Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «Nr. 260 Reichsstädtisches Reichstagsprotokoll – Worms, 21. April-2. Juni 1509 »

    [1.] Ausschreiben und wiederholte Verschiebung des Wormser Reichstages, Einzug Ks. Maximilians in Worms am 21. April, in Worms anwesende Reichsfürsten und ausländische Gesandtschaften; [2.] ksl. Eröffnungsvortrag am 22. April; [3.] Beratungen der Kurien am 23. April über eine Antwort, Sessionsstreit der Städte Köln und Aachen; [4.] Antwort der Reichsstände an Ks. Maximilian vom 23. April; [5.] Erwiderung Ks. Maximilians: Ankündigung seiner Abreise und Aufforderung zur Fortsetzung des Reichstages; [6.] Reichsbelehnungen der Ebff. von Mainz und Köln sowie des Bf. von Lüttich, Verweigerung der Reichsbelehnung für Kf. Ludwig V. von der Pfalz und Pfgf. Friedrich, Abreise Ks. Maximilians am 24. April; [7.] Akkreditierung der ksl. Reichstagskommissare am 16. Mai; [8.] Vorlage Šund Verlesung der ksl. Reichstagsinstruktionen; [9.] Beratungen der Kurien am 16. Mai über eine Antwort an die Kommissare; [10.] Beratungen der Kurien am 18. Mai: Bildung eines Ausschusses; [11.] Zusammentreten der Reichsstände am 26. Mai, Vorlage des Ausschussbedenkens zur Antwort an die Kommissare, Sessionsstreit der Häuser Bayern und Sachsen, Vertagung der Verhandlungen; [12.] Ratifizierung des Ausschussbedenkens am 28. Mai; [13.] Vortrag und Übergabe der ständischen Antwort an die Kommissare am 29. Mai; [14.] Vortrag und Übergabe der ksl. Replik am 31. Mai, Beschluss der Kurien zur Beauftragung des Ausschusses mit der Erstellung der Duplik; [15.] Beschlussfassung der Reichsstände über die Duplik und Übergabe an die ksl. Kommissare am 2. Juni.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 89–152 (Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Verhandelung der stende des Heiligen Reichs uf dem kayserlichen tag zu Wormbs anno Domini millesimo quingentesimo nono.) = Textvorlage A. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 1–70 (Kop., Aufschr.: Verhandlung des Reichs dags zu Wormbs anno Domini funfzehenhundert und neun.) = B. Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 290–352 (Kop., Aufschr.: Molhusen. Anlaß und abschied zu Wormbß, von ksl. Mt. angesatzten tageß, durch den fursichtigen und weisen Danielem Helmsdorff im nahmen dreier stett [Mühlhausen, Goslar und Nordhausen] berieten, Ao. XVCIX.) = C. Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 7–10’, 11’–73 (Kop.) = [D]1. Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (nur Pkt. 4; dem Badener RT-Protokoll inserierte Kop., Überschr. wie A) = [E]. Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 1–41 (Abschrift von B).

    Teilabdruck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 952, S. 750–754 [Pkt. 1f.]; Nr. 953, S. 754 [Pkt. 4, fol. 95’ – Ksl. Mt. wisse … ermessen moge.]; Nr. 954, S. 754f. [Pkt. 5f.].

    [1.] /90/ In dem jare, als man zalte nach Christi, unsers lieben hern gepurt funfzehenhundert und acht, ist durch den allerdurchleuchtigistena, unuberwintlichsten fursten und hern, herrn Maximilianum, romischen kaiser, merer des Reichs etc., unserm allergnedigisten herrn, furgenommen und außgeschrieben ein Reichs dag in die statt Wormbs, zu erscheynen auf allerhailigen, den ersten dag Novembris [Nr. 44]. Und als die ksl. Mt. dieselbe zeit in Niderland in merklichen, schweren gescheften und hendeln, irer Mt. erblande, das Hailig Romisch Reiche, auch das lant und herzogen zu Geldern belangend, etwas verheft gewesen, also das ire Mt. auf die bestimpt zeit obberurts ausschreibens selbs nit komen mogen, hat ir Mt. denselben furgenommen Reichs dag und hendel zu etlichen malen erstreckt und letst bis auf sant Jorgen dag [23.4.] Šdes neunten jars.2 Und auf sampstag, den einundzwainzigisten dag des monets Aprilis, zu sex auren gegen abent, ist ire Mt. gar mit einem zierlichen raisigen zeuge auf tausent pferde wole gerust, auch /90’/ ob hundert stradioten und Albaneser, uf ire weise beynahe durkisch, zu Wormbs ingeritten; und mit ire Mt. vier churfursten, nemlich die drey erzbischofe zu Meinz, Colle und Trier, auch phalzgrave Ludwig, churfursten etc., und herzog Friderich, sein bruder. So waren markgrave Friderich von Brandenburg und Casimirus, sein sone, zuvor in der statt und ksl. Mt. entgegen hinausgeritten. Und waren etlich treffenlich potschaften zuvor here gein Wormbs komen, wartende ksl. Mt. zukunft, nemlich unsers hailigen vaters, des babsts, der konig von Frankenreich, Hispanien, Arogonien und anderer fursten, deutschen und walischen, die alle ksl. Mt. entgegen auß [und] wider mit herin geritten, kamen alle furderlich zu herbergen, die zuvor bestellet und versehen.

    [2.] Und auf dem sonntag darnach, genant der sonntag misericordia Domini [22.4.], nach mittag auf ein aure, waren durch des Reichs marschalk [Joachim von Pappenheim] erfurdert unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, fursten, potschaften und ander /91/ stende des Hailigen Reichs, so die zeit hie zu Wormbs erschinen, auf des kaisers sale3, und teteb ksl. Mt. inen furhalten diese hienach beschrieben rede und meynung: [/91–94/ Wiedergabe von Nr. 264 (G)].

    [3.] Auf den montag darnach [23.4.] vor mittag kamen churfursten, fursten, potschaften und andere stende des Reichs auf das rathaus. Und underreten sich churfursten besonder und die andern fursten /94’/ und fursten potschaften auch besonder, dergleichen die gesenten von stetten auch in einer besondern stuben etc. einer antwort auf das furhalten und begeren ksl. Mt. Und waren der zwayer stett Colle und Ache potschaften zweitrechtig ires sitzens halben. Yde wolt den furdersten sitz haben. Und wiewole durch der andern stette gesanten allerlay mittel, doch unvergrifflich ire yder statt gerechtigkeit und alt herkommen, furgeschlagen, wurden doch derselben keine vervolget. Underdes hetten sich die churfursten, fursten und potschaften, gaistlich und werntlich, entschlossen und der stett gesanten potschaften zu sich erfurdert und eroffenten zu allen teilen iren entschloß einer antwort. Die was einhellig und gleichformig. Und der stett meynung auch begert zu eroffnen. Die liessen inen wolgefallen die antwort, so unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, auch ander fursten und potschaften gefasset hetten, ksl. Mt. also zu erkennen zu geben; wolten derselben anhangen.

    ŠAlso gleich nach mittagsymbis kamen churfursten, fursten, potschaften, gaistlich und weltlich, auch der stett gesanten, soviel da waren, auf des kaisers sale und ware die antwurt ksl. Mt. selbs perschone eroffent in seinem ksl. sitze, wie hienach beschrieben:

    [4.] /95/ Antwort der churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, alhie zu Wormbs auf diesem tage versamelt, uf der ksl. Mt. furhalten.

    Die ksl. Mt. hab gestern [22.4.] neben dem außschreiben diß Reichs dags [Nr. 44] erzelen lassen etliche ursachen, derhalb dieser Reichs dag furgenommen sey, und sonderlichen, wie sein ksl. Mt. mit der bebstlichen heiligkeit, auch den konigen von Frankenreich und Arogonien in verstentnus gewachsen und kommen sey, mit anzaige, wes begere und hoch ersuchen von der bebstlichen heiligkeit an sein ksl. Mt. als vogt und advocaten der christenlichen kirchen, auch die obgemelten konige und ander christenlich gewelt einen zug wider die unglaubigen zu tun, mit andernc, die Venediger der kirchen gut halber, so sie vor langest und in kurzend der kirchen geweltiglich abgetrungen haben, betreffende, gelanget sey. Und dweile sein Mt. des furnemens on zutun und hilf der stende des Reichs des unkostens halber, in etwo viel kriegen von des Reichs wegen durch sein Mt. aufgewendet, nit vermoge, so sey seiner ksl. Mt. fruntlich und gnedig begere, das die stende des Reichs seiner ksl. Mt. ein treffentlich hilf auf das sterkest und allerfurderlichst ein ganz jare lang tuen etc., mit meldung, wie sein ksl. Mt. alhie dieser zeit keinswegs lenger verharren, sonder in die graveschaft Tirol verrucken und ziehen musse, begerende, das die stende also beyeinander /95’/ bleiben und von einander nit verrucken wollen, bis die andern churfursten, fursten und stende auch ankommen und in sachen beschlossen sey, mit weyterem, alhie zu melden on not.

    Darauf geben die stende, alhie versamelt, ksl. Mt. diese antwurt: Ksl. Mt. wisse und sehe, wie sie alhie noch in geringer anzale versammelt seyen. So wiß auch sein ksl. gnade, das [sie] one beysein der andern, sonderlich des merern teils der stende, nichts gruntlichs oder entlichs beschliessen oder handeln mogen. Darumb und so die sach laut ksl. Mt. furhalten eilende sey, so bitten sie ksl. Mt. underteniglich, furtreglich zu schaffen und zu furdern, damit die andern stende des Reichs auch alhere zum allerfurderlichsten ankommen und von diesen sachen ferrer der notdurft gehandelt und geratschlagt werden moge, als, die stende nit zweifeln, ksl. Mt. selbs notdurftiglich betrachten und ermessen moge. Das haben sie ksl. Mt. underteniger meynung und im besten unangezaigt nit wollen lassen. Actum montags nach misericordia Domini [23.4.] Anno etc. nono.

    [5.] Nach solicher gegebener antwurt tete ksl. Mt. wider reden ungeverlich diese meynung: Ir ksl. Mt. hette gnediglich gehoret und vernommen die antwurt, so churfursten, fursten, potschaften und stende des Hailigen Reichs Šauf ire Mt. furhalten und begeren geben, und dieselb zu gnedigem gefallen [angenommen]. Auch wole zu erachten, nach- /96/ dem sie, stende, in so kleiner anzale erschinen und der merer teile noch abwesig weren, das ire Mt. nit so entlich antwurt, als wol die notdurft erfurdert, dißmals mocht gedeyhen. Aber ire Mt. gnedigs begeren were, das diejenen von des Reichs stenden, so ytz hie zugegen weren, wollten nit verrucken noch abreiten, sonder der andern fursten und stende hie erwarten, die auch ernstlich beschrieben, in aigenen perschonen hie zu diesem außgeschrieben Reichs dag furderlich zu erscheinen [Nr. 228] und hoffenlich numer auf wegen. So hetten sie, churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, gestern [22.4.] gehort, wie die babstlich hailigkeit ire Mt. ernstlich geschrieben und erfurdert, auf den furgenommen zug wider die unglaubigen sich zu erheben mit ire Mt. kriegsvolk. So weren die baiden konige Frankenreiche und Arogonia mit irem kriegsvolk auch gerust und etliche zu velde gezogen, ir Mt. zukunft wartende. Darumb, so mocht ire Mt. nit lenger verziehen noch hiebleiben. Ire Mt. wolt inen auch nit verhalten, das ire Mt. erplande in Under- und Oberosterreich mit kriegsvolk auf die grenizen nit nach notdurften und zum hochsten geschickt, deßhalben ire Mt. aber mer zu eylen hette, solich auch zu versehen. Ire Mt. wollt aber und hette verordent ire /96’/ treffenlich stathelter und rete, die mit der versamlung der stende des Hailigen Reichs handeln sollten auf ire Mt. begern, auch ander des Reichs notdurften, so ire Mt. alhier vertagt hette, also das doch nit minder dieser außgeschrieben Reichs dag seinen furgang erraichen und dieselben geprechen auch gehandelt und versehen werden mochten. Ire Mt. stellt auch in keinen zweifel, die uberigen churfursten, fursten und stende wurden erscheinen und weren ein teil auf dem wege. Und darumb ire Mt. begeren, sie sollten also gedult haben und gewarten, wie ire Mt. gestern und ytz aber gnediglich begert, wie auch des Heiligen Reichs notdurft nach gestalt und gelegenheit diser hendel und sachen dieser zeit allenthalben erfurdert. Das wollt ire Mt. fruntlich und in allen gnaden gegen inen sampt und sonder erkennen und bedenken.

    [6.] Und demnach uber ein kleine weile lehe ir ksl. Mt. etlichen churfursten und fursten regalia, nemlich den erzbischoven zu Meinz und Colle und des bischofs botschaft von Lutich4. Da waren auch zugegen herz[og] Ludwig, phalzgrave, churfurst, und sein bruder herzog Friderich, vormond weilant herzog Ruprecht[s] kinder [Ottheinrich und Philipp] in /97/ Beyern. Die baden und begerten, inen auch zu leihen ire regalien etc. Es volget aber nit auf dis male, wiewole sie mit hohem vleiß anhingen denselben abent, auch den andern morgen. Inen warde aber nit gelihen. Denselben dienstag [24.4.] umb mitdags zeit ritte ksl. Mt. hinweg und etlich fursten mit hinaus. Etlich kamen balde wider, etlich ritten mit gein Speyer.

    [7.] Darnach uf mitwoch unsers Herren uffart abent, den sechzehenden dag May, morgens zu acht auren, seint die stende des Reichs uf das rathauß erfurdert Šwurden und erschyenen. Und als sich dieselben in ire ordenung nidergesetzt, seint komen marggrave Casimirus von Brandenburg etc., statthelter, grave Adolf von Nassaue und her Sigmond von Frauwenberg, freyher zum Hag etc., ksl. Mt. verordent rete. Und hat egenannter marggraf Casimirus, statthelter, sich gesetzt anstatt ksl. Mt. und die andern zwen ksl. Mt. rete entgegen inmit der stuben. Und grave Adolf angezaigt eyn credenz von ksl. Mt., die der bischof von Menze von ime empfangen und furter seyner gnaden canzler [Johann von Dalheim] ubergeben hant zu lesen. eDie warde verlesen, wie hienach geschrieben: [/97’–98/ Wiedergabe von Nr. 265]–e.

    [8.] /98’/ fNach verlesen der credenzg ret weiter graf Adolf, in der verlesen credenz hetten sie, stende und versamlung des Hailigen Reichs, vernomen, wie ksl. Mt. inen bevolhen hette, mit inen, churfursten, fursten, potschaften und versamlung der stende des Hailigen Reichs da entgegen, zu reden und handeln, laut instruction, von ksl. Mt. inen zugeschickt. Uf das nun sie in worten oder meynungen nit irren, irem befelch zu viel oder zu wenig tun mochten, so wollten sie die instructionh, so ksl. Mt. inen zugeschickt, darlegen, offenlich zu verlesen, in denen sie, die stende des Hailigen Reichs dieser loblichen versamlung, ksl. Mt. willen, gemut und meynung zu vernemen hetten. Und teten herfure ire instructioni, die egenannter mein gnedigster her von Meinz aber zu seinen handen empfing und seinem canzler [Johann von Dalheim] ubergab. Da ret graf Adolf weiter, sie als ksl. Mt. stathelter und rete beten, das die stende des Reichs solich ubergeben instruction und begeren furderlich under hande nemen, dieselben ermessen und gnediglich bedenken wollten schwere und /99/ groß der angezaigten sachen, auch wes ksl. Mt., dem Hailigen Romischen Reich, gemeyner cristenheit und der romischen kirchen und besonder auch teutscher nacion an diesen dingen gelegen were und das sie keinen verzug leiden mochten, und sich zum furderlichsten, ymmer seyn mocht, antwort entschliessen, inen die eroffenen. So hetten sie bevelch, dieselbe antwort ksl. Mt. unverzuglich bey verordenter post zuzuschicken, sich mogen wissen darnach zu richten. Damit traden sie ab zur stuben auß in ein ander stube und warden die instructiones offenlich verlesen, jwie hienach beschrieben steen–f: [/99–110’/ Wiedergabe von Nrr. 266 und 268]–j.

    [9.] Nach verlesen solicherk instruction gingen die churfursten in ire stub ab, sich zu underreden. So gingen die stätt potschaften auch abe in ein besonder stube, sich zu besprechen. Und nach kleiner zeit kamen die stende wider Šzusammen und warde ein einhellig meynung beschlossen, dermassen, das sie von den stenden sollten ire schreiber schicken in /111/ die meinzisch canzley, die ubergeben schriften abzuschreiben und sich daruf bedenken und auf freitag nehst darnach [18.5.] nachmittag umb ein aure ungeverlich wider an der malstatt erscheinen und yder die meynung seins bedachts zu erkennen geben, sich einer antwort zu vergleichen, ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und reten zu eroffenen. Auf solichs wurden ksl. Mt. statthelter und rete wider ingefurdert und inen durch den meinzischen hofmeinster [Thomas Rüdt von Collenberg] erleutert, wie die stende sich bedenken und uf das furhalten ksl. Mt. begeren uf freitag nehst ires bedachts antwurt geben wollten.

    [10.] Bey diser verhandlung sein die sachen in rug gestanden bis uf zukunft mer anderer churfursten, fursten und stende des Reichs bis auf freitag in der creuzwochen [18.5.]. Da sein die stend abermals auf das rathauß erfordert worden. Und nach etlichen stunden, darzwischen allerley gespreche sich begeben, haben sich die stende /111’/ verainigt5, einen außschus zu verordenen, die ksl. Mt. beide instructiones [Nrr. 266, 268] fur augen nemen, ratschlag und meinung fassen solten der antworten auf ksl. Mt. furschlag und begere und denselben begriff den stenden anzaigen, sich darauf zu entschliessen, wes und wie zu antwurten etc. Und von der stette sendboten zum ausschuß verordent her Gabriel Mördel von Stroßburg6 und doctor Matheus Neithart, altburgermeister zu Ulm und hauptman des bonts7 in Schwaben. Damit des dags abermals also abgeschaiden.

    [11.] Darnach uf sambßdag, den hailigen phingstabent [26.5.], sein churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs wider und dazwischen mer erfordert gewesen, den begriffen ratschlag des ausschuß [Nr. 275/II] zu eroffenen. Als aber etlich fursten des sitzens halber irrig waren, nemlich die herzogen von Bayern gegenainander und dieselben herren von Bayern gegen den herren herzogen zu Sachsen, also das die fursten nit zu sitzen kamen, warde funden diese meynung, das die churfursten, /112/ fursten und stende des Reichs yderl einen schreiber, dem zu vertrauwen were, schicken sollt in des erzbischofs von Meinz canzley uf sonndag, den hailigen phingstag [27.5.], nach mittag umb drey auren, die verfasst meinung des ausschus abzuschreiben und yeder sich darauf bedenken und am phingstmontag darnach [28.5.] auf dem rathause zu Šeiner auren ungeverlich wider zu erscheinen, sein gutbedunken auf die verfasste meynung des ausschus zu eroffenen und sich der antwort auf ksl. Mt. furhalten und beger zu entschliessen.

    [12.] Auf den phingstmontag zu bestimpter zeit erschienen abermals churfursten, fursten und andere stende des Hailigen Reichs und warden eroffnet und zusamengetragen die meynung, wes sich yder stand auf den verfassten ratschlag entschlossen hett. Und vergleichten sich einhelliglich, das inen sampt und sonder die verfasste ratschlege wol gefielen. Wolten noch wissten den nit /112’/ zu verbessern, dann in einem stuck geschahe ein klein enderung der verfassten antwort, ksl. Mt. uf ire beger zu geben, wie hienach beschrieben: [/112’–116’/ Wiedergabe von Nr. 275/I].

    [13.] /116’/ Auf den dienstag darnach [29.5.] warden ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und rete, auch die stende des Reichs gemeinlich versamelt auf /117/ das rathauß und die vorgeschrieben antwort offenlich gelesen und den ksl. reten ubergeben mit einer ersamen, zuchtigen vorrede, das die stende in betrachten der angezaigten ksl. Mt. begerd und ir aller gelegenheit dieser zeit sich solicher antwort einhelliglich underret und entschlossen hetten, mit demutiger bitt, solichs nach ir aller gemeinlichen notdurft im besten zu vernemen und an ksl. Mt. underteniglich langen lassen.

    Und als die antwort also verlesen und gehort was, sagt grave Adolf von Nassau, sie hetten sich solicher antwort nit versehen, wollten sich ein wenig bedenken. Standen damit auf und gingen ab in ire stub. Und nach wenig zeit kamen sie wider und sagten: Nachdem dieser handel groß, schwere und ksl. Mt. und dem Hailigen Reiche viel daran gelegen were, wollten sie die gegeben antwort bas ubersehen und am donnerstag /117’/ nehstkunftig [31.5.] ire meynung von ksl. Mt. wegen weiter daruf zuerkennen. Begerten, das alßdann die stende des Reichs nach mittag umb ein aurem wider aldar erscheinen wollten. Damit warde dißmals abgeschaiden.

    [14.] Uf donnerstag darnach erschienen curfursten, fursten und andere stende des Reichs nwider auf dem rathause–n und kamen ksl. Mt. rete und statthelter auch und hetten ir meynung auch schriftlich verfasst. Und als ydermann in seiner ordenung nidergesessen was, sagt grave Adolf von Nassau auf der churfursten, fursten und stende des Reichs antwort, des vordern dages inen von ksl. Mt. wegen auf irer Mt. begereno ubergeben, der sich ksl. Mt. billich, auch sie als stathelter und rete nit versehen, hetten sie auf ksl. Mt. bevelch und sonderlicher zugeschickten instruction, /118/ durch ire Mt. secretarien Johannem Storcken inen uberantwurt [Nr. 392], weiter underredt und ksl. Mt., auch ire meynung in schrift [Nr. 276] gestellt, die sie teten offenlich verlesen und ubergeben. Und alß dann dieselb schrift verlesen und gehort was, Šstanden der stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und die rete auf und ret graf Adolf aber, sie, churfursten, fursten und stende, sollten ermessen, wes gemeiner christenhait, dem Hailigen Reiche, deutscher nation, auch ksl. Mt. an den sachen gelegen were und sich andere antwort, die ksl. Mt. angenemer und diesem loblichen furnemen, wie in irer schrift angezaigt, ersprießlicher sein mochten, entschliessen, ksl. Mt. zuzuschicken, sich haben zu richten. Gingen damit ab.

    Demnach traden churfursten, fursten und stende yder in sein ordenung und underreten sich und gaben zu erkennen, ire meynung were, das der ausschus sich als morgen, freitags [1.6.], wider zusamentun und ratschlagen solten, wes uf ksl. Mt. rete furtrag /118’/ weiter zu tun gut sein mocht und gemeiner versamlung wider furgehalten werden. Damit aber abgeschaiden. [/118’–120/ Wiedergabe von Nr. 276].

    [15.] Demnach sein die vor verordenten zum ausschuß uber die hendel gesessen, sich underredt und weiter meynung begriffen, die uf sampßdag [2.6.] zu morgen darnach gemeiner ver- /120’/ samlung der stende des Reichs angezaigt und sich daruf entschlossen haben, uf denselben sampstag nach mittag zu zweyen auren wider uf dem rathause zu erscheinen und ksl. Mt. reten zu eroffnen, inmassen hienach beschrieben: [/120’–125’/ Wiedergabe von Nr. 279].

    [/126–152/ Wiedergabe von Nrr. 280–283 (jew. D), 269 (C), 284 (C), 298/I (C), 411 (D), 404 (D), 410 (D), 287 (C), 288–292 (jew. D)p, 299 (C)q, Nr. 477 (A)].

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1509/dok260/pages

    Anmerkungen

    1
     Die vorgenommene Kollationierung erweist, dass die Protokolle A-D auf einer gemeinsamen Vorlage beruhen, die jedoch in keinem der vorliegenden Exemplare vollständig wiedergegeben ist. Vgl. bspw. Nrr. 289 [App. b-b], 290 [App. b-b].
    2
     Gemeint ist damit die Eröffnung des RT an diesem Tag. Der letzte in einem Ausschreiben benannte Termin war der 25.3. [Nrr. 219f.].
    3
     Dass damit tatsächlich der Kaisersaal des Wormser Rathauses bezeichnet wird, ist wenig wahrscheinlich. Vermutlich ist einfach ein Saal gemeint, in dem sich der Ks. aufhielt. Laut dem Protokoll der ksl. Kommissare fand die Eröffnung des RT am 22.4. nämlich in der bfl. Pfalz statt [Nr. 259, Pkt. 2]. Vgl. S.Anm. 112.
    4
     Vgl. Halkin, Réforme, S. 244f.
    5
     Laut dem Badener RT-Protokoll [Nr. 261, Pkt. 10] erfolgte die Beschlussfassung am 22.5., also nach der Ankunft Kf. Friedrichs von Sachsen.
    6
     Wahrscheinlich handelt es sich um einen Irrtum. Laut dem RT-Protokoll der ksl. Kommissare [Nr. 259, Pkt. 8] und dessen eigenem Bericht vom 3.6. [Nr. 453] war stattdessen der Frankfurter Gesandte Johann Frosch Mitglied des Großen Ausschusses. Die Erklärung von Hölbling(Maximilian, S. 61), dass anfänglich Mördel neben Neithart die Städte im Ausschuss vertreten habe und Frankfurt nachnominiert worden sei, löst den Widerspruch scheinbar auf, ist aber nicht stichhaltig.
    7
     In der Vorlage irrtümlich: bonns.

    Anmerkungen

    a
     allerdurchleuchtigisten] In B-D danach: großmechtigisten.
    b
     tete] In B danach: die.In C/D danach: ir.
    c
     andern] In B/D/E richtig: anderm.C wie A.
    d
     kurzen] In C danach, in D Einfügung: jaren. B wie A.
    e
    –e Die ... Nr. 265] Fehlt in B.
    f
    –f Nach ... steen] Fehlt in C.
    g
     der credenz] In B: derselben. D wie A.
    h
     instruction] In B: instructiones. D wie A.
    i
     instruction] In B: instructiones. D wie A.
    j
    –j wie ... 268] In B: Ksl. Mt. credenz und instruction, davon obgemelt ist, volgen hienach. [Wiedergabe von Nrr. 265, 266 und 268]. D wie A.
    k
     solicher] In B: obgemelter.C/D wie A.
    l
     yder] Korrektur gemäß B-D. In A irrtümlich: wider.
    m
     aure] In A/B folgt unrichtig: sich.Korrektur gemäß C/D.
    n
    –n wider ... rathause] Fehlt in B. C/D wie A.
    o
     begeren] Ergänzung gemäß B-D. Fehlt in A.
    p
     292 (D)] In B folgt danach ein leeres Blatt, anschließend von der gleichen Hand wie das übrige Protokoll eine Wiedergabe von Nr. 297. C wie A. In D folgt unmittelbar Nr. 297.
    q
     299 (C)] In B folgt danach eine Leerseite. Das folgende Teilnehmerverzeichnis [Nr. 477 (B)] ist von anderer Hand geschrieben.

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    «Nr. 260 Reichsstädtisches Reichstagsprotokoll – Worms, 21. April-2. Juni 1509 »

    [1.] Ausschreiben und wiederholte Verschiebung des Wormser Reichstages, Einzug Ks. Maximilians in Worms am 21. April, in Worms anwesende Reichsfürsten und ausländische Gesandtschaften; [2.] ksl. Eröffnungsvortrag am 22. April; [3.] Beratungen der Kurien am 23. April über eine Antwort, Sessionsstreit der Städte Köln und Aachen; [4.] Antwort der Reichsstände an Ks. Maximilian vom 23. April; [5.] Erwiderung Ks. Maximilians: Ankündigung seiner Abreise und Aufforderung zur Fortsetzung des Reichstages; [6.] Reichsbelehnungen der Ebff. von Mainz und Köln sowie des Bf. von Lüttich, Verweigerung der Reichsbelehnung für Kf. Ludwig V. von der Pfalz und Pfgf. Friedrich, Abreise Ks. Maximilians am 24. April; [7.] Akkreditierung der ksl. Reichstagskommissare am 16. Mai; [8.] Vorlage Šund Verlesung der ksl. Reichstagsinstruktionen; [9.] Beratungen der Kurien am 16. Mai über eine Antwort an die Kommissare; [10.] Beratungen der Kurien am 18. Mai: Bildung eines Ausschusses; [11.] Zusammentreten der Reichsstände am 26. Mai, Vorlage des Ausschussbedenkens zur Antwort an die Kommissare, Sessionsstreit der Häuser Bayern und Sachsen, Vertagung der Verhandlungen; [12.] Ratifizierung des Ausschussbedenkens am 28. Mai; [13.] Vortrag und Übergabe der ständischen Antwort an die Kommissare am 29. Mai; [14.] Vortrag und Übergabe der ksl. Replik am 31. Mai, Beschluss der Kurien zur Beauftragung des Ausschusses mit der Erstellung der Duplik; [15.] Beschlussfassung der Reichsstände über die Duplik und Übergabe an die ksl. Kommissare am 2. Juni.

    Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 89–152 (Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Aufschr.: Verhandelung der stende des Heiligen Reichs uf dem kayserlichen tag zu Wormbs anno Domini millesimo quingentesimo nono.) = Textvorlage A. Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 1–70 (Kop., Aufschr.: Verhandlung des Reichs dags zu Wormbs anno Domini funfzehenhundert und neun.) = B. Mühlhausen, StdA, 10/C 1–8, Nr. 1, fol. 290–352 (Kop., Aufschr.: Molhusen. Anlaß und abschied zu Wormbß, von ksl. Mt. angesatzten tageß, durch den fursichtigen und weisen Danielem Helmsdorff im nahmen dreier stett [Mühlhausen, Goslar und Nordhausen] berieten, Ao. XVCIX.) = C. Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 7–10’, 11’–73 (Kop.) = [D]1. Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (nur Pkt. 4; dem Badener RT-Protokoll inserierte Kop., Überschr. wie A) = [E]. Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 1–41 (Abschrift von B).

    Teilabdruck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 952, S. 750–754 [Pkt. 1f.]; Nr. 953, S. 754 [Pkt. 4, fol. 95’ – Ksl. Mt. wisse … ermessen moge.]; Nr. 954, S. 754f. [Pkt. 5f.].

    [1.] /90/ In dem jare, als man zalte nach Christi, unsers lieben hern gepurt funfzehenhundert und acht, ist durch den allerdurchleuchtigistena, unuberwintlichsten fursten und hern, herrn Maximilianum, romischen kaiser, merer des Reichs etc., unserm allergnedigisten herrn, furgenommen und außgeschrieben ein Reichs dag in die statt Wormbs, zu erscheynen auf allerhailigen, den ersten dag Novembris [Nr. 44]. Und als die ksl. Mt. dieselbe zeit in Niderland in merklichen, schweren gescheften und hendeln, irer Mt. erblande, das Hailig Romisch Reiche, auch das lant und herzogen zu Geldern belangend, etwas verheft gewesen, also das ire Mt. auf die bestimpt zeit obberurts ausschreibens selbs nit komen mogen, hat ir Mt. denselben furgenommen Reichs dag und hendel zu etlichen malen erstreckt und letst bis auf sant Jorgen dag [23.4.] Šdes neunten jars.2 Und auf sampstag, den einundzwainzigisten dag des monets Aprilis, zu sex auren gegen abent, ist ire Mt. gar mit einem zierlichen raisigen zeuge auf tausent pferde wole gerust, auch /90’/ ob hundert stradioten und Albaneser, uf ire weise beynahe durkisch, zu Wormbs ingeritten; und mit ire Mt. vier churfursten, nemlich die drey erzbischofe zu Meinz, Colle und Trier, auch phalzgrave Ludwig, churfursten etc., und herzog Friderich, sein bruder. So waren markgrave Friderich von Brandenburg und Casimirus, sein sone, zuvor in der statt und ksl. Mt. entgegen hinausgeritten. Und waren etlich treffenlich potschaften zuvor here gein Wormbs komen, wartende ksl. Mt. zukunft, nemlich unsers hailigen vaters, des babsts, der konig von Frankenreich, Hispanien, Arogonien und anderer fursten, deutschen und walischen, die alle ksl. Mt. entgegen auß [und] wider mit herin geritten, kamen alle furderlich zu herbergen, die zuvor bestellet und versehen.

    [2.] Und auf dem sonntag darnach, genant der sonntag misericordia Domini [22.4.], nach mittag auf ein aure, waren durch des Reichs marschalk [Joachim von Pappenheim] erfurdert unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, fursten, potschaften und ander /91/ stende des Hailigen Reichs, so die zeit hie zu Wormbs erschinen, auf des kaisers sale3, und teteb ksl. Mt. inen furhalten diese hienach beschrieben rede und meynung: [/91–94/ Wiedergabe von Nr. 264 (G)].

    [3.] Auf den montag darnach [23.4.] vor mittag kamen churfursten, fursten, potschaften und andere stende des Reichs auf das rathaus. Und underreten sich churfursten besonder und die andern fursten /94’/ und fursten potschaften auch besonder, dergleichen die gesenten von stetten auch in einer besondern stuben etc. einer antwort auf das furhalten und begeren ksl. Mt. Und waren der zwayer stett Colle und Ache potschaften zweitrechtig ires sitzens halben. Yde wolt den furdersten sitz haben. Und wiewole durch der andern stette gesanten allerlay mittel, doch unvergrifflich ire yder statt gerechtigkeit und alt herkommen, furgeschlagen, wurden doch derselben keine vervolget. Underdes hetten sich die churfursten, fursten und potschaften, gaistlich und werntlich, entschlossen und der stett gesanten potschaften zu sich erfurdert und eroffenten zu allen teilen iren entschloß einer antwort. Die was einhellig und gleichformig. Und der stett meynung auch begert zu eroffnen. Die liessen inen wolgefallen die antwort, so unser gnedigist und gnedige herren, die churfursten, auch ander fursten und potschaften gefasset hetten, ksl. Mt. also zu erkennen zu geben; wolten derselben anhangen.

    ŠAlso gleich nach mittagsymbis kamen churfursten, fursten, potschaften, gaistlich und weltlich, auch der stett gesanten, soviel da waren, auf des kaisers sale und ware die antwurt ksl. Mt. selbs perschone eroffent in seinem ksl. sitze, wie hienach beschrieben:

    [4.] /95/ Antwort der churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, alhie zu Wormbs auf diesem tage versamelt, uf der ksl. Mt. furhalten.

    Die ksl. Mt. hab gestern [22.4.] neben dem außschreiben diß Reichs dags [Nr. 44] erzelen lassen etliche ursachen, derhalb dieser Reichs dag furgenommen sey, und sonderlichen, wie sein ksl. Mt. mit der bebstlichen heiligkeit, auch den konigen von Frankenreich und Arogonien in verstentnus gewachsen und kommen sey, mit anzaige, wes begere und hoch ersuchen von der bebstlichen heiligkeit an sein ksl. Mt. als vogt und advocaten der christenlichen kirchen, auch die obgemelten konige und ander christenlich gewelt einen zug wider die unglaubigen zu tun, mit andernc, die Venediger der kirchen gut halber, so sie vor langest und in kurzend der kirchen geweltiglich abgetrungen haben, betreffende, gelanget sey. Und dweile sein Mt. des furnemens on zutun und hilf der stende des Reichs des unkostens halber, in etwo viel kriegen von des Reichs wegen durch sein Mt. aufgewendet, nit vermoge, so sey seiner ksl. Mt. fruntlich und gnedig begere, das die stende des Reichs seiner ksl. Mt. ein treffentlich hilf auf das sterkest und allerfurderlichst ein ganz jare lang tuen etc., mit meldung, wie sein ksl. Mt. alhie dieser zeit keinswegs lenger verharren, sonder in die graveschaft Tirol verrucken und ziehen musse, begerende, das die stende also beyeinander /95’/ bleiben und von einander nit verrucken wollen, bis die andern churfursten, fursten und stende auch ankommen und in sachen beschlossen sey, mit weyterem, alhie zu melden on not.

    Darauf geben die stende, alhie versamelt, ksl. Mt. diese antwurt: Ksl. Mt. wisse und sehe, wie sie alhie noch in geringer anzale versammelt seyen. So wiß auch sein ksl. gnade, das [sie] one beysein der andern, sonderlich des merern teils der stende, nichts gruntlichs oder entlichs beschliessen oder handeln mogen. Darumb und so die sach laut ksl. Mt. furhalten eilende sey, so bitten sie ksl. Mt. underteniglich, furtreglich zu schaffen und zu furdern, damit die andern stende des Reichs auch alhere zum allerfurderlichsten ankommen und von diesen sachen ferrer der notdurft gehandelt und geratschlagt werden moge, als, die stende nit zweifeln, ksl. Mt. selbs notdurftiglich betrachten und ermessen moge. Das haben sie ksl. Mt. underteniger meynung und im besten unangezaigt nit wollen lassen. Actum montags nach misericordia Domini [23.4.] Anno etc. nono.

    [5.] Nach solicher gegebener antwurt tete ksl. Mt. wider reden ungeverlich diese meynung: Ir ksl. Mt. hette gnediglich gehoret und vernommen die antwurt, so churfursten, fursten, potschaften und stende des Hailigen Reichs Šauf ire Mt. furhalten und begeren geben, und dieselb zu gnedigem gefallen [angenommen]. Auch wole zu erachten, nach- /96/ dem sie, stende, in so kleiner anzale erschinen und der merer teile noch abwesig weren, das ire Mt. nit so entlich antwurt, als wol die notdurft erfurdert, dißmals mocht gedeyhen. Aber ire Mt. gnedigs begeren were, das diejenen von des Reichs stenden, so ytz hie zugegen weren, wollten nit verrucken noch abreiten, sonder der andern fursten und stende hie erwarten, die auch ernstlich beschrieben, in aigenen perschonen hie zu diesem außgeschrieben Reichs dag furderlich zu erscheinen [Nr. 228] und hoffenlich numer auf wegen. So hetten sie, churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs, gestern [22.4.] gehort, wie die babstlich hailigkeit ire Mt. ernstlich geschrieben und erfurdert, auf den furgenommen zug wider die unglaubigen sich zu erheben mit ire Mt. kriegsvolk. So weren die baiden konige Frankenreiche und Arogonia mit irem kriegsvolk auch gerust und etliche zu velde gezogen, ir Mt. zukunft wartende. Darumb, so mocht ire Mt. nit lenger verziehen noch hiebleiben. Ire Mt. wolt inen auch nit verhalten, das ire Mt. erplande in Under- und Oberosterreich mit kriegsvolk auf die grenizen nit nach notdurften und zum hochsten geschickt, deßhalben ire Mt. aber mer zu eylen hette, solich auch zu versehen. Ire Mt. wollt aber und hette verordent ire /96’/ treffenlich stathelter und rete, die mit der versamlung der stende des Hailigen Reichs handeln sollten auf ire Mt. begern, auch ander des Reichs notdurften, so ire Mt. alhier vertagt hette, also das doch nit minder dieser außgeschrieben Reichs dag seinen furgang erraichen und dieselben geprechen auch gehandelt und versehen werden mochten. Ire Mt. stellt auch in keinen zweifel, die uberigen churfursten, fursten und stende wurden erscheinen und weren ein teil auf dem wege. Und darumb ire Mt. begeren, sie sollten also gedult haben und gewarten, wie ire Mt. gestern und ytz aber gnediglich begert, wie auch des Heiligen Reichs notdurft nach gestalt und gelegenheit diser hendel und sachen dieser zeit allenthalben erfurdert. Das wollt ire Mt. fruntlich und in allen gnaden gegen inen sampt und sonder erkennen und bedenken.

    [6.] Und demnach uber ein kleine weile lehe ir ksl. Mt. etlichen churfursten und fursten regalia, nemlich den erzbischoven zu Meinz und Colle und des bischofs botschaft von Lutich4. Da waren auch zugegen herz[og] Ludwig, phalzgrave, churfurst, und sein bruder herzog Friderich, vormond weilant herzog Ruprecht[s] kinder [Ottheinrich und Philipp] in /97/ Beyern. Die baden und begerten, inen auch zu leihen ire regalien etc. Es volget aber nit auf dis male, wiewole sie mit hohem vleiß anhingen denselben abent, auch den andern morgen. Inen warde aber nit gelihen. Denselben dienstag [24.4.] umb mitdags zeit ritte ksl. Mt. hinweg und etlich fursten mit hinaus. Etlich kamen balde wider, etlich ritten mit gein Speyer.

    [7.] Darnach uf mitwoch unsers Herren uffart abent, den sechzehenden dag May, morgens zu acht auren, seint die stende des Reichs uf das rathauß erfurdert Šwurden und erschyenen. Und als sich dieselben in ire ordenung nidergesetzt, seint komen marggrave Casimirus von Brandenburg etc., statthelter, grave Adolf von Nassaue und her Sigmond von Frauwenberg, freyher zum Hag etc., ksl. Mt. verordent rete. Und hat egenannter marggraf Casimirus, statthelter, sich gesetzt anstatt ksl. Mt. und die andern zwen ksl. Mt. rete entgegen inmit der stuben. Und grave Adolf angezaigt eyn credenz von ksl. Mt., die der bischof von Menze von ime empfangen und furter seyner gnaden canzler [Johann von Dalheim] ubergeben hant zu lesen. eDie warde verlesen, wie hienach geschrieben: [/97’–98/ Wiedergabe von Nr. 265]–e.

    [8.] /98’/ fNach verlesen der credenzg ret weiter graf Adolf, in der verlesen credenz hetten sie, stende und versamlung des Hailigen Reichs, vernomen, wie ksl. Mt. inen bevolhen hette, mit inen, churfursten, fursten, potschaften und versamlung der stende des Hailigen Reichs da entgegen, zu reden und handeln, laut instruction, von ksl. Mt. inen zugeschickt. Uf das nun sie in worten oder meynungen nit irren, irem befelch zu viel oder zu wenig tun mochten, so wollten sie die instructionh, so ksl. Mt. inen zugeschickt, darlegen, offenlich zu verlesen, in denen sie, die stende des Hailigen Reichs dieser loblichen versamlung, ksl. Mt. willen, gemut und meynung zu vernemen hetten. Und teten herfure ire instructioni, die egenannter mein gnedigster her von Meinz aber zu seinen handen empfing und seinem canzler [Johann von Dalheim] ubergab. Da ret graf Adolf weiter, sie als ksl. Mt. stathelter und rete beten, das die stende des Reichs solich ubergeben instruction und begeren furderlich under hande nemen, dieselben ermessen und gnediglich bedenken wollten schwere und /99/ groß der angezaigten sachen, auch wes ksl. Mt., dem Hailigen Romischen Reich, gemeyner cristenheit und der romischen kirchen und besonder auch teutscher nacion an diesen dingen gelegen were und das sie keinen verzug leiden mochten, und sich zum furderlichsten, ymmer seyn mocht, antwort entschliessen, inen die eroffenen. So hetten sie bevelch, dieselbe antwort ksl. Mt. unverzuglich bey verordenter post zuzuschicken, sich mogen wissen darnach zu richten. Damit traden sie ab zur stuben auß in ein ander stube und warden die instructiones offenlich verlesen, jwie hienach beschrieben steen–f: [/99–110’/ Wiedergabe von Nrr. 266 und 268]–j.

    [9.] Nach verlesen solicherk instruction gingen die churfursten in ire stub ab, sich zu underreden. So gingen die stätt potschaften auch abe in ein besonder stube, sich zu besprechen. Und nach kleiner zeit kamen die stende wider Šzusammen und warde ein einhellig meynung beschlossen, dermassen, das sie von den stenden sollten ire schreiber schicken in /111/ die meinzisch canzley, die ubergeben schriften abzuschreiben und sich daruf bedenken und auf freitag nehst darnach [18.5.] nachmittag umb ein aure ungeverlich wider an der malstatt erscheinen und yder die meynung seins bedachts zu erkennen geben, sich einer antwort zu vergleichen, ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und reten zu eroffenen. Auf solichs wurden ksl. Mt. statthelter und rete wider ingefurdert und inen durch den meinzischen hofmeinster [Thomas Rüdt von Collenberg] erleutert, wie die stende sich bedenken und uf das furhalten ksl. Mt. begeren uf freitag nehst ires bedachts antwurt geben wollten.

    [10.] Bey diser verhandlung sein die sachen in rug gestanden bis uf zukunft mer anderer churfursten, fursten und stende des Reichs bis auf freitag in der creuzwochen [18.5.]. Da sein die stend abermals auf das rathauß erfordert worden. Und nach etlichen stunden, darzwischen allerley gespreche sich begeben, haben sich die stende /111’/ verainigt5, einen außschus zu verordenen, die ksl. Mt. beide instructiones [Nrr. 266, 268] fur augen nemen, ratschlag und meinung fassen solten der antworten auf ksl. Mt. furschlag und begere und denselben begriff den stenden anzaigen, sich darauf zu entschliessen, wes und wie zu antwurten etc. Und von der stette sendboten zum ausschuß verordent her Gabriel Mördel von Stroßburg6 und doctor Matheus Neithart, altburgermeister zu Ulm und hauptman des bonts7 in Schwaben. Damit des dags abermals also abgeschaiden.

    [11.] Darnach uf sambßdag, den hailigen phingstabent [26.5.], sein churfursten, fursten und stende des Hailigen Reichs wider und dazwischen mer erfordert gewesen, den begriffen ratschlag des ausschuß [Nr. 275/II] zu eroffenen. Als aber etlich fursten des sitzens halber irrig waren, nemlich die herzogen von Bayern gegenainander und dieselben herren von Bayern gegen den herren herzogen zu Sachsen, also das die fursten nit zu sitzen kamen, warde funden diese meynung, das die churfursten, /112/ fursten und stende des Reichs yderl einen schreiber, dem zu vertrauwen were, schicken sollt in des erzbischofs von Meinz canzley uf sonndag, den hailigen phingstag [27.5.], nach mittag umb drey auren, die verfasst meinung des ausschus abzuschreiben und yeder sich darauf bedenken und am phingstmontag darnach [28.5.] auf dem rathause zu Šeiner auren ungeverlich wider zu erscheinen, sein gutbedunken auf die verfasste meynung des ausschus zu eroffenen und sich der antwort auf ksl. Mt. furhalten und beger zu entschliessen.

    [12.] Auf den phingstmontag zu bestimpter zeit erschienen abermals churfursten, fursten und andere stende des Hailigen Reichs und warden eroffnet und zusamengetragen die meynung, wes sich yder stand auf den verfassten ratschlag entschlossen hett. Und vergleichten sich einhelliglich, das inen sampt und sonder die verfasste ratschlege wol gefielen. Wolten noch wissten den nit /112’/ zu verbessern, dann in einem stuck geschahe ein klein enderung der verfassten antwort, ksl. Mt. uf ire beger zu geben, wie hienach beschrieben: [/112’–116’/ Wiedergabe von Nr. 275/I].

    [13.] /116’/ Auf den dienstag darnach [29.5.] warden ksl. Mt. stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und rete, auch die stende des Reichs gemeinlich versamelt auf /117/ das rathauß und die vorgeschrieben antwort offenlich gelesen und den ksl. reten ubergeben mit einer ersamen, zuchtigen vorrede, das die stende in betrachten der angezaigten ksl. Mt. begerd und ir aller gelegenheit dieser zeit sich solicher antwort einhelliglich underret und entschlossen hetten, mit demutiger bitt, solichs nach ir aller gemeinlichen notdurft im besten zu vernemen und an ksl. Mt. underteniglich langen lassen.

    Und als die antwort also verlesen und gehort was, sagt grave Adolf von Nassau, sie hetten sich solicher antwort nit versehen, wollten sich ein wenig bedenken. Standen damit auf und gingen ab in ire stub. Und nach wenig zeit kamen sie wider und sagten: Nachdem dieser handel groß, schwere und ksl. Mt. und dem Hailigen Reiche viel daran gelegen were, wollten sie die gegeben antwort bas ubersehen und am donnerstag /117’/ nehstkunftig [31.5.] ire meynung von ksl. Mt. wegen weiter daruf zuerkennen. Begerten, das alßdann die stende des Reichs nach mittag umb ein aurem wider aldar erscheinen wollten. Damit warde dißmals abgeschaiden.

    [14.] Uf donnerstag darnach erschienen curfursten, fursten und andere stende des Reichs nwider auf dem rathause–n und kamen ksl. Mt. rete und statthelter auch und hetten ir meynung auch schriftlich verfasst. Und als ydermann in seiner ordenung nidergesessen was, sagt grave Adolf von Nassau auf der churfursten, fursten und stende des Reichs antwort, des vordern dages inen von ksl. Mt. wegen auf irer Mt. begereno ubergeben, der sich ksl. Mt. billich, auch sie als stathelter und rete nit versehen, hetten sie auf ksl. Mt. bevelch und sonderlicher zugeschickten instruction, /118/ durch ire Mt. secretarien Johannem Storcken inen uberantwurt [Nr. 392], weiter underredt und ksl. Mt., auch ire meynung in schrift [Nr. 276] gestellt, die sie teten offenlich verlesen und ubergeben. Und alß dann dieselb schrift verlesen und gehort was, Šstanden der stathelter [Mgf. Kasimir von Brandenburg] und die rete auf und ret graf Adolf aber, sie, churfursten, fursten und stende, sollten ermessen, wes gemeiner christenhait, dem Hailigen Reiche, deutscher nation, auch ksl. Mt. an den sachen gelegen were und sich andere antwort, die ksl. Mt. angenemer und diesem loblichen furnemen, wie in irer schrift angezaigt, ersprießlicher sein mochten, entschliessen, ksl. Mt. zuzuschicken, sich haben zu richten. Gingen damit ab.

    Demnach traden churfursten, fursten und stende yder in sein ordenung und underreten sich und gaben zu erkennen, ire meynung were, das der ausschus sich als morgen, freitags [1.6.], wider zusamentun und ratschlagen solten, wes uf ksl. Mt. rete furtrag /118’/ weiter zu tun gut sein mocht und gemeiner versamlung wider furgehalten werden. Damit aber abgeschaiden. [/118’–120/ Wiedergabe von Nr. 276].

    [15.] Demnach sein die vor verordenten zum ausschuß uber die hendel gesessen, sich underredt und weiter meynung begriffen, die uf sampßdag [2.6.] zu morgen darnach gemeiner ver- /120’/ samlung der stende des Reichs angezaigt und sich daruf entschlossen haben, uf denselben sampstag nach mittag zu zweyen auren wider uf dem rathause zu erscheinen und ksl. Mt. reten zu eroffnen, inmassen hienach beschrieben: [/120’–125’/ Wiedergabe von Nr. 279].

    [/126–152/ Wiedergabe von Nrr. 280–283 (jew. D), 269 (C), 284 (C), 298/I (C), 411 (D), 404 (D), 410 (D), 287 (C), 288–292 (jew. D)p, 299 (C)q, Nr. 477 (A)].