Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Vorbemerkung
Als Textvorlage dient das kursächsische Protokoll, da es die Verhandlungen im Kurfürstenrat am genauesten für den gesamten Zeitraum des RT mit sehr detaillierten Einzelvoten umfassend und sorgfältig aufzeichnet. Aufgrund der ausführlicheren Wiedergabe der Voten und des gesamten Verhandlungsgangs sowohl in der eigenen Kurie als auch bei den Relationen mit FR und SR wird es als Kernpunkt der Edition1der Kurmainzer Mitschrift vorgezogen, die zudem keine besonderen Spezifika eines Direktoralprotokolls ausweist, die die Heranziehung als Vorlage rechtfertigen würden. Lediglich die Eröffnung des RT und einige Tage, an denen keine Verhandlungen in den Kurien stattfanden, sondern anderweitige Vorgänge wie die Übergabe von Resolutionen protokolliert werden, fehlen in Kursachsen. Für diese dient Kurmainz als Vorlage2. Ansonsten werden das Mainzer Protokoll und die Kurpfälzer Mitschrift gemäß den Editionsrichtlinien der „Reichsversammlungen“3im Variantenapparat berücksichtigt und ausgewertet, falls sie Ergänzungen oder Abweichungen gegenüber der Textvorlage enthalten. Da diese drei Mitschriften die Gesamtdokumentation der kfl. Verhandlungen beim RT 1594 umfassend gewährleisten, wird die Kurbrandenburger Protokollierung nur ganz ausgewählt für die Kollationierung berücksichtigt. Die Protokolle von Kurtrier und Kurköln4konnten nicht aufgefunden werden5. Für alle im Folgenden dokumentierten Sitzungen, die im Stückkopf keinen Nachweis der Vorlage enthalten, wird Kursachsen grundgelegt, andernfalls ist die Verwendung von Kurmainz jeweils angegeben. Das Sitzungsdatum wird nach dem reformierten Kalender genannt, das Datum nach dem alten Kalender, maßgeblich auch für die kursächsische Mitschrift als Textvorlage, in Klammern angefügt.
Nachweise der Protokolle: Kursachsen6: Reinschr., wohl als bearbeitete Abschrift mit sehr wenigen Korrekturen, die offensichtliche Schreibfehler beheben. Votenprotokoll für den gesamten Tagungszeitraum des KR vom 6. 6. (27. 5.) bis 19. 8. (9. 8.), beinhaltend auch die Sitzungen des Redaktionsausschusses für den RAb, verfasst vom Protokollanten Johann Meißner.
Kurmainz7: Votenprotokoll, eigenhd. verfasst von Sekretär Peter Kraich8als Or.-Reinschr. mit wenigen Korrekturen, umfassend den gesamten RT von der Eröffnung am 2. 6. bis zur Verlesung des RAb am 19. 8., beinhaltend auch die Sitzungen des Redaktionsausschusses für den RAb. Die Mitschrift setzt bereits vor der Verhandlungsaufnahme ein mit Hinweisen auf das RT-Ausschreiben für 17. 4., die vorzeitige Anreise der Mainzer Kanzlei nach Regensburg mit der Ankunft am 26. 4. sowie auf folgende Anmeldungen von Kff. und Ff. Bei der Verhandlungsunterbrechung am 15. 7./16. 7. wegen des Magdeburger Sessionsstreits verweist es für die diesbezüglichen Beratungen an den folgenden Tagen auf ein ‚Nebenprotokoll‘, das jedoch nicht aufgefunden werden konnte. Das vorliegende Nebenprotokoll zur Magdeburger Sessionsfrage (Kurmainz A9) beschränkt sich auf informelle Verhandlungen katholischer Stände vor der RT-Eröffnung vom 20.–24. 5. (Auswertung in Kap. G).
Kurpfalz10: Ein ebenfalls detailliertes Votenprotokoll, verfasst von mehreren Hdd. als Or.-Reinschrift ohne Korrekturen und mit Nummernverweisen am Rand auf die im Protokoll angesprochenen Akten, umfassend den gesamten Verhandlungszeitraum im KR vom 6. 6. (27. 5.) bis zur Verlesung des RAb am 19. 8. (9. 8.), beinhaltend auch die Sitzungen des Redaktionsausschusses für den RAb. Die Autobiografie des als Kurpfälzer Rat anwesenden Fabian von Dohna enthält für den RT neben Angaben zur An- und Abreise nur den Vermerk: Was „daselbsten gehandelt worden, findet man in mein Protocol“11.
Kurbrandenburg A12: Die von Sekretär Andreas Lindholz angefertigte, offiziöse Mitschrift für Kurbrandenburg. Reinschr. (als Abschrift), teils verfasst in der 1. Person, beginnend mit knappen Hinweisen auf das Ausschreiben des RT, die Benennung der Kurbrandenburger Gesandten, deren Ankunft in Regensburg und wenige informelle Gespräche mit Verordneten anderer Stände vor der RT-Eröffnung, die sodann ebenfalls kurz geschildert wird. Die Verhandlungen im KR werden vom 6. 6. (27. 5.) bis zur Verlesung des RAb am 19. 8. (9. 8.) in Votenform dokumentiert, allerdings wesentlich weniger genau als in den Mitschriften für Sachsen, Pfalz und Mainz.
Kurbrandenburg13: Das eigenhd. von Kanzler Dr. Karl Barth verfasste Protokoll (Rapular mit Korrekturen) enthält im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Mitschriften über den KR hinaus 1) interne Beratungen nur der Kurbrandenburger Gesandten unter sich, 2) deren informelle Gespräche mit Gesandten anderer Stände und mit ksl. Räten, 3) Verhandlungen ausgewählter protestantischer Stände sowie 4) im protestantischen Plenum und 5) die Sitzungen des KR. Letztere zeichnet es für den gesamten Verhandlungszeitraum (6. 6. {27. 5.} bis 19. 8. {9. 8.}; ansonsten beginnen die Einträge am 1. 5. {21. 4.}) mit den Einzelstimmen auf, wobei das eigene Kurbrandenburger Votum jeweils fehlt.
Die sehr gute Protokollierung der Verhandlungen im KR wird ergänzt von der kfl. Reichstagskorrespondenz, also den Berichten der Gesandten und den Weisungen der Kff., falls diese nicht persönlich in Regensburg weilten.
Die kursächsischen Berichte gehen sehr detailliert auf die jeweils aktuellen Sitzungen des KR ein, indem sie viele Voten ausführlich referieren und damit an vielen Stellen den Charakter eines Votenprotokolls tragen. Die Berichterstattung erfolgt weitgehend neutral und ohne Kommentierung der Voten. Der Berichtszeitraum ist wegen der zeitweiligen Anwesenheit Kuradministrator Friedrich Wilhelms zweigeteilt: Er reicht zunächst vor dessen Anreise nach Regensburg vom 3. 5. (23. 4.) bis 18. 5. (8. 5.), sodann nach dessen Abreise vom 21. 7. (11. 7.) bis 24. 8. (14. 8.). Ebenso verhält es sich mit den Weisungen des Kuradministrators (zunächst 9. 5. {29. 4.} bis 19. 5. {9. 5.}, sodann 2. 8. {23. 7.} bis 24. 8. {14. 8.})14. Die Berichte der Kurpfälzer Gesandten referieren für den KR ebenfalls viele Voten, wenngleich knapper als im Protokoll, und informieren Kf. Friedrich IV. in sachlicher Form ohne Kommentare über den dortigen Verhandlungsgang. Auch für die protestantischen Religionsberatungen geben sie vielfach die Voten der führenden und summarisch die Position der nachstimmenden Stände wieder. Insgesamt handelt es sich um ergiebige Berichte insbesondere auch für die informellen Unterredungen neben den offiziellen Verhandlungen. Der Berichtszeitraum reicht vom 25. 4. (15. 4.) nur bis 5. 8. (26. 7.), die Überlieferung endet damit vorzeitig noch vor dem Abschluss des RT. Zwar erfolgte die Unterrichtung des Kf. geschlossen meist in jeweils nur einem aktuellen Bericht für mehrere Themenbereiche, jedoch wurde die Ablage relativ streng thematisch geordnet mit der Folge, dass die einzelnen Berichte aufgeteilt wurden und Bestandteile davon separiert in verschiedenen Faszikeln zu finden sind15. Die Kurbrandenburger Reichstagskorrespondenz schildert die Debatten beim RT insgesamt ebenfalls genau, wenngleich sie für den KR nicht immer und für die protestantischen Verhandlungen kaum Voten referiert, sondern das Beratungsergebnis zusammenfasst. Sehr ergiebig sind die Berichte für informelle Unterredungen insbesondere zu den Religionsgravamina und zur Magdeburger Sessionsproblematik mit diesbezüglichen Hintergrundinformationen. Die Unterrichtung des Kf. erfolgte thematisch gegliedert, indem mehrere Berichte gleichen Datums geschickt wurden. So berichteten die Gesandten am 8. 6. (29. 5.) separat über die Verhandlungen im KR einerseits sowie über informelle Unterredungen zur Magdeburger Session und zu den Gravamina andererseits. Für den 27. 7. (17. 7.) liegen vier Berichte vor: 1) Verhandlungen im KR zum 1. HA (Türkenhilfe); 2) Verhandlungen mit ksl. Räten und im Religionskonvent zur Magdeburger Session; 3) Verhandlungsstand zu den protestantischen Gravamina; 4) Verhandlungen im KR zum 2. HA (Landfriede und Niederlande). Insgesamt enthält der Band1637 Berichte im Zeitraum vom 4. 5. (24. 4.) bis 17. 8. (7. 8.) 1594 und einen Nachtrag vom 28. 2. (18. 2.) 1595. Die 15 überlieferten Weisungen des Kf. datieren vom 4. 5. (24. 4.) bis 14. 8. (4. 8.) 1594. Für Kurmainz liegen aufgrund der persönlichen Teilnahme Kf. Wolfgangs nur ein Bericht von Kanzler Philipp Wolf von Rosenbach an den Kf. und dessen Antwort vor17. Für die Kff. von Trier und Köln, die ebenfalls persönlich anwesend waren, sind keine Korrespondenzen überliefert.
Das Protokoll des ksl. Geheimen Rates als Gegenstück zu den reichsständischen Mitschriften ist für den RT 1594 lediglich für dessen Vorbereitung sowie für die erste Verhandlungsphase bis Ende Juni überliefert18, es fehlt also für den Großteil der Beratungen. Allerdings lassen die wenigen Einträge während der Hauptverhandlungen bis 26. 6. erkennen, dass das Protokoll kaum weiterführende Informationen über die schriftlichen ksl. Erklärungen hinaus enthielt, weil lediglich die Übergabe der reichsständischen Resolutionen und in sehr knapper Form der diesbezügliche Beschluss des Geheimen Rates verzeichnet werden, ohne auf Einzelheiten der Beratungen einzugehen. Etwas ergiebiger sind die Einträge für die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung des RT am ksl. Hof, die im Rahmen der Einleitung an entsprechender Stelle berücksichtigt werden.
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