem, ainer reich oder arm oder das ainer im Baierland an der /597’/ landschaft mehe dann der ander hette, gegeben oder zugelaßen, sonder nach der geburt und dem alter; das alle zeit, wie ich hore, gehalten worden. Und were ain herzog von Bairn hie, der nüst hett und der eltist, were dannocht billich, das er als ain herzog zu Bairn sein stand und seß hett und nit hinder den ofen gesetz[t] oder ufgelaßen [= ausgeschlossen] wurd, mit underteniger bitt, dieselbe botschaft daran zu weißen, solcher neuerung abzusteen, mich ungeirt zu laßen.

    Der hofmaister Johann herr zu Eltz sagt uf zusagung und underweisung meins gnedigsten herrn von Triers, solchs uf sich zu verteidungen zu nemen gegen herzog Johanßen. Sagt, das er es bleiben ließ bei der churfursten vorgehalten mainung.

    [9.] Daruf hieß man uns botschaften abdreten und bedachten sich die churfursten der mainung und ward uns allen stenden furgehalten durch den bischof zu Wurzburg in keiner ordnung, dz die churfursten von solcher irrung wegen des saß und stands zu erofnen die mainung des außschuß dieser zeit underlaßen wolten. Und dieweil ain hailiger abent, in die kirchen zu gehen zeit were, solten die stend uf morgen, den pfingstag [27.5.], iglicher sein schreiber zu dreien uhrn nach mittag in der mainzischen canzlei haben; wolt man inen solchen begrif lesen /598/ abzuschreiben. Und das ain iglicher uf montag [28.5.] nehst zu ainer uhren von stenden des Reichs wider uf dem rathauß erscheine, sein mainung, rat und gutbedunken auch daruf zu geben.

    Es solten auch die stend zween verordnen, die zu ksl. Mt. reten giengen solch irrung zwischen den parteien des seß halber, und das sie hiezwischen darin handlen solten, damit des Reichs sachen dadurch [nit] zerrutung und verhinderung gebere.

    Also bin ich [= Philipp Aberlin] uf den hl. pfingstag [27.5.] zu dreien uhren vor kaiserliche rete und statthalter berufen worden zu erscheinen.

    Š[10.] Hat doctor [Dietrich] Pleininger abenteürlich7 mit mir uf land gangen8, also der hofmaister Eltz und ich sein zu herzog Wilhelms räten gangen uf die ratstuben und gesagt: Beducht uns gut, das wir uns selbst solcher irrunge under uns verainigten und zusammenstunden, die sechsischen abzuhalten. Sagten sie: Ja, es gefiel inen wol, und Plenninger sagt: Er wust ain gut mainung, nemblich die Sachsen understünden, den vorseß zu haben von des haus von Sachsen wegen und das hauß von Bairn hinder sich zu stellen. Sagt ich: Naine, sie wollen mich als von wegen des eltisten /598’/ herzogen in Bairn vorsitzen laßen. Sagt Pleininger: Ja, als ein eltisten fursten. Sagt ich: Nein, als ein fursten in Bairn, dan sonst mochten sie wol finden ain andere botschaft, des furst alter dan mein herr sein möcht. Sagt er: Es were war und ich solt ime also tun; sein herr were junger dan mein herr; solt ich in vorsitzen laßen, so kond die sachsisch botschaft nit sagen darnach, das allein alters halben geschehen oder sie zugelaßen, sonder alsdan als ain bairischer furst vorgeseßen were. Sagt ich: Hett die mainung nit also von den sachsischen verstanden. Dan wo sie das also mainten, so mochten sie wol den brandenburgischen rat vor ine sitzen laßen, des furst [Mgf. Friedrich] alter dan mein gnediger herr were; darumb solches nit ire mainung sein möcht. Damit dan sie solchs erfaren mochten, wolten sie vorsitzen und von herzog Wilhelms wegen den zu behalten gegen den sachsischen, wolt ich inen entweichen ein tag im seß. So sie den behielten und ich gewene ain andern tag, dz sie doch mich uber sie sitzen laßen. Sagt Pleininger nain. Sagt ich: So verstünde ich wol, mich mit worten zu uberreden und in werken must guts weren, und darumb solten sie wißen, von herzog Wilhelms wegen den seß nit wole zu laßen. Qwame auch zu den sachsischen räten, die sagten, es were ire mainung auch, von wegen meins gnedigen /599/ herrn als ain bairischen fursten fursitzen zu laßen und sie nach mir sitzen wolten.

    Aber uf dem heiligen pfingstag [27.5.] ist kommen Pleininger und gesagt, dieweil ich sie, herzog Wilhelmen von Bairn raten, nit woll vorsitzen laßen, so sei herzog Wolfgang regirender furst zu Bairn und curator herzog Wilhelms und vom selben und nit herzog Wilhelmen geschickt, welcher herzog Wolfgang der eltist bairisch herzog dieser zeit seie, darumb inen der furseß gebüre.

    Wieder die hab ich nit viel fechten konden und gesagt, mich zu bedenken und zusamenzukommen, davon gutlich zu underreden.

    Und als die kaiserliche räte mir zu dreien uhren, auch andern bairischen und sachsischen räten vor sie zu kommen uf den pfingstag [27.5.] verkond hetten, zu kommen dieser irrung9, so hat sich doch nach mittag alsbald zuvor mein Šgnedigster herr, herzog Friderich von Sachsen, churfurst, solcher sachen auch underzogen zu vertragen und alle teil berufen.

    Dieweil nun Pleininger herzog Wolfgangen furstalten, von deßwegen sie hie weren, kond ich und Johan von Eltz nüst darzutun, uns bedacht, sie von herzog Wolfgangs wegen zulaßen mußen im furseß, doch dz mir des schrift von ine wurd, dz sie den seß hetten /599’/ von herzog Wolfgangs wegen als des eltisten bairischen herzogen, dieser zeit leben[d].

    Und der sachsischen halben bered und laßen uns sagen, das wir uns zu dieser zeit uf diesem Reichs tag mit den sachsischen nit irren solten der seßion halber, sonder sie zulaßen, vor uns beden dißmals zu sitzen, uf andern nachkommen Reichs tagen und versamblung der heuser Bairn und Sachsen, derselben fursten und irer räte an irem herkommen, gebrauch, billigkeiten und rechten unabbruchlich, alles laut des briefs, seine furstliche gnade, herzog Friderich von Sachsen, daruber aufgericht [Nr. 320].

    Darum die andern bairischen räte solchs annemen, wird mir geraden, des nit abzustehen, sonder anzunemen auß vielen ursachen, nemblich dz des Reichs und ksl. Mt. sachen dardurch nit ufgehalten wurden, item die ksl. Mt. durch unser widerwertigkeit und unser hienweggehen oder abreiten zu ungnaden wider mein gnedigen herrn [Pfgf. Alexander] nit bewegt wurd, ob das kain ursach were, vor ain ursach zu nemen und also solche abrede angenommen.

    Und als die ksl. Mt. rate nach mir geschickt hetten, zu dreien uhren zu erscheinen, sein die andern obgemelten parteien alle zugegen gewesen und den räten solchen vertrag zu erkennen geben, den sie hoch gelobt und gefallen darin gehabt, auch allen, den ich solchen vertrag /600/ angeben [und] geratfragt, mir geraten, wol anzunemen sein und meinem gnedigen herrn unschedlich.

    /600–600’/ [Wiedergabe von Nr. 320].

    [11.] Item uf montag nach dem pfingstag [28.5.] zu ainer uhren, als die stend wider uf dz [Rat-]haus berufen sein und erschienen, hat der undermarschalk [Friedrich Beyer] die geistlichen fursten und der botschaften zuerst beruft zu sitzen nachainander in ire ordnung. Hab ich von keiner irrung mehe gewust und gewartet, bis die weltlichen fursten und der botschaften berufen wurden. Und also zuvor der undermarschalk die beruft zu sitzen, da saße marggrave Friderichs von Brandenburg rat [Theobald von Heimkofen], und als ich und Johann her zu Eltz, hofmaister, herzugingen, nidersetzen wolten, hat uns derselbig brandenburgisch rat nit weichen wollen, sonder gesagt, er sei zu Costenz der nehest unden an den sachsischen räten und botschaften auch geseßen und wolle nit weichen.

    Hab ich gesagt zu ime, solcher seß gebür im nit. Glaub auch [nit], dz er vor den herzogen in Bairn raten geseßen /601/ sei. Er hab gehort die irrung zwischen den bairischen und sachsischen botschaften, die sich des verainigt, das die bairischen zu diesem male die sachsischen zwischen sie sitzen lassen wollen, laut des vertrags. Darumb sitz er dißmals nah bei den bairischen. Er hab auch solch seine mainung und furnemen verburglich und heimlich gehalten, uns nit Šzuvor solch seine mainung zu erkennen geben, das billich geschehen. Hetten wir uns das gutlich underred, sich ain jeder gewüst darnach zu richten.

    Darauf er mir kain antwort geben und stillgeschwigen. Haben ich und Johann, der hofmaister, umbgekert und zu der stuben außen hinweggangen von allen stenden.

    Furter bin ich alsbald zu ksl. Mt. räte gangen und solch irrung angezaigt, mit begere, mit dem brandenburgischen rat zu reden, uns vor ime sitzen zu laßen, in des vermögen und daran zu weisen.

    Haben die räte geantwort, denselben uf morgen, dinstag [29.5.], zu sieben uhrn vor sich zu beschaiden. Solten wir auch kommen, uns gegenainander zu horen.

    [12.] Also sein wir uf den morgen erschienen. Hat grave Adolf [von Nassau] uns vorgehalten, wie sie mit dem brandenburgischen geredt, der gesagt hab, zu Costenz uf dem nehsten tage auch vor doctor Meresteyne10 gesessen sein, wiewol doctor Merstain protestirt hab, nit zu gehellen [= einzuwilligen] /601’/ in ire seßion des brandenburgischen etc. Und darumb irer, der räte, gutdunken und furschlag, das ainer umb den andern ein ratseß uber seß allein zu diesem Reichs tage. Wolten sie uns schrift geben, unsern gnedigen herrn nit abbruchlich sein solt an irem herkommen.

    Daruf wir uns bedacht und antwort geben wie vormals mit den bairischen und Sachsen, [der] mainung, des Reichs sachen unser gnedige herrn halber nit abbruch geschehe, uns zu diesem mal vertragen laßen. So wir aber sehen, das der von Brandenburg neben Sachsen und Gulich neben Brandenburg und also furane kainer vermaint, uns zu weichen und was irrung wir itzund hetten mit den brandenburgischen, die wir auch mit den gulchischen und darnach mit den andern haben musten und also bis zu der toren hinauß, konten wir solch mittel nit annemen oder von unser gnedigen hern wegen erleiden. Wüsten auch wole, dz solchs, so wir das annemen, uns zu ungnaden raichen wurd, die wir nit verdienen wolten.

    Aber wir hetten ain mittel bedacht und also, das keiserlich rate sich mit den churfursten besprechen, das sie iren seßion behalten und den andern den stenden des Reichs, geistlichen und weltlichen, gesagt wird offentlich, wie irtumb in der seßion zwischen den fursten /602/ und botschaften merglich inviele und sich erhöbe, dadurch ksl. Mt. und des Heiligen Reichs sachen merglich verhinderung und ufhaltung empfing. Were ksl. Mt. rät und churfursten mainung, das zu disem Reichs tag under den fursten und fursten botschaften kain ordenlich seßion oder stand mit fragen und antwort gehalten oder gebraucht werden solt, mit vorbeheltnus, iglichem fursten an seßion, furstand und anderm, wie das herbracht, geubt und herkommen were, unabbruchlich, bis zu gelegen andern Šzeiten darvon entlich mocht gehandelt werden. Und solchs haben wir den ksl. räten furgehalten, das sie angenommen zu bedenken.

    Also haben kaiserliche räte uns bederteils uf heut, dinstag [29.5.], gesagt, das unser keiner in die versamlung zu acht uhren gehe uf das rathaus, wellen sich bedenken und darin weiter handeln und uns antwort wißen laßen. Daruf wir abgeschieden sein.

    [13.] Item, als wir also, wie obsteet, uf montag [28.5.] nach mittag abegangen sein, [sind Vertreter] des hohenmaisters Teutsch Ordens vor den11 stenden des Reichs erschienen und angeben mit bitt, dz ire gn. herr hochmeister12 ain werbung an die stend und anbringens, des ordens anligen gescheft betreffen, anzubringen, seine gnad zeit und stund /602’/ zu verhören zu gestatten und zu benennen. Also ist seinen gnaden ein stund auf heut, dinstag [29.5.], gesatzt, morgen zu acht uhren zu erscheinen und zu verhoren. Als auch die verhore geschehen ist und darnach in schriften [Nr. 297] ubergeben worden churfursten und fursten, auch andern stenden des Reichs, sich darauf antwurt zu geben und zu bedenken.

    Item, als wir auch also abgangen waren und die antwort uf gemelten montag [28.5.] nach mittage, die der außschus begriffen, in unser beder abwesen beschloßen von churfursten und allen andern stenden des Heiligen Reichs einhelliglich.

    Item, uf den dinstag [29.5.] nach mittag zu ainer uhren giengen wir, Johann [von Eltz] und ich [= Philipp Aberlin], wider uf das rathaus. Da was der brandenburgisch canzler oder rat [Theobald von Heimkofen] nit darbei und erschiene nit. Saßen wir baide den tag laut herzog Friderichs von Sachsen vertrags.

    Item und zur selben zeit gehandelt zum ersten, das die werbung des hoemaisters solt in schriften ingelegt werden den kaiserlichen räten, auch ratsweise darin zu brauchen, dieweil ksl. Mt. den hoemaister uf diesen Reichs tag beschaiden hett, als sein gnad, der hoemaister, angeben hett.

    [14.] /603/ Zum andern weren die ksl. räte beschaiden, uf die stund zu ainer uhren zu erscheinen, uf ksl. instruction antwort von stenden des Hailigen Reichs [Nr. 275] zu empfahen.

    Also sind die erschienen und in gegenwertigkeit churfursten und aller stend des Heiligen Reichs ist die vorbeschloßen antwort, wie obsteet, gelesen und ain copi derselben antwort in schriften gegeben worden. Haben sie bedacht genommen, wider erschienen und gesagt, sie hetten sich solcher antwort nit versehen. Nachdem solchs hoch und schwere zu bedenken, begern sie, inen bis uf nehst donnerstag [31.5.] bedacht zu geben und dieweil hie zu Wormbs zu verharren und niemands sich hinweg zu tun. Das wollen sie von wegen ksl. Mt. Šverdienen. Daruf ist von allen stenden antwort geben, die zwen tag zu verharren und zu verleiben13. Und also ufgestanden.

    [15.] Uf donnerstag nach dem heiligen pfingstag [31.5.] ist die versamblung zu ainer uhren nach mittag verbot, uf die antwort, so forder14 tags von den stenden gegeben, ksl. Mt. räte mainung zu heren. Und haben sich dieser nachvolgend mainung horen laßen: /603’/ [Wiedergabe der Anfangspassage von Nr. 276 – Anfenglich … beschwerung.].

    Daruf haben sich churfursten, fursten und andern des Reichs stand bedacht und vor gut ermeßen, nachdem in dem furtragen nichts weiter dann von der hilf anzaigt und sich die antwort uf mehe articul, als cammergericht, munz15 und anders streckt, ob sie von demselbigen weiter zu underreden oder dabei zu laßen gemaint seien, an den räten zu erkunden; als auch geschehen. [Wie Nr. 262, Pkt. 15 – Daruf antwort ... bracht habe.].

    [16.–21.] /603’–605’/ [Wie Nr. 262, Pkt. 16 –21].

    «1.2. Verhandlungsakten des Reichstages und zugehörige Aktenstücke »

    «Nr. 264 Eröffnungsvortrag Ks. Maximilians – Worms, 22. April 1509 »

    [= Kollationsexemplare F-I zu Nr. 266].

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 32–35’ (Kop.) = Nr. 266 (F). Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 91–94 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte teils sinngemäß, teils wörtlich übereinstimmende Abschrift) = G. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 115–118’ (Reinkonz. zu Nr. 266 mit handschriftl. Ergänzungen Ks. Maximilians. Dorsalverm.: Sernt[ein] und Storch. Handlung zu Worms.) = H. Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.) = [I]. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 3–7 (wie G). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 292–295’ (wie G). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 8–10’ (wie G). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 2’–5 (wie G).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 952, S. 751–754.

    «Nr. Š265 Vollmacht Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag – Mindelheim, 7. Mai 15091 »

    Vollmacht Ks. Maximilians für Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Frauenberg zum Haag und andere Räte als seine Stellvertreter auf dem Reichstag.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 60–60’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adresse: Den erwirdigen, hochgebornen, wolgebornen, ersamen, edeln unsern lieben neven, oheymen, andechtigen und des Reichs getreuen churfursten, fursten und andern stenden des Heiligen Reichs, itzt uf dem tag zu Worms versamelt.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 155 (wie A) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 97’–98 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adresse wie A) = C. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 135–135’ (wie A; Datumverm.: Actum Wormbs in meins gnst. herrn von Menz canzley am mitwochen nach vocem jocunditatis [16.5.] anno etc. VIIIIo.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 19–19’ (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 8 (wie A, Kanzleiverm.: D.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop. mit imit. Vermm./Gegenz. und Adresse wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 13–13’ (wie C). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 300–300’ (wie C). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 10 (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte Kop. mit imit. Vermm./Gegenz. und Adresse wie A). München, HStA, KÄA 3136, fol. 392–392’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 15–16 (wie C). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 122–121’ (Abschrift von 15642, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 8–8’ (wie C).

    Druck: Lünig, Reichs-Archiv III (Part. Gener. Cont. II), S. 316.

    Kurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 960, S. 758.

    Maximilian, e[rwählter] von Gotts gnaden romischer keyser, zu allen zyten merer des Reichs etc.

    Erwirdigen, hochgebornen, wolgebornen, edlen, ersamen, lieben neven, oheym, churfursten, fursten, andechtigen und getruwen. Wir haben den hochgebornen Casimir, marggraven zu Brandenburg, zu Stetin, Pommern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggrafen zu Nurnberg und fursten zu Rugen, unsern lieben oheymen und fursten, und die wolgebornen und edeln unsern und des Reichs lieben getreuen Adolfen graven zu Nassau, hern zu Wisebaden, und Sigmonden von Frauenberg, freihern zum Hag, und andere unser Štreffenlich rete zu euch uf unsern furgenomen reichstag zu Wormß verordent und inen bevolhen, in den merklichen obligenden notturften und anliegenden sachen, uns, das Heylig Reich, teutsch nation und die cristenheyt belang[en]t, so etlich uß euch uß dem furtrag [Nr. 264], den wir am jungsten in anfang gemelts tags tun lassen, vernomen haben, auch sie weiter tun werden, von unsern wegen mit euch daß best und nützlichst helfen handeln, ratslagen und besliessen, auch darneben in etlichen besundern hendeln und sachen euch unser meynung anzuzaigen, wie ir horn werdent. Und begern demnach an euch alle sembtlich und sonderlich mit vleiß, daß ir inen allen sampt und besunder irer werbung und furtragen zu yeder zeit, so des not sein und von inen begert wird, gutlich gehort, auch wie uns selbs ganzen glauben geben und der merklichen notturft und unserm besonderen vertrauen nach euch dorin gutwilliglichen und gehorsamlich halten und beweisen. Das wollen wir uns genzlichen vertrosten, mit allen gnaden erkennen und zu gutem nit vergessen. Geben zu Mundelheym am siebenden tag des monats May anno Domini funfzehenhundert und im neunden, unsers Reichs des Romischen im XXIIIItenund des hungerischen im XXIItenjaren.

    «Nr. 266 Erste Instruktion Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag – Mindelheim, 7. Mai 15091 »

    [1.] Nochmaliger Vortrag der erweiterten ksl. Eröffnungsrede: [2.] Friedensvertrag zwischen Ks. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich unter Einbeziehung Karls von Egmond; Vertragsverletzungen durch Egmond; [3.] Bündnisvertrag von Cambrai zwischen dem Papst, Ks. Maximilian, Frankreich und Spanien gegen Venedig; [4.] Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig; [5.] Ankündigung der Abreise Ks. Maximilians nach Tirol, Forderung nach Fortsetzung des Reichstages bis zu einer verbindlichen Beschlussfassung über die Reichshilfe; [6./8.] Ernennung ksl. Reichstagskommissare; [7.] Vorschlag zur Einsetzung eines ksl. Statthalters.

    I. (Instruktion): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 72–75’ (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 155’–158’ (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 87’–91’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 99–105’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 114–114’, 119–119’ (Konz. mit ex.-Verm., bestehend aus Einleitung und Zusätzen A-G], 115–118’ (Abschrift von Nr. 264 als Textgrundlage, mit eigh. Korrekturen Ks. Maximilians; Dorsalverm.: Sernt[ein] und Storch. Handlung zu Worms.)2 = E. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). ŠBamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 136–140’ (Kop.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 20–25 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 8’–12 (Kop.). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 1–6’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 14–20’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 301–307 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 10’–13’ (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte Kop.). München, HStA, KÄA 3136, fol. 393–397’ (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 17’–25 (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt.). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 121–114’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 2–5’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 8’–12’ (wie D).

    II. (Ksl. Eröffnungsvortrag): [Nachweise siehe Nr. 264] = F-I.

    [1.] /72/ aMaximilian, be[rwählter] von Gotts gnaden romischer keyser etc.–b

    Instruction, was die hochgeborne, wolgeborne, edeln, ersamen, gelerten, unser lieber oheym, fursten, andechtigen und des Reichs getruwen Casimir, marggrave zu Brandenburg, zu Stetin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzog und burggrave zu Nurnberg und furst zu Rugen, Adolf, grave zu Nassau, herr zu Wiesebaden, Sigmund von Frauenberg, freiher zum Hage, und andere unser rete auf dem Reichß tag, gen Wormbs verordent, bei churfursten, fursten und stenden deß Reichß, doselbst versamelt, von unsern wegen handeln sollen.

    Anfenglichen inen allen samen- und sunderlich unsern gnedigen willen und alles gut zu sagen.

    Und furter zu erkennen geben: Nachdem wir am XXIIten tag des monats Aprilis nestvergangen in eygner persone zu Worms etlichen curfursten, fursten und stenden des Reichs, sovil der desselben tagß bei unsc erschienen und versamelt gewest, die ursach und bewegung, derhalb wir diesen reichstag furgenomen gehabt, gnediglich anzaigen und furbringen lassen, damit dann die andern stend, dso vormals nit dabei gewest, noch die gehert und–d mittler zeit ankomen weren, derselben auch wissen und underrichtung empfahen möchten, hetten wir inen, unsern reten, bevolhen, der ganzen versamelung die obgerurten ursachen eund unser furnemen–e, wie die vormals furbracht weren, widerumb von neuem furzutragen mitsambt unser declaration und additz, so uns mitlerzeit furgefallen und wir umb besser verstentnus willen dorzu hetten setzen lassen, und nemlich also–a:

    Š[2.] /72’fDie keyserlich Mt. hat churfursten, fursten und andern stenden des Heiligen Reichs auf dem Reichs tag hie zu Wormbß furhalten lassen und anfenklich, daß sie mögen–f die ursachen deß ußschreibens diß Reichs tags durch röm. ksl. Mt. schriften [Nrr. 44, 50] vormals verstanden haben, und under anderem den fried, so sein ksl. Mt. derselben irer Mt. und dem Heiligen Röm. Reich zugut mit dem konig von Frankreich beslossen haben; und nemlich, daß dorinnen der tractat zu Hagenaue3 verneuet ist ausserhalb deß heyratß, der beslossen was zwuschen seiner ksl. Mt. enikln erzherzog Karolen und deß gemelten konigß von Frankenreichs gtochter [Claudia]. Das hat sein keyserlich Mt. den konig von Frankenreich erlassen–g. Und wie dannh sini keyserlich Mt. und der konig von Frankenreich vor besliessung deß friedß merklich volk gegeneinander itzo in Brabant gehabt haben, yeder ungeverlich als vil als der ander, so haben doch des konigs von Frankenreichs kriegslute us sorgen, die sie uf ksl. Mt. getragen haben, nit trucken4 wollen, jden Gellrischen zu hilf zu ziehen; dan ir ksl. Mt. in kurzem eroffnet worden, wie des konigs von Frankenreichs kriegsvolk bei verschienen tagen, alß er inen bevolhen gehebt het, dem herzog von Geldern [zu]zuziehen, solhs nit tun noch anziehen wollen, sunder die fursorg gehabt, daß sie hinterzogen und aufgehebt wurden, wie in vergangner zeit zu sant Huprecht gescheen, da durch VC pauren VIIIC pferd niedergelegt weren–j5, wiewol der konig von Frankenreich inen zu trucken bevolhen hett. kAber sie hetten es in keinen weg wegen [= wagen] wellen. Und alß ksl. Mt. daß ersahe, wolt ir Mt. in die cron Frankenreich gezogen haben und also–k dieselb irl ksl. Mt. mit irem kriegsvolk auch gern /73/ uf die cron zu Frankenreich gedruckt, aber seiner Mt. niederburgundisch lande haben sein ksl. Mt. dafur gebeten.

    ŠUnd under anderm ist in diesem tractat auch daß land von Geldern in einen ansta[n]t gestellt6, darab doch herr Karol von Egmont, der sich nennet herzog von Geldern, ein merklichen verdrieß gehabt hat. Und understet sich teglichen, diesen tractat zu brechen: mNemlich, so hat er von seinem eygen gewalt und macht einen neuen zol aufgericht und von einem iglichen vas weins einen gulden zu zol zu geben ufgelegt, daß wider den aufgerichten tractat ist. Dann derselb vermag, daß in zeit, in demselben tractat bestimbt, kein partei einich neuerung furneme, sunder das meniglich von den partyen daß behalten und in posseß pleiben sol, wie er in anfang dieses neuen kriegs gewest ist. Daruber hat er den gedachten tractat noch zwie- und also den dreumal verbrochen: erstlich mit dem neuen zol, wie itz gemelt ist.7 Zum andern hat er understanden, ein taber [= Befestigung] zu Bernenfelt zu machenn und alle dorfer ime heissen sweren und an sie ein steuer begert8, die doch on mittel gen Arnheym, daß ein heuptstat ein quartirs des lands Geldern und ine ir ksl. Mt., auch erzherzogen Karlen als herzogen zu Geldern gehorsame sei, gehorten. Zum dritten hat er offenbar erclert, daß er den gedachten tractat dem konig von Frankenreich, der ime daß bevolhen und ime dorumb XIIIIM kron gebn und noch XIIM versprochen, angenomen hat; aber sie nit verbunden, solchen tractat so gleich zu halten, wie die Franzosen den gestellt haben, sunder er möcht sein land wol hanthaben und zusammenhalten mit dem swert, wie eß ine geburlich und müglich sei uf /73’/ ein anspruch, so er zu weylant konig Philipsen, unsern lieben sone, und herzogen Karlen, seinen sone, haben solt; nemlich deß, daß im der tractat9 vor Arnheym nit gehalten, daß doch als ganzo offenbare erdicht und ein truglich schand, alß der ganzen welt wissend sei. Dann derselb von Geldern het konig Philippen versprochen, mit ime in Hyspanien zu ziehen, sich aber abgestreuft und in abwesen deß gemelten konig Philipsen den krieg wider Šangefengt. Deshalb sein stathelter, sich gegen ime werend, den krieg wieder annemen mussen, der dan uf diesen tag durch ksl. Mt. volzogen werde–m.10

    [3.] Daneben geb die ksl. Mt. inen gnediglich zu versteen, das unser heiliger vater, der babst, etlich zeit here die ksl. Mt. gar hoch und ernstlich ersucht hat, darneben auch den konig von Frankenreich pund den Kg. von Aragon. Und hab sein heyligkeit–p die ksl. Mt. und itzt bemelte zwen konig in einen verstand gebracht mit ir und untereinander, als cristenlich konig und zuvor sein ksl. Mt. als advocat, vogt und protector der cristenlichen kirchen und beschirmer seiner heyligkeit zu verhelfen, wider die unglaubigen zu ziehen und am durchzug mit den Venedigern zu handeln, daßjenig, daß sie vor langen und kurzen jaren der cristenlichen kirchen gewaltiglich abgedrungen und noch uf diesen tag wider Got, recht und alle pillikait unrechtlich innenhaben, auch seiner heyligkeit uber ir manigfeltig gutlich und hoch ersuchen vorgehalten [= vorenthalten].11 qDann wo sein heiligkeit nit gewest, hett ksl. Mt. den verstand und obanzeigt practica nit angenomen. Aber do sein heyligkeit ir Mt. so hoch ersucht und daß unrecht, so die Venediger ime beweisen, eroffnet, het er ir Mt. bewegt, daß der mit ime in die verstentnus gangen wer, in hoffnung, /74/ daß die ir heiligkeit, auch irer Mt., dem Heiligen Reich und ganzer cristenhait zu guten staten komen werde–q. Nun hab di ksl. Mt. uf solch treffenlich ansuchen der bebstlichen heyligkeit in ir selbß die sach hoch erwegen und betracht und nit anderß finden mogen, dann daß unserß heiligen vaters, des babstß, begerne und ansuchen billich, erber und cristenlich, auch sein ksl. Mt. schuldig sei, uf solch hoch ersuchung seiner heiligkeit mit hilf zu erscheinen, sunderlich, so ander cristenlich konig und fursten deß auch zu ton understunden. Und dorumb sei sein ksl. Mt. mitsambt bemelten zwaienr konigen von Frankenrich und Aragon in ein verstentnuß mit der bebstlichen heyligkeit gewachsen und komen und deshalben zusagung geton. Und sei sein ksl. Mt. itzo uf dem weg, sich szu den hendeln–s ylends zu verfugen und Italien zu nehern und solchem furnemen ußzuwarten, der genzlichen hoffnung, itzo sei ein gelegne, bequemliche und Šgluckliche zeit, dorinnen alles das, daß seiner ksl. Mt. und dem Heiligen Reich durch die Venediger in Italia abgetrungen und bishere vorgehalten worden ist, sofer dise handlung zu einem krieg wuchß und auch sofer das Heilig Reich seiner ksl. Mt. dorinnen verhelfen wolle, liederlich [= mühelos, leicht] und mit kleynem costen zu erobern sein wurde. Solchß hab sein ksl. Mt. hiemit inen alß deß Heiligen Reichs gelidern zu versteen geben und nit verhalten wollen, damit sie ksl. Mt. gelegenheit, auch furnemen und ursachen deshalben bericht sein, der hoffnung, dieweil sie solch zu etlichen malen auch geraten, sie werden ob solchem seiner ksl. Mt. furnemen gut gefallen haben.

    [4.] Dieweil nu daß gleicherweiß sie alß curfursten, fursten und /74’/ stenden deß Heiligen Reichß alß sein Mt. betreff und sein ksl. Mt. solchem furnemen on ir trostlich, auch dapferlich hilf ußzuwarten nit vermoge, sunderlich in ansehen deß sweren uncosten, so sein ksl. Mt. uf etlicht vil krieg gelegt, die sein Mt. allain zu hanthaben des Reichß oberkait gehabt hat, demnach sei seiner ksl. Mt. gnedig, fruntlich und hoch, auch vleissig bitt und begeren an sie, daß sie die notturft diß handls und furnemens bedenken und erwegen und seiner ksl. Mt. hierin mit hilf zu erscheinen und sein ksl. Mt. keinßwegß verlassen und seiner ksl. Mt. zu solchem furnemen ir hilf mit leuten zu roß und fuß uf das sterkstu ton, und daß die hilf ufs allerfurderlichst berait sei und anziehen mugen neben seiner ksl. Mt. volk, daß sein ksl. Mt. us derselben erblanden und sunst understeen wurd ufzubringen; und dorzu auch ein anzal pulver und salpeter, dann sein Mt. sunst mit geschutz wol versehen sei.

    Dieweil sein ksl. Mt. von stund an mit irem volk in daß felt zu ziehen sich versehe, daß dan keyner uf den andern wart, damit seiner ksl. Mt. erbland sehen, daß sie hilf von dem Heiligen Reich haben und dester lieber bei seiner ksl. Mt. im veld pleiben.

    Daß auch die rustung undv anzal deß volks, wie obsteet, gewißw und vollig dannenx gericht werde, damit dorin kein nachteyly sei.

    zUnd nemlich, daß die hilf uf ein ganz jare gestellt und ksl. Mt. gute leut zu roß und fuß geschickt, damit ir ksl. Mt. wol gedienet wird, und sonderlich durch die zu fuß–z.

    /75/ Und daß seiner ksl. Mt. ein lieb darzu geschee und sie deshalben einen heuptman kiesen, der heubtman uber daß berürt volk zu roß und fus sei, alleß Šzu nutz und wolfart der ksl. Mt. und deß Heiligen Reichß aaund gemeyner teutschen nation–aa, auch hierinnen angesehen die groß notturft.

    [5.] Und dieweil sein ksl. Mt. keinßwegß diser zeit alhie lenger verharren noch pleiben mögen, sunder verrucken und hinwegziehen muß abauß berurten ursachen und sunderlich, daß ir ksl. Mt. glauplich warnung zugestanden, wie die Venediger an den grenezen irer Mt. erblichen furstentumben und landen ein merklich volk zu roß und fuß ligen und fürhaben solten, dieselben zu uberfallen, anzugreifen und zu beschedigen, daruß irer Mt., auch iren landen und leuten unuberwintlicher schade entsteen, wo dem nit begegnet wurde. Und dieweil ir Mt. merklich notturft erfordert, dorin dapfer fursehen und gegenwer zu ton–ab, so begert sein ksl. Mt. an sie alle samptlich und sunderlich, daß sie also beiainander pleiben und keyner von dem andern verrucken welle, biß die andern curfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs auch komen sein, daß ir gnug sein zu dem besliessen, und biß sie also obgerurt hilf irer Mt. zu tun einhelliglich beslossen und volliglich, auch gewisslichen zu bescheen dannen gericht haben.

    [6.] Auf daß, soac wolle sein ksl. Mt. deshalben ir treffenlich rete bei inen lassen, die an seiner ksl. Mt. stat alda pleiben, uf diß begeren antwort von inen empfahen und furter seiner ksl. Mt. daß verkunden, auch daneben in allen andern deß Heiligenad Reichs sachen seiner ksl. Mt. meynung ferrer anzaigen und dorin der notturft nach /75’/ zu handeln verhelfen sollen.

    [7.] Ferner, so woll sein ksl. Mt. inen nit verhalten, sunderae anzaigen, daß sein ksl. Mt. uß beweglichen, treffenlichen ursachen des willenß und furnemens sei, nach dieser heerfart kurzlich sich in eygner persone uß dem Heiligen Reich zu tun und ein zeitlang darußaf pleiben agmuß, alß sein Mt. solchß versprochen ist–ag. Deshalben deß Heiligen Reichß notturft erfordert, sieah mit einem seiner ksl. Mt. stathalter zu versehen, der anstat seiner ksl. Mt. solch zeit auß deß Heiligen Reichs sachen verwalt. Uf daß sei seiner ksl. Mt. gnedig begern an sie, daß sie heruf bedacht sein und auch seiner ksl. Mt. hierin irn rate anzaigen, were zu solchem stathalter tuglich und geschickt sei. Dann sein ksl. Mt. sei genaigt, irem rate hierin zu volgen.

    Š[8.] aiUnd nemlich, so hab ir Mt. marggraven Casimirn, grave Adolfen von Nassau und Sigmonden von Frauenberg, auch andere irer Mt. rete zu solchem tag verordent, die furter nach inhalt einer sundern instruction [Nr. 267], inen deshalben gegeben, weiter handeln sollen–ai. ajActum zu Wormbs am sontag misericordia Domini, am XXIIten tag Aprilis zu der vierden stund nach mittemtag anno Domini etc. nono–aj.

    akSolchß sollen di gedachten unser rete furderlich und mit den besten fugen handeln. Daran tund sie unser ernstliche meynung. Geben zu Mundelnheym am siebenden tag Maii anno etc. im neunden, unserß Reichß des Remischen im XXIIIIten jaren–ak.

    «Nr. 267 Zweite Instruktion Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag – Mindelheim, 8. Mai 15091 »

    [1.] Vorgesehene ksl. Reichstagskommissare; [2.] Grußformel; [3.] Vortrag der ersten ksl. Instruktion an die Reichsstände; [4.] unverzügliche Leistung der zu bewilligenden Reichshilfe, Stellung ständischer Befehlshaber und Offiziere; [5.] Aufforderung an abwesende Stände zur Teilnahme am Reichstag; [6.] Mitteilung an die Reichsstädte über den Sold der Reiter; [7.] Mahnung zu einer Beschlussfassung der Stände über Trosspferde; [8.] Dauer der Reichshilfe; [9.] Vorschlag zur Erhebung eines Gemeinen Pfennigs; [10.] Beratungen über Reformmaßnahmen beim Reichskammergericht und beim Landfrieden; [11.] Beratungen über das Münzwesen; [12.] Verhandlungen mit einzelnen Reichsfürsten über die Bereitstellung von Reiterkontingenten; Aufforderung an Kff. und Ff. zur unverzüglichen Bereitstellung der Hilfe und zur Entsendung von Reiterkontingenten anstelle von Fußtruppen; Entsendung von Fußtruppen durch die mindermächtigen Stände; persönliche Teilnahme Ebf. Jakobs von Trier und Ebf. Philipps von Köln am Krieg gegen Venedig; [13.] Behandlung von Angelegenheiten einzelner Stände durch die ksl. Reichstagskommissare, im Einzelnen: [14.] Konflikt zwischen Lgf. Wilhelm von Hessen und Gf. Eberhard von Eppstein-Königstein, [15.] Konflikt zwischen Ebf. Uriel von Mainz und Lgf. Wilhelm von Hessen, [16.] Konflikte der Stadt Worms mit den Kämmerern von Dalberg, Bf. Reinhard von Worms und dem Wormser Stiftsklerus, [17.] Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai, Klage Hermann Rincks gegen die Stadt Aachen, Streit zwischen Aachener Bürgern und ihrem Magistrat um ein Weinausschankprivileg, Anspruch der Erben des Asmus Schenk von Erbach auf Bickenbach, ŠVerstöße gegen das Kölner Stapelprivileg; [18./19] Aufforderung an die Bff. von Münster und Osnabrück zur Zahlung der Konstanzer Romzughilfe; [20.] Auszahlung der im Reich eingesammelten Jubelablassgelder an Ks. Maximilian; [21.] Einsetzung eines Reichskommissars zur Unterstützung des ksl. Kammerprokuratorfiskals; [22.] Erlaubnis Ks. Maximilians für Hg. Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zur Erledigung eigener Angelegenheiten; [23.] Bevollmächtigung Gf. Adolfs von Nassau für das Verfahren gegen Johann von Kriechingen; [24.] Protest bezüglich der vom Haus Österreich eximierten Reichsstände; [25.] Verbot von Nachlässen an der künftigen Reichshilfe zugunsten einzelner Stände; [26.] Zollfreiheit für eine Weinlieferung Hg. Johanns von Kleve; [27.] Schlussfloskel, Datum.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 93–98’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Abschrift des Exemplars für die ksl. Kommissare; imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 172 (Kop., nur Pkt. 12) = B. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., nur Pkt. 26) = C.

    [1.]2 /93/ Maximilian, e[rwählter] von Gots gnaden romischer keiser, zu allen zeiten merer des Reichs etc. Instruction, was die hochgebornen, wolgebornen, edeln, ersamen, gelerten, unser lieb oheim, fursten, andechtigen und des Reichs getreuen Casimir, marggraf zu Brandenburg, zu Stettin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzog, burggrave zu Nuremberg und furst zu Rugen, Adolf, graf zu Nassau, herr zu Wißpaden, Sigmund von Fraunberg, freyherr zum Hag, Sigmund von Rorbach, unser und des Reichs haubtman zu Regenspurg, Ludwig Fergenhans, brobst zu Stutgarten, Erasmen Topler, brobst zu sant Sebolt zu Nuremberg, bede lerer der rechten, Hans Caspar von Laubenberg, unser obrister veldhaubtman unser graveschaft Tyrol, Degen Fuchs von Fuchsperg, unser haubtman zu Kuefstein, alle samentlich oder etlich aus inen bey churfursten, fursten und den stenden des Heiligen Reichs, so auf dem Reichs tage zu Worms versamelt sein, auch sunst in andern sonderlichen hendeln, sachen und gescheften, inen von uns bevolhen, daselbst von unsern wegen handeln, furnemen und außrichten sollen.

    [2.–8.] /93–94/ [Nr. 268 (C), Pkt. 1–5, 8].

    [9.] Und ob die versamblung und stende des Reichs, yetzo zu Wormbs versamblet, an die bemelten unser rete und commissarien rats oder underrichtung ires gutbedunkens begern wurden, wie und welchermassen die itzig hilf statlich anzusetzen sey, damit dieselb fruchtbarlich und furderlichen beschehe, sollen sy anzeigen, wie sy der fuglichist und verfenglichist weg bedeucht, das ein gemeiner pfennig durch das ganz Reich vier jar lang aufgesetzt und etliche rete vom Reiche darzu verordent, die denselben einnemen, darumb quittirten und furter zu unserer und des Reichs notdurft und der kriegsvolk allwege mit unserm wissen damit handelten und zu yeder zeit, so es not ist, volk bestellen. Dann Šwir und die verordenten haubtleut vil pesser und geschickter fueßvolk umb mynder besoldung allwegen bestellen mugen. Wie dann verschiener zyt auf dem grossen Reichs tage zu Wormbs davon auch gehandelt, etliche verschreibung und vertrege deßhalb aufgericht, aber nit volzogen.3 Dieselben mochten wider fur hand genommen und nach der gemelten stende, auch unserer rete und commissarien rat, gutbedunken und verbesserung gemert und geendert werden.

    /94’/ Wo aber solher gemeiner pfennig bey den stenden kain ansehen oder volg haben wolt, das alsdann ein tapfere, außtregeliche, bestendige und langwirig hilf, wie dann vor etlichen jaren im Heiligen Reich auch gewest ist, durch sy angelegt und mit allen sachen dermassen angeschickt und fursehen, damit der uberig unnutz cost, so mit besuechung und haltung der Reichs tege und in ander wege aufgewandt, vermiten und die gemelt hilf dest statlicher beschehen wurde.

    [10.–11.] [Nr. 268 (C), Pkt. 9f.].

    [12.] Auch sollen die gemelten unser rete und commissarien mit unserm neven, churfursten und fursten, den erzbischoven und bischoven zu Menz4, Collen, Trier /95/ und Wurzburg ir yeglichem in sonderheyt mit furderlichem fleis handeln und von unsern wegen an sy ernstlichen begeren, das ir yeder uns zu unserm eylenden zug und furnemen, des wir yetzo in ubung sein, funfzig wolgewappente, wolgeruste [pferde] vier monat lang ungeverlich zu dienst schicken und verfuegen, das sich dieselben von stund rusten und berait machen. So wöllen wir ir yeglichen auf ein pferd, solang wir die in unserm dienst haben und brauchen werden, fur lieferung, sold und schaden einen monat zehen gulden reinisch geben, darfur sich unser regiment zu Ynsprugg nach notdurft verschreiben, auch ir yedem deßhalb sein bestellung- und obligationbrief zu hauß uberantworten lassen. Und sollen sy alsdann die funfzig pferde mit irer rustung von stund und on alles verziehen den nehsten gein Ynsprugg schicken, daselbst sy weitern bescheit, wo sy furter hinziehen, finden werden. Und sol ir yeglichs sold auf den tag, als sy von hauß ausryten, ane- und auf den tag, als sy wider darein komen, außgeen. Und sy, so sy also angezogen, schuldig sein, einen tag vier meil wegs zu ziehen und am vierten tag stillzuligen und zu rasten.5

    Deßgleichen sollen sy mit dem bischove von Bamberg auf funfundzweinzig pferd handeln.6

    ŠUnd dem von Menz sagen, daz er seinen marschalk Frowyn von Hutten fur einen haubtman uber die funfzig pfert verorden und mitschick.

    Und der bischove von Wurzburg Hansen Zöller fur einen haubtman der funfzig pfert verorden.

    Und den geschickten botschaften des rats zu Frankfurt zu sagen, Martin von Heusenstein fur iren haubtman zu verordenen.

    /95–95’/ [Nr. 268 (C), Pkt. 6f.].

    Und das die bede erzbischove Collen und Trier mit irer aufgelegten anzal in aigener person mitziehen, doch das der von Collen nit under hundert gewappenten mit ime breng, darunder sein aufgelegt anzal begriffen sein sol.7

    [13.] Item, die gemelten unser rete und commissarien söllen an unser stat in unserm namen und von unsern wegen all und yeglich sachen, hendel und partyen, der verhorung und handlung wir vormals auf den jtzigen Reichs tag zu Wormbs geschoben und beschieden haben oder die wir nachmals, solang derselb tag weren und sy daselbst sein, an sy weisen oder inen selbs in supplication oder anderer gestalt mittler zeit uberantwort werden, nach aller notdurft verhören und dieselben gutlichen oder sonst nach billichait vertragen und abfertigen, auch deßhalben, ob not sein oder von den parteien begert wurde, notdurftig brief in und under unserm namen und titel geben und ausgeen lassen.

    Und ob inen aine oder mer sachen furfallen, die inen allein zu handeln beswerlich sein wurd, sollen sy etlicher churfursten und fursten rete zu ine erfordern und nach derselben, auch ir selbst rat und gutbedunken darin handeln, besliessen und entschaiden und on merklich ursach oder bewegung kain sachen an uns remittiren oder schieben, damit uberiger cost mit botenlone und in ander wege verhebt werde und wir unserm furnemen dest baß außwarten /96/ mögen. Und ob sy aine oder mer sachen gutlich oder sonst nit verrichten möchten, söllen sy doch allen muglichen flys ankeren, sy durch compromiss, anlas oder in ander wege zu entlichem außtrag zu verfassen, damit die parteien uberigs costens vertragen und irer sachen dest furderlichen außtrag erraichen mögen.

    Des alles wir inen allen samentlich und sonderlich nach aller notdurft und in der allerbesten form hiemit wissentlich unser volkumen gewalt und macht geben.

    [14.] Und nachdem sich zwischen dem hochgebornen Wilhelmen, landgraven zu Hessen, grafen zu Katzenelnbogen, unserm lieben oheim, fursten und rate, an ainem und dem edeln unserm und des Reichs lieben getreuen Eberharden, grafen zu Kunigstein, andersteils etliche irrung halten, sollen die gedachten unser rete und commissarien in unserm namen bede teil auf einen Šbestimpten tag gein Wormbs erfordern und mitsampt den stenden des Reichs oder iren darzu verordenten reten sy beiderseyts umb alle irrung und zuspruch, so ain partey gegen der andern zu clagen oder zu haben vermaint, verhören und mit irem wissen gutlichen oder, wo die gutlichait kain stat haben wölt, auf bewilligung beder parteyen mit verzeihung der appellation und supplication durch iren entlichen spruch entschaiden. Und wo erfunden wurde, das einicher teil den andern unerlangts rechten des, so er in posseß gewest, entsetzt hett, das derselb zuvor widerumb eingesetzt. Und was fürter im handel erkannt oder gesprochen, das solichs onverzogenlich durch die stende des Reichs, oder wie sy gut und not bedunkt, exequirt werde.

    [15.] Deßgleichen sollen sy die irrung, zwischen unserm neven und churfursten, dem erzbischoven von Meinz, und dem gnanten landgraven Wilhelmen swebend, verhören und darauf inhalt unser keiserlichen schrift [Nr. 94], deshalb am jungsten außgangen, handeln.

    [16.] /96’/ Deßgleichen die irrung der haubtsachen zwischen der stat Wormbs und den von Talberg8 zu verhoren und fleis anzukeren, sy derselben gutlich zu vertragen. Wo aber das nit volge oder stat haben wolt, alsdann die sachen und parteyen zu entlichem außtrag fur unser keyserlich cammergericht zu weisen.

    Auch der sachen halben, darumb der bischof zu Wormbs die stat Wormbs an unser keiserlich cammergericht wider unser außgangen mandat geladen9 und Šwir inen geboten haben, daselbst nit zu erscheinen, ir underrichtung aigentlich zu vernemen und mit den stenden des Reichs davon ernstlichen zu handeln, damit solich rechtlich furnemen ganz ab oder ein zeitlang, byß wir selbst darin handeln mugen, in rue gestellt werde.

    Und in der sachen, die briesterschaft und stat Worms antreffent, den von Trier und herzog Fridrichen von Sachsen von unsern wegen anzusuchen, furderlich darin zu handeln, damit solich sachen vor irem abschied aus Worms geendt und weiter unrat und schaden vermitten werde.

    [17.] [Nr. 268 (C), Pkt. 11].

    Item die irrung zwischen unserm rate und diener Herman Rinck zu Collen und der stat Ach10 zu verhoren.

    Item die burger zu Ach, so auf kayserliche declaration und fryheit den weinschank daselbst vermeinen zu haben, gegen der stat Ach zu verhören.

    Item die irrung zwischen wylend Schenken Asmus von Erpach kinder gegen dem landgraven [Wilhelm von Hessen], Bickenbach antreffend11, und sonst viel ander hendel und supplication, davon Johann Storch anzaigen tun wurde.

    Item sollen sy auf ansuchen der stat Collen oder irer geschickten rete bey churfursten, fursten und stenden des Reichs /97/ von unsern wegen ernstlichen handeln, damit inen der stapel halber, so wir inen bestet[igt] haben12, kain irrung beschehe und deshalb entlicher beschaid erlangt werde.

    Š[18.] Auch sollen sy mit der bischove von Munster und Osnabruck geschickten verfuegen, iren hern ernstlichen zu schreiben, iren aufgelegten anschlag des Reichs tag zu Costenz auf unser kaiserlich schreiben13, inen jungst zugeschickt, Daniel Rauhen, dechant zu sant Andre zu Collen, furderlichen außzurichten, damit etliche gelt, so wir zu abfertigung unsers kriegsvolks aufbracht und bezalung desselben auf vermelten anschlag verweist haben, unverzogenlich bezalt und der merklich schad und uncost, so tegelichen darauf geet, verhuet werde.14

    [19.] Und ob sy soliche bezalung nit tun wurden, sollen unser rete und commissarien unserm kaiserlichen procurator fiscal bevelhen, am unserm cammergericht wider sy umb die berurten anschleg, auch den costen, seytheer darauf ergangen, rechtlich zu procediren.

    [20.–21.] /97–97’/ [Nr. 268 (C), Pkt. 12f.].

    [22.] Item sollen sy herzog Heinrichen von Braunswig anzaigen, diewyle er mit viel und manigfeltigen seiner aigen gescheften, als er uns zu erkennen geben, dieser zeit beladen, das wir ine dieser zeit ferrers bevelhs erlassen und derselben seiner sachen, auch des Reichs tags zu Worms außwarten lassen, ine auch glychwole in gnedigem bevelh haben wolten.

    [23.] Und nachdem wir aus treffenlichen, beweglichen ursachen Johann von Kriechingen auf clage unsers fiscals, in der ladung bestimpt, umb sein grosse und schwere verhandlung fur uns zu recht gefordert, haben wir unser merklichen obligenden gescheft halben, dardurch wir solicher sachen in aigener person auszuwarten dißmals verhindert sein, dich, grave Adolf von Nassau, an unser als romischen kaisers und dann als herzogen zu Burgundi stat in beden itztgemelten fellen zu unßerm richter verordent, geben dir auch des hiemit wissentlich unsern volkumen gewalt und macht in der allerpesten form, also das du als derselben sachen unser verordenter richter mitsampt andern unsern reten, so by dir auf dem Reichs tage zu Worms sein, auch den /98/ bysitzern unsers keiserlichen cammergerichts sölhe sachen nach aller notdurft verhören und alles das, so sich nach rechtlicher ordnung geburen und die notdurft erfordern wurde, handeln, furnemen, gebieten und verbieten sölt und magst zu gleicher weis und in aller massen, als ob wir selbst zugegen und der sachen richter weren, mit sonderlicher protestation, ob du weiters oder merers gewalts bedorfend werest, das wir dir den yetzo als dann und dann als yetzo hiemit auch volkumenlich gegeben haben wellen.

    Wellen auch den ersamen unsern und des Reichs lieben, getreuen Cristoffen Mülhern, lerer der rechten, den wir in sonderheyt laut unserer ausgangen citation zu unserm fiscal derselben sachen verordent und gesetzt haben, von unsern wegen ernstlichen bevelhen, solichen handel mit dem hochsten und Špesten fleiss rechtlich furzutragen und zu handeln, damit unsernhalb nichts gesaumbt oder verwarlost werde.15

    [24.] Als auch auf etlichen vor gehalten reichstegen die bischof, prelaten, graven und herren, under unser haus Österreich on mittel gehorig, durch die stende des Heiligen Reichs in den anslegen auch angelegt und zu verfolgung derselben ansleg an unserm kaiserlichen cammergericht mit recht furgenommen sein, sollen die gemelten unser rete nit eher, dann wann die hilf auf jtzigem Reichs tage zu Worms bewilligt und zugesagt ist, den stenden, daselbst versamblet, von unsern wegen furbringen, wie solhs wider unsers haus Österreichs loblich freyheit und alt herkumen, auch uns ganz unleidlich sey, und darauf ernstlichen begeren, solichs abzustellen und dieselben die unsern weiter nit anzulegen, zu besweren und des vergangen on alle entgeltnuß zu entledigen.

    [25.] /98–98’/ [Nr. 268 (C), Pkt. 14].

    [26.] Und nachdem ytzo unser oheym [Hg. Johann] von Cleve swere last mit dem krieg furt wider die Geldrischen, die dann dem Heiligen Reich abfellig sein und demselben Reich sein regalia entziehen wöllen und tegelichs entziehen mit krieg, vehd und cristlich pluts tegelichs sturzen, nemlich auch, das derselb herzog von Cleve allein des Heiligen Romischen Reichs vorfechter ist und die sachen auch zum tail das haus Österreich und Burgundi berurt, demnach so hat ksl. Mt. ime vergonnt, hundert fueder weins im Elsaß zu kaufen, sein sloß, stet und flecken, die er in bemeltem krieg ganz entplöst hab, damit wider zu speisen. Und beger ir ksl. Mt. darauf an churfursten und fursten, so zöll auf dem Rein haben, mit besonderm fleiss, das sy ime solich hundert fuder weins an iren zollen zollfrey furgeen lassen und daran kein verhinderung tun und auch ir Mt. deßhalb notdurftig brief an ir zöller und ambtleut zu schicken. Des welle sich ir ksl. Mt. zu ine genzlichen versehen und gnediglich erkennen.

    [27.] [Nr. 268 (C), Pkt. 15].

    «Nr. Š268 Zweite Instruktion Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag (den Reichsständen vorgelegte Fassung, Auszüge aus Nr. 267) – Mindelheim, 8. Mai 15091 »

    [1.] Vortrag der ersten ksl. Instruktion an die Reichsstände; [2.] unverzügliche Leistung der zu bewilligenden Reichshilfe, Stellung ständischer Befehlshaber und Offiziere; [3.] Aufforderung an abwesende Stände zur Teilnahme am Reichstag; [4.] Mitteilung an die Reichsstädte über den Sold der Reiter; [5.] Bereitstellung von Trosspferden für die Kürassiere; [6.] Aufforderung an Kff. und Ff. zur unverzüglichen Bereitstellung der Hilfe und zur Entsendung von Reiterkontingenten anstelle von Fußtruppen; [7.] Entsendung von Fußtruppen durch die mindermächtigen Stände; [8.] Dauer der Reichshilfe; [9.] Beratungen über Reformmaßnahmen beim Reichskammergericht und beim Landfrieden; [10.] Beratungen über das Münzwesen; [11.] Beratung über eine Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai; [12.] Auszahlung der im Reich eingesammelten Jubelablassgelder an Ks. Maximilian; [13.] Einsetzung eines Reichskommissars zur Unterstützung des ksl. Kammerprokuratorfiskals; [14.] Verbot von Nachlässen an der künftigen Reichshilfe zugunsten einzelner Stände; [15.] Schlussfloskel, Datum.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 76–78’ (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 158’–160’ (Kop., Überschr.: Hernach volgt ein ander keyserlich instruction etc.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 93–98’ [= Nr. 267] = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 106–110’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (Kop.). Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 141–144’ (Kop.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 27–30’ (Kop., durch Archivarsverm. irrtümlich auf den 18.5. datiert). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 14–16 (Kop.). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 6’–10 (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 21–25’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 307’–311 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 13’–15, 16–16’ (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte Kop.). München, HStA, KÄA 3136, fol. 398–401 (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 25’–30’ (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (Kop.). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 114–109 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 6–7’ (Kop., irrtümlich datiert auf den 18.5.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 13–15 (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 962, S. 758–761.

    Š[1.] /76/ Anfenglich inen allen unsern gnedigen willen, gnade und alles gut zu sagen.

    Furter sollen sie die ursachen und bewegung, derhalben wir diesen Reichß tag furgenomen, wie wir dann das etlichen churfursten, furstena und stenden des Reichß, so uf den XXIItentag Aprilis nest vergangen bei uns zu Wormß gewest, desselben tagß anzaigen und furbringen lassen, von wegen der andern stende, so vormals dabei nit gewest noch die gehort haben, widerumb erneuen und furtragen, inhalt einer besondern instruction [Nr. 266], solchen unsern furtrag von wort zu wort inhaltend, mitsambt unserer ksl. declaration und addition, unß mitlerzeit furgefallen und mit der verzaichnus etzlicher buchstaben dabei gesetzt.

    [2.] Sie sollen auch uf unser gescheenb begeren bei den stenden der hilf halb umb furderlich, fruchtbarlich antwort mit gutem vleiß anhalten. Und so solich hilf, alß wir unß versehen, zugesagt und verwilligt wurd, das dann ein jeder vonc den stenden des Reichs darob sei und ernstlichen verfuge, damit sein volk unverzogenlich anzihe und zu unß in unsern feltleger, oder wo wir alsdann sein werden, komen und keyner uf den andern weyger. Daß auch von den stenden zwen oberst heuptlut, eyner uber die reysigen und der ander uber das fußvolk verordent. Daß auch darzu die fursten einen, die von den prelaten einen, die von den graven und freiherrn einen und die von den steten einen heuptman haben und bestellen, die alle den vorgemelten zwaien obersten heubtluten gewertig sein sollen, damit durch die menig der heubtlut vil unformlicher und ungeschickte handlung verhutet werde.

    [3.] /76’/ Und ob etzliche fursten oder stended nit erschienen weren, so sollen unser rete und die stende dieselben ernstlichen beschreiben, furderlichen zu komen oder auß ehaften verhinderung ire treffenlich, volmechtige potschaften mit gnugsamlichem gewalt zu schicken, on wider hindersichpringen zu handeln und entlichen zu besliessen. Und daß nichtdestmynder die andern, so gegenwertig sein, mitlerzeit handeln und zu der sachen greifen, damit die zeit nit vergebenlich verleuf.

    [4.] Auch sollen sie den geschickten potschaften von den steten anzaigen, wie unß glaublich angelangt, daß sie die reysigen, so sie zu solchem anslag bestellen und vermeynen zu gebrauchen, den monat uf ein pferd XII gulden und etlichen mer geben sollen2, daß unß an unserm furnemen einen bosen eingang und merklich beswerung pringt. Und darumb von unsern wegen inen ernstlichen zu sagen, daß sie derselben reysigen keinem mer dan X gulden reinisch fur kost und schaden fur seinen solt bestymmen und geben. Wo sie aber die fur solch Šgelt nicht bekomen mochten, daß sie unß daß furderlichen anzaigen. Wollen wir inen, sovil sie der reysigen notturftig sein, umb X gulden vorberurter massen bestellen und unter ir heubtlut verordnen, damit sie wissen, daß sie ire anzal alzeit haben.

    [5.] Item sollen sie den stenden anzaigen und zu erkennen geben, nachdem in den anslegen, uf vorigene reichstegen gemacht, als sie wissen, nymant kein troßpferd zugegeben oder angesetzt, so wer solchß nach unserm bedenken nit wenig ursach gewest, /77/ daß kain oder gar wenig kurisser geschickt worden. Darumb were unser begere, solchs itzo zu bedenken und zu verkumen und zu diesem anslag ordnung furzunemen, damit etliche kurisser verordent werden und ire rustung und notturft mit inen bringen mögen.

    [6.] fUnd den gemelten curfursten und fursten daneben in sonderhait anzaigen, so uf itzigem tag zu Wormbß durch sie und andere stende, daselbs versamelt, des Reichs hilf, alß wir uns ungezwivelt verhoffen, zugesagt, daß ir iglicher die anzale, so ime ufgelegt werde, furderlich und wolgerust schicken und daß ir keiner uf den andern verziehen noch weygern wolle, daß sie auch kein fußvolk, sunder dafur reysige schicken, nemlich fur funf fußknecht zwene reysigen.

    [7.] Desgleichen sollen sie an allen curfursten und fursten begeren, daß sie fur ir ufgelegte anzal des fußvolks itzberurter massen reysig schicken. Aber die von prelaten, graven und steten sollen ir ufgelegte anzal deß fußvolks schicken, und nemlich tüglich und geschickte ingesessen burger–f.

    [8.] Item, daß deß Reichs hilf, so itzo angesetzt oder bewilligt, uf ein jare gestellt werde.

    [9.] Auch sollen die gedachten unser rete mit den stenden deß Reichs von den mengeln und gebrechen, auch umb besser underhaltung unserß ksl. camergerichts handeln und reformation ton, damit daß nit mit jungen, ungeübten personen, wie die vergangen zeit bescheen, sunder dapfern, wolgelerten, erfaren beisitzern besetzt, auch die /77’/ unformlich, ungeschickt handlung, so am selben camergericht und seiner canzlei, alß unß oftmals glauplich angelangt, bishere geübt sein, gewendet und daß gemelt camergericht in ein loblich, ufrichtig wesen pracht und statlich gehalten, auch die execution uf gehabte urtel furderlichen volzogen werden. Desgleichen von wegen fridens im Reich und bestendiger, dapferer hanthabung desselben mit inen zu handeln.

    [10.] Und alß uf vergangen Reichß tegen der munz halben vil gehandelt, aber nichts entlichs beslossen oder volzogen ist3, daß durch die stende des Reichs itzo Šdeshalb weiter gehandelt und ein entlicher beslus gemacht werde, damit sich die fursten, stet und ander oberkait darnach wissen zu halten.

    [11.] Item uf des bischofs von Camerach ubergeben supplication [Nr. 318] der stende meynung und willen zu vernemen.

    [12.] Wiewol unser heiliger vater, der babst, unß verschiener zeit bewilligt, zugelassen und bevolhen hat, daß wir daß jubelgelt, so deß nestvergangen jubeljarß im Heiligen Reich gefallen und noch nit erhebt oder empfangen ist, erfordern, einnemen und zu unsern handen und gewalt pringen solten, unß auch deß nachvolgend an allermeniglich irer heiligkeit bullen und brief zugesandt4, wie dan gemeyne versamlung deß Heiligen Reichs uf jungst gehaltem reichstag zu Costnitz unß auch bewilligt5, so haben doch etliche stende des Reichs von fürsten, prelaten, steten und andern unß uf unser begeren und ansynnen daß jubelgelt, so noch bei inen ligt, bishere verhalten und nit volgen lassen wollen. /78/ Darumb sollen die gemelten unser rete solchß den stenden deß Reichß, so itzo zu Wormbs sein, anzaigen und ernstlichen begeren, unß uf ir vorgescheen bewilligung notturftig gemeyne offen mandatbrif und gescheft ang alle diejenen, so vorberürt jubeltgelt noch hinder ine ligen haben, in der besten form zu geben und ernstlichen zu bevelhen und zu verschaffen, unß oder den unsern, die deshalben bevelhe haben werden, solche jubelgelt on weiter weygern, verzug und seumnus zu uberantworten, sich auch daran die ordnung, durch wylant den cardinal zu Gurk und des Reichs rat zu Nurnberg gemacht6, noch einich ander tractat, verschreibunge oder gescheft nicht verhindern oder irren zu lassen, damit wir solchß zu unsern furnemen, deß wir itzo in ubung sein, prauchen mogen.

    [13.] Item will unß gut und not bedunken, daß ein solicitator durch daß ganz Reich verordent, der im Heiligen Reich zu unser und des Reichs notturft Šhin und wider zihe, sich aller mißhandlung, exceß und strafparerhuberfarung eygentlich erkündt und dieselben unserm camerprocuratorfiscal anzaig, damit er furter, wie sich nach rechtlicher ordnung gebüren wurd, darin handeln moge.

    [14.] Und alß in dem abschied, uf dem jungstgehalten reichstag zu Costenz gemacht, ein sonder artikel gesetzt, daß nymants sich desselben zu entledigen ichts erlangen oder suchen sol etc.7, daß aber nit gehalten oder volzogen worden ist, sollen unsere rete an die stend mit ernstem vleiß begeren, daß sie den gemelten artikel fur sich nemen, den ermessen und mit dem besten vleiß und hochster verbindung darob sein und verfügen wollen, damit dergleichen practica, /78’/ so durch vil ungestyme und behende anlangen gemeltß anslags halben zu Costenz bei unß geubt ist, vermitten und der itzig anslag strackß und on alle geverde volzogen werde.

    [15.] Wie dann die gedachten unser rete alle obgemelte artikel und geschefte unser gelegenhait und notturft nach, auch unß und dem Heiligen Reich zu ere, nutz und wolfart wol wissend mit besserni, geschicklichen worten und fügen anzubringen. Daran tun sie unser ernstliche meynung. Geben zu Mundelnheym am achtenden tag des monats May Ao. Domini etc. im neunden, unserß Reichß, deß Romischen im XXIIIIten jare.

    «Nr.  Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai an Ks. Maximilian – [vor dem 8. Mai 1509, Vorlage in der Mainzer Kanzlei am 16. Mai] [= Nr. 318] »

    «Nr. 269 Instruktion Ks. Maximilians für Ernst von Welden als Gesandten zu den in Worms versammelten Reichsständen – Kaufbeuren, 19. Mai 15091 »

    [1.] Verfügung Papst Julius’ II. zur Aushändigung der Jubelablassgelder an die Fugger; [2.] Aufforderung an die Reichsversammlung zur Ausfertigung entsprechender Mandate an die Reichsstände.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 90–92 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 170–171 (wie A) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 130’–133’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = C. Bamberg, StA, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 161–162’ (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. Š50’–52 (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 45–48 (wie C). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 330–332’ (wie C). München, HStA, KÄA 3136, fol. 419–420’ (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 40–41 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 48’–51 (wie C). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 90–87 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 19–20’ (wie A; Datumverm.: Actum eritags nach trinitatis [5.6.]). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 26–27’ (wie C).

    Kurzregest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 965, S. 762.

    [1.] /90/ aMaximilian, röm. Ks. etc.–a

    Instruction, was unser getreuer, lieber Ernst von Welden, unser rat und pfleger zum Seyfritzperg, bey den erwirdigen, hochgebornen, wolgebornen, ersamen, edln, unsern lieben neven, oheim, andechtigen und des Reichs getreuen Kff., fursten und andern stenden des Heiligen Reichs, ytzo auf dem reichstag zu Wormbs versamelt, werben und handlen soll.

    Anfenglich sol er inen unseren gnedigen willen, frundschaft, gnad und alles gut sagen.

    Und daruf furbringen, wie unser heiliger vater babst uns geschriben und zu erkennen geben, das sein heiligkeit den Fugkern von Augspurg alle und igliche jubilgeld, sob des negst verschinen jubiljars durch weylent babst Alexander, seinen negsten vorfarn gegeben und gefallen ist und durch weylent Raymunden [Peraudi], cardinal Gurcensis, als darzu sonderlichn verordenten legaten allenthalben in teutzsche nacion und andern furstentumen und landen verkund, publicirt und verfolgt, gefallen und nit empfangen oder aufgehebt, sonder aus etlichen redlichen, gegrunten /90’/ ursachen mit ainer sonderlichn meynung, auch verpflichtung und obligacion von denen, so solch geld in irem gwalt und verwarung gehabt, sequestrirt und arrestirt werd, solch sequestrirt geld von allermeniglich, nymant ausgenommen, zu erfordern, einzunemen und aufzuheben, auch von dem empfangen zu quittirn und wider dy ungehorsamen und widerspenigen mit dem bann und andern penen und strafen zu procediren und zu handeln ernstlich bevolhen und comittirt. Wie auch sein heiligkait das vorberurt sequester durch di gedachten sein vorfarn und cardinal von Gurk oder sein heiligkait selbs furgenomen, auch dy ayd, verpflichtung, obligacion, beredung oder verschreibung, deshalbn bescheen, getan und gegeben, relaxirt, aufgehebt und abgetan und allen inhabern des vorbemelten sequestrirten und erlegten gelds, dasselb den gedachten Fugkern oder yren gwalt- oder bevelhhabern uf ir begern und ansuchn an allen verzug, eintrag oder widerred zu raichn, zu antwurten und volgen zu lassen bey vorgedachter pen des pans /91/ ernstlich Šgeboten und alle ordenung, satzung, constitucion, brief, verschreibung oder anders, so vormals außgangen weren oder in einiche weg dawider sein geacht oder verstanden werden mocht, genzlichn derogirt und vernicht, wie dan seiner heiligkeit bullenc, den gedachten Fukern deshalben gegeben und uns furbracht, weyter inhelt.2 Und uns daruf zum hochsten ersucht und ermant, das wir den gedachten Fugkern unser ernstlich hilf und furdrung erzaigen wolten, domit sy das obberurt geltd an verzuk und seumbnus erfolgen und furter nach seiner heiligkait bevelh domit handeln mochten. Dem wir dan unsers vermogens volg zu tun begirig und willig, als uns auch nit zweivelt, sy fur sich selbs aus schuldiger gehorsam auch geneygt sein solten.

    [2.] Demnach sey unser ernstlich und vleissig beger, das sy an alle stend des Reichs und sonderlich an dy ende und dyjenen, da gemelt jubilgelt noch ligt und nit aufgehebt sey, offen mandat- und gebotbrif bey ainer nemlichen pen /91’/ oder sonst in der besten form nach irem rat und gutbedunken außgen lassen und darin anzaign wolten, das sy den genanten Fugkern oder iren gewalt- oder bevelhabern auf ir begern und anlangen all jubilgelt, so bey inen, wie obstet, sequestrirt oder noch hinder inen erlege, gegen uberantwurtung der verpflicht und verschreibung, obligacion oder instrumenten, so sy dem gedachten cardinal von Gurk getan oder gegeben, die dan di gemelten Fugker bei iren handen hetten, und uf ir zimlich quittung an weytern verzug, einrede oder wegrung zu iren sichern handen und gwalt raichen, antwurten und verfolgen und sich daran [durch] dieselb obligacion, verpflichtung oder verschreiben inhalt obberurter bullen noch auch sonst ainich ander tractat, vereynigung, gescheft oder beredung, verschiner zeit durch des Heiligen Reichs rat und regiment zu Nuremberg oder sonst in ander weg deshalb gemacht, nit irren oder verhindern [lassen]. Und das sy solch mandat- und gebotbrif nach aller notturft /92/ verfertigen und dem gemelt von Welde oder, ob er derselben nit erwarten mocht, unsern reten doselbs zu Wormbs ubergeben lassen und sich darin der bebstlichen heiligkeit gehorsam und uns zu sonderm gfallen gutwillig und furderlich erzaigen, domit ir bebstlich heiligkeit di merklichen krig, emporung und last, domit ir heiligkeit, als sy wissen mochten, diser zeit beladen sey, dest statlicher und verfenglicher volbringen und daran nit verhindert werd. Das wolten wir seiner heiligkait von inen beruemen, auch fur uns selbs gnediglich erkennen, wie dann derselb von Welde solchs mit fuglicher, geschicktern reden wol weyter furzubringen wais. Daran geschiet unser ernstliche meynung. Geben Šin unser und des Reichs stat Kaufbaurn am neunzehenden tag des monats May anno Domini XVcnono, unser Reich, des Romischen im XXIIIIten jare.

    «Nr. 270 Instruktion Ks. Maximilians für Ernst von Welden als Gesandten zu Kf. Friedrich III. von Sachsen – Kaufbeuren, 19. Mai 1509 »

    [1.] Verfügung Papst Julius’ II. zur Aushändigung der Jubelablassgelder an die Fugger; [2.] Aufforderung zur Ausfertigung entsprechender Mandate an die kursächsischen Amtsträger und Untertanen; [3.] Lieferung von Salpeter an Ks. Maximilian.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 86–86’, 87–88’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A.

    [1.] /86–86’/ [Entsprechend Nr. 269, Pkt. 1 – Instruction ... gneygt sein solten.].

    [2.] /87/ Demnach, so sey an sein lieb unser ernstlich und vleisig begern, dieweil sein bebstliche hailigkait, als wir wie auch ungezweifelt sein lieb gut wissen hett, diser zeit in merklicher entporung, krieg, aufwegung [= Aufruhr, Aufbruch] und last und des gedachten jubelgelts darzu wol nodturftig were, das er allen und iglichen seinen heubtleuten, ambtleuten, phlegern und undertanen der slos, stet, merkt und gebiete in seinen furstentumb und lande, da vorberurt jubelgelt sequestrirt, arrestirt, in verbot gelegt oder sonst durch verphlichtung, obligacion oder verschreybung verheft oder nach nit aufgehaben oder entphangen sey, durch sein offen mandat bey einer nemlichen pene ernstlichen gepieten und bevelhen wolt, daz sie den gedachten Fuckern oder yren gewalt- oder bevelhhabern auf yr erfordern, anlangen und begern alle und iglich jubelgelt, so, wie obstet, bey ine sequestrirt oder noch hinder ine lege und nit entphangen were, gegen uberantwortung nodturftiger quittung, auch der verphlichtung, verschreybung, obligacion oder instrumenten, so sie dem gedachten cardinal von Gurk getan oder gegeben, die dann die gemelten Fucker bey yren handen hetten, on weiter verzug, einrede oder wegerung zu yren sichern handen und gewalt reichen, antworten und /87’/ verfolgen und sich daran [durch] dieselben obligacion, verphlichtung oder verschreybung inhalt bemelter bebstlicher pullen nach auch sonst einiche tractat, verainigung, gescheft oder beredung, verschyner zeit durch des Heiligen Reichs rate zu Nuremberg oder sonst in ander weg deßhalb gemacht, nit irren oder verhindern und solh gebotsbrif nach aller nodturft verfertigen und dem gedachten von Welden unverzogenlich behendigen und zustellen lassen welle. Daran tut er bebstlicher hailigkait gehorsamen willen und uns besonder annemigs gefallen.

    [3.] Welden soll Kf. Friedrich außerdem um die Lieferung von 1000 Zentnern Salpeter ersuchen, die er, der Ks., für seinen bevorstehenden Feldzug benötigt. Er wird je Zentner 8 fl.rh. bezahlen. Die Lieferung soll in Nürnberg deponiert werden, dessen Magistrat weitere Befehle hat. Er wird die Fugger veranlassen, die Rechnung aus dem in Kursachsen angefallenen Jubelablassgeld zu begleichen. Zusätzlich sollen Šsie ihm daraus – uns zu ewigem gedechtnus– weitere 2000 fl.rh. für den Bau des neuen Stifts in Wittenberg1geben. Er geht davon aus, dass der Kf. dies nicht abschlagen wird.

    «Nr. 271 Reichstagsinstruktion Ks. Maximilians für Johann Storch – Mindelheim, 21. Mai 1509 »

    [1.] Verhandlungen wegen des Klosters Reichenau; [2.] Streit zwischen der Stadt Landau und Bf. Philipp von Speyer; [3.] Belehnung Gf. Dietrichs von Manderscheid mit Reckheim; [4.] unterbliebene Übersendung des ksl. Siegelstempels an Ebf. Uriel von Mainz; [5.] Übernahme des Kammerrichteramtes durch Gf. Adolf von Nassau; [6.] Annahme Dr. Ludwig Reynolts als Beisitzer am Reichskammergericht; [7.] Entschuldigung für das Fernbleiben Gf. Eitelfriedrichs von Zollern, Sigmunds von Rorbach und Konrad Stürtzels vom Reichstag; [8.] Grußbotschaft an verspätete Reichstagsteilnehmer; [9.] vorzeitige Auszahlung der Frankfurter Stadtsteuer; [10.] Konflikt zwischen Hans Landschad und der Stadt Worms; [11.] Konflikt zwischen Bf. Philipp von Speyer und Eck von Reischach; [12.] Angelegenheiten der Stadt Regensburg; [13.] Vorgehen gegen die Befehder der Stadt Rothenburg/Tauber; [14.] Supplikation des Hans von Landau; [15.] künftiger Standort des Reichskammergerichts; [16.] Session Wilhelms von Roggendorf als Vertreter Österreichs auf dem Reichstag; [17.] Titulaturstreit der Stadt Köln mit Ebf. Philipp; [18.] weitere Streitsachen zur Erledigung durch die Reichstagskommissare; [19.] Reiterdienst Gf. Johanns von Isenburg; [20.] Fiskalprozess gegen den Propst zu Berchtesgaden; [21.] Reichsacht gegen Venedig; [22.] Forderung Hans Burgauers gegen Appenzell; [23.] Aufforderung an Hg. Ulrich von Württemberg zur persönlichen Teilnahme am Wormser Reichstag; [24.] Befehl an Ludwig Vergenhans zum Erscheinen auf dem Reichstag; [25.] Streit zwischen Philipp Forstmeister und Frowin von Hutten; [26.] Schlussformel, Datum; [27.] Aufforderung an die Reichsstände zur Leistung der Romzughilfe in Form von Reitertruppen oder durch Anwerbung böhmischer Söldner.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 103–107 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A.

    /103/ Maximilian, e[rwählter] von Gots genaden romischer keyser etc.

    Instruction, was unser rate und des Reichs liber, getreuer Johann Storch bey den erwirdigen, hochgebornen, wolgebornen, edlen, ersamen unsern lieben neven, oheymen, andechtigen und des Reichs getreuen churfursten, fursten und stenden des Heyligen Reichs, yezo auf dem Reichs tag zu Wormbs versamlet, Šauch in sonderheyt bey unsern keyserlichen reten und comissarien, so wir dahyn verordent haben, reden, handeln und werben sol.

    Anfenglich inen allen samentlich und sonderlich unsern genedigen willlen und alles gut zu sagen.

    [1.] Und den gemelten unsern verordenten reten furzubringen, sy alle ader ir etliche aus inen mogen, als wir nit zweifeln, gut wissen haben, wie das loplich gotzshaus in der Reychenau, so eyn gefurst und der mechtigisten gotzheuser eyns im Heiligen Reich gewest, in so merklich verderben, abnemen und verödung kommen, das aus grossem armut und unvermogen etliche zeyt nit mere dann zwen conventualbruder1 daryn gewest, dy dann nach abgang des nechsten abts [Martin von Weißenburg], als sy einen andern abt zu erwelen furgenomen gehabt, aus mangel, das ir zu solicher wal zu wenig gewest, dy ebt zu Kembten, zu sant Blasy und zu Petershausen, ires ordens, darzu erfordert2, die mit inen eynen aus denselben zweien, nemlich den von Knoringen, zu eynem abt erwelt, der darauf jezo zu Ulm3 bey uns erschynen, sich als gehorsamer des Heiligen Reichs gefurster prelat und caplan unterteniglich angezaigt und in bey der beschehen election genediglichen zu handhaben diemutiglichen angerufen, mit erbietung, wo wir der administracion oder regirung halben an seyner person eynigen mysfallen, zweifel ader mangel hetten, das er eynen administrator, so /103’/ wir nach unserm gefallen ime zuordnen wurden, leiden und gedulden wolt. Aber der bischofe von Costenze were damals auch daselbst bey uns erschinen und uns angezeigt, wie dy babstlich heilickeyt aus beweglichen ursachen das gemelt gotzßhaus seynem stift Costenze incorporirt hett, inhalt der bullen4, ime deßhalbe gegeben, und uns darauf nach inhalt solicher bullen, der wir hiemit abschrift schicken, umb eynsatzung treffenlich angelangt.

    Dyeweil nun das bemelt gotzhaus dem Heiligen Reich on mittel zugehorig, auch uns, dem Reiche und unserm hauß Osterreich, wo das in der Eidgenossen oder ander hend kommen und gewendet werden solt, als sy selbst zu ermessen hetten, merklicher unrat, nachteil und unwiderbringlicher schad daraus erwachsen und also vil und merklichs daran gelegen, seyen wir dardurch bewegt worden, den handel yn weiter betrachtung zu stellen, auch mit und nach rat der yzigen versamblung zu Wormbs darin zu handeln und deßhalbe bede vorgemelt parteien mit allen iren gerechtikeyten, und was zu der sachen dient, fur dy geŠdacht versamblung beschiden [Nr. 120]. Darumb sey unser ernstlicher befelch, das sy solchs derselben vorsambnung von unsern wegen anzaigen und mitsampt inen bede parteien in irm furtrag nach aller notturft verhoren und mit gutem fleis und dapferkeyt beratslagen und erwegen wöllen, was daryn fur uns und das Heilig Reiche das best, nutzist und fruchtbarlichst seyhe. Und sol der gemelt Storch disen handel emsiglich sollicitirn, das der nach notturft beratschlagt und uns der verfast ratschlag furderliche zugeschickt werde.

    [2.] Weiter sol er inen sagen, das sy dy irrung, zwuschen unserm fursten, dem bischofe von Speier, und der stat /104/ Landaue schwebend5, verhorn und dy gutlich hynzulegen, auch yn sonderheyt von demselben von Speier glaubwirdig copey von der pfandverschreibung uber Landaue sagend6, der wir aus beweglichen ursachen notturftig seyn, zu erlangen allen fleis ankeren sollen.

    [3.] Und als wir durch unsern neven und churfursten, den erzbischove zu Collen, von wegen deß von Manderscheids umb verleyhung eynes lehens angesucht seyn, sol er in sagen, unser bevel seyhe, das sy im solichs lehen an unser stat zu seynen rechten nach irem rait verleihen, geburlich briefe daruber geben. Doch das sy im nach irem gutbedunken zu entlicher ausfurung der rechtfertigung, die im solichs lehens halben zu tun geburn wil, ein nemlich zeit bestymmen, solich sache und rechtfertigung in derselben zeyt auszufuren.7

    [4.] Er sol auch unserm neven und churfursten, dem erzbischof zu Meynze, zu erkennen geben, wiewol unser liber, getreuer Ziprian von Serentyn im von unsern wegen angesagt, das wir seiner liebe ein katschett [= Siegelstempel] zuschicken wolten, so bedunk doch solichs on not, dieweil wir ym geschriben und befolhen haben, die brief mit seiner aigen hand zu verzeichenen und zu Šunderschreiben [Nr. 342]. Deshalb wir das katschett zu uberschicken diser zeyt underlassen haben.

    [5.] Und als grave Adolfe von Nassaue sich vormals gegen uns bewilligt hat, soferre unser keyserlich camergericht zu Worms ader Frankfurt gehalten werde, das er das camerrichterampt umb dy besoldung, wie er vormals gehabt, nemlich XVC gulden, annemen und uns nit weiter ader hoher steigern wolle, sol er [= Storch] unsern reten sagen, mit im [= Gf. Adolf] von unsern wegen deshalbe mit fleis zu handeln und in zu bewegen, solich ampt umb dy bestymbten besoldung anzunemen und sich des /104’/ nit zu wegern, ime auch, so er das annymbt, notturftig verschreibung zu verfertigen.

    [6.] Und das sy bey den gedachten stenden fleis haben, damit doctor Reynolt zu Feldkirch, der vormals fur eyn beysitzer desselben camergerichts angesehen und furgenommen gewest yst8, an eines der abgestanden statt zu beysitzer aufgenommen werde.

    [7.] Das sy auch bey denselben stenden grave Eitel Friderichen von Zollern, Sigmunden von Rorbach und doctor Sturzeln, die wir zu yne fur unser rete ernennt und verordent gehebt, irer merklichen krankheyt halben nit haben komen mogen, entschuldigen.9

    [8.] Und den bischoven von Wurzburg, Bamberg und andern fursten, so nach unserm abschid dahyn kommen weren oder wurden, irer gehorsam genedigen dank zu sagen und an sy zu begern, das sy in den obligenden hendeln uns und dem Heiligen Reiche zugut das best und nutzist furzunemen verhelfen wolten.

    [9.] Ob auch Georgen Mospache, unserm secretarien, dy statsteuer zu Frankfurt nit verfolgt were, sol er yn sagen, ym daryn furderliche und hilflich zu seyn, mit den von Frankfurt geschickten zu Wormbs deshalbe ernstlich zu handeln oder dem rat zu Frankfurt ernstlichen zu schreiben, solich steuer unverzogenlich zu bezalen, angesehen, was daran gelegen seihe.

    [10.] Auch das sy dy irrung zwuschen Hansen Landschaden und der stat Wormbs zu gleicher weis wie dy, so sich zwuschen den Dalbergern und denselben von Wormbs helt, derhalbe wir yn vormals befelich getan hetten [Nr. 267, Pkt. 16], notturftiglich verhoren und umb verhutung weiter aufrur allen fleys ankeren, dyselben gutlichen zu vertragen und dem Landschaden zeitlich darzu verkunden.

    [11.] /105/ Desgleichen dy irrung zwuschen dem bischof von Speier und Eck von Reischach gutlich zu verhoren und nach billickeyt zu entscheyden, damit deshalbe kunftig aufruren verhuet werden.

    [12.] Desgleichen dy mengel, gebrechen und irrung, dy stat Regenspurg antreffend, dy wir dann derhalben auf den reichstag geyn Wormbs vertagt haben [Nr. 176], mitsampt den stenden des Reichs notturftiglich zu verhoren, dareyn zu sehen und zu beratschlagen und alles das, sy fur uns und das Reich Švermeynen das best und nutzist zu seyn, furzunemen, damit dyselb statt nit yn abfal kommen, daran dann als eyner ortstat [= Grenzstadt] vil und merklichs gelegen ist.

    [13.] Gleicherweiß der stat von Rottenburg an der Tauber sachen auf unser ret schreiben, uns derhalb getan10, mit den stenden gutlichen zu handeln, damit solicher frevenlicher handel unverzoglichen gestraft werd. Dann uns diser zeyt, dyweil wir zu volzihung unsers furnemens yn ubung und dem zug seyn, darin personlich zu handeln ader dy acht zu sprechen nit gelegen seyn wil.

    [14.] Und yn deß armen Hans von Landaue sachen auf seyn ubergeben supplicacion, sovil dy billikeyt erleiden mag, zu handeln, damit ym fuglicher weis geholfen werden moge.

    [15.] Das sy auch auf ir schreiben [Nr. 390], uns von wegen der verendrung des camergerichts malstat getan, mit den gedachten stenden davon reden, iren rat und gutbedunken darin vernemen und furter darauf beschlissen sollen. Aber dweil vil muhe und uncostens auf das hyn- und widerzihen get, bedeucht uns das fuglichst, das es zu Wormbs gelassen, /105’/ so doch, als wir uns genzlichen versehen, die irrung zwuschen der geistlickeyt und der stat gruntliche vertragen wurd.

    [16.] Und das sy Wilhalmen von Rogendorfe, den wir fur eynen rade unsers hauß Osterreichs halben in dy versambnung verordent haben, derselben versambnung dermassen anzeigen, auch von unsern wegen darob seyn und ernstlichen anhalten sollen, damit im seyn geburlicher sitze und stand gegeben werd.11

    [17.] Als auch der rat zu Collen sich merklich beschwert, das der bischove zu Collen inen yn seinen brieven schreiben sol: Geben yn unser stat Collen etc., dieweil sy keynen andern hern ader oberkeyt dann romische keyser ader konig haben oder erkennen, sol er unsern reten sagen, das sy mit den stenden ausserhalbe des bischofs von Collen davon handeln, iren rait daryn vernemen und furter nach irem gutbedunken darin handeln sollen, doch nichts entlichs beschlissen, sonder der stende und iren raitschlag uns zuvor zuzuschicken.

    [18.] Der gemelt Storch sol auch unsern reten vorgemelt eygentlichen anzeigen, was im sonst von briefen ader suplicacion ubergeben oder von sachen befolen seyn, damit sy furderliche daryn handeln und dy parteien vertragen ader sunst zu austrag verteidingen und abfertigen mogen.

    [19.] Er sol auch grave Johann von Eysenberg unverzogliche zu erkennen geben, das er auf unser schreiben, wir seinem vater [Gf. Ludwig] getan haben12, Šsich mit XXV pherden rusten und bereytmachen wolle, wann wir im weiter schreyben, das er von stund an end [= an den Ort], er bescheiden /106/ wurd, zu uns gerust komme. Ob aber seyn vater ader er das abslagen und nit tun wolten ader wurden, das sol uns Storch furderlich zu erkennen geben, uns darnach wissen zu halten.

    [20.] Und unserm keyserlichem camerprocurator fiscal von unsern wegen ansagen und ernstlichen befelhen, das er auf seyn furgenommen handelung und ausgangen process wider bropst zu Bercholtßgaden weiter und mit allem fleis procedir und handel, damit dy sachen unverzogenliche geendt und er zu gehorsam bracht werde.13

    [21.] Auch besonder bey unserm keyserlichen camergericht mit fleys sollicitirn, damit dy acht wider dy Venediger furderlich gesprochen und erkennt und yn der allerbesten form nach gestalt der izigen leufe allenthalben durch das ganze Romische Reich verkundt und ernstlich executorial gegeben. Das uns auch derselben acht brieflich urkund zugeschickt werden, dieselben zu unser notturft zu gebrauchen. Und ob bemelt camergericht nit bald angefangen ader gehalten wurd, sol Storch unsern reten sagen, bey der versambnung fleis anzukern und zu handeln, damit sy auf vorgeschriben rechtsetze und handelung dy acht sprechen und process ausgeen lassen. Und ob dy stende des Reichs dy acht zu sprechen beschwerung haben wurden, sollen unser rete mitsampt den beysitzern, so furhanden wern, dy acht an unser stat sprechen und erclaren, deß wir inen hiemit unser volkommen gewalt und macht geben.

    [22.] Und als Hans Burgauer von Lyndaue verschiner zeit auf urtel und recht, durch weylend Hansen [!] Swendtner gegen den von Aperzell an bemeltem unserm /106’/ camergericht erlangt14, execution begert, dy aber der Eydgenossen und schwebender leufe halben bißhere angestelt worden und uns deshalbe von camerrichtern und beysitzern umb underrichtung, wie sy sich darin halten sollen, geschriben ist15, sol Storch unsern reten sagen, solichs der versambnung anzuzaigen und furter nach irem rate und bedenken daryn zu handeln.16

    Š[23.] Der gemelt Storch sol sich auch in seynem hynabereiten zu unserm swager und fursten herzog Ulrichen von Wirtenberg fugen, im auf ubergebung unser credenze ansagen, wie wir auf unser selbst handelung, mit ym gehabt, und unser jungst schreiben17, im des Reichs tags halben zu Worms getan, all instruction und befele [Nrr. 266f.] vor zehen tag unsern reten hynabgeschickt. Und dieweil uns, dem Heyligen Reich und teutscher nacion, als seyn liebe waist, vil und merklichs an den sachen gelegen, so sey abermals unser hoch und ernstlich begere, das er sich mit eyner geryngen anzal pferde in eigener person auf denselben Reichs tag fuge und mit andern stenden des Reichs das best und nutzist furzunemen und zu handeln verhelfen. Des wolten wir uns zu seyner liebe ungezweyfelt versehen.

    [24.] Desgleichen sol er doctor Ludwigen Fergenhansen auf ubergebung unser credenze von unsern wegen sagen und befelen, sich unverzoglich dahyn zu fugen, by unsern reten daselbst zu seyn und mit in helfen zu handeln.

    [25.] Er sol auch unsern reten sagen, Philipsen Forstmeister gegen Frowin von Hutten und seynen zugewenten fur sy zu vertagen, irer irrung zu verhorn und fleis /107/ anzukeren, sy derselben gutlich zu vertragen; wo das nit volgen wolt, eyns entlichen austrags zu verfassen.

    [26.] Und yn allen vor geschriben sachen guten, furderlichen fleis ankeren, als wir uns des zu yn genzlichen verlassen. Daran beschicht unser ernstliche meynung. Geben zu Mundlheym am XXI. tag des monats May anno etc. im neunten, unsers Reichs, des Romischen im XXIIII. jarn.

    [27.] Es soll auch Storche unsern reten sagen, wo uns dy hilfe durch dy stend des Reichs, als wir uns genzlich versehen, zugesagt wurde, daz sy alsdann bey denselben stenden mit allem fleys handeln, damit sy uns fur das fusvolk, so iglichem aufgelegt wurde, und sunderlich dy stett geraysigen schicken wollen. Dann wir itzt mit gutem fusvolk uberhauft und genugsamlich versehen seyn.

    Wo sy aber des beschwerung haben und je ir angesetzt fusvolk schicken wolten, das sy alsdann solichs fusvolk zu Behaym bestellen wolten, da sy des umb zymlich besoldung taugenlich und recht geschickt gnug finden werden.

    «Nr. 272 Breve Papst Julius’ II. vom 28./30. April 1509 an Reichsstände – präs. Worms, 22. Mai 15091 »

    Absicht zu einem Türkenkreuzzug; Notwendigkeit zum Vorgehen gegen Venedig; Aufforderung zur Unterstützung Ks. Maximilians in dieser Angelegenheit.

    ŠI. (auf dem Wormser Reichstag vorgelegte lat. Abschriften, Rom, 28.4.1509; Adressaten: geistliche und weltliche Kff.): Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 39–40 = Textvorlage A. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 146’–148 = B. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 15–16; 17–18’ (2 Kopien; Adressaten: weltliche Kff.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 77–78. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol.

    II. (lat. Or. Perg. m. Siegelspuren, Rom, 28.4.1509, Gegenz.: Sigismundus2; den Adressaten nicht zugestellt): Wien, HHStA, AUR 1509 IV 28 (3 Exemplare; Adressaten: Ebf. Uriel von Mainz, Ebf. Leonhard von Salzburg und Hg. Ulrich von Württemberg) = C.

    III. (lat. Or. Perg. m. Siegelspuren, Rom, 30.4.1509, Gegenz.: Sigismundus; den Adressaten nicht zugestellt): Wien, HHStA, AUR 1509 IV 28 (2 Exemplare; Adressaten: Lgf. Wilhelm von Hessen und fränkische Reichsritterschaft) = D.

    [1.] Von Beginn seines Pontifikats an stellte er unablässig Überlegungen an, wie ein ausreichend starker Kreuzzug gegen die ungläubigen Türken als den schlimmsten Feinden der Christenheit zustandezubringen sei. Alle seine Bemühungen richtete er deshalb auf die Vermittlung in den Streitigkeiten zwischen den christlichen Kgg. und Ff. Ein erster Erfolg war der Ausgleich zwischen Kg. Ludwig von Frankreich und Kg. Ferdinand von Aragon.3Als nächstes gelang ihm dies unter Einsatz seiner Autorität und durch hartnäckige Ermahnungen auch zwischen dem allerchristlichsten Kg.[Ludwig] und dem erwählten röm. Ks. Maximilian.4Sie gingen ein, wie er hofft, immerwährendes Bündnis5ein und bekräftigten ihre Absicht, so bald wie möglich unter Einbeziehung weiterer christlicher Kgg. und Ff. einen Kreuzzug (sanctissimam expedicionem)durchzuführen, doch müssten zuvor der Hochmut und die Gier Venedigs wie auch sein Expansionsbestreben unterdrückt und es durch Anwendung geistlicher und weltlicher Waffen gezwungen werden, die unrechtmäßig angeeigneten Besitzungen der römischen Kirche zurückzugeben. Denn Venedig ignoriert bis heute seine Bitten um Restitution der zu Beginn seines Pontifikats besetzten Städte Rimini, Faenza und Sarsina und weiterer Besitzungen in der Romagna – ganz zu schweigen von den übrigen durch die Venezianer der Hl. Kirche und seinen Amtsvorgängern zugefügten Rechtsverletzungen und Verlusten. Damit nicht zufrieden, stellte Venedig an der Grenze zum Kirchenstaat kürzlich ein großes Heer auf und scheint im Begriff zu sein, einen weiteren Einfall zu unternehmen.

    ŠSo sieht er sich gezwungen, zum Schutz der Untertanen der röm. Kirche Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Er hat deshalb das Interdikt über Venedig verhängt, wie aus seiner beigefügten Bulle6zu entnehmen ist. Es steht zu befürchten, dass die Venezianer dessen ungeachtet in ihrem Ungehorsam beharren werden, weshalb er wie sein Vorgänger Sixtus IV.7den erwählten Ks. Maximilian als Advokaten der Kirche um Beistand gebeten hat.8Dieser hatte Venedig bereits zuvor vergeblich um die Rückgabe der genannten Städte ersucht.9Mit seinem Aufruf folgt er dem Beispiel seiner Vorgänger Stephan III. und Hadrian II., die ebenfalls christliche Kss. und Kgg. um Hilfe für die Rückeroberung von Kirchengut von den Heiden ersucht haben.

    Er fordert ihn, den Adressaten, nachdrücklich auf, dem erwählten Ks. mit allen Kräften für den Schutz der Hl. Kirche zur Seite zu stehen, wenn dieser die Waffen gegen Venedig ergreift, damit er, der Papst, sich nach Heilung dieser inneren Wunde gemeinsam mit den christlichen Ff. persönlich gegen die Feinde der Christenheit, die ungläubigen Türken, wenden kann.

    «Nr. 272a Weisungen Ks. Maximilians an die Reichstagskommissare vom 14. und 19. Mai 1509 – präs. Worms, 22. Mai 1509 [= Nrr. 394, 399] »

    «Nr. 272b  ŠAusschussbedenken zur ersten ksl. Reichstagsinstruktion – Worms, 26. Mai 1509 [= Nr. 275/II] »

    «Nr. 273 Stellungnahme Kursachsens zum Ausschussbedenken – Worms, [27. oder 28. Mai 1509] »

    Vorschläge zu Ergänzungen und Änderungen des Ausschussbedenkens in folgenden Punkten: [1.] Betonung der grundsätzlichen Leistungsbereitschaft der Stände für Ks. und Reich; [2.] Ablehnung des Vertrags von Cambrai; [3.] Ablehnung der beantragten Reichshilfe gegen Venedig wegen Zahlungsunfähigkeit der Stände; [4.] Forderung nach einer maßvollen Reichshilfe durch den Ks. persönlich als Voraussetzung für eine positive Entscheidung der Reichsversammlung.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 117–118 (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 123 (unvollständiges Konz.) = B.

    [1.] aUnd sie zu tun schuldig, ganz willig weren [Nr. 275/II, Pkt. 1]: Zu bedenken, ob dieselben wort vor oder nach stehen sollen. Dann unsers bedenkens stund es billich vor und nach also: mer, dann ine wol moglich und sie ze tun schuldig gewest.

    Wann auß yrer und des Heiligen Reichs notdurft [Nr. 275/II, Pkt. 1]: Bey disen worten nit zu vergessen, das nit so herkomen sey, so ksl. Mt. hilf begert het von den stenden, dz dann sein Mt.[nicht] bey ine blieben und sie darumb gehoret. So dann solchs bescheen, sonder zweivel, sie wurden sich auch mit undertenigkait irs vermogens, wie dann vormals mer bescheen, haben vernemen lassen.

    [2.] Davon kein gruntlich wissen tragen etc. [Nr. 275/II, Pkt. 2]: Aldo anzuzeigen, dz die curfursten zu Collen seiner Mt. mit außgedruckten worten zu verstehen gegeben hetten, das sie in den tractat, zu Hagenau aufgericht, gar nichts willigen wolten.1 Dann het sein Mt. ichts aufgericht, dz sein Mt. zu tun, liessen sie in seinem wert.b

    [3.] Die hilf zu tun schuldig weren etc. [Nr. 275/II, Pkt. 3]: Dweyl ditz furnemen an yr bewust, auch dz seiner Mt. zu Costenz ir furnemen treulich widerraten, auch seiner Mt. romzug dazumal zu tun von inen alß vor unmoglich geachtet–a, sein Mt. auch underteniglich gebeten, csolchen zug underwegen Šzu lassen biß zu bequemlicher zeit–c, mit anzeig, werd sein Mt. dieselb hilf, die doch seiner Mt. auß sonder undertenigkait und auß keiner verpflicht gewilliget, nit zum romzog geprauchen, ab dann sein Mt. nachfolgent weyter hilf begeren, das dann auß unvermogen und andern redlichen ursachen, seiner Mt. dazumal angezeigt, dieselbige bey den stenden nit aufbrengen wurde.2

    Teurung und sterben etc. [Nr. 275/II, Pkt. 3]: Darzu were vil jar weder frid noch recht im Reich gehalten.

    Dz sie also zu helfen nit mer vermoglich weren etc. [Nr. 275/II, Pkt. 3]: Ab sie auch dz zu tun schuldig dergestalt, als sein Mt. begert.

    Diser begerten hilf gnediglich zu erlassen [Nr. 275/II, App. p-p]: Ist wol zu bedenken, ob dz zu bitten sey, domit dnit zu weyt gangen–d, dz man die begerte hilf vor zymlich ansehe.

    [4.] eZu beschlus: Wu ksl. Mt. ein hilf gefordert, die mit ichte leidlich gewest und mit aigener person mit den fursten gnediglich gehandelt het, wie herkomen ist, so wolten sich die stend mit underteniger antwort, wiewol sie [d]es nit verpflicht, haben vernemen lassen–e.

    «Nr. 274 (Fiktiver) Absagebrief der Reichsangehörigen an Venedig – s.l., 28. Mai 15091 »

    [1.] Hilferuf des Papstes gegen Venedig; [2./4.] Bruch des Waffenstillstands von Arco; [3.] Achterklärung des Reichskammergerichts gegen Venedig.

    I. (Drucke I): Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 87–88’ (präs. Frankfurt, 18.7.1509) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 37–38’. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. München, HStA, KÄA 3136, fol. 389–390’. München, HStA, KÄA 3137, fol. 140–141’. Straßburg, AV, AA 329, fol. 16–17’. Wien, ÖNB, 28.O.29., pag. 21–24.

    II. (Drucke II; Bestandteil von Nr. 482; H. Höltzel, Nürnberg 1509 / M. Landsberg, Leipzig 1509): München, BSB, Rar. 1589#Beibd. 11 [= Eur. 330–21], fol. 174’–175’ [auch Online-Ressource] = B. Berlin, GStB, Gv 4565. Göttingen, SUB, 8 Mulert 502 (2). Wolfenbüttel, HAB, H: YT 2.4º Helmst. (1). Worms, StdB, -Mag- W Gs 283.

    ŠIII. (Abschriften): Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 58–55’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 126–127’.

    Edition: Goldast, Reichshändel, S. 407f.; Ders., Reichshandlung, S. 92f.; Hutten/Böcking, Schriften III, S. 165f.; Weller, Geschichte I, S. 452–455.

    [1.] /87/ [Aufschrift:] Form der Absag von Fürsten, Grauen, Freyen, herren, Rittern, Knechten vnd dienstlewten des heiligen roͤmischen reichs, Auch tewtscher, waͤlscher vnnd windischer nacion verwanndten vnd vndtersaͤssen, An den hertzogen vnnd die herrschafft von Uenedig schriftlich vnd mündlich ausgangen.

    /87’/ Fürsten, Grauen, Freyen, Herrn, Ritter, Knecht vnd dienstlewt für Sy, jr helffer vnd helffers helffer obgemelter nacionen haben in jrer absag dem hertzogen vnnd der herrschafft von Uenedig zuͦwissen getan vnd ertzelt, Wie Sy vnnser heiligister vater, der Babst, durch seiner heiligkeit Bullen [Nr. 272/III] bericht, was gestalt die Uenediger sein heiligkeit vnnd den heiligenn Stuͦl zuͦ Rom bisher in manigfaltig weg gwaltigclich vnnd on alle recht beswaͤrt vnnd bedrenngt, das seiner heiligkeit fürter zuͦgedulden nit gepür, vnnd sei deshalben hochgeursacht, Sy mit dem gaistlichen vnnd weltlichen swert zuͦstraffen; hab auch darauf die obbestimbt geselschafft von Fürsten, Grauen, Freyen, herrn, Rittern, Knechten vnnd dienstlewten Als verwandten vnnd vnndersaͤssen des heiligen reichs, welhes ain scherm der cristennlichen kirchen ist, zuͦ hilf, beystannd vnd rettung wider Sy ermant. Das dann dieselb Geselschafft zuͦ hertzen genomen vnnd sich enntslossen haben, seiner heiligkeit vnd der heiligen kirchen mit allem jrem vermügen, vnd was jnen dartzuͦ gepür, gehorsam vnd willfaren zuͦtuͦn.

    [2.] Dartzuͦ hab Sy auch bewegt vnd geursacht, Wiewol der bestand, des verschinen jars zuͦ Reyff [= Riva] am Gartsee zwyschenn der Roͤmischen kayserlichen Mayestat, vnnserm allergnedigistenn herren, an ainem vnnd den Uenedigern durch jr gwaltig botschaft mitsambt vnd neben dem kuͦnig zuͦ Franckreich anderstails aufgericht2, vermoͤgt hab, das die Uenediger solichen Bestand ain zeitlanng fuͦr ain friden halten, auch hanndeln, wanndeln vnd alles das tuͦn solten, das vor dem nechstuerganngen krieg zwischen dem heiligen reich vnd jnen gemacht, verbrieft vnd versigelt, Sy auch dem heiligen reich schuldig gewesst sein, So haben Sy doch demselben in menig weg zuͦ wider gehanndelt, Auch an etlichen der obgenanten Geselschafft vom Adel, /88/ Stetten, dartzuͦ Lenndern vnnd Gmainden aus Kayserlicher Maiestat Erblannden den Bestand nit gehalten, wie sich dann die geselschafft mit der zeit, so der gegenwürtig krieg sein entschafft nemen würd, das zuͦbeweisen erpieten.

    [3.] Zusambt dem, das sich die Uenediger gegen des heiligen reichs Camergericht vnd in ander weg nach dem berürten bestandt dermassen unerberlich, Šveraͤchtlich vnd ungepurlich gehalten vnd bewisen, das Sy der Camerrichter vnnd die Beysitzer des Kayserlichen Camergerichtz in die Acht erkendt vnd publiciert haben [Nrr. 301f.].

    [4.] Unnd noch mer, das der merberuͦrt Bestand von den Uenedigern, mitsambt vnnd neben dem künig zuͦ Franckreich ainmuͦetig aufgericht, an kayserlicher Maiestat geprochenn sey durch solhen weg: Wiewol derselb Bestand dem kuͦnig zuͦ Franckreich vnd Uenedigern nit weiter dann das hertzogthuͦmb Gheldern zuͦbeschirmen vnnd zuͦretten zuͦegeben vnd sunst alle kayserlicher Maiestat lannd zuͦ friden begriffen, So hab doch der von Arnnburg [Robert von der Marck], als Er iuͦngst fürgenomen het, das hertzogthumb Gheldern mit frantzosischem volck zuͦretten vnd aber dess nit stat noch gelegennheit fynnden moͤgen, den Gubernator von Tshanpani [= Champagne, Jean d’Albret] beredt, auf das lannd Lutzemburg anzuͦgreiffen vnd zuͦkriegen, dess auch derselb von Arnburg aus vergoͤnnen des gedachten Gubernators von Tshanpani ain anfanng gethan hab mit verheren vnd plindern etlicher doͤrfer des genanten lands von Lützemburg, vber das dasselb dem heiligen reich zuͦgehoͤrig vnnd vnderworfen und in dem Bestannd zuͦ friden begriffen sey. Dem allem nach mügen die Uenediger vnd me- /88’/ nigclich ermessen, was die obangetzaigt Geselschaft gegen den Uenedigern als durchaͤchtern der heiligen kirchen, des roͤmischen reichs vnd tewtscher nacion fürtzuͦnemen phlichtig seyen, Nemblich zuͦ eren, behaltung vnd wolfart derselben heiligen kirchen, roͤmischen reichs vnd tewtscher nacion jre widerwaͤrtigen, vngehorsamen vnnd durchaͤchter verhelfen zuͦstraffen. Dess auch dieselb Geselschaft also zuͦtuͦn entslossen, Sich damit durch jr absag für der Uenediger offen veind vnnd aͤchter erklaͤrt vnd tailhaͤfftig gemacht vnd also jr Er nach kriegs rechten bewart haben wellen. Zuͦ vrkund ist der Romischen kayserlichen Maiestat Secrett auf die Absag gedruckt worden, vnnd ausgangen den Achtundzwaintzigisten Maij Anno etc. Nono.

    «Nr. 275 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 29. Mai 15091 »

    [1.] Zusammenfassung der ersten ksl. Reichstagsinstruktion, Betonung der grundsätzlichen Leistungsbereitschaft der Stände für Ks. und Reich; [2.] Ablehnung des Vertrags von Cambrai; [3.] Ablehnung der beantragten Reichshilfe gegen Venedig wegen Zahlungsunfähigkeit der Stände; [4.] keine Stellungnahme der Stände zu den Reichshilfeartikeln der zweiten ksl. Reichstagsinstruktion; [5.] Ablehnung eines ksl. Statthalters; [6.] Bereitschaft zu Verhandlungen über Reformmaßnahmen beim Reichskammergericht; [7.] VorŠschlag für einen einheitlichen Reichsgulden und zur Bildung eines Münzausschusses; [8.] Vorschlag zur Beratung über die Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai auf dem nächsten Reichstag; [9.] Verweigerung der vom Ks. gewünschten Mandate zur Aushändigung der Jubelablassgelder; [10.] Beratung über die Einsetzung eines dem ksl. Fiskalprokurator am Reichskammergericht zugeordneten Reichskommissars; [11.] Verweigerung von Beratungen über das Verbot von Nachlässen an der künftigen Reichshilfe.

    I. (Resolution der Reichsstände): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 94–97’ (Kop., montags in heiligen pfingstfeyren [28.5.]; Überschr.: Churfursten, fursten und gemeiner stende antwurt auf ksl. Mt. furbrachten instruction, yren kayserlichen reten gegeben etc. Verm. am Rand: Der stend erst antwurt.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 162–164 (Kop., Überschr. wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 21–24 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr.: Churfursten, fursten und gemeiner stende antwort auf ksl. Mt. furbrachten instruction, iren ksl. reten gegeben zu Worms, eritags, XXIX. Maii XVCVIIII. jare.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 112’–116’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = D. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (Kop.). Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 148’–151’ (Kop., Überschr. entsprechend A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 10–13’ (Kop.). Hagenau, AM, AA 241, Nr. 3 (Kop., Überschr. entsprechend A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 27’–33 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Überschr. wie A). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop., Überschr.: Antwurt von des Reichs stenden.). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 313–318 (wie D). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 32–36’ (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (Kop., Überschr. wie Memminger Exemplar). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 16’–19 (wie D).

    II. (Zugrundeliegendes Ausschussbedenken vom 26.5.): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 110–113’, 114–115’ (Abschrift der frühesten bekannten Fassung, Überschr.: Betrachtung und bewegung des ausschuss auf ksl. Mt. furbrachte instruction.) = E. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 119–120’, 121–121’ (Abschrift von E [nur Abschnitt zur Reichshilfe; Pkt. 1-3, App. r], mit Korrekturen, Überschr. wie E) = F. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 175–178 (Abschrift von F, mit Korrekturen, Überschr. ursprünglich wie E/F, korrigiert zu Überschr. wie A; Verm. über die Abschrift in der Mainzer Kanzlei: Actum am pfingstag [27.5.] Ao. etc. VIIIIo.) = G. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 39–42 (wie E, Datumverm.: In die pentecostes [27.5.] anno 1509.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 20–22’ (wie E). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie E). München, HStA, KÄA 3136, fol. 405–408 (wie G, ohne Datumverm.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 20–22’ (wie E). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 105’–100’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 8–12 (wie E).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 968, S. 762–766.

    Š[1.] /94/ Als in der furbrachten ksl. instruction [Nr. 266] undera anderm gemeldet und angezaigt ist, das ksl. Mt. ain friden mit dem konig von Frankreich beschlossen hab, darinnen der tractat zu Hagenau erneuet ausserhalb des heyrats etc., auch wie bebstliche heyligkeit ir Mt., auch die konig von Frankreich und Aragon mit irer heiligkait in ainenb verstant und eynigung gebracht und darauf sein ksl. Mt. als advocaten, vogt und protectorn der cristenlichen kirchen und beschirmerc seiner heiligkait und die konig als kristenliche stend hoch und ernstlich ersucht, seyner heiligkait wider dy unglaubigen [zu]zuziehen und am durchzug mit den Venedigern zu handeln, dasjenig, so sie vor langen und kurzen jaren der cristenlichen kirchen gewaltiglich abgedrungen haben, zu verhelfen. Demnach dan ir Mt. uf solch ird heiligkait ernstlich ersuchen zusag getan. Dweyl nu solchs kurfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs als sein mayestat betreffe und sein ksl. Mt. solchem furnemen an ir trostlich und dapferliche hilf außzuwarten nit vermoge, so bitt und begert sein /94’/ ksl. Mt. an sie, dy notturft dis handels und furnemens ezu bedenken und–ezu bewegen und irer Mt. mit leuten zu roß und fuß ain hilf uf das sterkest und furderlichist, auf ain jar lang gestelt, zu tun und kainer auf den andern verziehen etc.

    Wiewol nu ksl. Mt., als dy stende nit zweiveln, wisse, wie sich churfursten, fursten und stende des Reichs alzeit alles des, so zu aufnemen, eren und wolfart ksl. Mt. und des Heiligen Reichs gedinet oderf fruchtpar gewest, beflissen, auch in dem allezeit ir vermogen und zu zeiteng mer, wan ynen wol moglich gewest, getreulich dargestreckt und noch, wes in irem vermogen stunde und sy zu tun schuldig, ganz willig sein, so zaigen sy doch ksl. Mt. als irem allergnst. herrn in undertenigkait und nit anders wan aus irer und des Reichs notturft an, wie hernach volgt, das sy auch also zu versten underteniglich bitten.

    [2.] Es wirdet gemelt der tractat, zu Hagenau verschiner zeit aufgericht und ytzo widerumb erneuet, derge- /95/ leichen die verstentnush und eynung der obgemelten stend etc.

    Wiewol nu churfursten, fursten und stende des Reichs dafur haben und halten, das ksl. Mt. in solchen tractat, aynung und verstentnus dermaß gangen, das darauß dem Heiligen Reich ytzo oder hernachi ainiger nachtail nitj erwachsen sol, dannoch, dweyl dy stende des Reichs davon kainen gruntlichen wissen Štragen, so hab ir ksl. Mt. wol zu ermessen, das, wo ichts darinnen begriffen oder verleibt, das dem Heiligen Reich ytzo oder kunftiglich zu nachtail tet raichen oder langen, es were mit dem herzogtum Maylant oder anderm, dem Reich zustendig, das sy darein nit willigen oder gehelen konten. kSy bedunkt auch, das ksl. Mt. und dem Heyligen Reich fruchtbar und not sein solt, in solchen schweren, hoen sachen, sonderlich wo die das Heilig Reich etwas betreffen, ir hilf darzu zu tun, der churfursten, fursten und stende des Reichs rat und willen zu gebrauchen, wie dan solchs von alter und loblichl im Reich herkomen und des gelegenhait wol tue erfordern–k.

    [3.] /95’/ Darauf wirdet ferner eingefurt, dy begert hilf ufs furderlichist und sterkest zu roß und fuß ain jar lang zu tun etc. mOb nu dy stende des Reichs dise hilf zu tun schuldig weren, dafur sy es doch aus oberzelten und andern ursachen nit halten, dannoch so stehe es diser zeit nit in irem vermogen, aus nachfolgenden ursachen–m:

    Die stende des Reichs setzen in kainen zweiveln, ksl. Mt. trag gut wissens, wie irer Mt. zu allen vergangen Reichs tegen, der bey zeit irer Mt. regirungn mer dan davor in langen jaren mit grossen kosten gehalten, die unvermogligkait der stende angezaigt sey und dannoch irer Mt. nit destmynder zu vil maln hilf mitgetailt mit merklicher beschwerung. So haben sich auch zusambt den angezaigten hilfen etwovil merklich und grosse krige und ufruhr im Reich und mit den anstossern begeben, auch mißwachs, teurung und sterben, odadurch dy stend in iren aigen seckeln, auch ire undertanen dermassn ersogen, entplosset und erarmet, das sy also zu helfen nit mer vermoglich sein–o, wie dan das ksl. Mt./96/ des vergangen reichstags zu Costenz in sonderhait angezaigt und dabey underteniglich und getreuer meynung gebeten worden, dieselb hilf zu Costenz, aus freyem, gutem willen uber all angezeigt merklich unvermogen zugesagt, dermaß dem Reich zugut anzuwenden, das die dem Reich zugut erspriesse und die stend des Reichs ferner zu helfen vertragen bliben, wan solchs hinfur in irem vermogen nit alzeit sein wurde.2 Welche meynung dan in außbringung der hilf des romzugs den undertanen allenthalben, im besten sy zu bewegen, eroffent sey. Solt nu uber das dy fursten und stende, so solchs in iren kemern oder seckeln nit vermogen, solch beschwerung der hilf uf dy undertanen gelegt werden, zu was unrat, abfal und widerwertigkait das aller oberkait fallen und langen mocht, hab ir ksl. Mt. als hochverstendiger, vernunftiger, erfarner kayser wol zu ermessen, ungezweivelter zuversicht und vertrauens, das ksl. Mt. solch Šbeschwerung und widerwertigkait vil mer zu verhindern oder zu furkomen wan zu furdern gneygt sein sol etc.

    /96’/ Darumb, aus angezaigten und andern ursachen, bey ksl. Mt. ungezweivelt wol zu bedenken, pso zweiveln die stende nit, ksl. Mt. werde als ir allergnst. herr selbs ermessen und erkennen, das dy begerten hilf inen nit vermoglich sey, mit underteniger bit, solch der stend antwurt irer notturft nach und kainer andern ursachen gnediglich zu verstehen–p. Das begern sy, neben irer pflicht in aller undertenigkaitq zu verdinen.r

    [4.] Darnach volgent in der andern ubergeben ksl. instruction siben artikel, der hilf anhengig [Nr. 268, Pkt. 1–8]. sDy lassen dy stende bey obgemelter antwurt auch bestehn–s.

    [5.] Und furter betreffen den stathalter, von ksl. Mt. begert, hoffen dy stende, ksl. Mt. werd sich also weyt oder lange zeit von oder aussem Reich nit tun, das ains stathalters not sein solt.

    Š[6.] Das kamergericht betreffen.

    Seyen die stende zu geburlicher underhaltung und versehung desselben, wie dan dis der abschid letzt gehalten /97/ reichstags zu Costenz zu erkennen gibt3, wol geneygt. Tragen aber der mengel und gebrechen desselben nit sonderlich wissens. Wo ynen aber die laut der instruction von ksl. Mt. reten angezaigt werden, wellen sy gern mitsambt den ksl. reten darzu ordnen und davon zu abwendung derselben notturftiglich handeln lassen.

    [7.] Furter dy munz betreffen.

    Achten die stendeu dem gemeinen Reich erlich und nutzlich, [sich] sonderlich im golt ains gehalts und aufschnits zu vergleichen, als nemlich den gehalt uf neunzehenthalbn grat feinsv und siben am ufschnit, also das hundert und siben uf I½ kolnisch mark gehen. Und das dy stend des stucks halbn zu den ksl. reten die, so der munz verstendig sein, ordnen, davon der notturft ordnung im Reich furzunemen.

    [8.] Dan belangent suplication des bischofs von Kamerach.

    Dweyl dy stendw nit ermessen mogen, was nutzs oder schadens dem Heiligen Reich aus solcher creation /97’/ wachsen moge und dan dy sachen dy stat Kamerach als ain stat des Reichs betrifft, xachten dy stend–x, nit unzimlich sein, solch suplication der stat Karmach zuzusenden und das bede, bischof und stat, zu negstkunftigem reichstag erscheinen und von diser sach berichtung [tun], wes ksl. Mt. und dem Heiligen Reich davon ere, nutz oder schaden entstehn mog, domit dy stend der ksl. Mt. iren rat dest statlicher in solchem mittailen mogen.4

    [9.] Das jubilgeld betreffen.

    yErmessen dy stend, ynen–ynit fuglich, einiche mandata oder bevelhbrif laut ksl. Mt. beger ausgen zu lassen. Zweiveln aber nit, ksl. Mt. wisse sich darinz wol zu halten.

    Š[10.] Den begerten solicitator belangen.

    Bestet nach ermessung der stendaa bey der handlung, so des camergerichts und des fiscals halben furgenomen werden sol.

    [11.] Der letzt artikl, nit erlassung der hilf betreffende.

    Lassen dy stendab bey der antwurt, di hilf betreffen, beruhen etc.

    «Nr. 276 Resolution der Reichstagskommissare an die Reichsstände – Worms, 31. Mai 15091 »

    [1.] Aufforderung zur Revidierung der ständischen Resolution zur Reichshilfe; [2.] Antrag auf Fortsetzung der Reichstagsverhandlungen bis zur Vorlage der ksl. Gegenresolution.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 134–135 (Kop., Überschr.: Auf der kurfursten, fursten und gemeiner stend antwurt gebn ksl. Mt. rete dise ir antwurt.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 164–164’ (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 25–25’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr.: Auf der churfursten, fursten und gemeiner stende antwort geben ksl. Mt. rete dise ir gegenantwort. Actum am letzsten tag Maii anno etc. nono.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 118’–120 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr.: Widerantwort ksl. Mt. statthelter und rete etc.) = D. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (Kop.). Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 152–152’, 154 (Kop., Datumverm.: Ist gelesen am donerstag nach dem pfingstag [31.5.] anno etc. ut supra.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 42–43 (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 41–41’ (wie A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 13’–14’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 34’–35’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 319’–321 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 410–411 (wie A, Datumverm.: Pronunctiatu[m] quinta post pentecoste.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 34–34’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 38’–40 (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (wie A). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 100–98’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 12’–13’ (Kop., Überschr. entsprechend A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 20–20’ (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 969, S. 766–768.

    Š[1.] Anfenglich haben ksl. Mt. rete die antwurt [Nr. 275], in schriften ubergeben, verlesena. Tragen solcher abslegiger antwurt merklichs befrembdens und beschwerung. Dan sich ksl. Mt. oder sy, die rete, des in kainen weg versehn hetten, wie sy dan das aus der werbung, so Johann Storch auf ksl. Mt. sonderlichen bevelh [Nr. 271, Pkt. 27] an sy bracht hat, eigentlich vernomen haben, auch angesehen, das dy sach, darumb solch hilf begert, dy heilig cristenhait, kirch und Reich merklich und hoe antreffe. Solt nu di ksl. Mt. an der begerten hilf verlassen und dardurch verhindert werden, das sy der bebstlichn heiligkait in yrem ytzigen obligendem furnemen kain statlich hilf erzaigen mocht und durch ander ir heiligkait hilf und beystant bescheen, auch dise begerte hilf merklicher und hoer geursacht dan kain vorbescheene hilf ye gewest, ist zu ermessen, so solch antwurt an ksl. Mt. und nachmals an unsern allerheiligisten vater, den babst, der e. kfl. gnaden mit besondern brevien und schriften [Nr. 272] ersucht hat, gelangen wurd, was alsdan dy bebstlich heiligkait und ksl. Mt. ab solcher antwurt gfallens tragen wurden, auch so durch den konig von Frankreich, der sich in hilfliche vereynigung der cristenlichen kirchen und ksl. Mt. gegeben hat und ytzunt in glugklichem anzug und sig ist, der cristenlichen kirchen und ksl. Mt. geholfen und durch das Heilig Reich und teutzsche nacion also verlassen solt werden, was merklichn nachtails, schimpf, spot und verachtung dem Heiligen Reich, der teutzschen nacion, eurn gnadn und stenden des Heiligen Reichs daraus entstehn und erwachsen mochten, haben euer gnaden und andere paß, dan dy rete anzaign mogen, zu bedenken. Darauf ist ksl. Mt. rete dinstlich, fruntlich, undertenig und vleyssig bit und beger, e. ftl. Gnn. und andere stend des Reichs wellen in ansehung der billigkait, gelegenhait der notturft ksl. Mt. ain ander antwurt, der sich ir ksl. Mt. nit zu beschweren hab, geben.

    [2.] Dy rete haben auch bevelh [Nr. 266, Pkt. 5], eurn ftl. Gnn. und stenden des Reichs von ksl. Mt. wegen ernstlich zu ersuchen und zu begern, das kainer aus eurn ftl. Gnn. und stenden verrucken oder hinwegziehen, so lang, bis ir ksl. Mt. eurn ftl. Gnn. und ander stende entlich antwurt zugeschikt und sy widerumb darauf ir meynung vernemen, das ir Mt. auf das furderlichist tun wurd. Darumb dan ir Mt. dy post gelegt und duplirt hat, damit es unverzuglich zugee. Das haben dy rete eurn ftl. gnaden und andern stenden nit wellen verhalten, sich wisse[n] darnach zu richten. Wellen auch eurn ftl. g[unsten], gnaden und fruntschaften solchs auf den gemelten bevelh, so sy von ksl. Mt. haben, hiemit dinstlich, fruntlich, undertenig und gnugsamlich ersucht und angezaigt haben.

    «Nr. 277 Votum Kursachsens zur Reichshilfe – [Worms, 1. Juni 1509] »

    [1.] Argumente für die Verweigerung der Reichshilfe gegenüber den ksl. Kommissaren; [2.] Nichteinbeziehung der Reichsstände in die VertragsverhandŠlungen von Cambrai als Argument gegenüber Papst Julius II. und Kg. Ludwig von Frankreich.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 140–141 (Kop.) = Textvorlage A.

    [1.] Item nodturftiglich zu bedenken: Solt ksl. Mt. zu diser begerten hilf wilfart werden, dieweyl solch hilf an rat der stende des Heiligen Reichs furgenommen, auch unvormogen des Reichs angesehen, darzu, das ksl. Mt. zu Costenz angezeigt worden ist, so sein Mt. zu ander zeit hilf begeren wurd, dz dann auß unvermogen solch hilf seiner Mt. abgeslagen werden muste.1 Darzu werden diejenigen [gestärkt], so bey ksl. Mt. sein und sich alweg gevlissen, ksl. Mt. dohyn zu brengen, hilf bey den stenden des Hailigen Reichs zu suchen und zu begeren. Und wiewol sie das zu tun nit schuldig gewest zu solchem furnemen, das doch an rat und bewust der stend des Heiligen Reichs bescheen werea, das sich dann die stend des Heiligen Reichs nit wenig beswert haben, das alles an bewust und yren rad solche swere hendel furgenomen werden; sey auch mermals ksl. Mt. solchs von inen angezeigt worden. Darumb inen ganz unleidlich und beswerlich, sich alweg mit hilf in solcher gestalt zu besweren lassen. Were auch von ksl. Mt. gnedige zusage bescheen, ine forder nit mer zu beschweren2. Solt nu in disem handel aber ksl. Mt. wilfart werden, wurden diejenigen, durch die die ksl. Mt. zu solchem furnemen gehalten, abermals mer in irem furnemen gesterkt und bey ksl. Mt. erst den glauben erlangen, was sie ksl. Mt. rieten, das solchs durch die stend muste verfolgt werden, und were on not, ir, der stend, rat darinne zu geprauchen. Das dann im Reich also nit herkommen. Was verachtung daz den stenden, auch dem Hl. Reich schad und nachteil brengen werd, ist bey einem itzlichen verstendigen und getreuen Reichs mann wol zu ermessen. Werde auch bei der bebstlichen hailigkait, dem konig von Frankreich und andern dafur angesehen und [ge]achtet, solch furnemen und hilf, so die den stenden aufgelegt, das sie solchs auß einer verpflicht tun musten und were ganz on not, sie umb einigen rat anzusuchen.

    [2.] Item auch nit zu vergessen, den reten anzezeigen, dz wir unser entschuldigung gegen dem pabst, auch Frankreich tun wolten mit anzeigung, das uns nit entgegen, dz ksl. Mt. mit seiner hailigkait, auch Frankreich und andern konigen wol und in guter aynigung stund, hetten das auch vor vil jaren wol leiden mogen, dann wir wol wusten, was dem Heiligen Reich ere und nutz darauß entstanden. Weyl aber dise handlung were on unsern willen und wissen bescheen und durch die gehandelt, die solchs gar nit zu tun, were auch also im Heiligen Reich nit herkommen. Wern aber diese sachen mit rad der stend des Heiligen Reichs furgenommen, wie sich dann dz aigent und gepurt het, so Šwolten wir uns mit hilf, rat und darstreckung unsers leibs und guts dermaßen darinnen erzeigt haben, dz ksl. Mt. und meniglichen solt scheynbarlich gemerkt haben, das nichts billichs an uns hette erwinden sollen.

    «Nr. 278 Bedenken des Ständeausschusses zur Reichshilfe – Worms, 1. Juni 15091 »

    Gründe für die Verweigerung der Reichshilfe: [1.] unterbliebene Konsultation der Reichsstände bei den Verhandlungen mit Frankreich und bei den ksl. Kriegsplanungen, [2.] Unsicherheit der Reichsstände hinsichtlich der Konsequenzen der Verträge von Cambrai für das Reich, [3.] Nutzlosigkeit früherer Reichshilfen, [4.] mögliche Stärkung der französischen Position in Mailand infolge einer Reichshilfe, [5.] Kritik am übereilten ksl. Vorgehen bei der Reichshilfe, [6.] Nutzlosigkeit früherer, insbesondere der auf den Reichstagen in Köln (1505) und Konstanz (1507) bewilligten Reichshilfen; [7.] voraussichtliche Ablehnung einer kleinen Reichshilfe durch den Ks.; [8.] Notwendigkeit des Festhaltens an der ersten ständischen Resolution aus Gründen der Reputation.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 138–139’ (Kop., Verm. am Textende: Die und ander mer ursachen hetten der nodturft alle zu bedenken tun.) = Textvorlage A.

    Und domit curfursten, fursten und stend vernemen mogen, auß waz ursachen die rete bewegen, uf der antwurt, wie die gestelt, zu beharren.

    [1.] Erstlich bewegen die rete, dz die stend solcher hilf zu tun nit schuldig sein, auß nachfolgenden ursachen, nemlich dz diese der ksl. Mt. angezeigt aynung, vertrag, krieg und furnemen an rat, wissen und willen der stend eingangen und furgenomen, dz bißher im Reich nit gepraucht, geubt und herkomen ist.

    [2.] Zum andern, dz die stend nit wissen mogen, was nutz, schadens, vorteils oder nachteils dem Heiligen Reich auß solchen eynungen und vertregen entsteen moge, dz sie doch billich mitwissen solten haben.

    [3.] Zum dritten, so were zu besorgen, wie sich auß vor ergangen hilfen ereuget, wu ir Mt. von stenden hilf zu tun moglich, die ir Mt. und dz Reich dadurch eher und mer zu vertiefung und unrat wann zu erhebung und aufnemen geleistet oder gefurt werden mocht, das dann den stenden hoch zu betrachten.

    [4.] Zum virden, so bewegen die rete, durch dise begerte hilf auch dem konig von Frankreich zu erobrung des, so vom herzogtumb Meyland noch mangelt oder aussestet, zustaten komen sol. Solchs durch die stend hoch zu bedenken und zu bewegen sey. Wann dadurch die stend, so sie hilf teten, angesehen wurden, als ob sie in die vertrege, wie die bescheen und ob die gleich dem Reich nachtailig weren, gewilligt und gehelen hetten, zusambt dem, dz der Škonig von Frankreich dadurch mer ersterkt, erhoet und wider dz Heilig Reich seins gefallens gemechtigt wurd, das den stenden zum hochsten zu bedenken ist, zusambt dem, dz er auch Meyland an verwilligung des Reichs stenden innehat zu nachteil des Reichs. Der und ander sachen halben die stend des Reichs geursacht werden, dz sie sich nastgehalten Reichs tag zu Costenz erboten gehabt, ire treffenliche potschaft zum konig von Frankreich zu schicken, mit ime des herzogtumbs Meyland und ander sachen halben des Hailigen Reichs und die cron zu Frankreich berurent, zu handeln; des inen aber uß dem, daß ksl. Mt. in die Francosen keinen glauben oder trauen zu stellen angezeigt hat, von ksl. Mt. abgeslagen ist.2

    [5.] Zum funften, das nyemer bißher im Reich gehort, dz ein solche treffenliche hilf also eylend und stumpf3, unberatslagt, auch zu ungelegener zeit sey gefordert oder begert wurden.

    Darzu, ob der krig were, doch diese hilf den stenden des Reichs zu tun nit moglich, wie vormals in antwort erzelt [Nr. 275, Pkt. 3].

    [6.] Wann die zuvor nasten ufgesatzten hilf, als zu Collen und Costenz, uber die XII mal hunderttausent gulden im anslag getroffen haben4, davon doch ksl. Mt. und dem Heiligen Reich allein nachteylung, schaden und schmee erwachsen ist. Wellen dabey gesweygen ander großer, merklicher hilf, davor gescheen.

    [7.] Darneben ist zu bewegen, wue sich die stend auß underteniger, guter meynung einer cleynen hilf begeben oder erbieten solten, dz solchs von ksl. Mt. und seinen reten hoch veracht, zu misfallen aufgenomen und zu keinem dank gehabt oder angesehen werden mocht.

    [8.] Zum allerletzten bewegen die rete am hochsten, wu curfursten, fursten und stend uf anregen oder beger der ksl. rete also leichtlich von irer gegeben antwurt steen oder fallen solten, zu was vercleynung, verachtung und unrat inen solchs hinfur bey ksl. Mt. wachsen und komen mocht.

    «Nr. Š279 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 3. Juni 15091 »

    [1.] Zusammenfassung der ksl. Resolution vom 31. Mai; [2.] Rechtfertigung für die Verweigerung der Reichshilfe: finanzielle Überlastung der Stände und [3.] fehlende Verpflichtung zu deren Bewilligung und Leistung aus folgenden Gründen: [3.1.] unterbliebene Konsultation der Stände bei den Verhandlungen mit Frankreich und bei den ksl. Kriegsplanungen, [3.2.] Unsicherheit der Reichsstände hinsichtlich der Konsequenzen der in Cambrai geschlossenen Verträge für das Reich, [3.3.] Nutzlosigkeit früherer, insbesondere der auf den Reichstagen in Köln (1505) und Konstanz (1507) bewilligten Reichshilfen, [3.4.] mögliche Interpretation eines Reichshilfebeschlusses als nachträgliche Zustimmung der Stände zu den Verträgen von Cambrai, Widersprüchlichkeit der ksl. Frankreich-Politik, [3.5.] Kritik am übereilten ksl. Vorgehen bei der Reichshilfe; [4.] Unbegründetheit von Kritik an der ständischen Position; [5.] Empfehlung für das Procedere zur Vorbereitung eines Türkenkreuzzuges; [6.] Erwartung des Abschlusses der Reichshilfeverhandlungen, Bereitschaft zu Verhandlungen über Reichskammergericht, Landfrieden und Münzwesen.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 102’–106 (Kop., Überschr.: Als churfursten, fursten und stende des Reichs auf ksl. Mt. ubergeben instruction [Nrr. 266, 268] antwurt in schriften [Nr. 275] geben und darauf von den ksl. reten widerschrift oder antwurt [Nr. 276]empfangen, haben dy stende ir meynung weyter auch in schriften, wie hernach volgt, stellen lassen etc. Irrtümlicher Datumvermerk: Montags nach trinitatis [4.6.]) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 165–167 (wie A) = B. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 43–44’, 45–45’, 46 (Zwischenstufe zwischen Ausschussbedenken und ständischer Resolution, Überschr. wie A, Datumverm: Sampstag nach phingsten [2.6.]) = C. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 26–29 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr. wie A, zusätzlich: [...] und ksl. Mt. reten auf sontag trinitatis, III. Junii, ubergeben laßen.) = D. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 120’–125’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = E. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (Kop.). Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 154’–157’ (Kop., Datumverm.: Sambstag nach dem pfingstag [2.6.] Ao. etc. VIIIIo.]). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 44–46 (wie A). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 14’–18’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 36–40 (wie E). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop., Überschr.: Antwurt der stende.). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 321–325’ (wie E). München, HStA, KÄA 3136, fol. 412–415’ (wie A; Datumverm.: Pronunctiatu[m] sab[ba]to in do[mini]cam trinitatis.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 35’–37’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 40–44’ Š(wie E). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (Kop., Überschr. wie Memminger Exemplar). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 98’–93’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 14–16’ (Kop., Überschr. entsprechend A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 21–23 (wie E).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 970, S. 768–771.

    [1.] /102’/Kurfursten, fursten und stend des Reichs haben der ksl. Mt. rete ubergeben schrift [Nr. 276]horen lesen und daraus vermerkt, das sy sich der stende gegeben antwurt auf ksl. Mt. instruction merklich befrombden und beschweren, dera sich ksl. Mt. ader sie, dy reteb, nit versehen hetten, angesehen, das dy sach der hilf dy heilig cristenhait, kirchn und Reich merklich und hoch antreffen, auch wie beschwerlich were, wo ksl. Mt. an begerter hilf, die sy bebstlicher heiligkait in obligendem furnemen erzaigen wolt, verlassen wurd, mit weyter anzaig, darin begriffen.

    [2.] Nu setzen dy stende in kaynen zweivel, es werd aus irer negst gegebner antwurt lauter verstanden, das die stende des Reichs allezitc in und zu dem, das zu ere, wolfart und aufnemen ksl. Mt. und des Heiligen Reichs gedinet oder fruchtbar gewest oder noch sein solt und in irem vermogen stunde, willig gewest, das sey noch ir dwille und gemut–d. Aber di stende hetten auf dy begerten /103/ hilf nach irer gelegenhait und notturft ain antwurt geben der ursache, nemlich dy unvermoglichkait, das sy beschwerts gemuts anzaigen, offentlich vor augen stehe, des dy ksl. rete selbs gut wissen tragen. Darumbf dy stende sichg nit klain tun verwundern, das von den ksl. reten sich solcher der stend warer, gegrunter antwurt sol befrombdet und beschwert werden. Wan offentlich und unverborgen sey, was merklichen last, beschwerung und costens das Heilig Reich in kurz vergangen jaren bey zeiten ksl. Mt. durch vilfeltig reichsteg mit zerungen, nachraisen, krieg und hilf erlitten hab. Daraus und andern ursachen und zugefallen unrat, zum tail in neher antwurt angezaigt, dy stend und dy iren in yren kemern und seckeln dermassen erschopft und entplosseth sein, das nu zur zeit nit mer in irem vermogen stehe, ialso zu helfen–i, wie dan dy jungst antwurt zu erkennen gebe.

    [3.]jDarzu, so ermessen dy stend, das sy aus vorangezaigten und nachfolgenden ursachen diser hilf zu tun nit schuldig sein: [3.1.] Erstlich darumb, das Šdise irk ksl. Mt. eynung, vertrege, krieg und furnemen an rat, wissen und willen churfursten, fursten und andererl stend des Heiligen Reichs furgenomen und aufgericht seyn, wie dan /103’/ notturft des Heiligen Reichs in solchen grossen, schweren und dapfern sachen hohlich tet erfordern, auch also im Reich, wo irer hilf begert, loblich herkomen und gebraucht ist.

    [3.2.] Zum andern, das dy stend nit wissen mogen, was nutzs oder schadens, vorteils oder nachtails dem Heiligen Reich aus solchen eynungen und vertregen entstehn mogen, des sy doch billich, weyl irer hilf begert wurd, mitwissens empfangen hetten.

    [3.3.] Zum dritten, so sey zu besorgen, wie aus vorergangen hilfen sich ereuget, wo der ksl. Mt. dy begert hilf von stenden zu tun moglich, das dannoch ir Mt. und das Heilig Reich ehr und mer in vertifung und unrat wan in erhehung oder aufnemen dardurch gelaitet oder gefurt werden mocht. Wan wiewol dy jungsten zwo hilf [der] gehalten reichstege zu Koln und Costenz uber wol vermogen der stende bewilligt, etwas weyt uber ain merklich suma goldes, so darauf ergangen, im anschlag getroffen, so sey doch ksl. Mt. und dem Heiligen Reich kain nutz, /104/ sonder allain nachtail, schimpf und schaden deshalben erwachsen und komen. Sy geschweygen darbey ander grosser hilf, davor gescheen. Das alles dy stende nit unbillich hochlich beschwert und in betrachtung erwegenm.

    [3.4.] Zum virten, so sey auch zu besorgen, wo dy begert hilf den stenden moglich und sy dy teten, das solchs angesehen und geacht werden mocht, als ob sy in dy angezaigten, doch inen unwissent vertreg, und wie die gescheen, als ob die gleich dem Hl. [Reich] nachtailig weren, gewilligt und darein gehollen hetten; zusambt dem, das solchs der handlung negst gehalten reichstags zu Costenz, dy mit hoer vernunft und betrachtung bewogen worden, nit gemeß, da sich churfursten, fursten und ander stend guter meynung erboten gehabt, ire treffentliche potschaft zu kgl. wirde zu Frankreich zu schicken, mit derselben des herzogtumbs Maylant und ander sachen halben, das Heilig Reich und dy cron zu Frankreich betreffent, zu handeln und unrat zufurkomen, /104’/ mit hoem erbieten der stend, wo sich der konig nit gleicher ding gegen röm. ksl. Mt. weysen lassen wolt etc. Das ynen aber von ksl. Mt. desmals abgeschlagen und nit verfolgt ist2, nit an nachtail und beschwerung des Reichs, als dy stend besorgen.

    [3.5.] Zum funften, das bisher nie mer im Reich gehort, das ain soliche treffentliche, eylende und stumpfe [= plötzliche, unerwartete] hilf zuvor unbeŠratslagt, auch zu ungelegner zeit zu schicken sey gefordert oder begert worden–j.

    [4.] nDarumb, aus angezaigten und andern ursachen, der auch wol mer zu erzeln weren, so sey der stend vertrauen und hoffen, das sich solicher irer gegeben notturftigen, warer antwurt weder die ksl. Mt. rete noch ymants anders mit billigkait zu befrombden oder zu beschwern haben sol–n.

    oHet aber ksl. Mt. in solchem irem schwern furnemen der churfursten, fursten und stend rat gebraucht, wie ym Reich herkomen, dy notturft erfordert und billich bescheen were, was dan dy stend seiner Mt. geraten, darin wolten si sich als dy getreuen /105/ und gehorsamen ungezweivelt mer, wanp ir vermogen gewest, erzaigt und gehalten haben–o.

    Dy stend zweiveln auch nit, wo dy bebstlich heiligkait herkomen [und] gelegenhait der stend und sachen teutzscher nacion, wie zum tail oben angezaigt, auch wie und zu welcher zeit dy sachen an dy stend gelangt sein, bericht were oder wurde, ir bebstlich heiligkait wurde der gegeben antwurt kain misfallen tragen, sonder der stend gelegenhait und notturft in solchem gnediglich bedenken.

    [5.] Wo auch wider dy unglaubigen oder Turken mit ainer statlichen expedicion oder zug solt gehandelt werden, als dan notturft derselbn sachn wol tet erfordern, oder so dy bebstlich heiligkait oder kristenlich kirchen von ymant beschwert oder benotigt were oder wurd, so wolt sich zum forderisten qnach ermessung der stende in solicher schweren, grossen sachen–q geburen, das zuvor vil cristglaubiger gezunge und gewelt zusamen erfordert, mit irer aller rat von sachen der notturft zuvor gehandelt, geratschlagt und ermessen wurd, wie und welcher- /105’/ massen solcher zug und handlung zum besten und geschicktesten solt und mocht furgenomen werden, domit dy hilf in solchem allenthalb auf mogliche zeit gleichmessig und auf alle stend und glider, hoch und nyder, gleichr außgetailt und nit allain auf den gehorsamen klainen tail des Reichs gelegt, auch zuvor cruciat3 und anders geben wurd, wie dan vormals in solchen fellen mer gebraucht und geubt ist. Darin wurden sich an zweivels allet stend des Reichs als frome, christglaubige glider gegen ireru heiligkait und dem kristenlichen glauben nach irem vermogen zu aller gehorsam erzaigen. ŠDer meynung wellen sich auch dy churfursten mitsambt gemeinen stenden auf dy bebstlich ausgangen brevia [Nr. 272] und anders, derhalb furgehalten, verantwurt habenv.

    [6.] wDarumb und aus angezaigten ursachen dy stend des Reichs auf yrer gegeben antwurt bestehn und wissen der yrer notturft und gelegenheitx nach nit zu endern, der zuversicht, ksl. Mt. werd in solchem der stend notturft und gelegenhait ermessen, der gegeben antwurt gesettigt sein und darab kain ungnady empfahen. Und das dy ksl./106/ rete dy stend des Reichs daruber witerz nit wurden anhengen oder beschweren–w.

    aaWo ababer den ksl. reten–ab von den andern artikeln der instruction zu handelnac gemeint were, als von underhaltung des camergericht, fridens und ordenung derad munz, als die stend merklich, nutz und notturftig bedunken, darzu wolten dy stend auch gernae verordnenaf und zum besten handlen lassenag, wie sy sich dan vormals auch erboten haben–aa.4

    «Nr. Š280 Resolution der Reichstagskommissare an die Reichsstände – Worms, 5. Juni 15091 »

    [1.] Befremden über die Verweigerungshaltung der Reichsstände, Notwendigkeit zur Entgegennahme der ksl. Replik durch die verantwortlichen Reichsfürsten; [2.] Einwilligung zu Verhandlungen über Reichskammergericht, Landfrieden und Münzordnung; [3.] Aufforderung an die Reichsstände zum Bleiben auf dem Reichstag bis zum Eintreffen der ksl. Replik.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 106’–107’ (Kop., Überschr.: Ksl. Mt. rete widerantwurt auf der stend letzt angezaigte meynung, gelibert zu Wormbs am dinstag nach trinitatis [5.6.].) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 168–168’ (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 31–31’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 126–127’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 158–159 (wie A; Vermerk über die Abschrift durch die Reichsstände: Mitwochen nach trinitatis [6.6.]anno ut supra.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 48–48’ (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 40’–42 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A; Vermerk über die Abschrift durch die Reichsstände: Mitwochen vor corporis Christi [6.6.]zu morgens umb VII ur.). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 326–327’ (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 417–417’ (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 38’–39 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 44’–46 (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 93–92 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 17–17’ (wie A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 23’–24 (wie D).

    [1.] Ksl. Mt. rete und commissarien haben dy schriftlichen meynung [Nr. 279] mit etlichen angehengten ursachen, so ynen durch churfursten, fursten und stend des Heiligen Reichs auf dy furgetragen schriftlichen ursach irs befrombdens und beschwerns, die dieselbigen rete aus eurn kfl., furstlichn gnaden und der stend des Reichs abschlegigen antwurt empfangen, vernomen.

    Und wellen sich versehen zu eurn churfurstlichn, furstlichn gnaden und stenden des Reichs, wo dieselben wol betrachten die rechten, gruntlichen ursachen und sonderlich, das sich ksl. Mt. in solchen hohen der kristenlichen kirchen, auch irer Mt. und teutzscher nacion obligenden sachen, darin dy teutzsch nacion besonder ere, nutz, rum und wolfart erlangen mocht, kainer abschlegigen antwurt zu diser loblichen versamblung vermut hat, wie dan durch dy bemelten irer Mt. rete und commissarien in irer jungstn antwurt [Nr. 276] erzelt ist, das derhalben dy ytztgemelt versamblung kains verwundern ursach haben, ob dieselben ksl. Mt. rete und commissarien nit allain der vorgetanen abschlegigen, sonder auch der jungst gegeben antwurt oder meynung befrombden oder beschwerung tragen wurden. Dweil aber solche negst getan meynung oder antŠwurt vor eurn churfurstlichn, furstlichn Gnn. und den stenden des Reichs allen personlich verlaut hat und ksl. Mt. dermassen berurt, das di notturft erfordert, dieselben irer ksl. Mt. zuzuschicken und derselbena antwurt und bericht darauf hie zu erwarten, dardurch solch antwurt und bericht von denen personlich, von den dan di jungst gegeben meynung ausgangen ist, auch verlautb und vernomen wird, darumb haben dy rete und conmissarien solche meynung ksl. Mt. eilends auf dy post zugeschikt und verhoffen sich furderlicher antwurt von irer ksl. Mt.

    [2.] So wellen auch ksl. Mt. rete und commissarien, wo solchs diser loblichen versamblung gefallen wil, verhelfen, das mitlerzeit der angehengten artikl halbn, das recht, friden, munz und anders betreffen, gehandelt werd.

    [3.] Darauf, so ersuchen ksl. Mt. rete und commissarien abermals euer churfurstlich, ftl. gnad und die stende des Reichs mit dinstlicher, fruntlicher, underteniger, vleissiger bit und beger, das sy ain kurz, zimlich zeit hie verharren und nit verrucken wellen, domit dieselben von ksl. Mt. ain antwurt und bericht empfaen. Dan die rete und commissarien ganz nit der meynung sein, dy kurfursten, fursten und stend des Reichs unnotturftiglich anzuhenken oder zu beschwern.

    «Nr. 281 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 5. Juni 15091 »

    [1.] Zusammenfassung der ksl. Resolution vom 5. Juni; [2.] Ankündigung der Abreise der persönlich anwesenden Reichsfürsten, Bereitschaft zur Abordnung von Räten für die weiteren Reichstagsverhandlungen.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 108 (Kop., Überschr.: Der stend widerantwurt auf ksl. Mt. schrift, ubergeben am dinstag nach trinitatis anno etc. 9o.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 168’–169 (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 32 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 128–128’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 159–159’ (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 49 (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 42–43 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 327’–328’ (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 417’–418 (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 39 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 46–46’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 92–91 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. ŠSalzburg] 1509, fol. 17’–18 (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 24–24’ (wie D).

    [1.] Churfursten, fursten und ander stend vermerken aus ksl. Mt. reten itz ubergeben schriften [Nr. 280] ain artikel, anzaigend, als solt der stend antwurt oder meynung ksl. Mt. dermaß beruren, das die notturft erfordert, solchs irer ksl. Mt. zuzuschicken und derselben bericht und antwurt alhie zu erwarten, dadurch solch antwurt und bericht vor denen personlich, von den dan di jungst gegeben meynung ausgangen ist, auch verlaut und vernomen wurde.

    [2.] Nu haben und halten es dy stend darfur, das nichts geschriben oder angezaigt sey, daß ksl. Mt. dermaß berure, als auch der stend awill und gmut–anye gewest oderb noch nitc ist, das deshalben den stenden in eigner person ferner antwurt zu wartn not sey; des vertrauens, das ksl. Mt. an irm abziehen kain ungnad empfahen werd. Aber des kamergerichts und ander negst angezaigter artikel halben sein dy stend noch willig, mitsambt ksl. reten darzuzuordnen und davon der notturft handlen zu lassen.

    «Nr. 282 Resolution der Reichstagskommissare an die Reichsstände – Worms, 5. Juni 15091 »

    Aufforderung an die Reichsfürsten zum Bleiben auf dem Reichstag; Bereitschaft zu Verhandlungen über das Reichskammergericht und andere Materien.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 108’ (Kop., Überschr.: Widerantwurt, auf dinstag nach trinitatis anno etc. nono zu Wormbs uberantwurt.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 169–169’ (Kop., Überschr. entsprechend A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 32’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 129–129’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 159’–160 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 49’ (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 43’–44 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 328’–329 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 418–418’ (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 39’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 47–47’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 91–90’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 18–18’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 25 (wie D).

    ŠRomischer ksl. Mt. rete und commissarien haben der churfursten, fursten und stend des Reichs itzt gegeben antwurt [Nr. 281] verlesen. Und wie sy vormals in schriften [Nr. 280] ir underrichtung, bit und begern getan haben, dabey lassen sy es nochmals bleyben. Stellen es darauf zu eurn churfurstlichn, furstlichen und der stend des Reichs betrachtung und bedenkung, wo dy iren aufbruch, wie auß itziger antwurt erscheint, auf dy vorgegeben abslegigen antwurt von hynnen nemen, was solchs irer ksl. Mt., ganzer teutzschn nacion und irer Mt. erblanden, auch allen denjenen, so ytzo bey irer Mt. im anzug und hilf sein, nachtails, schadens und verhinderung unda denb veinden und widerwertigen freud, trost und sterkung bringen wurd, das doch durch ain kurz, zimlichs hiebleyben verhut mocht werden. Und wellen ksl. Mt. rete cdemnach auf den bevelh [Nr. 266, Pkt. 5], ynen von irer Mt. zugestanden–c, dy versamblung beyeinander zu behalten, hiemit gnug getan und dieselben deshalben auf das allervleyssigist ersucht haben. Sein auch willig, des kamergerichts und ander anhengigerd artikl halben mite der stend verordenten nach notturft helfen zu handeln.

    «Nr. 283 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 5. Juni 15091 »

    Ablehnung weiteren Ausharrens auf dem Reichstag durch die Reichsfürsten.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 109 (Kop., Überschr.: Dagegen haben dy stende antwurt gegeben, wie hernach volget etc.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 169’ (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 33 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 130 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.; Überschr. wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 160 (Kop., Überschr. entsprechend A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 50 (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop., Überschr. entsprechend A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 44–44’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Überschr. entsprechend A). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 329–329’ (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 418’ (Kop., Überschr. entsprechend A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 39’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 47’–48 (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 90’–90 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). ŠWien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 18’ (Kop., Überschr. entsprechend A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 25–25’ (wie D).

    [1.] Kurfursten, fursten und stende haben vormals zum zwaiten mal antwurt [Nr. 279] gegeben, iren grunda, gelegenhait und notturft entdegkt. So nu dy ksl. rete ytzo daruber auf irer Mt. antwurt bestehn, so lassen es dy stend bey iren gegeben antwurt auch bleyben, der undertenigen zuversicht, so dy ksl. Mt. der stende notturft und gelegenhait ermessen, sy werd irer antwurt und abzihens nit misfallens tragen.

    «Nr. 284 Erste Antwort der Reichsstände an den ksl. Gesandten Ernst von Welden – Worms, 5. Juni 1509 »

    Verweigerung der angeforderten Mandate zur Aushändigung der Jubelablassgelder an die Fugger.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 92’–93 (Kop., Überschr.: Der stende [Einfügung Hd. J. J. Müller: abschlägige] antwurt auf herrn Ernsten von Welde werbung, von ksl. Mt. wegen getan, auf dinstag nach trinitatis anno XVC nono ubergeben.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 171–171’ (Kop., Überschr. entsprechend A) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 134–134’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = C. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 163–163’ (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 52–52’ (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 48’–49 (wie C). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 333–333’ (wie C). München, HStA, KÄA 3136, fol. 421 (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 41–41’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 51’–52 (wie C). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 86’–86 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 27’–28 (wie C).

    Curfursten, fursten und ander stend des Reichs haben dy werbung, durch herrn Ernstn von Welden von ksl. Mt. wegen gestern [4.6.] getan, das jubilgelt betreffend, nach laut verlesner instruction [Nr. 269] gehort. Und geben herrn Ernstn darauf zu erkennen, das hivor in ainer andern ksl. instruction [Nr. 268, Pkt. 12]1, von irer Mr. reten alhie angelangt, an dy stend auch begert ist, dergleichn mandata in dem besten form an ende, so das jubilgelt noch hinder inen ligend haben, ausgen zu lassen, solch jubilgelt der ksl. Mt. zu raichen etc.

    Daruf haben di stend desmals ermessen, das inen nit fugen woll, solch mandata laut ksl. Mt. beger außgehn zu lassen, mit dem anhang, das sy nit zweifelten, ksl. Mt. wuste sich darin selbs wol zu halten. Das sy auch ksl. reten desmals in antwurt [Nr. 275, Pkt. 9] geben. Dasselb wissen di stend bey inen Šnach gstalt diser sachen noch nit anders zu betrachten. Das haben dy stend herrn Ernstn fur antwurt unangezaigt nit wellen lassen, gutlich begern und bitten, solchs der ksl. Mt. ima besten von der stende wegen anzubringen.2

    «Nr. 284a Weisungen Ks. Maximilians an die Reichstagskommissare vom 25. Mai, 2. und 3. Juni 1509 – präs. Worms, 7. Juni 1509 [= Nrr. 404, 410f.] »

    «Nr. 285 Bedenken des Ständeausschusses – [Worms, wahrscheinlich 7. Juni 1509] »

    Alternative der Reichstände zwischen Beharren und Einlenken in der Frage der Reichshilfe.

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 178’ (Kop.) = Textvorlage A.

    Die verordenten rete haben die ksl. schrift [Nr. 411] und der stende vor gegeben antworten gegeneinander mit manigfeltigen argumenten und bewegnußen wider und fur betrachtet und zulest bij inen bedacht, daz unsern gnedigsten und gnedigen hern kurfursten, fursten und stenden under zwein wegen eyner furzunemen sij: eintweders, daz die stende uf gegebener antwort beharren oder ein anders furnemen, mit ksl. maiestat reten davon zu handeln. Wo nun die stende ir gemüte uf der meynung eyne entschliessen, mochten sie davon witer zu ratschlagen verorden und befelhen.

    «Nr. 286 (Nicht übergebene) Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – [Worms, 8. Juni 1509] »

    Verweigerung weiterer Verhandlungen über eine Reichshilfe; Ankündigung der Abreise der Reichsfürsten.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 136–137 (Kop.) = Textvorlage A.

    ŠCurfursten, fursten und stend haben die schrift ksl. Mt.[Nr. 411], wie die von yrer Mt. reten inen uf ir erst getane antwort [Nr. 275] gestern [7.6.]1 furgehalten, vernomen. Und alß darinnen under anderem vermeld werd, daz ksl. Mt. der stend vermogen so wol als sie selbs wuste, dz haben sie gern gehort. Und weyl dem also, so werd ksl. Mt. in ansehung desselben yrs undertenigen verhoffens bedenken und beherzen, das sie, die stend, yrem vermogen nach gepurlich und undertenig antwort geben haben, und der kein ungnedigs befrembden oder beswernus tragen. Die stend wusten auch zu dem andern anzeigen und inhalt der schrifte mit Gots hilf wol zu antworten. Sie wolten sich aber mit ine, den reten, anstat ksl. Mt. in kein disputacion begeben. Dann sie wusten, das es ine gegen ksl. Mt. als yrem herrn zu tun nit gepuret. Darzu haben die stend auß der rete reden, die sie zu nast gegebener antwort getan, vernomen, daz sie angezeigt, als solt der stend antwurt oder meynung ksl. Mt. dermaßen beruren, dz die nodturft erforder, solchs yrer Mt. zuzeschicken [Nr. 280, Pkt. 1], darzu die stend dazumalh geantwort, das sie es dafur hetten, daz nichts geschriben oder angezeigt were, das ksl. Mt. dermasen berure, als auch ir wille und gemut nye gewest oder noch ist, deßhalb in aigen person ferrer antwort zu warten not were etc. [Nr. 281, Pkt. 2]. Weyl dann sie, die rete, forige antwort als vor beswerlich angezogen [Nr. 282], solten sich dann die stend uf ytzige schrift in weyter verantwortung geben, als sie mit Gots hilf, wie vorberurt, zu tun wusten, mochte solchs von ine, den reten, abermals dermaßen angesehen werden, derhalb und auß andern ursachen, auch ksl. Mt. zu undertenigkait sie das unterlassen wellen. Nachdem sie dann die nast der stend gegeben antwort yrem anzeigen nach ksl. Mt. zugeschickt, solten nu die stend lenger daruber alhie verziehen, so mocht es dafur geacht oder angesehen werden, als hetten sie antwurt geben oder anzeige getan, darzu ksl. Mt. verantwortung not were, das doch yr gemut und wille nye gewest, auch nach nit ist, wie den reten in den fordern tagen auch vermeldt. So begert ksl. Mt. auch in ytziger schrift nit von stenden, daz sie lenger alhie verziehen oder verharren sollen, derhalb sie gedenken, mit Gots hilf yrn abschied zu nemen. Dz haben euch die stend foriger getaner antwort abermals zu erinnen und uf die gestrigen vorgehalten kaiserliche schrifte zu antwort nit verhalten wellen, underteniger zuvorsicht, ksl. Mt. werd auß angezeigten redlichen ursachen in der stend abschied kein ungnedigs gefallen tragen, sonder sie allezeit genediglich halten. Das wellen sie als die gehorsam underteniglich verdienen.

    «Nr. 287 Zweite Antwort der Reichsstände an den ksl. Gesandten Ernst von Welden – Worms, 9. Juni 1509 »

    Bekräftigung der ersten Antwort vom 5. Juni.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 124 (Kop., sambstag nach des hailigen Šfronleichnamstag) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 178’ (Kop.) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 144’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = C. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 170 (Kop., sambstag nach corporis Cristi; Überschr.: Andere antwort des jubelgelts halber, Ernsten von Welden gegeben.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop., sampstag nach corporis Christi). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 58 (wie C). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., sambstag nach corporis Crysty). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 344’ (wie C). München, HStA, KÄA 3136, fol. 429 (Kop.; Verm.: Geben auf sambstag nach corporis Christi.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 44’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 63 (wie C). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 80 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR 1509 [Est. Salzburg], fol. 25 (Kop., Datumverm.: Actum sabatho post corporis Christi.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 33 (wie C).

    [1.] Curfursten, fursten und ander stend haben nast von Ernsten von Welden zu bewerung seins anbringens oder instruction [Nr. 269] das furbracht vidimus1 gesehen und gehort leßen. Lassen es bey vor gegebener antwurt [Nr. 284] pleiben. Haben an hern Ernsten anbrengen oder rede nit zweifel gehabt, darumb diß seins anzeigens one not gewest. Dz haben die stend hern Ernsten uf solch anzeige guter meynung nit verhalten wellen. Geben uf sambstag nach corporis Cristi anno Domini etc. nono.

    «Nr. 288 Schlussresolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 9. Juni 1509 »

    [1.] Aufforderung des Ks. zur Änderung der ständischen Position bei der Reichshilfe; [2.] Ablehnung einer die Leistungsfähigkeit der Stände übersteigenden Reichshilfeforderung.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 162–162’ (Kop., Überschr.: Letzt antwurt der stende.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 178’–179 (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 40’–41 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr. wie A) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 144’–145’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 170–170’ (Kop., Überschr.: Letzt antwort der stende uf ksl. Mt. zugeschickte schrieft.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 54–54’ (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 57–57’ (wie A). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 58–59 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 344’–346 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. Š429–429’ (wie A; Verm.: Geben sambstags nach corporis Cristi anno domini etc. nono.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 44’–45 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 63–64’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 80–78’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 25–25’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 33–33’ (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 976, S. 778f.

    [1.] Curfursten, fursten und ander stende haben der kaiserlichen Mt. schreiben, an die ksl. rete ytzo außgangen [Nr. 411], ksl. Mt. begerte hilf betreffend, mit anhangender begere, sich einer andern und bessern antwurt und meynung seiner Mt. begern gemesse zu entslissen, alles ferrers inhalts horen leßen. Und zweiveln nit, ksl. Mt. haben nu auß ayren gegeben antwurten–averstanden, wie die stend des Reichs zu allem dem, das zu ere, wolfart und ufnemen ksl. Mt. und des Heiligen Reichs fruchtpar oder gut gewest oder noch sey, als die gehorsamen yrs vermogens allezeit gutwillig gewest und nochb.

    [2.] Nu hab die ksl. Mt. an die stend ein merkliche hilf uf dz stercks ein jar lang und zum furderlichsten zu tun begert, die den stenden, wo sie der gleich schuldig, nit moglich sey, wie dann vor auß cdenselben gegeben antwurten–cnach der lenge zu vernemen. Hetten abe[r] kaiserliche Mt. oder ire rete anfangs etwas, dz den stenden leidlich und moglich gewest, an die stend begert, uß guter willigkaitd zu tun, darinnen hetten sie sich eauß freyem willen und nit auß schulden, wie sie vormals mer getan–e, ksl. Mt. zu undertenigem wolgefallen und derselben, auch dem Hailigen Reich zu wolfart und gutem nach yrem vermogen dermaß erzeigt, dz sie hoften, von der ksl. Mt. gnedigen willen erlangt zu haben. Und als ksl. Mt. ferrer selbs anregen das vermogen der stende und anders, dasselbig ist nit anders, wann sie in fnest gegeben iren antworten–fbeswerts gemuts angezeigt haben. Darbey sie es pleyben lassen. Und wellen sich ferrer gegen ksl. Mt. als yrem rechten herrn underteniger meynung in disputacion nit begeben noch auch vormals oder ytzo ichts seiner Mt. zuwider, sonder allein yrer nodturft und gelegenhait halber angezeigt und geantwurt haben. Darumb und auß andern vor erzelten ursachen, so lassen es die stende bey den gegeben antworten pleyben. Bitten darauf ksl. Mt. als yren gnst. hern underteniglich, solchs nit anders wann der nodturft zu vernemen und deßhalb kein ungnade oder misfallens zu entpfaen. Das seind die stende neben iren phlichten in undertenigkait zu verdienen urputig und willig. gGeben sambstag nach corporis Cristi anno Domini etc. nono–g.

    «Nr. Š289 Resolution der Reichstagskommissare an die Reichsstände – Worms, 9. Juni 1509 »

    [1.] Übersendung der letzten ständischen Resolution an den Ks.; [2.] Angebot zu weiteren Verhandlungen über die Reichshilfe.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 162’–163 (Kop., Überschr.: Der ksl. comissarien und rete antwurt darauf.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 179–179’ (Kop., Überschr.: Keyserlicher Maiestet commissarien etc.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 40’–41 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr.: Ksl. Mt. rete antwort.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 146–146’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie B) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 171 (Kop., Überschr. entsprechend A). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 54’–55 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 57’–58 (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 59’–60 (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.; Überschr. wie C). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 346–347 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 430 (wie B; Datumverm.: Geben sambstags nach corporis Cristi anno etc. nono). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 45–45’ (Kop., Überschr. entsprechend A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 64’–65 (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 78’–78 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 25’–26 (wie B). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 33’–34 (wie D).

    [1.] Ksl. Mt. rete und comissarien haben der curfursten, fursten und stende des Reichs aubergeben antwurt und meynung–a [Nr. 275] irer ksl. Mt.bvormals zugeschickt, deßgleichen sie irer Mt.–b diec itzt jungstd der stende antwurt [Nr. 288] auch furderlichen zusenden und sich mit denselben stenden derhalb in kein ferrer disputation oder schrift begeben, sonder solchs zu ksl. Mt. ermessung und betrachtung stellen wollen.

    [2.] Aber nachdem sie, die rete, ye gern sehen und verhelfen wolten, dz der unwille, so, alß sie sorgen, auß der stend ubergeben antwurt zwischen ksl. Mt. und ine, den stenden, erwachßen mocht, furkomen werden und sie bey gutem willen und einigkait bleiben, wo dann den stenden gemeynt sein wolt, von einer andern meynung, der ksl. Mt. bessern gevallen entphaen mocht, zu reden, darzu wolten die rete yrs verstants mit getreuem vleis auch gern helfen handeln und, was zu guter einigkait dienen mag, keyn muhe oder arbeit ires teils sparen noch unterlassen. fGeben sambstags nach corporis Cristi anno Domini etc. nono–f.

    «Nr. Š290 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 10. Juni 15091 »

    [1.] Angebot der ksl. Kommissare zur Fortsetzung der Verhandlungen über die Reichshilfe; [2.] Ablehnung des Angebots durch die Stände in Erwartung der Billigung ihrer Position durch den Ks.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 153–153’ (Kop., Datumverm., vermutlich bezüglich der Beschlussfassung: Auf sambstag nach corporis Christi [9.6.].) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 179’ (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 42’–43 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 146’–147 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 171’–172 (Kop., Datumverm.: Sontag na trinitatis [10.6.]anno etc. ut supra.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 49’ (Kop., Datumverm.: Actum sontags nach trinitatis [10.6.]anno nono.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 58–58’ (Kop., Datumverm.: Sontag nach corporis Christi [10.6.]zu obend.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 60–60’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Datumverm.: Sonntag nach corporis Christi). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 347–347’ (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 45’ (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 65–66 (wie D). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 26–26’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 34–34’ (wie D).

    [1.] Curfursten, fursten und ander stend haben ksl. Mt. rete widerantwurt [Nr. 289] auf der stend letzt gegeben antwurt [Nr. 288] gehort. Und als dieselben rete in gemelter yrer widerantwurta tun anhenken, das sy ye gern sehen und verhelfen wolten, das der unwill, so, als sy besorgen, baus der stend gegeben antwurten–bzwischen ksl. Mt. und ynen, den stenden, erwachsen mocht, furkomen werden etc., mit erbietung, wo den stenden von ainer anderen meynung, der ksl. Mt. besser gefallen emphahen mocht, zu reden gemeint sein, darzu wolten sy gern helfen handlen etc.

    [2.] Versehen sich nu di stende genzlich, wo ir, der stend, sachen dermaß gegen ksl. Mt. geschickt oder gestalt, das daraus ainiger unwill billich erwachsen sol, dy rete wurden irem erbieten nach nichts erwinden lassen. Aber dy stend setzen in kainen zweivel, sy haben sich nach gstalt diser sachen und yrer gelegenhait underteniger meynung in gegeben antwurten dermassen horen lassen, das ksl. Mt. darab kainen unwillen empfahen oder schepfen werd; den vertrauen sy auch zu ksl. Mt. genzlich haben und tragen. Achten darumb, sich in weyter handlung derhalb zu begeben an not. Das haben dy stend den ksl. Šreten guter meynung uf ir getan erpieten unangezaigt nit wellen lassen, gutlich bittend, alle sachenc der ksl. Mt. von der stend wegen zum besten anzubringen, als sich dy stend zu den reten genzlich versehen. Das begern sy fruntlich zu verdinen, zu beschulden und zu erkennen.

    «Nr. 291 Resolution der Reichstagskommissare an die Reichsstände – Worms, 10. Juni 15091 »

    [1.] Beendigung der Verhandlungen zur Reichshilfe; [2.] Zusage der Berichterstattung an den Ks.; [3.] Anfrage bezüglich der Verantwortlichkeit für die letzte ständische Resolution.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 146–146’ (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 180 (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 43–43’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 147–148 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 172–172’ (Kop., Überschr.: Ksl. Mt. rete haben ferrer geantwort.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 49’–50 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 58’–59 (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 60’–61’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 347’–348 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 46 (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 66–66’ (wie D). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 26’–27 (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 34’–35 (wie D).

    [1.] Ksl. Mt. rete haben der kurfursten, fursten und [st]end des Reichs itzt furgetragen schriftlich meynung [Nr. 290] verlesen. Und sein ungezweivelt aus irer, der rete, negst gegeben antwurt [Nr. 289] gnugsamlich vermerkt, das irenhalben alles das, so zu furdrung dises handels und guter ainigkait dinen mag, angezaigt und nichts unterlassen sei. Darumb sy es bey derselbn antwurt nochmals bleiben lassen.

    [2.] Als aber im beschlus itziger der stend meynung angehengt und begert ist, von der stend wegen alle sachn ksl. Mt. zum besten anzubringen etc., des sein di ret mit allem vleis zu tun ganz willig, als sy auch bisher alweg getan haben.

    [3.] aUnd dweil di rete ksl. Mt. vormals auf ir begeren alle stend, so uf disem reichstag in aigner person oder durch ir botschaft erschinen sein, schriftlich zu erkennen geben, so erfordert der ret notturft, bericht zu werden, ob di itzig der stend meynung allain von der kurfursten, Ff. und stet wegen, der rete Šoder botschaft dieselben also furgetragen haben, oder von aller stend wegen ainhelliglich gescheen sey oder nit, domit sy ksl. Mt. deshalben underrichtung tun mogen–a. Dan wo ymants hernachmals sag, das der stend gegeben antwurt seiner meynung nit gewest, wurd den reten bey ksl. Mt. daraus merklich ungnad und unglimpf erwachsen.

    «Nr. 292 Resolution der Reichsstände an die Reichstagskommissare – Worms, 10. Juni 15091 »

    [1.] Dank für das Angebot der Reichstagskommissare zur Berichterstattung an den Ks.; [2.] Frage der Verantwortlichkeit für die letzte ständische Resolution; [3.] Zustimmung zum Vorschlag der Kommissare bezüglich einer Antwort an den Deutschordenshochmeister Friedrich von Sachsen; [4.] Nichtzuständigkeit der Reichsstände für eine Supplikation Kg. Johanns I. von Dänemark und Hg. Friedrichs I. von Schleswig-Holstein bezüglich der Reichsstandschaft Hamburgs.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 146’–147 (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 180–180’ (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 44–44’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 148–148’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 172’–173’ (Kop., Überschr.: Antwort der stende.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 50–50’ (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 59’, 62 (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 61’–62’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 348’–349 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 46’ (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 66’–67’ (wie D). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 27 (unvollständige Kop., nur Pkt. 1–2; Bemerkung am Textende: Da hueben wir uns davon und zum tor aus.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 35–36 (wie D).

    [1.] Kurfursten, Ff. und ander stende des Heiligen Reichs haben ksl. Mt. rete itz verlesen meynung [Nr. 291] verstanden. Sagen den reten irs gutwilligen getan erbietens fruntlichen und gnedigen dank. Wollen das fr[eundlich] und underteniglich verdinen, beschulden und erkennen.

    [2.] Und als di rete furter anhengen, das ire notturft erfordert, bericht zu werden, ob dy itzig furgetragen der stend meynung allain von der kurfursten, fursten und stete wegen, der rete oder botschaft dieselb also furgetragen haben, oder von aller stend wegen ainhelliglich gescheen sey oder nit: Daruf geben di stend ksl. reten zu erkennen, das die itzig und alle vor gegebn antwurt Šader meynung von allen stenden, so alhie gewest, gemeinlich und ainhelliglich beslossen und von irer aller wegen den ksl. reten ubergeben sey.

    [3.] Furter, der ksl. Mt. rete furslag, den hoemaister zu Breussen betreffend [Nr. 299]: Lassen ynen di stend gefallen. Und so ksl. Mt. ire botschaft ernent und nach notturft fertigt, wellen dy stend den iren auch benennen und mit zerung und ander notturft fertigen. Und bedunkt sy an not, den konig von Ungern nach gstalt seiner sachen mit disem handel zu beladen. Wann es [ires er]messens der sachen mocht verzug und lengerung geberen.

    [4.] Dan den konig von Denmark und herz[og zu] Holstain [Kg. Johann I. und Hg. Friedrich I.] belangent, finden di stend, das diese suplication2 allain an ksl. Mt. rete und nit an sy, dy stend, ausgangen ist. Darumb und anderer merklicher irer gescheft und anligenden sachn halben sy sich derselbn sachen nit zu beladen wissen.

    «Nr. 293 Abrechnung des Reichskammergerichts für den Zeitraum 1507 bis 1509 (Teilrekonstruktion aufgrund der Visitationsakten von 1514) – Worms, 15. Juni 1509 »

    [1.] Übergabe der Abrechnung an die Wormser Reichsversammlung; [2.] Einnahmen des Reichskammergerichts; [3.] Soldzahlungen an Kam- merrichter, ksl. Fiskal und Assessoren; [4.] Ausgaben für das Kanzleipersonal.

    Wien, HHStA, RK RKG-Visitationsakten Kart. 315, [Fasz. 1] (Aufschr.: Abscheid des tags zu Wormbs anno XCXIIII gehalten, das ksl. cammergericht antreffende. Überschr.: Handlung und abschid des tags zu Wormbs, auf sonntag vor Galli [15.10.]anno etc. vierzehen durch camerrichter und beisitzer angesetzt.), fol. 1–51’ passim = Textvorlage A.

    [1.] /2/ Die Verordneten Gf. Adam von Beichlingen, Dr. Johann Fürderer, Dr. Hieronymus von Croaria und Dr. Christoph Moeller übergaben am 15. Juni den auf dem Wormser Reichstag versammelten Ständen ein auf jeder Seite von Johann Storch unterzeichnetes Register und eine ksl. Quittung von diesem Datum1. Das Register2beinhaltete gemäß der Konstanzer Ordnung und dem Regensburger Visitationsabschied [von 1508] die Einkünfte aus den beiden Anschlägen [von 1507 und 1508], den Fiskalgefällen und den Kanzleigebühren sowie die Ausgaben für den Zeitraum vom 29. September (sant Michaels tag)1507 bis zum bewussten 15. Juni 1509.

    Š[2.] [Einnahmen:] /8–8’/ Beiträge zum Konstanzer Reichsanschlag (nominal 11 556 fl.): 4485 fl.3 + 1978 fl.4 + 36 fl.5

    /9/ Beiträge zum Regensburger Anschlag (nominal 11 556 fl.): 3063 fl.6

    /2/ Gesamteinnahmen: 12 265 fl.rh., 24 kr.; Gesamtausgaben: 12 243 fl.rh., 59 kr.; /2’/ Überschuss: 21 fl., 25 kr.

    [3.] /33’/ Auszahlung von 2075 fl. an den am 29. September 1507 in Regensburg eingetroffenen und am 30. April 1509 vom Gericht abgereisten Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau (Jahressold 1500 fl.); /34–34’/ Auszahlung von 1100 fl. an den von den Gff. und Hh. präsentierten Assessor (31. Oktober 1507–15. April 1509; Jahressold 600 fl.) und Kammerrichter (15. April-15. Juni 1509) Gf. Adam von Beichlingen.

    /40/ Auszahlung von 630 fl. an den ksl. Fiskal Dr. Hieronymus von Croaria (1.12.1507–1.12.1508; Jahressold 800 fl.); /44’/ Auszahlung von 300 fl. an den ksl. Fiskal Dr. Christoph Moeller (ab 1.12.1508; Jahressold 600 fl.).

    /18’/ Soldzahlungen an die Assessoren (Jahressold 400 fl.): an den Kurmainzer Assessor Dr. Johann Fürderer (Diensteintritt am 15.10.1507) 570 fl., /19’/ an den kurpfälzischen Assessor Dr. Jakob von Landsberg (ab 21.4.1508) 305 fl., /21–21’/ an den Assessor des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises Dr. Diederich von Schiederich (4.5.–4.11.1508) 131 fl., /22/ an den Assessor des Niedersächsischen Kreises Dr. Valentin von Sunthausen [ab 28.11.1507] 424 fl., /36/ an den Kurkölner Assessor Dr. Arnold Rymerstock (ab 4.5.1508) 305 fl., /36’/ an den Kurtrierer Assessor Dr. Dietrich von Lautern (ab 3.2.1508) 390 fl., /37/ an den kursächsischen Assessor Dr. Georg Besserer (ab 3.10.1507) 510 fl., /37’/ an den kurbrandenburgischen Assessor Dr. Anton von Emershofen (ab 27.12.1507) 430 fl., /37’–38/ an den österreichischen Assessor Dr. Simon von Reischach (ab 3.10.1507) 510 fl., an den Assessor des Bayerischen Kreises Dr. Augustin Lösch (28.9.1507–28.4.1509) 533 fl., /38’/ an den Assessor des Schwäbischen Kreises Dr. Sebastian Schilling (8.12.1507–8.3.1509) 440 fl., /39–39’/ an den Assessor des Oberrheinischen Kreises Dr. Georg Schütz (8.10.1507–8.10.1508) 300 fl., /40’/ an Šden Assessor des Fränkischen Kreises Dr. Sebastian von Rotenhan (ab 27.10.1507) 498 fl., /41’/ an den vom Ks. präsentierten burgundischen Assessor Dr. Haringo Sinnama (ab 15.1.1508) 407 fl.

    [4.] /22’/ Soldzahlungen an die Protonotare (Jahressold 400 fl.) Ambrosius Dietrich (ab 4.10.1507) 474 fl./23–23’/ und Ulrich Varnbüler (ab 4.10.1507) 405 fl., /24’/ an den Pedell (Jahressold 24 fl.) Philipp Stumpf (ab 29.9.1507) 40 fl.

    /25/ Auszahlung von 111 fl. Kostgeld für das Kanzleipersonal (je 50 fl. jährlich für den Leser Hans [Fiemel] sowie die Schreiber Caspar Zwengel, Georg Spelt, Diebold Walch, Albrecht Ver und Augustin Molitoris) an Ambrosius Dietrich für den Zeitraum Mitte Oktober 1507–10. Juni (pfingstabent)1508; /25’/ Auszahlung weiterer 222 fl. an Dietrich für die Zeit bis zum 1. Mai 1509, den auf eigene Rechnung wohnenden Leser nicht mitberücksichtigt. Auszahlung von 40 fl. Kostgeld an den Leser für 41 Wochen; /26’/ Auszahlung weiterer 150 fl. an den Leser (Diensteintritt am 1.12.1507; Jahressold 100 fl.) für Lohn und Kostgeld; /28’/ Auszahlung von 48 fl. Lohn für den Ingrossisten Caspar Zwengel (16.10.1507–23.4.1509); /29’/ Auszahlung von 5 fl. Dienstgeld für den 1508 in Regensburg eingestellten und vor dem Umzug nach Worms wie andere Schreiber am 23. April entlassenen Kopisten Molitoris; /45’/ Auszahlung von 35 fl. Dienstgeld für den kurz nach dem 1. November 1507 eingestellten und am 23. April entlassenen Ingrossisten Diebold Walch; /46, 47’/ Auszahlung von 27 fl. bzw. 28 fl. für die kurz nach dem 16. Oktober 1507 eingestellten und am 23. April entlassenen Kopisten Georg Spelt und Albrecht Ver.

    «Nr. 294 Verzeichnis der ksl. Kommissare und reichsständischen Deputierten über Ausstände beim Kammerzieler – Worms, 16. Juni 1509 »

    [1.] Ausstände beim Konstanzer Anschlag; [2.] Ausstände beim Regensburger Anschlag; [3.] Restforderung an die deputierten Einnehmer; [4.] ausstehende Kanzleigebühren.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, Nr. IV a, 22a, fol. 78–78’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr.: Summarius des hinderstands von wegen gewissen und ungewissen der beder anschlage, zu Costens und Regensburg zu underhaltung kayserlichen camergerichts gemacht, und andern, durch kayserliche maiestat, auch der churfursten, fursten und stend des Reichs verordente rete uberschlagen zu Wormbs am sechzehenden tag Junii anno etc. nono.) = Textvorlage A.

    [1.] Aus dem rest des anschlags zu Costens steet noch zu bezalen funftausentfunfhundert gulden. Daraus ist die suma der, so gewiess sein sollen, gezogen und drifft sich nit mehr dann sechzehenhundert und ailf gulden ungevarlich darauf, dannocht kost gelegt werden mues.

    Tuet der gewiess abgang dreutausent und neunhundert gulden.

    ŠUnd sollen doch die ungewissen domit irer anzale dannocht nit erlediget, sonder ksl. Mt. beschaids darin erwartet werden, ob man wieder sie procedirn sall oder nit. Darumb sollen dieselben irer Mt. zugeschickt werden.

    [2.] So ist der rest an dem anschlag, zu Regensburg gemacht, vierdausenthundert und funfundsechzig gulden.

    [3.] Item die verordenten des cammergerichts zu deren einname und außgabe bleiben schuldig zwenzig gulden und achtundzwainzig kreuzer.

    [4.] So bleiben die hern von Beren [= Hh. von der Leiter] fur ain achtbrief wieder die Venediger [Nr. 301f.] schuldig hundert gulden.

    Und der [Valentin] von Sunthausen burgschaftweis fur die von Stolberg dreisig gulden.

    Und der bischove von Menz fur zwene achtbrive dreissig gulden.

    «Nr. 295 Resolution der ksl. Kommissare und reichsständischen Deputierten zu Beschwerden des Reichskammergerichts – Worms, 16. Juni 15091 »

    [1.] Verbesserung des Verfahrens bei Fiskal- und Kriminalfällen; [2.] Defizite bei den Advokaten am Reichskammergericht; [3.] Bestimmungen für das Kanzleipersonal; [4.] Beschleunigung der Verfahren; [5.] Registrierung und Zusammenstellung der Prozessakten; [6.] Änderung des Verfahrens bei der Urteilseröffnung; [7.] Missstände bei den Notaren; [8.] Überarbeitung der Botenordnung.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, Nr. IV a, 22a, fol. 81–83 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Überschr.: Kayserlicher Mt., auch churfursten, fursten und der stende des Rychs, auf dem Rychs tage zu Wormbs versamelt, verordent rete antwurt und beschaid, XVIta Junii 1509, auf etlich mengel und geprechen, von wegen ksl. camergerichts inen ubergeben.2) = Textvorlage A.

    [1.] Item auf den ersten artikl von besser ordenung, wie jura fisci, auch die malefiz und penfell im Reych bas erkundet3, gerechtfertigt und inpracht4 werden mogen.

    Ist beslossen, das es dises artikls halber by ksl. Mt. antwurt, dem camergericht furmals in glichem fall aus Dortrich am XXV. Octobris anno octavo gegeben5, furohin pleiben und dermassen gehalten werden soll.

    [2.] Zum andern, dwil nit kleiner mangl sey an advocaten, von einer ordnung zu reden, dardurch gelert persone zu advocaten an das camergericht gezogen werden mochten.

    ŠBedunkt die obgemelten rete kainer besondern ordnung noit sin, sonder camerrichter und bysitzer werden das wole gepurlich einsehens han.

    [3.] Zum dritten von besetzung des camergerichtz canzley, sonderlich durch wen und wie die schreiber und copiesten aufgenomen, erhalten und regirt werden sollen.

    Ist beslossen, das aufs wenigst zwen schreiber zum ingrossirn und einer zu copyern; und ob ain menge oder ubermass der copyen zugefallen und dieselben in der canzlei zu fertigen zu vil oder beswerlich sin, das sie ausserthalb der canzly zu schreiben bestellt und von einem plat vier pfenning ungeverlich, wie man das andingen6 oder bekomen mag, gegeben, auch ein gemeyner canzleiknecht, wie furmals, als angezaigt, alweg gewest sin, gehalten werden soll.

    So ist fur gut und nutz angesehen, das die protonotarien und schreiber byeinander in der canzly sein und plyben und das Ambrosius Dietherich sie verkostigen und mit legern und andern sachen underhalten. Und was durch camerrichter und bysitzer geordent oder gesetzt, das ir ainer ime fur costgelt und alle ander ding geben, das er sich desselben benugen lassen, sie auch mit der cost und anderm dermassen halten und fursehen solle, damit sie clagens kein ursach haben und camerrichtern und bysitzern weiter deshalb zu handln nit noit werde.

    Das auch der camerrichter mitsambt etlichen bysitzern, so er deshalb zu ime nemen, ordnung machen, wie die personen der canzlei aufgenommen und regirt, auch wie es mit inen und sunst in andern notturftigen sachen zu forderlicher verfertigung der erkanten process und der partyen gehalten werden soll.

    [4.] Zum virten, von besser ordnung und statut zu handln, damit man nit so lang wie bisher in den sachen hangen muss, sonder zu furderlicher verhorung und ende der sachen komen mochte.

    Sollen camerrichter und bysitzer darin ordnung, die leidlich sey, furnemen, doch damit aufsehens haben, das die partyen dadurch an irem furtrag nit verhindert werden.

    [5.] Zum funften, ordnung furzunemen, das alle gerichtzacta vor erledigung und relation der rechtsetzen registriret und aufs kurzst extendirt und nit also auß den carten, zetteln und briefen referiret und geurtailt werden sollt, wie dann zu Nurenberg durch camerrichter und bysitzer davon geret, auch in schrift begriffen worden ist.7

    Ist durch die gemelten rete erwegen, wiewole soliche ordnung die sachen und hendl zu referirn furderlich und geschicklich sein, so mocht doch das by ksl. Mt., auch den stenden des Rychs und sonst allenthalben im Ryche fur muglich beswerung und den partyen fur ain nachtailig neuwerung geacht werden, und Šdarumb fur pesser angesehen, by allen advocaten und procuratorn zu verfugen, das sie hinfur kain product, wie wenig oder clain das sij, nit anders dann auf einen ganzen pogen bapirs schriben und dermassen inlegen und das der leser in einem glichen handl, so der zu der urtl beslossen und zu referiren compellirt ist, alle schriften, wie die von beiden tailn producirt und einpracht sein, nach irem datum daby nacheinander ordenlich einheften, auch die besiglten brif oder rottel der kuntschaften, ob eyniche im selben handl eingelegt weren, daby pinden ader, ob es fuglich bescheen mag, anheften und dermassen versorgen soll, damit solichs alles byeinander pleiben und nichtz davon verfelt oder verlorn werde.

    [6.] Zum sechsten, ob gut sey, das man alsbald nach dem referirn urtl besliess oder besser, sonderlich in grossen sachen und endeurtailn, das zur selben noch nit beslussig vota, sonder allein disputationes und pun[c]ta, warauf die referirt sach und rechtsetz beruhen woll, colligirt und beslus der urtail etlich tag zu bedacht und besichtigung der rechten angestellt und mittlerzyt, wo die partyen ader advocaten des begern, die puncta verzaichnet ine veroffnet wurden, informationes juris, ab sie wolten, inzugeben.

    Ist daruf obbemelter rete vermutung, das sich camerrichter und bysitzer in solichem falle wole werden und wissen zu halten.

    [7.] Zum siebenden von einer verfenglicher und besser ordnung oder versehung, wie den geprechen der onbekannten, auch onschicklichen offenen notarien im Ryche und iren unformlichen instrumenten zu begegnen sij, dwil vor gemacht versehung8 darin bishere unerschiesslich erscheint.

    Daruf lassen es vor gedachte rete by den ordnungen, deshalb hievor aufgericht, pleiben. Wo aber kunftiger zeit etwas weiter enderung ader besserung darin zufallen und noit sin wurde, das soll zu ermessung, betrachtung und besserung camerrichters und der bijsitzer gestellt und bevolhen sein.

    [8.] Zum achten, das in die itzig ordnung und brauch der camergerichtspoten9, von denen teglichs clag sey, gesehen werden soll.

    Lassen es die vor gedachten rete by der ordnung, deshalb hievor gemacht, pleiben. Und wo kunftiger zeit etwas beschwerung oder verhinderung einfallen wurde, sollen camerrichter und bysitzer darin sehen und demselben fuglich mass und ordnung geben.

    « Š1.3. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen  »

    «Nr. 296 Instruktion des Deutschmeisters Hartmann von Stockheim für seine Gesandten, den Landkomtur der Ballei Marburg [Dietrich von Cleen] und den Komtur zu Mergentheim [Johann Adelmann von Adelmannsfelden], zu HM Friedrich von Sachsen – [nach dem 6. Mai 15091»

    [1.] Votum des Frankfurter Kapiteltages gegen einen militärischen Konflikt und für einen friedlichen Ausgleich mit Polen; [2.] Kritik an der Abreise des Hochmeisters aus Preußen.

    Berlin, GStA, OBA 19259, fol. 1–4’, 5–6’ (Kop., Dorsalverm.: Des teuchsen [!]meisters geschigkten zu Worms anbringen.).

    [1.] Der Hochmeister hat ihn, Stockheim, zuerst durch den Komtur zu Koblenz, Ludwig von Seinsheim, und später [im August 1508] in Marburg über die von Polen ausgehende Gefahr für den Orden informiert und für den Kriegsfall seine Unterstützung zur Verteidigung Preußens erbeten. Vor kurzem hat er durch den Spittler von Königsberg, Georg Truchseß, außerdem um die Bereitstellung von 50 Kriegsknechten als Besatzung der Ordensschlösser und -städte, um seine persönliche Beteiligung bei der Abwehr eines polnischen Angriffes auf Preußen und um Angaben über die militärische Stärke der deutschen Ordensgebiete gebeten.2

    Über diese wichtige Angelegenheit hat er am 6. Mai (suntag cantate)auf einem Kapiteltag in Frankfurt mit seinen Gebietigern beraten: Im Falle eines Krieges mit Polen steht aus folgenden Gründen der Verlust der Ordenslande und der Untergang des Ordens zu befürchten: 1. Der polnische Kg. ist mächtig. Auch würde Kg.[Wladislaw] von Ungarn-Böhmen seinen Bruder sicherlich nicht im Stich lassen. 2. Dem preußischen Ordensland fehlt es demgegenüber an Geld, Kriegsausrüstung, Proviant und Leuten. 3. Der polnische Kg. verhandelt über einen Ausgleich mit Moskau und versucht, es zum Angriff auf Livland zu bewegen, sodass der Ordensmeister [Wolter von Plettenberg] Preußen im Kriegsfall nicht unterstützen könnte. 4. Die Gesandten des Deutschmeisters haben dem Hochmeister kürzlich in Marburg die durch lange Kriege verursachte Erschöpfung der deutschen Ordensgebiete dargelegt. Seit vielen Jahren werden diese durch Kss., Kgg. und Reich zunehmend für Heerzüge, Reichsanschläge und die Teilnahme an Reichstagen in Anspruch genommen. Dazu kommen Beeinträchtigungen durch andere Ff. Die Ordenshäuser sind verarmt. Die Hilfe der deutschen Ordensländer wird also im Konfliktfall wenig nützen. 5. Die von [Georg] Truchseß mitgeteilten Stellungnahmen der [um Beistand gebetenen] Ff. lassen ebenfalls keine Hilfe erwarten.36. Die erbetene Abordnung von 50 Knechten Šzur Besetzung von Städten und Schlössern in Preußen wäre dem Orden dort voraussichtlich sowohl militärisch als auch diplomatisch gegenüber Polen eher nachteilig als nützlich.

    Die [in Frankfurt] versammelten Landkomture haben deshalb folgende Antwort an den Hochmeister beschlossen: Dieser soll dem Papst, dem Kaiser, den Kff., Ff., Gff. und anderen Reichsständen die schwierige und mit Hinblick auf Polen ungeachtet aller Verhandlungsangebote unverändert bedrohliche Situation des Deutschen Ordens schildern. Der Orden sei eine Stiftung des deutschen Adels und diene zu dessen Versorgung. Die Adressaten sollten bedenken, welche Bedeutung ihm dadurch für die deutsche Nation und den Adel zukomme. Der Orden sei zu einem rechtlichen Austrag vor Papst, Ks., Kff., Ff., Gff. und Reichsständen bereit. Diese sollten deshalb nicht zulassen, dass er durch Polen ausgelöscht werde, sondern sich des Konflikts annehmen, die Voraussetzungen für einen einvernehmlichen Ausgleich herstellen und bis zu dessen Abschluss einen Waffenstillstand vermitteln. Sollten die genannten Ansprechpartner dafür nicht zu gewinnen sein – oder sollte Polen Verhandlungen verweigern –, müsste militärische Unterstützung beantragt werden. Aller Voraussicht nach würde auch diese verweigert. Keinesfalls sollte sich der Orden dessen ungeachtet in einen Krieg einlassen, sondern sich alternativ um den Abschluss eines annehmbaren Vertrages bemühen. Für den Fall, dass auch dieser Schritt misslingt und das Ordensgebiet angegriffen wird, sagen der Deutschmeister und die Gebietiger eine Geldhilfe von 12 000 fl. zu. [Weitere Angelegenheiten des Ordens].

    [2.] Der Hochmeister hat dem Deutschmeister durch Ludwig von Seinsheim und später in Marburg seine Gründe für seine Abreise aus Preußen dargelegt. Sie, Deutschmeister, Landkomture und Ratsgebietiger, können seinen Entschluss nachvollziehen, sind aber dennoch nicht damit einverstanden: Es stehen wichtige Entscheidungen an, die das Zusammentreten eines Großkapitels erforderlich machen. Der Ks. sowie Kff., Ff., Gff. und die Reichsritterschaft haben von einer Reise eines der Ordensmeister4nach Preußen abgeraten, wo sich der polnische Kg. seiner Person bemächtigen könnte. Sollten sich die drei Ordenshäupter dort treffen, wäre zu befürchten, dass der polnische Kg. sie dazu zwingen könnte, beim Papst die Konfirmation des [Thorner] Friedens zu erwirken, gegen welchen Schritt sich die Vertreter des deutschen Ordensgebiets bislang ausgesprochen haben. Es wurde deshalb Šerwogen, das Großkapitel in Greifswald oder Stettin abzuhalten. Dennoch wurde bei den Beratungen die Abreise des Hochmeisters aus Preußen keinesfalls für gut befunden. Denn seine Abwesenheit ist der Grund für die wiederholte Verschiebung des Großkapitels. Auch würde seine Anwesenheit den Menschen dort Trost spenden. Der Hochmeister hat vor einiger Zeit auch die Koadjutorie des Erzstifts Magdeburg angenommen. Falls sich diese Neuerung für den Orden als nachteilig erweisen sollte, können sie sich nur damit rechtfertigen, dass sie vorab nicht informiert wurden.5[Weitere Ordensangelegenheiten].

    «Nr. 297 Vortrag im Namen HM Friedrichs von Sachsen an die Reichsversammlung – Worms, 29. Mai 15091 »

    [1.] Unrechtmäßiges Vorgehen Polens gegen den Deutschen Orden; [2.] Druck auf den Hochmeister zur Bestätigung des Thorner Friedens von 1466; [3.] Bitte um Rat und Hilfe für den Deutschen Orden.

    I. (schriftliche Fassung für die Reichsstände): Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 173–174 (Kop., Überschr.: Des homeisters Dutschen Ordens anpringen.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 60–61 (Kop.) = B. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 64–66’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr.: Des hoemeisters Tutschordens in Prussen anbringen etc.) = C.2 Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 51–52’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop., Überschr.: Anbringen, von wegen des hochmeisters Teutsch Ordens geschehen.). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Überschr.: Anbringen, von wegen des hochmeisters Teutsch Ordens geschehen.). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 47–48 (Kop., Überschr.: Supplicatio des hohemeysters zu Pruissen.). Nordhausen, ŠStdA, R, Ac 1, fol. 68–70’ (wie C). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 36’–37’ (wie C).

    II. (Exemplar für die ksl. RT-Kommissare): Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 4, fol. 37–38’, 44’ (Kop., Überschr.: Instruction des homeisters Teutsch Ordens etc. an ksl. Mt. rete ytz zu Wurms. Verm.: Praesentatum ad consilium prima Junii 1509 Wormac[ia].) = D.

    Referiert bei: Wenko, Kaiser, S. 116–118; Mur, Ostpolitik, S. 51f.; Matison, Politik, S. 441 (nach dem nicht mehr auffindbaren Exemplar im GStA Berlin, OBA 19257).

    [1.] /173/In welicher gestalt der dutsch adel groß und gerings stands von fursten, graven, hern, rittern und knechten durch ir manheit und blutvergiessen daz lant zu Prussen zur zit, so sie in heydenischem, uncristlichem glauben gestanden, mit dem schwert zu dem cristenlichen glauben und der heiligen cristenlichen kirchen gezwungen, ist ruchtpar [= bekannt] und meniglich wissend. Und alle nutzung und oberkeit zua eynem spital des dutschen adels zu dem loblichen Dutschen Orden geordent, gewidempt, geeygent und gegeben haben, darin sich ein groß zal desselben adels von fursten, graven und der gemeynen ritterschaft, alß mit der warheit anzuzeigen ist, ob zweytusent, in erlichem und gutem wesen erhalten werden. Welichs also in geruglichem stande ob IIC jarn underhalten und nyemants anders nach bepstlicher heiligkeit dan bksl. Mt. und–b dutscher nacion anhengig gewest. Alß haben die undertan gemelts ordens eynen unwillen und ufrur gegen gemelten Dutschen Orden erhaben, der beider teil vor ksl. Mt. die zit zu recht gedigen, der solich irrung mit zusatz babstlicher heiligkeit und der kurfursten des Heiligen Richs verhort und rechtlichen versprechen lassen und dem loblichen orden sins begynnens und furnemens zufall gegeben.3 Uf welichen spruch berurte underton sich alßpald koniglicher wirde zu Polant on all ursach und wider recht unterworfen. Und wiewol uf die zit der orden mit derselben kgl. wird zu Polant in eynem sunderlichen verstentnuß, eynung, vertrag und puntnuß gestanden4, dennochc solichs unangesehen hat er wider alle recht und pillicheit dieselben deß ordens underton angenomen.5 Und nicht allein daran gesettigt, sunder in arbeit gestanden, denselben loblichen Dutschen Orden deß orts ganz ußzuruten und zu vertilgen, und ein starken krieg mit dem orden angefangen, biß in daz XIIII. jarn durend, und den orden Šalso müde gemacht und in eynen unzimlichen, unrechtlichen vertrag6 gefurt, dergestalt, daz nun hinfur ein iglicher homeister und der ganz orden zu Prussen nach bebstlicher heiligkeit nyemant anderst dan ein konig zu Polant zu eynem hern er- /173’/ kennen sollen; zum andern, so solten in den orden und alle ampt zum halben teil Polant angenomen und gebrucht werden; zum dritten, so solt ein hoemeister ein konig zu Polant zu all sinen anligen und ufgeboten mit aller hilf beholfen sin; zum virden, und ob kgl. wirde zu Polant schloß oder stett abgetrungen, die solt ein hoemeister ime helfen wider erobern und in sin gewalt zwingen – und vil anderer beswerlicher, uncristenlicher artikel, die ein iglicher homeister bynnen dryend monaten nach siner erwelung eynem konig zu Polant schweren solt.

    [2.] Welichs bepstliche heiligkeit durch vil gesinnen kgl. wird zu Polant, solichen vertrag zu bestetigen, in weygerung gestanden und biß anher unbestetigt und unconfirmirt blieben. So nun myn gnedigere her, alhie entgegen, mit rat und wissen ksl. Mt. und ander siner hern und frunt, und sunderlich zu ern der mutter Gottes und zu erhalten den loblichen orden sich zu dem hoemeisterampt hat begeben, welicher myn gn.f her von zwein nestverstorben [Kgg. Johann Albrecht und Alexander], auch itzigem konig [Sigismund] zu Polant angezeigten eid vilfaltig zu volfurn angezogen. Dwil aber sin ftl. gnad befinden, daz solicher vertrag dem Heiligen Rich, dem adel dutscher nacion und dem lobelichen orden entgegen, nachteylig und zu ganzer underdruckungg furgenomen, ist sin ftl. Gn. daz zu tun und volziehen in weigerung gestanden und bißher mit rate ksl. Mt., siner hern und frunt ufenthalten und sich deß mit kgl. wird zu Polant zu gutlicher handelung, auch rechtlichen ußtrag vor bepstlicher heyligkeit, ksl. Mt. und andern cristenlichen fursten und herrn erpoten. Welichs alles von siner kgl. wird geweigert und abgeschlagen. Und wiewol ksl. Mt. mit kgl. wird [Wladislaw] zu Hungern in angezeigten gebrechen eynen tag des nestvergangen jars zu Presla angesatzt und keyserlich maiestat denselben durch treffelich siner gnaden rete zu besuchen understanden, so ist doch derselb tag von kgl. wird ganz stümpflich7 abgeschlagen und den ksl. reten solichs underwegen abgekundiget.8 Also ist mynem gn.h hern warlich warnung zukomen, daz sin kgl. Šwird sin ftl. Gn. zu angezeigtem eide mit gewalt /174/ zwingen und tringen wolt. Solichs zu verkomen hat sich sin ftl. Gn. mit rat deß meisters in Liflant [Wolter von Plettenberg], siner gebietiger und lantschaft zu Prussen, die sin ftl. Gn. auch sunderlich darumb gebeten, in sin veterlich land begeben. Also ist sinen ftl. gnadeni warnung komen, das sich berurt konigliche wird zu Polant itzt mit jden wissen Russen–j vertragen9, der meynung, darnach mynen gn.k hern, den homeister, zu sinem willen zu zwingen. Dwil aber diser handel ksl. Mt., dem Heiligen Rich und dem adel dutscher nacion merklichen schaden treuwet und mitbetrifft, hat sin ftl. gnad an berurter ksl. Mt. und der stend des Richs rat nichts tun, begeben oder beschliessen wollen.

    [3.] Fruntlich bittend, uwer ftl. gnad geruchen disen handell zu herzen zu furn und uwern ratm fruntlich und gutwillig mitdeiln und nmit uwer hilf–n dasselb stuck guts, so noch furhanden, helfen underhalten, den lon von dem almechtigen Gott und siner werden mutter entpfahen. So will eß sin ftl. gnad gegeno uwern ftl. gnaden fruntlich und den andern gutwillig verdien[en] und verglichen.

    «Nr. 298 Stellungnahme der Reichsstände zur Supplikation HM Friedrichs von Sachsen – Worms, 7. Juni 15091 »

    [1.] Bitte des Hochmeisters um Hilfe gegen Polen; Empfehlung der Reichsstände zu Vermittlungsverhandlungen durch Ks. und Reich; [2.] Entsendung einer gemeinsamen Gesandtschaft von Ks. und Reichsständen zu Kg. Sigismund von Polen; [3.] notfalls Akzeptanz eines Tagungsortes in Polen; [4./5.] Einbeziehung Papst Julius’ II. und Kg. Wladislaws II. von Ungarn-Böhmen in die Vermittlungsinitiative; [6.] Projektierung weiterer Beratungen im Falle einer kompromisslosen Haltung Polens; [7.] Ernennung der Gesandten, Abfassung der Gesandtschaftsunterlagen, Finanzierung der Gesandtschaft.

    ŠI. (Ständeresolution): Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 174–175 (Kop., Überschr.: aAntwort der stende uf des homeisters Dutsch Ordens in Prussen furpringen–a.) = Textvorlage A. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Überschr. wie A; irrtümlicher Datumverm.: An mitwoch zu abent vor corporis Christi [6.6.].) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 135–138 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop., Überschr. wie A) = C2. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 49’–52 (wie C). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 48–49 (unvollständige Kop.[Pkt. 5 und 7 fehlen], Überschr. wie A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 28–29’ (wie C).

    II. (zur Ständeresolution überarbeitete Fassung des Ausschussbedenkens): Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 163’; 164–166 (Kop. mit Korrekturen und Ergänzungen; nachträglich eingefügte Überschr. wie A) = D. München, HStA, KÄA 3136, fol. 249–249’, 251–252’ (wie D) = E. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 52’ (unvollständige Kop., nur Pkt. 1 – Alß der hochwirdig ... uf verpesserung ksl. Mt. rete). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 63–63’ (nur dem Ausschussbedenken hinzugefügte Passagen). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie D). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 333’–338’ (wie D; dem reichsstädtischen RT-Protokoll inseriert). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 52–56’ (wie D; dem reichsstädtischen RT-Protokoll inseriert).

    Druck (der Ständeresolution): Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 974, S. 774–776.

    [1.] bAlß der hochwirdig, hochgeborn furst, her Friderich, herzoge zu Sachsen, lantgrave in Doringen, marggrave zu Myssen und homeister Dutsch Ordens in Prussen den kurfursten, fursten und gemeynen stenden des Richs, alhie zu Worms versamelt, vergangner tag die belestigung und große beswerung, so ime und sinem orden von kgl. wird zu Polant wider alle pillicheit begegen, erstlich montlich und darnach schriftlich hat furpringen lassen, mit angehenkter bitt, daz kurfursten, fursten und stende des Richs solichs zu herzen fassen und ime und sinem orden darin ir getruw rat und hilf mitdeylen wolten etc., wie dan solichs alles sin furpringen wyters inhelt. Daruf achten und ermessen kurfursten, fursten und gemeyne stend des Heiligen Richs, doch uf verpesserung ksl. Mt. rete–b nach gelegenheit itziger zit nutz und gut, auch dem hoemeister und Dutschen Orden dienlich sin, die sachen nachfolgender maß furzunemen, nemlich daz ksl. Mt., kurfursten, fursten und gemeynen stend des Heiligen Richs die irrungen und zwietrecht, so sich zuschen kgl. wird zu Polen und gemeltem hoemeister erhalten, in gutlich handelung und anlaß zu pringen unterstunden.

    Š[2.] Und wer in solichem der stendec gutbedunken, daz ksl. Mt., kurfursten, fursten und gemeyne stend des Richs erstlich zu kgl. wird zu Polant ein potschaft uf zwo person ungeverlich mit gepurlicher instruction ufs furderlichist schickten, von wegen ksl. Mt. und gemeyner stenden des Richs mit allem fliß zu begern und zu bitten, daz kgl. wird zu Polant ksl. Mt., kurfursten, fursten und gemeynen stenden des Heiligen Richs zu fruntlichem und gnedigem gefallen in den irrungen, so sich zuschen siner kgl. wird und egemeltem hoemester erhielten, inen gutlicher handelung verfolgen und deßhalb zu zimlicher zit und an gelegene malstat, als gein Presla, Butz [= Bautzen], Gorlitz oder Ertfurt, tag ernennen wolten. Alßdan ksl. Mt., kurfursten, fursten und stende deß Richs ir treffenliche rete und botschaften zu solicher handelung verorden und schicken und zwischen inen gutlich handeln lassen, ganzer zuversicht und vertruwens, die irrungen und gebrechen, so sich zuschen inen beidersits erhalten solten, nach zimlichen, pillichen dingen [= Vermittlungsverhandlungen] gutlich hingelegt und vertragen werden.

    [3.] Wer aber kgl. wird von Polant eyniche der erzelten malstat oder sust andere im Rich nit gelegen oder anzunemen, sunder sin kgl. wird wolt siner gelegenheit nach in ein stat des lands zu Polant, da sie personlich bij der handelung sin mocht, tag setzen und ernennen, solt die botschaft dannachtd solich tagsatzung nit abschlagen, aber doch zuvor mit allem fliß arbeiten und anhalten, daz in vorgemeltee malstat oder sust im Rich tag angesetzt und gutlicher handelung daselbst zu pflegen vervolgt werde.

    [4.] Eß ermessen auch die stendef diser sachen fast furtreglich und ersprießlich sin, daz ksl. Mt., kurfursten, fursten und stende des Richs unserm allerheiligisten vater, dem babst, neben dem hoemeister deten schriben und sin heiligkeit ufs hochst bitten, den konig zu Polant durch ire schrift gutlich zu underwysen und hochlich zu ermanen, daz er in solichem gutlicher handelung verfolgen gund deß keinswegs abschlagen–g, daz auch sin heiligkeit zu solicher handelung bepstliche commissarien oder botschaften zu schicken nit underlassen wolt, damit in diser sachen dest fruchtparer und dapferer gehandelt und unrat, so der heiligen cristenheit daruß entsten, verkommen werden mocht.

    [5.] hEß ist auch daneben betracht und fur gut angesehen, dwil ksl. Mt. vormals mitsampt dem konig zu Hungern und Beheim die irrungen zuschen kgl. wird zu Polant und dem hoemeister gutlich hinzulegen understanden haben, deßhalb dan tag angesetzt gewest3, aber uß zugefallen ursachen kein Šfurgang gehabt, daz kgl. wird zu Hungern und Beheim durch die stend des Richs auch mit fliß ersucht wurd, sich bij dem konig zu Polant mitsampt ksl. Mt. und stenden des Richs durch sin potschaften zu bearbeiten, daz sin kgl. wirde gutlicher handelung verfolgen und, so sie verfolgt, alßdan sin botschaft zu solicher verhore und gutlicher hinlegung auch schicken woll–h.

    [6.] So aber kgl. wird zu Polant uf solich ksl. Mt. und der kurfursten, fursten und stende deß Heiligen Richs ansuchen und bitt gütlicher handelung zu verfolgen nit bewilligen oder in bewilligter und furgenomener handelung uf sinem harten und strengen furnemen gegen dem hoemeister und Dutschen Orden beharren und besteen, daz dan solichs und weß zu beiden teiln gehandelt, iwider hinder sich bracht wurd, zu bedenken, wie demselben zu begegnen und widerstant zu tun wer–i.

    [7.] Item zu gedenken, so diß den stenden gefellig und angeneme wer, die personen, so man schicken sol, zu benennen.

    Item credenz zu fertigen und instruction ufs formlichistj zu begryfen.

    Item von dem darlegen auch zu handeln.4

    «Nr. Š299 Stellungnahme der ksl. Kommissare zur Supplikation HM Friedrichs von Sachsen – [Worms, 10. Juni 15091 oder kurz davor] »

    [1.] Zustimmung zur Erklärung der Stände, Vorschlag zur Einschaltung Papst Julius’ II. und [2.] Kg. Wladislaws II. von Ungarn-Böhmen; [3.] Abfassung der Gesandtschaftsunterlagen und Benennung der Gesandten.

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 175’–176 (Kop.) = Textvorlage A. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 173’–174’ (Kop., Überschr.: Ksl. Mt. rete gutbedunken uf des hohmeysters zu Breussen supplicationzettel.) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 149–150 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = C. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 51–53’ (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 64–64’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 67–68 (wie C). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 349–350 (wie C). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 70’–72 (wie C). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 38’–39 (wie C).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 975, S. 777f.

    [1.] Keyserlicher maiestat rete und commissarien haben die merkliche beschwerung und belestigung, so dem hochwirdigen, hochgebornen fursten, hern Friderichen, herzogen zu Sachsen, lantgraven in Doringen, homeister Dutsch Ordens in Prussen, und sinem orden von kgl. wird zu Polant in vil weg unpillicher wise begeget, inen montlich und schriftlich furpracht, auch die hoch, flissig bite und beger, deßhalben gescheen, uß getruwem mitlyden vermerkt, auch der kurfursten, fursten und stende des Richs antwort und gutbedunken [Nr. 298], solicher sachen verfaßt, verlesen. Und lassen inen solich antwort, die dan, alß sie vermerken, uß guter betrachtung und erwegung gegrundt ist, wol gefallen, mit dem anhang, daz die bebstlich heyligkeit durch ksl. Mt. und die stende deß Richs furderlich ersucht und gebeten wurde, dem konig von Polant unverzogenlich zu schriben, die obberurte beschwerung und waz der cristenheit daran gelegen sij, anzuzeigen und inen nach irer heiligkeit gutdunken uf daz hochst und ernstlichist zu ermanen, mit detlicher handelung und in andere wyse biß zu verhore der sachen, die dan sin heiligkeit mitsampt ksl. Mt., den stenden deß Richs und der kgl. wird zu Hungern und Beheim uf das furderlichist tun und deßhalben an gelegene malstat tag setzen wolt, mitlerzit stillzusten, daz auch by den sinen zu verschaffen. Und daz ir heyligkeit den konig von Hungern exhortir, sinen pruder, den konig von Polant, zu bewegen, dem volg zu tun.

    [2.] Und dwil die sach groß, hoch und mechtig partyen antrifft und der gedacht konig von Hungern, der vormals auch darunter gehandelt und tag [nach Breslau] angesetzt gehabt, unangesehen, daz er dem konig von Polant verwandt, so er doch ein cristenlicher konig und kurfurst deß Heiligen Richs Šist, umb bessers ansehens willen durch keyserliche maiestat und die stende beschrieben und erpeten wurd, daz er in eigener person, wo er das lybes halben tun kont, oder durch sin treffenliche rete aneben und mit–a der bebstlichen heyligkeit, auch keyserlicher maiestat und der stende des Richs oratoren und geschickten reten in der sachen handeln und die verhore zu tun verhelfen lassen wolt. Daz mocht und wurd nach ksl. Mt. rete bedunken dem handel dinstlich und furderlich erschynen.

    [3.] Und daz durch die stend des Richs die instruction, credenz und ande[r] noitturftig schriften nach irem rat und gutbedunken zu begryfen und zu stellen verfugt.

    Auch daz die personen, so von wegen ksl. Mt. und der stende in solichem handel geschickt und gebrucht werden sollen, durch die stend itzo benennt werden.

    «Nr. 300 Antwort der ksl. Kommissare und der Reichsstände an HM Friedrich von Sachsen – Worms, 11. Juni 1509 »

    [1.] Supplikation des Deutschen Ordens an die ksl. Kommissare und Reichsstände; [2.] Vorschlag zu einer Vermittlungsinitiative; [3./4.] Einschaltung Papst Julius’ II. und Kg. Wladislaws II. von Ungarn-Böhmen; [5.] Projektierung weiterer Beratungen im Falle einer kompromisslosen Haltung Polens.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 4, fol. 39–41, 42’ (Kop., Verm.: XIa Junii ist dise antwort dem hohemaister gelesen und furgehalten worden. Überschr.: Antwort keyserlicher Mt. rete, auch der churfursten, fursten und gemeyner stende deß Reichs uf deß hochwirdigen, hochgeporn fursten, herrn Friedrichen, herzogen zu Sachsen, landgrafen in Duringen, marggrafen zu Meyssen und hohenmeisters Tutschordens in Prussen.) = Textvorlage A. Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 28, pag. 278–280 (Kop., Überschr. wie A) = B.

    [1.] /39/ Erstlich, alß der hohemeister itzgenant den ksl. reten, auch den churfursten, fursten und gemeynen stenden des Reichs, alhie versamelt, kurzvergangner täge die belestigung und grosse beschwerung, so im und seynem orden von koniglicher wirde zu Polen wider alle pillicheit begegnen, mundlich und darnach schriftlich hat furbringen lassen, mit angehengter pitt, daß ksl. Mt. rete, auch die churfursten, fursten und stende deß Reichs solchs zu herzen fassen und im und seynem orden darin getreue rate und hilf mitteylen wolten etc., wie dann solchs alles sein furbringen [Nr. 297] weyter inhelt, daruf ist keyserlicher Mt. rete, auch churfursten, fursten und gemeyner stende antwort, rate und gutbedunken, wie hernach volgt:

    [2.] Und nemlich achten und ermessen sie zuforderst nach gelegenheit itziger zeit nutz und gut, auch dem hohenmeister und dem Dutschen Orden dienlich sein, daß keyserliche Mt., churfursten, fursten und andere stende deß Heiligen ŠReichs die irrungen und zwitrecht, so sich zwischen /39’/ koniglicher wirde zu Polen und gemeltem hohenmeister erhalten, in gutlich handlung und anlaß zu pringen understunden.

    Und ist in solchem ksl. Mt. rete, auch gemeyner stende deß Reichs gutbedunken, daß keyserlich Mt., churfursten, fursten und andere stende deß Reichs erstlich zu koniglicher wirden zu Polen ein potschaft uf zwo personen ungeverlich mit gepurlicher instruction ufs furderlichst schicken, von wegen ksl. Mt. und gemeyner stende deß Reichs mit allem vleyss zu begeren und zu pitten, daß konigliche wirde zu Polen keyserlicher Mt., churfursten, fursten und gemeynen stenden deß Heiligen Reichs zu frundlichem und gnedigem gefallen in den irrungen, so sich zwischen seynen kgl. wirden und egemeltem hohenmeister erhalten, inen gutlicher handlung vervolgen und deßhalb in zimlicher zeit und an gelegne malstat (alß gen Erfurta, Pautz, Gorlitz oder Preßlab) tag ernennen. Wolten alßdann ksl. Mt., churfursten, fursten und stende deß Reichs ire treffenliche rete zu solcher handlung verorden und schicken und zwischen inen gutlich handeln lassen, ganzer zuversicht und vertrauens, die irrungen und geprechen, so sich zwischen inen beyderseyts erhielten, solten nach zimlichen, pillichen dingen gutlich hingelegt und vertragen werden.

    /40/ Wo aber koniglicher wirde zu Polen eyniche der erzelten malstadt oder sunst andere im Reich nit gelegen oder anzunemen weren, sonder sein koniglich wirde wolte seyner gelegenheit nach in ein stadt des lands zu Polen, da sie personlich bey der handlung sein mocht, tag ernennen und ansetzen, solt die potschaft dannoch solch tagsatzung nit abschlagen, aber doch zuvor mit allem vleiss arbeyten und anhalten, daß in vorgenante malstat oder sunst im Reich tag angesetzt und gutlicher handlung daselbst zu pflegen vervolgt wurden.

    [3.] Keyserlicher Mt. rete und gemeyne stende ermessen auch dieser sachen fast furtreglich und ersprieslich sein, daß ksl. Mt. und sie, die churfursten, fursten und stende deß Reichs, unserm allerheiligsten vater, dem babst, neben dem hohenmeister teten schreiben und sein heiligkeit ufs hochst pitten, den kunig zu Polen durch ire schrift gutlich zu underweisen und ufs hochst zu ermanen, daß er in solchem gutlicher handlung verfolgen und die keinswegs abschlagen, daß auch sein heyligkeit zu solcher handlung ire commissarien oder potschaften zu schicken nit underlassen wolt, damit in dieser sachen dest fruchtparer und dapferer gehandelt und unrat, so der heiligen cristenheit daruß entsteen, furkomen werden mocht.

    [4.] /40’/ Sie haben auch daneben betracht und fur gut angesehen, dieweil keiserliche Mt. vormals mitsampt dem kunig von Hungern und Behem die irrungen zwischen kgl. wirde zu Polen und dem hohenmeister gutlich hinzulegen understanden haben, deßhalb dann tag [nach Breslau] angesetzt gewest, aber uß zugefallen ursachen kein furgang gehabt, daß konigliche wirde zu Hungern Šund Behem durch keyserliche Mt. und die stende deß Reichs auch mit vleyss ersucht wurde, sich bey dem kunig zu Polen mitsampt ksl. Mt. und den stenden deß Reichs durch sein potschaften zu bearbeyten, daß sein koniglich wirde gutlicher handlung verfolgen und, so sie verfolgt, alßdann sein potschaft zu solicher verhore und gutlicher hinlegung auch schicken wolle.

    [5.] So aber koniglich wirde zu Polen uf solich keyserlicher Mt., der churfursten, fursten und stende des Reichs ansuchen und pitt gutlicher handlung zu verfolgen nit bewilligen oder in bewilligter und furgenomener handlung uf irem harten und strengen /41/ furnemen gegen dem hohenmeister und Teutschem Orden beharren und besteen, daß dann solchs und weß zu beyden teylen gehandelt, wider hinter sich gebracht wurde, zu bedenken, wie demselben zu begegnen und widerstand zu tun were.

    «1.4. Achterklärung des Reichskammergerichts gegen Venedig »

    «Nr. 301 Achtverkündung Ks. Maximilians (eigentlich: Reichskammergericht) gegen den Dogen von Venedig, Leonardo Loredan – Worms, 13. Juni 1509 »

    Wien, HHStA, AUR 1509 VI 13 (lat. Mundum m. Siegelrest) = Textvorlage A.

    Teilabdruck/Teilregest: Seiler, Endurthail I, S. 40; Ders./Barth, Urtheil I, S. 252.

    Das ksl. Kammergericht hat im Verfahren zwischen Johannes d. Ä. und Johannes d. J. von der Leiter (de Scala), den Generalvikaren der zum Reich gehörigen Städte Verona und Vicenza, und dem Dogen von Venedig, Leonardo Loredan, als Beklagtem den Hh. von der Leiter bereits vor Jahren das Besitzrecht an den beiden Städten zugesprochen und den Dogen zu deren Rückgabe einschließlich aller zugehörigen Rechte und Besitzungen sowie der Aushändigung aller vorenthaltenen Einkünfte verurteilt. Auf Antrag der Kläger erging – unter Androhung einer Strafe von 10 000 Mark lötigen Goldes – ein Mandat an den Dogen, den Klägern bzw. deren Vertretern binnen zwei Monaten nach dessen Zustellung die zugesprochenen Besitzungen auszuliefern oder am ksl. Kammergericht zu rechtfertigen, warum er zum Gehorsam gegen das Mandat nicht verpflichtet ist. Das Mandat wurde am 19. Januar 1508 durch den ksl. Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau in Regensburg ausgefertigt und durch den Prokurator der Kläger, Dr. Georg Ortolf, dem Dogen persönlich zugestellt. Da der Doge dem Exekutorialmandat nicht Folge leistete, verfiel er den darin angedrohten Strafen und das ksl. Kammergericht sprach folgendes Urteil:

    In der Sache zwischen Johannes d. Ä. und Johannes d. J. von der Leiter als Klägern und dem Dogen von Venedig, Leonardo Loredan, als Beklagtem missachtete Letzterer das gerichtliche Mandat und erwies sich somit als ungehorsam. Sie stellen fest, dass deshalb die darin angedrohte Strafe von 10 000 Mark lötigen Goldes fällig wurde. Dem Dogen wird außerdem bei fortgesetztem Ungehorsam die Reichsacht Šangedroht. Er hat innerhalb der genannten Frist persönlich oder durch seinen Rechtsvertreter am Gericht vorstellig zu werden.

    Doch leistete der Doge auch diesem Mandat keine Folge. Am 26. Januar beantragte daraufhin Dr. Peter Kirsser als Vertreter der Kläger vor Gericht, dass die angedrohten Strafen im obigen dem Dogen am 10. Oktober 1508 zugestellten Exekutorialmandat wegen erwiesenen Ungehorsams in Kraft treten sollten. Infolgedessen wurde dieser in die ksl. und Reichsacht erklärt. [Wiedergabe des Beginns der Achterklärung].

    Diese Erklärung wurde im Kammergericht durch den stellvertretenden Kammerrichter Gf. Adam von Beichlingen verlesen und der Doge in die Acht erklärt, vom Reichsfrieden ausgeschlossen und seine Person und sein Besitz jedermanns Zugriff freigestellt.

    «Nr. 302 Achtmandat Ks. Maximilians (eigentlich: Reichskammergericht) gegen den Dogen von Venedig, Leonardo Loredan – Worms, 13. Juni 1509 »

    Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ. 491, fol. 291’–294’ (spätere dt. Kop., um 1530; Nachweis über Unterz. Ambrosius Dietrich, Protonotar am RKG) = Textvorlage A.1

    Lat. Druck: Lünig, Reichs-Archiv VI (Part. Spec. Cont. I, Kaiser), Nr. LIX, S. 134–136 = B; Ders., Codex Italiae II, Nr. XXVII, Sp. 1995–2000; Goldast, Collectio II, S. 117–119; Schoppe, Scaliger, pag. 396’–399.

    Erklärt gegenüber allen Reichsangehörigen, dass es das höchste irdische Gut ist, adie Gerechtigkeit zu pflegen, seinem Nächsten nicht zu schaden und jedem das Seine zuteil werden zu lassen–a. Umgekehrt gefährdet nichts mehr den gemeinen Nutzen als die Aneignung fremden Besitzes unter Missachtung der gerichtlichen Obrigkeit und ihrer Gebote. Daraus entstehen Zwietracht und Krieg im Hl. Reich, was, wenn dem nicht rechtzeitig vorgebeugt wird, schließlich zu dessen Zerstörung führt.

    Er, der Ks., und seine Amtsvorgänger haben die vom Reich lehnbaren Städte Verona (Bern)und Vicenza (Vinzenz)an die Vikare Johann d. Ä. und Johann d. J. von der Leiter bzw. an deren Vorfahren verliehen. Diese beiden Städte wurden allerdings von einem Vorgänger [Michele Steno] des jetzigen Dogen [Leonardo Loredan] widerrechtlich und gewaltsam eingenommen. Loredan hält sie weiterhin besetzt, dies unter Missachtung eines kammergerichtlichen Urteils, wonach die beiden Städte mit allem Zubehör den Reichsvikaren zurückgegeben werden müssen. Ebenso ignorierte er zwei ksl. Vorladungen. Die zweite, dem Dogen [am 10. Oktober 1508] persönlich Šzugestellte Zitation drohte ihm bei weiterem Ungehorsam die Reichsacht an. Er wurde nach dessen Feststellung in einem ordentlichen Verfahren öffentlich in die Acht erklärt, wie dies die ausgegangenen ksl. Urteilsbriefe [Nr. 301] besagen.2

    Erklärt den Dogen in Vollstreckung des Urteils gegenüber allen Reichsangehörigen zum Reichsächter und gebietet, ihn als solchen zu behandeln, ihn nicht zu dulden, zu beherbergen oder zu verpflegen noch sonst mit ihm zu verkehren und dies auch nicht zu erlauben, sondern gegen dessen Person und seinen Besitz vorzugehen. Insbesondere sollen sie dies den Klägern und ihren Helfern gestatten und sie auf deren Bitte dabei auch unterstützen, bis der Ächter von seinem Ungehorsam absteht und aus der Acht gelöst wird. Erklärt jegliches Vorgehen gegen die Ächter für rechtmäßig und nicht ahndungsfähig. Davor schützen auch weder ksl. und kgl. Freiheiten, Privilegien und Rechte noch der ksl. Landfrieden, Burgfrieden, Bündnisse oder Einungen. Wer die Achterklärung missachtet, verfällt selbst der Reichsacht und der schweren Ungnade von Ks. und Reich.3

    « Š1.5. Reichsabschied mit zugehörigen Aktenstücken  »

    «Nr. 303 Abschied des Wormser Reichstages – Worms, 16. Juni 1509 »

    [1.] Beschlussfassung über Reichskammergericht, Landfrieden und Münzwesen durch deputierte Räte; [2.] Ernennung Gf. Adolfs von Nassau zum Kammerrichter; [3.] Bestätigung und Ergänzung älterer Reichsbeschlüsse zum Reichskammergericht; [4.] Präsentation der kfl. Assessoren; [5.] Benennung der Assessoren aus dem Kreis der Reichsgrafen und -herren, [6.] aus den ksl. Erblanden und [7.] aus den sechs Reichskreisen; [8.] Standort des Reichskammergerichts; [9.] Mitteilung des Kammerrichters an Assessoren und Reichsangehörige über den Termin der Wiedereröffnung; [10.] Finanzierung des Reichskammergerichts; [11.] Bedienung noch offener Soldforderungen von Gerichtspersonal; [12.] Abstellung von Missständen am Reichskammergericht; [13.] Ahndung von Injurien gegen Angehörige des Gerichts oder gegen Prozessparteien; [14.] Bestätigung der bisherigen Reichsbeschlüsse zu Landfrieden und Exekution; [15.] Einberufung eines Reichsmünztages nach Frankfurt, Verhandlungen mit Gf. Eberhard von Königstein über die Verlegung der Baseler Reichsmünzstätte nach Straßburg.

    Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 200–202 (Kop.) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 196–198’ (Kop. mit Randvermm. Hd. J. J. Müller, die den Inhalt kennzeichnen; Dorsalverm.: Dz camergericht belangend, nach abschid meins gnst. herrn [Kf. Friedrich von Sachsen]zu Wormbs beredt.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 72–77’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.; Überschr.: Abschid und beslus, auf dem Reichs tage zu Wormbs des camerichts, der gulden munts und fridens halber gemacht.) = C. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 71–76’ (an das Lübecker Exemplar des reichsstädtischen RT-Protokolls angehängte Kop.; Überschr.: Das camergericht belangende.) = D1. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop., Überschr.: Das camergericht belangend etc.) = E. Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 42–45’ (Abschrift von D).

    [1.] /200/ Nachdem churfursten, fursten und stend des Heiligen Reichs, auf dem jetzgehalten Reichs tag zu Worms versamelt gewest, nach etlich geubtena handlung, inenb auf demselben reichstag furgestanden, irer obligendenc notŠdurft und gelegenheit nach von dannen gescheiden, etlich ir rate daselbst gelassen und auf bevelh röm. ksl. Mt. in nachvolgenden artikln, namlich zu statlicher aufrichtung und underhaltungd irer Mt. camergerichts, auch bestendigen frid im Reich und handhabung desselben, darzu von entlichem schluss der gulden munz im Reich auf die handlung, so aufe vorgehalten reichstagen beschehen ist, zu machen, zu handeln bevolhen gehapt, haben ksl. Mt. und derselben stend räte in vorgedachtn artikln geratslagt, gehandelt und beslossen, fwie hernach volgt–f:

    [2.] Erstlich des camergerichts halber, nachdem auf dem jungstgehalten Reichs tag zu Costenz laut des abschieds, daselbst gemacht,g graf Adolf von Nassau vor andern fur einen camerrichter angezeigt2, auch ksl. Mt. und die stende des Reichs jetzt inen insonder als fur geschickt und töglich zu camerrichter furgenomen, hat ir Mt. hie zu Wurms weiter so vilh mit im handeln lassen, das er ir ksl. Mt., auch dem Heiligen Reich zu undertäniglichen, dinstlichemi gevallen und gemeinen nutz zugut das camergerichtampt angenomen und daruber laut des Reichs ordnung3 gepurlich pflicht getan hat.4

    [3.] Item sol das gedacht camergericht hinfur nach inhalt der ordnung, auf jvor gehalten Reichs dagen–j beschlossen und gemacht5, gehaltn werdn mit dem zusatz, wie hernach volgt.

    Š[4.] Item solln die VI churfursten ir beysitzer zu solichem camergericht verordnen und schicken, wie inen das durch werbent botschaft hie zu Worms anzuzeign bevolhen ist. Und ob sy ir beysitzer in nachbestimpter zeit laut solicher werbung nit schicken, so sollen camerrichter und beysitzer inhalt der ord[n]ung, zu Costenz aufgericht6, und der abrede, alhie beschehen7, andere tögenlich personen an der oder des stat, der also nit schicken wurd, aufzunemen macht habn.

    [5.] /200’/ Item von graven und herren sind zu beysitzern verordent und anzunemen benent graf Adam von Beuchlingn und graf Philips von Kirchberg.8 Und obe ir einer oder sy baid das nit annemen wellen, alsdann sind benent graf Bernhart von Eberstein, her Wilhalm Truchsäs freyher zu Waltpurg, graf Wolf von Salms, graf Michel von Wertheim. Und ist ir jedem sein sold mit hundert guldin gebessert.9

    [6.] Von wegen röm. ksl. Mt. als erzherzogen zu Osterreich etc. sind laut des abschids zu Costenz10 angenomen doctor Häringus Sinama, genant Fries, und doctor Symon von Reischach.11

    Š[7.] Item auß den VI kreysen, namlich auß dem ersten, pleibt doctor Sebastian von Rottenhan.12

    Aus dem andern kreyß ist benent doctor Ulrich Wagner, official zu Passau; und ob er das nit annemen wölt, doctor Dietrich Reichschach alias Risicheus von Brusel, ordinarius zu Ingelstat.13

    Aus dem dritten kreys ist benent doctor Ambrosius [Widmann, genannt] Mechinger.14

    Us dem viertn kreys doctor Jörg Schutz, official zu Costenz; und wo er das nit annemen wölt, doctor Wolfgang Rem von Ulm.15

    Aus dem funften kreys pleibt doctor [Diederich von] Schiderich.16

    Aus dem sechsten kreys pleibt doctor Valentin von Sunthausn.17

    Und ob die beysitzer, so im abschid zu Costenz18 oder, wie vor steet, hie zu Wurms benent sein, nit komen wöltn oder wurden, alsdann solt der camerrichter dem kreyß, daran der abgang wer, solichs furderlich verkundn, laut gemelts abschids19 zu handeln und einen andern beysitzer in bestimpter zeit und vor anfang des camergerichts ungevarlich schickenk.

    [8.] /201/ Und als in dem abschid zu Costenz under anderm gesetzt20, wie das camergericht ein jar lang zu Regenspurg und furter zu Worms oder etlichn andern orten, darin bestimpt, gehaltn werdn sol, und aber ksl. Mt. die beysitzer, auch andere personen, zum camergericht gehörig, mitsampt den acten und canzley auf den reichstag gen Worms erfordert21, die auch mererteils daselbst Šerscheinen, auch irl Mt. iren raten und stenden des Reichs, daselbst versamelt, sonderlich anzeigen lassen, das irer Mt. meinung sey, das camergericht zu Worms zu halten. Ist darauf beschlossn, das demselbn anzeigen volg beschehe und das camergericht furter zu Worms gehaltn werden [soll]. Wo aber die irrung zwischen dem bischof, der priesterschaft und stat Worms nit hingelegt und camerrichter und beysitzer deshalb fursörg tragn, das einicher unrat, unlust [oder] nachtail darauß erwachsen möcht, söllen sy alsdann macht und gewalt haben, mit dem camergericht gen Frankfurt zu ziehn und daselbst zu halten.

    [9.] Item sol der camerrichter auß bevelh ksl. Mt. und der stende des Reichs allen beysitzern, zu dem camergericht verordent, furderlich schreiben, nachdem das camergericht auf den ersten tag Septembris nachst zu Worms wider angefangn werden, das sy acht tag zuvor mit aller irer gereytschaft bey im erscheinen, und inen dabey anzeigen, inen irs willens bey seinem poten eigentlichn zu verstendigen. Dan wo das nit beschehn, wurd erm in craft seins bevelhs, ime getan, andere an ir stat annemen [Nr. 503]. Desgleichn sol der camerrichter nin und under ksl. Mt. namen, titel und sigel allenthalben–n im Reich verkundn und anschlagen lassen, das das camergericht auf den ersten tag des monats Septembris nechstkoment zu Worms continuiert und gehaltn werden sol [Nr. 304].

    [10.] Es haben auch ksl. Mt. und der stende des Reichs verordent räte von innemung beider anschläg, zu Costenz22 und Regenspurg23 gemacht, auch da entgegen die ausgabe und alles, so auf underhaltung des camergerichts biß auf den XVten tag Juny MVCIX gangen ist [Nr. 293], empfangen, mit vleis uberlegt und befunden, das zu ferrer verlegungo [= Finanzierung] gedachts camergerichts, wie zu Costenz die stende des Reichs ver- /201’/ willigt haben, vonnöten sein, einen neuen anschlag dem vorigen gemess und also zu machen, das das camergericht in kunftig zeit statlich mög underhaltn werdn. Deshalbn von wegen ksl. Mt. und der stende des Reichs dem camerrichter und fiscal sonder bevelh und zaichnus, mit her Johann Storchen hand underschribn24, ubergebn und behendigt sein wordn, angezeigten anschlag zusampt anderm, das noch von denp gemeltn zweyn anschlegn, zu Costenz und Regenspurg gemacht, hinderstellig pliben ist, zu ervordern und inzubringn.

    Š[11.] Und dieweil von graf Adolfen von Nassau als camerrichtern, her Dietrichn von Pleningn, doctor Friesen [= Haring Sinnama] und andern den eltern beysitzern umb bezalung ires austendigen solds, am camergericht zu Frankfurt, Worms und Nurmberg verdient, vil und manigfaltigq ansuchens beyr ksl. Mt. und den stendn des Reichs geschehen ist, sol der camerrichter bey dem fiscal verfugen, das er den hinderstand des anschlags zu underhaltung des ksl. camergerichts, zu Augspurg gemacht25, mit des gedachtn Storchen hand underzeichnet und dem fiscal ubergeben, unverzogenlich inbringen und erfordern. Und was davons inbracht ist, sol er alsdann auf die raytung, so ir jeglicher derselbn beysitzer gemeltn graf Adolfen und graf Adolf zweyen beysitzern tun sol, ir jedem nach gepur und anzeig seiner schuld bezalung tun.

    Wo aber der gemelt anschlag so vil, als ir schuld lauft, nit ertrug, sollen sy von andern gefellen des camergerichts, nachdem und die beysitzer und ander personen des camergerichts irer besoldung ausgericht seint, bezalt werden.

    [12.] Und als den gemelten ksl. und der stend verordentenu räten etlich gebrechn und mengel, des camergerichts und derselbn verwandten personen belangend, ubergebn sein, habn sy dem camerrichter, beysitzern und fiscal deshalb bevelh gebn, inhalt einer sondern aufzeichnus, mit des gedachtn Storchn hand underschriben, wie und welichermassen darin gehandelt werden sol [Nr. 295].

    [13.] /202/ Als auch ksl. Mt. vormals gen Regenspurg geschriben und ernstlich bevolhen hat, wov jemands das camergericht, des verwanten personen oder parteyen mit worden oder werken ungepurlich halten oder das camerrichter und beysitzer nach gelegenheit der sachen und personen dieselbn strafen26, sol der camerrichter mit vleiss darob sein, damit solichs alsow geschehe.

    Š[14.] Den landfriden antreffend.

    Dieweil auf vorgehaltn reichstägn der landfride und handhabung desselben notdurftiglich versehen, xauch geordent und–x erclert ist, wie der gehaltn sol werdn, lassen es ksl. Mt. und der stend des Reichs räte darbey pleibn.

    [15.] Die munz belangend.

    yAls auf vorign reichstägn der munz halber vil gehandelt und doch nichts entlichs beschlossen, ist fur nutz und notdurftig betracht, dieweil der schad, abfal und ringerung derselbn munz, so durch etlich geubt, gemeret werdet und gemeinem nutz groser nachteil daraus erwechst, das alle stende des Reichs, so guldin munz habn und schlahn, beschidenz und erfordert werden sollenaa, ir räte, der munz verstendig, auchab munzmeister und wardin auf den drittn tag des monats Septembris gen Frankfurt an den Meyne zu schicken und entlichn beschluss zu machen, damit furohin im Heiligen Reich ain gleichenac guldin munz in aller hantierung, kaufmanschaft und bezalung gebraucht, geubt und gehalten werde–y [Nr. 305].

    Und sol auf gemeltn tag mit graf Eberhartn von Konigstein gehandelt [werden], das er auß ursachn, so im furgehalten werdn, die munz zu Basel gen Strasburg verrucken sol.

    Actum zu Worms am XVI.ad tag des monats Junii anno etc. VIIII.

    «Nr. 304 Ausschreiben Ks. Maximilians (eigentlich: Reichskammergericht) in das Reich – Worms, 16. Juni 1509 »

    Verlegung des Reichskammergerichts nach Worms.

    Duisburg, NRW LA, Kleve-Mark, Akten, Nr. 3144, fol. 25–25’ (Or. m. Siegelrest, Verm. amdip., Unterz. A. Dietrich, Protonotar am RKG) = Textvorlage A. Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ. 492, fol. 233 (Kop., Überschr.: Denunciation und auskundung, wie das camergericht an ein ander ort gelegt sey.) = B.

    Wir Maximilian, von Gottes gnaden erwelter romischer keyser, zu allen zeiten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmatien, Croacien etc. konig, erzherzog zu Osterreich, herzog zu Burgundi, zu Brabant und pfalzgrave etc., verkunden und tun kunt allermeniglich, das wir unser keyserlich camergericht, Šso wir verschiner zeit uf dem gehalten Reichs tag zu Costenz zu gemeinem nutz und handhabung frids und rechts wider in ubung gestellt und zu Regenspurg ein zeit lang zu uben bestellt gehapt, mit rat unser und des Heyligen Reichs churfürsten, fursten und stenden, so ytzo zu Wurmbs versamelt gewest sein, alher gen Wurmbs verrucken lassen, auch versehen und bestellt haben, dieselben unser keyserlich camergericht nach den ytz angeenden gewonlichen ferien der ende und nemblich von sandt Egidien tag [1.9.] an nechst alhie zu Wormbs furohin genglich zu halten, auch mitler zeit uf supplication und begern ladung und andere notdurftig process, wie sich gepurt, zu erkennen und außgeen zu lassen. Darnach wisse sich meniglich zu halten. Geben zu Wormbs am sechzehenden tag des monats Junii nach Cristi gepurt funfzehenhundert und im neunten, unserer Reiche, deß Romischen im vierundzwainzigisten und des hungerischen im zwainzigisten jare.1

    «Nr. 305 Ausschreiben Ks. Maximilians (ksl. Reichstagskommissare/Reichsversammlung) an Münzstände1 – Worms, 16. Juni 1509 »

    Einladung zum Frankfurter Reichsmünztag.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. U, Nr. 1, fol. 3–3’ (Or., Verm. amdiic., Gegenz. J. Storch; Adressat: Hg. Georg von Sachsen) = Textvorlage A. München, HStA, Passauer Blechkastenarchiv, Nr. 8, Fasz. 2, unfol. (wie A; Adressat: Bf. Wiguläus von Passau; präs. 9. Juli) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 83’–84’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = C.

    Maximilian, ae[rwählter] von Gots gnaden romischer keiser, zu allen zeiten merer des Reichs–a etc.

    bHochgeborner, lieber oheim, furst und rate–b. Nachdem auf vorgehalten Reichs tegen der gulden munz halber vil gehandelt, aber nichts entlichs beŠslossen und mitlerzeit der merklich abfal, schade und ryngerung derselben munz, so durch etlich geubt, sich gemert hat, dardurch gemeynem nutz grosser nachteil erwechst, haben unser ksl. rete und commissarien, so wir auf disen Reichs tag verordent gehabt, auch die churfursten, fursten und stende, auf demselben Reichs tag versamelt gewest, auf unsern sonderlichen bevelh, ine deßhalber getan [Nr. 268, Pkt. 10], sich davon underredt und zu weiter fruchtbarer handlung einen tag angesetzt und furgenomen, nemlich auf den dritten tag des monats Septembris nechstkumend gegen dem abent zu Frankfort am Meyne zu sein, des andern tags weiter von der sachen zu handeln und entlichen beslus zu machen, und dabey verlassen, das alle stende des Heiligen Reichs, so gulden munz slahen, darzu beschriben und erfordert werden sollen [Nr. 303, § 15]. Demnach, so begern wir an dein liebec mit ernst bevelhend, daz du dein rete, solher sachen verstendig, auch munzmeister und wardyn auf gemelten tag schicken und ine bevelhen wellest, in berurter sachen von deinen wegen das pest und nutzist helfen zu ratslagen und zu handlen, und des nit lassen noch verziehen. Daran tust du unser ernstliche meynung. Dann wo du, wie oben steet, nit schicken [würdest], wurde nichtdestmynder durch die andern stende der notdurft nach gehandlt. Darnach wisse dich zu richten. Geben zu Worms, am XVI. tag Junii anno etc. im neunten, unsers Reichs, des Romischen im XXIIII. jaren.

    «Nr. 306 Ks. Maximilian (ksl. Reichstagskommissare/Reichsversammlung) an Gf. Eberhard von Königstein – [Worms, 16. Juni 1509] »

    Einladung zum Frankfurter Reichsmünztag.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 85 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A.

    Maximilian etc. Edler, lieber getreuwer. Nachdem auf vor gehalten Reichs tegen etc. ut supra.1 Dwil aber du diser zyt die dry munz zu Frankfurt, Nordlingen und Basel in fursehung und verwaltung hast, so empfelhen wir dir mit ernst, das du etlich din rete, der munz verstendig, auch munzmeister und wardin aus denselben dryen munzen auf bemelten tag schickest und ine befelhest, von dinen wegen das pest und nutzist helfen zu ratslagen und zu handlen, und des nit seumbt noch lasset. Daran tustu unser ernstlich meynung. Dann wu du, wie obstet, nit schicken [würdest], wurde nichtdestomynder durch die andern stende der noturft nach gehandlt. Darnach wiss dich zu richten. Datum ut supra2.

    « Š2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen  »

    «2.1. Erzbischof Uriel von Mainz  »

    «Nr. 307 Lehenbrief Ks. Maximilians für Ebf. Uriel von Mainz – Worms, 23. April 1509 »

    Würzburg, StA, Mainzer Urkunden, weltlicher Schrank L. 7, Nr. 26 (Or. Perg. m. anh. S., Zierinitiale, Verm. prps., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Würzburg, StA, Mainzer Ingrossaturbücher, Bd. 50, fol. 38–39 (Kop. mit imit. Verm. prps. und Gegenz. Serntein).

    [Intitulatio, Promulgatio]. Wiewol wir allen und yeglichen unsern und des Heiligen Reichs undertanen und getreuen unser kayserlich genad und gutigkayt mitzutailen genaigt, sein wir doch aus kayserlicher miltigkayt und schuldigen phlichten billich mer bewegt, die mit sonderlichen genaden zu fursehen, die uns und dem Heiligen Reiche als die negsten und vordristen gelyder die burde und sorgveltigkait desselben Heiligen Reichs mit steten, getreuen diensten und darlegen ires leibs und guts helfen tragen.

    Uriel, Ebf. von Mainz und Reichserzkanzler in Germanien, trat auf dem Wormser Reichstag in Gegenwart von Kff. und Ff. sowie Gesandten vor ihn und bat um die Belehnung mit den von Ks. und Reich herrührenden Regalien, Lehen und Temporalien des Ebf. und des Est. Mainz. In Würdigung der von Kf. Uriel für Ks. und Reich bereits geleisteten und noch künftig zu erweisenden Dienste belehnt er ihn – mit dem Rat von Kff., Ff., Gff. und Hh.– mit den Regalien, Lehen und Temporalien von Ebf. und Erzstift mit allem Zubehör, wie dies seine Amtsvorgänger innehatten. Dieser hat daraufhin als Kf. und Ebf. den üblichen Lehnseid geleistet. Gebietet allen Angehörigen des Est. Mainz unter Androhung der schweren ksl. Ungnade, Ebf. Uriel als weltliche Obrigkeit anzuerkennen. Bei der Belehnung waren persönlich anwesend: die Kff. Ebf. Philipp von Köln, Ebf. Jakob von Trier und Ludwig von der Pfalz, Pfgf. Friedrich, die Mgff. Friedrich und Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Bf. Matthäus von Gurk, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Gf. Philipp von Virneburg und viele weitere Gff., Hh., Ritter und Knechte.1

    « Š2.2. Erzbischof Philipp von Köln  »

    «Nr. 308 Lehenbrief Ks. Maximilians für Ebf. Philipp von Köln – Worms, 23. April 1509 »

    Duisburg, LA NRW, Abt. Rheinland, Kurköln Urk. 3834 (Or. Perg., Vermm. prps./amdip., Registraturverm. J. Storch) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 52–53’ (Reinkonz. mit ex.-Verm.) = B.

    Druck: Lacomblet, Urkundenbuch IV, Nr. 499, S. 616.

    Mehr noch als anderen Untertanen von Ks. und Reich gebührt die ksl. Gnade denen, die ihn als die vornehmsten Glieder des Hl. Reiches mit ihren Diensten bei dessen Bewahrung unterstützen. Vor ihn, den Ks. in seinem Ornat, sowie vor Kff. und Ff. trat Philipp, Ebf. von Köln und Reichserzkanzler in Italien, und bat um die Belehnung mit den von Ks. und Reich herrührenden Regalien, Lehen und Temporalien des Ebf. und des Est. Köln. Er hat diese Bitte wie auch die erwiesenen und künftigen Dienste der Ebff. von Köln für Ks. und Reich erwogen. In deren Würdigung verleiht er vorbehaltlich der Rechte von Ks. und Reich Ebf. Philipp die Regalien, Lehen und Temporalien des Ebf. und des Erzstifts mit allem Zubehör, wie diese seine Amtsvorgänger innehatten. Befiehlt allen Reichsangehörigen unter Androhung der Ungnade von Ks. und Reich sowie einer Strafe von 100 Mark lötigen Goldes die Beachtung dieser Urkunde.

    «Nr. 309 Privilegienbestätigung Ks. Maximilians für Ebf. Philipp von Köln – Worms, 23. Aprila 1509 »

    Duisburg, NRW LA, Kurköln Urk. 3835 (Or. Perg., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein, Registraturverm. C. Hofmann) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 55–57 (Reinkonz. mit ex.-Verm.) = B.

    Druck: Lünig, Reichs-Archiv XVI (Spic. Eccl. 1. T., Forts.), Nr. CXCV, S. 636f.; Bossart, Securis, Nr. 142, S. 326f.

    Ebf. Philipp von Köln hat ihn als erwählten röm. Ks. gebeten, alle seinerzeit von Ks. Friedrich III.1und dessen Vorgängern als röm. Kss. und Kgg. den Ebff. und dem Est. Köln verliehenen Freiheiten, Rechte und Privilegien sowie die im Erzstift geltenden Gewohnheiten zu bestätigen. Er hat diese Bitte wie auch die erwiesenen und künftigen Dienste der Ebff. von Köln für Ks. und Reich erwogen. Deshalb bestätigt er mit dem Rat von Kff., Ff., Gff. und Hh. Ebf. Philipp alle von Kss. und Kgg. oder anderen Ff. verliehenen Freiheiten, Rechte und Privilegien sowie die im Erzstift geltenden Gewohnheiten. Befiehlt allen Reichsangehörigen unter Androhung der Ungnade von Ks. und Reich, der in den bestätigten Urkunden vorgesehenen ŠStrafen sowie einer Geldstrafe von 100 Mark lötigen Goldes die Beachtung dieser Urkunde.

    «Nr. 310 Konfirmationsbrief Ks. Maximilians für Ebf. Philipp von Köln – Worms, 23. April 1509 »

    Duisburg, NRW LA, Kurköln Urk. 3836 (Or. Perg. m. zerbrochenem S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. J. Storch) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 58–59 (Kop.) = B.

    Die von seinen Amtsvorgängern herrührenden Verfügungen bezüglich der Reichskanzlei sehen vor, dass dem Kölner Ebf. während der Italienzüge röm. Kss. und Kgg. die Verwaltung der Kanzlei obliegt, sofern er sich persönlich in Italien aufhält.1Er hat auf Bitten Ebf. Philipps von Köln diese Verfügungen bestätigt und ihm darüber hinaus in Anbetracht seiner Ks. und Reich erwiesenen Verdienste das Recht bewilligt, die Kanzleiverwaltung durch einen Stellvertreter wahrzunehmen.2

    Er steht im Begriff, nach Italien zu ziehen. Dem Ebf. ist es jedoch wegen wichtiger Angelegenheiten seines Erzstifts nicht möglich, an dem Zug teilzunehmen und währenddessen die Verwaltung der Reichskanzlei wahrzunehmen. Er hat deshalb mit dem Tiroler Kanzler und Verwalter der ksl. Hofkanzlei Zyprian von Serntein einen diesbezüglichen Vertrag geschlossen3, den er, der Ks., hiermit bestätigt. Untersagt, den Ebf., seine Stellvertreter oder Serntein bezüglich der Rechte an dieser Kanzlei und der Einkünfte daraus zu schädigen.

    «2.3. Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz  »

    «Nr. 311 Pfgf. Friedrich an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Worms, 5. Mai 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 33–33’ (Or. mit Siegelrest, ex.-Verm., sambstag nach Philippi et Jacobi).

    Sein Bruder Kf. Ludwig und er schreiben beiliegend an den Ks.1, wie er zweifellos noch erfahren wird. Bittet ihn, sich dafür einzusetzen, dass dieser ihnen eine baldige und gnädige Antwort erteilt.

    «Nr. Š312 Hg. Ulrich von Württemberg und Lgf. Wilhelm II. von Hessen an Ks. Maximilian – Worms, 27. Mai 1509 »

    Forderung nach Bestätigung ihrer Gewinne im Landshuter Erbfolgekrieg vor einer Reichsbelehnung Kf. Ludwigs von der Pfalz.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 160–160’ (Or.) = Textvorlage A. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, fol. 89–89’ (Kop.) = B. Stuttgart, HStA, A 109, Bü. 5, Nr. 25, unfol. (Reinkonz.) = C.

    [1.] Allerdurchluchtigster, grosmachtigister kayser. Euwer ksl. Mt. syend unser undartanig, willig dienst in schuldiger gehorsam allzyt zuvor. Allergnadigster her, wir vernemen, wie Pfalz abermals by euwer ksl. Mt. streng und ernstlich anhalt und understen soll, durch merklich furbitt zu erlangen, domit ir die lehen von euer ksl. Mt. gelichen werden, wie dann uf vorgehaltnen rychstagen zu Coln, Costenz1 und andern orten, auch allhie geschechen ist [Nrr. 260, Pkt. 6; 261, Pkt. 4] etc. Wiewol wir nun nit zwyfeln, e. ksl. Mt. hab in guter gedachtnus und wisse ouch zum hochsten und besten zu bedenken, was e. ksl. Mt. jetz und kunftiglich, ouch dem loblichen hus Osterrich, uns, den unserna und pundsverwanten daran gelegen und wie wir us gehorsami, e. ksl. Mt. schuldiger pflicht und redlichen ursachen in die kriegshandlung, hievor geubt, komen und das wir all unser vermogenb daran gestreckt, wie e. Mt. wir des vormals wyter undartaniglich zu erkennen geben: So haben doch euer ksl. Mt. wir des hiemit in ansechung der merklichen geschaft und handel, so eur Mt. obgelegen sind, in gehorsamer undartanigkait wollen erinnern und ermanen mit hochstem flis und undartanigkait bittende, sich selbs, das loblich hus Osterrich, unsc, unserd land, lut und all pundsverwanten darin gnadiglich zu bedenken, solich lehen nit zu lichen oder ainich ander begnadung zu tun, us erzelten und andern ursachen, so e. ksl. Mt. hohere dann wir zu bedenken haben, es werde dann zuvoran den usgangen processen, execution2, daruf andern verschrybungen und abschiden, Šso deshalb von e. ksl. Mt. wir haben3, gelebt und volziechung geton. Das umb e. ksl. Mt. (der wir uns undartanigklich bevelchen und umb ain gnadig antwurt bitten) wollen wir in aller undartanigkait verdienen. Datum Worms, uf den hayligen pfingstag Ao. nono.

    fUlrich, herzog zu Wurtemberg, und Wilhalm, landgrave zu Hessen–f, etc.

    «Nr. 313 Hg. Ulrich von Württemberg an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein und den ksl. Hofmarschall Paul von Liechtenstein – Worms, 27. Mai 1509 »

    Bitte um Unterstützung beim Widerstand gegen die Reichsbelehnung Kf. Ludwigs von der Pfalz.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1509), fol. 76–76’ (Or. m. Siegelrest; Postverm.: Sament und jedem bsonder zu handen.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, A 109, Bü. 5, Nr. 25, unfol. (Reinkonz.) = B.

    Ulrich, avon Gottes gnaden herzog zu Wurtemperg und zu Teck, grave zu Mumpelgart etc.–a Unsern gunstlichen grus zuvor. Edlen, lieben, besondern. Uns hat allhie angelangt etlich handlung, so by kayserlicher Mt., unserm allergnadigsten herren, anbracht soll werden, deshalb irer Mt. wir lut hiebyligender copy schryben [Nr. 312], an euch gutlich ansynnenb und begeren, dwyl dise handlung durch ksl. Mt. als das recht houbt, dero zu gehorsami, schuldiger pflicht und redlicher ursachen wir mitsampt andern pundsverwanten, der das loblich hus Osterrich by den vordersten verwant und zugeton, gehandelt, wo dann die vor ußgangen handlung, verschrybung, zusagens und nachvolgender abschyd, zu Coln1, Costenz und etlichen gehalten pundstagen2 Šbeschechen, wyder das mit begnadung, verlichung der regalia oder in ander weg was furgenomen durch ksl. Mt. sollt werden, zu was verwiß, nachred, schimpf und schaden allenthalb das raychen mocht, und bsonder ksl. Mt. und dem loblichen hus Osterrich und uns, dwyl doch unser gemut und will, wie ir, der canzler, des wissenc und her Pauls on zwyfel ouch hat, uns erblich mit dem hus Osterrich in aynung zu tund und alles, so littenlich [= leidlich] und tregenlich ist, furderlich helfen urbutig sind zu handeln und ufzurichten. Darumb wolt unserm vertruwen nach in all obgemelt handeln fruchtbar insechen tun, damit wyder das hus Osterrich, uns und unsern verwanten nichts usgang. Was dann den allen zu lob, eer und wolfart erschiessen mag, darzu sind wir ganz willig und euch gnadigen willen zu erzogen wol genaigt. Und was euch zu jeder zyt gut ansicht, douch nuwer zytigung und lof erougen–d, wolt uns nach gepur ouch nit verhalten. Das wollen wir mit sondern gnaden beschulden und zu gutem nit vergessen. Datum Worms, uf den hayligen pfingstag anno Domini etc. nono.

    «Nr. 314 Supplikation Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände – Worms, 31. Mai 1509 »

    [1.] Bitte an den Ks. um die Reichsbelehnung; [2.] Verweigerung durch Ks. Maximilian; [3.] Bitte um Unterstützung ihres Anliegens beim Ks.

    Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.).

    [1.] Erwirdigen in Got veter, hoch- und wolgebornen, auch wirdigen, edeln, ersamen und weisen des Heiligen Romischen Reichs churfursten, fursten, prelaten, graven, freyhern, herrn und ander stende, lieben oheymen, sweger, vettern, frund, getreuen und besunder. Wir setzen in kein zwifel, euer lieb, fruntschaft und gunst, so dabey gewesen, haben noch in frischer gedechtnus und sey auch an die andern, der zeit nit hie noch zugegen gewest, gelangt, wie das uf dem nehst verruckten sand Jorgen des heiligen ritters tag [23.4.] dis gegenwertigen der mynder zal Cristi neunden jars fur der romischen keyserlichen maiestat, unserm allergnedigsten herren, zu des Heiligen Reichs tag alhie zu Wormbs wir beid gehorsamlich erschynen und in beysein etlicher euer liebden und stenden des Reichs ir Mt. als römischen keiser und unsern allergnedigsten herrn demütiglich uf vorgends ufschurzen [= Verschieben, Verzögern] bis zu disem tag ersucht und uns unser churfurstlichen, furstlichen, auch ander regalia und lehen, so unser voreltern ye lange zeit her von dem Heiligen Romischen Reich, irer Mt. vordern und auch irer Mt. selbs1 getragen, entpfangen und herbracht Šhaben, nun uf und an uns komen und gewachsen wer, underteniglich und mit dem höhsten fleiss gebeten, die gnediglich und wie sich gepür, zu leyhen, auch unser churfurstlichen und andere freyheiten zu bestaten und zu confirmiren zu geruchen, nemlich uns, pfalzgraf Ludwigen, churfursten, als dem eltsten die curfurstlichen, darzu was denselbigen eiget und anhangt, und dann darnach auch die anderen von unser beder wegen, mit erbietung, solchs also gehorsamlich zu entpfahen und in aller undertenigkeit unsers vermögens, leibs und guts umb sein ksl. Mt. zu verdienen.

    [2.] Und wiewol wir uns auch der billigkeit, den lehenrechten, darzu des Heiligen Röm. Reichs gebruch und ubung nach keiner weygerung noch abslags oder auch ufzugs, sonder es zu gescheen genzlich versehen und vertrost haben, so ist solichs doch derzeit underlassen und von derselbigen ksl. Mt., wie euer liebden, fruntschaft und gunst den merer teil unverborgen und wol wissend ist, ungeverlich der meynung und wie nachsteet, antwurt gefallen oder geben worden: Das ir Mt. unser bitt und erbieten zu gnedigem dank und wolgefallen [annimmt], die auch fur gnugsam achtet und hiltet, wurde darzu irer Mt. halber kein irrung han und were solchs zu tun wol willig. Aber ir Mt. hett von anfang biß uf den anstand des vergangen beierischen kriegs etlichen fursten und stetten verschreybungen2, derer inhalt ir Mt. entsunken und nit gruntlichs wissens hett, geben. Und mocht sich in der eyle dem bemelten krieg zugut gedachter zeit etwas verdieft3 han. Deßhalber ir Mt., doch uns beiden nit zu ungnaden noch zu eynichem verlust den sachen, biß die fursten und stett, auch andere, noch nit bey der hant, zu disem Reichs tag kemen oder die iren schicken wurden, ein anstand geben, alsdann weyter zu handeln.

    [3.] Darumb und dweil nun dem also und wir vernemen, das die ksl. Mt. irer person halber kein irrung hat und das zu tun wol geneigt und willig, und wir dann ye darfur haben, wie dieselbigen euer lieb, fruntschaft und gunst, on zweifel auch meniglich zu bedenken wissen, das weder recht noch billich, darzu dem herkomenden gebruch im Heiligen Romischen Reich nit gemess were, uns in dem zu pfenden oder auch die belehenung anzuhenken oder us eynicher ursachen unserer curfurstlichen und anderer freiheiten bestatung besunderlich uf recht und zu unserm rechten und gerechtigkeiten ufzuschurzen und zu verlengern, darzu in solchem, so uns kunftiglich zu merklichem nachteil und schaden reichen mocht, zu beschweren. Und wiewol wir auch us erzelten und anderer mer ursachen und beweglichkeiten der hofnung und trostlicher Šzuversicht sein, die röm. ksl. Mt. werd on das und von ir selbs in betrachtung derselbigen angeregten ursachen, auch der pillichkeit sich bedenken und uns nachmals zum furderlichsten die bemelten unser regalia, lehen und freyheiten leyhen und confirmieren, auch irem erbieten nach gnediglich erzeigen und beweisen on lengern verzug oder aufhalten, so bitten wir doch dieselbigen euer liebden, fruntschaft und gunst mit dem hohsten fleiss, sie geruche[n] und wollen solichs, ob es verzogen werden wolt, helfen furdern und, wo es ye nit anderst sein mocht, der sach zugut und uns zu fruntlichem willen so vil by ksl. Mt. oder derselbigen ret mit anzeig und underweisung, auch furschriften und in andere geschickte und gepurliche wege, welch sie bass und vernunftiglicher zu bedenken dann wir anzuzeigen wissen, das uns zum wenigsten uf recht und zu unserm rechten und gerechtigkeiten gnediglich geliehen, auch die freyheiten, so unser voreltern vom Heiligen Röm. Reich getragen und gehabt, bestat und confirmirt, nit verzogen noch weyter furgehalten werden, handeln und bemuhen, sich in dem so fruntlich, unverdrossen und gutwillig, als die billigkeit gibt, notturft erfordert, auch unser vertruwen zu euer liebden, fruntschaft und gunst steet, erzeigen und beweysen. Das wollen wir sampt unsern guten herrn und frunden unversparts leibs und guts zuforderst umb dieselb ksl. Mt. getreulich und underteniglichen, auch euer liebden und fruntschaft fruntlich zu verdienen und gegen den andern mit gunstigem willen und in gnaden zu erkennen bevlissen sein, dasselb auch zu gutem nyemer vergessen.

    Von Gots gnaden Ludwig, des Heiligen Romischen Reichs erzdruchses, churfurst, und Fridrich, beid pfalzgraven bey Rhein und herzogen in Beyern, gebruder etc.

    «Nr. 315 Supplikation Hg. Ulrichs von Württemberg sowie der Gesandten Hg. Wilhelms IV. von Bayern, Lgf. Wilhelms II. von Hessen, des Schwäbischen Bundes und der Stadt Nürnberg an die ksl. Reichstagskommissare – Worms, 31. Mai 1509 »

    [1.] Bitte Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände um Unterstützung beim Ks. wegen ihrer Reichsbelehnung; [2.] Forderung der Supplikanten nach Bestätigung ihrer Gewinne im Landshuter Erbfolgekrieg vor einer Belehnung; [3.] Bitte um Unterstützung ihrer Position.

    Stuttgart, HStA, A 109, Bü. 5, Nr. 25, unfol. (Kop.) = Textvorlage A.

    Druck: Sattler, Geschichte I, Beil. Nr. 47, S. 112f.

    [1.] Hochgeporner furst, wolgeporner, edel, wurdigen und hochgelerten ksl. Mt. commissarien. Lieben swauger, oheimen und besondern, auch gnadigen und gunstigen, lieben herrn. Von wegen des punds zu Swaben, unser selbs und unser gnadigen fursten, herrn und frunden bringen wir euwer lieb, gnad und gunst fur, das wir uf disen tag ain bitt, so von den hochgepornen, durchluchtigen fursten, herrn Ludwigen und herrn Fryderichen, pfalzgraven by Ryn, herzoŠgen in Bayrn, unsern oheimen und gnadigen herrn, an die churfursten, fursten und ander stende des Hayligen Rychs, allhie versamlet, geschechen, gehort und vernomen haben, in maynung, willen und begern, das die obgemelten stand ksl. Mt. wollen inen helfen bitten, ir regalia gnadiglich zu verlichen, darzu ir fryhayten, alt herkomen und ander gerechtigkaiten bestatigen, ernuwern und confirmieren, lut derselben bitt [Nr. 314].

    [2.] Dwyl aber ksl. Mt. vormals in anfang, mittel und ende, ouch darnach die pundsverwandten, so ir Mt. zu gehorsami und ausser redlichen ursachen in die hylf des bayerischen kriegs komen sint, gezogen und mit ernstlichen mandaten ersucht, gepoten und auf das hochst ervordert zuzeziechen, hylf und bystand tun und darumb in- und usserhalb rechtes jemand zu antwurten nit schuldig sein, darzu die ungehorsamen nit in gnad an- oder ufzunemen, ir regalia, fryhayten und anders nit zu lychen, bestatigen und sunst nit handeln etc., sie haben sich dann zuvor verzigen und begeben, alles das, so in disem krieg inen abgewonnen ist, quittiert etc., alles lut und inhalt vorgemelter mandata, sonderer begnadung, verschrybungen, vertrag, zusagens und abschids und jungst zu Costenz deshalb den pundischen und irn verwanten gegeben, und namlich, das ir Mt. es bey den usgangen processen, execution, verschrybungen und zusagen gnadiglich wollen plyben, dawyder nichts usgen lassen etc.1

    [3.] So dann ksl. Mt. mit grossern geschaften beladen, merklich anhalten und bitten deshalb zum oftern mal an ir Mt. geschechen, wie obsteet angesucht wurdet, damit das zu frischer gedachtnus, wie oblut, gebracht und euwer lieb, gnad und gunst als ksl. Mt. commissarien, rate und verwanten, darzu als die, so des loblichen hus Osterrich wolfart gern sechen, deshalb unser fruntlich, gutlich und undartanig bitt an euch ist, ir wollen in disem handel bedenken und zu herzen nemen ksl. Mt. lob und des hus Osterrich wolfart und daneben die usgangen urtayln, processen, execution, gegeben verschrybungen, gnad, vertrag und zusagens, so pundsverwanten, dero das loblich hus Osterrich der hochsten ainer ist, von ir Mt. haben, und das der wydertayl zu gnaden und fryden, auch mit belehnung und bestetigung, wie oblut, on vorusgangen verzychung und quitierung nit soll angenomen, begnadet oder begabet werden. Dann was darus beschwarlichs, verwissenlichs [= Schmähliches, Schimpfliches] und nachtayligs irer Mt., dem hus Osterrich, dem pund zu Swauben und allen anhengern, so in ir hylf gewesen, entsteen mocht, ist lichtlich zu betrachten und by dem anfang, mittel und ende zu gedenken. Achten ouch wol, ksl. Mt. gemut oder will nit sein werde, von irer Mt. macht und angefengtem krieg, usgangen urtayln, processen, execution, sondern verschrybungen, mandata und zusagens sich in ainiche disputation lassen bringen, ob die by kreften blyben oder in recht bestendig oder unkreftig, wol oder ubel gehandelt sin solt. Dann on zwyfel und Šoffenbar ist, ir Mt. koniglich und wie sich gepurt, wie obstet, notdurftiglich und wol haben gehandelt und furgangen sin. Und das eegemelt process, brief und execution muglich volzogen und denen gelebt soll werden. Darumb usser vorerzelten und andern tapfern ursachen bitten wir euch, im handel by ksl. Mt., euch selbs und wo not ist, also insechens tun, damit es by dem, wie obstet, blybe, dawyder nichts usgangen oder furderung gescheche, das uszubringen. Dardurch wurdet ksl. Mt. lob und des hus Osterrichs wolfart gefurdert und das zu unwiderbringelichem schaden im Hayligen Rych raychen mocht, verhut. Das wollen wir umb ksl. Mt. ganz undertaniglichst und euwer lieb, fruntschaft, gnad und gunst fruntlich, williglich und undertaniglich verdienen und beschulden. Datum dornstags zu Worms nach dem pfingstag anno etc. nono.

    Ulrich, von Gots gnaden herzog zu Wurtemperg etc., herzog Wilhalms in Obern- und Nidernbayrn etc., landgrave Wilhelms zu Hessen etc., des punds zu Swauben, der statt Nurmberg rat alhie zu Worms.

    «Nr. 316 Supplikation Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände – Worms, 9. Juni 1509 »

    Bitte um Fürsprache bei Ks. Maximilian.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 4, fol. 30–30’ (Or.).

    Unser fruntlich dinst und was wir liebs und guts vermugen, alzeit zuvor. Erwirdigen in Gott vater, hoch- und wolgebornen, wirdigen und edeln, lieben freund, oheim, swäger, vettern und besondern. Verschiner tag haben wir eur lieb, freuntschaft und gunst alhie zu Worms zu erkennen geben die antwurt, so uns von romischer keiserlicher Mt., unserm allergnedigisten herrn, uf unser bitlich ansuchen, bestetigung und confirmirung unser lehen, curfurstlichen und furstlichen freiheit betreffen, widerfarn, und daruf gebeten, uns beden mit eur lieb, fruntschaft und gunst furschriften by derselben irer keiserlichen Mt. dermassen zu erschissen, das wir als jung angeend des Reichs curfursten und fursten, wie von unsern eltern bis uf uns lang zeit here herbracht, auch belechnet werden [Nr. 314]. Solichs mag sich bishere merglicher eur liebden, fruntschaft und gunst gehapten gescheft halb verlengert han. Wan uns nun der verzug beswerlich, damit wir dan eurs gutwilligen erpietens ersprißlich befinden, bitten wir dieselben sampt und sonder nochmals besonders fruntlichs, dinstlichs und gunstigs fleiß, sie wollen solichs zu gedechtnus fassen und uns furderlich mit bemelter eur lieb, fruntschaft und gunst getreuer furdernus, hilf und rat an obgemelten unsern allergnedigsten hern dermas bevolhen haben und zu hilf kumen, wie wir in keinen zweifel setzen, unser gescheen bit und begere nach des geneigt seyt. Das wollen wir umb eur liebden, fruntschaft und gunst unsers vermugens fruntlich und gunstiglich zu verdinen und zu verschulden allzeit gutwilliglich erfunden werden. Datum Worms, sambstags nach corporis Cristi anno etc. VIIII.

    ŠVon Gottes gnaden Ludwig, des Heiligen Romischen Reichs erztruchsas, curfurst, und Friderich, bede pfalzgraven bey Rein und herzog in Beirn, gebrudere etc.

    «Nr. 317 Supplikation der Reichsstände an Ks. Maximilian – Worms, 9. Juni 1509 »

    [1.] Bitte Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Friedrichs an den Ks. um ihre Reichsbelehnung; [2.] Antwort Ks. Maximilians; [3.] Verzögerung der Belehnung und Bitte der Pfgff. um Unterstützung durch die Reichsstände; [4.] Fürbitte der Reichsstände; [5.] Unterzeichner.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 4, fol. 31–33’, 34’ (Or., Spuren von 5 Ss.).1

    [1.] /31/ Allerdurchleuchtigster furst, großmechtigster keyser, unser undertenig, schuldig und willig dienst mit gepurender gehorsam eurn ksl. gnaden allezeit zuvor. Allergnedigster herre, am jungsten und in kurzverruckten tagen sein die hochgebornen fursten, herren Ludwig, des Heiligen Romischen Reichs erztruchses und churfurst, und Friderich, beide pfalzgraven bey Rein und herzogen in Beyern, gebruder, unsere lieben freunde, oheym, vetter und sweger, vor uns erschienen, anzeigen und erzelen lassen, welichermassen sie sich als die gehorsamen zu diesem Reichs tag getan und in unser etlicher beysein uf sant Jorgen, des heiligen ritters tag [23.4.] dis gegenwirtigen der mynder zal Cristi neunden jars euer keyserlich Mt., iren und unsern allergnedigisten herren, der zeit selbs uf vorgendes ufschurzen und verziehen diemutiglich ersucht, auch inen ire churfurstlichen, furstlichen, darzu ander regalien und lehen, so irer liebden voraltern lang zeit her von dem Heiligen Romischen Reich, euer Mt. vordern und auch euer Mt. selbs getragen, entpfangen und herbracht, nun uf sie komen und gewachsen weren, gnediglich und wie sich gepure zum wenigsten und, wo es ye nit anders sein wolt, zu irem rechten und gerechtigkeiten eins yeden andern unvergriffen zu leihen, auch ir churfurstlichen und ander freiheiten zu bestaten und confirmiren underteniglich und mit dem hohsten vleiss gepeten.

    [2.] Und wiewol sie der pilligkeit, dem lehenrechten, darzu des Heiligen Romischen Reichs geprauch und ubung nach sich uf solichs keiner weigerung noch abschlags oder auch eynigs ufzugs, sonder in laut irer getanen bitt zu gescheen genzlich versehen und vertrost hetten, so were dasselb doch nit bescheen und die belehenung, auch /31’/ der freiheiten confirmirung derzeit underlassen, aber von euer ksl. Mt., als der merer teil unser unverborgen und wol wissend, ungeverlich der meynung, das euer Mt. ir bitt und erpieten zu gnedigem gefallen, dieselb auch fur gnugsam achtet und hielt, wurde darzu euer Mt. halben kein irrung han und were solichs zu tun wol willig, aber euer Mt. hette vom anfang bis uf den anstand des vergangen beyerischen kriegs etlichen Šfursten und stetten verschreibungen, deren inhalt euer Mt. entsunken und nit gruntlichs wissen noch in gedechtnus hette, geben. Und mocht sich in der eyle dem bemelten krieg zugut gedachter zeit etwas vertieft han, deshalb euer Mt., doch inen nit zu ungnaden, zuwider, noch zu einigem verlust, den sachen, bis die fursten und stette, auch andere noch nit bey der hand, zu dem Reichs tag komen oder die iren schicken wurden, ein anstand machen, alsdann auch darin weiter zu handlen bevelhe geben, durch uns, die drey erzbischove und geystlichen churfursten, aus bevelhe euer keyserlichen Mt. antwort gefallen.

    [3.] Derohalben sie nun etwo lang und vil zeit erwartet, gemeynt, es solt neben anderm auch befelhe, inen zu leihen, herkomen, die sachen auch ytzt hie gefurdert und zu ende gewachsen sein, als sie dann noch der hoffnung und trostlicher zuversicht weren und aus erzelten und mehr ursachen nit anders sein kunten, euer keyserlich Mt. wurde on das und von ir selbs sich bedenken und /32/ inen nochmals zum furderlichsten die bemelten regalia und lehen leihen, auch ir freiheiten confirmiren und bestetigen. Nichtdestweniger und dieweil sich dasselb aber verweilt und noch zur zeit nyemands, sovil inen wissen, einicher befelhe worden, zukomen noch sich eraigen tet und sich dann, als sie angelangt, etlich der kriegsfursten und -stett darwider legen und umb eur ksl. Mt. zu verhinderung desselbigen arbaiten, also das zu besorgen, solichs aber ufgeschurzt und verzogen, ire regalia, lehen und dergleichen leihungen, auch freihaiten und ander gerechtigkeiten dieser zeit wie unzher unconfirmirt und also mit irem merklichen nachteyl und schaden noch lenger ansteen pleiben mochten, das inen dann nit wenig beswerlich, auch, als das zu nachrede, unrate und verderben kunftiglichen raichent, untreglich, der und ander beweglicheit halben uns sambt und sonder freuntlich gebeten, inen mit unserm rate, hilf und schriften, auch furbitten zu furderung der sachen bey euer keyserlichen Mt. zu erscheinen und zu erspriessen. Und uns uf heut dato desselbigen anbringens und irer vorbescheener bitt erinnert und erneut inhalt herin verwarter schrift [Nr. 316].

    [4.] Wiewol wir nun eben wie auch sie in keynen zweifel setzen, euer keyserlich Mt. wisse sich in dem allem dem rechten, der pilligkeit und des Reichs geprauch, auch irer, der bemelten unserer freunde, oheym, vetter und sweger bitt und notturft nach on das wol zu halten und werden sich gegen inen gnediglich beweisen, so haben /32’/ wir inen doch dasselb in ansehen irer verwantnis, siep- und freuntschaft, darzu irer zimlich bitt nit verzeihen noch ablagen konnen oder wollen, euer keyserlich Mt. underteniglichs und hohstes vleiss bittend, ir keyserlich Mt. geruch und wolle inen soliche irer voraltern lehen, wie die uf sie komen und gewachsen, leihen, auch ire freiheiten und herbrachte privilegien confirmiren und besteten, als, wir dann erachten, pillich beschee, auch recht und der geprauch im Heiligen Romischen Reich sey, noch anders, dann das es auch sunst zu viel gutem dienen werde, bey uns finden konnen, besonderlich und zum wenigsten, wie begert, wo es ye Šnit anders sein mocht, uf den kgl. abscheid zu Collen2 zu irem rechten und gerechtigkeiten, einem yeden des seinen unvergrifflich und on schaden, sie auch dieses unsers schreibens und furbittens geniessen lassen und sich in dem aus angeborner tugent und keyserlicher miltigkeit so gnediglich und gutig erzeigen und beweisen, als unser aller, auch ir vertrauen und hoffnung zu euer ksl. Mt. ist und stet, auch dermassen, das sie, die oft ernenten unser frunde, oheym, vettern und swegern, dieser unser schrift und furbitt wurklicheit dero auch genossen zu haben entpfinden und sich von euer ksl. Mt. des berumen mogen. Das wollen wir sambt inen, auch unsern und iren guten herren und frunden umb /33/ dieselb euer keyserlich Mt., die der Almechtig in langwirigem und gluckseligem regiment gefriste, underteniglich zu verdienen befleissen und ganz willig, auch zu gutem unvergessen sein. Datum sambstags nach corporis Cristi anno Domini etc. nono.

    [5.] Euer ksl. Mt. gehorsamen Uriel zu Menz, Jacob zu Trier, erzbischove, Philipps, erwelter und bestetigter zu Collen, Friderich, herzog zu Sachsen etc., churfursten; marggraf Joachim [von Brandenburg], churfursten etc., botschaft; Georg zu Bamberg, Lorenz zu Wurzpurg, bischove; Heinrich, herzog zu Brunswig, der elter; Hartman, administrator zu Fulda; des erzbischofs zu Salzpurg, des bischofs zu Worms, des bischofs zu Eystet, des bischofs zu Speyer, /33’/ des bischofs zu Straßburg, des bischofs zu Costenz, des bischofs zu Augspurg, des bischofs zu Freising, des teutschen meysters, herzog Jorgen von Sachsen, herzog Alexanders von Beyern, herzog Hansen von Beyern, herzog Wilhelms von Gulch und aller anderer fursten, prelaten und graven botschaften, außgenomen die kriegsfursten, stette und derselben verwanten, yetz uf des Reichs versamlung zu Worms.3

    «2.4. Bischof Jakob von Cambrai  »

    «Nr. 318 Supplikation Bf. Jakobs von Cambrai an Ks. Maximilian – [vor dem 8. Mai 1509]1 »

    Begabung der Bff. von Cambrai mit dem Herzogstitel.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 82–83’ (lat. Kop.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 10–11 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. Š259] inserierte lat. Kop.) = B. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (lat. Kop.)= C. Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 108–106 (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt)= D. München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 15–16 (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte lat. Kop.) = E. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 144’–146 (lat. Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte lat. Kop.). München, HStA, KÄA 3136, fol. 402–403’ (lat. Kop.). Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 161–161’ (lat. Kop.).

    Serenissime et invictissime imperator. Quoniam huius seculi homines Cristi fide insignitos, eos potissimum, quibus regum omnium dominus sua clementia ex alto splendida contulit beneficia, principatus et officia, summopere decet sursum tendere tantoque largitori gratias primum agere et deinde tam in spiritualibus quam temporalibus magnanimiter et honorifice ipsis commissa ad eius gloriam perducere ac denique terreni principes gloriam magnificare nec minus sui ipsius bonam famam posterisque suis laudabilem memoriam relinquere.

    Eapropter humili vestre serenissime et invictissime cesaree maiestatis oratori Jacobo de Croi, permissione divina commendacioneque pie memorie Philippi regis Castellea, carissimi filii vestri (cui Deus misereatur), per capitulares ecclesie cathedralis Cameracensis in presulem ac pastorem dicte ecclesie eiusdem vestrae serenissime maiestatis postmodum interveniente consensu electo, visum est, nil magnificentius nilne honorificentius erga summum largitorem necnon vestram serenissimam et invictissimam maiestatem effici posse quam civitatis Cameracensis erectionem in ducatum prosequi, ita quod ipse orator et sui dicte ecclesie deinceps successores episcopos et duces Cameracenses, comites Cameracesii se attitulare valeant. In hiis enim honorabitur Deus creator, in quantum bona sibi collata honorabuntur. Venerabiturque sanctus Henricus, dum viveret Romanorum imperator, qui eandem civitatem cum prefato comitatu ab Imperio dependentibus predicte ecclesie donavit.2 Serenissima vestra cesarea maiestas, que eandem erectionem fecerit, primum in vita et post decessum fama exaltabitur eadem apud Deum necnon apud eundem sanctum Henricum et ab eisdem gratiam recipiet, eiusdem erectionis occasione in ecclesia et diocesi Cameracensi singulares et speciales ultra consuetas pro eadem serenissima maiestate et suis predecessoribus illius ecclesie fundatoribus et conservatoribus fient et fundentur preces eadem ratione in suis erga vestram serenissimam maiestatem ac Sacrum Imperium fidelitatibus subditi Cameracensis ecclesie, qui cum suis prelatis et ipsius ecclesie capitulo suarum fidelitatum occasione, ex quo finitimi regno Francie, unde varias insultationes, plurima et indicibilia pericula sustulerunt ac Šincendia, eversiones possessionum sepenumero perpessi sunt, confirmabuntur et roborabuntur. Preterea insignis ecclesia Cameracensis excellentissima habet civitatem Cameracensem potentem, comitatum Cameracesii antiquissimum et dignissimum, quiquidem comitatus in sex opidis, castris pluribus et villagiis multis consistit, ratione quorum ipse orator Imperii princeps sicuti sui predecessores a vestra serenissima maiestate regalia suscepit. Ab eodem etiam comitatu dependent multa nobilissima feuda, etiam a maioribus principibus obtenta et possessa, sicuti opida de Creverenz [= Crèvecœur] et Aerleux a rege Francie, opida et dominia de Rumilli et Sancti Supplicis [= Saint-Souplet] a delphino Francie et dominium de la Feulie [= La Faille] in Cameraco a comite Hannonie [= Hennegau]. Habetque idem comitatus duodecim pariatus seu pares, inter quos comes de Vensdome, comes Sancti Pauli [= Saint-Pol], Jacobus de Luxenburgo, dominus de Fiesnes, dominus de Clarn [= Clairy], dominus de Molembeyx et plerique alii magni nobiles existunt, et multos etiam barionatus sive baronias ac alia in maximo numero feuda etiam in regno Francie. Aliqui episcopatus sicuti Laudunensis [= Laon] et Langrensis ducali sunt titulo insigniti, qui Cameracens[i] episcopatui in preeminenciis proven[tibus] in spiritualibus et temporalibus minime comparari valent. Ultra hec vetustissimis Francorum cronicis in templo beati Dionisii apud Parisius comperitur, ab antiquo Cameracensem civitatem ducatum fuisse Canagariumque [= Ragnachar] principem eiusdem civitatis tempore Clodovei regis Francorum ducem extitisse.

    Quamobrem, si vestra serenissima et invictissima cesarea maiestas pretactum creare dignetur atque erigere ducatum, non rem novam attemptare, sed potius neglectam instaurare seu restituere videbitur. Eritque laus et perhennis sub vasallorum [!] eiusdem vestrae serenissime maiestatis gloria, quod ob suas virtutes tanta cesaree maiestatis liberalitate a tanto principe potiti sint promptioresque e[adem] v[estra] se[renissima] maiestas ipsos efficiet ac incitabit ad suos Imperii fines tutandas et defendendas. Premissis attent[is] necnon obsequiis ex domicilio de Croi, Sacro Imperio ac serenissime vestre maiestati impensis et adhuc per Dei gratiam impendend[is], supplicat humilius, quo valet dictus or[ator], quatenus dignetur eadem se[renissima] et invictissima maiestas super praetacta erectione suam impartiri gratiam specialem ac eidem oratori illam consentire, remanentibus tamen Cameracen[si] ecclesie comitatu Cameracesii cum pertinentiis suis praesentibus et futuris eiusdem ecclesie prelat[is] et suis subdit[is] in omnibus eorum privilegiis, libertatibus, franchisiis et consuetudinibus salvis et illesis. Et idem or[ator] pro felici serenissime ac invictissime vestre cesaree maiestat[is] successu iugiter orabit et orari procurabit.3

    « Š2.5. Bischof Eberhard von Lüttich  »

    «Nr. 319 Lehenbrief Ks. Maximilians für Bf. Eberhard von Lüttich – Worms, 22. April 1509 »

    Regest: Schoonbroodt, Inventaire, Nr. 1110, S. 359; Poncelet, Cartulaire V, Nr. 3394, S. 253f.

    Belehnt Bf. Eberhard auf Bitte seiner Gesandten, der Domherren Pierre de Cortembach und Simon von Jülich, mit den Regalien, Lehen und Temporalien von Bf. und Hochstift samt allem Zubehör. Gebietet allen Angehörigen des Hst. Lüttich, Bf. Eberhard als rechtmäßige weltliche Obrigkeit anzuerkennen.

    « Š3. Streitfälle und Schiedsverfahren  »

    «3.1. Sessionsstreit der Häuser Pfalz, Bayern und Sachsen  »

    «Nr. 320 Schiedsspruch Kf. Friedrichs von Sachsen – Worms, 28. Mai 1509 »

    München, HStA, PZU 2497 (Or. m. Siegelspuren, montaig in den heiligen pfingstfeyrn; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 1 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen worden.) = B. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 2 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen oder erfordert worden.) = C. München, HStA, PNU, Reichssachen, Nr. 34 (Kop. von 1584, Kollationsverm. des Notars Johannes Stiber) = D. München, HStA, K.blau 335/36, fol. 593–593’ (Abschrift von 15831).

    Referiert bei Lehmann, Geschichte des Herzogtums Zweibrücken, S. 251.

    Zwischen den sächsischen und bayerischen [bzw. pfälzischen] Räten kam es auf diesem Reichstag zu einem Streit wegen der Session. Damit die Angelegenheiten von Ks. und Reich nicht verzögert werden, hat er als Verwandter und Freund eine gütliche Vermittlung unternommen und also disen reichstag dise mittelung durch alle tail derselben rete bewilligung erlangt und hingelegtin der folgenden Weise: Die Räte Hg. Wolfgangs als des ältesten Hg. von Bayern sollen die erste, die Räte Hg. Georgs von Sachsen die zweite Session einnehmen. Die Räte Pfgf. Alexanders [von Zweibrücken] und Pfgf. Johanns [von Simmern] folgen danach. Diese Abrede gilt unter dem Vorbehalt, dass den Rechten der Häuser Sachsen und Bayern mit Hinblick auf künftige Reichstage nichts benommen sein soll.2

    «3.2. Bischof Georg von Bamberg gegen Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach  »

    «Nr. 321 Kompromissbrief – Worms, 10. Juni 1509 »

    Wolfenbüttel, HAB, Cod. Guelf. 32.9 Aug. 2o, fol. 303–303’ (Kop., sonntag nach corporis Cristi).1

    Der bfl. Hofmeister Johann von Schwarzenberg und Leonhard von Egloffstein als Räte des Bf. von Bamberg sowie der mgfl. Hofmeister Hans von Seckendorff und Veit Švon Lentersheim als Räte des Mgf. von Brandenburg haben wegen des Konflikts um Streitberg vereinbart, dass am Morgen des 26. Juni (dinstag nach sand Johans tag sonwenden)zwei mgfl. Räte mit den beiden genannten bfl. Räten in Forchheim zusammentreffen und dort zum Besten der beiden Parteien Vorschläge zu dessen Beilegung erarbeiten sollen. Um ein offenes Verhandlungsklima zu gewährleisten, sollen sich die Teilnehmer verpflichten, keine Äußerungen oder Vorschläge mit Ausnahme des gemeinsamen Abschieds an ihre Herren oder an Dritte weiterzugeben. Der Bf. von Bamberg soll sich am Abend des 26. Juni in Forchheim, der Mgf. von Brandenburg in Baiersdorf einfinden, wo die Verhandlungen tageweise abwechselnd stattfinden werden.

    «3.3. Bischof Georg von Bamberg gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 322 Reichsstadt Nürnberg an Bf. Lorenz von Würzburg (entsprechend an Kf. Friedrich III. von Sachsen) – Nürnberg, 2. Juni 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher, Nr. 64, fol. 27’ (Kop., sambstag nach pfingsten).

    Übersenden ihm gemäß dem [Schmalkaldener] Rezess [Nr. 115, Anm. 3] in zweifacher Ausfertigung ihre Replik zur Erwiderung des Bf. von Bamberg auf ihre Klage1.

    «3.4 Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich »

    «Nr. 323 Pfgf. Friedrich an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Worms, 30. April 1509 »

    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 275–276 (Konz., montags nach jubilate).

    Er erinnert sich sicherlich noch daran, dass er den seinen Räten auf dem Nürnberger Schiedstag unterbreiteten Vermittlungsvorschlag hinsichtlich der zwischen ihm, Pfgf. Friedrich, als Vormund und Hg. Wilhelm von Bayern umstrittenen Taxation aus schwerwiegenden Gründen ablehnen musste [Nr. 22, Anm. 5], gleichzeitig aber darum gebeten hat, einen neuen Termin anzuberaumen, um dort kraft der ksl. Deklaration1in dieser Sache eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Der Ks. Šhat ihm, dem Kf., eine entsprechende schriftliche Weisung erteilt. Deren Umsetzung ist jedoch bislang unterblieben, was ihn und seine Mündel [Pfgff. Ottheinrich und Philipp] erheblich benachteiligt. Bittet ihn deshalb, beide Parteien kurzfristig zu einem Rechtstag zu laden und dort das Verfahren zum Abschluss zu bringen.2

    [PS] Er geht davon aus, dass er und seine Mitkommissare [Ludwig Vergenhans und Ernst von Welden] inzwischen die Abrechnungen aus den Ämtern des neuen Unterpfands3erhalten haben. Bittet um deren schriftliche Mitteilung.

    «3.5. Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Reichsstadt Regensburg »

    «Nr. 324 Instruktion der bayerischen Vormundschaftsregierung für den Hofmeister Gregor von Egloffstein als Gesandten zu Ks. Maximilian – München, 6. Juni 1509 »

    [1.] Konflikt mit Regensburg wegen der Verhaftung Christoph Gießers; [2.] Belehnung des neuen Regensburger Schultheißen mit dem Blutbann.

    München, HStA, KÄA 1575, fol. 51–55 (Kop., am abent korporiß Cristi) = Textvorlage. Ebd., fol. 45–48’ (Konz.) = B.

    [1.] Die bayerischen Regenten haben den Ks. nach seiner Abreise aus Worms gebeten, in ihrem Konflikt mit Regensburg auf Ersuchen der Stadt kein Mandat zu bewilligen, ohne zuvor ihren Bericht angehört zu haben. Dieser hat daraufhin Hg. Wilhelm zu sich nach Kaufbeuren beschieden und unter anderem mitgeteilt, dass er aufgrund einer Supplikation Regensburgs1die Überstellung Gießers in ksl. Gewahrsam angeordnet habe und mit dem Hg.über die Angelegenheit verhandeln wolle [Nr. 148]. Nach der Ankunft des Hg. in Kaufbeuren teilte der ksl. Kanzler Serntein ihm sowie den ihn begleitenden Vormündern und Räten mit, dass der Ks. sich um den Vorgang nicht selbst kümmern könne, jedoch eine Kommission nach Augsburg einberufen habe. Gießer werde für die Anhörung dorthin überstellt. Die bayerische Seite nahm den Vorschlag an, ließ entsprechende Schreiben – eine ksl. Weisung an Sigmund von Rorbach zu Verhandlungen mit der Stadt [Nr. 434, Anm. Š3] und Vorladungen an die Parteien zum Schiedstag nach Augsburg2– aufsetzen und in der ksl. Kanzlei ausfertigen. Die Regenten haben sämtliche Regensburger Gefangenen mit der Auflage entlassen, sich nach Abschluss des Verhörs wieder einzustellen, und, anders als die Stadt, ihre Anwälte nach Augsburg geschickt, wie aus dem beiliegenden Schreiben der Kommissare3zu entnehmen ist. Am 6. Juni übergab der Regensburger Schultheiß [Hans Portner] indessen ein Mandat4, das ganz im Widerspruch zum bisherigen Vorgehen des Ks. steht.

    Hg. Wilhelm und seine Vormünder beschweren sich darüber, dass die Regensburger Gesandten ein solches Mandat erwirken konnten, ohne dass Bayern vorher Gelegenheit zu einer Stellungnahme erhalten hat. Sie haben wiederholt ihr Einverständnis erklärt, und tun dies noch, in dieser Angelegenheit eine Anhörung vor dem Ks. oder den in Worms versammelten Reichsständen, dem Kammergericht oder anderen Bevollmächtigten durchzuführen. Sie messen die Schuld an diesem Mandat nicht dem mit wichtigen Angelegenheiten des Reiches und der ganzen Christenheit beschäftigten Ks. zu, sondern machen dafür das Drängen der Regensburger Gesandten verantwortlich, die die angesetzte Anhörung vor den Kommissaren verhindern wollten. Sie wollen darauf aber nicht verzichten. Die Affäre ist im ganzen Reich bekannt. Es könnte der Eindruck entstehen, als hätten sie gegen Regensburg ein Unrecht begangen. Feinde Bayerns könnten dies als Vorwand nehmen, um gegen das Hm. vorzugehen. Sie bitten, das Mandat zu widerrufen, die Kommission durchzuführen und Gießer nach Augsburg in ksl. Gewahrsam überstellen zu lassen.

    [2.] Sie haben erfahren, dass der Ks. Hans Portner mit dem Blutbann belehnt hat. Dies obliegt jedoch gemäß dem von ihm bestätigten Vertrag derzeit der Vormundschaft und künftig Hg. Wilhelm. Zwar heißt es darin, dass Ks. oder Kg. im Falle einer Verweigerung durch Bayern die Belehnung durchführen sollen.5Dies Šwar jedoch nicht der Fall. Sie haben zugesagt, Portner zu belehnen, sobald eine verbindliche Zusage Regensburgs vorliegt, Gießer bis zur Klärung der Angelegenheit nicht mehr zu foltern. Doch hat Regensburg dies abgelehnt. Die Regensburger Gesandten verunglimpfen den jungen Hg. und seine Vormünder beim Ks. Bitten ihn, dafür zu sorgen, dass sie dem Hg. mehr Achtung entgegenbringen. Die Stadt liegt inmitten des Hm. Bayern und ist wirtschaftlich davon abhängig. Bitten den Ks., in allen vorgebrachten Punkten wohlwollend zu entscheiden.6

    «3.6. Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken, Graf Philipp von Solms-Braunfels und Gerlach von Isenburg gegen Wild- und Rheingrafen  »

    «Nr. 325 Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Gf. Philipp von Solms-Braunfels an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – s.l., 24. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 236, unfol. (Or., donnerstag nach exaudi).

    Die ksl. Räte in Worms haben für den 4. Juni (mondag nach dem sondag trinitatis)Verhandlungen in ihrer Angelegenheit mit Philipp und Johann von Dhaun, [Wild- und] Rheingff. zum Stein, anberaumt.1Der Frankfurter Advokat Dr. Adam [Serenarius] von Heimbach stand ihnen dabei bisher beratend zur Seite. Da die Sache für sie wichtig ist, bitten sie für diesen um die Erlaubnis, ihnen auf dem anberaumten Tag als Rechtsberater zu dienen.

    « Š3.7. Schenken von Erbach gegen Landgraf Wilhelm II. von Hessen  »

    «Nr. 326 Supplikation Eberhards und Valentins Schenken von Erbach an Kf. Friedrich III. von Sachsen – [Worms, zwischen dem 21. Mai und 11. Juni 1509]1 »

    Druck: Schneider, Stamm-Tafel, Urkunden zum dritten Satz, Nr. 66, S. 605f.

    Lgf. Wilhelm von Hessen hat ihnen im Bayerischen Krieg ihre Güter abgewonnen und dies damit gerechtfertigt, dass er, Eberhard, sein Feind geworden sei. Tatsächlich war er ohne sein Wissen und seine Zustimmung in einen in der kurpfälzischen Kanzlei ausgefertigten Absagebrief2aufgenommen worden. Er stellte dies jedoch bald nach dessen Zustellung richtig, da Kf. Philipp von der Pfalz ihm die Beteiligung an dieser Fehde erlassen hatte. Der von ihm selbst eingeschaltete röm. Kg. beschied ihn, vom Kf. eine entsprechende eidesstattliche Erklärung zu erlangen. Unter Vorlage dieser Urkunde leistete er gegenüber einem kgl. Kommissar in Augsburg einen Reinigungseid.

    Er, Valentin, gehörte vor dem Krieg zum Hofgesinde Hg. Georgs von [Nieder-] Bayern und war nicht etwa wie andere Gefolgsleute von Kf. Philipp nach Bayern geschickt worden. Er hat dies ebenfalls, wie vom röm. Kg. verfügt, in Augsburg durch seinen Eid bezeugt. Ihre Fürsprecher Kf. Ludwig von Pfalz und Gf. Michael3von Wertheim machten bei Verhandlungen mit dem Lgf. in Darmstadt ihre erwiesene Unschuld geltend. Doch warten sie bislang vergebens auf die zugesagte gnädige Antwort.

    Er, Kf. Friedrich, steht beim Lgf. in hohem Ansehen. Bitten ihn zu bedenken, dass sie dem ksl. Bescheid und damit der Reichsordnung nachgekommen sind. Er weiß auch, dass der Ks. in seinem Kölner Spruch die Anhänger und Gefolgsleute Kf. Philipps von allen Folgen der Reichsacht absolviert hat.4Bitten ihn, für sie beim Lgf. als Fürsprecher einzutreten und ihn um Rückgabe ihrer Güter zu bitten. Sie wären zu einer gütlichen Anhörung oder einem rechtlichen Verfahren vor ihm und seinem Bruder Hg. Johann bereit.

    « Š3.8. Reichsstadt Lübeck gegen König Johann I. von Dänemark  »

    «Nr. 327 Mandat Ks. Maximilians (Reichstagskommissare) an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Worms, 8. Juni 1509 »

    Druck: Schäfer, Hanserecesse, Nr. 439, S. 531 (Vorlage: Or. m. Siegelresten, Verm. amdiic., Gegenz. J. Storch).

    Gebietet ihm, die Stadt Lübeck, die von Kg. Johann von Dänemark durch Wegnahme ihrer Schiffe und Waren, Vorenthaltung ihrer jährlichen Renten, Verletzung ihrer Rechte und Freiheiten sowie Sperrung ihres Handels geschädigt wird, zu verteidigen und zu schützen, sooft er darum ersucht wird.1

    «3.9. Herren von Wolfstein gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 328 Mandat Ks. Maximilians an den Kammerrichter Gf. Adolf von Nassau und die Beisitzer des ksl. Kammergerichts – Mindelheim, 10. Mai 15091 »

    Nürnberg, StdA, B 11, Nr. 828, unfol. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 127 (Konz. mit ex.-Verm.) = B.

    Wegen der Streitigkeiten zwischen den ksl. Räten Wilhelm von Wolfstein (ksl. Feldmarschall) und Albrecht von Wolfstein (Pfleger zu St. Pölten) auf der einen und der Stadt Nürnberg auf der anderen Seite2wollte er ursprünglich auf dem ŠWormser Reichstag eine Anhörung durchführen, um dann eine Entscheidung zu treffen. Wegen wichtiger Angelegenheiten musste er jedoch aus Worms abreisen. Die Hh. von Wolfstein haben ihn um rechtliche Hilfe ersucht. Befiehlt ihnen, auf Ersuchen der Hh. oder ihres Bevollmächtigten Nürnberg zu einem rechtlichen Verfahren vorzuladen.3

    «3.10. Reichsstadt Worms gegen Wormser Stiftsklerus  »

    «Nr. 329 Notariatsinstrument mit den Schiedssprüchen Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs III. von Sachsen »

    [1.] Notariatsinstrument über die am 9. und 18. Juni abgegebenen Verpflichtungserklärungen der Parteien; [2./7.] Reversbriefe der Parteien vom 30. Juli mit inserierten Schriftstücken: [3.] Urteilsspruch der Schiedsrichter vom 9. Juni; [4.] Urteilsspruch vom 18. Juni; [5.] gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18. Juni; [6.] Deklaration vom 18. Juni über den Urteilsspruch vom 9. Juni.

    I. (Drucke): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/1, pag. 1–17 (Druck [Peter Drach, Speyer 1509] mit handschriftl. Randvermerken, die den Inhalt teils kennzeichnen, teils kommentieren; Aufschr.: Entscheidt vnd vertrege zwischenn der pfaffheidt vnd gemeyner Statt wormbs des weynschenckens vnd anderer stuck halber etc.1 – Auch als Online-Ressource verfügbar.) = Textvorlage A. Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/2, unfol. (Druck [Jakob Köbel, Oppenheim 1509] [nur Pkt. 2–7]; handschriftl. Randvermerke, die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Spruch vnd entscheit zwischen gemeyner priesterschafft vnnd der Statt Wormbs des hochwirdigenn fürsten vnnd herrn Ertzbischoff Jacobs zuͦ Trier etc. Vnd herrn Friderichs, hertzogen zuͦ Sachsen etc., des heiligen Romischen reichs Churfursten.– Auch als Online-Ressource verfügbar.) = B.

    II. (lat. Notariatsinstrument [= Pkt. 1]): Worms, StdA, 1 A I, Nr. 674 (Unterz. und Notariatssignete Johann Fabris und Petrus Fabris) = C.

    III. (lat.Übersetzung der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1918/1, unfol. (Aufschrift: Translatio de theutonico in latinum laudi et aliaŠrum transactionum inter venerabilem clerum ac prudentes consules, proconsules ac universos cives Wormatienses erectarum per reverendissimos ac illustrissimos graciosissimosque principes, archiepiscopum Treverensem etc. ac Fridericum Saxonie ducem, electores etc., sub anno Domini MVCnono. – Petrus de Schonauwe [Dekan von St. Kastor/Koblenz]. Reihenfolge: Pkt. 3, 6, 4, 5). Worms, StdA, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 189 (Reihenfolge: Pkt. 6, 4 [unvollständig, 5 fehlt], 3).

    IV. (dt. Kop. der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 21, pag. 465–488.

    V. (Schiedsspruch vom 18.6. zwischen Stadt und Paulsstift bzw. Liebfrauenstift [= Pkt. 5]): Worms, StdA, 1 A 1, Nr. 674a (Or. Perg. m. S.) = D.

    Druck: Lünig, Reichs-Archiv XIV (Part. Spec. Cont. IV, 2. T., 54. Abs., Nrr. XII-XIV, XVI), S. 685–694 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Schannat, Historiae II, Nr. CCXC, S. 294–305 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Moser, Handbuch II, S. 973–983 (Pkt. 3–6).

    [1.] aVerkünden, dass am Samstag, dem 9. Juni 1509, um zwölf Uhr mittags auf dem Bürgerhof genannten Rathaus zu Worms in Gegenwart der später benannten Zeugen und Notare vor Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen die Anwälte der Parteien erschienen sind: auf der einen Seite Balthasar Schlör in Begleitung weiterer Angehöriger der fünf Stifte und auf der anderen Seite Philipp Lang als Vertreter der Stadt Worms mit den Ratsherren. Vor Eröffnung ihres Entscheids legte der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin von Wittlich im Namen der beiden Schiedsrichter dar, dass über lange Zeit Streit zwischen Klerus, Rat und Bürgerschaft geherrscht habe. Beide Parteien hätten die Entscheidung über die Streitpunkte Kardinal Bernardino [López de Carvajal] und Kf. Friedrich von Sachsen anheimgestellt.2Der Kardinal sei jedoch durch andere Obliegenheiten an der Schlichtung gehindert worden und habe deshalb an seiner Stelle Ebf. Jakob von Trier beauftragt.3Dieser habe sich mit Kf. Friedrich auf einen Urteilsspruch verständigt, den sie eröffnen wollten, sowie die Anwälte beider Parteien vor den dieses Instrument unterzeichnenden Notaren folgende Erklärung beeidet hätten: 1. Die Parteien verpflichten sich zur unbefristeten Einhaltung des Urteils. 2. Die beiden Parteien verpflichten sich, auf ihre Kosten binnen Jahresfrist die Bestätigung des Urteils durch Papst und Kaiser einzuholen. Bis dahin sollen Bevollmächtige dessen Einhaltung gewährleisten. Diese sind befugt, gegen die ungehorsame Partei geistliche Strafen zu verhängen. 3. Die Priesterschaft auf der einen Seite sowie Rat Šund Bürgerschaft auf der anderen geloben mit Brief und Siegel, sich unbefristet an das Urteil zu halten.

    Diese eidliche Erklärung haben die Anwälte der Parteien gegenüber den beiden unterzeichnenden Notaren geleistet. Die Stadt hat sich zusätzlich verpflichtet, das Schriftstück mit dem Rats- und dem Zunftsiegel zu versehen. Daraufhin eröffnete der Trierer Kanzler das schiedsrichterliche Urteil [= Pkt. 3]. Nach dessen Verlesung nahmen die Anwälte der beiden Parteien das Urteil an. Da Kf. Friedrich den Verhandlungen über die noch offenen Streitpunkte wegen anderer Angelegenheiten nicht länger beiwohnen konnte, haben die Vertreter beider Parteien in ein Schieds- und Rechtsverfahren vor Ebf. Jakob und zwei Vertretern des sächsischen Kf. eingewilligt. Als Zeugen waren anwesend: Philipp Aberlin (Oberlynn)aus Ladenburg [Hst. Worms], Markus Mayer (Kleriker im Bm. Augsburg) und Johann Obenhang (Kleriker im Ebm. Mainz).

    Am 18. Juni traten die Anwälte Balthasar Schlör und Philipp Lang im Beisein ihrer Parteien vor Ebf. Jakob von Trier, Dr. Johann Lupfdich und Dr. Georg Besserer, um ihre Entscheidung über die noch offenen Streitpunkte entgegenzunehmen. Der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin erinnerte auf Befehl des Ebf. einleitend beide Parteien daran, dass sie bei der Eröffnung des ersten Urteilspruches in eine Entscheidung über diese Punkte durch den Ebf. von Trier und die genannten Räte eingewilligt hätten. Diese hätten einhellig eine Entscheidung getroffen, die ihnen eröffnet werden solle, sobald sie wie beim ersten Urteil eine eidliche Verpflichtungserklärung abgegeben hätten. Schlör und Lang leisteten daraufhin die geforderte Erklärung vor den unterzeichnenden Notaren. Anschließend eröffnete der Kanzler den Spruch. Dies geschah auf dem Bürgerhof in Anwesenheit der Zeugen Dr. Markus Morschheimer, genannt Wagentreiber, und Stefan Rein (Altarist zu Westhofen), beide Kleriker im Bm. Worms.

    Er, Johann Fabri (Schmydt), genannt Windeck (Wynneck)(Kleriker im Ebm. Mainz sowie päpstlicher und ksl. Notar), war bei den geschilderten Vorgängen persönlich anwesend und hat deshalb das durch den Notar Petrus Fabri (Schmydt)4aufgesetzte Instrument unterschrieben und mit seinem Signet versehen. Er, der Notar Petrus Fabri (Schmydt)aus Katzenelnbogen, war ebenfalls bei diesen Vorgängen zugegen und hat sie, wie gesehen und gehört, im vorliegenden, eigenhändig verfassten, von ihm unterschriebenen und mit seinem Zeichen versehenen Instrument festgehalten.–a

    [2.] [Reversbrief des Stiftsklerus bzw. der Stadt vom 30. Juli:] bDekane und Kapitel des Domstifts, der Stifte St. Paul, St. Andreas und St. Martin sowie des Liebfrauenstifts–b erklären, die folgenden Entscheide und Deklarationen angenommen zu haben.

    Š[3.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs von Sachsen vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Klerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs der Ernte, der Immobilien und wegen weiterer Fragen. Darüber wurde bereits vor Ks. Maximilian, geistlichen Richtern und anderen geistlichen wie weltlichen Personen ergebnislos verhandelt. Beide Parteien stellten schließlich laut Kompromissbrief vom 16. Mai 1508 die Entscheidung über die Streitpunkte dem Kardinallegaten Bf. Bernardino von Frascati (Tusculan)und Kf. Friedrich von Sachsen anheim. Wegen der Abreise des Kardinals stimmten beide Parteien dessen Vertretung durch ihn, Ebf. Jakob von Trier, zu, um gemeinsam mit ihm, Kf. Friedrich von Sachsen, in diesem Streit ein Urteil zu fällen. Sie beide haben diese Aufgabe übernommen und die im Kompromissbrief anberaumte Frist mit der Zustimmung beider Parteien bis Ende Juni verlängert. Sie haben sich in Worms von den durch den Kardinal und Kf. Friedrich eingesetzten Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, über die von den Parteien eingereichten Schriftsätze und Dokumente5unterrichten lassen und nach deren Studium und Beratung kraft Kompromissbriefes gemeinsam folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Magistrat beansprucht von jeder durch den Klerus in die Stadt eingeführten Wagenladung Wein die von seinen Bürgern ebenfalls erhobene Abgabe von 26 Weißpfennigen. cSie, die Schiedsrichter, verfügen, dass der in der Stadt ansässige Klerus für den von seinen dort gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist. Für den übrigen Wein wird dagegen bei der Einfuhr eine Abgabe fällig–c.

    2. Rat und Bürgerschaft beanspruchen von dem Wein, der von den Benefizien des Klerus in der Stadt oder von dessen ererbten Gütern stammt und in der Stadt ausgeschenkt wird, wie von den Bürgern auch ein Ungeld. Der Klerus sieht sich dazu nicht verpflichtet. dSie, die Schiedsrichter, legen fest, dass der Klerus ausschließlich den von seinen Benefizien und ererbten Gütern stammenden Wein [acht Wochen lang] von Ostern bis Sonntag Trinitatis sowie zwischen St. Andreas [30.11.] und Hl. ŠDrei Kgg.[6.1.] abgabenfrei ausschenken darf. Außerhalb dieser Zeiten dürfen nur kleine Mengen verkauft werden, wovon der Klerus wie die Bürger auch das Ungeld entrichten muss. Dies gilt grundsätzlich auch für den vom Klerus anderweitig erworbenen Wein–d.

    3. Rat und Bürgerschaft beanspruchen, dass der Erstkäufer von dem Wein, der von den in der Stadt gelegenen geistlichen Gütern oder von ererbten Gütern stammt und in größeren Mengen in Worms verkauft wird, eine Abgabe von 18 Weißpfennig je Wagenladung zu entrichten hat. Dies bestreitet der Klerus. eDie Entscheidung lautet, dass der Klerus diesen Wein das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist indessen zu einer Abgabe von nicht mehr als 9 Weißpfennig an die Stadt verpflichtet; von der Restsumme ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für allen übrigen, vom Klerus veräußerten Wein hat der Käufer die Abgabe an die Stadt in voller Höhe zu entrichten–e.

    4. Rat und Bürgerschaft beanspruchen das Recht, für in Worms verkauftes, von den in der Stadt gelegenen Klöstern und Benefizien oder den ererbten Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und die Früchte vom Erstkäufer eine Abgabe von 2 Pf. je Malter zu erheben. Der Klerus bestreitet dies unter Hinweis auf seine Privilegien. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus Getreide und Früchte aus seinen Besitzungen das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist dafür zu einer Abgabe von höchstens 1 Pf. verpflichtet; von der restlichen Summe ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für nicht aus den Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und Früchte wird die Abgabe an die Stadt in voller Höhe fällig.

    5. Rat und Bürgerschaft sind der Auffassung, dass der Klerus für seine zugekauften Immoblien in der Stadt die gleichen Abgaben und Leistungen zu erbringen hat wie alle anderen Bürger auch. Der Klerus bestreitet eine solche Verpflichtung. Er lehnt überdies den Zwangsverkauf dieser Besitzungen an Laien ab. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus zum Zukauf von Immobilien in oder außerhalb der Stadt grundsätzlich berechtigt und zu deren Wiederverkauf in die weltliche Hand nicht verpflichtet ist. Die auf diesen Immobilien zum Zeitpunkt des Kaufs liegenden Lasten gehen auch auf den geistlichen Käufer über. Die Erhebung weiterer Abgaben durch den Wormser Magistrat nach dem Kauf sind dagegen unzulässig.

    6. Rat und Bürgerschaft halten den Klerus für verpflichtet, zur Instandhaltung der öffentlichen Wege, Brücken, Brunnen und Gräben beizutragen, was dieser bestreitet. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat nicht befugt ist, den Klerus dafür heranzuziehen.

    Erklären alle im Zusammenhang mit den genannten Punkten entstandenen gegenseitigen Forderungen für nichtig. Der Klerus ist ohne Einschränkung wieder Šin seine früheren Besitzungen einzusetzen und soll künftig wieder den Gottesdienst halten. Rat und Gemeinde sind verpflichtet, die Geistlichen in ihren Rechten zu schützen. [Datum].

    [4.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Viti vnd Modesten tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Stiftsklerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs von Getreide, der Immobilien und weiterer Fragen, die Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen durch ihren Spruch vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag)zum Teil beigelegt haben [= Pkt. 3]. Die Entscheidung über die verbliebenen strittigen Punkte stellten die Anwälte der beiden Parteien ihm, Ebf. Jakob, und den beiden von Kf. Friedrich wegen seiner Verhinderung bevollmächtigten Räten anheim und verpflichteten sich vor den beiden hinzugezogenen Notaren [Johann Fabri und Petrus Fabri] in Gegenwart weiterer Zeugen eidlich zur Annahme und Umsetzung ihrer Entscheidung. Ein gütlicher Vergleich war nicht möglich. Er, Ebf. Jakob, hat deshalb gemeinsam mit den Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer auf der Grundlage der bei den Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, eingereichten Unterlagen nach ausführlicher Beratung folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Klerus hält seine Bediensteten aufgrund alter Privilegien von allen öffentlichen Lasten und Abgaben für befreit. Rat und Gemeinde vertreten dagegen die Auffassung, dass dieser Personenkreis die gleichen Lasten tragen muss wie andere weltliche Bürger. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass die Bediensteten des Klerus, sofern es sich um Laien handelt, wie die übrigen Bürger entsprechend ihrem Besitz zu öffentlichen Lasten und Abgaben herangezogen werden können. Was ihnen aber als Personen und nicht für ihre Güter auferlegt wird, davon sind sie befreit. Außerdem gilt für diejenigen Personen, die für sich und ihre Güter zum unbefristeten Dienst für die Kirche verpflichtet sind, wie für die Geistlichen die Befreiung von weltlichen Abgaben.

    2. Die Geistlichen sind befugt, für ihre Gotteshäuser oder für den Eigenbedarf Holz, Schweine und Ochsen abgabenfrei zu kaufen, es sei denn, sie fungieren als Zwischenhändler. In diesem Fall sind sie verpflichtet, Abgaben wie die anderen Bürger auch zu leisten. Die Geistlichen und ihre Diener sind auch hinsichtlich der für ihren Eigenbedarf auf dem Pfingstmarkt erstandenen Waren abgabenfrei. Ebensowenig werden für die dem Klerus testamentarisch vermachten beweglichen wie unbeweglichen Güter Abgaben an die Stadt fällig.

    3. Der Klerus ist weiter der Auffassung, dass für seine Einkünfte aus den Stiften und Benefizien sowie für ihm gegenüber bestehende Abgabenverpflichtungen von Bürgern ausschließlich das geistliche Gericht zuständig ist. Rat und Bürgerschaft erachten demgegenüber ausschließlich das weltliche Gericht für zuständig. Der Rat wäre demnach befugt, solche beim geistlichen Gericht anhängigen Verfahren vor das Šweltliche Gericht zu evozieren. Die Angehörigen des Liebfrauenstifts vertreten die Auffassung, dass die Einsetzung ihrer beiden Fabrikmeister6dem Bf. obliegt und sie deshalb die beiden vom Rat eingesetzten Pfleger nicht akzeptieren müssen. Der Rat hingegen beansprucht diese Befugnis für sich. Sie, die Schiedsrichter, erachten sich zu einer Entscheidung über diese beiden Streitpunkte aufgrund des Kompromissbriefes als nicht befugt, da sie den Bf. von Worms mitbetreffen.

    4. Zwischen dem Domstift und der Stadt entstand Streit wegen des neuen [Heilig-Geist-]Spitals. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat den Domdekan und die Domherren wieder in die Administration des Spitals einsetzen muss. Doch ist gemäß dem Herkommen ein vom Rat bestellter Verwalter hinzuzuziehen.

    5. Zwischen den Angehörigen des Andreasstifts und der Stadt gab es Streit wegen des auf Veranlassung des Magistrats abgebrochenen Kanals auf der Stadtmauer. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass jede Partei innerhalb eines Monats einen vereidigten Sachverständigen zur Prüfung der Bauarbeiten bestimmen soll. Nach Maßgabe ihres Gutachtens soll der Kanal unter Aufteilung der Kosten zwischen den Parteien wieder gebaut werden.

    6. fDieser Spruch legt die darin geregelten Streitpunkte für alle Zeiten bei. Den Parteien ist jeglicher Verstoß dagegen untersagt. Bei Zuwiderhandlung gegen dieses Friedensgebot geht der Verursacher sämtlicher ihm im ersten Spruch vom 9. Juni [= Pkt. 3] und im vorliegenden Entscheid zuerkannten Rechte verlustig–f. [Datum].

    [5.] [Gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18.6. (Montag nach sant Vits vnd Modesten tag):] Er, Ebf. Jakob, hat die Streitigkeiten zwischen dem Paulsstift und der Stadt wegen des Eisbachs mit der Zustimmung der Parteien dahingehend verglichen, dass die überkommenen Rechte des Stifts [als Bachherrn] gewahrt werden sollen. Demnach hat das Stift bei Streitigkeiten zwischen den Müllern am Eisbach, die den Bach und die dort gelegenen Mühlen betreffen, die Entscheidungskompetenz, jedoch nicht bei anderen Streitsachen der Müller. Der Rat soll für das Mühlrecht der gekauften Harnischmühle 10 fl. und 6 Pfd. Wachs entrichten. Bei der Einsetzung eines neuen Müllers durch den Rat wird diese Abgabe erneut fällig – wie dies für andere Mühlen, etwa die Walkmühlen der Klöster Kirschgarten und Maria Münster (Nonnenmoͤnster), auch gilt.

    Der Wächter auf dem Domturm soll dem Wormser Domdekan in Anwesenheit des Rates den Diensteid leisten. Den Turmschlüssel verwaltet ebenfalls der Dekan.

    Der Streit zwischen dem Liebfrauenstift und der Stadt ist dahingehend verglichen, dass der Rat gemäß der bestehenden Verschreibung7jährlich 200 fl. an die Stiftsfabrik bezahlen soll. Die ausstehenden 2000 fl.8soll der Rat in Tranchen von jährlich Š100 fl. abzahlen. Falls Baumaßnahmen am Stift erforderlich werden sollten, soll die benötigte Summe ebenfalls aus dieser Schuld bestritten werden.

    Dem Klerus stehen noch vorenthaltene Einkünfte aus ihren Stiften und Benefizien zu. Die Schuldner haben diese Summe vollständig abzubezahlen und die künftig anfallenden Zinsen zu den jährlichen Terminen zu entrichten. [Datum].

    [6.] [Deklaration Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Vits vnd Modesti tag)über den Entscheid vom 9. Juni:] Das Wormser Domstift und der Stiftsklerus auf der einen Seite und Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Worms auf der anderen Seite supplizierten vor den Notaren [Johann und Petrus Fabri] und Zeugen an ihn, Ebf. Jakob von Trier, sowie die beiden Stellvertreter Kf. Friedrichs von Sachsen, die Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer, um Erläuterung ihres Spruches vom 9. Juni (Sampstag nach vnßers herrn Leichnams tag)[= Pkt. 3].

    Daraufhin ergänzen sie den ersten Artikel, wonach der Klerus für den von seinen in Worms gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein bei der Einfuhr zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist, dahingehend, dass diese Bestimmung sich auch auf den aus Worms ausgeführten Wein erstreckt. Ebenso gilt sie für Geistliche, die in der Stadt Benefizien haben, jedoch aus triftigen Gründen ihre Residenzpflicht nicht wahrnehmen können, etwa, weil sie an einer Universität studieren oder in Angelegenheiten ihres Stifts unterwegs sind, nicht jedoch für andere abwesende Geistliche. Bezüglich des Ausschanks und Verkaufs von Wein der aus triftigen Gründen abwesenden Geistlichen finden der zweite und dritte Artikel Anwendung.

    Der Klerus hat außerdem um Erläuterung des dritten Artikels gebeten. Da er jedoch aus schwerwiegenden Gründen in der vorliegenden Weise verfasst wurde, bleibt er gmit der Einschränkung, dass der Wormser Klerus beim Kauf von größeren Mengen Weins nicht zur Zahlung der Abgabe von 9 Weißpfennigen je Wagenladung verpflichtet ist–g, bestehen. Zum besseren Verständnis ihres Entscheids erklären sie, dass der Klerus die von seinen Benefizien oder Erbgütern stammenden Feldfrüchte abgabenfrei ein- und ausführen darf. Falls der Magistrat die Aufhebung der Abgaben auf Wein und Getreide beschließen sollte, gilt dies selbstverständlich auch für die Abnehmer dieser Erzeugnisse aus den geistlichen Gütern. Falls Geistliche für ihren Haushalt Wein zukaufen müssen, soll ihnen dies freistehen. Doch dürfen sie diesen Wein nicht ausschenken oder verkaufen. Die für den Weinausschank benötigten Fähnchen erhalten die Geistlichen kostenlos; sie müssen ihnen auf Verlangen unverzüglich ausgegeben werden. [Datum].

    [7.] hDie Dekane und Kapitel der [fünf] Stifte–h verpflichten sich eidlich zur Einhaltung und zum Vollzug dieser Entscheide i–und bekunden dies mit ihrem Šgroßen Siegeli. Datum: 30. Juli (Montag nach sant Jacobs des heiligen apostels dag) 1509.

    «3.11. Reichsstadt Worms gegen Kämmerer von Dalberg  »

    «Nr. 330 Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die übrigen ksl. Reichstagskommissare an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms – Worms, 31. Mai 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 83 (Or. mit Resten von 2 Ss.).

    Der Ks. hat ihnen befohlen, im Streit zwischen der Stadt Worms und den Kämmerern von Dalberg beide Parteien anzuhören und gütlich zu vermitteln [Nr. 267, Pkt. 16]. Beraumen ihnen daraufhin für den 8. Juni (freitag nach unsers Herrn fronleichnams tag)einen Tag in Worms an. Ein entsprechendes Schreiben ging auch der Gegenpartei zu.1

    «Nr. 331 Gegenbericht der Kämmerer von Dalberg an die ksl. Reichstagskommissare – Worms, 14. Juni 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 85 (Kop., Dorsalverm.: Der von Dalberg bericht uf der von Worms clag, pr[aesenta]tum Wormac[iae] ad cancellariam imperialem, 14. Junii 1509.).

    Erklären, dass sie nicht verpflichtet sind, auf die vermeintliche Klage der Stadt Worms zu antworten. Beantragen stattdessen, die Klage nicht zuzulassen. Die Stadt hat sie um zwölf Pfd. h.[und] vier Englische1sowie um 120 Pfd. Talg gebracht. Vor einer Antwort auf die Klage muss ihnen ihr Gut zurückerstattet werden. Bitten deshalb, die Gegenseite zu veranlassen, bis dahin mit ihrer Klage stillzustehen. Falls die Stadt jedoch anderer Auffassung sein sollte, sind sie zu einem rechtlichen Austrag bereit.

    « Š4. Angelegenheiten der Reichsstände  »

    «4.1. Kurfürsten  »

    «Nr. 332 Reversbrief Ebf. Jakobs von Trier, Kf. Friedrichs III. von Sachsen und Kf. Joachims I. von Brandenburg über die Aufnahme Ebf. Uriels von Mainz, Ebf. Philipps von Köln und Kf. Ludwigs V. von der Pfalz in den Kurverein – Worms, 11. Juni 1509 »

    Duisburg, NRW LA, Kurköln Urk. 3838 (Or. Perg. m. 3 anh. Ss., montag nach unsers Hern lichnams tag) = Textvorlage A. München, HStA, Kurpfalz Urk. 633 (wie A) = B. Karlsruhe, GLA, Abt. 67, Nr. 840, fol. XXVI-XXVII (Kop.).

    Sie haben seinerzeit mit Ebf. Berthold von Mainz, Ebf. Hermann von Köln und Kf. Philipp von der Pfalz uß trefflichen, beweglichen ursachen und mirglicher noitturft und sunderlich Gott dem Almechtigen zu lobe, dem heiligen kristlichen glauben, Romischem Riche und duytscher nacion zu friden, eere, nutz und frommenfür sich und ihre Nachfolger durch Haupturkunde und Beibrief über die Ausnahmen vom Bündnisfall am 5. Juli 1502 (dinstag nach sant Peter und Pauels der heiligen zwolfboten tag)1in Gelnhausen eine Einung geschlossen. Inzwischen sind Ebf. Berthold, Ebf. Hermann und Kf. Philipp verstorben. Deshalb haben sie gemäß Hauptvertrag und Nebenurkunde ihre Mitkurfürsten Ebf. Uriel als Nachfolger Ebf. Bertholds2, Ebf. Philipp als Nachfolger Ebf. Hermanns und Kf. Ludwig als Nachfolger seines Vaters Kf. Philipp in diese Einung aufgenommen. Diese schwören bei ihrer Fürstenehre, alle Bestimmungen des Einungsvertrages einzuhalten und zu vollziehen.

    «Nr. 333 Reversbrief Ebf. Uriels von Mainz, Ebf. Philipps von Köln und Kf. Ludwigs V. von der Pfalz über ihre Aufnahme in den Kurverein – Worms, 11. Juni 1509 »

    Weimar, HStA, EGA, Urk. 1131 (Or. Perg. m. 3 anh. Ss., montag nach unsers Herren leichnams tag) = Textvorlage A. Berlin, GStA, VII. HA, Mark als Reichsstand, Urk. 88 (wie A) = B.

    Die inzwischen verstorbenen Ebf. Berthold von Mainz, Ebf. Johann von Trier, Ebf. Hermann von Köln und Kf.  Philipp von der Pfalz sowie Kf. Friedrich von Sachsen Šund Kf. Joachim von Brandenburg, alle Kff., haben uß treffenlichen, beweglichen ursachen und merklicher notdurft, Got dem Allmechtigen zu lobe, dem hl. cristenlichen glauben, Röm. Reiche und teutscher nacion zu friden, ere, nutz und frommenfür sich und ihre Nachfolger gemäß Haupturkunde und Beibrief über die Ausnahmen vom Bündnisfall am 5. Juli 1502 (dinstag nach St. Peters und Pauls der hl. zwelfboten tage)in Gelnhausen eine Einung geschlossen. Dieser Einung trat nach dem Tod Ebf. Johanns auch Ebf. Jakob von Trier bei.1Inzwischen sind Ebf. Berthold, Ebf. Hermann und Kf. Philipp verstorben. Ihre Mitkurfürsten Ebf. Jakob von Trier, Kf. Friedrich von Sachsen und Kf. Joachim von Brandenburg haben sie, Ebf. Uriel als Nachfolger Ebf. Bertholds, Ebf. Philipp als Nachfolger Ebf. Hermanns und Kf. Ludwig als Nachfolger seines Vaters Kf. Philipp, in diese Einung aufgenommen. Sie drei gemeinsam und jeder für sich schwören gegenüber Ebf. Jakob von Trier als Vertreter ihrer drei Mitkurfürsten, alle Bestimmungen des Einungsvertrages einzuhalten und zu vollziehen.

    «4.2. Rheinische Kurfürsten  »

    «Nr. 334 Münzbeschluss der rheinischen Kff.– Worms, 7. Juni 1509 »

    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 449, unfol. (Auszug, Datumverm.: Corporis Christi; Verm.: Ex canc[ellar]ia Treviren[si]; Dorsalverm.: Abscheid der munz.).

    Bei den Beratungen der vier rheinischen Kff.über das Münzwesen wurde der Kf. von Trier beauftragt, mit dem Lgf. von Hessen über eine Aufnahme in den kurrheinischen Münzverein zu verhandeln, damit er seine Gold- und Silbermünzen künftig nur noch gemäß dessen Münzordnung schlägt. Der Kf.1verhandelte darüber in Worms mit den hessischen Gesandten und händigte ihnen die Münzordnung2aus. Die Gesandten bekundeten die Absicht des Lgf., in den Münzverein einzutreten; er wolle ihnen Weisungen und Vollmacht für die abschließenden Verhandlungen Šzuschicken. Dazu waren die vier Kff. jedoch nicht bereit. Der Kf. von Trier gab den hessischen Gesandten deshalb mit Zustimmung seiner drei Mit-Kff. folgenden Bescheid: Der Lgf. soll innerhalb von vier Wochen eine Erklärung über seine Bereitschaft zum Eintritt in den Münzverein an den Kf. von Mainz schicken, der daraufhin die anderen drei Kff. informieren wird. Seine Gesandten sollen sich am 29. Juli (sontag nach sant Jacobs tag)in Bonn einfinden. Dort werden am Tag darauf die Verhandlungen mit den Räten der vier Kff. eröffnet, deren Ziel eine Verpflichtungserklärung Hessens zur Umsetzung der kurrheinischen Münzordnung ist. Der hessische Münzmeister3und der Wardein4sollen anschließend einen Eid auf diese Münzordnung ablegen.5

    «4.3. Verhandlungen über eine Einung zwischen Kurmainz, Brandenburg-Ansbach und Württemberg  »

    «Nr. 335 Einungsvertrag zwischen Ebf. Uriel von Mainz und Hg. Ulrich von Württemberg – Worms, 11. Juni 15091 »

    I. (Einungsvertrag zwischen Kurmainz und Württemberg): Würzburg, StA, Mainzer Urkunden, weltlicher Schrank L. 34, Nr. 26, fol. 1–8 (Or. Perg. Libell mit 2 anh. Ss., ebfl. S. zerbrochen; montag nach unsers lieben Herrn fronleychnams tag) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, A 77, U 8 (Or. Perg. Libell mit 3 anh. Ss.) = B. Würzburg, StA, Mainzer Ingrossaturbücher, Bd. 50, fol. 53–56’ (Kop.). Würzburg, StA, Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts, Nr. 24, fol. 116–121’ (Kop.).

    II. (Einungsentwurf zwischen Kurmainz, Brandenburg-Ansbach und Württemberg): Berlin, GStA, BPH, Repos. 41 I E, Nr. 8b, fol. 1–9’ (Konz.) = C. Berlin, GStA, BPH, Repos. 41 I E, Nr. 8b, fol. 10–18 (Kop.) = D.

    Regest: Sattler, Geschichte I, S. 100f.; Steinhofer, Ehre III, S. 930–934; Faulde, Uriel, S. 105f.

    ŠKg. Maximilian hat auf dem Wormser Reichstag am 7. August 1495 einen allgemeinen Landfrieden2erlassen, den ihre Amtsvorgänger angenommen haben und den auch sie einhalten wollen. Diese waren einander darüber hinaus seit vielen Jahren in besonderer Freundschaft und durch Einungsverträge3verbunden. Aus diesem Grund, auch zum Lob Gottes und zur Ehre des Hl. Röm. Reiches, zur Sicherung ihrer Territorien und Rechte, für den Vollzug des Landfriedens sowie für den Schutz der Pilger und anderer Reisender haben sie folgenden Einungsvertrag geschlossen: [1.] Bekunden für sich und ihre Untertanen die Absicht zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen. [2.] Verpflichten sich und ihre Untertanen zum gegenseitigen Gewaltverzicht. [3.] Verpflichten sich zum Schutz der Untertanen des Vertragspartners in ihren Territorien und zur gegenseitigen Nacheile. [4.] Verpflichten sich, Feinden des Vertragspartners keinerlei Unterstützung zu gewähren, sondern auf Ersuchen gegen diese vorzugehen. Die Vertragspartner gestatten sich dabei gegenseitig die grenzüberschreitende Verfolgung von Straftätern. [5.] Verpflichten sich zur gegenseitigen Nichteinmischung in innere Angelegenheiten. [6.] Gewähren unter dem Vorbehalt bestehender Zoll- und Geleitrechte den Untertanen des Vertragspartners freien Handel. [7.] Streitigkeiten zwischen Amtleuten der Vertragspartner sollen entweder durch diese selbst oder durch die Vertragspartner bzw. ihre Räte einvernehmlich beigelegt werden. [8.] Verpflichten sich für den Fall eines bewaffneten, landfriedenswidrigen Angriffs auf aeinen oder beide–a Vertragspartner zur gegenseitigen Hilfe mit bis zu 100 Reitern und 250 Fußsoldaten auf Kosten des Nutznießers. Im Bedarfsfall ist die Hilfe auf Ersuchen um weitere 100 Reiter und 250 Fußsoldaten aufzustocken. Die Gesamthilfe umfasst demnach b200 Reiter und 500 Fußsoldaten–b. Auf Wunsch des Nutznießers können die Fußsoldaten im Verhältnis 5:2 durch Reiter ersetzt werden. Etwaige Beute seiner Truppen steht dem Hilfeleistenden zu, sofern es sich nicht um Eigentum des Geschädigten handelt. Eroberte Schlösser und Festungen müssen dem Geschädigten unentgeltlich übergeben werden. Der Nutznießer der Hilfe hat dafür Sorge zu tragen, dass gefangene Angehörige der Hilfskontingente, etwa im Austausch gegen eigene Gefangene, wieder freikommen. Die Hilfe ist zu leisten, sooft sie beansprucht wird. Auch dürfen die gestellten Kontingente nicht vor Beendigung des Kampfhandlungen abgezogen werden. Der Nutznießer darf sich nur mit Zustimmung des Vertragspartners mit dem Feind verständigen. Der Abschluss eines Friedens ist unzulässig, solange die dem HilŠfeleistenden im Zusammenhang mit der Kriegshilfe aufgesagten Lehen nicht wieder an die Lehnsnehmer vergeben wurden oder eine anderweitige Regelung getroffen wurde. Der Nutznießer der Hilfe soll die Hilfstruppen auf seine Kosten annehmen, sowie sie sein Territorium erreicht haben. [9.] [Regelung des Austragsverfahrens]. [10.] Die Vertragsdauer beträgt zwanzig Jahre. [11.] [Verpflichtungserklärung der Vertragspartner]. [12.] Von der gegenseitigen Beistandspflicht ausgenommen werden von beidencVertragspartnern der Papst, der röm. Ks., ddie Krone Böhmen–d und der Schwäbische Bund. Sollte gemäß der Bundeseinung Hilfe geleistet werden, ruht für diese Zeit die Beistandspflicht dieser Einung. Ebf. Uriel nimmt Bf. Lorenz von Würzburg und Pfgf. Alexander als Gf. von Veldenz von der Beistandspflicht ause. Hg. Ulrich nimmt fgemäß dem bestehenden Lehens- und Einungsverhältnis–f das Haus Österreich, außerdem Hg. Wilhelm von Bayern, Lgf. Wilhelm von Hessen sowie gemäß dem bestehenden Lehnsverhältnis die Gft. Burgund ausg. [13.] [Corroboratio mit Nachweis über die Siegelung der Urkunde durch Ebf. Urielh, Hg. Ulrich und – für das Mainzer Domkapitel – den Domdekan Adolf Rau von Holzhausen; Datum].

    «Nr. 336 Zusatzerklärung zum Einungsvertrag zwischen Ebf. Uriel von Mainz und Hg. Ulrich von Württemberg – Worms, 11. Juni 15091 »

    Würzburg, StA, Mainzer Urkunden, weltlicher Schrank, L. 34, Nr. 27 (Or. Perg. m. 2 Ss. [ebfl. S. zerbrochen], mentag nach unsers lb. Herren fronlychnams tag) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, A 77, U 9 (Or. Perg. m. 3 Ss.) = B. Stuttgart, HStA, A 77, Bü. 1, Fasz. 3, unfol. (Reinkonz.; Dorsalverm.Mainz, [gestrichen: Brandenburg], Wirttemberg. Ir aynung betreffende.) = C. Stuttgart, HStA, A 77, Bü. 1, Fasz. 3, unfol. (Reinkonz.; Vorstufe von C; Notavermerk am Textende: Ist nit also.) = D. Würzburg, StA, Mainzer Ingrossaturbücher, Bd. 50, fol. 56’–58 (Kop.); Würzburg, StA, Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts, Nr. 24, fol. 122–123’ (Kop.).

    Regest: Faulde, Uriel, S. 106f.

    Š[1.] Sie beideahaben gemäß Urkunde vom 11. Juni [Nr. 335] eine Einung geschlossen. Darin wurde zwischen ihnenbeine gegenseitige Hilfe vonc100 Reitern und 250 Fußsoldaten festgelegt; im Bedarfsfall sollendweitere 100 Reiter und 250 Fußsoldaten entsandt werden. Die Gesamthilfe beläuft sich demnach auf e200 Reiter und 500 Fußsoldaten–e. Sie beide, Ebf. Uriel und Hg. Ulrich, haben sich in Abänderung dieses Passus auf eine anfängliche Hilfe von 150 Reitern und 500 Fußsoldaten und im Bedarfsfall zusätzlicher 150 Reiter und 2500 Fußsoldaten geeinigt, womit die Gesamthilfe nunmehr 300 Reiter und 3000 Fußsoldaten umfasst. Darüber hinaus soll auf Anfrage weitere Hilfe gewährt werden. Bezüglich der Kosten und Schäden bleibt es beim Einungsvertrag.

    [2.] Er, Ebf. Uriel von Mainz, hat unter anderem Bf. Lorenz von Würzburg und er, Hg. Ulrich von Württemberg, Lgf. Wilhelm von Hessen von der Bündnispflicht ausgenommen. Falls jedoch Würzburg selbst oder durch Dritte Württemberg angreifen sollte, gilt die Beistandspflicht gemäß Einungsvertrag dennoch. Sollte Württemberg Würzburg angreifen und der Bf. von Würzburg den Ebf. von Mainz um eine rechtliche Entscheidung bitten, wird dieser neutral bleiben. Falls Hessen Kurmainz angreifen und der Ebf. eine rechtliche Entscheidung über den Konflikt dem Hg. von Württemberg anheimstellen sollte, so gilt die bestehende Beistandspflicht Württembergs für Hessen in diesem Fall nicht mehr.

    [3.] fDer Einungsvertrag wird außerdem [in Pkt. 8] dahingehend ergänzt, dass ein Vertragspartner dem anderen auch dann Hilfe leisten soll, wenn dessen Feind eine rechtliche Klärung des Konflikts angeboten hat–f.

    [4.] [Corroboratio mit Nachweis über die Siegelung der Urkunde durch Ebf. Uriel, Hg. Ulrich und – für das Mainzer Domkapitel – den Domdekan Adolf Rau von Holzhausen; Datum].

    «Nr. 337 Vereinbarung zwischen Kurmainz, Brandenburg-Ansbach und Württemberg – Worms, 11. Juni 1509 »

    Berlin, GStA, BPH, Repos. 41 I E, Nr. 8b, fol. 20 (Kop., montag nach corporis Cristi).

    ŠDie Räte von Kurmainz, Brandenburg-Ansbach und Württemberg haben sich darauf geeinigt, dass Mgf. Friedrich von Brandenburg seinen Vertragspartnern gegenüber binnen vierzehn Tagen erklären soll, ob er den Einungsvertrag gemäß dem vorliegenden Entwurf annehmen will oder nicht. Falls er zustimmt, sollen sich die Räte der drei Ff. mit deren Siegeln am Abend des 8. Juli (sant Kylians tag)in Heilbronn einfinden, um am folgenden Tag die Urkunden zu siegeln und auszutauschen.

    «Nr. 338 Einungsvertrag zwischen Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach und Hg. Ulrich von Württemberg – Worms, 11. Juni 15091 »

    Stuttgart, HStA, A 77, U 10 (Or. Perg. Libell mit 2 anh. Ss., württ. S. stark beschädigt; montag nach unsers lieben Herrn fronleichnamstag) = Textvorlage A. Bamberg, StA, A 160, Lade 590, Nr. 3245, unfol. (koll. Kop. m. S., Ansbach, 16.6.1790, Unterz. G.K.S. Strebel) = B.

    Kg. Maximilian hat auf dem Wormser Reichstag am 7. August 1495 einen allgemeinen Landfrieden erlassen, den sie angenommen haben und einhalten wollen. Darüber hinaus waren sich ihre Vorfahren seit vielen Jahren in Freundschaft und durch Einungsverträge verbunden. Aus diesem Grund, auch zum Lob Gottes und zur Ehre des Hl. Röm. Reiches, zur Sicherung ihrer Territorien und ihrer Rechte, für denVollzug des Landfriedens sowie für den Schutz der Pilger und anderer Reisender haben sie folgenden Einungsvertrag geschlossen: [1.–11.] [Wörtlich übereinstimmend mit Nr. 335, Pkt. 1–11]. [12.] Von der gegenseitigen Beistandspflicht ausgenommen werden von beiden Vertragspartnern der Papst, der röm. Ks., die Krone Böhmen und der Schwäbische Bund. Sollte gemäß der Bundeseinung Hilfe geleistet werden, ruht für diese Zeit die Beistandspflicht dieser Einung. Beide Partner schließen überdies Ebf. Uriel von Mainz und das Mainzer Domkapitel von der gegenseitigen Hilfspflicht aus, außerdem die Häuser Sachsen, Brandenburg und Hessen sowie Hg. Wilhelm von Bayern. Hg. Ulrich benennt gemäß dem bestehenden Lehens- und Einungsverhältnis zusätzlich das Haus Österreich und die Gft. Burgund. [13.] [Corroboratio mit Nachweis über die Siegelung durch die beiden Vertragspartner; Datum].

    «4.4. Erzbischof Uriel von Mainz  »

    «Nr. 339 Beschlüsse des Mainzer Domkapitels – Mainz, 3. Mai 1509 »

    Erbeinung zwischen Kurmainz, Brandenburg-Ansbach und Württemberg; Bereitstellung von Reitern für den Venezianerkrieg.

    Würzburg, StA, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 648’ (Reinschr. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen).

    Š[3.5.] Der Schulmeister1brachte im Namen des Ebf. zwei Artikel vor. 1. Bezüglich der vor kurzem vom Mgf. von Brandenburg vorgeschlagenen Erbeinung erklärte das Domkapitel nach Beratung sein Einverständnis zu einer Erneuerung der seinerzeit von Ebf. Adolf [von Mainz] geschlossenen Einung2unter erneuter Einbeziehung des Hg. von Württemberg. Dies wäre sowohl für die drei Vertragspartner als auch für ihre Untertanen vorteilhaft. Falls der Hg. von Württemberg der Einung jedoch nicht beitreten will, so erachtet das Domkapitel es für wünschenswert, mit dem Mgf. von Brandenburg, dem man seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist, gemäß dem [Wormser] Landfrieden ein freuntlich verstendnußeinzugehen, um die gute Nachbarschaft zu erhalten. – 2. Bezüglich der vom Ks. gewünschten Bereitstellung von 50 Pferden auf dessen Kosten wurde beschlossen: Der Ebf. sollte sich in dieser Angelegenheit wie die anderen Reichsstände verhalten. Wo auch uf dem tag zu Wormß durch die fursten und stende des Reichs gemeltem unserm allergnedigsten herrn keyser obangezeigte hilf nit zugelassen wurd, sonder abgeschlagen, das dannoch gemelter unser gn. her von Meinz in diesen sweren leuften ksl. Mt. uf ire angepurnis [= Zahlungsverpflichtung] L pferde VI monat lange zu rusten und halten ungeweigert sich hett erpoten, in zuversicht, solchs sein ftl. Gn. und dem stift in erlangung der confirmation privilegiorum, auch der stadt Menz halben, alles zu nutz und frommen reichen werd und dienen. – Für den Vortrag dieser Beschlüsse an den Ebf. wurden der Dekan [Adolf Rau von Holzhausen], der Schulmeister [Lorenz Truchseß von Pommersfelden] und [Ulrich von] Schechingen deputiert.

    «Nr. 340 Der ksl. Reichstagskommissar Mgf. Kasimir von Brandenburg an Dekan [Adolf Rau von Holzhausen] und Kapitel des Mainzer Domstifts – Worms, 8. Mai 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 125–125’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Der ksl. Profos Michel Reisacher (von Breysach)hat vorgebracht, dass ihm für den Gefangenen in Bingen (Pyngen)50 fl.rh. zugesagt worden seien, wovon der Ks. eine Hälfte übernommen habe und der Amtmann des Domkapitels, Macharius von Buseck1, die restlichen 25 fl.rh. bezahlen solle. Buseck habe aber dem ksl. Befehl Šbislang nicht Folge geleistet, sondern sei ohne Wissen des Ks. abgereist. Dem Profos seien deshalb erhebliche Kosten entstanden.

    Befiehlt ihnen in Vertretung und auf Befehl des Ks., Buseck zur Zahlung seines Anteils zu veranlassen, damit er dem Ks. nicht Bericht erstatten und ihn verärgern muss.2

    «Nr. 341 Reversbrief Ebf. Uriels von Mainz – Worms, 12. Mai 1509 »

    Würzburg, StA, Mainzer Ingrossaturbücher, Bd. 50, fol. 31 (koll. Kop., sambstags nach dem sontag cantate; Kollationsverm. Jo. Heck[mann]).

    Bekundet die eidliche Erneuerung des von seinen Amtsvorgängern mit der Gft. Sponheim für die Feste Neu-Bamberg (Neuenbeimburg), das Tal darunter und den umliegenden Bezirk geschlossenen Burgfriedens1mit Pfgf. Johann von Simmern.2

    «Nr. Š342 Ks. Maximilian an Kf. Uriel von Mainz – Kaufbeuren, 14. Mai 1509 »

    Würzburg, StA, Mainzer Urkunden, weltlicher Schrank L. 5/1.8 (Or. mit besch. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Würzburg, StA, Mainzer Ingrossaturbücher, Bd. 50, fol. 135’–136 (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A). Würzburg, StA, Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts, Nr. 81, fol. 12–12’ (Kop.).

    Druck: Gudenus, Codex IV, Nr. CCLXXII, S. 573f.; Harpprecht, Staats-Archiv III, Nr. CLVI, S. 174.

    Übersendet ihm durch seinen Rat Johann Storch das große und kleine ksl. Siegel. Dieser hat Befehl, ihm die Sendung gegen eine Empfangsbestätigung auszuhändigen.1Weist ihn an, die Siegel entgegenzunehmen und damit für die Dauer des Wormser Reichstages sämtliche Schriftstücke, die durch die Reichsversammlung, die auf dem Wormser Reichstag anwesenden ksl. Räte und Kommissare oder durch das ksl. Kammergericht zur Ausfertigung bestimmt werden, zu besiegeln und wie sein Vorgänger Ebf. Berthold2eigenhändig zu unterzeichnen. Nach Ende des Reichstages soll er die beiden Siegel dem ksl. Kammergericht überantworten, damit es gemäß dem Konstanzer Abschied3davon Gebrauch machen kann.4Im Gegenzug soll er sich das bislang am Gericht benutzte Siegel aushändigen lassen und es ihm, dem Ks., zusenden.5

    « Š4.5. Erzbischof Philipp von Köln  »

    «Nr. 343 Lehenbrief Ebf. Philipps von Köln für Wolfgang Kämmerer von Dalberg – Worms, 26. April 1509 »

    Darmstadt, StA, B 15, Nr. 538 (Or. Perg. m. S., donnerstag nach St. Markus tag).

    Regest: Battenberg, Dalberger Urkunden I, Nr. 714, S. 205.

    Verleiht Wolfgang Kämmerer von Dalberg, auch für seine Brüder1und die Kinder des verstorbenen Friedrich Kämmerer von Dalberg2, einen Hof zu Guntersblum mit allem Zubehör als Mannlehen.

    «Nr. 344 Lehenbrief Ebf. Philipps von Köln für Kf. Ludwig V. von der Pfalz – Worms, 4. Mai 1509 »

    Duisburg, LA NRW, Abt. Rheinland, Kurköln, Lehen II, Nr. 218, Urk. 3 (Kop., freytag nach dem sontag jubilate) = Textvorlage A. Karlsruhe, GLA, Abt. 67, Nr. 1010, fol. III’-IV’ (Kop.).

    Druck: Günther, Codex V, Nr. 49, S. 157f.

    Belehnt Kf. Ludwig von der Pfalz mit der Burg Stahleck, der Vogtei zu Bacharach, einem Anteil am Schloss Waldeck im Hunsrück und einem Fünftel Anteil am Dorf Lonsheim, wie dies zuvor der verstorbene Gf. Johann [V.] von Sponheim und nach ihm die Kff. von der Pfalz von den Ebff. von Köln zu Lehen empfangen haben.1

    «Nr. 345 Lehenbrief Ebf. Philipps von Köln für Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden – Worms, 6. Mai 1509 »

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, Urk. 237a (Or. Perg. m. S., sonntag cantate).

    ŠBelehnt unter Bezugnahme auf eine Verschreibung Ebf. Hermanns von Köln1Gf. Adolf von Nassau mit einem Manngeld von 200 bescheidenen fl. aus der ebfl. Kammer, jährlich auszahlbar am 11. November (uf sanct Martins des heiligen bischofs tag). Gf. Adolf und seinen männlichen Erben obliegen dafür die üblichen Lehnspflichten, was dieser auch persönlich geschworen hat. Den Ebff. von Köln bleibt jedoch die Ablösung des Manngelds durch Zahlung von 3000 oberländischen fl. vorbehalten. Als Zeugen waren die ebfl. Räte Johann und Paul von Breitbach sowie der ebfl. Türhüter Thies Wolfskeel anwesend.2

    «4.6. Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz  »

    «Nr. 346 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Gf. Philipp von Virneburg – Worms, 25. April 1509 »

    Druck: Günther, Codex V, Nr. 53, S. 161.

    Belehnt Gf. Philipp von Virneburg mit der großen und kleinen Pellenz, d. h. mit den dort ansässigen – im Einzelnen aufgeführten – neun Gerichten und allem Zubehör.1

    «Nr. Š347 Kf. Ludwig V. von der Pfalz an Ludwig von Eyb – Worms, 2. Mai 1509 »

    München, HStA, K.schwarz 16219, unfol. (Or. m. S., mitwoch nach Philippi und Jacobi; präs. laut Antwortschreiben: montag noch cantate [7.5.]).

    Er hat zusammen mit seinem Bruder [Pfgf. Friedrich] und einigen Räten wegen der böhmischen Belehnung und anderer Angelegenheiten beschlossen, dass wenigstens einer von ihnen, wenn nicht sogar beide so bald wie möglich nach Bayern1aufbrechen, um dann zu Kg. Wladislaw nach Böhmen weiterzureisen. Er soll unverzüglich in Erfahrung bringen, wie lange der Kg. dort bleiben wird.2Wegen des Geleits wird er ihm noch schreiben. Er hält es nicht für ratsam, dies schon jetzt zu tun. Ebenso soll er über die geplante Reise Stillschweigen bewahren.3

    «Nr. 348 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Gf. Johann von Sayn – Worms, 2. Mai 1509 »

    Wiesbaden, HStA, Abt. 340, Urk. 12456a (beschädigtes Or. Perg., mitwoch nach Philippi und Jacobi).

    Belehnt Gf. Johann von Sayn mit der Gft. Sayn einschließlich allem Zubehör, ausgenommen Schloss Freusburg (Freynsperg), außerdem mit dem Haus Virneburg, mit der Gft. Solms, die der Gf. von Solms als Afterlehen innehat, und mit dem Schloss Braunsberg (Brunsperg), das der Gf. von Wied zu Lehen trägt. Gf. Johann hat dafür den üblichen Lehnseid geleistet.1

    «Nr. 349 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Gerlach von Isenburg-Grenzau – Worms, 5. Mai 1509 »

    Koblenz, LHA, Best. 35, Urk. 506 (Or. Perg. m. anh. S., sambstag nach invencionis crucis).

    Belehnt vorbehaltlich seiner Rechte Gerlach von Isenburg mit einem Hof in Vallendar (Fallender), mit dem Kirchensatz und Zehnt in Metternich (Mettrich)und Kettig (Ketghe)sowie mit den – im Einzelnen aufgeführten – sogenannten Dattenberger (Dodenberger)Gütern im Pfarrbezirk Heimbach.

    «Nr. Š350 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Gf. Dietrich von Manderscheid-Schleiden – Worms, 11. Mai 1509 »

    Wertheim, StA, F-US 6, Nr. 481 (Or. Perg. m. anh. Siegelrest, Gegenz. F. v. Venningen, fritag nach dem sontag cantate) = Textvorlage A. Koblenz, LHA, 53 C 25, Nr. 530 (spätere Kop.).

    Regest: Eder-Stein/Lenz/Rödel, Grafschaft, Nr. 551, S. 343f.

    Sein Vater Kf. Philipp hat seinerzeit Friedrich von Sombreff, H. zu Kerpen, mit den im Folgenden aufgeführten Gütern belehnt und dabei verfügt, dass bei Fehlen eines männlichen Erben der Ehemann der ältesten Tochter nachfolgen soll. Friedrich hat nur seine mit Gf. Dietrich von Manderscheid-Schleiden verheiratete Tochter Margaretha hinterlassen. Dieser hat für sich und seine Gemahlin um die Belehnung gebeten. Belehnt Gf. Dietrich mit Kirchspiel und Gericht zu Oberwinter (Wintern)und zu Birgel samt Bandorf (Bacherdorf)und Einsfeld (Elnßfeld), dem Kirchspiel zu Kirchdaun (Dune)und dem Dorf Gimmigen (Gympnich). Sollten die Eheleute keine ehelichen männlichen Erben haben, ist ihre älteste Tochter durch ihren Gemahl zum Empfang dieser Lehen berechtigt. Der Gf. hat den üblichen Lehenseid geleistet.

    «Nr. 351 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Pfgf. Johann [II. von Simmern], Gf. zu Sponheim – Worms, 22. Mai 1509 »

    Koblenz, LHA, Best. 33, Nr. 16477 (Or. m. S., dinstag nach dem sonntag exaudi; Unterz. F. v. Venningen).

    Druck: Günther, Codex V, Nr. 51, S. 159f.

    Belehnt Pfgf. Johann in Gemeinschaft mit Mgf. Christoph von Baden, Gf. zu Sponheim, mit den vier Anteilen an der Stadt Kirchberg, dem Wildbann auf dem Soon (Sane), der Fischerei in der Nahe sowie den Dörfern Siefersheim (Suffersheym)und Frei-Laubersheim (Leubersheym). Pfgf. Johann und seine Erben sollen gemäß dem Burgfriedensvertrag über Kreuznach und andere Schlösser1diese Lehen weiterhin gemeinschaftlich von ihm, Kf. Ludwig, und seinen Erben empfangen.2

    «Nr. 352 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Pfgf. Johann [II. von Simmern], Gf. zu Sponheim – Worms, 22. Mai 1509 »

    Koblenz, LHA, Best. 33, Nr. 16478 (Or. m. S., dinstag nach dem sontag exaudi; Gegenz. F. v. Venningen).

    ŠBelehnt – wie zuvor Mgf. Jakob und Pfgf. Friedrich von Veldenz1Pfgf. Johann in Gemeinschaft mit Mgf. Christoph von Baden, Gf. zu Sponheim, mit den Dörfern Enkirch, Winningen und Obermendig sowie dem Wildfang auf dem Idar.2

    «Nr. 353 Aufzeichnung über die Belehnung Kf. Ludwigs V. von der Pfalz mit dem Bamberger Erbtruchsessenamt1 – Worms, 30. Mai 1509 »

    Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Lehenhof, Nr. 175, fol. 4’–5 (Kop., Unterz. Johann Kastner (Caßner), Sekretär; Verm.: Das original obgeschribner empfenknuszettel findet man zu Altemburg2.) = Textvorlage A. München, HStA, Kurbayern GLA 56, fol. 3–3’ (Kop., Unterz. Konrad Baumann, Sekretär) = B. Karlsruhe, GLA, Abt. 67, Nr. 1010, fol. VIII’-IX (wie B) = C.

    Kf. Ludwig von der Pfalz hat am 30. Mai (mitwochen, dem virten heyligen pfingstfreyertag)auf dem Wormser Reichstag in dessen Herberge „Zur Goldenen Krone“ von Bf. Georg das Truchsessenamt des Hst. Bamberg sowie Schloss und Stadt Amberg mit allem Zubehör empfangen. Er hat dafür den üblichen Lehnseid geleistet. Als Zeugen waren auf Bamberger Seite anwesend: Gottfried Schenk von Limpurg, der Hofmeister Johann von Schwarzenberg, Philipp Schenk von Limpurg, die Bamberger Domherren Dr. Leonhard von Egloffstein und Weigand von Redwitz, der HausvogtaWilhelm von Wiesenthau, der Amtmann in Niesten, Wolf von Schaumberg, Johann von Rabenstein und der Sekretär Konrad Baumann; auf Kurpfälzer Seite: Pfgf. Friedrich, Gf. Ludwig von Hanau3, der Hofmeister Johann von Morsheim (Morscheym), der Kanzler Dr. Florenz von Venningen, der Marschall Hans Fuchs von Dornheim, Adam von Törring (Doringen), Hans Landschad von Steinach und der Sekretär Johann Kastner (Caßnerb).

    «Nr. Š354 Lehenbrief Kf. Ludwigs V. von der Pfalz für Gf. Ludwig von Nassau-Weilburg – Worms, 8. Juni 1509 »

    Wiesbaden, HStA, Abt. 150, Urk. 711 (Or. Perg. m. S., freitag nach corporis Cristi).

    Belehnt vorbehaltlich seiner Rechte Gf. Ludwig von Nassau mit seinen – im Einzelnen benannten – kurpfälzischen Lehen. Dieser hat dafür den üblichen Lehnseid geleistet.

    «4.7. Proteste Kursachsens, Kurbrandenburgs und Sachsens gegen Reichsbesteuerung und Reichskammergericht  »

    «Nr. 355 Supplikation Kf. Joachims I. von Brandenburg an die übrigen Kff.– Worms, 7. Juni 1509 »

    Missachtung der kfl. Gerichtsfreiheit durch das Reichskammergericht; Besteuerung der von Kurbrandenburg eximierten Stände durch das Reich.

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 4, fol. 15 (beschädigte Kop., am tag corporis Cristi, Unterz.: Gregor Wins, kfl. Sekretär) = Textvorlage A. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 31 (Reinkonz. mit Korrekturen) = B.

    Hochwirdigsten und durchleuchtigisten churfursten, genedigsten herrn. Der durchleuchtigiste furst und herr, herr Joachim, marggrave zu Brandenburg etc., euern furstlichen gnaden mitchurfurst, hat mir in bevelh gegeben, euern allen churfurstlichen genaden zu berichten, wie sein gnade wider seiner Gn. churfurstliche freyheyt, gebrauch und alt herkommen vom cammergericht mit annemung einer appellacion besweret und anziehung seiner ftl. Gn. prelaten und graven, die angeslagen hilf zu Coln und Costenz ksl. Mt. und zu unterhaltung des cammergerichts zu geben, durch penalmandat vervolgt. Das doch alles hievorn bey seiner ftl. Gn. eltern und vorfarn, churfursten zu Brandenburg, in vil menschen gedenken nye furgenommen und gescheen, sunder haben zu iglichen reichstegen neben meinem gnst. herrn, dem churfursten von Sachsen, wie seiner ftl. Gn. wissenlich, meyn genedigister herr selbst und in abwesen d[urcha seiner]1 ftl. Gn. rete solich freyheit, brauch und alt he[rkommen ange]zeigt und davon protestiret.

    Der Kf. bittet sie, den Ks. in Namen aller Kff. schriftlich zu ersuchen, sein ftl. Gn. [g]enedi[glich] bey a[ltem] herkommen und gebrauch bleyben zu lassen, [beid]erseyt furnemen abzuschaffen und hinfur domit sei[n g]enade nit besweren, als onzweyflich romisch ksl. Mt. a[uf] solich seiner und euer churfurstlichen gnaden zym[li]ch bitt genediglich zu tun geneigt sein wird. Das soll meyn Šgenedigster herr gegen euern churfurstlichen genadenb semptlich und sonderlich in aller fruntschaft zu verdienen gevlissen sein. [Datum, Unterschriftc].

    «Nr. 356 (Nicht übergebenes) Fürschreiben der Kff. an Ks. Maximilian – Worms, 10. Juni 1509 »

    Missachtung der kfl. Gerichtsfreiheit durch das Reichskammergericht; Besteuerung der von Kurbrandenburg eximierten Stände durch das Reich.

    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 4, fol. 19–19’ (beschädigtes Or. Perg. m. 5 Ss.).

    Allerdurchleuchtigister, großmechtigister keyser, hochgeborner furst, allergnedigister herre. Unser undertenige, gehorsam und schuldige dinst [sind] eurn keyserlichen gnaden allezeit bereyt. Allergnedigister herre, wie wir yetzo von wegen des hochgebornen fursten, herren Joachims marggrafen zu Brandenburg etc., unsers mitkurfursten, freunds, oheim, vettern und swage[r], mit herin verschlossner schrift und furbit an euer ksl. Mt. zu tun bittlich angesucht sein, wirdet euer Mt. daraus vernemen. Wo nu die sachen laut seiner gestellten schrift gestalt, so were unser undertenig bitt, das euer keyserlich Mt. gnediglich tet verfugen, das solichs, so wider gedachts unsers mitkurfursten freiheit, brauch und herkomen, so er die hett, furgeno[men w]er, abgestalt und sein lieb dawider nit beschwert wurde. Daran erzeigt eur [ksl.] Mt. uns gnedigen willen, den wir zusambt schuldigen pflichten umb euer keyserlich Mt. in undertenigkeit gern verdienen wollen. Geben zu Worms uf sontag nach corporis Cristi anno etc. nono.

    Euer ksl. Mt. gehorsamen Uriel zu Menz, Jacob zu Trier, erzbischove, Philipps, erwelter und bestetigter zu Collen, Ludwig, pfalzgraf bey Rein, herzog in Beyern etc., Friderich, herzog zu Sachsen, lantgraf in Duringen und marggraf zu Meissen, all churfursten.

    «Nr. 357 Protest Kf. Joachims I. von Brandenburg an die ksl. Reichstagskommissare und reichsständischen Deputierten – Worms, 12. Juni 1509 »

    Einspruch gegen die Besteuerung der von Kurbrandenburg eximierten Stände durch das Reich und die Missachtung der kfl. Gerichtsfreiheit durch das Reichskammergericht.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 50’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 32, 33 (Konz.) = B.

    Durchleuchtiger, hochgeporner furst, wolgeporner, edler, wirdigen, hochgelerten, gnedigen und gunstigen hern. Dweil ich [= Eitelwolf vom Stein] zu handlung des camergerichts notdurft, von wegen meins gnedigisten herrn, des Šchurfursten von Brandenburg, azu e. furstlichen gnaden und gunst und den reten, von stenden darzu verordent–a, beschaiden, hat mir nach vermögen meins bevelchs geburt, anzaigung zu tun der beswernus, die seinen furstlichen gnaden vom camergericht begegent mit erfordrung der angeslagen hilf zu Coln und Costenz von seiner ftl. Gn. prelaten und grafen, auch annemung der appellation von seiner ftl. Gn. hofgericht, alles wider seiner ftl. Gn. freiheit, geprauch und alt herkomen, mit der erbietung, wo solichs abgestalt und seinen ftl. Gn. versicherung geschehe, des hinfur entladen zu sein, alsdan sey ich willig, von den gebrechen und allem dem, so zu underhalten des loblichen furnemens des camergerichts, von wegen meins gnedigisten herrn meins besten vermögens zu verhandeln helfen. Dann dweil solichs nit geschehe, wurde mein gnst. her ins camergericht nit gehellen, bauch mir nit gezymen, zu solichem tun mich in handlung zu geben–b, davon ich dann also offenlich protestirt hab, mit und neben meiner gnedigisten und gnedigen herrn von Sachsen geschickten [Nr. 358] underteniglich gebeten, solichs nit anders dann aus notdurft meins gnedigisten herrn und meins bevelchs zu vermerken. Das hab ich euer ftl. Gnn. und gunst irem begern nach hiemit auch anzaigen wollen. cActum Wormbs, am dienstag nach corporis Christi anno etc. nono–c.

     Eytelwolf vom Stain, ritter etc.

    «Nr. 358 Protest Kf. Friedrichs III. und Hg. Johanns von Sachsen sowie Hg. Georgs von Sachsen an die ksl. Reichstagskommissare und reichsständischen Deputierten – Worms, 13. Juni 1509 »

    Einspruch gegen die Besteuerung der von Kursachsen und Sachsen eximierten Stände durch das Reich.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 49–50 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.).

    Durchleuchtiger, hochgeborner furst, wolgepornen, edeln, wirdigen, hochgelerten, gestrengen, vesten, gnedigen und gunstigen hern. Wir haben euer gnad und gunst von wegen unser gnedigisten und gnedigen herrn von Sachsen etc. allenthalben vermeldet und zu versteen gegeben die gehabt handlung auf nehst gehaltenem Reichs tag zu Costenz, wie des orts ain anschlag zu ksl. Mt. romzug, auch zu underhaltung des camergerichts bewilligt und gemacht mit disem beschaide und anhang, das alle stende diejenen, so inen vor alders und nicht dem Reich gedient, auch dem Reich on mittel nicht zustendig, in diser hilf und volg Švorbehalten sein sollen1, und darauf alle bischofe, graven und herren, in berurter unserer gnedigisten und gnedigen herrn von Sachsen furstentumb und landen begriffen, unangeschlagen verblieben, nachdem dieselben zu des Reichs volge, auch vor das camergericht nye gezogen noch gebraucht seint, sundern unsern gnedigisten und gnedigen herrn on mitl gedient, gevolgt und mit gerichtszwang und aller oberkeit underworfen gewest, auch noch underworfen seind. Derhalben auch und in kainen andern wege unser gnedigiste und gnedigen herrn in bestimpten anschlage des romzugs und camergerichts bewilligt. Und wie daruber die berurte bischofe, graven und herrn zu hilf des romzugs, auch von dem fiscal zu underhaltung des camergerichts mit sweren mandaten und processen angezogen, deßhalben wir zu dieser neuen furgenommen handlung des camergerichts nit bewilligen noch darbey oder darob sein sollen, es sey dann zuvor bemelte beswerung abgetan, davon wir von wegen vielberurter unserer gnedigisten und gnedigen hern und irer verwandten offenlich protestirt, darin in kainen weg zu verheylen [= einzuwilligen]. So aber solichs geandert, so wirt an unsern gnedigisten und gnedigen herrn, was zu ere und wolfart dem Heiligen Reich entspriessen soll, an iren gnaden nichts erwinden, undertenig und dienstlich bittend, euer gnad und gunst wollen diese unserer gnedigisten und gnedigen hern gerechtigkeit zu herzen furen und an dieser protestation kain beschwerung haben und der notdurft zuziehen [= zumessen, zuschreiben], auch bey ksl. Mt. verhelfen, das solich beschwerung und anslege geandert und an unser gnedigisten und gnedigen herrn undertenigem und gutwilligem erpieten begnugig sein. Das werden ire furstlichen gnaden gegen ksl. Mt. undertenig und euer perschon fruntlich vergleichen, beschulden und in gnaden erkennen. So seind wirs fur unser perschon gegen e. gnade und gunst undertenig und willig zu verdienen geflissen. Datum am mitwuchen nach corporis Christi anno etc. XVC und IXo.

    Unser gnedigist und gnedigen herrn, herrn Friderichs, churfursten, herrn Johansen und herrn Georgen, gepruder und vetter, alle herzogen zu Sachsen etc., rete, ytz alhie zu Wormbs.

    «Nr. 359 Supplikation Hg. Georgs von Sachsen an Mgf. Kasimir von Brandenburg und die anderen ksl. Reichstagskommissare – [Worms, kurz vor dem 14. Juni 1509]1 »

    [1.] Besteuerung der von Sachsen eximierten Stände durch das Reich; [2.] Steuerverweigerung Hg. Heinrichs von Sachsen; [3.] irrtümliche DopŠpelbesteuerung des von Sachsen eximierten Reichsstifts Quedlinburg; [4.] Forderung nach Abhilfe dieser Beschwerden.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 51’–52’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.).

    [1.] Durchleuchtiger, hochgeborner furst, wolgepornen, edlen, wirdigen, hochgelerten, gnedigen und gunstigen herrn. Wir bitten euer gnade und fruntschaften undertenig und dienstlich zu wißen: Nachdem auf nehstgehaltnem Reichs tag zu Costenz ain anslage zu ksl. Mt. romzug, auch zu underhaltung des camergerichts bewilligt und gemacht, mit disem beschaide und anhang, das allen stenden diejenen, so in vor alders und nicht dem Reich gedient und on mittel nicht zustendig, in diser hilf vorbehalten sein sollen2, und darauf alle bischofe, grafen und herrn in unsers gnedigen herrn, herzog Georgen von Sachsen etc., landen unangesehen verblieben, dieweil die zu des Reichs volge, auch vor das camergericht zuvor nye gezogen noch gebraucht sein, sonder unserm gnedigen herrn und seiner gnaden vorfaren on mittel gevolgt und gedienet und mit gerichtszwang underworfen gewest und noch zur zeit seind, das auch berurten unsern gnedigen herrn in solichen anschlag zu bewilligen geursacht und ungezweivelt an das verplyben, dennoch so seind uber den bewilligten anslage und abrede die bischofe, graven und herrn, unserm genedigen herrn, herzog Jorgen, zustendig, zu hilf des romzugs, auch von dem fiscal zu underhaltung des camergerichts mit schweren mandaten und process angezogen, davon unser gnediger herr zu appelliren und zu berufen geursacht.

    [2.] Item, so ist auch unserm gnedigen hern, herzog Georgen, ain anzale zu ross und fues, auch etzlich gelt mitsampt unserm gnedigen hern, herzog Hainrichen von Sachsen, aufgelegt3, das unser gnediger herr, herzog Georg, alles allain zu gehorsam ksl. Mt. vorgestrackt4 und bis anhere seynen gepurlichen dail von bemeltem herzog Hainrichen nicht hat bekommen mogen.

    [3.] Item, so hat auch kayserliche Mt. unserm gnedigen hern, herzog Georgen, als ein erbvogt des stifts zu Quedlinburg dasselb stift neben seinem anschlage zu vertreten bewilligt und nachgelassen. Das auch berurter unser genediger her neben seinem volk und gelt verlegt und vertreten hat.5 Aber ksl. Mt. hat volgende einem andern vor solichen anschlage gelt zu empfahen mandat und bevelh gegeben6, der auch solichs entpfangen und unser gnediger her seins ausgelegten gelts und darlegung also in mangel steht.

    [4.] Darauf ist unser undertenig, dinstlich und fruntlich bit, euer gnad und fruntschaftn wollen in ansehung, des die berurte bischove, graven und hern in Šunsers gnedigen hern furstentumb zu Doringen und Meissen begreifen7, dem Reich nye gedient, auch dem camergericht an mittel nicht, sonder seiner gnaden geriechtszwengen underworfen, der sein gnade auch ains tails von der cron zu Behaim zu lehen tregt, als wir solichs alles mit der warheit anzuzaigen wissen, verschaffen, das dieselbigen unsers gnedigen herrn bischof, graven und hern des romzugs halb, auch von dem fiscal unangezogen und hinfur unangeschlagen verbleiben und unserm gnedigen hern von derselben alten, ruchtparn [= (öffentlich) bekannten], hergebrachten gerechtikeyten nicht gedrangen lassen, auch mit unserm gnedigen hern, herzog Hainrichen, seynen antail zu erlegen und der darlegung, fur die ebtissin zu Quedlinburg beschehen, wieder ergenzt zu werden verschaffen. Das wirt sein furstlich gnade gegen euer gnade und fruntschaft fruntlichen vergleichen und in gnaden bedenken. So wollen wirs unser person halbe undertenig und dinstlich verdienen.

    Herzog Georgen von Sachsen etc. rete Cesar Pflug, ritter, und Dietherich von Werter, bayder recht doctor etc. – An ksl. Mt. rete, zu Wormbs versamelt.

    «Nr. 360 Antwort der ksl. Reichstagskommissare und reichsständischen Deputierten an Kursachsen, Kurbrandenburg und Sachsen – Worms, [14. Juni 1509]1 »

    Berichterstattung über die Proteste Kursachsens, Kurbrandenburgs und Sachsens an den Ks., Aufforderung zur Teilnahme an den Verhandlungen über das Reichskammergericht.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 51 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.).

    Kaiserlicher maiestat rete und comissarien, auch etlich der churfursten, fursten und stende des Reichs rete, auf dem Reichs tage zu Wormbs versamelt, haben die beswerung und protestacion, so durch unser gnedigisten und gnedigen herrn, der churfursten und fursten herzog Friderichs von Sachsen und marggrave Joachims von Brandenburg, bede churfursten, auch herzog Jörgen von Sachsen reten, inen montlich und schriftlich furbracht sein [Nrr. 357f.], vernommen und empfangen und inen darauf antwort geben, das in irer bevelch oder macht nit sey, als sie selbs ermeßen mochten, außerhalb ksl. Mt. oder der stende des Reichs wissen oder willen in diesem fall ainiche exemption oder nachlasssung zu tun. Wolten darumb die ksl. Mt. rete solich ir beswerde und protestacion an ksl. Mt. gelangen lassen und, was ine darauf begegnen wurde, ine nit verhalten. Wolten sich auch die obberurten ksl. Mt. und andere rete versehen, dweil die obbemelten drey churfursten und fursten bey dem abschid und anslag zu Costenz gewest, das sie ire rete der gedachten protestacion oder beschwerung unverhindert bey und in der verhandlung, so des camergerichts halben ytzo Šfurgenommen werden soll, das pest und nutzest von wegen irer herrn mit raten und helfen handeln wolten. Dann wo sie das abslagen und nit tun, wurden sie, die ksl. und andere rete der stende, nichts destminder der notdurft nach, wie ine gepurt, nach irem pesten vleis darin handeln, vollenfaren und beschliessen.

    «Nr. 361 Mandat Ks. Maximilians (ksl. Reichstagskommissare) an Hg. Heinrich von Sachsen – Worms, 14. Juni 1509 »

    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10502/17, fol. 5–5’ (Or. m. Siegelrest, Verm. amdiic., Gegenz. J. Storch).

    Sein Bruder Hg. Georg von Sachsen ließ vorbringen, dass ihnen beiden gemeinsam durch die auf dem Konstanzer Reichstag versammelten Kff., Ff. und Stände des Hl. Reiches gemäß dem dort verabschiedeten Anschlag ein Kontingent von Reitern und Fußsoldaten und dazu eine Summe Bargelds für den Romzug auferlegt worden sei. Er, Hg. Heinrich, habe jedoch bislang weder den ihm obliegenden Anteil entrichtet noch seinen Bruder bei der Zahlung unterstützt. Vielmehr habe dieser den Anschlag allein bestreiten müssen. Hg. Georg hat deshalb um Hilfe gebeten.

    Befiehlt ihm, seinem Bruder unverzüglich und ohne weiteren Einspruch seinen Anteil am Reichsanschlag zu erstatten, damit weiters ansuechens und handlung nit not werde.

    «4.8. Kurfürst Friedrich III. von Sachsen  »

    «Nr. 362 Instruktion Kf. Friedrichs III. von Sachsen für den ksl. Gesandten Ernst von Welden – Worms, 5. Juni 1509 »

    [1.] Aushändigung der in Kursachsen eingesammelten Jubelablassgelder an die Fugger; [2.] Lieferung von Salpeter an Ks. Maximilian.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 160–161’ (Konz., dinstag nach der allerheiligisten dreufoldigkait tag).

    [1.] Bekundet seinen Gehorsam gegen den Ks. und erkundigt sich nach dessen Befinden und Angelegenheiten.

    Welden soll den Ks. hinsichtlich der Aushändigung der Jubelablassgelder an die Fugger auf die von ihm, Kf. Friedrich, mitgetragene Resolution der Stände an die ksl. Reichstagskommissare [Nr. 275, Pkt. 9] hinweisen, an der sie ungeachtet deren Insistierens festgehalten haben. Solten wir uns nu deßhalb weyter gegen ksl. Mt. vernemen lassen, dann wir vormals mit den stenden zu antwort geben, het ksl. Mt. gnediglich zu achten, das es uns verkerlicha sein mocht, wiewol wir in Šallem dem, dz ksl. Mt. und dem Hailigen Reich zugut erschissen mocht, als der undertenig gehorsam zu leisten ganz willig weren.1

    [2.] Er würde dem Ks. auch mit der Lieferung von Salpeter gern willfahren. Doch wurden sämtliche Vorräte im Land bereits aufgekauft; insbesondere eine so große Menge ist derzeit nicht zu bekommen. Für einen Zentner Erfurter Gewichts müssen derzeit bis zu zwölf Gulden bezahlt werden. Seine eigenen Vorräte hat er bereits einigen befreundeten Ff. zur Verfügung gestellt. Für das Angebot, 2000 fl.rh. für den Bau des neuen Stifts in Wittenberg zu geben, soll Welden sich in seinem Namen bedanken.

    «4.9. Kurfürst Joachim I. von Brandenburg  »

    «Nr. 363 Eitelwolf vom Stein an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – Worms, 16. Mai 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 39–39’ (Or. m. Siegelrest, Postverm.: In sein hand.).

    Die ksl. Vertreter auf dem Reichstag haben in ihrem Vortrag unter anderem die Vorlage der Vollmachten gefordert [Nrr. 259, Pkt. 8; 261, Pkt. 7; 398, Pkt. 2]. Daraufhin hat er eine Abschrift seiner Beglaubigung [Nr. 230], wie sie Gf. Adolf [von Nassau] gelesen hat, übergeben. Er hat zuvor bereits dem Ks. und ihm, Serntein, gegenüber erklärt, was es mit seiner Vollmacht auf sich hat. Der Ks. gab daraufhin eine gnädige Antwort, verschob die Angelegenheit aber bis zum Eintreffen [Johann] Storchs – verbunden mit der Zusage, sie anschließend unverzüglich zu erledigen.

    Bittet ihn, den ergangenen Bescheid auszufertigen und dabei die Interessen des Ks. wie auch seine, Steins, Situation zu bedenken, damit er keine Ungnade zu gewärtigen hat. Er, Serntein, hat selbst seinen Befehl gesehen, an den er sich halten muss. Doch wird er einem ksl. Befehl ebenfalls Folge leisten. Bittet, ihn dem Ks. zu empfehlen. Got wolt, das mocht an beyden orten[= beim Ks. und bei Kf. Joachim] dank verdinen.Entgegen seiner Zusage verzögert er, Serntein, die übrigen ihm aufgetragenen Angelegenheiten. Bittet ihn, sich seines Vertrauens würdig zu erweisen.

    « Š4.10. Verhandlungen der Sponheimer Kondominatsherren  »

    «Nr. 364 Abschied (nur Betreffe) zwischen Kf. Ludwig V. von der Pfalz, Pfgf. Johann II. von Simmern und Mgf. Philipp von Baden – Kreuznach/Worms, 18. April/20. Mai 1509 »

    Karlsruhe, GLA, Abt. 67, Nr. 1348, fol. XXVII-XXX’ (Kop., Überschr.: Handlung und abscheid zu Creuznach der dreyer fursten, pfalzgrave Ludwig, churfurst, herzog Johans und marggrafe Philips etc., eygnen personen uf mitwoch nach dem sontag quasimodogeniti anno XVCIXo und nachfolgends von irer aller gnaden reten uf dem Reichs tag zu Worms sondags exaudi nechst darnach beslossen.).

    [1.] Einsetzung eines Amtmanns in Gemünden; [2.] Protest Simmerns und Badens wegen des Vorgehens der Hh. von Sickingen im Bergwerk zu Ebernburg und [3.] wegen der Pastorei in Sprendlingen; [4.] Prozess gegen Konrad von [Waldeck zu] Iben (Uben); [5.] Streitigkeiten wegen der Fischerei in der Nahe zwischen der Binger Brücke und der Frauenmühle; [6.] gemeinschaftliche Besetzung des Hofgerichts; [7.] Begnadigung Mangs von der wegen des Totschlags an einem Schneider verhängten Todesstrafe; [8.] Aufsagung des Geleits für Hamann und seinen Helfer Gottfried Fischer wegen der von ihnen verübten Brandstiftung in Büdesheim; [9.] Eröffnung eines Verfahrens gegen Veit als ihrem Mithelfer; [10.] Dispensierung Kreuznachs von der jährlichen Verlesung der Stadtordnung1; [11.] Vereinbarung mit dem Müller zu Kreuznach wegen der Verlängerung seiner Pacht und der Einfuhr von Brot in die Stadt durch auswärtige Bäcker. [12.] Verabschiedung einer neuen Forstordnung.

    «Nr. 365 Aufzeichnung bzgl. des Verfahrens der Kondominatsherren gegen Nikolaus Braun – act. Worms, 21. Mai 1509 »

    Karlsruhe, GLA, Abt. 67, Nr. 1348, fol. XXXI-XXXI’ (Kop., actum mentags nach exaudi).

    Der Ebf. von Mainz hat sich in der Angelegenheit zwischen Nikolaus Braun [von Schmidburg] und Dienern des pfälzischen Kf., Pfgf. Johanns und Mgf.[Christophs] von Baden für diesen eingesetzt. Anders als der Ebf. sind sie jedoch der Überzeugung, dass seine Tat vorsätzlich war. Braun soll deshalb einen Eid leisten, dass ihm bei seinem tätlichen Angriff nicht bekannt gewesen sei, dass es sich bei den Opfern um Diener der drei Ff. gehandelt habe, und die Tat auch nicht vorsätzlich geschehen sei. Dem Ebf. zu Gefallen soll die Angelegenheit damit auf sich beruhen bleiben. Zusätzlich soll sich Braun verpflichten, weitere Maßnahmen gegen die drei Ff. wegen dieser Angelegenheit zu unterlassen.

    ŠBraun hat am heutigen Montag [21.5.] in Worms in Gegenwart des Ebf. von Köln, Kf. Ludwigs von der Pfalz und Pfgf. Johanns sowie auch gegenüber dem Vertreter des Mgf. von Baden, Blicker Landschad, einen entsprechenden Eid geleistet.

    «4.11. Bischof Philipp von Speyer  »

    «Nr. 366 Beschlüsse des Speyerer Domkapitels – Speyer, 6./11. Juni 1509 »

    Karlsruhe, GLA, Abt. 61, Nr. 10930, fol. 31, 31’, 32 (Konz.).

    Druck/Regest: Krebs, Protokolle I, Nrr. 2757f., 2767, S. 263f.

    [1.] /31/ [6.6.] Der Hofmeister [Hartmann Fuchs von Dornheim] und der Landschreiber [Georg Brentz1] berichten, dass die ksl. Räte ihnen im Streit zwischen der Stadt Landau und dem Bischof einen Tag nach Worms anberaumt haben. Diese bitten außerdem um Überlassung der Pfandverschreibung.2Das Domkapitel lehnt dies ab und schlägt stattdessen vor, eine Vertagung zu beantragen, die damit begründet werden soll, dass der Bf. zur Kur [nach Bad Ems] gereist sei und die Verschreibung sich nicht in den Händen der Statthalter befinde.3

    [2.] /31’/ Meister Hieronymus [Friesbach4] berichtet über seine Verhandlungen mit dem Vogt zu Heidelberg [Zeisolf von Adelsheim] wegen Beeinträchtigung der Weiderechte in Ketsch. Beschluss: Der Syndikus [Friesbach] soll gelegentlich seiner Reise nach Worms in gleicher Weise wie mit dem Vogt auch mit dem Pfgf.[Kf. Ludwig] verhandeln. Ist ime doctor Erpf [von Gemmingen], Philips von Flersheim5.

    Š[3.] /32/ [11.6.] Der Domherr Erpho von Gemmingen erhält aufgrund eines Schreibens des Ebf. von Mainz vorbehaltlich der kirchlichen Strafen Urlaub bis zum 8. Juli (Kiliani).

    «4.12. Bischof Lorenz von Würzburg  »

    «Nr. 367 Antwort Bf. Lorenz’ von Würzburg an die ksl. Reichstagskommissare – Worms, [10. Juni 1509] »

    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 172’ (Kop).

    Bestätigt den Empfang des von den ksl. Kommissaren übergebenen Auszugs aus ihrer Instruktion bezüglich der Anwerbung von 50 Reitern [Nr. 267 (B)]. Er wird sich darum kümmern und über das Ergebnis entweder den ksl. Räten, falls sie sich dann noch hier in Worms aufhalten sollten, berichten oder an das Innsbrucker Regiment schreiben.1

    «4.13. Deutscher Orden  »

    «Nr. 368 HM Friedrich von Sachsen an Kf. Ludwig V. von der Pfalz, Pfgf. Friedrich, Mgf. Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach, Bf. Georg von Bamberg und Bf. Lorenz von Würzburg – Worms, 3. Juni 1509 »

    Streit des Ordens mit Sebastian Stiebar von Buttenheim wegen des Lehens Domnau.

    Berlin, GStA, Ordensfoliant Nr. 26, pag. 189–192 (Kop., suntag trinitatis).

    Seine Amtsvorgänger haben Konrad [XIV.] von Egloffstein und dessen Nachkommen [zuerst i. J. 1469] mit dem Städtchen Domnau belehnt. Konrad ist längst verstorben. Nach dem erbenlosen Tod seines Sohnes [Heinrich VII., gest. 1502] sind nur noch die beiden Töchter [Anna und Susanna] übrig. Vertragsgemäß fielen die nunmehr herrenlosen Güter deshalb an ihn als Hochmeister und die beiden Töchter; Šdie Verwaltung führen zwei gemeinsame Lehnsleute. Melchior von Kreytzen hat [i. J. 1504] eine der Töchter [Susanna] geheiratet und sich mit der anderen über ihren Anspruch geeinigt. Er selbst hat [i. J. 1507] der Übertragung an Kreytzen zugestimmt. Allerdings machte auch Sigmund von Egloffstein, der Neffe Konrads, ihm gegenüber Ansprüche geltend. Indessen waren weder er noch sein Vater [Hartung VIII.] jemals vom Orden belehnt worden.1Während der laufenden Verhandlungen wurde Sigmund in Königsberg verwundet und starb. Er selbst erfuhr erst drei Tage später davon. Der Täter hielt sich ohne sein Wissen an seinem Hof auf.

    Zur gleichen Zeit erhoben [die Schwester Sigmunds] Barbara (Merig [!]) von Egloffstein und [ihr Ehemann] Sebastian Stiebar [von Buttenheim] Anspruch auf Domnau. Er hatte aufgrund ihrer Bitte für den 2. Februar (unser lieben Frauen tag lichtmess)einen Schiedstag anberaumt. Diesen Termin haben die Petenten zwar akzeptiert, ihn aber nicht wahrgenommen. Stattdessen hat Stiebar sein persönliches Erscheinen bei ihm angekündigt und die Übergabe Domnaus gefordert. Auf sein erneutes Angebot zur Beschreitung des Rechtswegs wandte sich dieser an den Deutschmeister Hartmann von Stockheim und beklagte seine angebliche Rechtsverweigerung. Die von Stiebar ebenfalls eingeschalteten Ganerben zu Rothenberg setzten einen Schiedstag zwischen Stockheim und Stiebar an. Der Deutschmeister machte indessen geltend, mit dieser Angelegenheit nichts zu tun zu haben, und verwies auf das bestehende Rechtserbieten.2Schließlich wurde Stiebar auch noch ein rechtliches Verfahren vor dem Ebf. von Mainz, Kf. Ludwig von der Pfalz, Pfgf. Friedrich von Bayern, Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach, Hg. Ulrich von Württemberg, den Bff. von Bamberg und Würzburg und den Ganerben zu Rothenberg angeboten, was dieser ebenfalls zurückwies. Dennoch haben die Ganerben den beiliegenden Rezess verabschiedet, worin für den 26. Juli (tag nach suntag Jacobi)ein Rechtstag nach Coburg anberaumt wurde. Obwohl dazu nicht verpflichtet, hat er, der Hochmeister, eingewilligt. Stiebar indessen lehnte ab, weil er die Verzögerung nicht akzeptieren wollte. Er seinerseits kann das Vorgehen der Gegenseite nur so verstehen, dass Stiebar gegen ihn, den Orden und insbesondere den Ordensgebietiger [Hartmann von Stockheim] gewaltsam vorgehen will. Wie er erfahren hat, hat Stiebar mehrmals Drohungen gegen ihn und den Orden ausgestoßen.3Er bittet, Šdiesen nicht zu unterstützen, sondern ihn ggf. an gewaltsamen Übergriffen zu hinderna.

    «4.14. Herzog Wilhelm IV. von Bayern  »

    «Nr. 369 Pfgf. Friedrich an Hg. Wolfgang von Bayern – Worms, 7. Mai 1509 »

    München, HStA, KÄA 1242, fol. 27–27’ (Or., montag nach sontag cantate).

    Jörg Reindl zu Sinning und Hans Heimhofer (von Haimhofen) wurden laut beigelegtem Schriftstück bei ihm, Pfgf. Friedrich, vorstellig. Sie haben glaubwürdig dargelegt, dass die gegen sie erhobenen Vorwürfe1unwahr sind. Die beiden Beschuldigten bieten an, ihre Unschuld zu beweisen. Bittet, Reindl und Heimhofer entweder wegen dieser Angelegenheit für entlastet zu erklären oder sie unter freiem Geleit zu einer Anhörung vorzuladen. Wo es aber nit beschach, so mogen eur lieb selbs versten, das uns ir dinst unersprießlich wern, darzu das wir sy uber ir manigfaltig ansynnen lenger nit aufhalten mochten. Bittet um eine Antwort an den Überbringer dieses Schreibens.2

    «Nr. Š370 Supplikation Hg. Wilhelms IV. von Bayern und seiner Vormünder an Ks. Maximilian – [act. Kaufbeuren, 14. Mai 1509 oder kurz davor] »

    Befreiung Hg. Wolfgangs von Bayern von allen Reichsanschlägen.

    München, HStA, KÄA 1242, fol. 31–32 (Kop.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 18’–20 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B. München, HStA, KÄA 3137, fol. 138–138’ (Konz.) = C.

    Hg. Albrecht und nach dessen Tod sie haben sich bei ihm mehrfach wegen der Veranschlagung Hg. Wolfgangs auf dem Konstanzer Reichstag beschwert. Der Wormser Reichstag könnte erneut eine Besteuerung des Hg. beschließen. Bitten ihnaum Weisung an seine Reichstagskommissare, bei einer Reichshilfebewilligung durch die in Worms versammelten Stände eine erneute Veranschlagung Hg. Wolfgangs zu verhindern. Er, Hg. Wilhelm, und seine Vormünder kommen damit ihrer laut dem vom Ks. konfirmierten Vertrag [vom 8. Juli 1506] über die Regierung des Hm. Bayern bestehenden Verpflichtung nach, das Hm. allein gegenüber dem Reich zu vertreten und auch sämtliche dafür erhobenen Reichssteuern zu bestreiten. Hg. Wolfgang hat von Ks. und Reich weder Regalien noch Lehen inne. Dies alles steht ausschließlich ihm, Hg. Wilhelm, als alleinregierendem Landesfürsten zu. Die Besitzungen Hg. Wolfgangs gehören zum ungeteilten Hm. Bayern. Seine Amtleute erhalten die Befugnis zur Ausübung des Blutbanns von ihm, Hg. Wilhelm, und dem Vormundschaftsrat. Hg. Wolfgang besitzt lediglich die Nutznießung seiner Güter auf Lebenszeit, hat jedoch nicht das Eigentumsrecht und die landesfürstliche Gewalt inne. Das Steuerrecht und das Recht zur Entgegennahme der Erbhuldigung liegen allein bei ihm, Hg. Wilhelm, und seinen Erben als regierenden Fürsten. Nach dem Tod Hg. Wolfgangs fallen dessen Besitzungen wieder an den regierenden Hg. zurück. Sollte Hg. Wolfgang für sein Leibgedinge separat veranschlagt werden, würden diese Lasten später auf ihn, Hg. Wilhelm, übergehen und er damit vom Reich höher als die Kff. besteuert werden. Dies war jedoch nicht einmal zu Zeiten Hg. Georgs [von Niederbayern] der Fall, der ein größeres Territorium regierte als er heute. Wiederholt noch einmal die Bitte, bei den in Worms versammelten Ständen dafür einzutreten, dass ein solches Unrecht unterbleibt, sondern sich mit der Besteuerung des gesamten Hm. Bayern einschließlich der Besitzungen Hg. Wolfgangs in Höhe eines kfl. Anschlags zu begnügen.

    « Š4.15. Pfalzgraf Friedrich (Pfalz-Neuburg)  »

    «Nr. 371 Pfgf. Friedrich an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms – Heidelberg, 26. Mai 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 446/1, unfol. (Or., samstag nach sant Urbans tag).

    Einige Ff. und Hh., die sich itzunt unser widersach zeugen ußgeben haben oder von iren wegen laßen dun, unterstellen ihm, dass er unrechtmäßig gegen sie vorgeht und ihnen das Recht verweigert. Sie messen ihm die Schuld an einem möglichen Krieg zu.

    Tatsache ist, dass keiner dieser Ff. und Hh. bislang schriftlich oder mündlich eine Forderung an ihn herangetragen hat. Um über die Urheber dieser Beschuldigungen zu informieren und ihm Gelegenheit zur Richtigstellung zu geben, wurde für den 1. Juli (sondag nach sant Johans baptisten tag)ein Tag nach Nürnberg anberaumt. Bittet sie, einige Ratsherren dorthin abzuordnen.

    «4.16. Herzog Friedrich I. von Schleswig-Holstein  »

    «Nr. 372 Bescheid der ksl. Reichstagskommissare an Gesandte Hg. Friedrichs I. von Schleswig-Holstein – Worms, 14. Juni 1509 »

    Druck: Harpprecht, Staats-Archiv III, Nr. CLXXVIII, S. 231 (Nachweis über Unterz. J. Storch).

    Hamburg wird seit vielen Jahren in allen Reichsanschlägen als Reichsstadt behandelt. Es ist deshalb als solche anzusehen und entsprechend zum Gehorsam verpflichtet. Falls der Hg. dennoch die Landsässigkeit der Stadt beansprucht, soll er dem Ks. und seinen Räten entsprechende Belegdokumente vorlegen.1

    «4.17. Landgraf Wilhelm II. von Hessen367 »

    « Š4.18. Herzog Ulrich von Württemberg368 »

    «Nr. 373 Hg. Ulrich von Württemberg an den ksl. Hofkanzler Zyprian von Serntein – Worms, 23. Mai 1509 »

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/VI, fol. 41–41’ (Or. m. Siegelspuren, mitwochs nach exaudi).

    Bei einer Unterredung mit dem Ks. in Göppingen wurde vereinbart, zum 27. Mai (hailigen pfingstag)50 gerüstete Pferde nach Innsbruck zu schicken. Er hat sich in Schwaben, im Sundgau, im Breisgau und anderweitig um die Umsetzung der Vereinbarung bemüht, konnte aber für den vorgesehenen Sold von 10 fl. monatlich, erstmalig auszahlbar in Innsbruck, keine Reiter anwerben. Auch seine Erklärung, für eventuelle Schäden beim An- und Abzug einzustehen, und seine Zusage an die hgl. Dienstleute, die laufenden Soldzahlungen an sie fortzusetzen, blieben wirkungslos. Bittet, ihn beim Ks. zu entschuldigen. Falls er, Serntein, Personen kennt, die sich zu diesen Bedingungen verpflichten würden, soll er sie benennen. Er würde dann seine Bemühungen fortsetzen. Wenn es um die Ehre und den Nutzen des Ks. und des Hauses Österreich geht, wird man ihn jederzeit gehorsam und bereitwillig finden. Ungeachtet dieses Schreibens wird er weiterhin versuchen, Reiter anzuwerben.

    «4.19. Herzog Johann II. von Kleve-Mark  »

    «Nr. 374 Ks. Maximilian an Ebf. Uriel von Mainz (entsprechend an Ebf. Philipp von Köln, Ebf. Jakob von Trier, Kf. Ludwig V. von der Pfalz, Mgf. Christoph I. von Baden, Lgf. Wilhelm II. von Hessen und Hg. Wilhelm IV. von Jülich) – Kaufbeuren, 11. Mai 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 128 (Konz. mit ex.-Verm.).

    Er hat seinen Räten und Kommissaren auf dem Wormser Reichstag befohlen, mit ihm über eine Zollbefreiung für den Hg. von Kleve zu sprechen.1Ersucht ihn, sie anzuhören, ihnen Glauben zu schenken und seinem Anliegen zu willfahren.2

    « Š4.20. Graf Wolfgang von Fürstenberg  »

    «Nr. 375 Ks. Maximilian an den ksl. Hofmarschall, obersten Hauptmann und Landvogt im Elsass und in der Ortenau, Gf. Wolfgang von Fürstenberg – Nesselwang, 25. Mai 1509 »

    Druck: Riezler, Urkundenbuch IV, Nr. 475, S. 423f.

    [1.] Übersendet ihm durch den gfl. Diener Jörg Stauffer die an Bf. Wilhelm von Straßburg gerichtete Aufkündigung der bfl. und hochstiftischen Pfandschaften in der Landvogtei Ortenau.1Er soll das Dokument allerdings erst nach Ende des Wormser Reichstages der Regierung in Ensisheim zustellen lassen, angesehen, wo solhs ee beschehe, daz vns das bey den stenden des Reichs, nachdem gedachter bischoue zu Straspurg in sonderlich verwont und in grossem ansehen ist, etwas nachtail und zerruttung bringen.2

    [2.] Er hat seinen Diener mit dem Bestallungsbrief und dem Geld für die 100 Pferde, die er, Fürstenberg, für das bevorstehende Unternehmen bereitstellen wird, vorläufig aufgehalten, da er mit dem Innsbrucker Marschall und Hauptmann zu Rattenberg, Paul von Liechtenstein, bisher in dieser Angelegenheit noch keinen Beschluss gefasst hat. Liechtenstein wird aber heute nach Reutte (Rewt)kommen. Dort werden sie gemeinsam eine Entscheidung treffen. Er soll Vorsorge treffen, um mit seinem Truppenkontingent einsatzfähig zu sein, sowie er ihm den Bestallungsbrief und das Geld schickt.

    «4.21. Graf Adolf III. von Nassau-Wiesbaden373 »

    «4.22. Reichsstadt Frankfurt  »

    «Nr. 376 Beschlüsse des Frankfurter Rates – Frankfurt, 1. Mai-14. Juni 1509 »

    [1.] Frankfurter Stadtsteuer; [2./5.] Gesandtenberichte aus Worms; [3.] vorübergehende Abberufung der Gesandten; [4./8.] Anleihe für Mühlhausen; [6.] Geleit für Teilnehmer am Reichstag; [7./9.] Beschlüsse des Reichstages.

    ŠFrankfurt, ISG, Bürgermeisterbücher (BMB) 1508, fol. 129’; 1509, fol. 1–17’ passim.

    [1.] Tercia in die Walpurgis [1.5.]: Als her Johann Frosche und Gilbrecht von Holzhusen, geschickten, schriben auch uf vorige meynung [Nrr. 438f.]. [Beschluss:] Inen widerschriben mit fuglicher abeßlagung1 (BMB 1508, fol. 129’).

    [2.] Feria quinta in die invencionis sancte crucis [3.5.]: Als her Johann Frosch und Gilbrecht von Holzhusen, geschickten, von Worms schriben etlich zytung [Nr. 441] (BMB 1509, fol. 1).

    [3.] Sexta post invencionis crucis [4.5.]: Item den frunden gein Worms schriben, wo sie mit fugen abkomen mugen, sich herheym zu fugen biß zu zukunft der fursten [Nr. 443] (ebd., fol. 2’).

    [4.] Feria tercia post vocem jocunditatis [15.5.]: Als der rat zu Molhusen bij Johan Butener, irem schriber, eyn credenz uberschickt und ime IIC und XL fl. zu lihen gebeten haben [Nr. 181]. [Beschluss]: Ime die also uf sin erkenteniß lihen; ime sagen, sich selbst gein Worms zu fugen, zu erkunden, weß der handel sij (ebd., fol. 5).

    [5.] Feria tercia post exaudi [22.5.]: Als Johan Frosch schribt von Worms [Nr. 450]. [Beschluss:] Die bedenken und ratslagen (ebd., fol. 8’).

    Quinta post exaudi [24.5.]: Als her Johan Frosch, geschickter ratßfrunt uf dem Richs tag zu Worms, schribt etlich zytunge [Nr. 451] (ebd., fol. 9’).

    Feria tercia post pentecoste [29.5.]: Als her Johann Frosch von Worms geschrieben hait dem statschriber [Melchior Schwarzenberg] etlich zytung [Nr. 452]. [Beschluss:] Doby laißen (ebd., fol. 11’).

    Feria quinta in die corporis Cristi [7.6.]: Als her Johann Frosch von Worms schribt [Nr. 453]. [Beschluss:] Doby laissen (ebd., fol. 14’).

    [6.] Feria tercia post corporis Cristi [12.6.]: Den fursten, so noch hynt herkommen werden und umb geleide schriben. [Beschluss:] Iren gnaden zu schriben daß geleide (ebd., fol. 16).

    [7.] Feria quinta in octavas corporis Cristi [14.6.]: Als her Johan Frosch, geschickter von rats wegen, vom Richs tag zu Worms komen ist und relacion getan und den abescheit [Nr. 303] schriftlich mitbracht hait.

    [8.] Der Mühlhauser Gesandte Daniel Helmsdorf bittet, seiner Stadt 240 fl. zu leihen, um dem ksl. Fiskal [Christoph Moeller] den ungarischen Anschlag bezahlen zu können2. [Beschluss:] Ime uf erkentenuß zusagen und das die bynnen monatsfrist geliebert werden.3

    Š[9.] Als, wes geratslagt ist uf dem tag zu Worms, gelesen wart. [Beschluss:] Das bedenken und zu gelegener zijt ratslahen.

    Den von Ache und Wetzflar den abscheit zu Worms [Nr. 303] werden lassen (ebd., fol. 17’).

    «Nr. 377 Ks. Maximilian (Reichstagskommissare) an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Worms, 7. Juni 1509 »

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 55–55’ (Or., Verm.: amdip., Unterz.: Uriel archiep[iscopu]s Mog[untinensis] archicanc[ellarius] s[ubscrip]s[i]t. Gegenz.: J. Storch).

    Er hat sie am Vortag schriftlich angewiesen, eine Pulver- und Salpeterlieferung des Lgf.[Wilhelm von Hessen]1bis auf weiteren Bescheid zu verwahren. Befiehlt ihnen, das Material an den von ihm beauftragten Jakob Fugger auszuhändigen und diesen auf Wunsch bei der Erfüllung seines Auftrags zu unterstützen.

    «Nr. 378 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – Worms, 7. Juni 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen III, Nr. 496, unfol. (Or. m. S., dornstag corporis Christi, Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]).

    ŠWie aus der beiliegenden Supplikation hervorgeht, hat Hieronymus Arnold aus Freiberg Ludwig Sachs (Sasse)300 fl. geliehen.1Dieser entzieht sich jedoch den Bemühungen Arnolds um Rückzahlung. Bittet sie deshalb, mit ihrem Mitbürger Johann Sachs (Sasse), dem Vater Ludwigs, über die Begleichung der Schuld zu verhandeln.2

    «4.23. Reichsstadt Goslar  »

    «Nr. 379 Mandat Ks. Maximilians (Reichstagskommissare) an Ebf. Ernst von Magdeburg, Hg. Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, Hg. Erich I. von Braunschweig-Calenberg und Lgf. Wilhelm II. von Hessen – Worms, 15. Juni 1509 »

    Goslar, StdA, Alte Abteilung, Best. B, unverzeichnete Reichssachen 1509, unfol. (koll. Kop. mit imit. Verm. amdic. und Unterz. J. Storch; Kollationsverm. des Notars Heinrich Lippes).

    Bürgermeister und Rat der Stadt Goslar ließen Beschwerde über das Räuberunwesen auf der ksl. Reichsstraße in der Umgebung der Stadt erheben. Die Amtleute und Pfleger auf dem Eichsfeld würden diesem Treiben Vorschub leisten. Der Handel erleide dadurch beträchtliche Verluste. Der Stadt drohe der Niedergang, wenn nicht Gegenmaßnahmen ergriffen würden.

    Diese Zustände sind mit dem ksl. Reichslandfrieden unvereinbar und können nicht geduldet werden. Befiehlt ihnen deshalb, bei ihren Amtleuten und Pflegern zu verfügen, dass sie ihr besonderes Augenmerk auf das Räuberunwesen richten. ŠFalls Goslar sich dagegen zur Wehr setzt, den Tätern nacheilt und dabei um Hilfe bittet, soll diese jederzeit gewährt und gegen die Täter, sollten diese sich in ihren Territorien aufhalten, gemäß der Landfriedensordnung verfahren werden. Dies dient der Sicherheit der Straßen und der Vorbeugung gegen weitere Straftaten.

    «4.24. Reichsstadt Worms  »

    «Nr. 380 Reversbrief Ks. Maximilians für den ksl. Rechenmeister Nicasius Hackeney – Worms, 24. April 1509 »

    Worms, StdA, 1 A I, Nr. 672 (Or. Perg. m. anh. S., Vermm. prps./amdip., Gegenz. B. Hölzl, Registraturverm. M. Khuen [?]) = Textvorlage A. Wien, HKA, Gedenkbücher 17, fol. LXXX (Notiz).

    Regest: Reuter, Kaiser- und Königsurkunden, Nr. 41, S. 91f.

    Er hat die Stadt Worms für 4000 fl.rh., die er noch seit dem letzten Reichstag schuldig ist1, an seinen Rat und Rechenmeister Nicasius Hackeney (Hagkanay)verwiesen. Dieser sollte ihnen die Schuld aus dem von ihm einzusammelnden Jubelablassgeld begleichen. Doch hat er, der Ks., Hackeney genehmigt, mit dem Geld zuerst andere Schulden zu bedienen.

    Für den Fall, dass diese Gelder nicht zugleich dafür und für die Begleichung der ksl. Schulden bei Worms ausreichen und Hackeney dennoch die Schuld bei der Stadt vollständig übernimmt, ist dieser befugt, die Differenz aus dem von Jakob Fugger in Augsburg entgegenzunehmenden Jubelablassgeld zu begleichen. Der Stadt darf daraus kein Nachteil entstehen.2

    «5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte  »

    «5.1. Kaiser Maximilian  »

    «Nr. 381 Weisung Ks. Maximilians an den Reichserbkämmerer, ksl. Hofmeister und Hauptmann zu Hohenburg, Gf. Eitelfriedrich von Zollern – [Worms, wohl 24. April 1509] »

    Vertretung des Ks. auf dem Reichstag.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV/38, Fasz. 2f, fol. 275’ (Konz.).

    Maximilian etc. Wolgeborner, lieber getr[euer]. Wir fuegen dir zu vernemen, daz wir uns yeczo etlicher merklichen noturften und sachen halben von disem reichstag erheben muessen. Damit aber nichtdestminder unser und des Hailigen Reichs obligend sachen, darumb wir dann solhen reichstag ausgeschriben, furgenomen und daryn gehandelt werde, haben wir dich mitsambt andern unsern raten, an unser stat auf solhem reichstag hie zu sein und zu handeln verordent. Und begern darauf an dich, mit ernst bevelhend, daz du dich zum furderlichsten erhebest und on verziehen den negsten her gen Wormbs reitest, daselbs du ander unser rate, auch instruction und bevelh, was du mitsambt inen von unsern wegen hie handeln sollest, finden wirdest, und in kainen weg hieryne verziehest noch ausbeleybest, dann ain guter tail unser und des Hailigen Reichs curfursten, fursten und stande in aigner person hie sein und noch ankomen. So wirdest du hie nit lang aufgehalten. Und umb die zerung, so dir auf solhe rayß get, wellen wir uns gnediglich mit dir vertragen. Und wir wellen uns des entlichen zu dir verlassen und du tust uns daran sonder gut gefallen und unser ernstliche maynung. Datum.1

    «Nr. Š382 Weisung Ks. Maximilians an den ksl. Rat und Reichshauptmann zu Regensburg, Sigmund von Rorbach – [Worms, wohl 24. April 1509] »

    Vertretung des Ks. auf dem Reichstag, Verhandlungen über Angelegenheiten Regensburgs.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV/38, Fasz. 2f, fol. 274 (Konz.).

    Maximilian etc. Lieber getreuer. Nachdem wir dir vor verschinen tagen geschriben und bevolhen haben, dich der von Regensburg und ander sachen halben her gen Wormbs zu fügen1: Wiewol wir nu aus etlichen merklichen noturften und ursachen von hyn verruckt sein, so ist doch nochmals unser ernstlicher bevelh, daz du dich nichtdestminder on verziehen hieher fuegest, inmassen wir dir dann vor geschriben haben. So wirdest du hie ander unser rate und beschaid finden, was du mitsambt inen von unsern wegen hie handeln sollest. So haben dieselben unser rate auch von uns bevelh, in den sachen, der von Regensburg halben, was sich der noturft nach gepurt, zu handeln.2 Und in solhem nit seumig noch ungehorsam erscheinst. Das ist etc. Datum.

    «Nr. 383 Ks. Maximilian an Costantino Arianiti (Fragment) – [Speyer?], 24. April 1509 »

    Einzug Ks. Maximilians in Worms (21. April), Eröffnung der Reichstagsverhandlungen durch den Ks. (22. April); Reichsbelehnungen für die Kff. von Mainz und Köln sowie für den Bf. von Lüttich (23. April); Erklärung der Reichsstände; Abreise Ks. Maximilians aus Worms (24. April).

    Wien, HHStA, Maximiliana 42, Fasz. IV/4, fol. fol. 100–103’, hier 103’ (lat. Konz.) = Textvorlage A.

    /103’/ Sicuti per fratrem Augustinum1 significavimus tibi de ingressu nostro in Wormatiam, qui fuit XXI. istius, intrarunt nobiscum tres principes electores ecclesiastici et quartus [comes] pallatinus [Kf. Ludwig] et complures alii principes. Ibidem etiam comperimus aliquos principes etiam et status Imperii. Postera die [22.4.] ingressus nostri proposuimus principibus. Altera die [23.4.] iterum proposuimus et concessimus regalia Maguntino, Coloniensi et Leodiensi. Eadem die nobis fuit responsum [Nr. 260, Pkt. 4] benigne eo modo et forma, quod indubitanter speramus habere bonum auxilium ab imperialibus. Sed cum dux Saxonie [Kf. Friedrich] et aliqui alii principes nondum huc advenerint, sunt tum in propinquo, ipsis advenientibus statuent de modo et forma istius auxilii. Quod Šcum ita cito fieri non possit, laboramus [et] adhibemus dilligentiam, ut maior pars istius auxilii acceleretur, reliqua subsequatur. Peractis hiis XXIIII. istius disces[s]imus ex Wormatia et venimus huc continuantes iter nostrum versus Tirolim, ubi speramus te comperire cum provisione, de qua scripsimus tibi. [...].

    «Nr. 384 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die anderen Reichstagskommissare – Speyer, 26. April 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 61–61’ (Kop.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 85’–86 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = B.

    Der ksl. Rat Johann Storch hat sich bereits mehrmals wegen des ihm während des Konstanzer Reichstages durch Hans von Emershofen und ebenfalls in Konstanz, aber auch bei anderen Gelegenheiten durch Ambrosius Dietrich zugefügten Unrechts beklagt. Er, der Ks., konnte jedoch wegen anderer Obliegenheiten in dieser Sache bislang nichts unternehmen. Damit Storch nicht das Recht verweigert wird, befiehlt er ihnen, aus dem Kreis der von diesem benannten Personen unparteiische Richter auszuwählen und sie mit einer Kommission zu betrauen, wie sie Storch schon früher gegen Emershofen bewilligt worden war. Sie sollen außerdem die Ausfertigung eines Mandats an Dietrich veranlassen, das diesem die weitere unangemessene Verfolgung seiner Schuldforderung gegen Storch1untersagt. Der ksl. Fiskalprokurator [Christoph Moeller] soll darüber hinaus Weisung erhalten, für den Fall der Missachtung dieses Mandats unverzüglich gegen Dietrich zu prozessieren.

    «Nr. 385 Der ksl. Sekretär und Protonotar Johann Storch an Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden – Speyer, 27. April 1509 »

    Klage gegen Johann von Kriechingen.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 1’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.).

    Wolgeborner, genediger herr. Mir hat mein herr, der canzler [Zyprian von Serntein], bevolhen, e. Gn. zu schreiben, nachdem herrn Johann von Krichings tag morgen, sambstags [28.4.], sein wurde, ob sie erschinen oder ansuchen werden, das e. Gn. aus ksl. Mt. sonderlichem bevelch die zeit funf oder sechs tage ungevarlich erstrecken wolle. Mitlerzeit werde die instruction [Nr. 267, Pkt. 23] und ander bevelch deshalb zukumen. Das hab ich e. Gn. in eil nit verhalten wollen. Geben Speir, freitags nach misericordias Domini anno etc. im neunten. E. Gn. williger Johann Storch.

    «Nr. Š386 Weisung Ks. Maximilians an den ksl. Sekretär Georg Mosbach – Bruchsal, 28. April 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 94 (Konz. mit ex.-Verm.).

    [1.] Übersendet ihm eine ksl. Quittung über die Frankfurter Stadtsteuer. Befiehlt ihm, das Geld von den Frankfurter Gesandten in Worms einzufordern. Sobald es ihm ausbezahlt wurde, soll er gemäß dem in seinen Händen befindlichen Zahlungsplan (stat)damit verfahren.1

    [2.] Übersendet ihm außerdem zwei Schreiben an den ksl. Wundarzt Valentin Poltz. Das erste soll er unverzüglich in die ksl. Herberge „Zu der Kanten“ in Oppenheim weiterleiten und den Wirt anweisen, es nach dessen Ankunft an Poltz auszuhändigen. Das zweite Schreiben samt den für diesen bestimmten 50 fl. soll er, Mosbach, nach dessen Eintreffen in Worms an Poltz übergeben.2

    «Nr. 387 Weisung Ks. Maximilians an Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden – Stuttgart, 30. April 1509 »

    Beitrag Gf. Johann Ludwigs von Nassau-Saarbrücken zu den Reichshilfen von 1505 und 1507.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 100 (Konz. mit ex.-Verm.).

    Übersendet ihm eine Quittung über den Anteil Gf. Johann Ludwigs von Nassau-Saarbrücken an den in Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen.1Zwar wurde bislang nur ein Teil der Summe bezahlt2, doch hat er dem Gf. den Rest erlassen, weil er sich zum einen bereit erklärt hat, die ihm aufgetragene Mission bei Kf. Friedrich von Sachsen aus eigenen Mitteln zu bestreiten, und zum anderen dem ksl. ŠReichsvogt in Donauwörth und Weißenburg, Balthasar Wolf von Wolfsthal, eine Schuld von 5000 fl. stundet. Demnach emphelhen wir dir, sover bemelter von Nassau solhen zug also auf sein costen zu tun, nachdem er, dieweil gedachter von Sachsen numals auf dem weg gen Wurmbs ist, nit verrer zu reiten bedarf, verwilligen und ziehen wurd, daz du im alsdann solhe quittung zu seinen handen uberantwurtest; wo er aber solhs nit tun wolt, uns alsdann dieselb quittung gewisslichen widerumb zuschickest.

    «Nr. 388 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden und andere ksl. Reichstagskommissare – Stuttgart, 1. Mai 1509 »

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 102–102’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken hat – auch im Namen Gf. Philipps von Solms und Gerlachs von Isenburg – vorgebracht, dass ihr Diener [Johann] Rockenhäuser auf Veranlassung der [Wild- und] Rheingfin. [Johannetta] zu Dhaun (Thuen)und ihrer Söhne [Philipp und Johann] in sware vanknuß gepracht und etwas strencklich gegen im gehandelt worden sey, und gebeten, sich um dessen Freilassung zu bemühen. Die Angelegenheit ist wichtig, da die Rheingff. Rockenhäuser schwerer Vergehen beschuldigen. Sie sollen deshalb eine Anhörung durchführen. Befiehlt ihnen, die Parteien vorzuladen, anzuhören und als seine Vertreter nach eigenem Gutdünken zu verfahren. Gf. Johann Ludwig hat gebeten, Rockenhäuser für die Anhörung auf freien Fuß zu setzen. Dies erschien ohne Wissen der Rheingff. und eine vorherige Klärung durch sie, die Reichstagskommissare, nicht tunlich. Falls sie darum ersucht werden, sollen sie nach Anhörung der Parteien entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen Rockenhäuser freikommt und zur Anhörung zugelassen wird, damit möglichst rasch ein Ausgleich zustande kommt. Gf. Johann Ludwig hat die Stellung einer Bürgschaft von bis zu 10 000 fl.rh. angeboten.1

    «Nr. Š389 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg und Erasmus Topler an Ks. Maximilian – Worms, 3. Mai 1509 »

    Bitte um Zusendung ihrer Instruktion für die Reichstagsverhandlungen.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 2 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.).

    Allerdurchleuchtigister etc., eur ksl. Mt. seien unser untertenig und willig dinst etc. Allergenedigister herr, nachdem euer ksl. Mt. auf mich, Casimirus, marggrave zu Brandenburg etc., mitsambt etlichen andern ainen gemainen bevelch gestelt und solichem zu Wormbs auf gehaltem reichstage außzuwarten, tun wir euer ksl. Mt. wissen, das auf solichen bevelch allain wir hie zu Wormbs erschinen und die anderen verordenten1 nochmals aussen sind, nichts auch von inen diser zeit vernomen. Uns ist auch kain instruction noch sigl zukumen laut eur ksl. Mt. abschide, deßhalben wir nichts fruchbars und erschießlichs handeln konnen und auch hie schimpflich zu ligen sein will. Das auch vil parteien, so auf disen reichstage und fur euer ksl. Mt. beschaiden, kain abfertigung erlangen mogen und den churfursten, fursten und anderen stenden des Reichs beschwerlich, das mit inen nichts gehandlt wurdet. Solichem nach bitten eur ksl. Mt. wir unterteniglich, wolle uns deßhalben gnedigen beschaid zuschicken, domit die zeit nit vergebens verlauf, und was uns hierin zu handeln und zu lassen sey. Solichs haben wir eur ksl. Mt. zu erkennen geben und in eil nit wellen verhalten. Datumb Wormbs am III. tage May anno etc. im neunten.

    E. ksl. Mt. gehorsamer und undertenig Casimirus, marggrave zu Brandenburg etc., Adolf Gf. zu Nassau etc., Sigmund von Fraunberg etc., Erasm Dopler, bropst etc.

    «Nr. 390 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg und Erasmus Topler an Ks. Maximilian – Worms, 5. Mai 1509 »

    [1.] Einwände gegen die geplante Verlegung des Reichskammergerichts nach Worms; [2.] Vorschlag zu Beratungen über das Reichskammergericht auf dem Reichstag (Tagungsort, Ersetzung der ausgeschiedenen Beisitzer, Qualifizierung der Beisitzer, Finanzierung des Gerichts, Abstellung von Missständen).

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 108–108’, 109’ (Or. m. Resten von 2 Ss.; Vermm.: Ks. in veld zu vermanen. Sernteiner zu geben brief von Wormbs.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 7’–8 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    Š[1.] Allerdurchleuchtigister, grosmechtigister keyser, eur ksl. Mt. unser undertenig, schuldig und gehorsam dinst stets zuvor. Allergnedigister herr, wir vernemen, eur ksl. Mt. ir camergericht yetzo her gen Worms zu verrugken verschafft haben. Wiewol nu bey uns und meniglichem billich kein zweifel ist, das solhs euer ksl. Mt. halben nit on sonder ursach und guter bewegnus also angesehen worden sey, so will doch, wie wir aus teglicher umbgeenden reden vermerken und ermessen, beym gemeinen man, das die camergericht diser zeit und vor entlicher hinlegung der zwitrecht zwischen der briesterschaft und burgern hie sollen hergelegt werden, zusambt dem, das solhs dem besluss und abschid zu Costenz1 zuwider oder ungemess ist, fur sorglich und darfur angesehen werden, das es on hinlegung und vertrag yetzgemelter zwitrecht nicht wenig verhindrung geperen mochte. So wellen auch vil menschen, sonderlich die paß2 gelerten und verstendigen, irer conscients halb scheuhen haben, in solhen swebenden zwitrechten hie zu wonen. Zudem, so horen wir klag und beswerung der camergerichtsperson halben in ubersetzung der hauszins, wie dann vormals, als die camergericht hie gehalten worden3, auch allerlay beswerung und irrung mit den gerichtspersonen, von den burgern hie furgenomen, erschinen seien.

    [2.] Allergnedigister herr, dieweil nu eur ksl. Mt. bewegend ursachen zu obbemeltem gescheft uns noch unwissend seien, haben wir als die, so e. ksl. Mt. und des Reichs eere und nutz, wie wir schuldig seien, gern furdern wolten, obberurten ursachen und begeg[n]ungen eur ksl. Mt. zu ermessen nit wellen verhalten, und sehen demnach fur gut und not an, daz eur ksl. Mt. beschaid tete, mit den stenden des Reichs, so yetzo hie seien, zu handlen von der malstat, es wer zu Speyr oder Frankfort, bis zu hinlegung bemelter irrung, auch von erstattung der abgezogen beysitzer, von pesserer und statlicher besetzung, bestendlicher erhaltung, auch andern gebrechen und notdurft des camergerichts. Und das solhs zum allerfurderlichisten beschehe, in ansehung und zu verhuetung des beswerlichen costens der gerichtspersonen, die sich nu, als wir gedenken, herzuziehen erhebt haben, wo sy sich mit iren hausgereten yetzo hie niderlassen und geleich widerumb abziehen solten. Wellen darauf eur ksl. Mt. gemuet und antwurt bey disem bostboten wertig sein. Datum Worms am funften tag des monats May anno etc. im neunten.

    E. ksl. Mt. gehorsam und undertenig Casimirus, marggraf zu Brandenburg etc., Adolf, graf zu Nassau, her zu Wispaden, Sigmund von Fraunberg, Frh. zum Hag, und Erasm Topler etc.

    «Nr. Š391 Instruktion Ks. Maximilians für seine Reichstagskommissare Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg zum Haag und Erasmus Topler zu Verhandlungen mit Kf. Friedrich III. von Sachsen, Hg. Erich I. von Braunschweig-Calenberg und Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach – Mindelheim, 7. Mai 1509 »

    [1.] Bitte an Kf. Friedrich von Sachsen um Übernahme der obersten Feldhauptmannschaft oder [2.] Wahrnehmung der Reichsstatthalteramtes; [3.] alternativ Bitte an Hg. Erich von Braunschweig um Übernahme der obersten Feldhauptmannschaft und [4.] Verhandlungen mit Mgf. Kasimir von Brandenburg über das Statthalteramt; [5.] gegebenenfalls Einschaltung der Reichsstände in die Verhandlungen mit Hg. Erich und Mgf. Kasimir.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 100–101 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 120–121 (Konz. mit ex.-Verm.) = B.

    Maximilian, ae[rwählter] von Gotts gnaden romischer kayser etc.–a

    Instruction, was die wolgebornen, edeln, ersamen, unser und des Reichs lieben getreuen und andechtigen Adolf, graf zu Nassau, herr zu Wießbaden, Sigmunden von Fraunberg, fryher zum Hagen, und doctor Erasme Duppler, bro[p]st zu sant Sebold zu Nuremberg, unsere rete, samentlich und sunderlich von unsern wegen bey und mit dem hochgebornen Friderichenb, herzogen zu Sachsen, landgraven in Doringen und marggraven zu Meissen, des Heiligen Romischen Reichs erzmarschalk, Erichen, herzogen zu Braunsweick und Lunenburg, und Casimiren, marggraven zu Brandenburg, zu Stettin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggraven zu Nuremberg und fursten zu Rugen, unser lieben oheymen, churfursten und fursten, handeln und werben sollen.

    [1.] Erstlich sollen sy mit bemelten herzogen Friderichen von unsern wegen handeln und ine mit allem fleiss ersuchen und bitten, das er uns zu besonderm gefallen und in ansehung unser gelegenheit und notdurft, dieser zeit vor augen, auf die handlung und anslag des yetzigen Reichs tag zu Wormbs des Reichs obrist veldc-haubtmanschaft annemen und sich darin gutwillig erzaigen. So wölten sy dem sunderliche bevelh nach, so sy deßhalben von uns hetten, so sein liebe darein verwilligen wurde, als fur sich selbs mit den stenden des Reichs handeln, sein liebe deßhalben in sonderheit zu besuchen und zu bitten, solich Šhaubtmanschaft anzunemen, und mit ime deßhalben besluss und abrede zu machen.

    [2.] Wo aber sein lieb solichs abschlagen und nit annemen wurde, alsdann ine auf das fleissigst zu ersuchen, das stathelterampt auf form und maß, wie man sich des mit ime vertragen wurde, anzunemen, und sonderlich, wo es den stenden und seiner liebe gemeint sein wurde, nach inhalt der abrede, verschreibung und vertrag, auf dem negstgehalten Reichs tag zu Costenz deßhalb aufgericht1.

    [3.] Und sy sollen der haubtmanschaft halben ferrer mit dem bemelten herzogen Erichen von Braunschweick handeln und ine dermanen, das er sich gegen uns bewilligt hab, mit uns zu ziehen und uns unser furnemen helfen zu volbringen. Und dieweil die gedacht haubtmanschaft furgefallen, sey unser ernstlich begere, das er dieselb haubtmanschaft annemen und byß zu beschluß des Reichs tags zu Wormbs daselbst verharren und bleiben und das vo[l]k, das uns laut des anschlags zu schicken zugesagt, in den zug bringen woll, damit, so solicher anfang durch–d ine gemacht, yederman sich dest furderlicher zu der sachen schicken werde. Und uns zu gefallen solichs nit abschlagen. Wolten sy, ob ine not und gut bedeucht, solichs an die stende des Reichs gelangen lassen, die mit ime auch davon handeln und entlichen beschliessen wurden.

    [4.] So dann der gedacht herzog Fridrich das stathalterampt auch abslagen wurde, des wir uns doch nit versehen wollen, alsdann söllen sy marggraven Casimirene deßhalb ansuchen, mit ime fvon unsern wegen ernstlichen–f davon handeln und allen fleis ankeren, ine zu bewegen, das anzunemen.

    [5.] So aber unser rete und commissarien der gemelten haubtmanschaft oder stathalterampts halben bey den gedachten herzogen Fridrichen zu Sachsen, herŠzog Erichen von Braunschweick gund marggrave Casimiren–g nichts erlangen mochten hund ir kainer der eins oder kains annemen wolt oder wurde–h, sollen sy alsdann mitsampt andern unsern reten und commissarien den stenden des Reichs solichs zu erkennen geben iund inen herzog Heinrichen und herzog Erichen von Braunsweick darzu ernennen, doch auf ir gefallen und verbesserung, das ir ainer ains, der ander das ander annemen wolt, wie sy das gut bedeucht, das ksl. Mt. inen heimsetzt–i. Und auf iren rat und gutbedunken mitsambt inenj weyter darin handeln, damit solich bede ambt zum besten bestellt und versehen und wir derhalben an unserm furnemen nit verhindert oder gesaumbt werden.

    Wie sy dann solichs alles mit weitern geschicklichen und notdurftigen reden und den besten fugen wol wissen anzuzeigen. Daran tun sy unser ernstliche mainung. Geben zu Mundelhaim am siebenden tag des monats May kanno Domini XVC im neunten, unsers Reichs, des Romischen im XXIIII. jaren–k.2

    «Nr. 392 Der ksl. Sekretär und Protonotar Johann Storch an Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden – Kaufbeuren, 11. Mai 1509 »

    Zusendung von Verhandlungsunterlagen für die ksl. Kommissare; Ankündigung seiner Ankunft in Worms.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 2’–3 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.; präs. Worms, 14.5.1509).

    Wolgeborner, genediger herr. E. Gn. sind mein undertenig, willig dinst alzeit bevor. Auf heut in der zwolften stund in mittemtage bin ich mit disen gegenwurtigen instruction, credenzen und brifen, auch sigl und secreten von ksl. Mt. abgefertigt. Dweil sich aber solich abfertigung, wiewol wider meinen willen, vast lang verweilt und ich fursorg trage, das die stend des Heiligen Reichs, ytzo zu Wormbs versamelt, aus dem langen verzug verdries und unwillen emphahen mochten, domit dan solichs zum tail abgewendet, auch die zeit nit vergebenlich hinbracht und etwas gehandlt werde, han ich dise beyligende brif e. Gn. auf der post, die dan zwaier oder dreyer tage ee, wan ich gein Wormbs komen mage, wegegeschickt und ime geben, nemlich ain instruction, auf mein geneŠdigen herrn, marggrave Casimiren, e. Gn. und doctor Doplern lautende1, und credenz, dobey verleibt. Item ain lange instruction [Nr. 267] von XXVII artikln, dobey ain gemaine credenz an die ganz versamblung [Nr. 265], funf credenz auf den zwelften und siben credenz auf den XXVI. artikl [Nr. 374], darin begriffen, dienende und dobey noch ain gemaine instruction von VI pletter [Nr. 266]. Und ist ksl. Mt., unsers allergenedigisten herrn, maynung, das ir mitler zeit auf solich instruction werbung tun und inhalt derselben bey gedachten stenden handlen sollent bis auf mein zukunft. Dan ich, ob Got wil, morgen hie außreiten und sigl und secret mit mir bringen, mich auch unterwegen nit vil saumen will. Bekenn mich doch, on mein schuld lang verzogen haben. Solichs mogen e. Gn. anderen meinen herrn, den reten, auch anzaigen und die parteien dweil mit guten fugen aufhalten. Verhoff ich, was durch solichen verzug bißhere geseumbt ist, sol durch guten, emsigen vleis wider einbracht und erstat werden. Das han e. Gn. ich nit verhalten wellen, sich darnach haben zu richten. Der ich mich underteniglich tue bevelhen. Datum vast eylend zu Kaufpeuren am XI. tage May anno etc. nono. E. Gn. williger Johann Storch.

    «Nr. 393 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die anderen Reichstagskommissare – Kaufbeuren, 14. Mai 15091 »

    Übersendung päpstlicher Schriftstücke an die Kommissare.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 16 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; irrtümliche Datierung auf den 24.5.) = Textvorlage A.

    Er übersendet ihnen beiliegend zwei päpstliche Breven an die geistlichen und weltlichen Kff.[Nr. 272], die sie unverzüglich weiterleiten sollen. Sofern sie dies für erforderlich halten, sollen sie ihn über die Reaktionen darauf unterrichten. Er seinerseits wird sie dann innerhalb weniger Tage über seine Meinung dazu informieren.

    [PS] Seinem Schreiben liegt außerdem zu ihrer Information eine Abschrift des einen Breves bei. Soweit ihm bekannt ist, stimmt es mit dem anderen Breve überein. Das ebenfalls beiliegende gedruckte päpstliche Ausschreiben (monitorium)gegen Venedig2ist der Reichsversammlung vorzulegen.

    «Nr. Š394 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die anderen Reichstagskommissare – Kaufbeuren, 14. Mai 15091 »

    Aushändigung der Jubelablassgelder an die Fugger als päpstliche und ksl. Bevollmächtigte.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 79–79’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 11’–12 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. wie A) = B.

    Hochgeborner, wolgebornen, edel, ersamen, lieben, andechtigen und getreuen. Wiewol wir in unser grossen und gemeinen instruction, euch zugesand, in dem zweinzigisten artikel des jubelgelds halben anzaigung und bevelh getan [Nr. 267, Pkt. 20], so haben wir doch mitler zeit der sachen weyter underrichtung empfangen, nemlich also: Als weylend der cardinal von Gurk [Raimund Peraudi] des vergangen jubiljar in teutzschen landen allenthalben publicirt, hat er von vil stetten und comunen, als wir glaublich bericht sein, verschreibung genomen, das sy solch jubilgeld ausserhalb unsers heiligen vater babst, unsers, des Heiligen Reichs und des Reichs rate, dazumal zu Nuremberg gewest, wissen und willen nymants hinausgeben sollten. Darumb, so wil unser merkliche notturft erfordern, als wir auch euch hiemit ernstlich bevelhen, das ir von gemeiner versamblung zu Wormbs von unsern wegen ernstlich mandat und gebotsbrif in der besten form erlangt und außbringt, auch darin narrirn lasset, wie die bebstlich heiligkait und wir uns von wegen alles jubilgelts in dem ganzen Reich vertragen und wir bede darauf den Fugkern zu Augspurg bevolhen hetten, dasselb jubilgeld allenthalben zu erfordern, einzubringen und zu empfahen und furter unser beder bevelh und verwilligung nach außzugeben. Und das dieselb versamblung darauf ernstlich und, ob sy not und gut bedeucht, bey ainer pene oder comminacion [= Strafandrohung] gebiete, das yederman solich jubilgelt den Fugkern oder yren bevelh- oder gewalthabern verfolgen lasse, unangesehn und ungehindert, das sich ir etlich villeicht verschriben mochten haben, das solchs alles mit des Reichs rat zu Nuremberg wissen bescheen solt. Und solchs mit gutem vleiss handelt. Daran tut ir unser ernstliche meynung. Geben zu Kaufbeyern am XIIII. tag May anno etc. nono, unsers Reichs, des Romischen im XXIIIIten jaren.

    «Nr. Š395 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die anderen Reichstagskommissare – Kaufbeuren, 14. Mai 15091 »

    Verhandlungen mit den Reichsständen über die Streichung Hg. Wolfgangs von Bayern aus dem Reichsanschlag.

    München, HStA, KÄA 1242, fol. 23 (Kop.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 18–18’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = B. München, HStA, KÄA 3137, fol. 139’ (Kop.) = C.

    Maximilian etc. Hochgeborner, lieber oheym und furst, wolgebornen, edlen, ersamen, andechtigen und lieben getruen. Wir schicken uch hiemit ain suplication [Nr. 370], uns von dem hochgebornen Wilhelmen pfalzgraven bei Rhein, herzogen von Bairen, unserm lieben vettern und fursten und seinen zugeordenten vormundern des anslags halben, unserm oheym und fursten herzog Wolfgangen von Bairn auf jungstgehaltem reichstag zu Costenz aufgelegt, uberantwurt, der inhalt ir mit angezeigtn beswarungen zu vernemen habt. Und nachdem wir bei uns selbs ermessen, das sein lieb solhs furtrags und begerens beweglich ursach hat, auch der nachteil und last kunftiglich auf ine wachsen wurd, darumb emphelhen wir uch ernstlichn, das ir solhe sein notturftig beswarde den stendn des Reichs furderlich und mit dem pesten fuegen anzaigt und allen muglichn vleis ankert, adamit sein lieb fur herzog Wolfgangn als landsfurst seines furstentumbs Ober- und Nidernbairen kunftiglich angeslagen wird, ausgenomen solch landschaft, so di phalzgraven auch als herrn von Bairen in posseß seien–a. Nemlich und also weiter, das der berurt unser oheim und furst herzog Wolfgang in den ytzigen, auch kunftigen anslegen nit gesetzt oder angelegt wirde, wie dann das seiner gelegenhait nach die billicheit eraischet. Daran tut ir unser ernstlich meynung. Geben in unser und des Reichs stat Kaufpeuren am XIIII. tag des monads Mai anno etc. im neuntn, unsers Reichs im XXIIIIten jarn.

    «Nr. 396 Weisung Ks. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die anderen Reichstagskommissare – [Kaufbeuren, 14. Mai 1509]1 »

    Restitutionsforderung Kunos von Wallbrunn.

    München, HStA, KÄA 1242, fol. 23’ (Kop.) = Textvorlage A.

    Maximilian etc. Hochgeborner, lieber oheim und furst, wolgebornen, edlen, ersamen, andechtigen und lieben getr[euen]. Uns ist von wegen des hochgebornen Wilhelm, Pfgf. bei Rein, Hg. in B[ayern], unserm lieben vettern und Šfurstn, sachen halben, Conen von Walpronn, seinen haubtman zu Burkhausen antreffend, die hieringelegt schrift2 uberantwurt, mit unterteniger bitt, wie ir daraus vernemen werdent. Dieweil uns aber fueglichen gedunkt, das die inhaber der angezaigten gueter auf unser genedige handlung, so wir vormals in der sachen gehabt haben, zuvor gutlich ersucht werden, darumb so emphelhen wir ernstlichen, das ir von unsern wegen solcher sachen halben mit denselben inhabern handlet und guten vleis ankerent, damit dem ernenten Chonen seine entwerte guter widerumb zugestellt und eingeantwurt und weiter furnemens deßhalben nit not werde. Wo aber solhs nit beschehen wurde, uns alsdann gestalt der handlung mitsambt eurm rate und gutbedunken widerumb berichtet. Daran tut ir unsere ernstliche meynung. Geben in unser und des Reichs stat etc.

    «Nr. 397 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden und Sigmund von Fraunberg an Ks. Maximilian – Worms, 15. Mai 1509 »

    [1.] Eingang der ksl. Instruktionen für die Verhandlungen mit den Reichsständen; [2.] Ausbleiben der zusätzlichen ksl. Räte; [3.] Bitte um Geld zur Bezahlung von Boten zu den abwesenden Reichsfürsten.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 137–137’ (Or. m. 2 Ss.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 3’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    [1.] aAllerdurchleuchtigister, grosmechtigister kaiser, eur kayserlichen maiestat seien unser gehorsam, undertenig und willig dinst alzeit bevor. Allergenedigister herr–a, uns sind am montag, den vierzehenden tag May, von eur ksl. Mt. auf der post instruction [Nrr. 266f.] [und] credenzbrief [Nr. 265] zukumen, die wir underteniglich emphangen und irs inhalt vernomen haben. Und wellen morgen, den sechzehenden tagb, den churfursten, fursten und andern stenden des Reichs solh credenz uberantwurten und instruction furhalten, auch furter auf die antwurt verfolgen, nach laut der instruction kainen vleis sparen. Was dann zu antwurt gefallen und wer bey dem furtrag und verhore sein wirt, e. ksl. Mt. eylends zuschigken und zu erkennen geben wellen.

    [2.] Allergenedigister herr, e. ksl. Mt. geben wir auch underteniglich zu erkennen, das noch bisher nit mer dann unser vier zu Worms seien und die andern von reten noch nit ankumen sein.

    Š[3.] Verrer, allergenedigister herr, was fur fursten und stende noch nit hie seinc, wellen wir unverzogenlich beschreiben. E. Mt. welle auch gelt zu potenlon, die dann an vil ort nach den fursten geschigkt werden, verordnen. Solhs haben wir e. ksl. Mt., dder wir uns underteniglich bevelhen–d, nit wellen verhalten. Datum zu Worms am XV. tag des monets May anno etc. im neunten.

    E. ksl. Mt. gehorsamer und undertenigen Casimirus marggrave zu Brandenburg etc., Adolf grave zu Nassau etc. und Sigmund von Fraunberge.

    «Nr. 398 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden und Sigmund von Fraunberg an Ks. Maximilian – Worms, 16. Mai 1509 »

    [1.] Vortrag und Übergabe der ksl. Kredenz und Reichstagsinstruktionen an die Reichsstände; [2.] Prüfung der reichsständischen Vollmachten durch die ksl. Kommissare; [3.] Umsetzung der nicht den Ständen vorgelegten Artikel der zweiten ksl. Instruktion; [4.] Übersendung der kurbrandenburgischen Vollmacht an den Ks.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/20, fol. 121–121’, 135’ (Or. m. Spuren von 2 Ss.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 4–4’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    [1.] Allerdurchleuchtigister, agrosmechtigister keiser, eur ksl. Mt. seyen unser undertenig, gehorsam und willig dinst allzeit unersparts vleiss. Allergnedigister herr–a, eur ksl. Mt. tun wir underteniglich zu vernemen: Nachdem eur ksl. Mt. uns instruction und credenzbrief uberschickt, haben wir die auf heut dato, den sechzehenden tag May, den churfursten, fursten und stenden des Reichs, sovil der hie zu Worms versamelt sein, inhalt beygelegts zetls furgehalten, anbracht und ubergeben. Und dweil nu die ain instruction [Nr. 266] lang, eur ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche vil daran gelegen ist, haben wir dieselben, auch aus der andern instruction [Nr. 267] etlich artikel, damit in den worten nichts versaumbt werd, antreffend die churfursten und stende, in schriften [Nr. 268] uberantwurt. Darauf churfursten, fursten und stende des Reichs uns zu antwurt geben, auf freitag nach ascensionis Domini [18.5.] umb ain ur nachmittag wellen sy sich auf unser anbringen, eur ksl. Mt. begern und unser instruction bedenken. Achten wir fur ursachen, dweil die churfursten, fursten und ander noch nit all erschinen und hiezwischen obgemelt stende sich mit iren reten besprechen und ratslagen werden, uns auf freitag obgemelt furter ir meynung zu erkennen geben. Solhs eur ksl. Mt. wir nit verhalten wellen.

    Š[2.] Allergnedigister herr. Wir haben auch heut von allen stenden und geschickten botschaften ire gewalt begert, die zu sehen und horen, ob ain yeglicher genugsam sey. Wirdb dann mangel befunden, eur ksl. Mt. bey der nechsten posten wissen zu lassen.

    [3.] Wellen auch mittlerzeit die artikel, so in der andern instruction [Nr. 267] begriffen, auch furnemen und nach allem unserm vermogen kein vleis sparen.

    [4.] Eur ksl. Mt. schicken wir auch hiemit copey des churfursten marggraf Joachims von Brandenburg etc. gewalt [Nr. 230] zue. Und befinden darin, bezaichnet bey dem X, ain punct, den wir on eur ksl. Mt. willen und wissen nit annemen bedurfen. Und bevelhen uns cdarauf eur ksl. Mt. Geben zu–c Wormbs am XVI. tag des monets May anno etc. im neunten.

    E. ksl. Mt. gehorsamer und undertenig Casimirus, marggraf zu Brandenburg etc., Adolf, graf zu Nassau, dher zu Wispaden, und–d Sigmund von Fraunberg, efreyherr zum Hag–ef.

    «Nr. 399 Weisung Ks. Maximilians an die Reichstagskommissare – Mindelheim, 19. Mai 15091 »

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 80–80’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. J. Renner) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 15’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 40 (wie A) = C. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop. mit imit. Verm. prps.).

    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 964, S. 762.

    Der frz. Kg. hat ihm heute geschrieben, dass er am 14. Mai [bei Agnadello] eine Schlacht gegen die Venezianer ausgetragen, mit Gottes Hilfe das Feld behauptet und die Schlacht gewonnen hat. Er habe einen ihrer obersten Hauptleute2gefangengenommen und viele weitere Gefangene gemacht. Der ksl. Gesandte beim frz. Kg. meldet als Augenzeuge dieser Schlacht 4000 getötete Venezianer.3In einem Schreiben des Postmeisters des frz. Kg. ist sogar von 10 000–12 000 erschlagenen Šund gefangenen Feinden die Rede.4Auch habe der frz. Kg. 40 Geschütze erbeutet.5Laut seinen Informationen umfasste das venezianische Heer in dieser Schlacht ca. 20 000 Mann, die Franzosen waren nur wenig stärker. Befiehlt ihnen, dies den Reichsständen mitzuteilen.6

    «Nr. 400 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg, Erasmus Topler und Ludwig Vergenhans an Ks. Maximilian – Worms, 22. Mai 1509 »

    [1.] Ankunft von Teilnehmern am Reichstag, Eintreffen ksl. Weisungen und Zeitungen, Vortrag der Kommissare an die Reichsstände, Sessionsstreitigkeiten der Reichsstände; [2.] ausstehende Antworten der Reichsversammlung zur Venedighilfe und einzelner Fürsten wegen der Bereitstellung von Reiterkontingenten; [3.] Anmahnung einer ksl. Antwort auf frühere Berichte der Kommissare.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 144–144’ (Or.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 14’–15 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    [1.] Allerdurchleuchtigister, agrosmechtigister keiser, eur ksl. Mt. sind unser undertenig, gehorsam und willig dinst allzeit bevor. Allergnedigister herr–a, euer ksl. Mt. tun wir underteniglich zu vernemen, erstlich, wie das unser oheimen, genedigisten und gnedigen herrn, der bischove von Collen, am sambstag, den neunzehenden tage May, herzog Fridrich von Sachsen am XXI. tag, herzog zu Wirtemberg am XX. tag und herzog Hans von Bayrn auch am XX. tag obgemelts monets hieher gein Worms kumen. Und so ist uns darnach am XXII. tag auf der post von euer ksl. Mt. breve monitoria [Nr. 272], neu zeitung1 und bevelhbrief des jubilgelts halben [Nr. 394] zukumen, die wir Šin aller undertenigkait emphangen und des tags den churfursten, fursten und andern stenden des Reichs solh neu zeitung, breve monitoria und bevelhbrief des jubilgelts verkundt und furbracht. Und bey diser solher werbung sind die churfursten, fursten und andere stende gestanden, wann sy der session und stands nit ainig gewest und bey zwayen stunden ungeverlich der session halben retig damit umbgangen und noch nit entslossen seien.

    [2.] Allergnedigister keyser, auf solh werbung und ander eur ksl. Mt. zugeschickt instruction [Nrr. 266, 268], auch ander sonderlich werbung und artikel [Nr. 267, Pkt. 12] ist uns kein antwurt von den churfursten, fursten und stenden des Reichs noch nit gefallen. Sopald uns aber antwurt wirt, als wir uns versehen, furderlich beschehen, die wir auch mit vleiss verfolgen, wellen eur ksl. Mt. wir solh antwurt furderlich bey der post zuschicken.

    [3.] Allergnedigister herr, eur ksl. Mt. haben wir mermals etlicher sachen halben geschriben, aber uns ist bisher von eur ksl. Mt. nye kein beschaid noch antwurt worden. Solhs wir euer ksl. Mt. nit haben wellen verhalten. Geben zu Worms am XXII. tag des monats May anno etc. im neunten.

    bE. ksl. Mt. gehorsam und undertenig Casimir, marggrave zu Brandenburg etc., Adolf, grave zu Nassau, Sigmund von Frauemberg, Erasm Tobler, brobst zu Nuremberg, Ludwig [Vergenhans], brobst zu Stutgarten–b.

    «Nr. Š401 Andreas Christian1 an Zyprian von Serntein – Worms, 22. Mai 1509 »

    [1.] Kritik am Ausbleiben Johann Storchs; [2.] Reaktionen der Reichsstände auf die übermittelten Neuigkeiten vom Venezianerkrieg.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 143–143’ (Or.).

    [1.] Die ksl. Kommissare und Räte sind wegen des Ausbleibens sowohl Storchs als auch einer ksl. Reaktion auf ihre Anfragen befremdet, auch auf etlich pessen [= Geleitbriefe], so sy ksl. Mt. zugeschickt, wan vil parteyen auf Storchen zukunft beschaiden und warten seind. Wan vil rede im rate der brif halben und Storchen aussenpleiben beschehen. Und wiewols im ksl. hofrat beschicht, bin ich doch meiner pflicht nach e. Gn. solichs ain klain anzaigung zu tun und nit verhalten wellen. Aus dem Schreiben an den Ks.[Nr. 400] wird er, Serntein, alles erfahren.

    [2.] Als den stenden des Reichs etc. die neu zeitigung [Nr. 399] verkundt worden, bin ich mit in der versamlung gewest. Seind warlich etlich hinder mir gestanden und gesagt, die rete haben solich mer erdicht. Hab darauf etlichen die brif und ksl. Mt. und e. Gn. hantzaichen geweist, also das sy dem glauben haben mussen geben.

    Datum eylends am XXII. tag May anno etc. nono. E. Gn. williger Endres Kristan.

    «Nr. 402 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Erasmus Topler und Ludwig Vergenhans an Ks. Maximilian – Worms, 24. Mai 1509 »

    Bitte um Belassung Sigmunds von Fraunberg auf dem Reichstag.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 153–153’ (Or. m. Resten von 2 Ss.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 1’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    Allerdurchleuchtigister, grosmechtigister keiser, aeuer ksl. Mt. seien unser gehorsam, undertenig und willig dinst allzeit bevor. Allergnedigister herr–a, uns ist angelangt, wie eur ksl. Mt. Sigmunden von Frauenberg, freyherrn zum Hage etc., mit instruction und bevelhbriefen in Niderland verorden welle. Nun ist on zweifel eur ksl. Mt. wol wissend, das bis auf heut dato bey mir, Casimir, marggrave zu Brandemburg etc., nit mer dann vier verordent rete mitsambt obgenanntem von Frauenberg hie erschinen. Wo eur ksl. Mt. dann den von ŠFrauenberg in Niderland schickenb, wie angezaigt, wurde schimpflich und klain anzal bey den stenden des Reichs anzusehen, wann der andern zugeordenten reten noch kainer nit ankumen ist.

    Bitten darauf, eur ksl. Mt. welle genannten von Frauenberg solhes bevelhs gnediglich erlassen und die sachen und bevelh, so eur ksl. Mt. uns zugeschickt und zum tail angefangen, darzu wir dann sein bedurfen, furderlich helfen ausrichten, damit eur ksl. Mt. bevelh dest furderlicher furgang gewynne. Wollten wir euer Mt. solhs nit verhalten. [Datum, Unterschrift].

    «Nr. 403 Dr. Ludwig Vergenhans an den ksl. Kanzler Zyprian von Serntein – [Worms], 24. Mai 1509 »

    [1.] Berufung Vergenhans’ nach Worms; [2.] Misserfolg Hg. Ulrichs von Württemberg bei der Anwerbung von Reitern für Ks. Maximilian; [3.] Eingang eines Schreibens Sernteins, Anberaumung von Verhandlungen zwischen Österreich und Württemberg.

    Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 151–151’ (eigh. Or. m. S.).

    [1.] Min willig dienst, lieber herr und gunder [= Gönner]. Wissen, daß mir min gnediger herr, margraf Casimirus zu Brandenburg, gen Stutgart geschriben hat, ich soll angesicht deß briefs gen Worms komen, von wegen ksl. Mt. alda helfen handeln, wie daß die instruckion [Nrr. 266f.] inhalt. Daß hon ich geton, damit nichts durch mich gesa[u]mpt wird. Und hon deß Storcken nit gewartet uß guter maynung.

    [2.] Wyter wissen in warhait, daß Wirttemberg ganz fliß und ernst gebrucht hat, ksl. Mt. die funfzig pfert zu schicken, aber hat nemen [= niemand] mogen ufbringen, wie ir daß uß sinem brief [Nr. 373] clarlich verston werden. Daß ist warlich also, dan ich daß gruntlich waiß, daß er ksl. Mt. zu gefallen die pfert geren geschickt hett, wa er sie hett mogen zuwegen bringen. Darum wollen den herzogen gegen ksl. Mt. warlich enschuldigen, daß solichs an im nit hat mangel gehabt, alß ir daß hernach erfinden werden.

    [3.] Uf mitwoch nach ascensionis [23.5.] haben der marschalk [Friedrich Beyer] und ich zu Worms uf zehen uwr oder stund morgeß uweren brief, unß bayden geschriben1, zu Worms enpfangen und kainen brief von her Paulsen [von Liechtenstein]. Aber so wir achten, daß der tag zu Worms sich bald enden werd und dann auch nit schad ist, daß wir baid da sien, so soll eß unß baid nit irren, daß her Paulß den tag setz in das gebyrg oder heruß, wa im gelegen sin wirt, dahin wir baid komen wollen, damit hie und dort nichts versa[u]mpt werd und ob Gott wil handeln, daß in kunftig zit dem huß Osterrich und ŠWirttemberg zu ern und nutz dienen soll.2 Man ist hoch erfrowet der nuwen zitung, so ir geschriben hand, wiewol vil darfur haben, eß sy allain ain fred3 aff und ain erdicht ding, die ander, eß sy war. [Datum, Unterschrift].

    «Nr. 404 Weisung Ks. Maximilians an die Reichstagskommissare – Innsbruck, 25. Mai 15091 »

    Mitteilung über die günstige militärische Situation im Venezianerkrieg, Aufforderung zur raschen Bewilligung einer Reichshilfe durch den Reichstag.

    ŠWeimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 158’–159 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adresse am Textende: An die kaiserlichen rete und comissarien zu Wormbs.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 177’–178 (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 35’–36 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Vermm. und Gegenz. wie A; Adresse am Textende: An ksl. Mt. rete, so auf dem reichstage zu Wormbs verordent etc.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 142’–143 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 169 (wie A). Berlin, GStA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 48’ (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 55’ (Kop., Kanzleiverm.: C.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 56–56’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 342’–343 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 424’–425 (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 43’ (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 61–61’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 82–81’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt; Vermm. wie A). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 24 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 32 (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 967, S. 762.

    Maximilian, avon Gots gnaden e[rwählter] romischer kayser–a etc.

    Hochgeborner, lieber oheym, furst und rat, wolgebornen, edeln, ersamen, gelerten, andechtigen und lieben getreuen. Wir fugen euch zu vernemen, das uns gleublich kundschaft komen ist, auch uns der konig von Frankreich geschriben hat, dz sein lieb den Venedigern die stete, slosser, befestigung, fleck und land, die im dann in der pundnus außgezeichentb sin2, abgewonnen und in seinen gewalt erobert hat, auch uns in demselben seinem schreyben entdeckt, dz er sich versicht, also wu wir mit unser macht komen und die Venediger in kurz, und dieweil sie der slacht und seins sigs in schrecken weren, angriffen, wir wurden on allen zweifel auch gar liderlich [= leicht] die stete, slosser, befestigung, flecken und lande, die uns in bemelter pundnuß auch außgezeichentc sein3, erobern.4

    ŠDemnach bevelhen wir euch ernstlich und wollen, dz ir solchs den curfursten, fursten und andern stenden des Heiligen Reichs, so auf dem ytzt gehalten Reichs tag zu Wormbs beyeynander versamelt sein, furhaltet und dabei von unsern wegen an sie begeret, dz sie des Reichs hilf furdern aufs beldest, so sie konnen, in ansehung der nodturft, wie sie selbs ermessen und bewegen mogen. Daran tut ir unser ernstlich meynung. Geben zu Inspruck am XXVten tag May anno etc. [im] IXten, unsers Reichs im XXIIIIten jaren.

    «Nr. 405 Bericht der Reichstagskommissare Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg und Erasmus Topler an Ks. Maximilian – Worms, 25. Mai 1509 »

    [1.] Verhandlungen mit Kf. Friedrich von Sachsen über die Reichshauptmannschaft und das Reichsstatthalteramt; [2.] Verhandlungen mit Hg. Erich von Braunschweig über die Reichshauptmannschaft.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 13–13’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A.

    Š[1.] Allerdurchleuchtigster etc. Auf euer ksl. Mt. bevelch und instruction [Nr. 391] haben wir mit unserm genedigisten herrn, herzo[g] Friderich von Sachsen gehandlt und sein gnade auf das vleissigist, die hauptmanschaft des Reichs und des ganzen velds anzunemen inhalt der derselben instruction ersucht. Das aber uns sein gnade abgelaint entlich und under anderem vil ursachen angezaigt, das e. ksl. Mt. den chur- und fursten und stenden des Heiligen Reichs haimgesetzt und bevolhen hete, ainen zu benennen1. Deßhalben ime schimpflich were, ee wan er von denselben stenden darzu gewalt wurde, sein gemut zu eroffnen; zudem, das er sich des wesens und verstentnus und sonderlich seiner person halben unvermuglich weste, angesehen, das er in welischen landen nie kain gesunden tage gehabt hete. Aber doch saget sein gnad hohen dank e. ksl. Mt., das sie ine so genedig bedacht und darzu tuglich geacht hetten, mit bit, ine auf das fuglichist bey euer ksl. Mt. zu verantwurten. Dan er ye genaigt were, in allen muglichen sachen untertenigen willen zu erzaigen. Nachmals haben wir mit seinen gnaden der gemelten instruction nach weiter gehandlt und auf das vleissigist begert, von euer ksl. Mt. wegen das stathalterambt anzunemen. Darauf sein gnade nach erzelung vil beschwerden, zu seiner zeit e. ksl. Mt. zu eroffnen, ain bedenken genommen, darauf sein gnade noch beruet.

    [2.] Und als gestern [24.5.] herzog Erich von Braunschwig herekommen ist, mit gemut, auf morgen von hinnen zu schaiden, haben wir fur gut angesehen, sein gnade zu bitten, hie zu verharren, dan wir von e. ksl. Mt. wegen mit sein gnaden hie zu handeln hetten.

    Darauf sein gnade mit vil undertenigem erbieten gegen e. ksl. Mt. uns angezaigt, das sein Gn. durch euer ksl. Mt. beschriben sey und darauf zwaihundert raisige angenomen habe, so ytzund in seiner stat Gemundt [= (Hann.) Münden]2 sein, die auf sein gnade beschaide warten. Darzu hab sein gnade iren gemahel [Hgin. Katharina] in Steir mit merklicher cost gelassen und ir gnaden vertrost, gelt zuzuschicken. Darumb er zu euer ksl. Mt. eilen muß, mit anzaigung vil ander beschwerd, darauf wir die credenz euer ksl. Mt. sein Gn. uberantwurt und unser werbung, das sein gnade die gemain hauptmanschaft des Reichs annemen und bis zum anzug hie verharren wolte, inhalt euer ksl. Mt. instruction. Das aber sein gnade entlich abgeschlagen aus vil ursachen, die zu lange weren alle zu schreiben, und iren wege auf morgen zu euer ksl. Mt. anzunemen furhat, auch alle handlung euer ksl. Mt. personlich endecken will. Das haben wir etc. Datum Wormbs am XXV. tage May anno etc. nono.

    E. ksl. Mt. etc. Adolf, Gf. zu Nassau etc., S. von Fraunberg etc., Erasm Dopler, brobst etc.

    «Nr. Š406 Bericht der Reichstagskommissare Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg, Erasmus Topler und Ludwig Vergenhans an Ks. Maximilian – Worms, 25. Mai 1509 »

    [1.] Befreiung Hg. Wolfgangs von Bayern von Reichssteuern; [2.] Verhandlungen mit den Hgg. Heinrich d. Ä. und Erich von Braunschweig über die Reichshauptmannschaft und das Reichsstatthalteramt; [3.] Entsendung Johann Storchs zur Erledigung reichsständischer Angelegenheiten.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 17–17’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A.

    [1.] Allerdurchleuchtigster etc. Eur ksl. Mt. schreiben und bevelh [Nr. 395] mit eingeslossner supplication [Nr. 370] unsers oheims, swagers und genedigen herrn, herzog Wilhalms [von] Bayern zugeordenten vormunder, betreffent die angelegten hilfen auf den vergangen Reichs tegen zu Collen und Costenz, auch die, so yetzund aufgelegt mochten werden unserm oheim, swager und gnedigen herrn, herzog Wolfgang zu Bayrn, mit inhaltung der beswerde und ursachen, so wir den churfursten, fursten und stenden des Reichs furhalten solten, ine solher zu erlassen, haben wir vernomen. Und nachdem in dergleichen felle[n] deßhalben vil rede beschehen, ist zu besorgen, das solh furhalten eur ksl. Mt. bey churfursten, fursten und stenden des Reichs grosse verhindrung an der hilf, so wir uns yetzo zu erlangen bearbaiten, geperen, und sonderlich aus ursachen, das wo herzog Wolfgang, des gemelten herzog Wilhalm vetter, in dem anlegen nit angeslagen und dem gemelten herzog Wilhalm sein tax nit solt gehohert [werden], das solhs bey den stenden des Reichs ungleich und unbillich, sonderlich dweil unser oheim und swager das, davon etwo drey herzogen von Bayrn1 dem Reiche gedient haben, inhat, geacht mocht werden. Wo aber ye eur ksl. Mt. maynung wer, das herzog Wolfgang nit angeslagen, das alßdann herzog Wilhalm mit sein und seinen bruedern [Hgg. Ludwig und Ernst] dest hoher angeslagen werde. Das haben eur ksl. Mt. wir zu bedenken nit wollen verhalten, derselben beschaid darauf zu warten.

    [2.] Ferrer, allergnedigister herr, so hat eur ksl. Mt. uns, Adolfen, grafen zu Nassau etc., Sigmunden von Fraunberg etc. und Erasm Topler, brobst etc., mit ainer instruction, der datum stet am sibenden tag May anno etc. nono, bevolhen, das wir mit herzog Hainrichen und Erichen von Braunswig der haubtmanschaft und stathalterambts handlen, wie dann der artikl hiebey verzaichnet beym A inhelt2, und darnach von eur ksl. Mt. in ainer andern und grossern instruction, der datum am achtenden tag des monats May stet, auch ain sonder artikl, wie der hie bey dem buchstaben B verzaichnet und verleibt Šist3, das also ainer dem andern widerwertig. Bitten eur ksl. Mt. deßhalben umb weitern beschaid, uns darnach haben zu richten.

    [3.] Allergnedigister herr, eur ksl. Mt. hat auch gut wissen, wie das vil parteyen und sachen durch eur ksl. Mt. auf den Reichs tage beschiden und auf Storchen abfertigung warten etc. Bitten eur ksl. Mt. wir, welle hirinne gnediglich fursehung tun, auf das die parteyen nit also aufgehalten und verzogen werden. Solhs alles haben eur ksl. Mt. wir zu erkennen geben und im pesten nit verhalten wellen. Datum Worms am XXV. tag Maii anno etc. nono.

    Eur ksl. Mt. etc. Casimir, Mgf. zu Brandenburg etc., Adolf, Gf. zu Nassau etc., Sigmund von Fraunberg etc., Erasm Topler etc., Vergenhans, brobst etc.

    «Nr. 407 Bericht der Reichstagskommissare Gf. Adolf von Nassau-Wiesbaden, Sigmund von Fraunberg und Erasmus Topler an Ks. Maximilian – Worms, 27. Mai 1509 »

    Verhandlungen mit Kf. Friedrich von Sachsen über das Reichsstatthalteramt.

    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44/6, fol. 49–50’ (Or. mit Spuren von 2 Ss.; Verm. auf dem Umschlag: Vom grafen Adolfen von Nassau, seinem begeren nach ad regem etc. Were guet, im ein gnadig, zimlich antwort zu schreyben.) = Textvorlage A. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 14–14’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = B.

    aAllerdurchleuchtigister, grosmechtigister kaiser, eur kayserlichen Mt. seyen unser untertenig, willig und gehorsam dinst alzeit. Allergenedigister herr–a, als der durchleuchtigist furst, herzog Friderich von Sachsen, churfurst etc.b, die velthauptmanschaft anzunemen genzlich abgeschlagen und des Reichs stathalterambt halben ain bedenken genumen, wie eur ksl. Mt. durch uns kurzlichenc bey der post zugeschriben ist [Nr. 405], hat sein gnade uns heut den artikel unser instruction durch Friderichen Thord1 furtragen und lesen lassen, der evon wort zu wort also lauted–e: f[wörtliche Wiedergabe von Nr. 391, Pkt. 2]–f. Und darauf erzelt, das sein genedigister herr den artikel nit lauter vernemen moge, nemlichen in dreien puncten: Und erstlich, als gemelt wirt, wie man sich des mit ime vertragen wurde etc., ob wir oder ymands gewalt hetten, uns mit sein ŠGn. zu vertragen, oder wer solichs tun solt. Zum andern, als gemelt wirt, wo es den stenden und seiner liebe gemaint sein wurde etc., ob wir ain wissen hetten, das solichs den stenden des Reichs gelieben wolt, das sein gnade das stathalterambt annemen solt. Zum dritten, als gemelt wurt: nach inhalt der abrede, verschreibung und vertrege etc., ob wir ain wissen hetten, was solich abrede, verschreibung und vertrege etc. weren. Sein gnadeg hette der kain sonder wissen. An [= Ohne] solicher dreier stuck leuterung west sein genedigister herr lautere antwurt nit zu geben. Und bate uns, ime darauf erklerung zu tun.

    Dweyl wir aber solicher stuck kain ander wissen tragen mogen, dan wie die wort der instruction inhalten und bedeuten, haben wir zu antwurt gegeben, sein Gn. sey der artikl von wort zu wort ausgezogen uberantwurt, den wiss sein gnade aus ire[r] hohen verstentnus selbst wol zu ermessen. Aber wo ye ir ftl. Gn. sich des nit settigen lasse und das begere, so wollen wir solich ir gnaden furhalten e. ksl. Mt. zuschreiben. Das sein gnade zu uns gestelt hat. Haben eur ksl. Mt. wir in aller untertenigkait eylends nit wellen verhalten, dardurch wir zeitlichen beschaid darauf emphahen mogen und eur ksl. Mt. nit versaumbt werde. Wir haben bißhere auf unser manigfaltig schreiben kain antwurt emphangen. Geben zu Wormbs am XXVII. tag May anno etc. im neunten.

    E. ksl. Mt.huntertenig und gehorsamist–h Adolf, grave zu Nassau etc., Sigmund von Fraunberg etc., Erasm Topler, brobst etc.

    «Nr. 408 Bericht Mgf. Kasimirs von Brandenburg-Ansbach und der anderen Reichstagskommissare an Ks. Maximilian – Worms, 27. Mai 1509 »

    [1.] Sessionsstreit zwischen Bayern, Pfalz-Zweibrücken, Pfalz-Veldenz und Sachsen; [2.] Verzögerung der ständischen Resolution zur Reichshilfe, Bitte um Anweisungen für den Fall einer Ablehnung.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 20–20’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A.

    [1.] Allerdurchleuchtigister etc. Nachdem sich etlich irrung auf disem Reichs tage in dem haus Bayrn zwischen den Bayern und Bayrn und dann dem haus Bayrn und Sachsen der session halben gehalten, so ist obgenannt zwitrecht auf heut datum, den XXVII[I]. tag des monats May, durch unsern lieben herrn, oheim und gnedigisten herrn Friderichen, herzogen von Sachsen, churfursten etc., auf ditzmals, sovil disen Reichs tage betrifft, abgelaint und vertragen [Nr. 320].

    [2.] Und ist solher irr halben die antwort [der Reichsstände] verzogen, wiewol wir aus schuldiger phlicht getreulich umb antwort angesucht haben, der zuversicht und hoffnung, uns werde numals furderlich und pald antwurt gefallen. Und ob uns nu antwurt eur ksl. Mt. begerter hilf halben ungemess gefallen Šwurde, bitten eur ksl. Mt. wir underteniglich, wellen uns beschaid zuschicken, wes wir uns darin furter halten, und das furderlichisten ir maynung wissen zu lassen, damit eur ksl. Mt. an irem furnemen nit gehindert werde. Haben eur ksl. Mt. wir nit verhalten und zu erkennen geben wellen. Datum Worms am XXVII. tag Maii anno Domini etc. im neunten.

     E. ksl. Mt. etc. Casimir etc. und ander rete und commissarien etc.

    «Nr. 409 Bericht der Reichstagskommissare an Ks. Maximilian – Worms, 29. Mai 15091 »

    Verhandlungen über eine Reichshilfe für den Krieg gegen Venedig.

    Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 24–24’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop.) = Textvorlage A.

    Allerdurchleuchtigister etc. Auf heut zwischen dreyen und vieren nachmittage haben die stende des Reichs, hie zu Worms versamelt, auf eur ksl. Mt. begern ir antwort [Nr. 275] schriftlich uns ubergeben, davon eur ksl. Mt. wir mit der eyl ain copey bey diser post zu schicken haben. Doch die nit on, sonder ain bedenken darauf genomen. Und ob wir darauf weiters fruchtparlichist nach laut unser instruction, daraus uns zu geen nit gepurt, erlangen wurden, darzu wir kainen trost haben, sol kain moglicher vleiß gespart und eur ksl. Mt. allzeit auf der post furderlich zugeschickt werden. Wir sein auch geslossen, sy von eur ksl. Mt. wegen ernstlich zu ersuchen und zu bitten, von hinnen nit zu verrucken, ee und zuvoran dann eur ksl. Mt. auf ir getane antwurt uns ir maynung widerumb zu wissen getan haben. Das haben eur ksl. Mt., der wir uns hiemit underteniglichen und dinstlichen bevelhen, des alles wissens zu haben, wir nit wellen verhalten. Datum Worms am XXVIIII. tag Maii anno etc. nono.

     E. ksl. Mt. etc. rete und commissarien, yetzund zu Worms etc.

    «Nr. 410 Weisung Ks. Maximilians an die ksl. Reichstagskommissare – Innsbruck, 2. Juni 15091 »

    Protest vor der Reichsversammlung wegen des Verzichts Österreichs auf Teilnahme am Reichstag.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 159’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; Adresse am Textende: An ksl. Mt. rete und comissarien zu ŠWormbs.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 178 (wie A; Adresse am Textende: An keyserlicher Mt. rete und conmissarien uf dem richßtag zu Worms.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 39’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Vermm. wie A, Adresse am Textende: An ksl. Mt. rete, so zu Wormbs auf dem reichstag verordent sein etc.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 143’–144 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 169’ (wie A). Berlin, GStA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 49 (wie A). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 56 (wie A, Kanzleiverm.: A.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 57–57’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie B). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 343’–344 (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 425–425’ (wie A). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 44 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 62–62’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 81–80’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt; Vermm. wie A). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 24’ (wie A). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 32’ (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 971, S. 771.

    [1.] Maximilian etc.a Hochgeborner, lieber oheim und furst, wolgebornen, edeln, ersamen, andechtigen und lieben getreuen. Nachdem wir uf unserm gegenwertigen Reichs tage unser als erzherzogen zu Osterreich botschaft neben andern des Hailigen Reichs stenden zu Wormbs haben sollen, dweyl aber zwischen den erzbischofen zu Salzburg und Magdeburg irs stands halben ein span ist2, so haben wir zu vorhutung merers unlusts und zuruttung solch unser als erzherzogen potschaft dahyn zu schicken unterlassen. Und entphelen euch darauf mit ernst, dz ir von unsern wegen daruber vor curfursten, fursten und stenden des Reichs offentlich protestirt und bezeuget und deßhalb nodturftige instrument durch offen notary, wie sich geburt, aufrichten lasset dergestalt, dz solch außbleiben unser potschaft unß, unsern erben und nachkomen, erzherzogen zu Osterreich, an irem stand kunftiglichen unvorgriflich und unschedlich sey, und uns alßdann solch instrument zuschicket. Dz ist unser ernstlich meynung. Geben in unser stat Insprugk am andern tag des monats Juny anno etc. [im] IXten, unser Reich, des Romischen im bXXIIIIten und des hungrischen im–b XXten jaren.

    «Nr. Š411 Weisung Ks. Maximilians an die Reichstagskommissare – Innsbruck, 3. Juni 15091 »

    [1.] Kritik an der ersten ständischen Resolution zur Reichshilfe; [2.] Zurückweisung des Arguments mangelnder Leistungsfähigkeit; [3.] Kriegslast der habsburgischen Erblande; [4.] ungenügende Leistungsbereitschaft der Reichsstände; [5.] Rechtfertigung der Einigung mit Kg. Ludwig von Frankreich über das Hm. Mailand; [6.] Aufforderung zur Bewilligung einer Reichshilfe, Berücksichtigung des päpstlichen Hilfsbegehrens; [7.] Verantwortung der Stände für die Gefährdung des Reiches im Falle einer Verweigerung; [8.] Vortrag der Argumente durch die ksl. Kommissare; [9.] Zurückstellung der übrigen Verhandlungsmaterien.

    Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 156–158’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./cdip. und Gegenz. Serntein; Adresse am Textende: Den hochgebornen, wolgebornen, edeln, ersamen, unsern lieben, andechtigen und des Reichs getreuen Caßimirn, marggraven zu Brandenburg etc., unserm lieben oh[ei]men und fursten, und N., andern unsern reten und comissarien, zu unserm Reichs tag gein Wormbs verordent. Verm.: Uf dornstag des [he]iligen fronleichnams tag [7.6.] [in] der meinzischen canzley geschriben.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 176–177’ (wie A) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22, fol. 36’–39 (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., Vermm. wie A, Adresse am Textende: An die ksl. rete zu Wormbs, auf dem Reichs tag versamelt etc.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 138’–142 (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.; wie A) = D. Bamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 166’–168’ (wie A; Datumverm.: Corporis Christi [7.6.] Ao. etc. VIIIIo). Berlin, GStA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 46’–48’ (wie A; Datumverm.: Am tag corporis Christi). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 53–55 (Kop., Kanzleiverm.: B.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (wie A; Datumverm.: Auf corporis Christi anno etc. IXo haben ksl. Mt. rät nachvolgent schriften angebracht.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 52’–55’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (wie A; irrtümlicher Datumverm.: Mitwochen vor corporis Christi [6.6.]). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 338’–342’ (wie D). München, HStA, KÄA 3136, fol. 422’–424’ (wie B). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 41’–43 (wie A). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 57–60’ (wie D). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 86–82’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt; Vermm. wie A). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 22–24 (wie A; Verm.: Dise instruction ist durch die post komen in die corporis Christi [7.6.].). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 30–32 (wie D).

    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 973, S. 772–774.

    Š[1.] /156/ Maximilian, avon Gots gnaden e[rwählter] romischer kayser–a etc.

    Hochgeborner, lieber ohemb, wolgeborner, edeln, ersamen, andechtigen und lieben getreuen. Wir haben euer schreyben[Nr. 409] und darinne die antwurt [Nr. 275] von den stenden des Reichs, zu Wormbs versamelt, vernomen, der wir uns billich hoch befrembden, auch besweren und beherzigen, in ansehung des ubel und engen bedenkensc der grosen nodturft zu ere und wolfart, so dem Hailigen Reich und teutzscher nacion vor augen ist. dDann doch kein kaiser noch konig in hundert jaren nye seinen fueß so trostlich und loblich in Italien gesetzt hat, als wir mit gnaden und hilf des Almechtigen ytze tun–d, und danacht nach grosem unkosten, so wir ytzo in unsern burgundischen landen gegen Frankreich gelitten, dadurch denselben zu unserm lieben bruder gemacht und dazu bracht haben, ein loblichen tractat wider Venedig neben unser anzunemen, fwie wir dann solchs den stenden des Reichs nast zu Wormbs, als wir persondlich dogewest sein, zu erkennen geben haben–f [Nr. 264 bzw. 266, Pkt. 1].

    [2.] gSo sie aber ir armut und unvermogen anzeigen, dz ist in uns ungleublich, dann wir wissen beyleuftig ir vermogen gleich so wol alß sie selbs–g. Wir mussen aber achten, /156’/ dz solchs kam auß unsern mißgonnern, die do wolten, dz wir und unser kindskinder verdruckt wurden, hund darumb nit ansehen ir ere, sele und ayd–h. iDann, als die stend melden, wie sie uns uf dem Reichs tag zu Costenz ir unvermogend auch angezeigt haben: Solch anzeige, dergleichen sie gegenwertiglich tun, mag zu Costenz auch bescheen sein–i. Aber dannocht haben sie uns doselbst zu Costenz uber die bewilligt bestymbt hilf vertrost, ob uns dergestalt ein unsig oder ubermacht von den Venedigern und anderen widerwertigen begegent, das uns die sachen zu swer sein wurden, das uns dann merer hilf von inen bescheen und gefolgt sein solt2, darauf wir auch gehoffet. jAber wiewol wir große macht, widerwertigkait und beswert der feynd befunden, haben wir doch yr weyter zutun nyndert gespurt, sonder sein genzlich von inen verlassen gewest–j.

    Š[3.] Die stend solten billich bedenken, das wir als ein herr von Osterreich und Burgundi lang jar her vil swerer last und burd, muhe und kosten von Francosen, Sweyzern, Geldrischen, Hungarn und Durken getragen und gelitten und die alle ubersteen mussen. Haben auß unser aigen macht und camergut und in solchen anfechtungen allezeit bedacht und uns gevlissen, unser heuser Osterreich und Burgundi zu behalten und zu bestaten [= aufstellen, verwenden] zu einem schilt des Reichs gegen den bemelten anstossern, welche unser heuser sich doch, als meniglich in der /157/ ganzen cristenhait weiß, dem Hailigen Reich ytzt ganz anhengig und zu schetzen underwurfig gemacht haben.

    [4.] Wir hetten auch allezeit gern diejene, so dem Hailigen Reich verwant und zugehorig gewest sein, zum Reich gewendt und in ein recht liebe und gehorsam gegen demselben Reich bewegt und bracht; als wir das auch oft wol mit gutem forteil und fug tun mogen, wo wir hilf und beystant der stend des Reichs, als billich bescheen were, dazu gehabt hetten, die wir aber fruchtparlich nye bekommen mogen haben. kDann ir hilf ist alzeit so swach, cleyn und langsam gewest, das wir unser macht mitsambt yrer hilf an frucht vorschwenden, verlegen und verzeren mussen und damit nichts austreglichs außrichten mogen–k. Dadurch dann die obgemelte nacion gegen uns, dem Reich und den heusern Osterreich und Burgundi allezeit oberhant gehabt und sonderlich uns und unser erblande in abnemen gebracht haben.

    [5.] Belangend den tractat mit Meyland, haben wir auch befrembden, dann wir noch nit anders gehandelt, wann wie die stend deß wissen tragen lund sonderlich die curfursten selbs zu Freyburg3 und uf andern Reichs tegen gehandelt und geraten haben–l.

    /157’/ mWir haben auch sonst in unsern und des Reichs sachen ytzt und zuvor nichts an der stend wissen und rat gehandelt und derhalb groß versaumbt und verzert–m. Darumb wurd uns solcher unglympf unbillich zugemessen.

    [6.] Und demnach ist unser ernstlich begern aufs hochst an die stend und versamplung des Reichs, die sachen baß zu bedenken und zu herzen zu furen und sich einer andern, besser antwort und meynung nunserm begern gemeß–n zu entslissen, auch sonderlich dabey zu betrachten die erfordrung, so durch unsern hailigsten vater, den babst, mit seiner hailigkait breve apostolicum [Nr. 272] an sie außgangen ist, darinnen er sie zu hilf und rettung der hailigen romischen kirchen als stend des Reichs und cristenheit neben uns als advocaten Šermant, odadurch seiner hailigkait nit nod werd, sich ab inen zu beschweren und sie hoer anzusuchen–o.

    [7.] Dann wo sie sich ye zu hilf und beystand der romischen kirchen und zu ere und wolfart des Heiligen Reichs und teutzscher nacion nit bewegen lassen wurden, darauf wir doch nach gute hofnung haben wellen, so were zu besorgen, dz Heilig Reich mocht dadurch in zutrennung wachsen. pDarumb wir hiemit protestirt haben wellen, wo sie uns und dem Reich nit hilf beweysen, ob dann dem Reich ubels begegnen und zusteen wurde, /158/ dz sie daran schuldig und ursacher sein–p.

    [8.] Auf das alles ist unser ernstlicher bevelh, das ir die obberurt unser meynung von stund an an die curfursten, fursten und stend des Hailigen Reichs mit bestem vleis brenget und gelangen lasset und sie darauf mit ernst verfolgen, anhaltet und solicitirent, sich umbq unser und des Reichs, auch teutzscher nacion varsteenden gelucks, ere und wolfart willen einer pessern, zymlichern antwurt zu verfassen und volzug derselben zu furdern, und ylend. Daran tut ir unser ernstlich meynung.

    [9.] Andere artikel, so in unser instruction [Nr. 268] und der stend antwurt begriffen sein, haben wir darumb, das uns dise sache am genotigsten und eylendesten bed