Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Worms 1509
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

Quellen I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Wormser Reichstages

  • 1. Kurfürsten- und Fürstentag zu Mainz
  • 2. Vorakten zu den Reichshilfeverhandlungen des Reichstages
  • 3. Angelegenheiten des Reichskammergerichts
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

    II. Kapitel Der Reichstag zu Worms

  • 1. Reichshilfe und Reformen
  • 2. Kaiserliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben und Konfirmationen
  • 3. Streitfälle und Schiedsverfahren
  • 4. Angelegenheiten der Reichsstände
  • 5. Korrespondenzen, Weisungen und Berichte
  • 6. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Reichshilfe gegen Venedig
  • 2. Reichskammergericht
  • 3. Reichsmünztag zu Frankfurt
  • 4. Der Konflikt zwischen dem Deutschen Orden und Polen
  • 5. Angelegenheiten der Reichsstände
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «Nr. 266 Erste Instruktion Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag – Mindelheim, 7. Mai 15091 »

    [1.] Nochmaliger Vortrag der erweiterten ksl. Eröffnungsrede: [2.] Friedensvertrag zwischen Ks. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich unter Einbeziehung Karls von Egmond; Vertragsverletzungen durch Egmond; [3.] Bündnisvertrag von Cambrai zwischen dem Papst, Ks. Maximilian, Frankreich und Spanien gegen Venedig; [4.] Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig; [5.] Ankündigung der Abreise Ks. Maximilians nach Tirol, Forderung nach Fortsetzung des Reichstages bis zu einer verbindlichen Beschlussfassung über die Reichshilfe; [6./8.] Ernennung ksl. Reichstagskommissare; [7.] Vorschlag zur Einsetzung eines ksl. Statthalters.

    I. (Instruktion): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 72–75’ (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 155’–158’ (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 87’–91’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 99–105’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 114–114’, 119–119’ (Konz. mit ex.-Verm., bestehend aus Einleitung und Zusätzen A-G], 115–118’ (Abschrift von Nr. 264 als Textgrundlage, mit eigh. Korrekturen Ks. Maximilians; Dorsalverm.: Sernt[ein] und Storch. Handlung zu Worms.)2 = E. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). ŠBamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 136–140’ (Kop.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 20–25 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 8’–12 (Kop.). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 1–6’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 14–20’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 301–307 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 10’–13’ (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte Kop.). München, HStA, KÄA 3136, fol. 393–397’ (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 17’–25 (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt.). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 121–114’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 2–5’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 8’–12’ (wie D).

    II. (Ksl. Eröffnungsvortrag): [Nachweise siehe Nr. 264] = F-I.

    [1.] /72/ aMaximilian, be[rwählter] von Gotts gnaden romischer keyser etc.–b

    Instruction, was die hochgeborne, wolgeborne, edeln, ersamen, gelerten, unser lieber oheym, fursten, andechtigen und des Reichs getruwen Casimir, marggrave zu Brandenburg, zu Stetin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzog und burggrave zu Nurnberg und furst zu Rugen, Adolf, grave zu Nassau, herr zu Wiesebaden, Sigmund von Frauenberg, freiher zum Hage, und andere unser rete auf dem Reichß tag, gen Wormbs verordent, bei churfursten, fursten und stenden deß Reichß, doselbst versamelt, von unsern wegen handeln sollen.

    Anfenglichen inen allen samen- und sunderlich unsern gnedigen willen und alles gut zu sagen.

    Und furter zu erkennen geben: Nachdem wir am XXIIten tag des monats Aprilis nestvergangen in eygner persone zu Worms etlichen curfursten, fursten und stenden des Reichs, sovil der desselben tagß bei unsc erschienen und versamelt gewest, die ursach und bewegung, derhalb wir diesen reichstag furgenomen gehabt, gnediglich anzaigen und furbringen lassen, damit dann die andern stend, dso vormals nit dabei gewest, noch die gehert und–d mittler zeit ankomen weren, derselben auch wissen und underrichtung empfahen möchten, hetten wir inen, unsern reten, bevolhen, der ganzen versamelung die obgerurten ursachen eund unser furnemen–e, wie die vormals furbracht weren, widerumb von neuem furzutragen mitsambt unser declaration und additz, so uns mitlerzeit furgefallen und wir umb besser verstentnus willen dorzu hetten setzen lassen, und nemlich also–a:

    Š[2.] /72’fDie keyserlich Mt. hat churfursten, fursten und andern stenden des Heiligen Reichs auf dem Reichs tag hie zu Wormbß furhalten lassen und anfenklich, daß sie mögen–f die ursachen deß ußschreibens diß Reichs tags durch röm. ksl. Mt. schriften [Nrr. 44, 50] vormals verstanden haben, und under anderem den fried, so sein ksl. Mt. derselben irer Mt. und dem Heiligen Röm. Reich zugut mit dem konig von Frankreich beslossen haben; und nemlich, daß dorinnen der tractat zu Hagenaue3 verneuet ist ausserhalb deß heyratß, der beslossen was zwuschen seiner ksl. Mt. enikln erzherzog Karolen und deß gemelten konigß von Frankenreichs gtochter [Claudia]. Das hat sein keyserlich Mt. den konig von Frankenreich erlassen–g. Und wie dannh sini keyserlich Mt. und der konig von Frankenreich vor besliessung deß friedß merklich volk gegeneinander itzo in Brabant gehabt haben, yeder ungeverlich als vil als der ander, so haben doch des konigs von Frankenreichs kriegslute us sorgen, die sie uf ksl. Mt. getragen haben, nit trucken4 wollen, jden Gellrischen zu hilf zu ziehen; dan ir ksl. Mt. in kurzem eroffnet worden, wie des konigs von Frankenreichs kriegsvolk bei verschienen tagen, alß er inen bevolhen gehebt het, dem herzog von Geldern [zu]zuziehen, solhs nit tun noch anziehen wollen, sunder die fursorg gehabt, daß sie hinterzogen und aufgehebt wurden, wie in vergangner zeit zu sant Huprecht gescheen, da durch VC pauren VIIIC pferd niedergelegt weren–j5, wiewol der konig von Frankenreich inen zu trucken bevolhen hett. kAber sie hetten es in keinen weg wegen [= wagen] wellen. Und alß ksl. Mt. daß ersahe, wolt ir Mt. in die cron Frankenreich gezogen haben und also–k dieselb irl ksl. Mt. mit irem kriegsvolk auch gern /73/ uf die cron zu Frankenreich gedruckt, aber seiner Mt. niederburgundisch lande haben sein ksl. Mt. dafur gebeten.

    ŠUnd under anderm ist in diesem tractat auch daß land von Geldern in einen ansta[n]t gestellt6, darab doch herr Karol von Egmont, der sich nennet herzog von Geldern, ein merklichen verdrieß gehabt hat. Und understet sich teglichen, diesen tractat zu brechen: mNemlich, so hat er von seinem eygen gewalt und macht einen neuen zol aufgericht und von einem iglichen vas weins einen gulden zu zol zu geben ufgelegt, daß wider den aufgerichten tractat ist. Dann derselb vermag, daß in zeit, in demselben tractat bestimbt, kein partei einich neuerung furneme, sunder das meniglich von den partyen daß behalten und in posseß pleiben sol, wie er in anfang dieses neuen kriegs gewest ist. Daruber hat er den gedachten tractat noch zwie- und also den dreumal verbrochen: erstlich mit dem neuen zol, wie itz gemelt ist.7 Zum andern hat er understanden, ein taber [= Befestigung] zu Bernenfelt zu machenn und alle dorfer ime heissen sweren und an sie ein steuer begert8, die doch on mittel gen Arnheym, daß ein heuptstat ein quartirs des lands Geldern und ine ir ksl. Mt., auch erzherzogen Karlen als herzogen zu Geldern gehorsame sei, gehorten. Zum dritten hat er offenbar erclert, daß er den gedachten tractat dem konig von Frankenreich, der ime daß bevolhen und ime dorumb XIIIIM kron gebn und noch XIIM versprochen, angenomen hat; aber sie nit verbunden, solchen tractat so gleich zu halten, wie die Franzosen den gestellt haben, sunder er möcht sein land wol hanthaben und zusammenhalten mit dem swert, wie eß ine geburlich und müglich sei uf /73’/ ein anspruch, so er zu weylant konig Philipsen, unsern lieben sone, und herzogen Karlen, seinen sone, haben solt; nemlich deß, daß im der tractat9 vor Arnheym nit gehalten, daß doch als ganzo offenbare erdicht und ein truglich schand, alß der ganzen welt wissend sei. Dann derselb von Geldern het konig Philippen versprochen, mit ime in Hyspanien zu ziehen, sich aber abgestreuft und in abwesen deß gemelten konig Philipsen den krieg wider Šangefengt. Deshalb sein stathelter, sich gegen ime werend, den krieg wieder annemen mussen, der dan uf diesen tag durch ksl. Mt. volzogen werde–m.10

    [3.] Daneben geb die ksl. Mt. inen gnediglich zu versteen, das unser heiliger vater, der babst, etlich zeit here die ksl. Mt. gar hoch und ernstlich ersucht hat, darneben auch den konig von Frankenreich pund den Kg. von Aragon. Und hab sein heyligkeit–p die ksl. Mt. und itzt bemelte zwen konig in einen verstand gebracht mit ir und untereinander, als cristenlich konig und zuvor sein ksl. Mt. als advocat, vogt und protector der cristenlichen kirchen und beschirmer seiner heyligkeit zu verhelfen, wider die unglaubigen zu ziehen und am durchzug mit den Venedigern zu handeln, daßjenig, daß sie vor langen und kurzen jaren der cristenlichen kirchen gewaltiglich abgedrungen und noch uf diesen tag wider Got, recht und alle pillikait unrechtlich innenhaben, auch seiner heyligkeit uber ir manigfeltig gutlich und hoch ersuchen vorgehalten [= vorenthalten].11 qDann wo sein heiligkeit nit gewest, hett ksl. Mt. den verstand und obanzeigt practica nit angenomen. Aber do sein heyligkeit ir Mt. so hoch ersucht und daß unrecht, so die Venediger ime beweisen, eroffnet, het er ir Mt. bewegt, daß der mit ime in die verstentnus gangen wer, in hoffnung, /74/ daß die ir heiligkeit, auch irer Mt., dem Heiligen Reich und ganzer cristenhait zu guten staten komen werde–q. Nun hab di ksl. Mt. uf solch treffenlich ansuchen der bebstlichen heyligkeit in ir selbß die sach hoch erwegen und betracht und nit anderß finden mogen, dann daß unserß heiligen vaters, des babstß, begerne und ansuchen billich, erber und cristenlich, auch sein ksl. Mt. schuldig sei, uf solch hoch ersuchung seiner heiligkeit mit hilf zu erscheinen, sunderlich, so ander cristenlich konig und fursten deß auch zu ton understunden. Und dorumb sei sein ksl. Mt. mitsambt bemelten zwaienr konigen von Frankenrich und Aragon in ein verstentnuß mit der bebstlichen heyligkeit gewachsen und komen und deshalben zusagung geton. Und sei sein ksl. Mt. itzo uf dem weg, sich szu den hendeln–s ylends zu verfugen und Italien zu nehern und solchem furnemen ußzuwarten, der genzlichen hoffnung, itzo sei ein gelegne, bequemliche und Šgluckliche zeit, dorinnen alles das, daß seiner ksl. Mt. und dem Heiligen Reich durch die Venediger in Italia abgetrungen und bishere vorgehalten worden ist, sofer dise handlung zu einem krieg wuchß und auch sofer das Heilig Reich seiner ksl. Mt. dorinnen verhelfen wolle, liederlich [= mühelos, leicht] und mit kleynem costen zu erobern sein wurde. Solchß hab sein ksl. Mt. hiemit inen alß deß Heiligen Reichs gelidern zu versteen geben und nit verhalten wollen, damit sie ksl. Mt. gelegenheit, auch furnemen und ursachen deshalben bericht sein, der hoffnung, dieweil sie solch zu etlichen malen auch geraten, sie werden ob solchem seiner ksl. Mt. furnemen gut gefallen haben.

    [4.] Dieweil nu daß gleicherweiß sie alß curfursten, fursten und /74’/ stenden deß Heiligen Reichß alß sein Mt. betreff und sein ksl. Mt. solchem furnemen on ir trostlich, auch dapferlich hilf ußzuwarten nit vermoge, sunderlich in ansehen deß sweren uncosten, so sein ksl. Mt. uf etlicht vil krieg gelegt, die sein Mt. allain zu hanthaben des Reichß oberkait gehabt hat, demnach sei seiner ksl. Mt. gnedig, fruntlich und hoch, auch vleissig bitt und begeren an sie, daß sie die notturft diß handls und furnemens bedenken und erwegen und seiner ksl. Mt. hierin mit hilf zu erscheinen und sein ksl. Mt. keinßwegß verlassen und seiner ksl. Mt. zu solchem furnemen ir hilf mit leuten zu roß und fuß uf das sterkstu ton, und daß die hilf ufs allerfurderlichst berait sei und anziehen mugen neben seiner ksl. Mt. volk, daß sein ksl. Mt. us derselben erblanden und sunst understeen wurd ufzubringen; und dorzu auch ein anzal pulver und salpeter, dann sein Mt. sunst mit geschutz wol versehen sei.

    Dieweil sein ksl. Mt. von stund an mit irem volk in daß felt zu ziehen sich versehe, daß dan keyner uf den andern wart, damit seiner ksl. Mt. erbland sehen, daß sie hilf von dem Heiligen Reich haben und dester lieber bei seiner ksl. Mt. im veld pleiben.

    Daß auch die rustung undv anzal deß volks, wie obsteet, gewißw und vollig dannenx gericht werde, damit dorin kein nachteyly sei.

    zUnd nemlich, daß die hilf uf ein ganz jare gestellt und ksl. Mt. gute leut zu roß und fuß geschickt, damit ir ksl. Mt. wol gedienet wird, und sonderlich durch die zu fuß–z.

    /75/ Und daß seiner ksl. Mt. ein lieb darzu geschee und sie deshalben einen heuptman kiesen, der heubtman uber daß berürt volk zu roß und fus sei, alleß Šzu nutz und wolfart der ksl. Mt. und deß Heiligen Reichß aaund gemeyner teutschen nation–aa, auch hierinnen angesehen die groß notturft.

    [5.] Und dieweil sein ksl. Mt. keinßwegß diser zeit alhie lenger verharren noch pleiben mögen, sunder verrucken und hinwegziehen muß abauß berurten ursachen und sunderlich, daß ir ksl. Mt. glauplich warnung zugestanden, wie die Venediger an den grenezen irer Mt. erblichen furstentumben und landen ein merklich volk zu roß und fuß ligen und fürhaben solten, dieselben zu uberfallen, anzugreifen und zu beschedigen, daruß irer Mt., auch iren landen und leuten unuberwintlicher schade entsteen, wo dem nit begegnet wurde. Und dieweil ir Mt. merklich notturft erfordert, dorin dapfer fursehen und gegenwer zu ton–ab, so begert sein ksl. Mt. an sie alle samptlich und sunderlich, daß sie also beiainander pleiben und keyner von dem andern verrucken welle, biß die andern curfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs auch komen sein, daß ir gnug sein zu dem besliessen, und biß sie also obgerurt hilf irer Mt. zu tun einhelliglich beslossen und volliglich, auch gewisslichen zu bescheen dannen gericht haben.

    [6.] Auf daß, soac wolle sein ksl. Mt. deshalben ir treffenlich rete bei inen lassen, die an seiner ksl. Mt. stat alda pleiben, uf diß begeren antwort von inen empfahen und furter seiner ksl. Mt. daß verkunden, auch daneben in allen andern deß Heiligenad Reichs sachen seiner ksl. Mt. meynung ferrer anzaigen und dorin der notturft nach /75’/ zu handeln verhelfen sollen.

    [7.] Ferner, so woll sein ksl. Mt. inen nit verhalten, sunderae anzaigen, daß sein ksl. Mt. uß beweglichen, treffenlichen ursachen des willenß und furnemens sei, nach dieser heerfart kurzlich sich in eygner persone uß dem Heiligen Reich zu tun und ein zeitlang darußaf pleiben agmuß, alß sein Mt. solchß versprochen ist–ag. Deshalben deß Heiligen Reichß notturft erfordert, sieah mit einem seiner ksl. Mt. stathalter zu versehen, der anstat seiner ksl. Mt. solch zeit auß deß Heiligen Reichs sachen verwalt. Uf daß sei seiner ksl. Mt. gnedig begern an sie, daß sie heruf bedacht sein und auch seiner ksl. Mt. hierin irn rate anzaigen, were zu solchem stathalter tuglich und geschickt sei. Dann sein ksl. Mt. sei genaigt, irem rate hierin zu volgen.

    Š[8.] aiUnd nemlich, so hab ir Mt. marggraven Casimirn, grave Adolfen von Nassau und Sigmonden von Frauenberg, auch andere irer Mt. rete zu solchem tag verordent, die furter nach inhalt einer sundern instruction [Nr. 267], inen deshalben gegeben, weiter handeln sollen–ai. ajActum zu Wormbs am sontag misericordia Domini, am XXIIten tag Aprilis zu der vierden stund nach mittemtag anno Domini etc. nono–aj.

    akSolchß sollen di gedachten unser rete furderlich und mit den besten fugen handeln. Daran tund sie unser ernstliche meynung. Geben zu Mundelnheym am siebenden tag Maii anno etc. im neunden, unserß Reichß des Remischen im XXIIIIten jaren–ak.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1509/dok266/pages

    Anmerkungen

    1
     Zustellung an die ksl. RT-Kommissare am 14.5. [Nr. 397], Vortrag und Übergabe an die Reichsstände am 16.5. [Nrr. 259, Pkt. 10; 261, Pkt. 7; 398, Pkt. 1].
    2
     Abbildung von fol. 114 in: Heil, Reichstagsinstruktionen, S. 71, Abb. 1.
    3
     Vertrag von Hagenau, 4.4.1505 (Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 75, S. 222–226).
    4
     = drängen, bedrängen (Lexer, Mittelhochdeutsches Wörterbuch I, Sp. 470f.), hier im Sinne von: vorrücken gegen jmd.
    5
     Vgl. Nr. 44, S. 188, Anm. 12.
    6
     Vertrag von Cambrai vom 10.12.1508, §§ 5–9 (frz./lat. Druck: Léonard, Recueil II, S. 46–57, hier 51–54; DuMont, Corps IV/1, Nr. LI, S. 109–113, hier 111f.; Le Glay, Négociations I, Nr. LXIX, S. 224–236, hier 226–230; Mariño/Moran, Tratados III/1, Nr. 10, S. 175–201, hier 181–185). Vgl. Struick, Gelre, S. 135f.; Böck, Herzöge, S. 617f.).
    7
     Entsprechendes Schreiben Ks. Maximilians an Ehgin. Margarethe vom 29.3.1509 (frz. Druck: Bergh, Correspondance I, Nr. 62, S. 163f.; Le Glay, Correspondance I, Nr. 110, S. 133 – jeweils irrtümlich datiert auf den 29.4. Vgl. Kreiten, Briefwechsel, S. 217f.).
    8
     Entsprechendes Schreiben Ks. Maximilians an Ehgin. Margarethe vom 28.3.1509 (frz. Druck: Bergh, Correspondance I, Nr. 60, S. 155f.).
    9
     Gemeint ist der Vertrag von Tiel vom 28.7.1505 (frz. Druck: Molinet, Chroniques, S. 556–560). Vgl. Nijhoff, Gedenkwaardigheden VI/1, S. LXXXIf.; Struick, Gelre, S. 65f.; Cauchies, Philippe, S. 173.
    10
    Zyprian von Serntein berichtete am 3.4. an Paul von Liechtenstein, dass er den angesichts der Vertragsverletzungen Egmonds ungehaltenen Ks. nur mit Mühe von militärischen Schritten habe abhalten können, die unweigerlich zu einem neuen Krieg geführt hätten. Dan ich wais, wo solhs beschehen, wern zwischen ksl. Mt. und den [burgundischen] landen merklich unlust erwachsen(Konz. mit ex.-Verm., Duisburg, 3.4.1509; HHStA Wien, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 13–15’, hier 15. Druck: Moser, Kanzlei II, S. 95–101, hier 100; Kraus, Briefwechsel, S. 120–125, hier 124f.; Wiesflecker-Friedhuber, Quellen, Nr. 50, S. 175).
    11
    Breve Papst Julius’ II. an Ks. Maximilian vom 10.4.1509 [Nachweise siehe Nr. 272, S. 444, Anm. 8].

    Anmerkungen

    a
    –a Maximilian ... also] Fehlt in F-I.
    b
    –b erwählter ... etc.] Fehlt in E.
    c
     uns] Korrektur gemäß B-E. In A irrtümlich: inen.
    d
    –d so ... und] In E Einfügung am Rand.
    e
    –e und ... furnemen] In E Einfügung am Rand.
    f
    –f Die ... mögen] In G anders: Die churfursten, fursten und stende des Hailigen Romischen Reichs mochten.
    g
    –g tochter ... erlassen] Fehlt in G (irrtümliches Überspringen einer Zeile durch den Schreiber) ebenso wie in den anderen vorliegenden Exemplaren des reichsstädtischen Protokolls [Nr. 260].
    h
     dann] Fehlt in F-I.
    i
     sin] Einfügung gemäß B-I. Fehlt irrtümlich in A.
    j
    –j den ... weren] Randverm.: Ksl. Mt. declarats und additz a. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein A vermerkt. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F-I).
    k
    –k Aber ... also] Randverm.: Ksl. Mt. declarats und additz b. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein B vermerkt und der Beginn des nächsten Satzes (So het)durchgestrichen. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F-I).
    l
     dieselb ir] In F-I: So het die.
    m
    –m Nemlich ... werdeRandverm.: Ksl. Mt. declaratz und additz c. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein C vermerkt. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F-I).
    n
     zu machen] Korrektur gemäß B-E. In A irrtümlich: gemacht.
    o
     als ganz] Korrektur gemäß B-E. In A irrtümlich: alsbald.
    p
    –p und ... heyligkeit] Fehlt irrtümlich in D.
    q
    –q Dann ... werde] Randverm.: Ksl. Mt. declaratz und additz d. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein D vermerkt. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F-I).
    r
     zwaien] In G/I: baiden. A-F, H wie A.
    s
    –s zu … hendeln] In E/H korrigiert aus, in F/G/I: in die grafschaft Tirol.
    t
     etlich] In F-I: etwo.
    u
     sterkst] In G danach: auf ein ganz jare.
    v
     und] In G danach: summa, auch.
    w
     gewiß] In F-I davor: dermassen.
    x
     dannen] In F irrtümlich: daneben.In H korrigiert zu: dannen.– Hier zu verstehen in der sonst nicht nachweisbaren Bedeutung: dahin, dahingehend.
    y
     nachtail] In G: abgang.
    z
    –z Und ... fuß] In G: Und nemlich uf ein ganz jare und von guten leuten, damit der ksl. Mt. gedienet werde, und sonderlich zu fusse.
    aa
    –aa und ... nation] Fehlt in G.
    ab
    –ab auß ... ton] Randverm.: Ksl. Mt. declarats und addits E. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein E vermerkt. Die Passage fehlt in F-I.
    ac
     so] Einfügung gemäß B-I. Fehlt in A.
    ad
     Heiligen] Einfügung gemäß B-I. Fehlt in A.
    ae
     sunder] In G/I danach: hiemit.
    af
     daruß] In F/G/I danach, in H gestrichen: zu.
    ag
    –ag muß ... ist] Randverm.: Ksl. Mt. declaratz und additz F.Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein F vermerkt und zusätzlich – wie auch in H – die zu ergänzende Stelle eingefügt. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F/G/I).
    ah
     sie] In B: sich. C/E-I wie A. D: die.
    ai
    –ai Und ... sollen] Randverm.: Ksl. Mt. declaratz und additz G. Im Konzept (E) ist an dieser Stelle ein G vermerkt. Die Passage fehlt im ksl. Eröffnungsvortrag (F-I).
    aj
    –aj Actum ... nono] Fehlt in G.
    ak
    –ak Solchß ... jaren] Fehlt in F-I.

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    «Nr. 266 Erste Instruktion Ks. Maximilians für seine Stellvertreter auf dem Reichstag – Mindelheim, 7. Mai 15091 »

    [1.] Nochmaliger Vortrag der erweiterten ksl. Eröffnungsrede: [2.] Friedensvertrag zwischen Ks. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich unter Einbeziehung Karls von Egmond; Vertragsverletzungen durch Egmond; [3.] Bündnisvertrag von Cambrai zwischen dem Papst, Ks. Maximilian, Frankreich und Spanien gegen Venedig; [4.] Forderung nach einer Reichshilfe gegen Venedig; [5.] Ankündigung der Abreise Ks. Maximilians nach Tirol, Forderung nach Fortsetzung des Reichstages bis zu einer verbindlichen Beschlussfassung über die Reichshilfe; [6./8.] Ernennung ksl. Reichstagskommissare; [7.] Vorschlag zur Einsetzung eines ksl. Statthalters.

    I. (Instruktion): Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 72–75’ (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 155’–158’ (Kop.) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IV a, Nr. 22a, fol. 87’–91’ (dem ksl. RT-Protokoll [Nr. 259] inserierte Kop., imit. Vermm. prps./amdip. und Gegenz. Serntein) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, fol. 99–105’ (dem reichsstädtischen RT-Protokoll [Nr. 260] inserierte Kop.) = D. Wien, HHStA, Maximiliana 20, Konv. 3, fol. 114–114’, 119–119’ (Konz. mit ex.-Verm., bestehend aus Einleitung und Zusätzen A-G], 115–118’ (Abschrift von Nr. 264 als Textgrundlage, mit eigh. Korrekturen Ks. Maximilians; Dorsalverm.: Sernt[ein] und Storch. Handlung zu Worms.)2 = E. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. 29, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). ŠBamberg, StA, Hst. Bamberg, Geheime Kanzlei, Nr. 6, fol. 136–140’ (Kop.). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. ♃♆, Fasz. 2N, fol. 20–25 (Kop.). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10180/23, fol. 8’–12 (Kop.). Esslingen, StdA, F 283 RTA Worms 1509, fol. 1–6’ (Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 50, Nr. 7, unfol. (dem mgfl. badischen RT-Protokoll [Nr. 261] inserierte Kop.). Karlsruhe, GLA, Abt. 98 a, Nr. 930, unfol. (Kop.). Lübeck, StdA, RTA, Vol. II, Fasz. 4, fol. 14–20’ (wie D). Marburg, StA, Best. 2, Nr. 119, unfol. (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt). Mühlhausen, StdA, 10 B 1–8, Nr. 1, fol. 301–307 (wie D). München, HStA, K.blau 103/4b, fol. 10’–13’ (dem Pfalz-Simmerner RT-Protokoll [Nr. 262] inserierte Kop.). München, HStA, KÄA 3136, fol. 393–397’ (Kop.). Nordhausen, StdA, R, Ac 1, fol. 17’–25 (wie D). Ravensburg, StdA, RA, Bü. 9 b/1, unfol. (unvollständige Kop.; letzter Absatz fehlt.). Stuttgart, HStA, A 262, Bd. 4, fol. 121–114’ (Abschrift von 1564, in falscher Reihenfolge abgelegt). Wien, HHStA, AUR [Est. Salzburg] 1509, fol. 2–5’ (Kop.). Wolfenbüttel, StA, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 2, fol. 8’–12’ (wie D).

    II. (Ksl. Eröffnungsvortrag): [Nachweise siehe Nr. 264] = F-I.

    [1.] /72/ aMaximilian, be[rwählter] von Gotts gnaden romischer keyser etc.–b

    Instruction, was die hochgeborne, wolgeborne, edeln, ersamen, gelerten, unser lieber oheym, fursten, andechtigen und des Reichs getruwen Casimir, marggrave zu Brandenburg, zu Stetin, Pomern, der Cassuben und Wenden herzog und burggrave zu Nurnberg und furst zu Rugen, Adolf, grave zu Nassau, herr zu Wiesebaden, Sigmund von Frauenberg, freiher zum Hage, und andere unser rete auf dem Reichß tag, gen Wormbs verordent, bei churfursten, fursten und stenden deß Reichß, doselbst versamelt, von unsern wegen handeln sollen.

    Anfenglichen inen allen samen- und sunderlich unsern gnedigen willen und alles gut zu sagen.

    Und furter zu erkennen geben: Nachdem wir am XXIIten tag des monats Aprilis nestvergangen in eygner persone zu Worms etlichen curfursten, fursten und stenden des Reichs, sovil der desselben tagß bei unsc erschienen und versamelt gewest, die ursach und bewegung, derhalb wir diesen reichstag furgenomen gehabt, gnediglich anzaigen und furbringen lassen, damit dann die andern stend, dso vormals nit dabei gewest, noch die gehert und–d mittler zeit ankomen weren, derselben auch wissen und underrichtung empfahen möchten, hetten wir inen, unsern reten, bevolhen, der ganzen versamelung die obgerurten ursachen eund unser furnemen–e, wie die vormals furbracht weren, widerumb von neuem furzutragen mitsambt unser declaration und additz, so uns mitlerzeit furgefallen und wir umb besser verstentnus willen dorzu hetten setzen lassen, und nemlich also–a:

    Š[2.] /72’fDie keyserlich Mt. hat churfursten, fursten und andern stenden des Heiligen Reichs auf dem Reichs tag hie zu Wormbß furhalten lassen und anfenklich, daß sie mögen–f die ursachen deß ußschreibens diß Reichs tags durch röm. ksl. Mt. schriften [Nrr. 44, 50] vormals verstanden haben, und under anderem den fried, so sein ksl. Mt. derselben irer Mt. und dem Heiligen Röm. Reich zugut mit dem konig von Frankreich beslossen haben; und nemlich, daß dorinnen der tractat zu Hagenaue3 verneuet ist ausserhalb deß heyratß, der beslossen was zwuschen seiner ksl. Mt. enikln erzherzog Karolen und deß gemelten konigß von Frankenreichs gtochter [Claudia]. Das hat sein keyserlich Mt. den konig von Frankenreich erlassen–g. Und wie dannh sini keyserlich Mt. und der konig von Frankenreich vor besliessung deß friedß merklich volk gegeneinander itzo in Brabant gehabt haben, yeder ungeverlich als vil als der ander, so haben doch des konigs von Frankenreichs kriegslute us sorgen, die sie uf ksl. Mt. getragen haben, nit trucken4 wollen, jden Gellrischen zu hilf zu ziehen; dan ir ksl. Mt. in kurzem eroffnet worden, wie des konigs von Frankenreichs kriegsvolk bei verschienen tagen, alß er inen bevolhen gehebt het, dem herzog von Geldern [zu]zuziehen, solhs nit tun noch anziehen wollen, sunder die fursorg gehabt, daß sie hinterzogen und aufgehebt wurden, wie in vergangner zeit zu sant Huprecht gescheen, da durch VC pauren VIIIC pferd niedergelegt weren–j5, wiewol der konig von Frankenreich inen zu trucken bevolhen hett. kAber sie hetten es in keinen weg wegen [= wagen] wellen. Und alß ksl. Mt. daß ersahe, wolt ir Mt. in die cron Frankenreich gezogen haben und also–k dieselb irl ksl. Mt. mit irem kriegsvolk auch gern /73/ uf die cron zu Frankenreich gedruckt, aber seiner Mt. niederburgundisch lande haben sein ksl. Mt. dafur gebeten.

    ŠUnd under anderm ist in diesem tractat auch daß land von Geldern in einen ansta[n]t gestellt6, darab doch herr Karol von Egmont, der sich nennet herzog von Geldern, ein merklichen verdrieß gehabt hat. Und understet sich teglichen, diesen tractat zu brechen: mNemlich, so hat er von seinem eygen gewalt und macht einen neuen zol aufgericht und von einem iglichen vas weins einen gulden zu zol zu geben ufgelegt, daß wider den aufgerichten tractat ist. Dann derselb vermag, daß in zeit, in demselben tractat bestimbt, kein partei einich neuerung furneme, sunder das meniglich von den partyen daß behalten und in posseß pleiben sol, wie er in anfang dieses neuen kriegs gewest ist. Daruber hat er den gedachten tractat noch zwie- und also den dreumal verbrochen: erstlich mit dem neuen zol, wie itz gemelt ist.7 Zum andern hat er understanden, ein taber [= Befestigung] zu Bernenfelt zu machenn und alle dorfer ime heissen sweren und an sie ein steuer begert8, die doch on mittel gen Arnheym, daß ein heuptstat ein quartirs des lands Geldern und ine ir ksl. Mt., auch erzherzogen Karlen als herzogen zu Geldern gehorsame sei, gehorten. Zum dritten hat er offenbar erclert, daß er den gedachten tractat dem konig von Frankenreich, der ime daß bevolhen und ime dorumb XIIIIM kron gebn und noch XIIM versprochen, angenomen hat; aber sie nit verbunden, solchen tractat so gleich zu halten, wie die Franzosen den gestellt haben, sunder er möcht sein land wol hanthaben und zusammenhalten mit dem swert, wie eß ine geburlich und müglich sei uf /73’/ ein anspruch, so er zu weylant konig Philipsen, unsern lieben sone, und herzogen Karlen, seinen sone, haben solt; nemlich deß, daß im der tractat9 vor Arnheym nit gehalten, daß doch als ganzo offenbare erdicht und ein truglich schand, alß der ganzen welt wissend sei. Dann derselb von Geldern het konig Philippen versprochen, mit ime in Hyspanien zu ziehen, sich aber abgestreuft und in abwesen deß gemelten konig Philipsen den krieg wider Šangefengt. Deshalb sein stathelter, sich gegen ime werend, den krieg wieder annemen mussen, der dan uf diesen tag durch ksl. Mt. volzogen werde–m.10

    [3.] Daneben geb die ksl. Mt. inen gnediglich zu versteen, das unser heiliger vater, der babst, etlich zeit here die ksl. Mt. gar hoch und ernstlich ersucht hat, darneben auch den konig von Frankenreich pund den Kg. von Aragon. Und hab sein heyligkeit–p die ksl. Mt. und itzt bemelte zwen konig in einen verstand gebracht mit ir und untereinander, als cristenlich konig und zuvor sein ksl. Mt. als advocat, vogt und protector der cristenlichen kirchen und beschirmer seiner heyligkeit zu verhelfen, wider die unglaubigen zu ziehen und am durchzug mit den Venedigern zu handeln, daßjenig, daß sie vor langen und kurzen jaren der cristenlichen kirchen gewaltiglich abgedrungen und noch uf diesen tag wider Got, recht und alle pillikait unrechtlich innenhaben, auch seiner heyligkeit uber ir manigfeltig gutlich und hoch ersuchen vorgehalten [= vorenthalten].11 qDann wo sein heiligkeit nit gewest, hett ksl. Mt. den verstand und obanzeigt practica nit angenomen. Aber do sein heyligkeit ir Mt. so hoch ersucht und daß unrecht, so die Venediger ime beweisen, eroffnet, het er ir Mt. bewegt, daß der mit ime in die verstentnus gangen wer, in hoffnung, /74/ daß die ir heiligkeit, auch irer Mt., dem Heiligen Reich und ganzer cristenhait zu guten staten komen werde–q. Nun hab di ksl. Mt. uf solch treffenlich ansuchen der bebstlichen heyligkeit in ir selbß die sach hoch erwegen und betracht und nit anderß finden mogen, dann daß unserß heiligen vaters, des babstß, begerne und ansuchen billich, erber und cristenlich, auch sein ksl. Mt. schuldig sei, uf solch hoch ersuchung seiner heiligkeit mit hilf zu erscheinen, sunderlich, so ander cristenlich konig und fursten deß auch zu ton understunden. Und dorumb sei sein ksl. Mt. mitsambt bemelten zwaienr konigen von Frankenrich und Aragon in ein verstentnuß mit der bebstlichen heyligkeit gewachsen und komen und deshalben zusagung geton. Und sei sein ksl. Mt. itzo uf dem weg, sich szu den hendeln–s ylends zu verfugen und Italien zu nehern und solchem furnemen ußzuwarten, der genzlichen hoffnung, itzo sei ein gelegne, bequemliche und Šgluckliche zeit, dorinnen alles das, daß seiner ksl. Mt. und dem Heiligen Reich durch die Venediger in Italia abgetrungen und bishere vorgehalten worden ist, sofer dise handlung zu einem krieg wuchß und auch sofer das Heilig Reich seiner ksl. Mt. dorinnen verhelfen wolle, liederlich [= mühelos, leicht] und mit kleynem costen zu erobern sein wurde. Solchß hab sein ksl. Mt. hiemit inen alß deß Heiligen Reichs gelidern zu versteen geben und nit verhalten wollen, damit sie ksl. Mt. gelegenheit, auch furnemen und ursachen deshalben bericht sein, der hoffnung, dieweil sie solch zu etlichen malen auch geraten, sie werden ob solchem seiner ksl. Mt. furnemen gut gefallen haben.

    [4.] Dieweil nu daß gleicherweiß sie alß curfursten, fursten und /74’/ stenden deß Heiligen Reichß alß sein Mt. betreff und sein ksl. Mt. solchem furnemen on ir trostlich, auch dapferlich hilf ußzuwarten nit vermoge, sunderlich in ansehen deß sweren uncosten, so sein ksl. Mt. uf etlicht vil krieg gelegt, die sein Mt. allain zu hanthaben des Reichß oberkait gehabt hat, demnach sei seiner ksl. Mt. gnedig, fruntlich und hoch, auch vleissig bitt und begeren an sie, daß sie die notturft diß handls und furnemens bedenken und erwegen und seiner ksl. Mt. hierin mit hilf zu erscheinen und sein ksl. Mt. keinßwegß verlassen und seiner ksl. Mt. zu solchem furnemen ir hilf mit leuten zu roß und fuß uf das sterkstu ton, und daß die hilf ufs allerfurderlichst berait sei und anziehen mugen neben seiner ksl. Mt. volk, daß sein ksl. Mt. us derselben erblanden und sunst understeen wurd ufzubringen; und dorzu auch ein anzal pulver und salpeter, dann sein Mt. sunst mit geschutz wol versehen sei.

    Dieweil sein ksl. Mt. von stund an mit irem volk in daß felt zu ziehen sich versehe, daß dan keyner uf den andern wart, damit seiner ksl. Mt. erbland sehen, daß sie hilf von dem Heiligen Reich haben und dester lieber bei seiner ksl. Mt. im veld pleiben.

    Daß auch die rustung undv anzal deß volks, wie obsteet, gewißw und vollig dannenx gericht werde, damit dorin kein nachteyly sei.

    zUnd nemlich, daß die hilf uf ein ganz jare gestellt und ksl. Mt. gute leut zu roß und fuß geschickt, damit ir ksl. Mt. wol gedienet wird, und sonderlich durch die zu fuß–z.

    /75/ Und daß seiner ksl. Mt. ein lieb darzu geschee und sie deshalben einen heuptman kiesen, der heubtman uber daß berürt volk zu roß und fus sei, alleß Šzu nutz und wolfart der ksl. Mt. und deß Heiligen Reichß aaund gemeyner teutschen nation–aa, auch hierinnen angesehen die groß notturft.

    [5.] Und dieweil sein ksl. Mt. keinßwegß diser zeit alhie lenger verharren noch pleiben mögen, sunder verrucken und hinwegziehen muß abauß berurten ursachen und sunderlich, daß ir ksl. Mt. glauplich warnung zugestanden, wie die Venediger an den grenezen irer Mt. erblichen furstentumben und landen ein merklich volk zu roß und fuß ligen und fürhaben solten, dieselben zu uberfallen, anzugreifen und zu beschedigen, daruß irer Mt., auch iren landen und leuten unuberwintlicher schade entsteen, wo dem nit begegnet wurde. Und dieweil ir Mt. merklich notturft erfordert, dorin dapfer fursehen und gegenwer zu ton–ab, so begert sein ksl. Mt. an sie alle samptlich und sunderlich, daß sie also beiainander pleiben und keyner von dem andern verrucken welle, biß die andern curfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs auch komen sein, daß ir gnug sein zu dem besliessen, und biß sie also obgerurt hilf irer Mt. zu tun einhelliglich beslossen und volliglich, auch gewisslichen zu bescheen dannen gericht haben.

    [6.] Auf daß, soac wolle sein ksl. Mt. deshalben ir treffenlich rete bei inen lassen, die an seiner ksl. Mt. stat alda pleiben, uf diß begeren antwort von inen empfahen und furter seiner ksl. Mt. daß verkunden, auch daneben in allen andern deß Heiligenad Reichs sachen seiner ksl. Mt. meynung ferrer anzaigen und dorin der notturft nach /75’/ zu handeln verhelfen sollen.

    [7.] Ferner, so woll sein ksl. Mt. inen nit verhalten, sunderae anzaigen, daß sein ksl. Mt. uß beweglichen, treffenlichen ursachen des willenß und furnemens sei, nach dieser heerfart kurzlich sich in eygner persone uß dem Heiligen Reich zu tun und ein zeitlang darußaf pleiben agmuß, alß sein Mt. solchß versprochen ist–ag. Deshalben deß Heiligen Reichß notturft erfordert, sieah mit einem seiner ksl. Mt. stathalter zu versehen, der anstat seiner ksl. Mt. solch zeit auß deß Heiligen Reichs sachen verwalt. Uf daß sei seiner ksl. Mt. gnedig begern an sie, daß sie heruf bedacht sein und auch seiner ksl. Mt. hierin irn rate anzaigen, were zu solchem stathalter tuglich und geschickt sei. Dann sein ksl. Mt. sei genaigt, irem rate hierin zu volgen.

    Š[8.] aiUnd nemlich, so hab ir Mt. marggraven Casimirn, grave Adolfen von Nassau und Sigmonden von Frauenberg, auch andere irer Mt. rete zu solchem tag verordent, die furter nach inhalt einer sundern instruction [Nr. 267], inen deshalben gegeben, weiter handeln sollen–ai. ajActum zu Wormbs am sontag misericordia Domini, am XXIIten tag Aprilis zu der vierden stund nach mittemtag anno Domini etc. nono–aj.

    akSolchß sollen di gedachten unser rete furderlich und mit den besten fugen handeln. Daran tund sie unser ernstliche meynung. Geben zu Mundelnheym am siebenden tag Maii anno etc. im neunden, unserß Reichß des Remischen im XXIIIIten jaren–ak.