Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « Š3. Streitfälle und Schiedsverfahren  »

    «3.1. Sessionsstreit der Häuser Pfalz, Bayern und Sachsen  »

    «Nr. 320 Schiedsspruch Kf. Friedrichs von Sachsen – Worms, 28. Mai 1509 »

    München, HStA, PZU 2497 (Or. m. Siegelspuren, montaig in den heiligen pfingstfeyrn; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 1 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen worden.) = B. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 2 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen oder erfordert worden.) = C. München, HStA, PNU, Reichssachen, Nr. 34 (Kop. von 1584, Kollationsverm. des Notars Johannes Stiber) = D. München, HStA, K.blau 335/36, fol. 593–593’ (Abschrift von 15831).

    Referiert bei Lehmann, Geschichte des Herzogtums Zweibrücken, S. 251.

    Zwischen den sächsischen und bayerischen [bzw. pfälzischen] Räten kam es auf diesem Reichstag zu einem Streit wegen der Session. Damit die Angelegenheiten von Ks. und Reich nicht verzögert werden, hat er als Verwandter und Freund eine gütliche Vermittlung unternommen und also disen reichstag dise mittelung durch alle tail derselben rete bewilligung erlangt und hingelegtin der folgenden Weise: Die Räte Hg. Wolfgangs als des ältesten Hg. von Bayern sollen die erste, die Räte Hg. Georgs von Sachsen die zweite Session einnehmen. Die Räte Pfgf. Alexanders [von Zweibrücken] und Pfgf. Johanns [von Simmern] folgen danach. Diese Abrede gilt unter dem Vorbehalt, dass den Rechten der Häuser Sachsen und Bayern mit Hinblick auf künftige Reichstage nichts benommen sein soll.2

    «3.2. Bischof Georg von Bamberg gegen Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach  »

    «Nr. 321 Kompromissbrief – Worms, 10. Juni 1509 »

    Wolfenbüttel, HAB, Cod. Guelf. 32.9 Aug. 2o, fol. 303–303’ (Kop., sonntag nach corporis Cristi).1

    Der bfl. Hofmeister Johann von Schwarzenberg und Leonhard von Egloffstein als Räte des Bf. von Bamberg sowie der mgfl. Hofmeister Hans von Seckendorff und Veit Švon Lentersheim als Räte des Mgf. von Brandenburg haben wegen des Konflikts um Streitberg vereinbart, dass am Morgen des 26. Juni (dinstag nach sand Johans tag sonwenden)zwei mgfl. Räte mit den beiden genannten bfl. Räten in Forchheim zusammentreffen und dort zum Besten der beiden Parteien Vorschläge zu dessen Beilegung erarbeiten sollen. Um ein offenes Verhandlungsklima zu gewährleisten, sollen sich die Teilnehmer verpflichten, keine Äußerungen oder Vorschläge mit Ausnahme des gemeinsamen Abschieds an ihre Herren oder an Dritte weiterzugeben. Der Bf. von Bamberg soll sich am Abend des 26. Juni in Forchheim, der Mgf. von Brandenburg in Baiersdorf einfinden, wo die Verhandlungen tageweise abwechselnd stattfinden werden.

    «3.3. Bischof Georg von Bamberg gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 322 Reichsstadt Nürnberg an Bf. Lorenz von Würzburg (entsprechend an Kf. Friedrich III. von Sachsen) – Nürnberg, 2. Juni 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher, Nr. 64, fol. 27’ (Kop., sambstag nach pfingsten).

    Übersenden ihm gemäß dem [Schmalkaldener] Rezess [Nr. 115, Anm. 3] in zweifacher Ausfertigung ihre Replik zur Erwiderung des Bf. von Bamberg auf ihre Klage1.

    «3.4 Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich »

    «Nr. 323 Pfgf. Friedrich an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Worms, 30. April 1509 »

    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 275–276 (Konz., montags nach jubilate).

    Er erinnert sich sicherlich noch daran, dass er den seinen Räten auf dem Nürnberger Schiedstag unterbreiteten Vermittlungsvorschlag hinsichtlich der zwischen ihm, Pfgf. Friedrich, als Vormund und Hg. Wilhelm von Bayern umstrittenen Taxation aus schwerwiegenden Gründen ablehnen musste [Nr. 22, Anm. 5], gleichzeitig aber darum gebeten hat, einen neuen Termin anzuberaumen, um dort kraft der ksl. Deklaration1in dieser Sache eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Der Ks. Šhat ihm, dem Kf., eine entsprechende schriftliche Weisung erteilt. Deren Umsetzung ist jedoch bislang unterblieben, was ihn und seine Mündel [Pfgff. Ottheinrich und Philipp] erheblich benachteiligt. Bittet ihn deshalb, beide Parteien kurzfristig zu einem Rechtstag zu laden und dort das Verfahren zum Abschluss zu bringen.2

    [PS] Er geht davon aus, dass er und seine Mitkommissare [Ludwig Vergenhans und Ernst von Welden] inzwischen die Abrechnungen aus den Ämtern des neuen Unterpfands3erhalten haben. Bittet um deren schriftliche Mitteilung.

    «3.5. Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Reichsstadt Regensburg »

    «Nr. 324 Instruktion der bayerischen Vormundschaftsregierung für den Hofmeister Gregor von Egloffstein als Gesandten zu Ks. Maximilian – München, 6. Juni 1509 »

    [1.] Konflikt mit Regensburg wegen der Verhaftung Christoph Gießers; [2.] Belehnung des neuen Regensburger Schultheißen mit dem Blutbann.

    München, HStA, KÄA 1575, fol. 51–55 (Kop., am abent korporiß Cristi) = Textvorlage. Ebd., fol. 45–48’ (Konz.) = B.

    [1.] Die bayerischen Regenten haben den Ks. nach seiner Abreise aus Worms gebeten, in ihrem Konflikt mit Regensburg auf Ersuchen der Stadt kein Mandat zu bewilligen, ohne zuvor ihren Bericht angehört zu haben. Dieser hat daraufhin Hg. Wilhelm zu sich nach Kaufbeuren beschieden und unter anderem mitgeteilt, dass er aufgrund einer Supplikation Regensburgs1die Überstellung Gießers in ksl. Gewahrsam angeordnet habe und mit dem Hg.über die Angelegenheit verhandeln wolle [Nr. 148]. Nach der Ankunft des Hg. in Kaufbeuren teilte der ksl. Kanzler Serntein ihm sowie den ihn begleitenden Vormündern und Räten mit, dass der Ks. sich um den Vorgang nicht selbst kümmern könne, jedoch eine Kommission nach Augsburg einberufen habe. Gießer werde für die Anhörung dorthin überstellt. Die bayerische Seite nahm den Vorschlag an, ließ entsprechende Schreiben – eine ksl. Weisung an Sigmund von Rorbach zu Verhandlungen mit der Stadt [Nr. 434, Anm. Š3] und Vorladungen an die Parteien zum Schiedstag nach Augsburg2– aufsetzen und in der ksl. Kanzlei ausfertigen. Die Regenten haben sämtliche Regensburger Gefangenen mit der Auflage entlassen, sich nach Abschluss des Verhörs wieder einzustellen, und, anders als die Stadt, ihre Anwälte nach Augsburg geschickt, wie aus dem beiliegenden Schreiben der Kommissare3zu entnehmen ist. Am 6. Juni übergab der Regensburger Schultheiß [Hans Portner] indessen ein Mandat4, das ganz im Widerspruch zum bisherigen Vorgehen des Ks. steht.

    Hg. Wilhelm und seine Vormünder beschweren sich darüber, dass die Regensburger Gesandten ein solches Mandat erwirken konnten, ohne dass Bayern vorher Gelegenheit zu einer Stellungnahme erhalten hat. Sie haben wiederholt ihr Einverständnis erklärt, und tun dies noch, in dieser Angelegenheit eine Anhörung vor dem Ks. oder den in Worms versammelten Reichsständen, dem Kammergericht oder anderen Bevollmächtigten durchzuführen. Sie messen die Schuld an diesem Mandat nicht dem mit wichtigen Angelegenheiten des Reiches und der ganzen Christenheit beschäftigten Ks. zu, sondern machen dafür das Drängen der Regensburger Gesandten verantwortlich, die die angesetzte Anhörung vor den Kommissaren verhindern wollten. Sie wollen darauf aber nicht verzichten. Die Affäre ist im ganzen Reich bekannt. Es könnte der Eindruck entstehen, als hätten sie gegen Regensburg ein Unrecht begangen. Feinde Bayerns könnten dies als Vorwand nehmen, um gegen das Hm. vorzugehen. Sie bitten, das Mandat zu widerrufen, die Kommission durchzuführen und Gießer nach Augsburg in ksl. Gewahrsam überstellen zu lassen.

    [2.] Sie haben erfahren, dass der Ks. Hans Portner mit dem Blutbann belehnt hat. Dies obliegt jedoch gemäß dem von ihm bestätigten Vertrag derzeit der Vormundschaft und künftig Hg. Wilhelm. Zwar heißt es darin, dass Ks. oder Kg. im Falle einer Verweigerung durch Bayern die Belehnung durchführen sollen.5Dies Šwar jedoch nicht der Fall. Sie haben zugesagt, Portner zu belehnen, sobald eine verbindliche Zusage Regensburgs vorliegt, Gießer bis zur Klärung der Angelegenheit nicht mehr zu foltern. Doch hat Regensburg dies abgelehnt. Die Regensburger Gesandten verunglimpfen den jungen Hg. und seine Vormünder beim Ks. Bitten ihn, dafür zu sorgen, dass sie dem Hg. mehr Achtung entgegenbringen. Die Stadt liegt inmitten des Hm. Bayern und ist wirtschaftlich davon abhängig. Bitten den Ks., in allen vorgebrachten Punkten wohlwollend zu entscheiden.6

    «3.6. Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken, Graf Philipp von Solms-Braunfels und Gerlach von Isenburg gegen Wild- und Rheingrafen  »

    «Nr. 325 Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Gf. Philipp von Solms-Braunfels an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – s.l., 24. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 236, unfol. (Or., donnerstag nach exaudi).

    Die ksl. Räte in Worms haben für den 4. Juni (mondag nach dem sondag trinitatis)Verhandlungen in ihrer Angelegenheit mit Philipp und Johann von Dhaun, [Wild- und] Rheingff. zum Stein, anberaumt.1Der Frankfurter Advokat Dr. Adam [Serenarius] von Heimbach stand ihnen dabei bisher beratend zur Seite. Da die Sache für sie wichtig ist, bitten sie für diesen um die Erlaubnis, ihnen auf dem anberaumten Tag als Rechtsberater zu dienen.

    « Š3.7. Schenken von Erbach gegen Landgraf Wilhelm II. von Hessen  »

    «Nr. 326 Supplikation Eberhards und Valentins Schenken von Erbach an Kf. Friedrich III. von Sachsen – [Worms, zwischen dem 21. Mai und 11. Juni 1509]1 »

    Druck: Schneider, Stamm-Tafel, Urkunden zum dritten Satz, Nr. 66, S. 605f.

    Lgf. Wilhelm von Hessen hat ihnen im Bayerischen Krieg ihre Güter abgewonnen und dies damit gerechtfertigt, dass er, Eberhard, sein Feind geworden sei. Tatsächlich war er ohne sein Wissen und seine Zustimmung in einen in der kurpfälzischen Kanzlei ausgefertigten Absagebrief2aufgenommen worden. Er stellte dies jedoch bald nach dessen Zustellung richtig, da Kf. Philipp von der Pfalz ihm die Beteiligung an dieser Fehde erlassen hatte. Der von ihm selbst eingeschaltete röm. Kg. beschied ihn, vom Kf. eine entsprechende eidesstattliche Erklärung zu erlangen. Unter Vorlage dieser Urkunde leistete er gegenüber einem kgl. Kommissar in Augsburg einen Reinigungseid.

    Er, Valentin, gehörte vor dem Krieg zum Hofgesinde Hg. Georgs von [Nieder-] Bayern und war nicht etwa wie andere Gefolgsleute von Kf. Philipp nach Bayern geschickt worden. Er hat dies ebenfalls, wie vom röm. Kg. verfügt, in Augsburg durch seinen Eid bezeugt. Ihre Fürsprecher Kf. Ludwig von Pfalz und Gf. Michael3von Wertheim machten bei Verhandlungen mit dem Lgf. in Darmstadt ihre erwiesene Unschuld geltend. Doch warten sie bislang vergebens auf die zugesagte gnädige Antwort.

    Er, Kf. Friedrich, steht beim Lgf. in hohem Ansehen. Bitten ihn zu bedenken, dass sie dem ksl. Bescheid und damit der Reichsordnung nachgekommen sind. Er weiß auch, dass der Ks. in seinem Kölner Spruch die Anhänger und Gefolgsleute Kf. Philipps von allen Folgen der Reichsacht absolviert hat.4Bitten ihn, für sie beim Lgf. als Fürsprecher einzutreten und ihn um Rückgabe ihrer Güter zu bitten. Sie wären zu einer gütlichen Anhörung oder einem rechtlichen Verfahren vor ihm und seinem Bruder Hg. Johann bereit.

    « Š3.8. Reichsstadt Lübeck gegen König Johann I. von Dänemark  »

    «Nr. 327 Mandat Ks. Maximilians (Reichstagskommissare) an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Worms, 8. Juni 1509 »

    Druck: Schäfer, Hanserecesse, Nr. 439, S. 531 (Vorlage: Or. m. Siegelresten, Verm. amdiic., Gegenz. J. Storch).

    Gebietet ihm, die Stadt Lübeck, die von Kg. Johann von Dänemark durch Wegnahme ihrer Schiffe und Waren, Vorenthaltung ihrer jährlichen Renten, Verletzung ihrer Rechte und Freiheiten sowie Sperrung ihres Handels geschädigt wird, zu verteidigen und zu schützen, sooft er darum ersucht wird.1

    «3.9. Herren von Wolfstein gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 328 Mandat Ks. Maximilians an den Kammerrichter Gf. Adolf von Nassau und die Beisitzer des ksl. Kammergerichts – Mindelheim, 10. Mai 15091 »

    Nürnberg, StdA, B 11, Nr. 828, unfol. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 127 (Konz. mit ex.-Verm.) = B.

    Wegen der Streitigkeiten zwischen den ksl. Räten Wilhelm von Wolfstein (ksl. Feldmarschall) und Albrecht von Wolfstein (Pfleger zu St. Pölten) auf der einen und der Stadt Nürnberg auf der anderen Seite2wollte er ursprünglich auf dem ŠWormser Reichstag eine Anhörung durchführen, um dann eine Entscheidung zu treffen. Wegen wichtiger Angelegenheiten musste er jedoch aus Worms abreisen. Die Hh. von Wolfstein haben ihn um rechtliche Hilfe ersucht. Befiehlt ihnen, auf Ersuchen der Hh. oder ihres Bevollmächtigten Nürnberg zu einem rechtlichen Verfahren vorzuladen.3

    «3.10. Reichsstadt Worms gegen Wormser Stiftsklerus  »

    «Nr. 329 Notariatsinstrument mit den Schiedssprüchen Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs III. von Sachsen »

    [1.] Notariatsinstrument über die am 9. und 18. Juni abgegebenen Verpflichtungserklärungen der Parteien; [2./7.] Reversbriefe der Parteien vom 30. Juli mit inserierten Schriftstücken: [3.] Urteilsspruch der Schiedsrichter vom 9. Juni; [4.] Urteilsspruch vom 18. Juni; [5.] gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18. Juni; [6.] Deklaration vom 18. Juni über den Urteilsspruch vom 9. Juni.

    I. (Drucke): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/1, pag. 1–17 (Druck [Peter Drach, Speyer 1509] mit handschriftl. Randvermerken, die den Inhalt teils kennzeichnen, teils kommentieren; Aufschr.: Entscheidt vnd vertrege zwischenn der pfaffheidt vnd gemeyner Statt wormbs des weynschenckens vnd anderer stuck halber etc.1 – Auch als Online-Ressource verfügbar.) = Textvorlage A. Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/2, unfol. (Druck [Jakob Köbel, Oppenheim 1509] [nur Pkt. 2–7]; handschriftl. Randvermerke, die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Spruch vnd entscheit zwischen gemeyner priesterschafft vnnd der Statt Wormbs des hochwirdigenn fürsten vnnd herrn Ertzbischoff Jacobs zuͦ Trier etc. Vnd herrn Friderichs, hertzogen zuͦ Sachsen etc., des heiligen Romischen reichs Churfursten.– Auch als Online-Ressource verfügbar.) = B.

    II. (lat. Notariatsinstrument [= Pkt. 1]): Worms, StdA, 1 A I, Nr. 674 (Unterz. und Notariatssignete Johann Fabris und Petrus Fabris) = C.

    III. (lat.Übersetzung der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1918/1, unfol. (Aufschrift: Translatio de theutonico in latinum laudi et aliaŠrum transactionum inter venerabilem clerum ac prudentes consules, proconsules ac universos cives Wormatienses erectarum per reverendissimos ac illustrissimos graciosissimosque principes, archiepiscopum Treverensem etc. ac Fridericum Saxonie ducem, electores etc., sub anno Domini MVCnono. – Petrus de Schonauwe [Dekan von St. Kastor/Koblenz]. Reihenfolge: Pkt. 3, 6, 4, 5). Worms, StdA, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 189 (Reihenfolge: Pkt. 6, 4 [unvollständig, 5 fehlt], 3).

    IV. (dt. Kop. der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 21, pag. 465–488.

    V. (Schiedsspruch vom 18.6. zwischen Stadt und Paulsstift bzw. Liebfrauenstift [= Pkt. 5]): Worms, StdA, 1 A 1, Nr. 674a (Or. Perg. m. S.) = D.

    Druck: Lünig, Reichs-Archiv XIV (Part. Spec. Cont. IV, 2. T., 54. Abs., Nrr. XII-XIV, XVI), S. 685–694 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Schannat, Historiae II, Nr. CCXC, S. 294–305 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Moser, Handbuch II, S. 973–983 (Pkt. 3–6).

    [1.] aVerkünden, dass am Samstag, dem 9. Juni 1509, um zwölf Uhr mittags auf dem Bürgerhof genannten Rathaus zu Worms in Gegenwart der später benannten Zeugen und Notare vor Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen die Anwälte der Parteien erschienen sind: auf der einen Seite Balthasar Schlör in Begleitung weiterer Angehöriger der fünf Stifte und auf der anderen Seite Philipp Lang als Vertreter der Stadt Worms mit den Ratsherren. Vor Eröffnung ihres Entscheids legte der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin von Wittlich im Namen der beiden Schiedsrichter dar, dass über lange Zeit Streit zwischen Klerus, Rat und Bürgerschaft geherrscht habe. Beide Parteien hätten die Entscheidung über die Streitpunkte Kardinal Bernardino [López de Carvajal] und Kf. Friedrich von Sachsen anheimgestellt.2Der Kardinal sei jedoch durch andere Obliegenheiten an der Schlichtung gehindert worden und habe deshalb an seiner Stelle Ebf. Jakob von Trier beauftragt.3Dieser habe sich mit Kf. Friedrich auf einen Urteilsspruch verständigt, den sie eröffnen wollten, sowie die Anwälte beider Parteien vor den dieses Instrument unterzeichnenden Notaren folgende Erklärung beeidet hätten: 1. Die Parteien verpflichten sich zur unbefristeten Einhaltung des Urteils. 2. Die beiden Parteien verpflichten sich, auf ihre Kosten binnen Jahresfrist die Bestätigung des Urteils durch Papst und Kaiser einzuholen. Bis dahin sollen Bevollmächtige dessen Einhaltung gewährleisten. Diese sind befugt, gegen die ungehorsame Partei geistliche Strafen zu verhängen. 3. Die Priesterschaft auf der einen Seite sowie Rat Šund Bürgerschaft auf der anderen geloben mit Brief und Siegel, sich unbefristet an das Urteil zu halten.

    Diese eidliche Erklärung haben die Anwälte der Parteien gegenüber den beiden unterzeichnenden Notaren geleistet. Die Stadt hat sich zusätzlich verpflichtet, das Schriftstück mit dem Rats- und dem Zunftsiegel zu versehen. Daraufhin eröffnete der Trierer Kanzler das schiedsrichterliche Urteil [= Pkt. 3]. Nach dessen Verlesung nahmen die Anwälte der beiden Parteien das Urteil an. Da Kf. Friedrich den Verhandlungen über die noch offenen Streitpunkte wegen anderer Angelegenheiten nicht länger beiwohnen konnte, haben die Vertreter beider Parteien in ein Schieds- und Rechtsverfahren vor Ebf. Jakob und zwei Vertretern des sächsischen Kf. eingewilligt. Als Zeugen waren anwesend: Philipp Aberlin (Oberlynn)aus Ladenburg [Hst. Worms], Markus Mayer (Kleriker im Bm. Augsburg) und Johann Obenhang (Kleriker im Ebm. Mainz).

    Am 18. Juni traten die Anwälte Balthasar Schlör und Philipp Lang im Beisein ihrer Parteien vor Ebf. Jakob von Trier, Dr. Johann Lupfdich und Dr. Georg Besserer, um ihre Entscheidung über die noch offenen Streitpunkte entgegenzunehmen. Der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin erinnerte auf Befehl des Ebf. einleitend beide Parteien daran, dass sie bei der Eröffnung des ersten Urteilspruches in eine Entscheidung über diese Punkte durch den Ebf. von Trier und die genannten Räte eingewilligt hätten. Diese hätten einhellig eine Entscheidung getroffen, die ihnen eröffnet werden solle, sobald sie wie beim ersten Urteil eine eidliche Verpflichtungserklärung abgegeben hätten. Schlör und Lang leisteten daraufhin die geforderte Erklärung vor den unterzeichnenden Notaren. Anschließend eröffnete der Kanzler den Spruch. Dies geschah auf dem Bürgerhof in Anwesenheit der Zeugen Dr. Markus Morschheimer, genannt Wagentreiber, und Stefan Rein (Altarist zu Westhofen), beide Kleriker im Bm. Worms.

    Er, Johann Fabri (Schmydt), genannt Windeck (Wynneck)(Kleriker im Ebm. Mainz sowie päpstlicher und ksl. Notar), war bei den geschilderten Vorgängen persönlich anwesend und hat deshalb das durch den Notar Petrus Fabri (Schmydt)4aufgesetzte Instrument unterschrieben und mit seinem Signet versehen. Er, der Notar Petrus Fabri (Schmydt)aus Katzenelnbogen, war ebenfalls bei diesen Vorgängen zugegen und hat sie, wie gesehen und gehört, im vorliegenden, eigenhändig verfassten, von ihm unterschriebenen und mit seinem Zeichen versehenen Instrument festgehalten.–a

    [2.] [Reversbrief des Stiftsklerus bzw. der Stadt vom 30. Juli:] bDekane und Kapitel des Domstifts, der Stifte St. Paul, St. Andreas und St. Martin sowie des Liebfrauenstifts–b erklären, die folgenden Entscheide und Deklarationen angenommen zu haben.

    Š[3.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs von Sachsen vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Klerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs der Ernte, der Immobilien und wegen weiterer Fragen. Darüber wurde bereits vor Ks. Maximilian, geistlichen Richtern und anderen geistlichen wie weltlichen Personen ergebnislos verhandelt. Beide Parteien stellten schließlich laut Kompromissbrief vom 16. Mai 1508 die Entscheidung über die Streitpunkte dem Kardinallegaten Bf. Bernardino von Frascati (Tusculan)und Kf. Friedrich von Sachsen anheim. Wegen der Abreise des Kardinals stimmten beide Parteien dessen Vertretung durch ihn, Ebf. Jakob von Trier, zu, um gemeinsam mit ihm, Kf. Friedrich von Sachsen, in diesem Streit ein Urteil zu fällen. Sie beide haben diese Aufgabe übernommen und die im Kompromissbrief anberaumte Frist mit der Zustimmung beider Parteien bis Ende Juni verlängert. Sie haben sich in Worms von den durch den Kardinal und Kf. Friedrich eingesetzten Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, über die von den Parteien eingereichten Schriftsätze und Dokumente5unterrichten lassen und nach deren Studium und Beratung kraft Kompromissbriefes gemeinsam folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Magistrat beansprucht von jeder durch den Klerus in die Stadt eingeführten Wagenladung Wein die von seinen Bürgern ebenfalls erhobene Abgabe von 26 Weißpfennigen. cSie, die Schiedsrichter, verfügen, dass der in der Stadt ansässige Klerus für den von seinen dort gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist. Für den übrigen Wein wird dagegen bei der Einfuhr eine Abgabe fällig–c.

    2. Rat und Bürgerschaft beanspruchen von dem Wein, der von den Benefizien des Klerus in der Stadt oder von dessen ererbten Gütern stammt und in der Stadt ausgeschenkt wird, wie von den Bürgern auch ein Ungeld. Der Klerus sieht sich dazu nicht verpflichtet. dSie, die Schiedsrichter, legen fest, dass der Klerus ausschließlich den von seinen Benefizien und ererbten Gütern stammenden Wein [acht Wochen lang] von Ostern bis Sonntag Trinitatis sowie zwischen St. Andreas [30.11.] und Hl. ŠDrei Kgg.[6.1.] abgabenfrei ausschenken darf. Außerhalb dieser Zeiten dürfen nur kleine Mengen verkauft werden, wovon der Klerus wie die Bürger auch das Ungeld entrichten muss. Dies gilt grundsätzlich auch für den vom Klerus anderweitig erworbenen Wein–d.

    3. Rat und Bürgerschaft beanspruchen, dass der Erstkäufer von dem Wein, der von den in der Stadt gelegenen geistlichen Gütern oder von ererbten Gütern stammt und in größeren Mengen in Worms verkauft wird, eine Abgabe von 18 Weißpfennig je Wagenladung zu entrichten hat. Dies bestreitet der Klerus. eDie Entscheidung lautet, dass der Klerus diesen Wein das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist indessen zu einer Abgabe von nicht mehr als 9 Weißpfennig an die Stadt verpflichtet; von der Restsumme ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für allen übrigen, vom Klerus veräußerten Wein hat der Käufer die Abgabe an die Stadt in voller Höhe zu entrichten–e.

    4. Rat und Bürgerschaft beanspruchen das Recht, für in Worms verkauftes, von den in der Stadt gelegenen Klöstern und Benefizien oder den ererbten Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und die Früchte vom Erstkäufer eine Abgabe von 2 Pf. je Malter zu erheben. Der Klerus bestreitet dies unter Hinweis auf seine Privilegien. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus Getreide und Früchte aus seinen Besitzungen das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist dafür zu einer Abgabe von höchstens 1 Pf. verpflichtet; von der restlichen Summe ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für nicht aus den Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und Früchte wird die Abgabe an die Stadt in voller Höhe fällig.

    5. Rat und Bürgerschaft sind der Auffassung, dass der Klerus für seine zugekauften Immoblien in der Stadt die gleichen Abgaben und Leistungen zu erbringen hat wie alle anderen Bürger auch. Der Klerus bestreitet eine solche Verpflichtung. Er lehnt überdies den Zwangsverkauf dieser Besitzungen an Laien ab. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus zum Zukauf von Immobilien in oder außerhalb der Stadt grundsätzlich berechtigt und zu deren Wiederverkauf in die weltliche Hand nicht verpflichtet ist. Die auf diesen Immobilien zum Zeitpunkt des Kaufs liegenden Lasten gehen auch auf den geistlichen Käufer über. Die Erhebung weiterer Abgaben durch den Wormser Magistrat nach dem Kauf sind dagegen unzulässig.

    6. Rat und Bürgerschaft halten den Klerus für verpflichtet, zur Instandhaltung der öffentlichen Wege, Brücken, Brunnen und Gräben beizutragen, was dieser bestreitet. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat nicht befugt ist, den Klerus dafür heranzuziehen.

    Erklären alle im Zusammenhang mit den genannten Punkten entstandenen gegenseitigen Forderungen für nichtig. Der Klerus ist ohne Einschränkung wieder Šin seine früheren Besitzungen einzusetzen und soll künftig wieder den Gottesdienst halten. Rat und Gemeinde sind verpflichtet, die Geistlichen in ihren Rechten zu schützen. [Datum].

    [4.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Viti vnd Modesten tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Stiftsklerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs von Getreide, der Immobilien und weiterer Fragen, die Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen durch ihren Spruch vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag)zum Teil beigelegt haben [= Pkt. 3]. Die Entscheidung über die verbliebenen strittigen Punkte stellten die Anwälte der beiden Parteien ihm, Ebf. Jakob, und den beiden von Kf. Friedrich wegen seiner Verhinderung bevollmächtigten Räten anheim und verpflichteten sich vor den beiden hinzugezogenen Notaren [Johann Fabri und Petrus Fabri] in Gegenwart weiterer Zeugen eidlich zur Annahme und Umsetzung ihrer Entscheidung. Ein gütlicher Vergleich war nicht möglich. Er, Ebf. Jakob, hat deshalb gemeinsam mit den Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer auf der Grundlage der bei den Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, eingereichten Unterlagen nach ausführlicher Beratung folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Klerus hält seine Bediensteten aufgrund alter Privilegien von allen öffentlichen Lasten und Abgaben für befreit. Rat und Gemeinde vertreten dagegen die Auffassung, dass dieser Personenkreis die gleichen Lasten tragen muss wie andere weltliche Bürger. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass die Bediensteten des Klerus, sofern es sich um Laien handelt, wie die übrigen Bürger entsprechend ihrem Besitz zu öffentlichen Lasten und Abgaben herangezogen werden können. Was ihnen aber als Personen und nicht für ihre Güter auferlegt wird, davon sind sie befreit. Außerdem gilt für diejenigen Personen, die für sich und ihre Güter zum unbefristeten Dienst für die Kirche verpflichtet sind, wie für die Geistlichen die Befreiung von weltlichen Abgaben.

    2. Die Geistlichen sind befugt, für ihre Gotteshäuser oder für den Eigenbedarf Holz, Schweine und Ochsen abgabenfrei zu kaufen, es sei denn, sie fungieren als Zwischenhändler. In diesem Fall sind sie verpflichtet, Abgaben wie die anderen Bürger auch zu leisten. Die Geistlichen und ihre Diener sind auch hinsichtlich der für ihren Eigenbedarf auf dem Pfingstmarkt erstandenen Waren abgabenfrei. Ebensowenig werden für die dem Klerus testamentarisch vermachten beweglichen wie unbeweglichen Güter Abgaben an die Stadt fällig.

    3. Der Klerus ist weiter der Auffassung, dass für seine Einkünfte aus den Stiften und Benefizien sowie für ihm gegenüber bestehende Abgabenverpflichtungen von Bürgern ausschließlich das geistliche Gericht zuständig ist. Rat und Bürgerschaft erachten demgegenüber ausschließlich das weltliche Gericht für zuständig. Der Rat wäre demnach befugt, solche beim geistlichen Gericht anhängigen Verfahren vor das Šweltliche Gericht zu evozieren. Die Angehörigen des Liebfrauenstifts vertreten die Auffassung, dass die Einsetzung ihrer beiden Fabrikmeister6dem Bf. obliegt und sie deshalb die beiden vom Rat eingesetzten Pfleger nicht akzeptieren müssen. Der Rat hingegen beansprucht diese Befugnis für sich. Sie, die Schiedsrichter, erachten sich zu einer Entscheidung über diese beiden Streitpunkte aufgrund des Kompromissbriefes als nicht befugt, da sie den Bf. von Worms mitbetreffen.

    4. Zwischen dem Domstift und der Stadt entstand Streit wegen des neuen [Heilig-Geist-]Spitals. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat den Domdekan und die Domherren wieder in die Administration des Spitals einsetzen muss. Doch ist gemäß dem Herkommen ein vom Rat bestellter Verwalter hinzuzuziehen.

    5. Zwischen den Angehörigen des Andreasstifts und der Stadt gab es Streit wegen des auf Veranlassung des Magistrats abgebrochenen Kanals auf der Stadtmauer. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass jede Partei innerhalb eines Monats einen vereidigten Sachverständigen zur Prüfung der Bauarbeiten bestimmen soll. Nach Maßgabe ihres Gutachtens soll der Kanal unter Aufteilung der Kosten zwischen den Parteien wieder gebaut werden.

    6. fDieser Spruch legt die darin geregelten Streitpunkte für alle Zeiten bei. Den Parteien ist jeglicher Verstoß dagegen untersagt. Bei Zuwiderhandlung gegen dieses Friedensgebot geht der Verursacher sämtlicher ihm im ersten Spruch vom 9. Juni [= Pkt. 3] und im vorliegenden Entscheid zuerkannten Rechte verlustig–f. [Datum].

    [5.] [Gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18.6. (Montag nach sant Vits vnd Modesten tag):] Er, Ebf. Jakob, hat die Streitigkeiten zwischen dem Paulsstift und der Stadt wegen des Eisbachs mit der Zustimmung der Parteien dahingehend verglichen, dass die überkommenen Rechte des Stifts [als Bachherrn] gewahrt werden sollen. Demnach hat das Stift bei Streitigkeiten zwischen den Müllern am Eisbach, die den Bach und die dort gelegenen Mühlen betreffen, die Entscheidungskompetenz, jedoch nicht bei anderen Streitsachen der Müller. Der Rat soll für das Mühlrecht der gekauften Harnischmühle 10 fl. und 6 Pfd. Wachs entrichten. Bei der Einsetzung eines neuen Müllers durch den Rat wird diese Abgabe erneut fällig – wie dies für andere Mühlen, etwa die Walkmühlen der Klöster Kirschgarten und Maria Münster (Nonnenmoͤnster), auch gilt.

    Der Wächter auf dem Domturm soll dem Wormser Domdekan in Anwesenheit des Rates den Diensteid leisten. Den Turmschlüssel verwaltet ebenfalls der Dekan.

    Der Streit zwischen dem Liebfrauenstift und der Stadt ist dahingehend verglichen, dass der Rat gemäß der bestehenden Verschreibung7jährlich 200 fl. an die Stiftsfabrik bezahlen soll. Die ausstehenden 2000 fl.8soll der Rat in Tranchen von jährlich Š100 fl. abzahlen. Falls Baumaßnahmen am Stift erforderlich werden sollten, soll die benötigte Summe ebenfalls aus dieser Schuld bestritten werden.

    Dem Klerus stehen noch vorenthaltene Einkünfte aus ihren Stiften und Benefizien zu. Die Schuldner haben diese Summe vollständig abzubezahlen und die künftig anfallenden Zinsen zu den jährlichen Terminen zu entrichten. [Datum].

    [6.] [Deklaration Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Vits vnd Modesti tag)über den Entscheid vom 9. Juni:] Das Wormser Domstift und der Stiftsklerus auf der einen Seite und Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Worms auf der anderen Seite supplizierten vor den Notaren [Johann und Petrus Fabri] und Zeugen an ihn, Ebf. Jakob von Trier, sowie die beiden Stellvertreter Kf. Friedrichs von Sachsen, die Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer, um Erläuterung ihres Spruches vom 9. Juni (Sampstag nach vnßers herrn Leichnams tag)[= Pkt. 3].

    Daraufhin ergänzen sie den ersten Artikel, wonach der Klerus für den von seinen in Worms gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein bei der Einfuhr zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist, dahingehend, dass diese Bestimmung sich auch auf den aus Worms ausgeführten Wein erstreckt. Ebenso gilt sie für Geistliche, die in der Stadt Benefizien haben, jedoch aus triftigen Gründen ihre Residenzpflicht nicht wahrnehmen können, etwa, weil sie an einer Universität studieren oder in Angelegenheiten ihres Stifts unterwegs sind, nicht jedoch für andere abwesende Geistliche. Bezüglich des Ausschanks und Verkaufs von Wein der aus triftigen Gründen abwesenden Geistlichen finden der zweite und dritte Artikel Anwendung.

    Der Klerus hat außerdem um Erläuterung des dritten Artikels gebeten. Da er jedoch aus schwerwiegenden Gründen in der vorliegenden Weise verfasst wurde, bleibt er gmit der Einschränkung, dass der Wormser Klerus beim Kauf von größeren Mengen Weins nicht zur Zahlung der Abgabe von 9 Weißpfennigen je Wagenladung verpflichtet ist–g, bestehen. Zum besseren Verständnis ihres Entscheids erklären sie, dass der Klerus die von seinen Benefizien oder Erbgütern stammenden Feldfrüchte abgabenfrei ein- und ausführen darf. Falls der Magistrat die Aufhebung der Abgaben auf Wein und Getreide beschließen sollte, gilt dies selbstverständlich auch für die Abnehmer dieser Erzeugnisse aus den geistlichen Gütern. Falls Geistliche für ihren Haushalt Wein zukaufen müssen, soll ihnen dies freistehen. Doch dürfen sie diesen Wein nicht ausschenken oder verkaufen. Die für den Weinausschank benötigten Fähnchen erhalten die Geistlichen kostenlos; sie müssen ihnen auf Verlangen unverzüglich ausgegeben werden. [Datum].

    [7.] hDie Dekane und Kapitel der [fünf] Stifte–h verpflichten sich eidlich zur Einhaltung und zum Vollzug dieser Entscheide i–und bekunden dies mit ihrem Šgroßen Siegeli. Datum: 30. Juli (Montag nach sant Jacobs des heiligen apostels dag) 1509.

    «3.11. Reichsstadt Worms gegen Kämmerer von Dalberg  »

    «Nr. 330 Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die übrigen ksl. Reichstagskommissare an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms – Worms, 31. Mai 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 83 (Or. mit Resten von 2 Ss.).

    Der Ks. hat ihnen befohlen, im Streit zwischen der Stadt Worms und den Kämmerern von Dalberg beide Parteien anzuhören und gütlich zu vermitteln [Nr. 267, Pkt. 16]. Beraumen ihnen daraufhin für den 8. Juni (freitag nach unsers Herrn fronleichnams tag)einen Tag in Worms an. Ein entsprechendes Schreiben ging auch der Gegenpartei zu.1

    «Nr. 331 Gegenbericht der Kämmerer von Dalberg an die ksl. Reichstagskommissare – Worms, 14. Juni 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 85 (Kop., Dorsalverm.: Der von Dalberg bericht uf der von Worms clag, pr[aesenta]tum Wormac[iae] ad cancellariam imperialem, 14. Junii 1509.).

    Erklären, dass sie nicht verpflichtet sind, auf die vermeintliche Klage der Stadt Worms zu antworten. Beantragen stattdessen, die Klage nicht zuzulassen. Die Stadt hat sie um zwölf Pfd. h.[und] vier Englische1sowie um 120 Pfd. Talg gebracht. Vor einer Antwort auf die Klage muss ihnen ihr Gut zurückerstattet werden. Bitten deshalb, die Gegenseite zu veranlassen, bis dahin mit ihrer Klage stillzustehen. Falls die Stadt jedoch anderer Auffassung sein sollte, sind sie zu einem rechtlichen Austrag bereit.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1509/II3/pages

    Anmerkungen

    1
     Laut Schreiben Pfgf. Johanns I. von Zweibrücken an seinen Bruder Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg, Zweibrücken, 12.9.1583 (Or.; HStA München, K.blau 335/36, fol. 592–592’, 611’).
    2
     Dieser Entscheid Kf. Friedrichs wurde von allen Parteien akzeptiert. Vgl. Nr. 262 [Pkt. 10].
    1
     Vgl. Biebinger, Handschriften, S. 185 mit Anm. 48.
    1
     Die Erwiderung auf die Bamberger Gegenklage hatte Nürnberg den beiden Vermittlern am 14.4. zu einem für den 16.4. (montags nach quasimodogeniti)angesetzten Rechtstag zugeschickt (Kop., samstag nach dem hl. ostertag; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 63, fol. 213’; 213’–214).
    1
     Konstanzer Deklaration Kg. Maximilians vom 2.7.1507 (Druck: Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 200–215. Regest: Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 410, S. 694–700, bes. § 2).
    2
     Anscheinend hat Kf. Friedrich in dieser Angelegenheit nichts mehr unternommen. Der von Krennerauf Juni 1509 datierte Abschied (undat. Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 252–254. Druck: Krenner, Landtags-Verhandlungen XVII, S. 223f.) – er wäre demnach aus Verhandlungen des Kf. während des Wormser RT hervorgegangen – datiert tatsächlich von Anfang Juni 1508 [vgl. Nr. 22, S. 153f., Anm. 5]. Vielmehr ging die entscheidende Vermittlungsinitiative noch in Worms von Kf. Ludwig von der Pfalz aus. Vgl. Nr. 559.
    3
     Zu dessen territorialer Zusammensetzung vgl.Heil, RTA-MR IX/1, Nr. 410, S. 697, § 5.
    1
     Schreiben Regensburgs an Ks. Maximilian vom 5.5.1509. Vgl. Beck, Kaiser, S. 80 mit Anm. 568.
    2
     Ks. Maximilian an Hg. Wilhelm und seine Vormünder, Kaufbeuren, 14.5.1509 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein; HStA München, KÄA 1575, fol. 91–91’). Das Ladungsschreiben an Regensburg liegt nicht vor.
    3
     Adam von Frundsberg, Wilhelm Güss von Güssenberg und Konrad Peutinger – der vierte Kommissar Ernst von Welden war zum Wormser RT befohlen worden [Nr. 269] – teilten dem Ks. in ihrem vom 1.6. datierenden Bericht mit, dass die bayerischen Anwälte Hans von Paulsdorf und Wolfgang Lankofer zum angesetzten Termin erschienen, die Regensburg Vertreter jedoch unentschuldigt ferngeblieben seien (Kop., freitags nach dem heiligen pfingstag; HStA München, KÄA 1575, fol. 41–41’; 96–97).
    4
     Ks. Maximilian hielt nach erneuten Verhandlungen mit Regensburger Gesandten an seiner Entscheidung fest, Gießer in ksl. Gewahrsam überführen zu lassen. Gleichzeitig befahl er den bayerischen Regenten jedoch die unverzügliche Freilassung der Regensburger Gefangenen bzw. die Auflösung ihrer eidlichen Verpflichtung zur Wiedereinstellung. Erst dann wollte der Ks.über die Voraussetzungen für eine Haftentlassung Gießers entscheiden. Die Verhandlungen über die eigentlichen Streitpunkte wurden auf einen unbestimmten Zeitpunkt vertagt (Or. Innsbruck, 3.6.1509; Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein; HStA München, KÄA 1575, fol. 38–38’. Kop.; ebd., Gemeiners Nachlass 27, unfol. Konz. mit ex.-Verm.; HHStA Wien, Maximiliana 20, Konv. 4, fol. 5–5’).
    5
     Vertrag zwischen Hg. Albrecht IV. von Bayern und der Stadt Regensburg vom 23.8.1496 (Beck, Kaiser, S. 36; Mayer, Ringen, S. 105–111, bes. 107).
    6
     Offensichtlich vor Eintreffen des bayerischen Gesandten forderte Ks. Maximilian die Vormundschaftsregierung am 10.6. erneut auf, dem Mandat vom 3.6. Folge zu leisten und die Regensburger Bürger zu entlassen (Or. Bozen; Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein; HStA München, KÄA 1575, fol. 43–43’. Kop.; ebd., Gemeiners Nachlass 27, unfol.). Hg. Wolfgang verwies in seiner Antwort vom 16.6. auf den Vortrag Egloffsteins (Konz., sambstag nach Viti; HStA München, KÄA 1575, fol. 57). Der ksl. Hauptmann Sigmund von Rorbach und andere Regensburger Gesandte sowie Kaspar von Winzer für Bayern verhandelten in den folgenden Monaten weiter am ksl. Hof (Berichte Rorbachs vom 30.6., 18./28.8., 3.9. und 18.11.; HStA München, Gemeiners Nachlass 27, unfol. Weisung der Vormundschaftsregierung an Winzer vom 28.7.1509; HHStA Wien, RK Maximiliana 21, Konv. 1, fol. 61–61’; HStA München, KÄA 1575, fol. 59–60’). Gleichzeitig gelang es Regensburg, am RKG einen Fiskalprozess gegen Bayern anhängig zu machen (Bericht des Prokurators Johann Rehlinger an die Vormundschaftsregierung, Or. Worms, sampstag nativitatis Marie[8.9.]1509; Gutachten Augustin Löschs für die Vormünder, Or. Straubing, montags nach Michaelis[1.10.]1509; Schreiben des Kanzlers Johann Neuhauser an Hg. Wilhelm von Bayern, Or. München, eritag Dionisien tag[9.10.]1509; ebd., fol. 64–64’; 68–71; 75–75’). Zum weiteren Verlauf vgl.Gemeiner, Chronik IV, S. 150; Gumpelzhaimer, Geschichte II, S. 619; Schmid, Freistadt, S. 38f.; Beck, Kaiser, S. 80.
    1
     Vgl. die ksl. Weisung an die Kommissare vom 1.5. [Nr. 388].
    1
     Der Zeitrahmen wird durch den Aufenthalt Kf. Friedrichs in Worms definiert. Eine engere Eingrenzung war nicht möglich.
    2
     Absagebrief Kf. Philipps vom 5.6.1504 (Kop., HStA Stuttgart, B 583, Bü. 182, unfol.).
    3
     In der Vorlage heißt es irrtümlich Gf. Wilhelm. Der Domherr in Mainz, Trier und Köln war allerdings bereits 1490 gestorben (Kisky, Domkapitel, S. 88). Hier kommt deshalb nur Gf. Michael in Frage, der obige Supplikation gemeinsam mit den beiden Bittstellern während des RT an Kf. Friedrich übergab (Schneider, Stamm-Tafel, Urkunden zum dritten Satz, Nr. 68, S. 607).
    4
     Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505 (Druck: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 476, S. 777, Art. 25).
    1
     Kf. Joachim hatte am 14.5.1508 einen Schirmvertrag mit Lübeck geschlossen (Druck: Riedel, Codex II/6, Nr. 2417, S. 218–220). Ob die Kommissare weitere Reichsstände zur Unterstützung der Stadt aufriefen, ist nicht bekannt. Ks. Maximilian selbst hatte im Februar 1509 Kg. Johann von Dänemark zur Beendigung des militärischen Vorgehens gegen Lübeck aufgefordert (Reinkonz. Brüssel, 20.2.1509; HHStA Wien, Maximiliana 20, Konv. 2, fol. 65–66) und Hg. Heinrich I. von Braunschweig-Wolfenbüttel im Namen des Reiches mit dem Schutz der Stadt betraut (Mandat an Hg. Heinrich, Reinkonz. m. ex.-Verm., Gent, 25.2.1509; ebd., fol. 63–63’; Wenko, Kaiser, S. 225).
    1
     Das Datum ist in B von anderer Hand ergänzt. Tatsächlich übernahm Gf. Adolf das Kammerrichteramt erst am 13.6. [Nr. 303, S. 499, Anm. 4].
    2
     Nürnberg hatte die Verhaftung des Wolfsteiner Pflegers zu Obersulzbürg, Christoph Reicharter von Bechtal, veranlasst, der beschuldigt wurde, Feinde der Stadt zu unterstützen. Nachdem er auch unter der Folter nicht geständig war, wurde er auf persönliche Fürsprache des Eichstätter Dompropstes Johann von Wolfstein, der zusagte, dass Nürnberg wegen dieser Angelegenheit nicht behelligt würde, und gegen Leistung der Urfehde freigelassen. Dennoch erhoben Wilhelm und Albrecht von Wolfstein auf dem Schwäbischen Bundestag im April 1508 vor dem Ks. und der Bundesversammlung Klage gegen Nürnberg und forderten eine Entschädigung sowohl für Reicharter als auch für sich selbst wegen Missachtung ihrer gerichtlichen Zuständigkeit. Ks. Maximilian kündigte an, sich mit der Angelegenheit befassen zu wollen (Bericht Jörg Holzschuhers an die Nürnberger Hh.Älteren, Or. Ulm, freitag nach letare[7.4.]1508; StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 118, Nr. 6, fol. 90–94. Konz.; ebd., A 4, Nr. 8, fol. 14–19’). Vgl. Gümbel, Berichte, S. 158 mit Anm. 3, 164f.; Müllner, Annalen III, S. 408.
    3
     Laut Schreiben Erasmus Toplers an den Nürnberger Losunger Anton Tetzel vom 8.11. war kein Vertreter der Wolfsteiner in Worms erschienen. Stattdessen erwirkten sie beim Ks. ungeachtet des Mandats an das RKG eine auf Adam von Frundsberg und Ernst von Welden lautende Kommission. Topler empfahl, auf einem rechtlichen Verfahren vor dem Ks. oder am RKG zu insistieren (Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 36, hier S. 193).
    1
     Ebenfalls auf dem Titelblatt ist handschriftlich eine heute verlorene Inschrift an der Wormser Martinskirche wiedergegeben: Cum mare siccatur et demon ad astra levatur, tunc primo laycus fit clero [von späterer Hd. ergänzt: scilicet papistico] fidus amicus. Vgl. Fuchs, Inschriften, S. 39f.
    2
     Kompromissbrief Kardinal Bernardino Carvajals vom 16.5.1508 (lat. Kop.; StdA Worms, 1 B, Nr. 1918/2, unfol.; ebd., Nr. 1940/1, unfol. Vgl. Boos, Quellen III/2, S. 531f., 532–536 Anm. 1; Zorn, Chronik, S. 211–213). Ks. Maximilian erklärte auf Bitte der Stadt am 29.5. seine Zustimmung (Or. Köln, Vermm. prps./amdip., Gegenz. N. Ziegler; StdA Worms, 1 B, Nr. 1921/2, unfol.).
    3
     “Surrogatio compromissi” (undat. lat. Kop.; StdA Worms, 1 B, 1940/1, unfol.). Vgl. Boos, Quellen III/2, S. 537; Zorn, Chronik, S. 213.
    4
     Vgl. Schuler, Notare I, Nr. 317, S. 108.
    5
     Gemeint sind die bei den Kommissaren Zobel und Gabelentz während der Beweisaufnahme 1508 in Mainz vorgelegten Dokumente. Während der Verhandlungen in Worms wurden offenbar keine weiteren Schriftstücke eingereicht. Diese wären andernfalls in den umfangreichen städtischen Akten zweifellos überliefert. Gleichwohl forderte die Stadt bei Peter von Ravenna in Mainz am 15.5. Gutachten für die Verhandlungen an (lat. Konz.; StdA Worms, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 194). Offensichtlich war dessen Schreiben vom 13.5., worin er die Übersendung seiner beiden Gutachten (jew. lat. Or.; StdA Worms, 1 B, Nr. 1928/1, Stück-Nrr. 20f.) ankündigte (lat. Or. Mainz; ebd., Stück-Nr. 19), noch nicht eingetroffen.
    6
     = Kirchenpfleger. Zum Begriff vgl.Heyen, Erzbistum, S. 374.
    7
     Vgl. dazu Bönnen, Gründung, S. 34f.; Keilmann, Liebfrauen, S. 44 Anm. 9.
    8
     Diese Summe war seit dem 1499 erfolgten Auszug des Klerus aus der Stadt aufgelaufen (ebd.).
    1
     Die Ladung wurde am 2.6. zugestellt. Am gleichen Tag baten Wormser Bürgermeister und Rat andere Städte, sie bei diesen Verhandlungen durch ihre RT-Gesandten zu unterstützen (Or., sampstags in phingsten; ISG Frankfurt, Reichssachen II, Nr. 219, Stück-Nr. 5. AV Straßburg, AA 329, fol. 5–5’). Der Frankfurter Gesandte Johann Frosch wurde daraufhin angehalten, dem zu willfahren, soweit seine sonstigen Angelegenheiten dies zulassen würden. Wolte aber sich der handel vast erwyteren zu unwillen, so wollest dich des mit fugen entslagen, domit wir gegen den ermelten Dalbergern nit unglimpf erlangen(Stadt Frankfurt an Frosch, Kop., montags nach trinitatis[4.6.]1509; ISG Frankfurt, ebd., Stück-Nr. 6. Entsprechende Mitteilung an Worms, Konz., montags nach trinitatis[4.6.]1509; ebd., Stück-Nr. 7).
    1
     Münze im Wert von etwa 6 Pf. Vgl. Schrötter, Wörterbuch, S. 176; Deutsches Rechtswörterbuch II, Sp. 1536f.

    Anmerkungen

    a
    –aVerkünden ... festgehalten] Fehlt in B.
    b
    –bDekane ... Liebfrauenstifts] In B: Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Worms.
    c
    –cSie ... fällig] Randverm.: Ist declarirt ut infra in der delaration, fol. 5 [Verweis auf Pkt. 6 – Daraufhin ergänzen … abwesende Geistliche.].
    d
    –dSie ... Wein] Randverm.: Ist declarirt infra, fol. 6[Verweis auf Pkt. 6 – Bezüglich des … Anwendung.].
    e
    –eDie ... entrichten] Randverm.: Dieser puncten ist declarirt fol. ab hinc 10mo infra – [verweist auf die in 1 B, Nr. 1922/1 nach dem vorliegenden Stück folgende Deklaration ebfl. Trierer Räte vom 4.7.1510. Druck der Deklarationen vom 4./5.7.1510: Schannat, Historiae II, Nrr. CCXCIf., S. 305–308. – vel fol. 7 in der declaration [Verweis auf Pkt. 6 – Der Klerus … geistlichen Gütern.].
    f
    –fDieser ... verlustig] Notazeichen (Manicula) am Rand.
    g
    –gmit … ist] In B späterer Randvermerk: Nota, est pro illis qui equiparantur clero in ar[ticu]lo 54 concordie Palatini. – Verweist auf die sog. Pfalzgrafenrachtung vom 17.6.1519 (Druck: Schannat, Historia II, Nr. CCXCIX, S. 316–343, hier 336).
    h
    –hDie ... Stifte] In B: Bürgermeister, Rat und Gemeinde.
    i
    –iund ... Siegel] In B: Bürgermeister und Rat bekunden dies mit ihrem großen Siegel der Stadt, die Gemeinde urkundet mit den Siegeln der (einzeln aufgeführten) Zünfte.

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    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

    Registereinträge, die auf die Seite(n) dieses Dokuments verweisen.

    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    « Š3. Streitfälle und Schiedsverfahren  »

    «3.1. Sessionsstreit der Häuser Pfalz, Bayern und Sachsen  »

    «Nr. 320 Schiedsspruch Kf. Friedrichs von Sachsen – Worms, 28. Mai 1509 »

    München, HStA, PZU 2497 (Or. m. Siegelspuren, montaig in den heiligen pfingstfeyrn; Gegenz.Hie[ronymus] R[udelauf]) = Textvorlage A. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 1 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen worden.) = B. Weimar, HStA, EGA, Urk. 925, fol. 2 (Or. m. S., Datum und Gegenz. wie A, Verm. auf der Rückseite: Ist nit genomen oder erfordert worden.) = C. München, HStA, PNU, Reichssachen, Nr. 34 (Kop. von 1584, Kollationsverm. des Notars Johannes Stiber) = D. München, HStA, K.blau 335/36, fol. 593–593’ (Abschrift von 15831).

    Referiert bei Lehmann, Geschichte des Herzogtums Zweibrücken, S. 251.

    Zwischen den sächsischen und bayerischen [bzw. pfälzischen] Räten kam es auf diesem Reichstag zu einem Streit wegen der Session. Damit die Angelegenheiten von Ks. und Reich nicht verzögert werden, hat er als Verwandter und Freund eine gütliche Vermittlung unternommen und also disen reichstag dise mittelung durch alle tail derselben rete bewilligung erlangt und hingelegtin der folgenden Weise: Die Räte Hg. Wolfgangs als des ältesten Hg. von Bayern sollen die erste, die Räte Hg. Georgs von Sachsen die zweite Session einnehmen. Die Räte Pfgf. Alexanders [von Zweibrücken] und Pfgf. Johanns [von Simmern] folgen danach. Diese Abrede gilt unter dem Vorbehalt, dass den Rechten der Häuser Sachsen und Bayern mit Hinblick auf künftige Reichstage nichts benommen sein soll.2

    «3.2. Bischof Georg von Bamberg gegen Markgraf Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach  »

    «Nr. 321 Kompromissbrief – Worms, 10. Juni 1509 »

    Wolfenbüttel, HAB, Cod. Guelf. 32.9 Aug. 2o, fol. 303–303’ (Kop., sonntag nach corporis Cristi).1

    Der bfl. Hofmeister Johann von Schwarzenberg und Leonhard von Egloffstein als Räte des Bf. von Bamberg sowie der mgfl. Hofmeister Hans von Seckendorff und Veit Švon Lentersheim als Räte des Mgf. von Brandenburg haben wegen des Konflikts um Streitberg vereinbart, dass am Morgen des 26. Juni (dinstag nach sand Johans tag sonwenden)zwei mgfl. Räte mit den beiden genannten bfl. Räten in Forchheim zusammentreffen und dort zum Besten der beiden Parteien Vorschläge zu dessen Beilegung erarbeiten sollen. Um ein offenes Verhandlungsklima zu gewährleisten, sollen sich die Teilnehmer verpflichten, keine Äußerungen oder Vorschläge mit Ausnahme des gemeinsamen Abschieds an ihre Herren oder an Dritte weiterzugeben. Der Bf. von Bamberg soll sich am Abend des 26. Juni in Forchheim, der Mgf. von Brandenburg in Baiersdorf einfinden, wo die Verhandlungen tageweise abwechselnd stattfinden werden.

    «3.3. Bischof Georg von Bamberg gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 322 Reichsstadt Nürnberg an Bf. Lorenz von Würzburg (entsprechend an Kf. Friedrich III. von Sachsen) – Nürnberg, 2. Juni 1509 »

    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher, Nr. 64, fol. 27’ (Kop., sambstag nach pfingsten).

    Übersenden ihm gemäß dem [Schmalkaldener] Rezess [Nr. 115, Anm. 3] in zweifacher Ausfertigung ihre Replik zur Erwiderung des Bf. von Bamberg auf ihre Klage1.

    «3.4 Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich »

    «Nr. 323 Pfgf. Friedrich an Kf. Friedrich III. von Sachsen – Worms, 30. April 1509 »

    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 55, fol. 275–276 (Konz., montags nach jubilate).

    Er erinnert sich sicherlich noch daran, dass er den seinen Räten auf dem Nürnberger Schiedstag unterbreiteten Vermittlungsvorschlag hinsichtlich der zwischen ihm, Pfgf. Friedrich, als Vormund und Hg. Wilhelm von Bayern umstrittenen Taxation aus schwerwiegenden Gründen ablehnen musste [Nr. 22, Anm. 5], gleichzeitig aber darum gebeten hat, einen neuen Termin anzuberaumen, um dort kraft der ksl. Deklaration1in dieser Sache eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Der Ks. Šhat ihm, dem Kf., eine entsprechende schriftliche Weisung erteilt. Deren Umsetzung ist jedoch bislang unterblieben, was ihn und seine Mündel [Pfgff. Ottheinrich und Philipp] erheblich benachteiligt. Bittet ihn deshalb, beide Parteien kurzfristig zu einem Rechtstag zu laden und dort das Verfahren zum Abschluss zu bringen.2

    [PS] Er geht davon aus, dass er und seine Mitkommissare [Ludwig Vergenhans und Ernst von Welden] inzwischen die Abrechnungen aus den Ämtern des neuen Unterpfands3erhalten haben. Bittet um deren schriftliche Mitteilung.

    «3.5. Herzog Wilhelm IV. von Bayern gegen Reichsstadt Regensburg »

    «Nr. 324 Instruktion der bayerischen Vormundschaftsregierung für den Hofmeister Gregor von Egloffstein als Gesandten zu Ks. Maximilian – München, 6. Juni 1509 »

    [1.] Konflikt mit Regensburg wegen der Verhaftung Christoph Gießers; [2.] Belehnung des neuen Regensburger Schultheißen mit dem Blutbann.

    München, HStA, KÄA 1575, fol. 51–55 (Kop., am abent korporiß Cristi) = Textvorlage. Ebd., fol. 45–48’ (Konz.) = B.

    [1.] Die bayerischen Regenten haben den Ks. nach seiner Abreise aus Worms gebeten, in ihrem Konflikt mit Regensburg auf Ersuchen der Stadt kein Mandat zu bewilligen, ohne zuvor ihren Bericht angehört zu haben. Dieser hat daraufhin Hg. Wilhelm zu sich nach Kaufbeuren beschieden und unter anderem mitgeteilt, dass er aufgrund einer Supplikation Regensburgs1die Überstellung Gießers in ksl. Gewahrsam angeordnet habe und mit dem Hg.über die Angelegenheit verhandeln wolle [Nr. 148]. Nach der Ankunft des Hg. in Kaufbeuren teilte der ksl. Kanzler Serntein ihm sowie den ihn begleitenden Vormündern und Räten mit, dass der Ks. sich um den Vorgang nicht selbst kümmern könne, jedoch eine Kommission nach Augsburg einberufen habe. Gießer werde für die Anhörung dorthin überstellt. Die bayerische Seite nahm den Vorschlag an, ließ entsprechende Schreiben – eine ksl. Weisung an Sigmund von Rorbach zu Verhandlungen mit der Stadt [Nr. 434, Anm. Š3] und Vorladungen an die Parteien zum Schiedstag nach Augsburg2– aufsetzen und in der ksl. Kanzlei ausfertigen. Die Regenten haben sämtliche Regensburger Gefangenen mit der Auflage entlassen, sich nach Abschluss des Verhörs wieder einzustellen, und, anders als die Stadt, ihre Anwälte nach Augsburg geschickt, wie aus dem beiliegenden Schreiben der Kommissare3zu entnehmen ist. Am 6. Juni übergab der Regensburger Schultheiß [Hans Portner] indessen ein Mandat4, das ganz im Widerspruch zum bisherigen Vorgehen des Ks. steht.

    Hg. Wilhelm und seine Vormünder beschweren sich darüber, dass die Regensburger Gesandten ein solches Mandat erwirken konnten, ohne dass Bayern vorher Gelegenheit zu einer Stellungnahme erhalten hat. Sie haben wiederholt ihr Einverständnis erklärt, und tun dies noch, in dieser Angelegenheit eine Anhörung vor dem Ks. oder den in Worms versammelten Reichsständen, dem Kammergericht oder anderen Bevollmächtigten durchzuführen. Sie messen die Schuld an diesem Mandat nicht dem mit wichtigen Angelegenheiten des Reiches und der ganzen Christenheit beschäftigten Ks. zu, sondern machen dafür das Drängen der Regensburger Gesandten verantwortlich, die die angesetzte Anhörung vor den Kommissaren verhindern wollten. Sie wollen darauf aber nicht verzichten. Die Affäre ist im ganzen Reich bekannt. Es könnte der Eindruck entstehen, als hätten sie gegen Regensburg ein Unrecht begangen. Feinde Bayerns könnten dies als Vorwand nehmen, um gegen das Hm. vorzugehen. Sie bitten, das Mandat zu widerrufen, die Kommission durchzuführen und Gießer nach Augsburg in ksl. Gewahrsam überstellen zu lassen.

    [2.] Sie haben erfahren, dass der Ks. Hans Portner mit dem Blutbann belehnt hat. Dies obliegt jedoch gemäß dem von ihm bestätigten Vertrag derzeit der Vormundschaft und künftig Hg. Wilhelm. Zwar heißt es darin, dass Ks. oder Kg. im Falle einer Verweigerung durch Bayern die Belehnung durchführen sollen.5Dies Šwar jedoch nicht der Fall. Sie haben zugesagt, Portner zu belehnen, sobald eine verbindliche Zusage Regensburgs vorliegt, Gießer bis zur Klärung der Angelegenheit nicht mehr zu foltern. Doch hat Regensburg dies abgelehnt. Die Regensburger Gesandten verunglimpfen den jungen Hg. und seine Vormünder beim Ks. Bitten ihn, dafür zu sorgen, dass sie dem Hg. mehr Achtung entgegenbringen. Die Stadt liegt inmitten des Hm. Bayern und ist wirtschaftlich davon abhängig. Bitten den Ks., in allen vorgebrachten Punkten wohlwollend zu entscheiden.6

    «3.6. Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken, Graf Philipp von Solms-Braunfels und Gerlach von Isenburg gegen Wild- und Rheingrafen  »

    «Nr. 325 Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken und Gf. Philipp von Solms-Braunfels an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt – s.l., 24. Mai 1509 »

    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 236, unfol. (Or., donnerstag nach exaudi).

    Die ksl. Räte in Worms haben für den 4. Juni (mondag nach dem sondag trinitatis)Verhandlungen in ihrer Angelegenheit mit Philipp und Johann von Dhaun, [Wild- und] Rheingff. zum Stein, anberaumt.1Der Frankfurter Advokat Dr. Adam [Serenarius] von Heimbach stand ihnen dabei bisher beratend zur Seite. Da die Sache für sie wichtig ist, bitten sie für diesen um die Erlaubnis, ihnen auf dem anberaumten Tag als Rechtsberater zu dienen.

    « Š3.7. Schenken von Erbach gegen Landgraf Wilhelm II. von Hessen  »

    «Nr. 326 Supplikation Eberhards und Valentins Schenken von Erbach an Kf. Friedrich III. von Sachsen – [Worms, zwischen dem 21. Mai und 11. Juni 1509]1 »

    Druck: Schneider, Stamm-Tafel, Urkunden zum dritten Satz, Nr. 66, S. 605f.

    Lgf. Wilhelm von Hessen hat ihnen im Bayerischen Krieg ihre Güter abgewonnen und dies damit gerechtfertigt, dass er, Eberhard, sein Feind geworden sei. Tatsächlich war er ohne sein Wissen und seine Zustimmung in einen in der kurpfälzischen Kanzlei ausgefertigten Absagebrief2aufgenommen worden. Er stellte dies jedoch bald nach dessen Zustellung richtig, da Kf. Philipp von der Pfalz ihm die Beteiligung an dieser Fehde erlassen hatte. Der von ihm selbst eingeschaltete röm. Kg. beschied ihn, vom Kf. eine entsprechende eidesstattliche Erklärung zu erlangen. Unter Vorlage dieser Urkunde leistete er gegenüber einem kgl. Kommissar in Augsburg einen Reinigungseid.

    Er, Valentin, gehörte vor dem Krieg zum Hofgesinde Hg. Georgs von [Nieder-] Bayern und war nicht etwa wie andere Gefolgsleute von Kf. Philipp nach Bayern geschickt worden. Er hat dies ebenfalls, wie vom röm. Kg. verfügt, in Augsburg durch seinen Eid bezeugt. Ihre Fürsprecher Kf. Ludwig von Pfalz und Gf. Michael3von Wertheim machten bei Verhandlungen mit dem Lgf. in Darmstadt ihre erwiesene Unschuld geltend. Doch warten sie bislang vergebens auf die zugesagte gnädige Antwort.

    Er, Kf. Friedrich, steht beim Lgf. in hohem Ansehen. Bitten ihn zu bedenken, dass sie dem ksl. Bescheid und damit der Reichsordnung nachgekommen sind. Er weiß auch, dass der Ks. in seinem Kölner Spruch die Anhänger und Gefolgsleute Kf. Philipps von allen Folgen der Reichsacht absolviert hat.4Bitten ihn, für sie beim Lgf. als Fürsprecher einzutreten und ihn um Rückgabe ihrer Güter zu bitten. Sie wären zu einer gütlichen Anhörung oder einem rechtlichen Verfahren vor ihm und seinem Bruder Hg. Johann bereit.

    « Š3.8. Reichsstadt Lübeck gegen König Johann I. von Dänemark  »

    «Nr. 327 Mandat Ks. Maximilians (Reichstagskommissare) an Kf. Joachim I. von Brandenburg – Worms, 8. Juni 1509 »

    Druck: Schäfer, Hanserecesse, Nr. 439, S. 531 (Vorlage: Or. m. Siegelresten, Verm. amdiic., Gegenz. J. Storch).

    Gebietet ihm, die Stadt Lübeck, die von Kg. Johann von Dänemark durch Wegnahme ihrer Schiffe und Waren, Vorenthaltung ihrer jährlichen Renten, Verletzung ihrer Rechte und Freiheiten sowie Sperrung ihres Handels geschädigt wird, zu verteidigen und zu schützen, sooft er darum ersucht wird.1

    «3.9. Herren von Wolfstein gegen Reichsstadt Nürnberg  »

    «Nr. 328 Mandat Ks. Maximilians an den Kammerrichter Gf. Adolf von Nassau und die Beisitzer des ksl. Kammergerichts – Mindelheim, 10. Mai 15091 »

    Nürnberg, StdA, B 11, Nr. 828, unfol. (Or., Vermm. prps./amdip., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 127 (Konz. mit ex.-Verm.) = B.

    Wegen der Streitigkeiten zwischen den ksl. Räten Wilhelm von Wolfstein (ksl. Feldmarschall) und Albrecht von Wolfstein (Pfleger zu St. Pölten) auf der einen und der Stadt Nürnberg auf der anderen Seite2wollte er ursprünglich auf dem ŠWormser Reichstag eine Anhörung durchführen, um dann eine Entscheidung zu treffen. Wegen wichtiger Angelegenheiten musste er jedoch aus Worms abreisen. Die Hh. von Wolfstein haben ihn um rechtliche Hilfe ersucht. Befiehlt ihnen, auf Ersuchen der Hh. oder ihres Bevollmächtigten Nürnberg zu einem rechtlichen Verfahren vorzuladen.3

    «3.10. Reichsstadt Worms gegen Wormser Stiftsklerus  »

    «Nr. 329 Notariatsinstrument mit den Schiedssprüchen Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs III. von Sachsen »

    [1.] Notariatsinstrument über die am 9. und 18. Juni abgegebenen Verpflichtungserklärungen der Parteien; [2./7.] Reversbriefe der Parteien vom 30. Juli mit inserierten Schriftstücken: [3.] Urteilsspruch der Schiedsrichter vom 9. Juni; [4.] Urteilsspruch vom 18. Juni; [5.] gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18. Juni; [6.] Deklaration vom 18. Juni über den Urteilsspruch vom 9. Juni.

    I. (Drucke): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/1, pag. 1–17 (Druck [Peter Drach, Speyer 1509] mit handschriftl. Randvermerken, die den Inhalt teils kennzeichnen, teils kommentieren; Aufschr.: Entscheidt vnd vertrege zwischenn der pfaffheidt vnd gemeyner Statt wormbs des weynschenckens vnd anderer stuck halber etc.1 – Auch als Online-Ressource verfügbar.) = Textvorlage A. Worms, StdA, 1 B, Nr. 1922/2, unfol. (Druck [Jakob Köbel, Oppenheim 1509] [nur Pkt. 2–7]; handschriftl. Randvermerke, die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Spruch vnd entscheit zwischen gemeyner priesterschafft vnnd der Statt Wormbs des hochwirdigenn fürsten vnnd herrn Ertzbischoff Jacobs zuͦ Trier etc. Vnd herrn Friderichs, hertzogen zuͦ Sachsen etc., des heiligen Romischen reichs Churfursten.– Auch als Online-Ressource verfügbar.) = B.

    II. (lat. Notariatsinstrument [= Pkt. 1]): Worms, StdA, 1 A I, Nr. 674 (Unterz. und Notariatssignete Johann Fabris und Petrus Fabris) = C.

    III. (lat.Übersetzung der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Worms, StdA, 1 B, Nr. 1918/1, unfol. (Aufschrift: Translatio de theutonico in latinum laudi et aliaŠrum transactionum inter venerabilem clerum ac prudentes consules, proconsules ac universos cives Wormatienses erectarum per reverendissimos ac illustrissimos graciosissimosque principes, archiepiscopum Treverensem etc. ac Fridericum Saxonie ducem, electores etc., sub anno Domini MVCnono. – Petrus de Schonauwe [Dekan von St. Kastor/Koblenz]. Reihenfolge: Pkt. 3, 6, 4, 5). Worms, StdA, 1 B, Nr. 1928/3, Stück-Nr. 189 (Reihenfolge: Pkt. 6, 4 [unvollständig, 5 fehlt], 3).

    IV. (dt. Kop. der Entscheide vom 9./18.6. [= Pkt. 3–6]): Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 21, pag. 465–488.

    V. (Schiedsspruch vom 18.6. zwischen Stadt und Paulsstift bzw. Liebfrauenstift [= Pkt. 5]): Worms, StdA, 1 A 1, Nr. 674a (Or. Perg. m. S.) = D.

    Druck: Lünig, Reichs-Archiv XIV (Part. Spec. Cont. IV, 2. T., 54. Abs., Nrr. XII-XIV, XVI), S. 685–694 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Schannat, Historiae II, Nr. CCXC, S. 294–305 (Überlieferung der Stadt Worms, Pkt. 2–7); Moser, Handbuch II, S. 973–983 (Pkt. 3–6).

    [1.] aVerkünden, dass am Samstag, dem 9. Juni 1509, um zwölf Uhr mittags auf dem Bürgerhof genannten Rathaus zu Worms in Gegenwart der später benannten Zeugen und Notare vor Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen die Anwälte der Parteien erschienen sind: auf der einen Seite Balthasar Schlör in Begleitung weiterer Angehöriger der fünf Stifte und auf der anderen Seite Philipp Lang als Vertreter der Stadt Worms mit den Ratsherren. Vor Eröffnung ihres Entscheids legte der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin von Wittlich im Namen der beiden Schiedsrichter dar, dass über lange Zeit Streit zwischen Klerus, Rat und Bürgerschaft geherrscht habe. Beide Parteien hätten die Entscheidung über die Streitpunkte Kardinal Bernardino [López de Carvajal] und Kf. Friedrich von Sachsen anheimgestellt.2Der Kardinal sei jedoch durch andere Obliegenheiten an der Schlichtung gehindert worden und habe deshalb an seiner Stelle Ebf. Jakob von Trier beauftragt.3Dieser habe sich mit Kf. Friedrich auf einen Urteilsspruch verständigt, den sie eröffnen wollten, sowie die Anwälte beider Parteien vor den dieses Instrument unterzeichnenden Notaren folgende Erklärung beeidet hätten: 1. Die Parteien verpflichten sich zur unbefristeten Einhaltung des Urteils. 2. Die beiden Parteien verpflichten sich, auf ihre Kosten binnen Jahresfrist die Bestätigung des Urteils durch Papst und Kaiser einzuholen. Bis dahin sollen Bevollmächtige dessen Einhaltung gewährleisten. Diese sind befugt, gegen die ungehorsame Partei geistliche Strafen zu verhängen. 3. Die Priesterschaft auf der einen Seite sowie Rat Šund Bürgerschaft auf der anderen geloben mit Brief und Siegel, sich unbefristet an das Urteil zu halten.

    Diese eidliche Erklärung haben die Anwälte der Parteien gegenüber den beiden unterzeichnenden Notaren geleistet. Die Stadt hat sich zusätzlich verpflichtet, das Schriftstück mit dem Rats- und dem Zunftsiegel zu versehen. Daraufhin eröffnete der Trierer Kanzler das schiedsrichterliche Urteil [= Pkt. 3]. Nach dessen Verlesung nahmen die Anwälte der beiden Parteien das Urteil an. Da Kf. Friedrich den Verhandlungen über die noch offenen Streitpunkte wegen anderer Angelegenheiten nicht länger beiwohnen konnte, haben die Vertreter beider Parteien in ein Schieds- und Rechtsverfahren vor Ebf. Jakob und zwei Vertretern des sächsischen Kf. eingewilligt. Als Zeugen waren anwesend: Philipp Aberlin (Oberlynn)aus Ladenburg [Hst. Worms], Markus Mayer (Kleriker im Bm. Augsburg) und Johann Obenhang (Kleriker im Ebm. Mainz).

    Am 18. Juni traten die Anwälte Balthasar Schlör und Philipp Lang im Beisein ihrer Parteien vor Ebf. Jakob von Trier, Dr. Johann Lupfdich und Dr. Georg Besserer, um ihre Entscheidung über die noch offenen Streitpunkte entgegenzunehmen. Der Kurtrierer Kanzler Dr. Heinrich Dungin erinnerte auf Befehl des Ebf. einleitend beide Parteien daran, dass sie bei der Eröffnung des ersten Urteilspruches in eine Entscheidung über diese Punkte durch den Ebf. von Trier und die genannten Räte eingewilligt hätten. Diese hätten einhellig eine Entscheidung getroffen, die ihnen eröffnet werden solle, sobald sie wie beim ersten Urteil eine eidliche Verpflichtungserklärung abgegeben hätten. Schlör und Lang leisteten daraufhin die geforderte Erklärung vor den unterzeichnenden Notaren. Anschließend eröffnete der Kanzler den Spruch. Dies geschah auf dem Bürgerhof in Anwesenheit der Zeugen Dr. Markus Morschheimer, genannt Wagentreiber, und Stefan Rein (Altarist zu Westhofen), beide Kleriker im Bm. Worms.

    Er, Johann Fabri (Schmydt), genannt Windeck (Wynneck)(Kleriker im Ebm. Mainz sowie päpstlicher und ksl. Notar), war bei den geschilderten Vorgängen persönlich anwesend und hat deshalb das durch den Notar Petrus Fabri (Schmydt)4aufgesetzte Instrument unterschrieben und mit seinem Signet versehen. Er, der Notar Petrus Fabri (Schmydt)aus Katzenelnbogen, war ebenfalls bei diesen Vorgängen zugegen und hat sie, wie gesehen und gehört, im vorliegenden, eigenhändig verfassten, von ihm unterschriebenen und mit seinem Zeichen versehenen Instrument festgehalten.–a

    [2.] [Reversbrief des Stiftsklerus bzw. der Stadt vom 30. Juli:] bDekane und Kapitel des Domstifts, der Stifte St. Paul, St. Andreas und St. Martin sowie des Liebfrauenstifts–b erklären, die folgenden Entscheide und Deklarationen angenommen zu haben.

    Š[3.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier und Kf. Friedrichs von Sachsen vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Klerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs der Ernte, der Immobilien und wegen weiterer Fragen. Darüber wurde bereits vor Ks. Maximilian, geistlichen Richtern und anderen geistlichen wie weltlichen Personen ergebnislos verhandelt. Beide Parteien stellten schließlich laut Kompromissbrief vom 16. Mai 1508 die Entscheidung über die Streitpunkte dem Kardinallegaten Bf. Bernardino von Frascati (Tusculan)und Kf. Friedrich von Sachsen anheim. Wegen der Abreise des Kardinals stimmten beide Parteien dessen Vertretung durch ihn, Ebf. Jakob von Trier, zu, um gemeinsam mit ihm, Kf. Friedrich von Sachsen, in diesem Streit ein Urteil zu fällen. Sie beide haben diese Aufgabe übernommen und die im Kompromissbrief anberaumte Frist mit der Zustimmung beider Parteien bis Ende Juni verlängert. Sie haben sich in Worms von den durch den Kardinal und Kf. Friedrich eingesetzten Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, über die von den Parteien eingereichten Schriftsätze und Dokumente5unterrichten lassen und nach deren Studium und Beratung kraft Kompromissbriefes gemeinsam folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Magistrat beansprucht von jeder durch den Klerus in die Stadt eingeführten Wagenladung Wein die von seinen Bürgern ebenfalls erhobene Abgabe von 26 Weißpfennigen. cSie, die Schiedsrichter, verfügen, dass der in der Stadt ansässige Klerus für den von seinen dort gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist. Für den übrigen Wein wird dagegen bei der Einfuhr eine Abgabe fällig–c.

    2. Rat und Bürgerschaft beanspruchen von dem Wein, der von den Benefizien des Klerus in der Stadt oder von dessen ererbten Gütern stammt und in der Stadt ausgeschenkt wird, wie von den Bürgern auch ein Ungeld. Der Klerus sieht sich dazu nicht verpflichtet. dSie, die Schiedsrichter, legen fest, dass der Klerus ausschließlich den von seinen Benefizien und ererbten Gütern stammenden Wein [acht Wochen lang] von Ostern bis Sonntag Trinitatis sowie zwischen St. Andreas [30.11.] und Hl. ŠDrei Kgg.[6.1.] abgabenfrei ausschenken darf. Außerhalb dieser Zeiten dürfen nur kleine Mengen verkauft werden, wovon der Klerus wie die Bürger auch das Ungeld entrichten muss. Dies gilt grundsätzlich auch für den vom Klerus anderweitig erworbenen Wein–d.

    3. Rat und Bürgerschaft beanspruchen, dass der Erstkäufer von dem Wein, der von den in der Stadt gelegenen geistlichen Gütern oder von ererbten Gütern stammt und in größeren Mengen in Worms verkauft wird, eine Abgabe von 18 Weißpfennig je Wagenladung zu entrichten hat. Dies bestreitet der Klerus. eDie Entscheidung lautet, dass der Klerus diesen Wein das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist indessen zu einer Abgabe von nicht mehr als 9 Weißpfennig an die Stadt verpflichtet; von der Restsumme ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für allen übrigen, vom Klerus veräußerten Wein hat der Käufer die Abgabe an die Stadt in voller Höhe zu entrichten–e.

    4. Rat und Bürgerschaft beanspruchen das Recht, für in Worms verkauftes, von den in der Stadt gelegenen Klöstern und Benefizien oder den ererbten Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und die Früchte vom Erstkäufer eine Abgabe von 2 Pf. je Malter zu erheben. Der Klerus bestreitet dies unter Hinweis auf seine Privilegien. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus Getreide und Früchte aus seinen Besitzungen das ganze Jahr über in der Stadt verkaufen darf. Der Käufer ist dafür zu einer Abgabe von höchstens 1 Pf. verpflichtet; von der restlichen Summe ist er zum Vorteil des Klerus befreit. Für nicht aus den Besitzungen des Klerus stammendes Getreide und Früchte wird die Abgabe an die Stadt in voller Höhe fällig.

    5. Rat und Bürgerschaft sind der Auffassung, dass der Klerus für seine zugekauften Immoblien in der Stadt die gleichen Abgaben und Leistungen zu erbringen hat wie alle anderen Bürger auch. Der Klerus bestreitet eine solche Verpflichtung. Er lehnt überdies den Zwangsverkauf dieser Besitzungen an Laien ab. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Klerus zum Zukauf von Immobilien in oder außerhalb der Stadt grundsätzlich berechtigt und zu deren Wiederverkauf in die weltliche Hand nicht verpflichtet ist. Die auf diesen Immobilien zum Zeitpunkt des Kaufs liegenden Lasten gehen auch auf den geistlichen Käufer über. Die Erhebung weiterer Abgaben durch den Wormser Magistrat nach dem Kauf sind dagegen unzulässig.

    6. Rat und Bürgerschaft halten den Klerus für verpflichtet, zur Instandhaltung der öffentlichen Wege, Brücken, Brunnen und Gräben beizutragen, was dieser bestreitet. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat nicht befugt ist, den Klerus dafür heranzuziehen.

    Erklären alle im Zusammenhang mit den genannten Punkten entstandenen gegenseitigen Forderungen für nichtig. Der Klerus ist ohne Einschränkung wieder Šin seine früheren Besitzungen einzusetzen und soll künftig wieder den Gottesdienst halten. Rat und Gemeinde sind verpflichtet, die Geistlichen in ihren Rechten zu schützen. [Datum].

    [4.] [Urteilsspruch Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Viti vnd Modesten tag):] Zwischen den Domherren und dem Wormser Stiftsklerus auf der einen und Bürgermeistern, Rat und Bürgern der Stadt Worms auf der anderen Seite herrschte seit langer Zeit Streit und Zwietracht wegen des Weinausschanks, des Verkaufs von Getreide, der Immobilien und weiterer Fragen, die Ebf. Jakob von Trier und Kf. Friedrich von Sachsen durch ihren Spruch vom 9. Juni (Sampstag nach vnsers herrn Leichnams tag)zum Teil beigelegt haben [= Pkt. 3]. Die Entscheidung über die verbliebenen strittigen Punkte stellten die Anwälte der beiden Parteien ihm, Ebf. Jakob, und den beiden von Kf. Friedrich wegen seiner Verhinderung bevollmächtigten Räten anheim und verpflichteten sich vor den beiden hinzugezogenen Notaren [Johann Fabri und Petrus Fabri] in Gegenwart weiterer Zeugen eidlich zur Annahme und Umsetzung ihrer Entscheidung. Ein gütlicher Vergleich war nicht möglich. Er, Ebf. Jakob, hat deshalb gemeinsam mit den Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer auf der Grundlage der bei den Kommissaren, den Mainzer Domherren Dietrich Zobel und Christoph von der Gabelentz, eingereichten Unterlagen nach ausführlicher Beratung folgende Entscheidung gefällt:

    1. Der Klerus hält seine Bediensteten aufgrund alter Privilegien von allen öffentlichen Lasten und Abgaben für befreit. Rat und Gemeinde vertreten dagegen die Auffassung, dass dieser Personenkreis die gleichen Lasten tragen muss wie andere weltliche Bürger. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass die Bediensteten des Klerus, sofern es sich um Laien handelt, wie die übrigen Bürger entsprechend ihrem Besitz zu öffentlichen Lasten und Abgaben herangezogen werden können. Was ihnen aber als Personen und nicht für ihre Güter auferlegt wird, davon sind sie befreit. Außerdem gilt für diejenigen Personen, die für sich und ihre Güter zum unbefristeten Dienst für die Kirche verpflichtet sind, wie für die Geistlichen die Befreiung von weltlichen Abgaben.

    2. Die Geistlichen sind befugt, für ihre Gotteshäuser oder für den Eigenbedarf Holz, Schweine und Ochsen abgabenfrei zu kaufen, es sei denn, sie fungieren als Zwischenhändler. In diesem Fall sind sie verpflichtet, Abgaben wie die anderen Bürger auch zu leisten. Die Geistlichen und ihre Diener sind auch hinsichtlich der für ihren Eigenbedarf auf dem Pfingstmarkt erstandenen Waren abgabenfrei. Ebensowenig werden für die dem Klerus testamentarisch vermachten beweglichen wie unbeweglichen Güter Abgaben an die Stadt fällig.

    3. Der Klerus ist weiter der Auffassung, dass für seine Einkünfte aus den Stiften und Benefizien sowie für ihm gegenüber bestehende Abgabenverpflichtungen von Bürgern ausschließlich das geistliche Gericht zuständig ist. Rat und Bürgerschaft erachten demgegenüber ausschließlich das weltliche Gericht für zuständig. Der Rat wäre demnach befugt, solche beim geistlichen Gericht anhängigen Verfahren vor das Šweltliche Gericht zu evozieren. Die Angehörigen des Liebfrauenstifts vertreten die Auffassung, dass die Einsetzung ihrer beiden Fabrikmeister6dem Bf. obliegt und sie deshalb die beiden vom Rat eingesetzten Pfleger nicht akzeptieren müssen. Der Rat hingegen beansprucht diese Befugnis für sich. Sie, die Schiedsrichter, erachten sich zu einer Entscheidung über diese beiden Streitpunkte aufgrund des Kompromissbriefes als nicht befugt, da sie den Bf. von Worms mitbetreffen.

    4. Zwischen dem Domstift und der Stadt entstand Streit wegen des neuen [Heilig-Geist-]Spitals. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass der Magistrat den Domdekan und die Domherren wieder in die Administration des Spitals einsetzen muss. Doch ist gemäß dem Herkommen ein vom Rat bestellter Verwalter hinzuzuziehen.

    5. Zwischen den Angehörigen des Andreasstifts und der Stadt gab es Streit wegen des auf Veranlassung des Magistrats abgebrochenen Kanals auf der Stadtmauer. Sie, die Schiedsrichter, entscheiden, dass jede Partei innerhalb eines Monats einen vereidigten Sachverständigen zur Prüfung der Bauarbeiten bestimmen soll. Nach Maßgabe ihres Gutachtens soll der Kanal unter Aufteilung der Kosten zwischen den Parteien wieder gebaut werden.

    6. fDieser Spruch legt die darin geregelten Streitpunkte für alle Zeiten bei. Den Parteien ist jeglicher Verstoß dagegen untersagt. Bei Zuwiderhandlung gegen dieses Friedensgebot geht der Verursacher sämtlicher ihm im ersten Spruch vom 9. Juni [= Pkt. 3] und im vorliegenden Entscheid zuerkannten Rechte verlustig–f. [Datum].

    [5.] [Gütlicher Entscheid Ebf. Jakobs von Trier vom 18.6. (Montag nach sant Vits vnd Modesten tag):] Er, Ebf. Jakob, hat die Streitigkeiten zwischen dem Paulsstift und der Stadt wegen des Eisbachs mit der Zustimmung der Parteien dahingehend verglichen, dass die überkommenen Rechte des Stifts [als Bachherrn] gewahrt werden sollen. Demnach hat das Stift bei Streitigkeiten zwischen den Müllern am Eisbach, die den Bach und die dort gelegenen Mühlen betreffen, die Entscheidungskompetenz, jedoch nicht bei anderen Streitsachen der Müller. Der Rat soll für das Mühlrecht der gekauften Harnischmühle 10 fl. und 6 Pfd. Wachs entrichten. Bei der Einsetzung eines neuen Müllers durch den Rat wird diese Abgabe erneut fällig – wie dies für andere Mühlen, etwa die Walkmühlen der Klöster Kirschgarten und Maria Münster (Nonnenmoͤnster), auch gilt.

    Der Wächter auf dem Domturm soll dem Wormser Domdekan in Anwesenheit des Rates den Diensteid leisten. Den Turmschlüssel verwaltet ebenfalls der Dekan.

    Der Streit zwischen dem Liebfrauenstift und der Stadt ist dahingehend verglichen, dass der Rat gemäß der bestehenden Verschreibung7jährlich 200 fl. an die Stiftsfabrik bezahlen soll. Die ausstehenden 2000 fl.8soll der Rat in Tranchen von jährlich Š100 fl. abzahlen. Falls Baumaßnahmen am Stift erforderlich werden sollten, soll die benötigte Summe ebenfalls aus dieser Schuld bestritten werden.

    Dem Klerus stehen noch vorenthaltene Einkünfte aus ihren Stiften und Benefizien zu. Die Schuldner haben diese Summe vollständig abzubezahlen und die künftig anfallenden Zinsen zu den jährlichen Terminen zu entrichten. [Datum].

    [6.] [Deklaration Ebf. Jakobs von Trier, Dr. Johann Lupfdichs und Dr. Georg Besserers vom 18. Juni (Montag nach sant Vits vnd Modesti tag)über den Entscheid vom 9. Juni:] Das Wormser Domstift und der Stiftsklerus auf der einen Seite und Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Worms auf der anderen Seite supplizierten vor den Notaren [Johann und Petrus Fabri] und Zeugen an ihn, Ebf. Jakob von Trier, sowie die beiden Stellvertreter Kf. Friedrichs von Sachsen, die Drr. Johann Lupfdich und Georg Besserer, um Erläuterung ihres Spruches vom 9. Juni (Sampstag nach vnßers herrn Leichnams tag)[= Pkt. 3].

    Daraufhin ergänzen sie den ersten Artikel, wonach der Klerus für den von seinen in Worms gelegenen oder von seinen ererbten Gütern stammenden Wein bei der Einfuhr zu keiner Abgabe an die Stadt verpflichtet ist, dahingehend, dass diese Bestimmung sich auch auf den aus Worms ausgeführten Wein erstreckt. Ebenso gilt sie für Geistliche, die in der Stadt Benefizien haben, jedoch aus triftigen Gründen ihre Residenzpflicht nicht wahrnehmen können, etwa, weil sie an einer Universität studieren oder in Angelegenheiten ihres Stifts unterwegs sind, nicht jedoch für andere abwesende Geistliche. Bezüglich des Ausschanks und Verkaufs von Wein der aus triftigen Gründen abwesenden Geistlichen finden der zweite und dritte Artikel Anwendung.

    Der Klerus hat außerdem um Erläuterung des dritten Artikels gebeten. Da er jedoch aus schwerwiegenden Gründen in der vorliegenden Weise verfasst wurde, bleibt er gmit der Einschränkung, dass der Wormser Klerus beim Kauf von größeren Mengen Weins nicht zur Zahlung der Abgabe von 9 Weißpfennigen je Wagenladung verpflichtet ist–g, bestehen. Zum besseren Verständnis ihres Entscheids erklären sie, dass der Klerus die von seinen Benefizien oder Erbgütern stammenden Feldfrüchte abgabenfrei ein- und ausführen darf. Falls der Magistrat die Aufhebung der Abgaben auf Wein und Getreide beschließen sollte, gilt dies selbstverständlich auch für die Abnehmer dieser Erzeugnisse aus den geistlichen Gütern. Falls Geistliche für ihren Haushalt Wein zukaufen müssen, soll ihnen dies freistehen. Doch dürfen sie diesen Wein nicht ausschenken oder verkaufen. Die für den Weinausschank benötigten Fähnchen erhalten die Geistlichen kostenlos; sie müssen ihnen auf Verlangen unverzüglich ausgegeben werden. [Datum].

    [7.] hDie Dekane und Kapitel der [fünf] Stifte–h verpflichten sich eidlich zur Einhaltung und zum Vollzug dieser Entscheide i–und bekunden dies mit ihrem Šgroßen Siegeli. Datum: 30. Juli (Montag nach sant Jacobs des heiligen apostels dag) 1509.

    «3.11. Reichsstadt Worms gegen Kämmerer von Dalberg  »

    «Nr. 330 Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach und die übrigen ksl. Reichstagskommissare an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms – Worms, 31. Mai 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 83 (Or. mit Resten von 2 Ss.).

    Der Ks. hat ihnen befohlen, im Streit zwischen der Stadt Worms und den Kämmerern von Dalberg beide Parteien anzuhören und gütlich zu vermitteln [Nr. 267, Pkt. 16]. Beraumen ihnen daraufhin für den 8. Juni (freitag nach unsers Herrn fronleichnams tag)einen Tag in Worms an. Ein entsprechendes Schreiben ging auch der Gegenpartei zu.1

    «Nr. 331 Gegenbericht der Kämmerer von Dalberg an die ksl. Reichstagskommissare – Worms, 14. Juni 1509 »

    Worms, StdA, 1 B, Nr. 516/6, Stück-Nr. 85 (Kop., Dorsalverm.: Der von Dalberg bericht uf der von Worms clag, pr[aesenta]tum Wormac[iae] ad cancellariam imperialem, 14. Junii 1509.).

    Erklären, dass sie nicht verpflichtet sind, auf die vermeintliche Klage der Stadt Worms zu antworten. Beantragen stattdessen, die Klage nicht zuzulassen. Die Stadt hat sie um zwölf Pfd. h.[und] vier Englische1sowie um 120 Pfd. Talg gebracht. Vor einer Antwort auf die Klage muss ihnen ihr Gut zurückerstattet werden. Bitten deshalb, die Gegenseite zu veranlassen, bis dahin mit ihrer Klage stillzustehen. Falls die Stadt jedoch anderer Auffassung sein sollte, sind sie zu einem rechtlichen Austrag bereit.